{"id":1870,"date":"2009-08-13T16:42:08","date_gmt":"2009-08-13T14:42:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1870"},"modified":"2009-09-11T10:26:34","modified_gmt":"2009-09-11T08:26:34","slug":"predigt-gehet-hin-und-macht-zu-jungern-alle-volker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1870","title":{"rendered":"Predigt: Gehet hin und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eGeht hin und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker!&#8220;<br \/>\nPredigt zum Abschlu\u00df des Lettischen Kirchentags am 26. Juli 2009 in Valmiera.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cAber die elf J\u00fcnger gingen nach Galil\u00e4a auf einen Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: \u201eMir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.\u201c (Matth\u00e4us 28, 16-20)<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute geht unser Kirchentag zu Ende. Aus allen Regionen Lettlands haben sich in Valmiera viele Gemeindeglieder und Pfarrer versammelt, um hier zu erfahren, da\u00df wir alle in Christus in einem Geist und Glauben vereinigt sind. Es gibt sehr viele tiefe und ernste Augenblicke mit Gott in der Einsamkeit, doch die fr\u00f6hlichste Glaubenserfahrung machen wir meistens in der Gemeinschaft mit anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Mal stand der Kirchentag unter dem Leitwort \u201eGehet hin und machet!\u201c Am Morgen des Ostertages sendet Jesus Maria Magdalena und die andere Maria zu seinen J\u00fcngern aus mit einer gro\u00dfartigen Botschaft: Gehet hin nach Galil\u00e4a. Dort werdet ihr mich auf diesem oder jenem Berg sehen. Das ist ein mehr als hundert Kilometer langer Fu\u00dfweg. Ein recht weiter Weg, um einmal Jesus zu begegnen. Die J\u00fcnger h\u00e4tten auch nicht dorthin gehen m\u00fcssen. Schlie\u00dflich hat sich Jesus bis dahin noch einige Male gezeigt, was Matth\u00e4us \u00fcberhaupt nicht erw\u00e4hnt, aber die anderen Evangelisten beschreiben. Die J\u00fcnger h\u00e4tten doch darauf so reagieren k\u00f6nnen: Was k\u00f6nnte ich dort schon Neues sehen? Doch aus eigener Erfahrung wissen sie, da\u00df es vern\u00fcnftiger ist, Jesus zu gehorchen. Dann gelingt alles am Besten, wie damals, als sie Brot und Fische unter Tausenden verteilten, wie damals, als Er sie ausgesandt hatte, das Reich Gottes zu predigen, und sie voller Begeisterung zur\u00fcckgekehrt sind, denn sie hatten Gewaltiges erlebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufruf des Kirchentag \u201eGeh hin und mache\u201c erinnert uns daran, da\u00df Jesus auch einen Auftrag f\u00fcr jeden von uns hat, und da\u00df es immer am allerbesten ist, ihm zu gehorchen. Ja, so pflegt es zu sein, da\u00df man einen langen Weg zur\u00fccklegen mu\u00df, um Jesus zu sehen. Das mag einer Kultur nicht gefallen, in der man eine Mahlzeit in drei Minuten zubereiten kann, einfach dadurch, da\u00df man sie mit hei\u00dfem Wasser \u00fcbergie\u00dft. Menschen m\u00f6chten auch gerne so mit Gott verfahren, schnell und bequem wie mit Neskaffee \u2013 eins, zwei, drei, und fertig ist er f\u00fcr den Gebrauch. Dennoch mu\u00dften die Apostel einen weiten Weg zur\u00fccklegen, um Jesus auf dem Berge zu begegnen, auf dem Er sie treffen wollte. Die Bibel verr\u00e4t es uns nicht, welcher Berg das gewesen ist. Es ist sogar schwer zu begreifen, da\u00df Jesus den \u00fcberraschten Frauen ohne eine Karte den Weg beschrieben hat zu dem Ort der Begegnung mit Seinen J\u00fcngern. Dennoch kann man sich, wenn man die Gegend ein wenig kennt, nur einen abgesonderten Berg vorstellen, der sich majest\u00e4tisch aus der ganzen Umgebung heraushebt: Den Berg Tabor, den man traditionell als den Ort der Verkl\u00e4rung Jesu betrachtet. Kommentatoren der Bibel sehen darin den Ort, an dem Jesus sich mit Seinen J\u00fcngern treffen wollte, um ihnen dort den gro\u00dfen Auftrag zu erteilen. Sollten die Forscher Recht haben, dann ist alles noch viel symbolischer \u2013 die J\u00fcnger mu\u00dften einen langen Weg zur\u00fccklegen, um Jesus auf dem Berge der Verkl\u00e4rung zu begegnen und zu Aposteln zu werden, zu Tr\u00e4gern der Frohen Botschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sollten wir im Ged\u00e4chtnis behalten, damit wir den Aufruf unseres Kirchentages \u201eGehe hin und mache!