{"id":18800,"date":"2022-04-07T19:26:02","date_gmt":"2022-04-07T17:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18800"},"modified":"2022-04-07T19:26:02","modified_gmt":"2022-04-07T17:26:02","slug":"ein-fuer-allemal-und-immer-wieder-neu-kindertaufe-und-konfirmation-als-stationen-auf-dem-glaubensweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18800","title":{"rendered":"Ein f\u00fcr allemal &#8211; und immer wieder neu. Kindertaufe und Konfirmation als Stationen auf dem Glaubensweg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><u>1<strong>.<\/strong> Wer ist Christ? <\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dieser Frage gibt es verschiedene Definitionen. Wird man als Christ geboren? Das behauptete z.B. ein in Deutschland aufgewachsener Bundestagsabgeordneter islamischer Herkunft in einer Fernsehdiskussion. Er meinte, niemand k\u00f6nne etwas f\u00fcr seine Religion; der eine werde eben als Moslem, der andere als Christ geboren. \u2013 Das klingt tolerant und entspricht einer vielfach verbreiteten Ansicht in der Bev\u00f6lkerung. Und doch, wenn das so stimmte, dann w\u00e4re man herkunftsm\u00e4\u00dfig an seine Religion gebunden und letztlich ebenso wenig daf\u00fcr verantwortlich wie f\u00fcr die eigene Augenfarbe: Man ist eben so zur Welt gekommen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer das meint, \u00fcbertr\u00e4gt allerdings \u2013 wahrscheinlich unbewusst \u2013 ein islamisches Religionsverst\u00e4ndnis auf das Christentum. Denn im Islam gilt tats\u00e4chlich: Einmal Moslem, immer Moslem, ein f\u00fcr alle Mal! Adam war angeblich der erste Moslem, und deshalb ist jedes Menschenkind eigentlich ein Muslim. Das gilt auf jeden Fall erst recht f\u00fcr Kinder islamischer M\u00e4nner. Ihre Nachkommen sind \u201eautomatisch\u201c Muslime. Wer den Islam verl\u00e4sst, tut deshalb nach muslimischer Auffassung etwas Strafbares, geradezu Unnat\u00fcrliches.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man eine solche Sicht auf das Christentum \u00fcbertr\u00e4gt, irrt man sich jedoch gewaltig. Das Christentum ist, kurz gesagt, eine Entscheidungsreligion. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch im christlichen Bereich Traditionen und Familienbande. Ein Kind christlicher Eltern wird, wenn es gut geht, christlich erzogen. Bei der Kindertaufe wird das jedenfalls von Eltern und Paten versprochen. Davon abgesehen wird in unserem s\u00e4kularisierten Europa keineswegs jedes Kind getauft; und unser Land ist kein christliches Land, allenfalls ein Land mit christlicher Tradition, die au\u00dferdem mehr und mehr schwindet. Die christliche Erziehung ihrerseits richtet sich nicht in erster Linie darauf, Traditionen kennenzulernen und Riten zu vollziehen, sondern sie richtet sich auf das Ziel der freien Pers\u00f6nlichkeit und entsprechend der pers\u00f6nlichen Glaubensentscheidung. Freilich ist eine wichtige Voraussetzung, dass Eltern und Paten ihr Taufversprechen ernst genommen und nicht blo\u00df so dahingesagt haben, weil es nun mal zur Taufliturgie geh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste Schritt ist die Konfirmation. Sie soll die Jugendlichen dazu anleiten, in das Versprechen, das Eltern und Paten bei der Kleinkindtaufe gegeben haben, nun ihrerseits selbst\u00e4ndig einzutreten. Die Heranwachsenden sollen erkennen, dass es n\u00f6tig ist, eine Entscheidung zu treffen, ob sie mit oder ohne pers\u00f6nlichen Glauben an Jesus Christus leben wollen. Niemand bringt diesen Glauben quasi automatisch von Geburt an oder automatisch durch die Kleinkindtaufe mit. Aber es wird auch niemand zu diesem Glauben gezwungen! \u2013 Aus dieser Quelle speist sich \u00fcbrigens die abendl\u00e4ndische Tradition der Glaubens- und Gewissensfreiheit, die neuzeitlich zu den Menschenrechten z\u00e4hlt. Glaubens- und Gewissensfreiheit sind nicht, wie oft behauptet wird, von der Aufkl\u00e4rung \u2013 sogar gegen das Christentum \u2013 \u201eerfunden\u201c worden. Die Aufkl\u00e4rung hat vielmehr das Freiheitsdenken vom Christentum \u00fcbernommen, auf die Vernunft ausgedehnt und politisch durchzusetzen versucht gem\u00e4\u00df der Definition von Kant in seiner Schrift \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung?\u201c (1784): \u201eAufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.