{"id":19194,"date":"2022-09-16T17:29:12","date_gmt":"2022-09-16T15:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19194"},"modified":"2022-09-27T17:29:38","modified_gmt":"2022-09-27T15:29:38","slug":"predigt-ueber-1-mose-16-blinde-bringen-keine-frucht-verfuehrn-die-schoene-nur-zur-flucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19194","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber 1. Mose 16: Blinde bringen keine Frucht, verf\u00fchrn die Sch\u00f6ne nur zur Flucht."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Durch unser Volk zieht sich ein gro\u00dfer Umbruch. Kanzler Scholz sprach von der gro\u00dfen Ver\u00e4nderung der Wirklichkeit, von den neuen Normalit\u00e4ten. Klaus Schwab, Chef des Weltwirtschaftsforums, spricht vom \u201eGreat Reset\u201c, der neuen Weltordnung. Der geistige Denker dieser neuen Weltordnung, der Philosoph Yuval Harari, meint: \u201eDie \u00dcberwachung wird euch frei machen!\u201c Es gibt sicher wenige, die nicht von all dem angesprochen und ber\u00fchrt sind, was sich momentan um uns herum ereignet. Die N\u00f6te dieser Welt, wo sie auch aufbrechen, die m\u00fcssen wir doch l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen ran. Wir m\u00fcssen endlich diese Not abstellen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Leute sind von einer schier grenzenlosen Begeisterung, sie sagen: Das machen wir. \u201eYes we can!\u201c (Obama) Oder \u201eDas schaffen wir!\u201c (Merkel) Wie selbstverst\u00e4ndlich sagt man: Was wollen Sie denn \u00fcberhaupt mit ihrer Bibel, mit ihrem Gott, das ist doch nebens\u00e4chlich. Juden, Christen, Hottentott, wir glauben all an einen Gott! Lassen Sie doch die Religion aus dem Spiel. Hauptsache, wir m\u00fcssen die Welt retten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher kommt dieser grenzenlose Optimismus? Das ist die Religion unserer Tage, dieses Vertrauen auf sich selber. Unser Ich, die Dynamik des Diesseits! Noch klarer: Der vermessene Glaube an sich selbst. Es gibt keine Religion in unserer Welt, die bisher so vermessen war, dass sie dem Menschen solche ungeahnten M\u00f6glichkeiten, der Verwirklichung des Heils in dieser Welt, versprochen h\u00e4tte. Jede Religion hat vielleicht ein Jenseits versprochen. Die vermessenste Religion unserer Tage: Der Glaube an sich selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das aber ist die brutalste Verspottung des lebendigen Gottes. Er lebt, dem diese Welt geh\u00f6rt. Menschen lachen und sagen: wo ist denn euer Gott der Liebe, wo ist denn der Gott, der alles so herrlich regieret.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Junge Menschen saugen das ja richtig auf, wenn man ihnen sagt: Du bist gut! Du kannst das, du hast Macht und musst die Welt gestalten, du kannst Heil und Frieden schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Gift der falschen Religion hat ja in uns allen Platz genommen. Wenn man sich unterh\u00e4lt und dann gro\u00dfspurig gesagt wird: Wir brauchen doch keinen Gott. Wir k\u00f6nnen den neuen Menschen doch selber schaffen. Diese ma\u00dflose Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, wenn man nur auf die eigene Kraft vertraut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Not der Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung geht sogar durch die moderne Christenheit. Man sagt: Was soll denn das H\u00e4ndefalten, das Sammeln um die Bibel! Hauptsache, wir werden aktiv! Und dann kommen diese Aufrufe zur