{"id":18832,"date":"2022-04-28T14:45:25","date_gmt":"2022-04-28T12:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18832"},"modified":"2022-05-20T09:53:37","modified_gmt":"2022-05-20T07:53:37","slug":"zum-diskriminierenden-begriff-homophobie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18832","title":{"rendered":"Zum diskriminierenden Begriff \u201eHomophobie\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit der deutsche Bundestag und viele andere Regierungen rund um den Globus die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr Gleichgeschlechtliche beschlossen haben, genie\u00dfen Schwule und Lesben nicht nur staatlichen, sondern oft sogar kirchlichen Segen. Jegliche Kritik an gleichgeschlechtlicher Praxis ist unabh\u00e4ngig von ihrer Motivation obsolet geworden. Das spiegelt sich insbesondere im Erfolg des Kunstbegriffs \u201eHomophobie\u201c, mit dem die Minderheit Homosexueller vor Diskriminierung gesch\u00fctzt werden soll.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch dieser offenbar bereits in die Alltagssprache eingegangene Ausdruck diskriminiert l\u00e4ngst andere Menschen \u2013 n\u00e4mlich all diejenigen innerhalb und au\u00dferhalb der Gleichge\u00adschlechtlichen-Szene, die sich mit dem Ph\u00e4nomen der Homosexualit\u00e4t in der einen oder anderen Hinsicht doch auch sachlich-kritisch auseinandersetzen m\u00f6chten. Eine solche Aus\u00adeinanderset\u00adzung scheint kaum mehr m\u00f6glich zu sein. Wer sich als Wissen\u00adschaftler mit dem \u201eHomo\u201c-Thema analytisch so befasst, dass dabei auch kritische Aspekte aus Medi\u00adzin, Psychologie oder Theologie zum Tragen kommen, wird mittels des Begriffs \u201ehomo\u00adphob\u201c meist schnell an den Pranger gestellt und kollegial isoliert. Wenn sich ein christlicher Publi\u00adzist die einschl\u00e4gigen neutestamentlichen Aussagen zu eigen macht, ist er rasch gebrand\u00admarkt und muss damit rechnen, von manchen kirchlichen Zeitschriften gar nicht mehr ge\u00addruckt zu werden. Wer als Pfarrer in der Gemeinde seine biblisch begr\u00fcndete Position kund\u00adtut, hat mit heftigen Reaktionen \u2013 wom\u00f6glich sogar von Seiten der Kirchenleitung \u2013 zu rech\u00adnen. Eine diskriminierte Minderheit bilden heute kaum mehr die Homo- oder Trans\u00adsexuellen, sondern eher schon die angeblich \u201eHomophoben\u201c. Sie zu diskriminieren, ist ja die durch\u00adschaubare Absicht des Begriffs \u201ehomophob\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo es derart unsachlich und unfair zugeht, dort sind mit Sicherheit psychologische und welt\u00adanschauliche Faktoren im Spiel. Der Begriff der <em>Phobie<\/em> stammt aus der Psychologie: Er be\u00adzeichnet die krankhafte, psychoanalytisch auszumachende Furcht vor etwas Bestimmten. Wenn man nun gewisse Themen nicht mehr kritisch ansprechen darf, herrscht offensichtlich eine solche Phobie in Gesellschaft und Kirche vor \u2013 n\u00e4mlich eine ausgepr\u00e4gte \u201eHomose\u00adxuellenkritik-Phobie\u201c. Dies ist eine sachliche Feststellung; sie m\u00f6chte nicht verletzen, sondern aufkl\u00e4ren helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demgegen\u00fcber will das Wort \u201ehomophob\u201c sehr wohl verletzen; es ist ein pauschalisierender Kampfbegriff. Seine Verwendung zielt darauf, nicht nur die unsachlichen, sondern auch die sachlichen Kritiker gleichgeschlechtli\u00adcher Praxis zu ver\u00e4ngstigen und zum Schweigen zu bringen. Das ist mitt\u00adlerweile auch viel\u00adfach gelungen. Gewiss ist es im Blick auf unsachliche Kritik v\u00f6llig legitim, Abwehrstrategien zu entwickeln; die aber sollten ihrerseits m\u00f6glichst sachlich sein \u2013 was bei dem Totschlag-Argument der Verwendung des Begriffs \u201ehomophob\u201c definitiv nicht der Fall ist. Schon die Abk\u00fcrzung \u201ehomo-\u201c ist h\u00f6chst fragw\u00fcrdig, weil im Ansatz f\u00fcr manche Ohren missver\u00adst\u00e4nd\u00adlich. Altgriechisch