{"id":18887,"date":"2022-05-17T10:07:01","date_gmt":"2022-05-17T08:07:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18887"},"modified":"2022-06-10T09:44:50","modified_gmt":"2022-06-10T07:44:50","slug":"wie-sich-ein-staat-kirchen-unterwerfen-kann-und-warum-staat-und-kirche-unabhaengig-voneinander-bleiben-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18887","title":{"rendered":"Wie sich ein Staat Kirchen unterwerfen kann und warum Staat und Kirche unabh\u00e4ngig voneinander bleiben m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es geht mir in diesem kurzen Beitrag nicht darum, Staatsverdrossenheit oder Abwendung von Gesellschaft und Politik das Wort zu reden. Im Gegenteil, Christen sollten sich gerade in \u00f6ffentliche Angelegenheiten einbringen, wozu es in der Bibel ja einige Modellfiguren gibt. Es geht mir auch nicht darum, mit einem allgemeinen Mi\u00dftrauen allem zu begegnen, was uns von der Obrigkeit pr\u00e4sentiert oder verordnet wird. Wir glauben ja, da\u00df Christus der Herr der Welt ist, und da\u00df der Teufel nur so viel Macht hat, wie Gott es ihm l\u00e4\u00dft (Hiob 1).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir glauben, da\u00df jede Obrigkeit von Gott eingesetzt ist. Das steht unverr\u00fcckbar fest, allerdings gilt ebenso sicher, da\u00df die Obrigkeit nicht auf beliebige Weise Gottes Dienerin sein darf, da\u00df sie kein unumschr\u00e4nktes Mandat hat. Man mu\u00df Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dieser Satz des Neuen Testaments, die clausula Petri, wird gesprochen gerade im Hinblick auf obrigkeitliche Versuche, die Freiheit der <em>Verk\u00fcndigung<\/em> <em>von Jesus Christus als dem Herrn<\/em> einzuschr\u00e4nken, also im Hinblick den Kernbereich der christlichen Gemeinde, ihren Missionsauftrag. Genau an diesem Punkt ist die Gemeinde auch heute zur Wachsamkeit verpflichtet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich behaupte ausdr\u00fccklich nicht, da\u00df alle Vorg\u00e4nge, von denen ich hier spreche, in der Schweiz oder in Deutschland Wirklichkeit sind, aber ich m\u00f6chte den Blick auf Vorg\u00e4nge und Prinzipien lenken, die in der Vergangenheit bereits umgesetzt wurden und die heute wieder in den Bereich des M\u00f6glichen getreten sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Der Titel und seine Geschichten<br \/>\nOder: Wie sich Staaten Kirchen unterworfen haben (historisch)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWie sich ein Staat Kirchen unterwerfen kann\u201c ist abgeleitet von \u201eWie sich der Staat die Kirchen unterwirft\u201c: So, also ohne das \u201ekann\u201c, lautete vor knapp 23 Jahren der Titel eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verfa\u00dft von Konrad Adam.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Damals ging es nicht um den Gottesdienst, sondern \u201enur\u201c darum, da\u00df der deutsche Staat f\u00fcr die neue Pflegeversicherung ein Opfer, eine Gegenfinanzierung brauchte. Ausgerechnet ein christlich-demokratischer Arbeitsminister vertrat den Staat; die Arbeitgeber dr\u00e4ngten, die evangelische Kirche widersprach nur leise \u2013 da stimmte das Parlament zu, nicht einen staatlichen, sondern einen kirchlichen Feiertag zu opfern. Der Bu\u00df- und Bettag fiel.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Der Staat war nicht bereit, f\u00fcr die Wohltaten, die er verteilen will und f\u00fcr die die Regierungsparteien W\u00e4hlerstimmen erhoffen, aus dem eigenen Besitz von Feiertagen finanzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geschichte reimt sich. 1803, beim Reichsdeputationshauptschlu\u00df, lie\u00dfen sich die frommen Staatsvertreter f\u00fcr den Verlust ihrer linksrheinischen Gebiete durch rechtsrheinisch gelegenes Kirchengut entsch\u00e4digen. Aufgel\u00f6st wurden: Zwei\u00a0Kurf\u00fcrstent\u00fcmer, neun\u00a0Hochstifte, 44 Reichsabteien und 45 Reichsst\u00e4dte. 45.000\u00a0km\u00b2 Land und fast 5\u00a0Millionen Menschen erhielten neue Landesherren.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Seither, so schreibt Konrad Adam, \u201ewei\u00df man, da\u00df S\u00e4kularisation etwas mit Raub zu tun hat. Die Abschaffung des Bu\u00df- und Bettages hat das best\u00e4tigt.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Die Einf\u00fchrung der Kirchensteuer war kein weiser Ersatz, denn das Wesen einer freiwilligen Spende f\u00fcr eine Religionsgemeinschaft hat einen v\u00f6llig anderen Charakter als ein staatlich organisierter Lohnabzug. Leider wurde das vielen erst sp\u00e4ter klar.