Weltver\u00e4nderung. Merken wir gar nicht, dass wir dazu nicht in der Lage sind, weil wir viel zu schwach dazu sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">O, was machen wir immer f\u00fcr Pl\u00e4ne, und dann reicht unsere Nervenkraft nicht dazu, unsere k\u00f6rperliche Kraft reicht nicht dazu, unsere seelische Kraft reicht nicht dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade f\u00fcr solche Leute gilt das Evangelium, f\u00fcr Zerbrochene. Was lesen wir bei Paulus: wenn ich schwach bin, bin ich durch Jesus stark. Ich m\u00f6chte n\u00fcchtern und offen die Grenzen meiner Person sehen. Ich will nicht dieser verf\u00fchrerischen Irr-Religion unserer Tage erliegen, die den Menschen einredet, er k\u00f6nne das, und er kann gar nichts. Wir sto\u00dfen dauernd an die Grenzen unserer Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ganze Evangelium ist von einer gro\u00dfen Skepsis durchzogen gegen den Menschen. Nicht, weil hier der Mensch ver\u00e4chtlich gemacht werden soll, sondern im Gegenteil, weil Gott mehr aus uns machen will. Weil er den Menschen h\u00f6her achtet als sein Ebenbild. Deswegen wollen wir uns heute damit besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die gro\u00dfe Not unserer Christenheit, dass wir uns einbilden, wir k\u00f6nnten nur eine Stunde unseres Lebens ohne das Erbarmen Gottes zubringen. Nur einen Tag unseres Lebens gestalten, ohne nicht in allem der Gaben unseres Gottes bed\u00fcrftig zu sein. Wir brauchen diesen Herrn, der f\u00fcr Elende da ist. Da ist dieser tiefe Graben zwischen den zwei verschiedenen Religionen: der Glaube an Jesus, der f\u00fcr Elende gestorben ist oder der Glaube an den frommen Menschen. Ich habe vier Punkte, die ich an dieser Hagar-Geschichte zeigen will.<\/p>\n<p><strong><em>1. Abraham ist ja nicht dumm, warum bist du nur so stumm?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abraham, Sara und Hagar. Alle drei sind regelrecht blind geworden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abraham hat weit gesehen, bis in den Nachthimmel hinein und dort hat er die Sterne erkennen k\u00f6nnen, und er hat sie nicht gez\u00e4hlt. Und Gott hatte gesagt, siehst du die Sterne, kannst du sie z\u00e4hlen, so gro\u00df soll einmal deine Nachkommenschaft sein. Und er schaute mit einem Weitwinkel hinauf. Ein Sehender dieser Abraham. Die Sternstunde seines Lebens \u00fcberhaupt. Damals war er 76 und inzwischen ist er 86 geworden, zehn Jahre sind ins Land gegangen, aber seine Nachkommen hat er nicht gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist Gottes brutale Geduldsprobe mit glaubenden Menschen, dass er einen Jahr um Jahr warten lassen kann, dass er uns eine Verhei\u00dfung gibt, von dem was werden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ein einziger Sohn, geschweige denn eine Tochter ist angekommen. Nicht einmal ein Sternchen ist aufgegangen und er fragt sich: Wie lange soll ich eigentlich noch warten? Gott tut keinen Muckser. Gott r\u00fchrt keinen Finger. Gott macht \u00fcberhaupt keinen Rucker. Und so wurde Abraham blind f\u00fcr Gottes Wirken. Warten ist schwer, das stimmt. Warten, ist schwer. Franz Werfel sagt: Alles Warten ist ein Warten auf den Tod. Deswegen ist es so schwer. Er wartet und \u00fcber diesem Warten wird dieser Abraham blind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ber\u00fchmte Maler Rembrandt hat in seinen bekannten Strichzeichnungen auch drei Bilder zu dieser Geschichte gemalt. Einmal, wie