\u201c Abendl\u00e4ndische Aufkl\u00e4rung und Christentum sind deshalb Geschwister. Diese Geschwister haben sich zwar, wie es unter Geschwistern vorkommt, immer wieder auch gezankt,\u00a0 aber sie geh\u00f6ren zur selben Familie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zur Frage \u201eWer ist Christ?\u201c Christ ist also nicht, wer in eine christliche Familie oder allgemein in christliche Tradition hinein geboren ist. Christ ist nicht, wer Kirchensteuer zahlt oder fromme Reden f\u00fchrt. Christ ist vielmehr, wer eine pers\u00f6nliche Entscheidung f\u00fcr ein Leben mit Jesus Christus getroffen hat; wer nicht nur glaubt und bekennt: \u201eJesus Christus ist <em>ein<\/em> HErr\u201c, sondern wer glaubt und bekennt: \u201eJesus Christus ist <em>mein<\/em> HErr und mein Gott\u201c (Johannes 20,28). \u2013 Wie eine solche Entscheidung sich im Leben eines Christen praktisch auswirkt, n\u00e4mlich welche Konsequenzen sich daraus ergeben, das ist nun die weitere Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>2. Die Entscheidung<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles geschieht nur einmal und kann nicht wiederholt werden. Man wird nur einmal geboren. Man hat nur ein Leben. Man kann zwar in Gedanken, aber nicht biologisch in die Kindheit zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im dritten Kapitel des Johannesevangeliums wird die Geschichte von Jesus und Nikodemus erz\u00e4hlt. Der Pharis\u00e4er Nikodemus kam bei Nacht zu Jesus, um mehr \u00fcber den Glauben zu erfahren. Jesus sagte ihm, man k\u00f6nne die Botschaft vom Reich Gottes nicht verstehen, es sei denn, man werde von neuem geboren. Nikodemus wandte mit Recht ein: \u201eWie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?\u201c \u2013 Biologisch hat Nikodemus v\u00f6llig Recht. Biologisch gilt\u00a0 das \u201eEin f\u00fcr allemal\u201c des menschlichen Lebenslaufes. Am Anfang geschieht die Geburt und am Ende steht der Tod. Dazwischen gibt es kein Zur\u00fcck. Jesus aber hebt das Bild von der neuen Geburt auf die geistliche Ebene. Es gibt eine Wiedergeburt, sogar auch noch f\u00fcr biologisch \u00e4ltere und alte Menschen, n\u00e4mlich, wie es biblisch hei\u00dft, eine neue Geburt aus Wasser und Geist. Es geht um die Taufe und dann das bewusste \u201eJa\u201c zur Taufe bei der Konfirmation, falls man bereits als Kleinkind getauft wurde. Eine solche geistliche Entscheidung meint Jesus mit der Wiedergeburt. Sie geschieht ebenso ein f\u00fcr alle Mal wie die biologische Geburt. Diese Tatsache gibt dem, der Jesus Christus nachfolgt, eine Gewissheit, auf die er sich in Tod und Leben verlassen kann, einen festen Halt und klaren Bezug im ganzen Leben. Man bekommt Lebenssinn geschenkt. Ins Herz ziehen Freude, Friede und Freiheit ein. Wenn auch Schwierigkeiten kommen, so ist doch Distanz gewonnen zu allen negativen M\u00e4chten, die einen Menschen in Beschlag nehmen, binden und beherrschen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine besondere Chance zu solch einer Entscheidung bietet also die Konfirmation mit \u00f6ffentlichem Bekenntnis. Daf\u00fcr ist sie da, daf\u00fcr wurde sie in der Kirche eingef\u00fchrt, auch wenn das nicht immer deutlich gesagt wird. Die Folge ist, dass man eine klare Orientierung f\u00fcr das gesamte Leben gewinnt. Auf diese Weise ist ein geistgeleitetes und zugleich fr\u00f6hliches, befreites, unverkrampftes Leben m\u00f6glich, das seine Freiheit nicht aus der Beliebigkeit bezieht, sondern aus der Ausrichtung des Lebens auf ein Ziel. Man gleicht nicht \u201eder Welle des Meeres, die vom Wind bewegt und getrieben wird\u201c (Jakobus 1,6), wie die bedauernswerten Menschen, die keine Orientierung haben und ihr F\u00e4hnchen in den Wind des Zeitgeistes h\u00e4ngen. Solche Leute sind keine Pers\u00f6nlichkeiten, auch wenn sie sich daf\u00fcr halten. Das wird hier \u00fcbrigens nicht zur Verurteilung Anderer gesagt, sondern als Hinweis f\u00fcr uns selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Apostel Paulus bringt in Galater 3,27 ein sch\u00f6nes Bild f\u00fcr diese neue Lebenswirklichkeit. Er schreibt: \u201eDenn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.