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Was geht es den Staat an, wieviel Geld ich f\u00fcr meine Kirche gebe? Unter Kindern Gottes ist dieser Zustand der Unfreiheit schlicht unw\u00fcrdig. Ort des Opfers f\u00fcr Kirche und Gemeinde sollte der Gottesdienst sein, nicht die vom Steueramt kontrollierte Lohnabrechnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dienstbarmachung der Religion f\u00fcr staatliche Zwecke ist geschichtlich eher der Durchschnitt als die Ausnahme. Seit der Aufkl\u00e4rung kehrt Europa in teils kleineren, teils gr\u00f6\u00dferen Schritten wieder in diesen \u201eNormalzustand\u201c zur\u00fcck. Der mittelalterliche Staat hatte seine Rechtssetzung, neben gewissen Kontinuit\u00e4ten zum r\u00f6mischen Recht, im Wesentlichen auf das biblische Recht und besonders die Zehn Gebote zur\u00fcckgef\u00fchrt. Nat\u00fcrlich ist eine Verkl\u00e4rung dieser Zeit nicht angebracht. Auch unter den angeblich biblischen Vorzeichen gab es eine wechselseitige Unterdr\u00fcckung von Katholiken und Protestanten, Religionskriege und \u00e4hnliche Vorg\u00e4nge. Doch die transzendente Gebundenheit des mittelalterlichen Staates wich seit der Renaissance einer zunehmenden S\u00e4kularisierung. Der moderne, autonome Staat suchte gleichzeitig die Kirche zu beherrschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Land, dessen Staatsverst\u00e4ndnis im 17. Jahrhundert auf diesem Weg wohl am weitesten vorangeschritten war, war Frankreich. Frankreich hatte schon im Mittelalter begonnen, die \u201eGallikanischen Freiheiten\u201c auszubilden. Die franz\u00f6sische Kirche sollte m\u00f6glichst wenig vom Papst bestimmt sein, um so mehr dagegen vom franz\u00f6sischen K\u00f6nig.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Frankreich vollendete sein Staatskirchentum unter Ludwig XIV. Dem franz\u00f6sischen Protestantismus gegen\u00fcber hat der Machtstaat Ludwigs XIV. mit seinen zentralistischen Prinzipien besonders r\u00fccksichtslos durchgegriffen, als 1686 das Toleranzedikt von Nantes (1598) aufgehoben wurde, um die religi\u00f6se Einheitlichkeit der Bev\u00f6lkerung wiederherzustellen. Auch gegen die weltlichen K\u00f6rperschaften, wie St\u00e4nde und Parlamente, schritt er erbarmungslos ein und setzte die h\u00f6chste Machtvollkommenheit des K\u00f6nigs der Machtlosigkeit der Untertanen entgegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Absolutismus hat somit einen Grundgedanken der Gro\u00dfen Revolution und der modernen Demokratie vorbereitet: den der politischen Gleichheit aller. Heinz-Otto Sieburg schreibt in seiner Darstellung der franz\u00f6sischen Geschichte: \u201eEs war Ziel des modernen Staates, die organischen Korporationen des Mittelalters allm\u00e4hlich aufzul\u00f6sen. Das erreichte er auch, indem er, diese Korporationen nivellierend, die Menschen isolierte und der staatlichen Allmacht unmittelbar unterstellte. \u2026 Der absolutistische Staat war aber nicht nur Machtstaat. Er schrieb sich auch erzieherische und kulturpolitische Aufgaben zu. Die Erziehung der Untertanen entwand er allm\u00e4hlich weitgehend der Kirche, um sie selbst auszu\u00fcben. Der Begriff des \u201aKulturstaates\u2018 k\u00fcndigte sich an. Im Frankreich Ludwigs XIV. gelangte die Synthese von Geist und Macht zu nachhaltiger und folgenreicher Wirkung.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die staatliche Obhut und F\u00f6rderung der Kultur f\u00fchrte zun\u00e4chst zu einer \u2013 gegen\u00fcber dem durch den 30j\u00e4hrigen Krieg verw\u00fcsteten Deutschland \u2013 \u00fcberlegenen Stellung Frankreichs. Selbst ein sonst skeptischer Geist wie Voltaire pries \u201edas Jahrhundert Ludwigs XIV.\u201c (Si\u00e8cle de Louis XIV) als einen der vier H\u00f6hepunkte der Menschheitsgeschichte (neben Athen, Rom und Florenz). Gerade in Deutschland war man Ende des 17. Jahrhunderts kritiklos bereit, Frankreich nachzuahmen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Auch der russische Adel des 18. Jahrhunderts sprach lieber Franz\u00f6sisch als Russisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben damit politische Zentralisierung (im Gegensatz zu F\u00f6deralismus und Subsidiarit\u00e4t) und Ausrichtung von Geistesleben und Kultur auf den Staat als Mittel kennengelernt, soziale Kontrolle und Vereinheitlichung auszu\u00fcben. Was das Geistesleben betrifft, f\u00fchrte Jean-Jacques Rousseau im \u201eContract social\u201c (1762) aus, da\u00df nicht nur die politische Gleichheit aller, sondern auch die geistliche Orientierung der Bev\u00f6lkerung durch eine Zivilreligion zu vereinheitlichen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Lehrs\u00e4tze\/Dogmen der b\u00fcrgerlichen Religion (Religion civile) m\u00fcssen einfach, gering an Zahl und klar ausgedr\u00fcckt sein, ohne da\u00df Auslegungen und Erl\u00e4uterungen n\u00f6tig sind. Die Existenz einer allm\u00e4chtigen, allwissenden, wohlt\u00e4tigen Gottheit, einer allumfassenden Vorsehung; ein zuk\u00fcnftiges Leben, das Gl\u00fcck der Gerechten und die Bestrafung der B\u00f6sen sowie die Heiligkeit des Gesellschaftsvertrages und der Gesetze \u2013 das sind die positiven Dogmen. Was die negativen betrifft, so beschr\u00e4nke ich mich auf ein einziges: die Intoleranz. Sie ist eine Eigent\u00fcmlichkeit der von uns verworfenen Religionsformen.