{"id":1905,"date":"2009-01-14T08:46:39","date_gmt":"2009-01-14T06:46:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1905"},"modified":"2009-09-02T10:17:56","modified_gmt":"2009-09-02T08:17:56","slug":"bevolkerungswachstum-und-geburtenfreudigkeit-in-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1905","title":{"rendered":"Bev\u00f6lkerungswachstum und Geburtenfreudigkeit in den USA"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bev\u00f6lkerungswachstum und Geburtenfreudigkeit in den USA<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die amerikanische Bev\u00f6lkerung ist seit der Gr\u00fcndung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 von 2,5 Mio. auf aktuell \u00fcber 300 Millionen Einwohner gewachsen (1). Das Bev\u00f6lkerungswachstum hat sich dabei im Zeitverlauf beschleunigt: Die ersten 100 Millionen wurden erst nach \u00fcber 100 Jahren im Jahr 1915 erreicht.<!--more-->\u00a0Schon nach weiteren 52 Jahren konnten im Jahr 1967 200 Millionen Menschen gez\u00e4hlt werden. Nur knapp 40 Jahre hat es gedauert bis im Jahr 2006 die 300-Millionen-Marke \u00fcberschritten wurde. Dieses rasche Bev\u00f6lkerungswachstum wird sich fortsetzen: Nach Berechnungen des Statistischen B\u00fcros der USA werden um das Jahr 2040 mehr als 400-Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten leben. Eine Ursache dieser Bev\u00f6lkerungszunahme ist die internationale Migration: Etwa 40 Prozent des Wachstums ist auf Einwanderung in die USA zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der gr\u00f6\u00dfere Teil des Bev\u00f6lkerungswachstums aber entsteht durch den \u00dcberschuss der Geburten gegen\u00fcber den Sterbef\u00e4llen (2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses sog. \u201enat\u00fcrliche Bev\u00f6lkerungswachstum\u201c ist die Folge einer vergleichsweise hohen Geburtenneigung. Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Geburtenrate der US- Amerikaner deutlich h\u00f6her als die der Europ\u00e4er oder auch der Japaner. Im Jahr 2006 hat die Geburtenrate sogar erstmals seit 35 Jahren wieder die f\u00fcr den \u201eGenerationenersatz\u201c erforderliche zusammengefasste Geburtenziffer von 2,1 Kindern pro Frau erreicht. Die ausgepr\u00e4gte Geburtenneigung in den USA wird zu recht auch auf die Zuwanderung aus Lateinamerika zur\u00fcckgef\u00fchrt. Das allein kann aber die f\u00fcr ein Industrieland au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Geburtenrate nicht erkl\u00e4ren. Denn auch die \u201ewei\u00dfen Amerikanerinnen\u201c bekommen mehr Kinder als die Frauen anderer Industrienationen (3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die h\u00f6here Geburtenrate der US-Amerikaner ist vor allem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass in den USA Familien mit drei und mehr Kindern h\u00e4ufiger sind als in Europa: Fast 30 Prozent der amerikanischen Frauen der Geburtsjahrg\u00e4nge 1960-1964 haben mindestens drei Kinder. In Deutschland haben dagegen nur etwa 15 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe drei oder mehr Kinder (4). Im Blick auf den gr\u00f6\u00dferen Kinderreichtum in den USA postuliert der Sozialhistoriker Allan C. Carlson einen \u201eamerikanischen demographischen Exzeptionalismus\u201c. Die \u201ebeste Erkl\u00e4rung\u201c f\u00fcr diesen sei \u201eeine st\u00e4rker verbreitete religi\u00f6se Identifikation und Lebensf\u00fchrung von Amerikanern im Vergleich zu Europ\u00e4ern\u201c (5). Regionaldemographische Analysen des belgischen Bev\u00f6lkerungsforschers Ron Lesthaeghe zeigen ein differenzierteres Bild der demographischen Lage der Vereinigten Staaten: Demnach unterscheiden sich die demographischen Verhaltensweisen im Nordosten der USA kaum von denen in Europa: Nicht-eheliche Formen des Zusammenlebens sind weit verbreitet und Ehen werden h\u00e4ufig erst in einem h\u00f6heren Lebensalter (28-30 Jahre und \u00e4lter) geschlossen. Dementsprechend werden auch die (ersten) Kinder