{"id":19100,"date":"2022-08-04T12:24:59","date_gmt":"2022-08-04T10:24:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19100"},"modified":"2022-08-04T13:37:46","modified_gmt":"2022-08-04T11:37:46","slug":"rosaria-butterfield-das-zeugnis-ihrer-umkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19100","title":{"rendered":"Rosaria Butterfield \u2013 das Zeugnis ihrer Umkehr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als \u00fcberzeugte Linke und lesbische Professorin verachtete ich Christen total. Und dann wurde ich selbst eine Christin. Der Name \u201cJesus\u201d blieb mir immer in der Kehle stecken, ja er schn\u00fcrte mir irgendwie die Kehle zu. Ganz gleich wie hartn\u00e4ckig ich versuchte ihn irgendwie zu verstehen. Diejenigen die sich zu diesem Namen bekannten, erregten meinen Zorn und gleichzeitig auch mein Mitleid. Als Universit\u00e4tsprofessorin wurde ich auch den Studenten gegen\u00fcber \u00e4rgerlich, die sich gedr\u00e4ngt f\u00fchlten, mich immer wieder auf Jesus anzusprechen. Diese nervigen Christen schienen nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, Bibelverse in unsere Gespr\u00e4che einzustreuen. Leider mit dem traurigen Ergebnis, dass diese somit beendet waren. Dumm. Sinnlos. Bedrohlich. So dachte ich \u00fcber Christen und ihren Gott Jesus.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Professorin f\u00fcr Englisch und Frauenforschung war ich auf bestem Weg, richtig radikal darin zu werden, Moral, Gerechtigkeit und Mitgef\u00fchl zu fordern. Dabei war ich auch noch eine gl\u00fchende Anh\u00e4ngerin der Philososphien von Freud, Hegel, Marx und Darwin. Au\u00dferdem hatte ich noch den tiefen Wunsch im Herzen, den Schwachen dieser Welt beizustehen. Moral war mir eben wichtig. Wahrscheinlich h\u00e4tte ich (die Lehre) Jesus und (die) seine(r) Mitstreiter besser packen k\u00f6nnen, wenn sie nicht so von den christlichen Konservativen in unserem Land unterst\u00fctzt worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer dieser Moralapostel und seine geistreiche Bemerkung im Jahr 1992 auf dem Republikanischen Parteitag brachte mich auf \u201ehundertachtzig\u201c. \u201eDer Feminismus\u201c, sp\u00f6ttelte er, \u201eermutigt Frauen ihre M\u00e4nner zu verlassen, ihre Kinder umzubringen, Zauberei zu praktizieren, den Kapitalismus zu zerst\u00f6ren, und lesbisch zu werden.\u201c In der Tat. Der Gesamtumschlag von christlichen Glaubenss\u00e4tzen, vermengt mit der republikanischen Politik, forderte meine volle Aufmerksamkeit. Nachdem mein Buch ver\u00f6ffentlicht wurde, habe ich meine Stellung dazu benutzt, den Zielen der linksgerichteten lesbischen Professorinnen (ich war auch eine), n\u00e4her zu kommen. Mein Leben schien gl\u00fccklich und sinnerf\u00fcllt. Meine Partnerin und ich hatten viele wichtige gemeinsame Interessen: Aids-Aktivismus, die Gesundheit von Kindern und deren Alphabetisierung, Golden Retriever Rescue (eine Tierschutzorganisation), oder unsere Unitarierkirche, um nur einige zu nennen. Selbst wenn du den Gespenstergeschichten, die dieser Moralprediger und seinesgleichen ver\u00f6ffentlicht haben, Glauben schenken solltest, wird es schwer zu bestreiten sein, dass meine Partnerin und ich keine hilfsbereiten B\u00fcrgerinnen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die GLBT-Community (Organisation fu\u0308r Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans sexuelle) legt viel Wert auf Gastfreundschaft und setzt sich mit Geschick, Opferbereitschaft und Integrit\u00e4t