\u201c nicht als etwas auffassen wie eine hastig zubereitete Tasse Neskaffee. Wie weit war der Weg, den wir zur\u00fcckgelegt haben, um den Herrn Jesus zu sehen? Um Seinen Berg der Verkl\u00e4rung zu ersteigen? Um Sein und des nahen Himmelreiches Zeuge zu sein? \u201eUnd als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.\u201c Die heilige Schrift erkl\u00e4rt es uns nicht, weshalb die J\u00fcnger niederfallen, als sie Jesus auf diesem Berge erblicken, und ihn anbeten. Das haben sie doch nicht immer getan. Doch ihr spontanes und einm\u00fctiges Verhalten geben Zeugnis ab von etwas Besonderen. Sie haben einen weiten und schweren Weg zur\u00fcckgelegt, doch das, was sie dort schlie\u00dflich erlebten, \u00fcbertraf alles, was sie sich haben ausmalen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr merkw\u00fcrdig ist es, da\u00df einige der J\u00fcnger zweifelten. Auch diejenigen, die angebetet hatten, erleben den Zweifel. Manches Mal scheint es, da\u00df Jesus uns mehr zutraut als wir selbst. Doch geben wir dem Kleinglauben keinen Raum. Der Herr Jesus sieht den Zweifel in den Herzen seiner J\u00fcnger, und dennoch erteilt er ihnen wenige Augenblicke sp\u00e4ter den gro\u00dfen Auftrag, das bei allen V\u00f6lkern fortzusetzen, was er selbst bei ihnen begonnen hatte \u2013 sie zu J\u00fcngern zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nicht die einzige Stelle in der Bibel, in der wir etwas vom Zweifel der J\u00fcnger lesen k\u00f6nnen. Sie haben sogar dann gezweifelt, wenn es uns v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich und kleingl\u00e4ubig vorkam. Dennoch weisen diese Zweifel der J\u00fcnger darauf hin, da\u00df sie keine leichtgl\u00e4ubigen Wichte waren, die nur darauf warteten, da\u00df man ihnen etwas einreden m\u00f6chte. Sie waren M\u00e4nner der Praxis, f\u00fcr die es wichtig war, nicht allen Schw\u00e4rmereien und Ger\u00fcchten hinterherzulaufen. Sie wollten sich davon \u00fcberzeugen, was wirklich los war. Sp\u00e4ter, als sie das Evangelium allen V\u00f6lkern predigten, begegneten sie ebenso praktischen Geistern, die sich auch zuerst \u00fcberzeugen wollten. Da war ihnen der \u00fcberwundene eigene Zweifel eine gro\u00dfe Hilfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch von uns fordert der Herr Jesus keine Leichtgl\u00e4ubigkeit. Es w\u00e4re Betrug, wenn wir begeistert darauf aus w\u00e4ren, Dinge zu predigen, von denen wir selbst nicht fest \u00fcberzeugt w\u00e4ren. Es w\u00e4re sehr leichtsinnig, wenn wir uns anma\u00dften, sofort Lehren zu verbreiten, die wir nur oberfl\u00e4chlich mit halbem Ohr vernommen und nicht begriffen haben. Die J\u00fcnger haben bis dahin einen weiten Weg zur\u00fcckgelegt, und der hat sich gelohnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Zweifel der J\u00fcnger kann man mit einer Waage vergleichen, auf der als \u201epro\u201c und \u201econtra\u201c des Glaubens und des Unglaubens einander gegen\u00fcbergestellt sind. Der Zeiger bewegt sich um Null, und es ist schwer vorauszusagen, auf welche Seite sie sich senken wird. Heute habt ihr diese Worte geh\u00f6rt, nicht leichtgl\u00e4ubig, sondern ihr wisst es aus eigener Erfahrung, da\u00df sich das Gewicht bei den J\u00fcngern auf die Seite des Glaubens gesenkt hat. Diejenigen, welche zuerst gezweifelt hatten, glaubten schlie\u00dflich. Die Apostel begaben sich in die Welt wie Schafe unter die W\u00f6lfe, um das Evangelium zu predigen. Ihre Botschaft hat auch uns erreicht. Doch wer hat bei uns die Gewichte gerichtet? Wer hat den Zweifel erleuchtet und den Glauben gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lesen: \u201eJesus trat an sie heran und sprach zu ihnen.