gelesen bedeutet sie \u201egleich\u201c und bezieht sich hier auf die Gleichge\u00adschlecht\u00adlichkeit. Lateinisch verstanden aber hei\u00dft <em>homo<\/em> \u201eMensch\u201c. Insofern unterstellt der Ausdruck \u201ehomophob\u201c dem Klang nach f\u00fcr manche Ohren missverst\u00e4ndlich so etwas wie Menschenfurcht, ja es klingt sogar so etwas wie Menschen\u00adfeindschaft an \u2013 was nat\u00fcrlich absurd ist, aber bei dieser problematischen Abk\u00fcrzung f\u00fcr den einen oder anderen Sender und Empf\u00e4nger mitschwingen k\u00f6nnte. Und die zweite Worth\u00e4lfte \u201e-phob\u201c deutet auf eine psychologi\u00adsche Gr\u00f6\u00dfe hin, womit indirekt unterstellt wird, dass alle Kritik an Gleichge\u00adschlechtlichkeit ein Fall f\u00fcr Psychologen oder gar Psychiater sei. Ebenso absurd! Es mag Einzelf\u00e4lle geben, in denen der Begriff angemessen w\u00e4re \u2013 aber als g\u00e4ngiger Pauschalbegriff f\u00fcr s\u00e4mtliche Arten von Kritik an Homosexualit\u00e4t ist er ein Unding. Ja er stellt ein sprachliches Monster dar, des\u00adsen Aggressions- und Verwirrungspotenzial so gro\u00df ist, dass er zumindest in kirchlichen und theologischen, um Wahrheit und Fairness bem\u00fchten Kreisen sich eigentlich von selbst verbie\u00adten sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht alle Argumente von Kritikern der Gleichgeschlechtlichkeit m\u00f6gen \u00fcberzeugend sein; diesbez\u00fcglich sind umso mehr offene Diskussionen angesagt, nicht jedoch Tabuisierungen und gezielte Verletzungen. Der bekannte Umstand, dass Homosexuellen \u00fcber lange Zeit hierzulande hin\u00adsichtlich ihrer Menschenrechte \u00fcbel mitgespielt wurde, ist zweifellos h\u00f6chst bedauerlich. Er rechtfertigt aber nicht eine Entwicklung, die langsam in gegenteilige Richtung zu gehen droht. Wieder werden Mitmenschen an den Pranger gestellt oder jedenfalls als hoch\u00adpeinlich ausge\u00adgeben \u2013 doch nun sozusagen auf der anderen Seite. Der Begriff \u201ehomophob\u201c spaltet auf nie\u00addertr\u00e4chtige Weise, statt eine sachliche Debatte zu f\u00f6rdern. Er sollte unter dialogfreundli\u00adchen und gebildeten Zeitgenossen k\u00fcnftig obsolet sein. W\u00fcrde er hingegen immer weiter zur sprach\u00adlichen Normalit\u00e4t werden, dann k\u00f6nnte es dazu kommen, dass schlie\u00dflich auch die Bibel als \u201eHomophobie\u201c-f\u00f6rderliches Buch einer radikalen Kultur- und Gesellschaftskritik anheimf\u00e4llt. Umso mehr w\u00e4re es an der Zeit, in Theologie und Kirche \u201eklimatisch\u201c endlich wieder ausgewogenere Debatten zum Thema Ehe und Gleichgeschlecht\u00adlichkeit zuzulassen, statt sich positionell dem Zeitgeist anzubiedern.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Werner Thiede<\/em><\/p>\n<p><em>Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-18835\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schiff-ohne-Kompass-Thiede.jpg\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schiff-ohne-Kompass-Thiede.jpg 354w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schiff-ohne-Kompass-Thiede-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 118px) 100vw, 118px\" \/>Werner Thiede: Evangelische Kirche \u2013 Schiff ohne Kompass? Impulse f\u00fcr eine neue Kursbestimmung\u201c, Darmstadt 2017 , Hardcover, \u20ac 15<\/em><br \/>\n<em><br \/>\nDr. theol. habil. W. Thiede ist apl. Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, Pfarrer i.R. und Publizist (www.werner-thiede.de).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der deutsche Bundestag und viele andere Regierungen rund um den Globus die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr Gleichgeschlechtliche beschlossen haben, genie\u00dfen Schwule und Lesben nicht nur staatlichen, sondern oft sogar kirchlichen Segen. Jegliche Kritik an gleichgeschlechtlicher Praxis ist unabh\u00e4ngig von ihrer Motivation obsolet geworden. 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