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Rousseau eignet sich das Christentum nicht als Zivilreligion, weil es politischen (sogar sozialen) Erfordernissen nicht gewachsen sei. Es gebe zum Beispiel keine Anweisungen f\u00fcr die F\u00e4lle von Machtmi\u00dfbrauch oder Krieg.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> (Offenbar hatte er zum Thema weder die Bibel noch Luther studiert!) Zum anderen stehe in ihr Christus immer noch \u00fcber dem Staat. \u201eMan mu\u00df Gott mehr gehorchen als den Menschen\u201c, lautet, wie erw\u00e4hnt, die <em>clausula Petri<\/em>, der Ratschlu\u00df des Petrus (Apg 5,29, vgl. 4,19). Rousseau dagegen meinte im Schlu\u00dfkapitel: <em>\u201eEs gibt ein rein b\u00fcrgerliches Glaubensbekenntnis, und die Festsetzung seiner Artikel ist lediglich Sache des Staatsoberhauptes.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><strong>[12]<\/strong><\/a> <\/em>Rousseaus \u201erein b\u00fcrgerliche Religion\u201c, \u201eune profession de foi purement civile\u201c\u00a0wird eine Religion, die nicht wirklich Religion sein will, weil ihre Inhalte eben nicht vom Himmel kommen, sondern vom Staatsoberhaupt festgesetzt werden. Wenn ein weltliches Staatsoberhaupt, also in der Regel ein Nichttheologe (und oft ein Nichtchrist), die Artikel festsetzt, so werden diese vermutlich so einfach, so praktikabel bzw. kontrollierbar wie m\u00f6glich sein. Rousseau definierte ein reduziertes, bla\u00df-religi\u00f6ses Extrakt, das mit allem Spezifischen des biblischen Glaubens nur noch gewisse Begriffe gemeinsam hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das noch gr\u00f6\u00dfere Problem ist aber dies: Ein Staatsoberhaupt oder eine Regierung, das Glaubensartikel festlegen und durchsetzen will, macht sich selbst zu Gott. (Daher h\u00e4tte die Fragestellung der Tagung der Basler Theologischen Fakult\u00e4t im Mai 2021 nicht allein lauten sollen: \u201eWie politisch darf\/soll Religion sein?\u201c Sondern mit gleicher Verve: Wie religi\u00f6s darf Politik sein?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist der Weg zur unumschr\u00e4nkten staatlichen Kontrolle, zur sozialen Unfreiheit, zur Gedankenpolizei geebnet. Wenn eine Regierung keinen Gott mehr \u00fcber sich sieht, dem sie verantwortlich ist, \u00f6ffnen sich dem Machertum und der gewaltsamen Welterl\u00f6sung T\u00fcr und Tor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1905 wurden die Religionen aus dem \u00f6ffentlichem Raum in Frankreich entlassen; im M\u00e4rz 2021 nun wehren sich die protestantischen, katholischen und orthodoxen Kirchen des Landes in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung dagegen, da\u00df der Staat ihren Raum betritt (\u00abdans la qualification de ce qui est cultuel et dans son fonctionnement\u00bb). Damit w\u00fcrde er sich vom Grundsatz der Trennung verabschieden. Der Innenminister verteidigt das geplante Gesetz damit, der Staat m\u00fcsse Mittel in die Hand bekommen, um dem \u00abs\u00e9paratisme identitaire\u00bb entgegenzutreten, der sich hinter dem Religi\u00f6sen verberge.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Auch hier: Das Anliegen der Volkseinheit und der Loyalit\u00e4t erstrebt der Staat nun nicht mehr durch Freiwilligkeit, sondern durch Zwang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pr\u00e4sentation durch Premierminister Jean Castex im Dezember 2020 war der <strong>Gesetzesentwurf \u00abzur <u>St\u00e4rkung der republikanischen Prinzipien<\/u>\u00bb<\/strong> auf breiten Widerstand gestossen. Der Staat will religi\u00f6se Vereinigungen leichter aufl\u00f6sen k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Senat hat Anfang April 2021 die Vorlage in erster Lesung behandelt und weitere \u00c4nderungen angebracht. Minderj\u00e4hrigen soll das Tragen von Kleiderst\u00fccken und Zeichen, die eine religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit anzeigen, im \u00f6ffentlichen Raum verboten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens hat Frankreich im gleichen Gesetzentwurf auch die Freiheit zum Homeschooling in Frage gestellt. Dieser Teil des Gesetzes wurde aber in erster Lesung im konservativ dominierten Senat abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIm Juli 2019 hatte die Regierung bereits die <strong>Unterrichtspflicht ab dem 3. Lebensjahr<\/strong> festgeschrieben. Kurz darauf setzte der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident eine Sonderkommission ein, welche [sogar auch] <strong>die ersten 1 000 Tage im Leben des Kindes<\/strong> \u201azu einer Priorit\u00e4t des \u00f6ffentlichen Handelns machen soll.