\u201c Unser Herr verh\u00e4lt sich nicht so wie jemand in dem Sprichwort von einem Welpen: Er wirft ihn in das Wasser, damit er schwimmt, wenn er das kann, oder ertrinkt. Er hat etwas gegen den Zweifel der J\u00fcnger unternommen. Er blieb nicht in der Ferne stehen, sondern trat an sie heran. Er sprach mit ihnen genau so wie damals, als er noch unter ihnen weilte. Seine N\u00e4he und die vertrauten Worte vertrieben den Zweifel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch uns sind Augenblicke des Zweifels nicht fremd, in denen der Zeiger der Waage um Null herum schwankt. Manches Mal f\u00e4llt es uns schwer, Jesus zu glauben, manches Mal zweifeln wir an uns selbst. Sogar die J\u00fcnger zweifelten, die vor Jesus niedergefallen sind. Nicht der ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">gl\u00e4ubig, der noch nie gezweifelt hat, sondern derjenige, dessen Zweifel von der N\u00e4he Jesu und dessen vertrauten Worten \u00fcberwunden wurde. Wenn wir Zweifel oder Unsicherheit erfahren, so la\u00dft uns an die Worte aus dem Jakobusbrief 4,8 denken: \u201eNahet euch zu Gott, so naht er sich zu euch.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGehe hin und mache!\u201c Diese Worte Jesu werden in dem Leitwort unseres Kirchentages Wirklichkeit. Sie sind der gro\u00dfe Missionsauftrag in allen Dingen. So ist es. Es ist der Wunsch unseres Herrn Jesus, alle V\u00f6lker zu J\u00fcngern zu machen. Er wollte, da\u00df dieses durch seine J\u00fcnger geschehen sollte. Und jeder, der das Geschenk des Glaubens empfangen hat, der gebe es weiter. Jeder, der durch Christus das Heil empfangen hat, werde ein Zeuge dieses Heils in seiner Umgebung. Das ist der Wille des Herrn Jesus, welcher jeden betrifft, auch dich. Der Bau des Reiches Christi ist nicht nur die Dienstpflicht eines Pfarrers. Es gibt den Begriff des Laienapostulats. Jeder an Christus Glaubende ist Teilhaber am k\u00f6niglichen Priestertum Christi. Durch jeden getauften Christen m\u00f6chte Christus sein Reich erbauen. Deshalb sitz nicht faul herum, sondern geh hin und mache!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manches Mal beschwert sich jemand, da\u00df das Wort der Kirche in der Gesellschaft zu wenig zu vernehmen sei. Gew\u00f6hnlich versteht man darunter, da\u00df die Leiter der Kirchen zu einer oder einer anderen f\u00fcr das Volk schmerzhaften Frage keine Erkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht haben. Doch das Laienapostulat hat viel mehr Kraft als die Erkl\u00e4rungen der kirchlichen Profis. \u00dcberlegt doch, wie viele Getaufte wir in unserem Lande haben! Wenn sie alle in Worten und Taten Bekenner Christi und des Wortes Gottes w\u00e4ren \u2013 was w\u00e4re das f\u00fcr ein Zeugnis! Wie viel k\u00f6nnten wir dabei erreichen und zum Guten wenden! Unser Herr hat Seinen Gl\u00e4ubigen nicht den Auftrag gegeben, sich in eine Ecke zu verkriechen, und dort zu murren und abzuwarten, damit ein anderer vielleicht alles gel\u00f6st hat. Er sagt ihnen \u2013 Gehe hin und mache! Dennoch sollten wir auch nicht in einen billigen Enthusiasmus fallen. Wir machen es falsch, wenn wir bei der Benennung unseres Auftrages nur auf das Lesen von Matth. 28, 19 beschr\u00e4nken: \u201eDarum geht und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker.\u201c Wir sollten dann schon bei Vers 10 zu lesen anfangen, wo unser Herr sagt: \u201eGeht hin und verk\u00fcndigt es meinen Br\u00fcdern, da\u00df sie nach Galil\u00e4a gehen. Dort werden sie mich sehen.\u201c Das war ein weiter Weg. Doch Jesus schickte sie erst danach in die Welt, um alle V\u00f6lker zu lehren, nachdem sie den Berg der Verkl\u00e4rung bestiegen hatten und sich der N\u00e4he Jesu und seiner vertrauten Worte ganz sicher waren. Versuchen wir, uns ein wenig vorzustellen, was dieser Weg nach Galil\u00e4a f\u00fcr uns bedeuten k\u00f6nnte. In einem Satz zusammengefasst, war das der Weg, der die J\u00fcnger zu dem auferstandenen Christus hinf\u00fchrte, der ihren Zweifel zerst\u00f6rte und durch seine Gegenwart und seine vertrauten Worte ihnen den festen Glauben schenkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weshalb wiederhole ich so oft das mit den \u201evertrauten Worten\u201c, welche den Zweifel vertrieben und ihnen den Glauben st\u00e4rkten? Versuchen wir uns einmal vorzustellen, wie die J\u00fcnger sich gef\u00fchlt h\u00e4tten, wenn derjenige, den sie auf dem Berge in Galil\u00e4a erblickt hatten, sie pl\u00f6tzlich anders angeredet h\u00e4tte als damals, als Jesus noch unter ihnen weilte. Diejenigen, die bis dahin noch nicht gezweifelt hatte, w\u00fcrden sofort zu zweifeln beginnen, und diejenigen, die schon gezweifelt hatten, w\u00e4ren so schnell, wie die F\u00fc\u00dfe sie tragen konnten, fortgelaufen! Sie h\u00e4tten gedacht, ein Gespenst erblickt zu haben, das zwar mit Jesus \u00c4hnlichkeit hat, aber mit seiner Stimme Fremdes und Unbekanntes redet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche Christi darf lehren, was Jesus Christus selbst gelehrt hat. Jeder seiner Zeugen \u2013 sei er Bischof, Pfarrer oder Laie \u2013 darf Ihn so bezeugen, wie Er selbst von sich Zeugnis abgelegt hat. So, da\u00df aus dem Wort des Zeugen der gleiche Jesus erkennbar wird, der seine J\u00fcnger lehrte und ihren Glauben auf dem Berg in Galil\u00e4a st\u00e4rkte. Nur so, denn die vertrauten Worte Jesu vertreiben den Zweifel, bringen den Frieden des Herzens und st\u00e4rken den Glauben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Kirche oder jemand, der von Jesus Zeugnis geben m\u00f6chte, mit seinen eigenen Worten zu sprechen beginnt und dabei irgendwelche seltsame Ideen und Lehren verbreitet, der vertreibt nicht den Zweifel und st\u00e4rkt nicht den Glauben, sondern stiftet Verwirrung, Unfrieden und Spaltung. Jesus spricht: \u201eDenn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. (Joh. 12,49). Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Joh. 20,21).\u201cDer Apostel Paulus erkennt gerade darin seinen Auftrag und seine Botschaft: \u201eSo sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch vers\u00f6hnen mit Gott!\u201c (2. Kor. 5,20) weist uns darauf hin. So wird unser Handeln durch die Worte Christi erg\u00e4nzt, da\u00df Ihm alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden \u2013 auch kann Er jeden Zweifel vertreiben, Frieden stiften, Hoffnung schenken und den Glauben st\u00e4rken durch sein Wort und seine Gegenwart. Jeder Zeuge Christi sollte sich Bewu\u00dft sein, da\u00df er lehrt, \u201edas zu halten, was Christus uns befohlen hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sollen wir es wissen, da\u00df wir die Worte Jesu weitergeben? Es kommt vor, da\u00df wir die Bibel aufschlagen und einen Vers lesen, ihn aber durch unsere eigene Auslegung verfremden. Wie sollen wir es wissen, da\u00df durch unsere Worte Christus bekannt wird? Das war auch die Hauptsorge der Kirche Christi, welche authentisch die gleiche Botschaft durch die Jahrhunderte weitergeben wollte, die