Sara die sch\u00f6ne Hagar dem Abraham zuf\u00fchrt. Das zweite Bild, wie sich Sara bei Abraham \u00fcber die Hagar beschwert, und ein drittes Bild, wie die Hagar verlassen am Brunnen sitzt. Und auffallend in allen drei Bildern, so wie in diesem Text, ist Abraham keineswegs mehr die Hauptperson. L\u00e4ngst hat er die Z\u00fcgel aus der Hand gegeben und die Frauen haben die Dinge in der Hand. Ein alter Ausleger sagt: Abraham sieht zwischen zwei stark knorrigen Frauen wirklich alt aus. Diese Frauen spielen die aktive Rolle. Sie spielen immer wieder die aktiven Rollen in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer die Bibel kennt, wei\u00df das schon lange. Abraham sieht n\u00e4mlich nicht nur alt aus. Er ist es auch, fast zum Pantoffelheld heruntergewirtschaftet. Es gibt ja einen schw\u00e4bischen Ausdruck daf\u00fcr: L\u00e4llep\u00e4pper. Das ist im Grunde un\u00fcbersetzbar, aber einer der alt aussieht zwischen zwei stark knorrigen Frauen. Er, der nicht mehr agiert, sondern nur noch reagiert, so wie gerade die Frauen wollen. Er ist 86 Jahre mit knapp 70 Jahren hat er die Verhei\u00dfung eines Sohnes bekommen und mit 76 Jahren bekam er die Best\u00e4tigung: Deinem Nachkommen will ich dies Land geben (1. Mose 15). Und Gott tut keinen Muckser. Gott r\u00fchrt keinen Finger. Gott l\u00e4sst geradezu alles schleifen. Abraham wartet. Er ist ja im Grunde ein geduldiger Mensch. Aber in uns steckt die Ungeduld. Schon das Warten auf den Bus 15 Minuten lang oder das Warten auf die Hochzeit ein Jahr lang; undenkbar! Verstehen Sie, wir k\u00f6nnen nicht warten. Er konnte warten, warten ist schwer, es ist schlimm. Eine schwere Probe. Wohl dem, der warten kann. Warten auch im Glauben. Simeon, der Adventsmann. Simeon sagte: Ich warte auf dein Heil! Das ist Glaube, der warten kann, der tut Not.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wir werden schnell nerv\u00f6s, wenn Menschen das Evangelium nicht annehmen. Das ist Gottes Geduldsprobe. Er kann die Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfung aussetzen. Nicht, weil die Verhei\u00dfung Gottes eine wacklige Sache w\u00e4re, sondern aus einem ganz anderen Grund: weil die Verhei\u00dfung so fest in der Hand Gottes ruht. Die Nachkommenschaft des Abraham, die war so fest und sicher unabh\u00e4ngig von all dem, was Menschen f\u00fcr m\u00f6glich halten. Die war fest garantiert, so kann Gott auch Jahr um Jahr warten. F\u00fcr ihn ist das doch kein Problem, wenn Abraham und Sara \u00fcber die Jahre sind. Das ist Gottes Art mit uns!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum macht es Gott denn so? Da kann man ja an Gott verzweifeln. Aus einem Grund, weil er uns glauben lehren und nicht unbedingt Siege erleben lassen will. Den Glauben, den er wirken will, der ist ihm wichtiger als alles andre. Er will uns erst den Glauben abverlangen. Die Siege sind fest in seiner Hand und die schenkt er auch noch. Die Siege kommen, auch wenn wir schon lange unter dem Boden liegen. Was Gott wichtig ist, dass dieser nackte Glaube entsteht. Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. Ohne Beweise in der Hand, ohne sichtbare Zeichen. Abraham glaubte. Den Glauben will Gott bei uns wecken. Das schlie\u00dft das K\u00e4mpfen und Ringen nicht aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wir hier nichts glorifizieren, das ist eine schier brutale Geduldsprobe Gottes. Sie hat das Ziel der Glaubensweckung und Glaubensvertiefung. Alles zielt auf diesen Glauben, ohne Glauben kann man Gott nicht gefallen, den brauchen wir. Gott sind nicht die vollen Kirchen wichtig, Gott ist nicht wichtig, was du alles f\u00fcr ihn tust. Nur, dass du glauben lernst. Das H\u00e4ngen an seinem Wort, das ist ihm wichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ludwig Hofacker, der Erweckungsprediger aus W\u00fcrttemberg, hat w\u00e4hrend seiner kurzen Wirksamkeit als Pfarrer das Motto gehabt: Dass ich schwach bin, wird er wissen, dass er stark ist, wei\u00df auch ich, der mich aus dem Tod gerissen, ist nun mein Herr f\u00fcr mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abraham h\u00e4tte \u201eNein\u201c sagen m\u00fcssen, wo er \u201eJa\u201c sagt. Die brutale Geduldsprobe hat er leider nicht bestanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>2. Sara f\u00e4llt jetzt noch was ein, doch es geht nicht gut zu drein!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sara verliert auch etwas: die Geduld. Sie verliert nicht den Glauben. Sie sagt ja: Der Herr hat mich verschlossen. Sie und ihr Mann nehmen Kinderlosigkeit nicht einfach als Schicksal an. Sie sehen in ihrer Kinderlosigkeit eine Verf\u00fcgung Gottes. In der Bibel gibt es \u00fcberhaupt keine von Gott losgel\u00f6ste Naturtatsachen, alle Naturvorg\u00e4nge sind in der Bibel mit Gott in Zusammenhang gebracht. Aber, der Gott Abrahams ist immer Urheber, Erhalter, Erl\u00f6ser und Vollender aller Kreatur und Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das Kinderkriegen ist nicht ein von Gott losgel\u00f6stes Problem. Kinder sind eine Gabe Gottes und Leibesfrucht ist ein Geschenk. D. h. aber auch: Gott ist auch ein Herr der Kinderlosigkeit. Liebe Gemeinde, sie ist eine Gabe von schwerem Gewicht. Kinderloses Leben hat aber f\u00fcr Sara keinen Sinn, sie wei\u00df eben noch nicht, was der Prophet Jesaja dann gesagt hat: R\u00fchme du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, freue dich mit R\u00fchmen und Jauchzen, die du nicht schwanger bist, denn die Einsame wird mehr Kinder haben als die den Mann hat (Jes 54,1). Eine Verhei\u00dfung, die bis zum heutigen Tag gilt. Eine Verhei\u00dfung, f\u00fcr viele. Gott will uns sagen, dass er die ganz besonders segnen will, die kinderlos sind. Sollte der Gott, der Kinder segnet, nicht auch die segnen, die keine Kinder haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sara sagt die Wahrheit, wenn sie sagt: \u201eDer Herr hat mich verschlossen.\u201c Aber sie sagt nur die halbe Wahrheit und die halbe Wahrheit ist eben eine ganze L\u00fcge. Sie verschweigt, dass Gott ihr Nachkommen verhei\u00dfen hat. Sara sieht sich an und sieht nichts mehr von der Verhei\u00dfung. Sara schaut auf sich und wird blind f\u00fcr die Wirklichkeit Gottes. Geistlich blind. Gott r\u00fchrt keinen Finger, sagt sie. Und wenn Abraham lammfromm sich mit Gottes Zusagen abfindet, dann ist es wieder einmal an der Frau nach dem Rechten zu sehen. So macht sie einen verh\u00e4ngnisvollen Vorschlag: Gehe zu meiner Magd, Abraham, gehe zu meiner Magd Hagar, ob sie einen Sohn bekommt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Vorschlag war nach damaligem Recht rechtens. Lesen Sie nach (1. Mose 30,3 und 9): Dieser Vorschlag war nach damaligem Recht legitim. Es war nach deren Vernunft das einzig Vern\u00fcnftige. Aber damit wird sie gleichzeitig zur Versuchung f\u00fcr den Abraham. Wie vertr\u00e4gt sich das mit dem Glaubensgehorsam? Sara sagt, wir m\u00fcssen Gott nachhelfen. Wir m\u00fcssen