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der franz\u00f6sischen Revolution haben erst die gro\u00dfen kollektiven Zwangssysteme des 20.\u00a0Jahrhunderts Rousseaus Gedanken verwirklicht. Im Namen der Gleichheit haben sie allerdings die gr\u00f6\u00dften Ungleichheiten hervorgebracht. Im Namen der Freiheit haben sie b\u00fcrgerliche Freiheiten beseitigt. Im Namen des allgemeinen Wohlstandes haben sie breite Schichten verarmen lassen. Im Namen der Erhebung des Menschen aus religi\u00f6ser Erniedrigung haben sie ihn versklavt. Im Namen der staatlichen Erziehung l\u00f6sen sie die Familie auf. Im Namen der Pluralit\u00e4t erstreben sie Konformit\u00e4t, beginnend mit Sprachzw\u00e4ngen (Rechtschreibung und Inklusion), endend mit Berufsverboten, Lagern und Eliminierungen von Kritikern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dieser \u00dcbersicht jedoch stehen wir bereits in Teil 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Wie sich Staaten Kirchen unterwerfen k\u00f6nnen (systematisch)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rod Dreher hat 2020 das Buch \u201eLive not by Lies. A Manual for Christian Dissidents\u201c herausgebracht. Gesch\u00f6pft aus Gespr\u00e4chen mit christlichen Dissidenten unter dem Kommunismus des Ostblocks behauptet er, da\u00df sich im Westen ebenfalls totalit\u00e4re Strukturen anbahnen. Jedenfalls behaupten dies viele, die den Kommunismus als Christen \u00fcberlebt haben, und die sich ansehen, was derzeit in Amerika und in Europa passiert. Dreher sagt nicht, da\u00df wir genau das gleiche erleben oder erleben werden, was unter dem Kommunismus passierte bzw. passiert. Er unterscheidet einen weichen und einen harten Totalitarismus und meint, wir schlittern derzeit in einen weichen Totalitarismus hinein. Unabh\u00e4ngig von der Gegenwartsanalyse meine ich, ist sein Sensorium f\u00fcr \u00e4hnliche Faktoren und Vorg\u00e4nge n\u00fctzlich. Ich greife einige der Faktoren auf, die die Durchsetzung totalit\u00e4rer Strukturen beg\u00fcnstigt haben. Es m\u00fcssen nicht Faktoren sein, die als solche vom Staat gewollt werden, aber es sind Faktoren, die sich aber leicht kanalisieren lassen, um totalit\u00e4re Strukturen zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die genannten Faktoren und Strukturen treffen nicht nur Kirchen, sondern alle freien Verb\u00e4nde, die Kirchen jedoch besonders empfindlich, weil die Art kirchlicher Gemeinschaft und T\u00e4tigkeit sich durch ihren Transzendenzbezug von Kunst- oder Sportvereinen grunds\u00e4tzlich unterscheidet, also immer einen Bezug mit sich f\u00fchrt, der sie um ihrer Identit\u00e4t willen nach Unabh\u00e4ngigkeit vom Staat streben l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><em>a. Die Besetzung dessen, was \u201eFortschrittlich\u201c hei\u00dft, durch die kollektivistische Ideologie<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marxismus stand f\u00fcr die vom Zar und von der orthodoxen Kirche unverstandenen Arbeiter f\u00fcr eine verhei\u00dfungsvolle Zukunft. Die Marxisten verbreiteten ihre Ideen mit religi\u00f6ser Inbrunst: Sie waren \u201ereligious about being secular\u201c. Sie eroberten ihre Ideen nicht nur in den Fabriken, sondern eroberten auch die Universit\u00e4ten. Intellektuelle und K\u00fcnstler schlossen sich kommunistischen Ideen an, die eine Zukunft von Milch und Honig versprachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die in allen Bereichen wirksame Fortschrittsideologie hat zuletzt Martin Erdmann ein siebenb\u00e4ndiges Werk geschrieben. Pr\u00e4gnant schrieb Christoph Raedel \u00fcber die \u201eFortschrittsfalle\u201c.