Christus den Aposteln geschenkt hat, und die dann durch die Apostel an alle V\u00f6lker weitergegeben wurde. Die Absicht der Reformation war nicht, die Kirche zu spalten oder eine neue Kirche zu gr\u00fcnden, sondern die Botschaft der Kirche rein zu erhalten und so zu ordnen, da\u00df sie die Lehre Christi und seiner Apostel predigt. Der Theologe der r\u00f6misch \u2013 katholischen Kirche Hans K\u00fcng schreibt in seinem Buch \u201eDie katholische Kirche und ihre Geschichte\u201c (erschienen 2008) \u00fcber Martin Luther: \u201eEr fordert die R\u00fcckkehr der Kirche zum Evangelium Jesu Christi, das er sehr lebendig durch die Heilige Schrift und ganz besonders durch die Briefe des Apostels Paulus kennen gelernt hatte\u201c. Konkret bedeutet das:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">da\u00df Luther entgegen allen im Laufe der Jahrhunderte hinzu gekommenen Traditionen, Vorschriften und Autorit\u00e4ten nur den Primat der Heiligen Schrift anerkennt: \u201eNur die Heilige Schrift!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">da\u00df Luther entgegen allen Tausenden von Heiligen und weiteren Tausenden von Mittlern nur den Primat von Christus anerkennt: \u201eNur Christus\u201c, welcher das Zentrum der Heiligen Schrift und der Orientierungspunkt f\u00fcr alle Auslegung der Schrift ist;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">da\u00df Luther entgegen allen von der Kirche bestimmten guten Werken und Anstrengungen des Menschen, um die Errettung der Seele zu erlangen, nur den Primat der Gnade und des Glaubens anerkennt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H. K\u00fcng: \u201edazu bedarf es nur der Gnade des gn\u00e4digen Gottes, wie sie sich am Kreuz und bei der Auferstehung Jesu Christi gezeigt hat, und nur des Glaubens und des Vertrauens an diesen Gott.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter schreibt K\u00fcng, da\u00df der Augustinerm\u00f6nch Luther qu\u00e4lendes Herzeleid angesichts des Bewu\u00dftseins seiner S\u00fcndhaftigkeit und der Endg\u00fcltigkeit dieses Zustandes empfunden h\u00e4tte, von dem ihn nur die Botschaft von der Rechtfertigung durch den vertrauensvollen Glauben befreien konnte. Genau so gewannen die J\u00fcnger auf dem Berg in Galil\u00e4a den Frieden durch die vertrauten Worte Jesu. Dazu bemerkt Hans K\u00fcng, da\u00df Luther das nicht dadurch erreicht hatte, da\u00df er sich sektiererisch gegen die Lehre der Kirche stellte und stattdessen eigene neue Ideen verbreitete, sondern das aufdeckte und an das Licht brachte, was bereits die Apostel und Kirchenv\u00e4ter und nat\u00fcrlich Christus selbst gelehrt hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen \u00fcber ein solches Zeugnis vom Rande von unseren Vater im Glauben Martin Luther wirklich stolz sein. Auch sind wir stolz auf die klare, frische, tief in der apostolischen Kirche verwurzelte evangelische Lehre. Diese bewirkt so viel Zuversicht und Trost wie nichts anderes. Dennoch sind viele Lutheraner mit B\u00fcchersammlern zu vergleichen, die sich dessen r\u00fchmen, da\u00df sich in ihrem B\u00fccherregal die vierb\u00e4ndige gro\u00dfe Weltgeschichte von Gr\u00fcn bef\u00e4nde oder eine extrem seltene Ausgabe der Sonette von Shakespeare, die sie in ihrem Leben noch nie gelesen haben und sicher auch nie lesen werden. Oft kann man Menschen begegnen, welche sich ihrer lutherischen Identit\u00e4t r\u00fchmen, aber den Katechismus zum letzten Mal vor 20 oder 30 Jahren gelesen haben, als sie noch Konfirmanden waren. Sich einer Sache r\u00fchmen, die man selbst nicht kennt, bedeutet Selbstbetrug. Wenn jemandem seine lutherische Identit\u00e4t des R\u00fchmens wert erscheint, dann w\u00fcrde es sich doch bestimmt lohnen, diese Lehre n\u00e4her