{"id":18996,"date":"2022-06-20T15:34:35","date_gmt":"2022-06-20T13:34:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18996"},"modified":"2022-06-20T15:34:41","modified_gmt":"2022-06-20T13:34:41","slug":"pressemeldung-selektion-auf-kasse-darf-nicht-zur-routine-werden-aerzte-fuer-das-leben-e-v-rufen-zur-umsicht-bei-der-vorgeburtlichen-gentestung-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18996","title":{"rendered":"Pressemeldung: \u201eSelektion auf Kasse darf nicht zur Routine werden\u201c \u2013 \u00c4rzte f\u00fcr das Leben e.V. rufen zur Umsicht bei der vorgeburtlichen Gentestung auf"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 01. Juli 2022 werden nicht-invasive Pr\u00e4nataltests (NIPT) erstmals in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Mittels dieser Methode kann aus einer Blutprobe der Mutter festgestellt werden, ob ihr noch nicht geborenes Kind eine der drei h\u00e4ufigsten chromosomalen St\u00f6rungen (Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 (Patau-Syndrom), Trisomie 18 (Edward-Syndrom)) aufweist. Auch St\u00f6rungen der Geschlechterchromosomen sowie das Geschlecht des Kinds werden festgestellt, wobei letzteres den Eltern erst nach der 12. Lebenswoche mitgeteilt werden soll.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich war gedacht, diese Testung auf \u00e4ltere Frauen mit h\u00f6herem Risiko f\u00fcr ein Kind mit solchen St\u00f6rungen zu beschr\u00e4nken. Inzwischen aber geht man davon aus, dass allen Schwangeren der Test angeboten wird, was die \u201efalsch-positiv-Rate\u201c (auff\u00e4lliges Ergebnis auch bei normalem Chromosomensatz) erheblich erh\u00f6hen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die seltenen Trisomien 13 und 18 meistens zum fr\u00fchzeitigen (oft vorgeburtlichen) Tod des Kinds f\u00fchren, ist die h\u00e4ufigere Trisomie 21 heutzutage in vielen F\u00e4llen mit einer fast normalen Lebenserwartung und guten Lebensperspektiven verbunden. Bekannte Pers\u00f6nlichkeiten mit Down-Syndrom wie der Schauspieler Sebastian Urbanski und die T\u00e4nzerin Neele Buchholz zeigen wie vermessen und unmenschlich es ist, andere aufgrund einer genetischen Andersartigkeit ihr elementarstes Recht, n\u00e4mlich das auf Leben, abzusprechen. Dabei zeigen L\u00e4nder, wo diese Methode l\u00e4nger zur Routine geh\u00f6rt, dass die Feststellung eines Down-Syndroms fast immer zur Abtreibung f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So werden heute in Skandinavien kaum noch Down-Kinder geboren. Hierdurch wird der Gedanke normalisiert, die Existenzberechtigung eines Menschen hinge von der Erf\u00fcllung wie auch immer gearteten genetischen Anspr\u00fcchen ab. Zudem werden nicht nur Selektion und Neo-Eugenik wieder salonf\u00e4hig, sondern es wird auch implizit die Lebensberechtigung geborener Menschen, die als \u201ebehindert\u201c klassifiziert oder besser gesagt abqualifiziert werden, in Frage gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ethische Tragweite des vorgeburtlichen Gentests im Blick behalten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Zuteilung einer Kassenziffer wird oft als moralische Adelung eines medizinischen Verfahrens angesehen\u201c, sagte der Frauenarzt Dr. Michael Kiworr, Mitglied der \u201e\u00c4rzte f\u00fcr das Leben e.V.\u201c, heute in Berlin. \u201eWas kann an einer Methode schlimm sein, wenn die Kasse daf\u00fcr bezahlt?