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel: Bei der Frage der Neudefinition von Ehe wurden Konservative bisher meist nur bel\u00e4chelt \u2013 neuerdings gelten sie als r\u00fcckschrittlich, fortschrittsfeindlich, ja diskriminierend. Nachdem man die biblische Position lange allenfalls psychologisiert hatte (\u201eHomophobie\u201c), so wird sie neuerdings kriminalisiert, erste Verfahren laufen in verschiedenen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>b. Urbanisierung und Individualisierung<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entwurzelte Menschen, die vom Land in die Stadt kamen, um in den Fabriken Geld zu verdienen, waren oft allein. Einsame Menschen sind leichter verf\u00fchrbar oder in neue soziale Strukturen integrierbar. Vor der Durchsetzung des Kommunismus gab es ein <em>social distancing<\/em> noch ohne Staatsorder, sozusagen die Reichsunmittelbarkeit des Einzelnen: Zwischen dem Einzelnen und dem Staat stand keine Familie, keine freie gesellschaftliche Gruppe, keine Religion mehr. Die Herausl\u00f6sung des Menschen aus seiner Heimat, aus Familie, Volk, von seiner Scholle, aus seiner Muttersprache und Dialekt, macht ihn also verf\u00fcgbar f\u00fcr die in der neuen Umgebung herrschenden Kr\u00e4fte. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00fcssen derlei soziologische Prozesse immer politische Auswirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hanna Arendt, die bahnbrechende Erforscherin totalit\u00e4rer Bewegungen, schrieb 1951: Totalit\u00e4re Bewegungen sind Massenorganisation von atomisierten, isolierten Individuen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Die digitalen sozialen Netzwerke spiegeln eine Gemeinschaft vor, die nicht besteht, und verst\u00e4rken so, trotz hoher Zahlen an \u201eFreunden\u201c, die Einsamkeit im leiblichen Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-18889\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild1-1.jpg 917w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild1-1-300x218.jpg 300w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild1-1-768x559.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus: <a href=\"https:\/\/www.wir-sind-kirche.de\/?id=125&amp;id_entry=8185\">https:\/\/www.wir-sind-kirche.de\/?id=125&amp;id_entry=8185<\/a> (11.06.2021)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gem\u00e4\u00df Rod Dreher wurden im Kommunismus im Prinzip alle Institutionen, die vom Staat unabh\u00e4ngig waren, zerst\u00f6rt. Alle Aspekte des Lebens wurden politisiert. Religi\u00f6s Gl\u00e4ubige wurden verfolgt, freie Rede unterbunden (S. 28).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Propagierung einer frei ausge\u00fcbten Sexualit\u00e4t, das Streben nach unmittelbarer Bed\u00fcrfniserf\u00fcllung war bereits im fr\u00fchen 20. Jh. ein wichtiger Faktor, der Menschen vereinzeln lie\u00df, statt lebenslange Bindungen zu suchen und in solchen Bindungen auch bei unerf\u00fcllten W\u00fcnschen und schwierigen Verh\u00e4ltnissen menschlich und geistlich zu reifen und der n\u00e4chsten Generation zu dienen. Nach dem 2. Weltkrieg eroberte die 68er Bewegung mit ihrer programmatisch hypertrophen Sexualisierung praktisch den gesamten Westen (G. Kuby, Die globale sexuelle Revolution, 2012) und vervielfachte die Zahl an psychisch Verunsicherten, Vereinzelten, somit kollektiv Manipulierbaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kollektivierung ist die unmittelbare Kehrseite der Individualisierung. Das beginnt bei den Kindern, deren Elternbindung im Nationalsozialismus wie im Internationalsozialismus gelockert wurde und wird, um die \u201estaatliche Lufthoheit \u00fcber die Kinderbetten\u201c (Vizekanzler Olaf Scholz) zu erzielen. Damit wird die geistig-kulturelle Befindlichkeit vereinheitlicht. Das implizierte zu allen Zeiten \u2013 im Alten \u00c4gypten ebenso wie bei Ludwig XIV. oder sp\u00e4ter bei Hitler \u2013 das Bem\u00fchen darum, die konfessionelle Spaltung aufzuheben. Heute will man nicht nur \u00f6kumenisch, sondern interreligi\u00f6s denken (sichtbares Zeichen: Errichtung des Berliner House of One vor allem mit Steuergeldern).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher enth\u00e4lt Rousseaus Gesellschaftsvertrag nur ganz simple Dogmen, die der Herrscher selbst festlegen soll. Allerdings hat Rousseau dem Herrscher diese einfachen Dogmen gleich selbst in die Feder diktiert \u2013 darunter (und darum erw\u00e4hne ich das an dieser Stelle): die Ablehnung der religi\u00f6sen Intoleranz.<\/p>\n<p><em>c. Negative Bildungsvoraussetzungen, Deframing und Framing von Vergangenheit und Gegenwart <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kulturelle und geschichtliche Ged\u00e4chtnis wird durchl\u00f6chert, ausged\u00fcnnt, ersetzt. Das Ph\u00e4nomen \u201eCancel Culture\u201c ist \u00fcberhaupt nicht neu, sondern geh\u00f6rt f\u00fcr totalit\u00e4re Systeme seit jeher notwendig zur Verfl\u00fcssigung der bisherigen Verh\u00e4ltnisse dazu. In Orwells \u201e1984\u201c hie\u00df es: \u201eUnwissenheit ist St\u00e4rke\u201c. Das \u201eWahrheitsministerium\u201c tat das \u00fcbrige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Parallele zur heutigen Entwicklung mit unseren ausged\u00fcnnten Lehrpl\u00e4nen bei teils verk\u00fcrzten Schulzeiten in Ganztagsschulen ist an diesem Punkt besonders erdr\u00fcckend. Wer sie nicht mehr kennt, den k\u00fcmmert das Absinken einer Bildungsnation auch nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders bedr\u00fcckend ist es, wenn Intellektuelle das Spiel betreiben. 