kennen zu lernen, welche sich dahinter verbirgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sollten wir das Leitwort unseres Kirchentages \u201eGehet und machet\u201c zuerst als Aufruf an uns selbst verstehen, die Lehre unserer Kirche tief, ernsthaft und ehrlich zu begreifen. Damit begann der Weg der J\u00fcnger zum Berg in Galil\u00e4a. Jeder beurteile es selbst, wie weit er auf diesem Wege gekommen ist. Dabei werden viele sicher mit dem Kleinen Katechismus beginnen m\u00fcssen, andere sind vielleicht schon weiter gekommen, aber jeder sollte das nicht unter Druck tun, sondern mit Freude und Interesse. Das gibt Vertrauen und Sicherheit. Im geistlichen Leben gibt es noch viele unentdeckte Wege und auch wenig erforschte Pfade. Das Kennenlernen des eigenen Fundamentes ist eine Karte, die Mut macht, alles zu ergr\u00fcnden und sich dabei nicht zu verirren. Es befreit zu freundschaftlichen Beziehungen mit Menschen anderer \u00dcberzeugungen, denn mit aggressiven Parolen versuchen Menschen oft ihre eigene Unsicherheit zu kompensieren. Doch das Wichtigste dabei, wenn wir die Lehre unserer Kirche kennen, ist, da\u00df wir dann sicher sein k\u00f6nnen, da\u00df wir andere Menschen nicht dadurch in die Irre f\u00fchren, da\u00df wir ihnen unsere eigenen Ideen als das Evangelium von Jesus Christus aufzuschwatzen versuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch auf dem Berge in Galil\u00e4a wurden die Zweifel der J\u00fcnger nicht nur durch die Worte Jesu zerstreut, sondern auch durch seine N\u00e4he. Gott h\u00e4tte es sicher auch vermocht, die Botschaft des Evangeliums durch den Engel Gabriel an einen Propheten zu diktieren zu lassen oder sie, auf goldenen Tafeln aufgezeichnet, in einer W\u00fcste Amerikas finden zu lassen. Doch mit der Verbreitung der Lehre allein ist es noch nicht getan. Den Glauben sollte man nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen haben, nicht nur durch Wissen, sondern durch die lebendige Gotteserfahrung. Was hilft es, in einem Buch zu lesen, da\u00df Gott dich liebt, wenn du ihn noch nie erlebt hast? Gott wurde Mensch in Jesus von Nazareth, um uns sehr nahe zu sein, damit die Menschen Seine Liebe empf\u00e4nden. Jesus sprach: \u201eIch sage hinfort nicht, da\u00df ihr Knechte seid; denn ein Knecht wei\u00df nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, da\u00df ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater geh\u00f6rt habe, habe ich euch kundgetan.\u201c (Joh. 15, 15) Er lie\u00df seine J\u00fcnger die Freundschaft und die N\u00e4he des Herzens erfahren, was \u00fcber die Liebe des Vaters nicht weniger aussagte als seine Worte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir \u201egehen und machen\u201c wollen, wenn wir Christus bekennen wollen, dann bedenken wir auch, wie unsere Umgebung unser Zeugnis betrachtet. Es ist gut, wenn sie daraus die Worte Christi vernehmen, denen man vertrauen kann. Aber macht ihnen die Begegnung mit uns auch die Freundschaft Christi, seine warme und herzliche N\u00e4he deutlich? Oft ist dies das schwerste Teil, das man auch nicht erlernen kann. Aber wie k\u00f6nnen wir die Natur des Alten Menschen beherrschen und ver\u00e4ndern? Wer es versucht hat, der wei\u00df, da\u00df es hoffnungslos schwer ist. Es ist unvergleichlich leichter, wahre und in der Schrift begr\u00fcndete Worte zu sagen, als den N\u00e4chsten Gottes Gnade des Herzens empfinden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt ein recht einfaches Prinzip. Um den N\u00e4chsten die Freundschaft Christi deutlich zu machen, mu\u00df ich selbst wie ein Freund Christi leben. Es ist unsere Freundschaft, auf die Christus wartet, und die ihm an unserer Stelle niemand anderes schenken kann. Wir brauchen nicht so