auch dafu\u0308r ein. Ich fing an die \u201ePolitik des Hasses\u201c der religi\u00f6sen Rechten gegen Homosexuelle wie mich zu erforschen. Um dies tun zu k\u00f6nnen, musste ich das eine Buch lesen, das meiner Meinung nach so viele Menschen aus der Bahn geworfen hatte: die Bibel. Auf der Suche nach einem Bibelgelehrten, der mich bei meinen Recherchen unterst\u00fctzen k\u00f6nnte, startete ich meinen ersten Angriff auf die unheilige Dreifaltigkeit: Jesus, republikanische Politik und die Patriarchie (Gesellschaftsform, in der V\u00e4ter \/ M\u00e4nner das Sagen haben), in Form von einem Artikel in der Lokalzeitung u\u0308 ber die \u201ePromise Keepers\u201c. Das war im Jahr 1997.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab viele Leserbriefe als Reaktion auf meinen Artikel. So viele, dass ich je einen Beh\u00e4lter auf beiden Seiten meines Schreibtisches anbrachte: einen f\u00fcr Hass-Briefe, einen f\u00fcr Fanpost. Aber ein Brief, den ich erhielt, hebelte mein Ablagesystem aus. Er kam vom Pfarrer der Reformierten Syracuse Presbyterian Church. Es war ein g\u00fctiger und zugleich herausfordernder Brief. Ken Smith ermutigte mich, durch seine Art mir Fragen zu stellen: Wie sind Sie zu Ihrer Sichtweise gekommen? Woher wissen Sie, dass Sie Recht haben? Glauben Sie an Gott? Er kommentierte meinen Artikel nicht, sondern er bat mich, die Theorien, die ich verteidigte, zu hinterfragen und zu belegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte und warf seinen Brief weg. Sp\u00e4ter an dem Abend fischte ich ihn aber dann wieder aus dem Papierkorb und legte ihn wieder auf meinem Schreibtisch, von wo aus er mich eine Woche angestarrt hat. Er konfrontierte mich mit der Kluft zwischen den beiden Weltanschauungen und verlangte eine Antwort darauf. Als postmoderne Intellektuelle argumentierte ich gew\u00f6hnlich aus einer historisch- materialistischen Perspektive \u2013 aber das Christentum ist eine andere, \u00fcbernat\u00fcrliche Weltsicht! Ken\u2018s Brief hatte \u2013 ohne sein Wissen \u2013 die Integrit\u00e4t meiner Recherche ramponiert. Mit seinem Brief leitete Ken einen Prozess ein, mir, einer Heidin, den Glauben n\u00e4her zu bringen. Ich hatte vorher schon viele Bibelverse auf Plakaten w\u00e4hrend der M\u00e4rsche der \u201eGay Pride\u201c gesehen! Es war mir klar, dass die Christen, die mich verspotteten, gerne gesehen h\u00e4tten, wie ich und Menschen die ich liebte, in der H\u00f6lle schmorrten. Ken war aber anders: er spottete nicht, er setzte sich ein. Als er mir dann eine Einladung zum Abendessen zuschickte, nahm ich sie an. Meine Beweggr\u00fcnde zu diesem Zeitpunkt waren klar: sicherlich sollte dieses Treffen f\u00fcr meine weiteren Recherchen hilfreich sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Etwas v\u00f6llig Anderes passierte jedoch. Ken, seine Frau Floy und ich wurden Freunde. Sie<\/u> <u>betraten meine Welt.<\/u> Sie trafen sich mit meinen Freunden. Wir empfahlen uns gegenseitig B\u00fccher. Wir sprachen ganz offen \u00fcber Sexualit\u00e4t und Politik. Sie reagierten nicht so, als wenn solche Gespr\u00e4chsthemen sie verschmutzen w\u00fcrden. Sie behandelten mich nicht wie eine Au\u00dfenseiterin. Wenn wir zusammen a\u00dfen, betete Ken in einer Art und Weise, die ich davor nie geh\u00f6rt hatte. Seine Gebete waren innig und vertraut. Geradezu verletzlich. Er bereute seine Su\u0308nden in meiner Gegenwart. Er dankte Gott fu\u0308r alle Dinge. Ken\u2018s Gott war heilig und unersch\u00fctterlich, dennoch