{"id":18780,"date":"2022-03-25T18:24:02","date_gmt":"2022-03-25T17:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18780"},"modified":"2022-03-25T18:26:49","modified_gmt":"2022-03-25T17:26:49","slug":"passionsandacht-es-geht-am-kreuz-um-unsere-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18780","title":{"rendered":"Passionsandacht &#8222;Es geht am Kreuz um unsere Not&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbSie spotteten und sprachen: Er hat Gott vertraut; der erl\u00f6se ihn nun, hat er Lust zu ihm.\u00ab (Matth\u00e4us 27,43)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den dunklen Urzeiten der Menschheit wird uns 1. Mose 11 eine aufw\u00fchlende Geschichte berichtet. Es hat damals alle Welt einerlei Sprache. Eines Tages fassten die Menschen den Beschluss: \u00bbWohlauf, lasst uns einen Tun bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reicht, dass wir uns einen Namen machen.\u00ab Nun beginnt der Titanentrotz des Menschen den Bau des babylonischen Turms, der als phantastisches Zeichen die \u00bbPensionierung Gottes\u00ab und die Selbstherrlichkeit des Menschen proklamieren soll.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr wisst, wie es weiterging: Der Turm wurde nie fertig. Der Herr fuhr hernieder und verwirrte ihre Sprache, dass einer den \u00e4ndern nicht mehr verstand. Und dabei ist es geblieben, wie ja die Gegenwart zeigt. Aber die Verwirrung ging noch tiefer. Nicht nur zwischen Mensch und Mensch wurde die \u00bbSprache verwirrt\u00ab, sondern auch zwischen Mensch und Gott. Der Mensch versteht auch die Sprache Gottes nicht mehr, solange Gott ihm nicht durch den Heiligen Geist hilft. Davon redet unser Text. Das Kreuz ist die deutlichste Rede Gottes. Aber \u2014 wer versteht sie? Die Leute unter dem Kreuz jedenfalls nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das dreifache Missverst\u00e4ndnis des Kreuzes.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong> Es geht nicht um Jesu Not, sondern um unsre<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da stehen die Sp\u00f6tter unter dem Kreuz. Und es ist, als streife ihr Herz eine Ahnung von Jesu ungeheurer Not. Aber auch daraus machen sie nun einen Spott: \u00bbDu hast dich ja so oft erfolgreich an Gott gewandt. Tu es doch auch jetzt in deiner Not!\u00ab Welch ungeheures Missverst\u00e4ndnis! Es geht auf Golgatha gar nicht um Jesu Not. Es geht vielmehr um unsre Not. Dieses Missverst\u00e4ndnis hat die ganze Kirchengeschichte durchzogen. Die katholische Mystik des Mittelalters, besonders die franziskanische Mystik, geht in der Linie des Mitleids mit dem leidenden Heiland. In dem bekannten Lied \u00bbStabat mater\u00ab stellt sich die Seele gleichsam neben Maria unter das Kreuz und klagt mit ihr: \u00bbLass mein Weinen um den Reinen mit dem Deinen sich vereinen, bis zu meiner letzten Stund; trauernd mich mit dir zu sehen, an dem Fu\u00df des Kreuzes stehen, w\u00fcnsch ich mir von Herzensgrund.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, sogar im evangelischen Gesangbuch findet sich dieses Missverst\u00e4ndnis, als gehe es um Jesu Not: \u00bbO s\u00fc\u00dfer Bund, o Glaubensgrund, wie bist du doch zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, muss dich ja beklagen.\u00ab Luther nennt das in der lateinischen Ausgabe der Schrift \u00bbVon der Freiheit eines Christenmenschen\u00ab einen \u00bbkindischen und weibischen Unsinn\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht am Kreuz um unsre Not! Und zwar um eine gr\u00f6\u00dfere, als die der Krieg mit sich bringt. Es geht um die Not unseres Gewissens, um die Not unserer friedlosen Seele, um die Not, dass wir der H\u00f6lle zueilen. Ein befreundeter Missionar erz\u00e4hlte mir einst von einem indischen G\u00f6tzenfest. Tausende sind versammelt. Da kommen die riesigen Triumphwagen der G\u00f6tter. Ihre R\u00e4der sind wie ungeheure Walzen. Und auf einmal st\u00fcrzt ein Mann aus der Menge, wirft sich unter die R\u00e4der und l\u00e4sst sich zermalmen. Aus Hunger nach Frieden des Herzens! Um diese Not, welche die wahre Menschheitsnot ist, geht es an Jesu Kreuz. Diese Not will er stillen. Hier wird f\u00fcr uns alle der Friede mit Gott erfochten.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><strong> Es geht nicht um Jesu Erl\u00f6sung, sondern um unsre<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da stehen sie unter dem Kreuz des Sohnes Gottes und spotten: \u00bbEr hat Gott vertraut, der erl\u00f6se ihn nun&#8230;!