Gott auf die Spr\u00fcnge helfen. Wir m\u00fcssen Gott endlich einmal Beine machen. Wenn wir nichts sehen, dann m\u00fcssen wir Gott nachhelfen, dann m\u00fcssen wir es eben machen. Wir sind immer wieder versucht, Gott F\u00fc\u00dfe zu machen, damit er das auch tut, was wir wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht alle gesetzlich erlaubten Wege sind gottgewollte Auswege, nicht alles was erlaubt ist, ist auch vor Gott recht. Wir haben ja heute vielfach das umgekehrte Problem, so wie es sich hier darstellt. Frauen erwarten ein Kind, dann gibt es \u00c4rger zu Hause. Die Spannungen mit dem Freund, dem Mann, sie werden unertr\u00e4glich, weil sie dieses Kind nicht haben wollen. Und nun geht man den legalen Weg \u00fcber Paragraf 218 und l\u00e4sst abtreiben, um die Spannung zu l\u00f6sen. Die Spannung ist gel\u00f6st, aber die Schuld ist riesengro\u00df. Ein m\u00f6glicher Weg heute, gewiss, aber ein schrecklicher Irrweg, so wie bei Abraham hier. Immer, wenn wir eigene Wege heraus aus der Spannung suchen, dann sind das Holzwege. Wir m\u00fcssen uns das wieder klarmachen. Eigene Wege suchen, die uns die Spannungen wegnehmen k\u00f6nnten, sind Irrwege, sind Holzwege, sind W\u00fcstenwege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abraham erliegt der Versuchung. Er gehorchte der Stimme Saras, weil er nicht mehr auf die Stimme Gottes horcht, so wie bei Adam. Die Folgen bleiben auch hier nicht aus. Es kommt, wie es kommen muss. Der Friede im Haus ist dahin, der \u00e4u\u00dfere und der innere, vom Haussegen kann keine Rede mehr sein. Das Ganze ist ein einziger Scherbenhaufen. Sara ist blind geworden und Abraham ist blind geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfen wir uns immer wieder selbst, ob das, was durch das Menschengesetz legitimiert ist, ob das auch recht vor Gott ist. <em>Sara wird zur Eva, die dem Mann nicht die Frucht des Baumes, aber die Frucht des Weibes anbietet.<\/em> Ja, Abraham h\u00e4tte \u201eNein\u201c sagen m\u00fcssen. Tausendmal \u201eNein\u201c! \u201eNein\u201c zur Sprache der Tatsachen. Und \u201eJa\u201c zur Sprache der Verhei\u00dfung. Das sollen wir wieder lernen, \u201ewas er verspricht, das bricht er nicht, er bleibet meine Zuversicht!\u201c Auch beim langen Warten! Auch in ihrem Leben wird sich jedes Warten lohnen, wenn sie bei diesem \u201eNein\u201c bleiben. O, Sara und Abraham h\u00e4tten \u201eNein\u201c zur Leihmutterschaft sagen m\u00fcssen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>3. <\/em><\/strong><strong><em>Hagar will vor Hochmut platzen, doch da gibts was auf die Tatzen!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn Abraham hat hier eingewilligt, da ist doch der ganze Friede dahin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schwangerschaft der Hagar l\u00e4uft gut an, aber zwischen den Frauen, geht jetzt alles schief. Hagar hat ja vorher als Leibmagd von Sara ganz dicht bei ihr gewohnt. Wahrscheinlich stammte die Hagar (auf Deutsch \u201eSch\u00f6n\u201c und \u201eFlucht\u201c) aus jener Geschenkmasse des Pharao, die der Abraham bekam, als er wieder seine Frau aus dem Frauenhaus zur\u00fcck bekam. Sie erinnern sich, Abraham damals in \u00c4gypten. So war sicherlich Hagar eine der \u00e4gyptischen Sch\u00f6nheiten aus dieser Geschenkmasse aus \u00c4gypten. Und die hat als Leibmagd mit Sara zusammengelebt und jetzt, jetzt tritt diese Verfremdung zwischen den beiden Frauen ein. Der Sklavin steigt das in den Kopf. Sie trumpft