voller Gnade. Und weil Ken und Floy mich nicht zur Kirche eingeladen haben, wusste ich, dass wir Freunde bleiben konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fing an die Bibel zu lesen. Ich las ungef\u00e4hr so, wie ein Vielfra\u00df frisst. W\u00e4hrend dieses Jahres las ich sie einige Male, in mehreren \u00dcbersetzungen. Bei einem Abendessen trieb mich meine geschlechtsumgewandelte Partnerin in die Enge. Sie legte ihre gro\u00dfe Hand auf meine. \u201eDas Lesen der Bibel ver\u00e4ndert dich, Rosaria\u201c, warnte sie mich. Zitternd, flu\u0308sterte ich, \u201eJ., was ist, wenn dies alles wahr ist? Was ist, wenn Jesus wiklich der auferstandene Herr ist? Was ist, wenn wir alle in der Klemme sitzen?\u201c J. atmete tief aus. \u201eRosaria\u201c, sagte sie, \u201e15 Jahre lang war ich eine presbyterianische Geistliche. Ich habe gebetet, dass Gott mich heilen w\u00fcrde, aber er tat es nicht. Wenn du willst, werde ich f\u00fcr dich beten.\u201c Ich fuhr fort in der Bibel zu lesen. Die ganze Zeit k\u00e4mpfte ich gegen die Idee, dass sie inspiriert und wahr sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Bibel wurde immer gr\u00f6\u00dfer in mir, bis sie meine Welt ganz \u00fcberstr\u00f6mte. Ich k\u00e4mpfte mit aller Kraft dagegen an. An einem Sonntagmorgen stieg ich aus dem Bett meiner lesbischen Geliebten und sa\u00df eine Stunde sp\u00e4ter in einer Kirchenbank der Syracuse- reformierten Presbyterianischen Gemeinde. Ich fiel auf durch meinen maskulinen Haarschnitt, erinnerte mich aber daran, dass ich dort war, um Gott zu begegnen, nicht um dort hineinzupassen. <u>Die Vorstellung, die mich wellenartig ergriff, dass ich und alle Menschen, die<\/u> <u>ich liebte, in der H\u00f6lle leiden w\u00fcrden, brach in mein Bewusstsein hinein und liess mich nicht<\/u> <u>mehr los.<\/u> Ich k\u00e4mpfte mit allen Mitteln, die mir zur Verf\u00fcgung standen. Ich wollte dies nicht, hatte darum auch nicht gebeten. Der Preis war h\u00f6her als mir lieb war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Gottes Verhei\u00dfungen rollten wie gro\u00dfe Wellen in meine Welt hinein. An einem Sonntag predigte (Pastor) Ken u\u0308ber den Text aus Johannes 7,17: \u201eWenn jemand Gottes Willen tun will, wird er erkennen, ob diese Lehre von Gott ist, oder ob ich aus mir selbst rede.\u201c Dieser Vers stellte den Treibsand blo\u00df, auf dem meine F\u00fc\u00dfe standen. Ich war eine Denkerin. Ich wurde ja bezahlt, B\u00fccher zu lesen und Kritiken dar\u00fcber zu schreiben. Ich ging davon aus, dass in allen Bereichen des Lebens, die Erkenntnis vor dem Gehorsam stehen musste. Und ich wollte, dass Gott mir \u2013 zu meinen Bedingungen \u2013 zeigen sollte, weshalb die Homosexualit\u00e4t eine S\u00fcnde ist. Ich wollte eben die Richterin sein, nicht diejenige, die beurteilt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Vers versprach Erkenntnis nach dem Gehorsam. Ich rang mit der Frage: wollte ich die Homosexualit\u00e4t wirklich aus Gottes Sicht verstehen \u2013 oder lediglich mit ihm streiten? An diesem Abend betete ich, dass Gott mir die Bereitschaft gebe, zu gehorchen, bevor ich verstand. Ich betete lange bis in den Morgengrauen. Als ich in den Spiegel schaute, sah ich genauso aus wie davor. Aber als ich aus der Perspektive der Bibel in mein Herz hineinschaute, fragte ich mich ehrlich: bin ich tats\u00e4chlich eine Lesbin, oder habe ich nur eine falsche Identit\u00e4t? Wenn Jesus die Welt entzwei spalten kann und Knochenmark von der Seele