\u00ab Welch ungeheures Missverst\u00e4ndnis! Es geht auf Golgatha nicht darum, dass Jesus erl\u00f6st wird. Es geht um unsre Erl\u00f6sung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dieses Missverst\u00e4ndnis ist bis zum heutigen Tag vorhanden. Nicht nur Jesus hat am Kreuz gehangen. Auch die Sache seines Reiches geht in dieser Weltzeit den Kreuzesweg. Den Feinden Christi ist das nun Anlass zu h\u00f6hnischem Triumphgeschrei, den gutmeinenden Leuten aber zu schwerer Sorge. Wie oft begegnen mir wohlmeinende Leute, die um die Kirche Christi recht besorgt sind und allerlei gute Vorschl\u00e4ge haben, wie man der Sache der Kirche und Christi aufhelfen k\u00f6nnte. Also: diese Sorge d\u00fcrfen wir getrost fallen lassen. Es geht nicht darum, dass Jesus und seine Sache erl\u00f6st werden. Nein! Es geht vielmehr darum, dass wir erl\u00f6st werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oh, ihr t\u00f6richten Hohenpriester, Schriftgelehrten und \u00c4ltesten! Da steht ihr nun und ruft: \u00bbEr hat Gott vertraut, der erl\u00f6se ihn nun!\u00ab Ja, habt ihr euch denn schon mal Ge-danken gemacht, wer euch erl\u00f6sen soll? Erl\u00f6sen von eurer Blindheit, von eurem geistlichen Tod, von eurer Schuld, von der Gewalt der Finsternis, von der H\u00f6lle, ja, von euch selbst? Wer soll euch denn erl\u00f6sen? Seht nur auf den Mann am Kreuz! Der tut es!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer der edelsten M\u00e4nner der katholischen Kirche, Vinzenz von Paul (gest. 1660), traf in einer franz\u00f6sischen Hafenstadt einen Galeerensklaven, der ihm durch sein trauriges Gesicht auffiel. Auf Befragen erfuhr er, dieser Mann sei wegen Wilderns zu sechs Jahren Galeere verurteilt worden. Vier Jahre habe er verb\u00fc\u00dft. Seine Frau und Kinder seien in gro\u00dfer Not. Wenn jemand f\u00fcr ihn eintr\u00e4te, w\u00fcrde er nat\u00fcrlich freigelassen. Da lie\u00df sich Vinzenz von Paul an die Galeere schmieden. Und der Mann durfte heimkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein schwaches Gleichnis f\u00fcr die Erl\u00f6sung Jesu. Wer will sie auch erkl\u00e4ren? Aber im Glauben darf man es erfahren: \u00bbDie Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten\u00ab (Jesaja 53,5). Und der Glaube bekennt mit Luther: \u00bbIch glaube, dass Jesus Christus sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erl\u00f6set hat, erworben und gewonnen von allen S\u00fcnden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf dass ich sein eigen sei&#8230; \u00ab<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><strong> Es geht nicht darum, ob Gott zu Jesus Lust hat, sondern darum, ob er zu uns noch Lust hat<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da spotteten die Feinde Jesu in ihrer geistlichen Blindheit unter dem Kreuz: \u00bbEr hat Gott vertraut; der erl\u00f6se ihn nun, hat er Lust zu ihm!\u00ab Welch ein Missverst\u00e4ndnis! Das ist keine Frage, ob Gott Lust zu seinem Sohn hat. Zweimal hat Gott vernehmlich gesagt: \u00bbDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.\u00ab Nein, darum geht es, ob Gott noch Lust zu diesen Menschen hat. Wenn ich Gott w\u00e4re, h\u00e4tte ich keine Lust zu dieser blinden, blutd\u00fcrstigen, verkehrten, charakterlosen Menschheit. Aber \u2014 und das ist das unfassbare Wunder des Evangeliums \u2014 Gott hat zu dieser Menschheit Lust, so Lust, dass er seinen eingeborenen Sohn ans Kreuz gab. Lasst mich ein Bild gebrauchen. Und nun will ich reden mit denen, die einen Sohn im Felde verloren haben. Oh, wie blutet da das Herz! Wenn es k\u00f6nnte, w\u00fcrde es den Sohn aus der Erde holen. Meint ihr, Gottes Vaterherz sei anders? Er hat auch S\u00f6hne und T\u00f6chter, die tot sind, geistlich tot, tot in S\u00fcnde und Gottesferne, gefallen! Ja, gefallen in Unglaube, Ungehorsam, Verdammnis. Da entbrennt sein Herz. Er kann es nicht lassen: Er will sie aus dem Tode erretten. Darum h\u00e4ngt der Heiland am Kreuz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer&#8217;s nicht verstehen kann, der glaube doch denen, die es schon erfahren haben: sein Tod ist unser Leben; sein Sterben ist unsere Vers\u00f6hnung. Sieh doch Gottes Werben um dich, dass er seinen Sohn gibt. Oh, wie hat Gott Lust an denen, die glauben und sich bekehren, die gekleidet sind in die Gerechtigkeit Jesu Christi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Predigt am Sonntag Reminiscere 1944<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sermononline.de\">www.sermon-online.com<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zum 125. Geburtstag von Pfr. Wilhelm Busch (1897-1966)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbSie spotteten und sprachen: Er hat Gott vertraut; der erl\u00f6se ihn nun, hat er Lust zu ihm.\u00ab (Matth\u00e4us 27,43) Aus den dunklen Urzeiten der Menschheit wird uns 1. 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