gegen Sara auf, Hagar schnappt fast \u00fcber, weil sie jetzt zur einzigen Hoffnungstr\u00e4gerin im Abraham-Clan wird. Ihr Mutterstolz wird st\u00e4rker als die Rechtslage. Schlie\u00dflich ist sie ja eigentlich noch Magd, sie ist nur ausf\u00fchrendes Organ, sie ist Leih- oder Ersatzmutter, nicht Chefin im Zelt. Aber Mutterstolz kann auch blind machen f\u00fcr die wahren Verh\u00e4ltnisse und so hei\u00dft es hier zuerst: sie achtete ihre Herrin gering. Diese Stellung macht die Sch\u00f6ne hochm\u00fctig. Und Hochmut kommt immer vor dem Fall!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss diesen Satz genau angucken: achtete ihre Herrin gering, d. h. die sah auf ihre Herrin herab. W\u00f6rtlich hei\u00dft das n\u00e4mlich: Ihre Herrin wurde leicht in ihren Augen. Sara ist f\u00fcr Hagar pl\u00f6tzlich ein Leichtgewicht geworden. Sie hat nicht mehr das Gewicht f\u00fcr sie als Chefin. Diese Sara spielt jetzt nur noch eine geringe Rolle. Ich, Hagar, ich bin (ge)wichtiger geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie macht das, was wir auch immer wieder zu machen versuchen. Wir wiegen! O, wir wiegen! Stellen Sie sich diese alte Pendelwaage beim Kaufmann vor, wo man vor 60 Jahren Salz und Zucker gekauft hat. Da war diese Pendelwaage, mit der man ausgewogen hat. Und da stellte man den Zucker auf die eine Seite und die Gewichte auf die andere Seite. So wurde es austaxiert. Sehen sie Hagar macht es, sie stellt sich auf die eine Seite der Waage und packt die Sara auf die andere und dann wird selbstverst\u00e4ndlich Sara nach oben gezogen. Sie ist ja das Leichtgewicht, Hagar mit dem Kind im Herzen ist ohnehin schwerer. Ich bin gewichtiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht wahr, obwohl Hagar am Anfang ganz gro\u00dfe Augen gemacht hat. Gro\u00dfe Augen, als ihr dieser Vorschlag gemacht wurde, Leihmutter zu werden. Mutterw\u00fcrden zu tragen, herausgenommen aus dem Sklavenstand, aber dann wird sie auf einmal blind f\u00fcr die Verh\u00e4ltnisse. Sie sieht sich nicht mehr als Magd und sieht Sara nicht mehr als Herrin, sondern sie sieht es umgekehrt. So wie wenn man das Fernrohr rumdreht und sieht auf einmal das, was bisher gro\u00df war ganz klein und in der Ferne. Der Hagar steigt es in den Kopf. Sie emanzipiert, trumpft auf, protzt. Eigentlich bin <em>ich<\/em> jetzt die Herrin im Haus, jetzt bin ich die Frau im Hause. O schrecklich, zwei Frauen im Clinch. Es geht hart auf hart, schrecklich diese Szene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sara eilt schlie\u00dflich zu Abraham und bittet das Familienoberhaupt, dass er damals ja war, bittet das Familienoberhaupt der Magd die Flausen auszutreiben und ihren Kopf zurecht zu setzen und zu sagen: Hagar, so geht das nicht! Aber Abraham macht zwischen den zwei stark knochigen Frauen eine recht ungl\u00fcckliche Figur. So ist es. Eine recht ungl\u00fcckliche Figur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie geh\u00f6rt \u00fcberschrieben: Der Hampelmann zwischen Frau und Emanze. Das ist der Abraham geworden. Abraham guck weg. Er ist ja blind, Sara schl\u00e4gt blind w\u00fctend zu und Hagar l\u00e4uft blindlings davon, genau so ist&#8217;s: ein Scherbenhaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn wir jetzt einmal fragen, wer ist denn daran schuld? Abraham ganz sicher: Seine Bereitwilligkeit zur Familienplanung ohne Gottes Zustimmung ist schuld. Und Sara hat auch Schuld. \u00dcberdeutlich. Man kann Gott nicht Beine machen, ihm nicht ins Handwerk pfuschen. Wer ihm ins Handwerk pfuscht, verpfuscht sein Leben. Warten k\u00f6nnen, warten k\u00f6nnen! Und noch einmal m\u00fcssen wir diesen Satz h\u00f6ren, warten k\u00f6nnen! In einem der gro\u00dfen Lieder hei\u00dft es: <em>\u201eWenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein, um dein Gr\u00e4men zu besch\u00e4men, wird es unversehens sein.