zu tun, als seien wir Freunde Christi, oder uns zwingen, uns so zu verhalten, wie sich ein Freund Christi nach unseren Vorstellungen verhalten k\u00f6nnte. Das ist nicht echt und wird nicht funktionieren. Besser ist es, stattdessen einfach die N\u00e4he Jesu zu suchen \u2013 allein oder in der Gemeinschaft mit anderen. Immer \u00f6fter und l\u00e4nger. Wir sollten unserer Beziehung zu Jesus viel Zeit widmen, viel mehr Zeit, als wir das gew\u00f6hnlich tun. Wir sollten \u00f6fter seine Worte lesen und die Ereignisse in seinem Leben betrachten sowohl in den Evangelien als auch in anderen guten B\u00fcchern. Wir sollten im Freundeskreis und in einer Atmosph\u00e4re, in der einer den anderen nicht \u00fcbertrumpfen m\u00f6chte, unsere Erkenntnisse miteinander austauschen. Nicht um uns als Debattenredner zu trainieren, sondern um Jesus n\u00e4her kennen zu lernen. Wenn wir als Seine Freunde leben m\u00f6chten, dann m\u00fcssen wir ihn gut kennen \u2013 seine Gedanken, seine Ansichten, seine Pers\u00f6nlichkeit. Wenn wir die Ereignisse im Leben Jesu lesen und betrachten, wenn wir zu ihm beten und mit ihm sprechen, dann erfahren wir seine N\u00e4he. Wenn wir unser Gewissen erforschen, unsere S\u00fcnden bereuen und bekennen und die Absolution empfangen, dann sind wir ihm n\u00e4her als an irgendeinem anderen Ort. Wenn wir miteinander Gottesdienst feiern, sein Wort h\u00f6ren und das heilige Abendmahl empfangen, dann haben wir ihn ber\u00fchrt. Und seine N\u00e4he ist es, die den inneren Menschen zu einem Freund Jesu verwandelt. Ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Jesus allein ist es, der die Macht hat, uns zu seinem Abbild zu verwandeln, da\u00df man ihn erkennen m\u00f6chte, wenn man uns betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie lang war der Weg, den wir zur\u00fcckgelegt haben, um als Freunde Jesu weiterzuleben? Waren wir bestrebt, in seiner N\u00e4he zu sein und im Herzen das mitzuerleben, was wir geh\u00f6rt und gelernt haben? Zum Berg der Verkl\u00e4rung zu gehen ist kein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen, sondern ein sehr ernst zu nehmender langer Weg. \u201eGeh hin und mache!\u201c \u2013 Das ist das Leitwort unseres Kirchentages. Das bedeutet f\u00fcr uns \u2013 geh hin und vertiefe dich immer mehr in die Lehre unserer Kirche und lerne gleichzeitig, nahe bei Jesus als dessen Freund zu leben. Geh und schaffe Liebe und Gemeinschaft unter allen Gliedern unserer Kirche, ganz besonders unter den Br\u00fcdern und Schwestern im Glauben. Denke daran, da\u00df du das nicht zu deinem eigenen Heil oder Seelenfrieden tust, sondern weil der Herr Christus auch dich aufruft, sein Zeuge zu sein \u2013 und wenn schon nicht bis an das Ende der Welt, dann wenigstens in deiner n\u00e4heren Umgebung. Sei bereit, dich auf den Weg zu machen zum Berge der Verkl\u00e4rung Er selbst wird den Ort und die Zeit bestimmen, um dich zu treffen und dich auszusenden. Und wenn er das tut, dann z\u00f6gere nicht, denn es ist immer besser, ihm zu gehorchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Liebe, die Freude, der Friede und die Gemeinschaft im Heiligen Geist sei mit uns allen. AMEN.<\/p>\n<p><em>Ausz\u00fcge aus Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920. 9. Sonntag nach Trinitatis, Ausgabe Nr. 29 (1808) vom 8. August 2009 (\u00dcbersetzung: Johannes Baumann)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGeht hin und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker!&#8220; Predigt zum Abschlu\u00df des Lettischen Kirchentags am 26. Juli 2009 in Valmiera. \u201cAber die elf J\u00fcnger gingen nach Galil\u00e4a auf einen Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 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