\u201c Gott \u00fcberkleidet den Menschen in der Nachfolge Jesu, bildlich gesprochen, mit einem sch\u00f6nen, makellosen wei\u00dfen Kleid (vgl. Offenbarung 3,5; 6,11; 7,9). Dies wird an anderer Stelle\u00a0 \u201ehochzeitliches Gewand\u201c genannt (Matth\u00e4us 22,11). Wer mit diesem \u201ehochzeitlichen Gewand\u201c \u00fcberkleidet ist, geht zum ewigen Leben ein. Das wird in diesem Gleichnis des Matth\u00e4usevangeliums von Jesus selbst best\u00e4tigt. Wer Jesus Christus nachfolgt, dem wird Heilsgewissheit geschenkt! Es fehlt diesbez\u00fcglich an nichts. Da wird nicht nach Werken und Leistungen gefragt. Man ist befreit. Das muss man sich nur im Alltag des Lebens bewusst machen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>3. Der Glaubensweg<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um beim Bild der Bekleidung zu bleiben: Unter dem neuen, wei\u00dfen Kleid leben aber, solange wir auf Erden sind, der \u201ealte Adam\u201c und die \u201ealte Eva\u201c weiter. Die bringen es immer wieder fertig, ihr neues, wei\u00dfes Kleid zu beschmutzen. Das neue Kleid wird ihnen deshalb von Gott zwar nicht abgenommen, aber ihr Verhalten \u201ebetr\u00fcbt den Heiligen Geist\u201c (Epheser 4,30). Um es mit einem anderen Bild zu verdeutlichen: Ein beschmutzter Scheinwerfer leuchtet nicht mehr hell. Aber er bleibt trotzdem ein Scheinwerfer. Es geh\u00f6rt leider zur Wirklichkeit unseres Lebens als Christ in der Welt, dass wir uns in dieser Weise immer wieder beschmutzen. Der Schmutz kommt an erster Stelle von innen, vom gegeng\u00f6ttlichen Widerstand des \u201ealten Menschen\u201c, der uns allen seit dem S\u00fcndenfall sozusagen zur zweiten Natur geworden ist. Der Schmutz kommt zugleich von au\u00dfen, weil wir in politischen und kulturellen Zusammenh\u00e4ngen leben, die oft nicht vom Heiligen Geist geleitet sind. Die inneren und \u00e4u\u00dferen Versuchungen werden h\u00e4ufig nicht einmal erkannt. Man l\u00e4sst sich vom Strom der Allgemeinheit mitrei\u00dfen und handelt einfach nach dem, was \u201eman\u201c so tut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen diesen Trend gibt es jedoch eine Waffe, n\u00e4mlich die t\u00e4gliche R\u00fcckkehr zur Gnade Gottes in Jesus Christus, die Besinnung auf Jesu Vergebung und Gottes Treuebund, die t\u00e4gliche Bu\u00dfe, die t\u00e4gliche Reinigung, das \u201eZur\u00fcckkriechen in die Taufe\u201c. Luther sagte einmal in seiner bildhaft-drastischen Sprache, \u201edass der alte Adam in uns durch t\u00e4gliche Bu\u00dfe soll ers\u00e4uft werden und sterben mit allen S\u00fcnden und b\u00f6sen L\u00fcsten, und wiederum t\u00e4glich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch\u201c. Bei dem allen geht es um das \u201eImmer wieder neu\u201c. Entsprechend hei\u00dft es in Luthers Abendsegen: \u201eIch danke dir, mein himmlischer Vater durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gn\u00e4diglich beh\u00fctet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine S\u00fcnden, wo ich Unrecht getan habe&#8230;\u201c. Im Morgensegen lautet es: \u201e&#8230;du wollest mich diesen Tag auch beh\u00fcten vor S\u00fcnde und allem \u00dcbel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle&#8230;\u201c. So geschieht morgens und abends, abends und morgens die t\u00e4gliche R\u00fcckkehr in die vergebende Gnade Gottes in Jesus Christus. \u2013 Wer in dieser Weise betet, gibt damit zu, dass er nicht nur bewusst ges\u00fcndigt hat, sondern auch ohne es zu merken, also unbewusst. Es geht ja um mehr als nur um die groben Fehltaten. Viel schwieriger zu erkennen und abzulegen sind die unbewussten Verfehlungen bis hin zu negativen Charaktereigenschaften. \u2013 Diese Einsicht darf allerdings nicht zur Selbstqu\u00e4lerei in missverstandenem \u201eHeiligungsbestreben\u201c f\u00fchren. Psychologische Tiefensch\u00fcrfungen mit der Absicht, ganz \u201eheilig\u201c zu werden, f\u00fchren nur zum Drehen um sich selbst bis hin zur Selbstrechtfertigung. Das aber ist genau der falsche Weg! Vielmehr kann man getrost mit Psalm 19,13 beten: \u201eWer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen S\u00fcnden.