\u201c<\/em> Gott wei\u00df den Punkt Ihres Lebens. Gott wei\u00df die wunden Punkte in unserm Leben, warum sie noch auf der Wartebank sitzen. Er wei\u00df warum. Es ist gut so, Freunde. Es ist gut so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt dreht ja Sara den Spie\u00df herum und l\u00e4sst Hagar f\u00fchlen, wer die Herrin ist. Sie macht Hagar richtig fertig. Eine Schikane nach der andern und alles im R\u00fccken des Abraham. Hagar sieht keine L\u00f6sung mehr. Sie kann sich nicht mehr helfen. Nach der Geburt wird es erst richtig losgehen, weil es ja dann das Kind der Sara ist. Und die soll es auf keinen Fall bekommen, deshalb die Flucht in die W\u00fcste. Flucht in die W\u00fcste war damals Selbstmord. Heute wirft man sich vor den Zug, damals ging man in die W\u00fcste. Wer sich vom Zeltdorf allein entfernt, ist chancenlos und hoffnungslos verloren. Die hochschwangere Hagar sagt sich: Lieber in der W\u00fcste verenden als ewig unter der Knute der Sara leiden. Nat\u00fcrlich wird die Abwesenheit der Hagar sofort bemerkt und niemand sage mir, Abraham h\u00e4tte sie nicht zur\u00fcckholen k\u00f6nnen. Aber er kr\u00fcmmt keinen Finger, er l\u00e4sst die Sch\u00f6ne laufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Armer, armer Abraham! So erb\u00e4rmlich arm, das Gott selbst eingreifen muss. In der Armut der W\u00fcste, sp\u00e4ter in der Armut der babylonischen Gefangenschaft, sp\u00e4ter in der Armut eines Hirtenfeldes tauchen Gottes Boten auf. \u201eUnd alsbald war da die Menge der himmlischen Heerscharen, Jesus, der Retter ist da.\u201c \u201aEr hat viel 1000 Weisen zu retten aus dem Tod.\u2018<\/p>\n<p><em><strong>4. Hagar, sprich: Wo kommst du her? Geh zur\u00fcck, auch wenn es schwer!<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie gehen alle schier kaputt. Sara geht kaputt an der \u00fcberheblichen Prahlerei von der Hagar. Dann geht die Hagar schier kaputt. Die hochschwangere Frau in der W\u00fcste. Abraham geht schier kaputt, die Ehe droht ja zu zerspringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hagar hatte ein doppeltes Findergl\u00fcck. Sie findet einen Quell und wird von einem Engel gefunden. Gott h\u00e4lt seine Augen offen, auch \u00fcber dem Niemandsland der W\u00fcste, wo sich Menschen verlassen vorkommen. Und wenn sie dort mit dem Psalmisten schreien: \u201eWie sollte der H\u00f6chste etwas merken\u201c, sagt Hagar in ihrem Bekenntnis: Der Lebendige, der mich sieht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht kommt Ihnen Ihr Lebensabschnitt vor wie ein Niemandsland. Irgendwo sind Sie ganz weit drau\u00dfen. Ob Gott mich h\u00f6rt, ob Gott mich noch sieht, oder ob Gott mich nicht doch schon abgeschrieben hat. Liebe Gemeinde, dieser Gott ist auch ein Gott der W\u00fcste und des Niemandslandes. Und dieses Glaubensbekenntnis k\u00f6nnen Sie nachsprechen. Der Lebendige, der mich sieht, mich in meiner W\u00fcste! Der mich sieht, der mich nicht verdursten l\u00e4sst. Der mich sieht, der mich nicht in der W\u00fcste verenden l\u00e4sst, der sieht mich. Der Sohn wird Ismael hei\u00dfen, Stammvater der Beduinenst\u00e4mme der Araber. Bleiben wir dabei: Du bist ein Gott, der mich sieht, du bist ein Gott, der mir helfen kann auch dort, wo mich keiner sieht mit meiner Not.