relativ sp\u00e4t im Lebensverlauf geboren. Von diesen \u201eeurop\u00e4ischen\u201c Lebensformen im Nordosten der USA unterscheiden sich die Verhaltensweisen in den Bundestaaten im S\u00fcden, im \u201eMittleren Westen\u201c, im Gebiet der \u201eRocky Mountains\u201c (v. a. Utah und Idaho) sowie in Alaska: Nicht- eheliche Lebensformen sind i. d. R. weniger verbreitet, es wird in j\u00fcngeren Jahren (im Alter von 22-26 Jahren) geheiratet und damit verbunden fr\u00fcher Familien gegr\u00fcndet. Konfessionell und damit auch kulturell sind diese Gebiete stark vom (konservativen) Protestantismus und vom Mormonentum gepr\u00e4gt (6). Diese Gebiete sind kinderreich: In einigen dieser Bundesstaaten liegt die Geburtenrate deutlich \u00fcber dem Generationenersatz\u201c am h\u00f6chsten ist sie im \u201eMormonenstaat\u201c Utah. Die niedrigsten Geburtenraten in den USA sind dagegen im Hauptstadtdistrikt Washington D. C. und den Neuengland- Staaten zu finden (7). Die Geburtenraten liegen hier auf einem \u00e4hnlichen Niveau wie in den Benelux-L\u00e4ndern oder anderen Regionen Mittel- und Westeuropas. Der von Carlson behauptete \u201eamerikanische demographische Exzeptionalismus\u201c erweist sich also als ein regional begrenztes Ph\u00e4nomen: Zu finden ist er haupts\u00e4chlich in den Gebieten, die gemeinhin als der \u201ebible belt\u201c der USA bezeichnet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>14.01.2009<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) http:\/\/www.census.gov\/Press-release\/www\/releases\/archives\/facts_for_features_special_editions\/006825.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Vgl.: Bernhard G\u00fcckel: Seit Oktober 2006 leben 300 Millionen Menschen in den USA, in: BIB- Mitteilungen, 04-2006, S. 13-14.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Vgl.: Katja Gelinsky: Die Kinderlein kommen in den Vereinigten Staaten, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.12.2007, S. 9.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Vgl.: Abbildung unten: \u201eKinderzahlen in Deutschland und den USA\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Zitiert nach: Ron J. Lesthaeghe\/Lisa Neidert: Der \u201ezweite Demographische \u00dcbergang\u201c in den USA: Ausnahme von der Regel oder Lehrbuchbeispiel\u201c, S. 381-428, in: Zeitschrift f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswissenschaft, Heft 3-4\/2007, Festschrift f\u00fcr Prof. Dr. Josef Schmid, Wiesbaden 2008, S. 383.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Vgl. ebd., S. 401-415.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Vgl.: Abbildung unten: \u201eGeburtenraten in den USA nach Bundesstaaten\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Anm.4:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2674\" title=\"kinderzahlen_in_d_und_usa\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kinderzahlen_in_d_und_usa.jpg\" alt=\"kinderzahlen_in_d_und_usa\" width=\"640\" height=\"477\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kinderzahlen_in_d_und_usa.jpg 640w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kinderzahlen_in_d_und_usa-300x223.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Zu Anm. 7<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2675\" title=\"Fuchs--Geburtenraten-USA\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Fuchs-Geburtenraten-USA.jpg\" alt=\"Fuchs--Geburtenraten-USA\" width=\"500\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Fuchs-Geburtenraten-USA.jpg 500w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Fuchs-Geburtenraten-USA-300x249.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bev\u00f6lkerungswachstum und Geburtenfreudigkeit in den USA Die amerikanische Bev\u00f6lkerung ist seit der Gr\u00fcndung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 von 2,5 Mio. auf aktuell \u00fcber 300 Millionen Einwohner gewachsen (1). 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