trennen kann (Anspielung auf Hebr\u00e4er 4,12) w\u00e4re er dann nicht auch imstande, meine wahre Identit\u00e4t ans Licht zu bringen? Wer bin ich? Wer soll ich in Gottes Augen sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann sp\u00e4ter an einem der folgenden Tage, kam ich mit offenen H\u00e4nden und offenem Herzen zu Jesus. Ganz offen. In all diesen Auseinandersetzungen zwischen den krass verschiedenen Weltanschauungen standen mir Ken und Floy stets bei. Ebenso auch die Gemeinde, die seit Jahren f\u00fcr mich gebetet hatte. Jesus triumphierte. Und ich war zerbrochen. Meine Bekehrung glich einem Zugungl\u00fcck. In all meiner Schwachheit glaubte ich, dass, wenn Jesus den Tod besiegen konnte, er auch mein Leben in Ordnung bringen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich steckte total tief im Schlamassel. Ich wollte nicht alles verlieren, was mir lieb und teuer war. Es war jedoch, als w\u00fcrde die Stimme Gottes ein hoffnungsfreudiges Liebeslied zwischen den Tr\u00fcmmern meiner zerbrochenen Welt singen. Ich nahm, zun\u00e4chst zaghaft, dann leidenschaftlich, den Trost des Heiligen Geistes an. Heute genie\u00dfe ich den inneren Frieden und die Gemeinschaft mit meinem Ehemann. Ich vergesse das Blut nicht, das Jesus f\u00fcr mein Leben vergossen hat. Mein fr\u00fcheres Leben lauert aber immer noch in den Ecken meines Herzens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Rosaria Champagne Butterfield ist die Autorin des Buches \u201cThe Secret Thoughts of an<\/em> <em>Unlikely Convert\u201d (Crown &amp; Covenant). <\/em><em>Sie wohnt mit ihrer Familie in Durham, North<\/em> <em>Carolina, wo ihr Ehemann Pastor der \u201eFirst Reformed Presbyterian Church\u201c ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.wolfgang-nestvogel.de\/app\/download\/12320365157\/Rosaria+Butterfield_Zeugnis+einer+Umkehr.pdf?t=1616239317\">https:\/\/www.wolfgang-nestvogel.de\/app\/download\/12320365157\/Rosaria+Butterfield_Zeugnis+einer+Umkehr.pdf?t=1616239317<\/a> (04.08.2022).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine etwas k\u00fcrzere und neuere Darstellung findet man unter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.livenet.ch\/themen\/people\/erlebt\/413406-was_eine_lesbische_feministin_zum_umdenken_brachte.html?utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=facebook\">https:\/\/www.livenet.ch\/themen\/people\/erlebt\/413406-was_eine_lesbische_feministin_zum_umdenken_brachte.html?utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=facebook<\/a> (30.07.2022).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Rosaria Butterfield erschien zuletzt:<br \/>\n* (zusammen mit Mark Jones:) Knowing Sin. Seeing a Neglected Doctrine Through the Eyes of the Puritans, 2022, 201 S.<br \/>\n* Offene T\u00fcren \u00f6ffnen Herzen. Radikal einfache Gastfreundschaft in einer nachchristlichen Welt, Dillenburg 2021, 289 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angek\u00fcndigt f\u00fcr 2023:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Five Lies of our Anti-Christian Age, Crossway 2023.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als \u00fcberzeugte Linke und lesbische Professorin verachtete ich Christen total. Und dann wurde ich selbst eine Christin. Der Name \u201cJesus\u201d blieb mir immer in der Kehle stecken, ja er schn\u00fcrte mir irgendwie die Kehle zu. Ganz gleich wie hartn\u00e4ckig ich versuchte ihn irgendwie zu verstehen. 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