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt kommt die peinliche Frage: <strong>Wo kommst du her?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Worte richtet der Engel des Herrn an Hagar, die von ihrer Herrin geflohen war, um der Dem\u00fctigung aus dem Wege zu gehen. Und jetzt kann man erfahren, wie der Herr eine leidende und schuldig gewordene Hagar aufhebt in seiner Vergebung. Und dieser Gott, der nicht mit uns handelt nach unserer Missetat und uns nicht vergilt nach unseren S\u00fcnden, sondern wie sich ein Vater liebend einer gefallenen Frau erbarmt. Diese Frage hat ja zur Folge, dass Hagar ihren dummen Schritt bereut und bereit ist zur Umkehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus, der Sohn Gottes, richtet in derselben Weise auch an dich die Frage: <strong>\u201eWo kommst du her?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bist Du auf der Flucht vor deinem Herrn? ER ist Dein rechtm\u00e4\u00dfiger Herr, Dein Sch\u00f6pfer und Erl\u00f6ser, nur Jesus kann Dein Herr sein. Jesus, der f\u00fcr Dich geboren und f\u00fcr Dich gestorben ist. Er hat Dich geliebt und mit seinem Blut und seinem Kreuzestod erl\u00f6st. Hast Du seine Liebe erwidert, seine Erl\u00f6sung Dir angeeignet und Dein Leben als lebendiges Opfer Ihm anvertraut?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie arm und elend, wie verlassen und hoffnungslos mag sich Hagar gef\u00fchlt haben, als sie dort auf der Flucht am Brunnen sa\u00df. Ihr Gewissen hat sie verklagt und verurteilt; ihr Herz war traurig und verzagt; ihre Hoffnung war zur Verzweiflung geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus ruft Dir diese Frage heute Morgen zu: Kommst Du von der Jagd nach Geld und Ruhm? Oder kommst Du etwa aus viel Leid und Traurigkeit? Woher Du auch kommen magst, Jesus steht wie der wartende Vater mit ge\u00f6ffneten Armen da und erwartet Dich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kommt die n\u00e4chste peinliche Frage f\u00fcr Hagar: <strong>Wo willst du hin?<\/strong> ER sagt ihr: Du kannst jetzt zur\u00fcck, Hagar! Und du kannst dich unter eine Sara dem\u00fctigen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Mensch sollte sich \u00fcber seinen Lebensweg und sein Ziel klar werden. Deshalb beantworte die Frage: \u201eWo willst du hin?\u201c Der Sargdeckel ist doch die gro\u00dfe letzte Frage! Ist der Himmel das Ziel Deines Lebens? Dann richte Dein Leben auch danach ein. Viele im christlichen Lager wollen heute den schmalen Weg zum Himmel breiter machen und ohne Kreuz gerettet werden. Das geht nicht. Jesus legt die Spielregeln f\u00fcr die Nachfolge fest, nicht wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder willst Du ewig verloren gehen in der H\u00f6lle? Jesus sagt klar und deutlich: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt \u00fcber ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus fragt Dich heute doppelt: Wo kommst Du her? Und wo willst Du hin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vertrau ihm heute dein Leben an!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker, Bibelgemeinde Bremen, Bremen am 18.9.2022<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch unser Volk zieht sich ein gro\u00dfer Umbruch. 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