\u201c Der Heilige Geist wird schon zu seiner Zeit aufdecken, um was es geht. Und dann ist es Zeit, auch f\u00fcr diese S\u00fcnde um Vergebung zu bitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>4. Bewusst und froh<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geistliche Lebenswahrheiten sind also perspektivisch zu betrachten. Das \u201eEin f\u00fcr allemal\u201c schlie\u00dft das \u201eImmer wieder neu\u201c nicht aus, ja erfordert es geradezu. Und umgekehrt \u00e4ndert die Notwendigkeit des \u201eImmer wieder neu\u201c nichts an der Heilsgewissheit, denn das \u201eEin f\u00fcr allemal\u201c bleibt ewig g\u00fcltig. Anders gesagt: Im Blick auf Gott gilt das \u201eEin f\u00fcr allemal\u201c unwiderruflich; im Blick auf uns selbst gilt die Aufforderung, t\u00e4glich neu zur Gnade zur\u00fcckzukehren, in sie \u201ehineinzukriechen\u201c. Deshalb ist es auch kein biblischer Widerspruch, wenn der Apostel Paulus den getauften Gemeindegliedern (Galater 3,27) versichert \u201eihr habt Jesus Christus [bereits] angezogen\u201c w\u00e4hrend er (R\u00f6mer 13,14) getaufte Christen ermahnt: \u201e&#8230;ziehet [immer wieder neu] an den HErrn Jesus Christus\u201c. Beides gilt es zu beachten. Auf diese Weise ist ein geistgeleitetes und zugleich fr\u00f6hliches, befreites, unverkrampftes Leben m\u00f6glich, das seine Freiheit nicht aus der Beliebigkeit bezieht, sondern aus der klaren Ausrichtung des Lebens auf ein Ziel. Bei groben S\u00fcnden haben wir als Hilfe f\u00fcr die R\u00fcckkehr zur Gnade das Angebot der Einzelbeichte unter vier Augen mit einem Seelsorger. Bei der Reinigung auch von unerkannten S\u00fcnden hilft uns die Stille Zeit. Ebenso helfen formulierte Gebete dazu wie der erw\u00e4hnte Morgen- und Abendsegen oder die Psalmgebete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig ist, dass wir beim \u201eEin f\u00fcr allemal\u201c und beim \u201eImmer wieder neu\u201c nicht eine der beiden Seiten vernachl\u00e4ssigen, sondern beide sollten im Leben eines Christen ein Gleichgewicht bilden. Die ausschlie\u00dfliche Betonung des \u201eEin f\u00fcr allemal\u201c kann zur Laxheit im Glaubensleben f\u00fchren, zur bequemen Heilssicherheit anstelle von Heilsgewissheit. Die einseitige Betonung des \u201eImmer wieder neu\u201c kann zu falschem Heiligkeitsstreben mit Verkrampfungen bis hin zu Niedergeschlagenheit oder zur Selbstrechtfertigung f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das rechte Miteinander wird treffend wiedergegeben im Tauflied von Johann Jakob Rambach (EG Nr. 200):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konfirmation und auch eine sp\u00e4tere Lebensentscheidung bedeuten, bewusst \u201eja\u201c zur eigenen Taufe zu sagen: Ja, ich will Jesus Christus als meinen Herrn und Heiland pers\u00f6nlich annehmen. Die Grundlage zeigt Strophe 1:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eIch bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Hl. Geist; ich bin gez\u00e4hlt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt hei\u00dft. Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.\u201c\u00a0 <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommen sp\u00e4ter Zweifel, dann gilt Strophe 4:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eMein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn \u00fcberschreite, so lass mich nicht verlorengehn; nimm mich, dein Kind zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Schritt zur immer neuen Lebenshingabe gibt die f\u00fcnfte Strophe Ausdruck:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eIch gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, HERR, deinen Willen tut.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folglich gilt f\u00fcr die Glaubensschritte im Leben eines Christen beides zugleich und beides je f\u00fcr sich: ein f\u00fcr alle Mal und dennoch immer wieder neu. Nicht: Ein f\u00fcr alle Mal \u2013 <strong><em>oder<\/em><\/strong> immer wieder neu, sondern: Ein f\u00fcr allemal \u2013 <strong><em>und zugleich<\/em><\/strong> immer wieder neu! Ja, es gilt beides! Auf diese Weise werden wir wunderbar tr\u00f6stlich best\u00e4rkt in unserer Heilsgewissheit. Glaube ist ein Weg, kein Prinzip. Denn zu glauben hei\u00dft, lebendig zu sein \u2013 jetzt in dieser Zeit und in Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stuttgart, im M\u00e4rz 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Wer ist Christ? Zu dieser Frage gibt es verschiedene Definitionen. Wird man als Christ geboren? 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