2019 startete die New York Times das \u201e1619 Project\u201c. Hierbei sollte das Jahr 1776, in dem die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung verk\u00fcndet wurde, ersetzt werden, wohl genauer: in seiner \u00fcberragenden Bedeutung ersetzt werden durch das Jahr, in dem die ersten Sklaven aus Afrika nach Nordamerika kamen. Das positiv besetzte Gr\u00fcndungsdatum soll also durch ein negativ besetztes anderes Datum relativiert werden, dergestalt, da\u00df der Rassenha\u00df zum Zentrum der nationalen Identit\u00e4t geh\u00f6re. Von diesem Rassenha\u00df wiederum m\u00f6chte man sich dann moralisch m\u00f6glichst weitgehend abgrenzen \u2013 und damit von der bisherigen nationalen Identit\u00e4t \u00fcberhaupt, mithin von ihrer freiheitsliebenden Verfassung.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p><em>d. Der Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust au\u00dferstaatlicher Hierarchien und Institutionen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach deutschen und amerikanischen Umfragen liegt die Glaubw\u00fcrdigkeit von Institutionen auf einem historisch niedrigen Niveau. Auch in den 1920er Jahren hatten, so Hanna Arendt, die Parteien gro\u00dfe Probleme, noch junge Leute anzuziehen. Der Individualismus f\u00fchrte und f\u00fchrt dazu, da\u00df die Menschen aufh\u00f6ren, au\u00dferhalb von sich selbst nach verl\u00e4\u00dflichen Sinnquellen zu suchen. Der Liberalismus hat den Einzelnen zwar in einem gewissen Hinsicht befreit, ihn aber zugleich verf\u00fcgbar gemacht f\u00fcr Entwicklungen, die in den Totalitarismus f\u00fchrten oder f\u00fchren (vgl. Dreher S. 33).<\/p>\n<p><em>e. Absenkung des Privatverm\u00f6gens (Besteuerung, ggfs. Enteignungen, Lastenausgleich, Goldverbot), unmittelbarere Abh\u00e4ngigkeit von immer mehr Menschen von Staatsleistungen, Ausbau des Sozialstaats<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0f. <\/em><em>\u00dcberwachung durch Digitalisierung, digitale Identit\u00e4t, digitales Geld, digitaler Impfstatus bzw. entsprechende Zertifikate und Nachweise. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Warum Staat und Kirche unabh\u00e4ngig voneinander bleiben m\u00fcssen (normativ) (Thesen)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-18890\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild2.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild2.jpg 605w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild2-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bild: Frankfurt\/Oder. Im Hintergrund die Kirche St. Marien;<br \/>\nlinks hinter dem Betrachter die Europa-Universit\u00e4t Viadrina.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kirche und Staat m\u00fcssen getrennt bleiben, \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a. weil der Staat keine Kompetenz hat, Recht neu zu setzen (Ehe f\u00fcr alle, Abtreibung, Familie, Sprache etc.). Er hat nach R\u00f6m 13 nur die Aufgabe, zu bestimmen, <em>wer<\/em> gut ist und Lohn verdient, und wer b\u00f6se ist und Strafe verdient, und nicht, <em>was <\/em>gut und b\u00f6se ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b. weil die Kirche keine Kompetenz f\u00fcr die weltlichen Regierungsgesch\u00e4fte hat. \u201eDie Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen kl\u00fcger als die Kinder des Lichts\u201c (Lk 16,8). Die Kirche hat aber die prophetische Aufgabe, den Politikern und Herrschern die Zehn Gebote ins Bewu\u00dftsein zu rufen, besonders dort, wo diese die herrschende Zivilreligion in Frage stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c. weil der Staat keine Kompetenz in geistlichen Dingen hat. Woher sollte der Staat auch entscheiden k\u00f6nnen, wie und ob die Kirche Gottesdienst zu gestalten hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">d. weil die biblischen Vorgaben f\u00fcr die christliche Erwartung an den Staat h\u00f6chst sparsam sind. Alle Obrigkeiten, mit denen das Volk Gottes in der biblischen Heilsgeschichte zu tun hat, die eigenen und (!) die fremden, werden nicht nur als menschlich, also als nicht g\u00f6ttlich dargestellt (im Unterschied zu den \u00e4gyptischen, ph\u00f6nizischen, r\u00f6mischen