\u201c, denken sich viele Eltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs geht aber noch weiter\u201c, sagt Kiworr, \u201edenn geh\u00f6rt ein Test zur Regelversorgung entsteht ein subtiler Druck, diesen auch in Anspruch zu nehmen. Bereits heute sehen sich Eltern von Down-Kindern oft mit dem Vorwurf konfrontiert, \u201eob sowas noch sein muss\u201c. Und obwohl es noch keine politischen Bestrebungen in die Richtung gibt, w\u00e4re es naiv auszublenden, dass irgendwann die Frage aufkommen k\u00f6nnte, ob die Solidargemeinschaft f\u00fcr die medizinische Versorgung eines Menschen mit Down-Syndrom aufkommen muss, dessen Geburt \u201evermeidbar\u201c gewesen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDeshalb appellieren wir an unsere Kolleginnen und Kollegen, die ethische Tragweite des vorgeburtlichen Gentests trotz Kassenziffer nicht aus den Augen zu verlieren und vorher mit den Eltern die Implikationen eines auff\u00e4lligen Testergebnisses ergebnisoffen zu besprechen. Lehnen die Eltern von vorneherein eine Abtreibung ab, so hat der Test meist wenig Sinn. Leider erfolgt diese Aufkl\u00e4rung oft auf unzureichender Weise\u201c, so Kiworr, \u201eso dass Eltern in einen Zugzwang geraten, der mit \u00c4ngsten und Unsicherheiten behaftet ist. Zudem muss mit den Eltern besprochen werden, dass ein unauff\u00e4lliges Testergebnis keine Garantie liefert, dass mit ihrem Kind \u201ealles in Ordnung ist\u201c. Gerade letzteres wird von vielen Eltern angenommen, obwohl der Test nat\u00fcrlich nicht-chromosomale St\u00f6rungen gar nicht erfassen kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sensibilisierung der \u00c4rzteschaft ist dringend n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEine Sensibilisierung der \u00c4rzteschaft ist dringend n\u00f6tig, denn die Feststellung von chromosomalen St\u00f6rungen ist nur der Anfang\u201c, so Kiworr. \u201eMit der Verfeinerung der genetischen Diagnostik wird es bald m\u00f6glich sein, viele genetische Abweichungen mittels NIPT festzustellen. Eine Rasterfahndung der genetischen Andersartigkeit kann keiner sich w\u00fcnschen und w\u00e4re auch mit der hippokratischen Tradition, die allen Menschen gleicherma\u00dfen achtet, nicht vereinbar. Deshalb m\u00fcssen wir \u00c4rzte wachsam bleiben: Selektion auf Kasse darf nicht zur Routine werden.\u201c<\/p>\n<p><em>Michael Kiworr und Paul Cullen f\u00fcr die \u00c4rzte f\u00fcr das Leben e.V., Pressemeldung vom 16.06.22<\/em><\/p>\n<p>_____________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcber \u00c4rzte f\u00fcr das Leben e.V.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verein \u201e\u00c4rzte f\u00fcr das Leben\u201c fordert eine uneingeschr\u00e4nkte Kultur des Lebens in der medizinischen Praxis und Forschung auf der Grundlage der hippokratischen Tradition. Er finanziert sich ausschlie\u00dflich \u00fcber die Beitr\u00e4ge seiner Mitglieder sowie durch <a href=\"https:\/\/aerzte-fuer-das-leben.de\/spenden\/\">Spenden<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erg\u00e4nzende Informationen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.g-ba.de\/themen\/methodenbewertung\/ambulant\/frueherkennung-krankheiten\/erwachsene\/schwangerschaft-mutterschaft\/faqs-nipt\/\">Antworten auf h\u00e4ufig gestellte Fragen zum NIPT auf Trisomien<\/a><br \/>\nInformationen des Gemeinsamen Bundesaussschusses (G-BA)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/aerzte-fuer-das-leben.de\/fachinformationen\/pid-gendiagnostik\/\">\u00bb \u00c4fdL-Fachinformationen Pr\u00e4implantationsdiagnostik (PID) \/ Gendiagnostik<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/aerzte-fuer-das-leben.de\/presse\/\">\u00bb \u00c4fdL-Presemitteilungen<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 01. Juli 2022 werden nicht-invasive Pr\u00e4nataltests (NIPT) erstmals in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Mittels dieser Methode kann aus einer Blutprobe der Mutter festgestellt werden, ob ihr noch nicht geborenes Kind eine der drei h\u00e4ufigsten chromosomalen St\u00f6rungen (Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 (Patau-Syndrom), Trisomie 18 (Edward-Syndrom)) aufweist. 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