usw. Selbstvergottungen der K\u00f6nige), sondern auch als s\u00fcndig, als verf\u00fchrbar, als verf\u00fchrend, als machthungrig, als sexbesessen, trinkfest, als die Steuern \u00fcbertreibend usw. \u2013 jedenfalls als kritisierbar und als zu kritisierend. Eine Kirche, die sich diese Kritik nicht zutraut und meint, nur positiv auf die Politik zugehen zu sollen, verfehlt ihr Amt an der Welt, und verf\u00e4llt der gleichen Kritik, wie man am Gegensatz zwischen einzelnen Propheten und K\u00f6nigen im Alten Testament sehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">e. weil die Kirche aus dem Wort Gottes au\u00dfer dem weltlichen K\u00f6nig den Herrn der Welt kennt, den Herrn aller Herren und K\u00f6nig aller K\u00f6nige.<br \/>\nDie von der Welt sind, werden, so Offb 17,14 \u201egegen das Lamm k\u00e4mpfen, und das Lamm wird sie \u00fcberwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der K\u00f6nig aller K\u00f6nige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserw\u00e4hlten und Gl\u00e4ubigen.\u201c Die aus der Welt sind eben dies nicht, und eine Kirche, die ihr Befinden vom Beifall der Welt abh\u00e4ngig macht, verleugnet ihren Herrn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jakobus 4: \u201e<sup>4 <\/sup>Ihr Abtr\u00fcnnigen, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein.\u00a0 <sup>5<\/sup> Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott \u00fcber den Geist, den er in uns hat wohnen lassen, <sup>6<\/sup> und gibt umso reichlicher Gnade? Darum hei\u00dft es (Spr\u00fcche 3,34): \u00bbGott widersteht den Hochm\u00fctigen, aber den Dem\u00fctigen gibt er Gnade.\u00ab <sup>7<\/sup> So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f. weil gerade das spannungsreiche Gegen\u00fcber von Staat und Religion der wichtigste Garant f\u00fcr individuelle Freiheit ist. Nur im Fall des christlichen Abendlandes hat dieses Gegen\u00fcber zu einem gro\u00dfen Ma\u00df an individuellen Freiheiten gef\u00fchrt \u2013 in keinem der 57 muslimischen Staaten, geschweige in einem der atheistischen, buddhistischen oder hinduistischen Systeme war dies der Fall (St\u00fcckelberger, Demokratie, 2020).<br \/>\nEinen perfekten und dauerhaften Ausgleich zwischen Christentum und Politik wird es niemals geben, weil die s\u00fcndhafte Natur des Menschen dies verunm\u00f6glicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberall wo Kirche und Staat (aus geschichtlichen Gr\u00fcnden) verbunden sind, w\u00e4re die erste Aufgabe der Kirche, gerade an den Verbindungsstellen \u2013 Theologie an den Universit\u00e4ten, Religionsunterricht, Milit\u00e4r- und Krankenhausseelsorge, Staatsakte mit Kirchenvertretern usw. \u2013 ihre spezifischen (d.h. biblischen) Verk\u00fcndigungsquellen mutig zur Geltung kommen zu lassen und sich nicht zivilreligi\u00f6s (d.h. im staatlichen Einheitsinteresse) zu reduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Dr. Stefan Felber (<a href=\"http:\/\/www.stefan-felber.ch\">www.stefan-felber.ch<\/a>), \u201eKirche und Corona\u201c, Vortrag in Hinwil\/Schweiz am 12.6.2021 (= <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BVq74NhOZJs\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BVq74NhOZJs<\/a>) <\/em><br \/>\n<em>Download von <a href=\"https:\/\/acch.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/220411_ACCH_SF_Kirche-und-Staat.pdf\">https:\/\/acch.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/220411_ACCH_SF_Kirche-und-Staat.pdf<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\">https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de<\/a> (Mai 2022)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-18412\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/felber_zivilreligion.jpg\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"155\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/felber_zivilreligion.jpg 316w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/felber_zivilreligion-190x300.jpg 190w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/>Genaueres siehe in meinem Buch \u201eKein K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser?<br \/>\nWarum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verlieren\u201c,<br \/>\nFreimund-Verlag Neuendettelsau 2021, 244 Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. meinen Beitrag beim Freundestag des Gemeindehilfsbundes (15.5.2021), unter dem Titel \u201eKirche, Corona und Staat\u201c (s.u. <a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\">www.gemeindenetzwerk.de<\/a> bzw. Youtube unter den Stichworten \u201eFelber Gemeindehilfsbund\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u201eAn die Fleischt\u00f6pfe: Wie sich der Staat die Kirchen unterwirft\u201c, in: FAZ 18.11.1998, Nr. 268, S. 41.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Au\u00dfer im Bundesland Sachsen, wo aber ein h\u00f6herer Pflegeversicherungsbeitrag eingezogen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsdeputationshauptschluss\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsdeputationshauptschluss<\/a> (09.06.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> An die Fleischt\u00f6pfe, ebd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Jochen Teuffel: Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab, Basel 2014, 144 S.; hierzu die Rez. von H. Seubert, in:\u00a0Diakrisis 2\/2015, S. 112f. (zur Thematik Kirchensteuer finden sich weitere Beitr\u00e4ge in diesem Heft).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Wikipedia: \u201e\u2026 wodurch die Macht des Papstes praktisch aufgel\u00f6st wurde. Der Einfluss der franz\u00f6sischen K\u00f6nige auf die eigene Kirche war ohnehin sehr stark, nun jedoch durfte der Papst auch keine Legaten mehr ohne des K\u00f6nigs Zustimmung nach Frankreich senden. Bisch\u00f6fe durften ohne k\u00f6nigliche Erlaubnis das Land nicht verlassen, kein Staatsbeamter exkommuniziert werden f\u00fcr Taten, die seinen Dienst betrafen. Alle kirchlichen Privilegien wurden dem Monarchen \u00fcbertragen, s\u00e4mtliche Einflussm\u00f6glichkeiten des Papstes durch die Billigung des K\u00f6nigs reguliert\u201c (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_XIV\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_XIV<\/a>., 11.06.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Sieburg, Heinz Otto: Grundz\u00fcge der franz\u00f6sischen Geschichte, Darmstadt 2009, S. 75.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> AaO. 76.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, in: aaO. S. 21378 = Rousseau-Gesell., S. 180. Gleiches Zitat bei D\u00e4hler, Zivilreligion und Evangelium, S. 3. Rousseau verlangte in der ersten Fassung seines Contract social noch die Todesstrafe f\u00fcr den Verrat am heiligen Gesellschaftsvertrag und den heiligen Gesetzen (Vorl\u00e4nder, Brauchen Demokratien, S. 154, Fu\u00dfn. 28)!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Darstellung bei Luhmann, Grundwerte als Zivilreligion, S. 59.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag; zitiert nach: Philosophie von Platon bis Nietzsche (Digitale Bibliothek S. 21377 = Rousseau-Gesell., S. 180). Abgesehen vom Kapitel \u201eVon den r\u00f6mischen Komitien\u201c ist der Abschnitt \u00fcber den Gesellschaftsvertrag mit Abstand der l\u00e4ngste im Buch. Die Fortsetzung dort lautet: \u201eEs handelt sich hierbei also nicht eigentlich um Religionslehren, sondern um allgemeine Ansichten, ohne deren Befolgung man weder ein guter B\u00fcrger noch ein treuer Untertan sein kann. Ohne jemand zwingen zu k\u00f6nnen, sie zu glauben, darf der Staat jeden, der sie nicht glaubt, verbannen, zwar nicht als einen Gottlosen, wohl aber als einen, der den Gesellschaftsvertrag verletzt, der unf\u00e4hig ist, Gesetze und Gerechtigkeit aufrichtig zu lieben und im Notfalle sein Leben seiner Pflicht zu opfern. Sobald sich jemand nach \u00f6ffentlicher Anerkennung dieser b\u00fcrgerlichen Glaubensartikel doch als Ungl\u00e4ubigen zu erkennen gibt, so verdient er die Todesstrafe; er hat das gr\u00f6\u00dfte aller Verbrechen begangen, er hat einen wissentlichen Meineid im Angesichte der Gesetze geleistet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> <a href=\"https:\/\/lkf.ch\/berichte\/laizistisches-frankreich\">https:\/\/lkf.ch\/berichte\/laizistisches-frankreich<\/a> (11.06.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/story\/franzoesische-regierung-will-hausunterricht-verbieten-8216\">https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/story\/franzoesische-regierung-will-hausunterricht-verbieten-8216<\/a> (11.06.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Raedel, Christoph: Die Fortschrittsfalle. Zur Moralisierung gesellschaftspolitischer Debatten, in: Die politische Meinung 562 (2020), 72\u201378.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Nach Dreher S. 31.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Dreher S. 36f.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht mir in diesem kurzen Beitrag nicht darum, Staatsverdrossenheit oder Abwendung von Gesellschaft und Politik das Wort zu reden. Im Gegenteil, Christen sollten sich gerade in \u00f6ffentliche Angelegenheiten einbringen, wozu es in der Bibel ja einige Modellfiguren gibt. 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