{"id":18675,"date":"2022-02-02T07:44:36","date_gmt":"2022-02-02T06:44:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18675"},"modified":"2022-02-02T09:12:34","modified_gmt":"2022-02-02T08:12:34","slug":"einheit-statt-spaltung-christliches-zeugnis-in-verrueckten-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18675","title":{"rendered":"Einheit statt Spaltung &#8211; Christliches Zeugnis in verr\u00fcckten Zeiten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Bist du gro\u00df oder bist du klein, oder mittendrin, Gott liebt dich&#8220;, so hei\u00dft es in einem Kinderlied. Mit dick und d\u00fcnn geht es in dem Lied weiter &#8211; heute freilich l\u00e4ngst diskriminierungsverd\u00e4chtig, aber ebenso anschaulich, illustriert es doch die bedingungslose Liebe Gottes und zugleich die Weite seiner Kirche. Es gibt eben (oder zumindest doch hoffentlich!) keine Gemeinde nur f\u00fcr D\u00fcnne oder nur f\u00fcr Dicke, nur f\u00fcr Gro\u00dfgewachsene oder exklusiv f\u00fcr kleine Leute, sondern Gemeinden f\u00fcr prinzipiell jedermann.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das geh\u00f6rt von vornherein zum Kern des Christentums &#8211; Ausnahmen in der Kirchengeschichte best\u00e4tigen letztlich nur diese Regel. Denn Zugeh\u00f6rigkeit zur Kirche Jesu Christi h\u00e4ngt nicht am Einkommen, nicht am Beruf, nicht am K\u00f6rperumfang oder -wuchs. Sondern sie h\u00e4ngt daran, dass man sich an ihn h\u00e4ngt &#8211; an Jesus Christus, nach dem seine Nachfolger genannt werden: Christen eben. Das k\u00f6nnen Kassiererinnen ebenso sein wie Professoren, Staatenlenkerinnen oder Strafgefangene. Kirche Jesu Christi ist in ihrem Kern etwas zutiefst inklusives, das zusammenf\u00fchrt, was ansonsten getrennt ist. Wo das gelingt, da ist es als Konsequenz dessen zu sehen, was Jesus seinen J\u00fcngern geboten und von seinem himmlischen Vater erbeten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir.&#8220; (Johannes 17,11) So bittet der Herr der Kirche im Hohepriesterlichen Gebet und unterstreicht damit, dass ihre Einheit einerseits seinem Willen entspricht, andererseits aber in der Welt alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist. Zwei Jahrtausende nach seinem irdischen Wirken, Sterben und Auferstehen, bleibt festzuhalten: Die Einheit der Christenheit ist weiterhin keineswegs gegeben und ein entsprechendes Gebetsanliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie weit all das, was unter Kirche firmiert, in Wahrheit von Einheit entfernt ist, wird umso deutlicher, wenn die Einheit von Vater und Sohn als Ma\u00dfstab dient. Denn die reicht so weit, dass Jesus formuliert hat: &#8222;Ich und der Vater sind eins.&#8220; (Johannes 10,30) Ganz anders verh\u00e4lt es sich bei seinen Nachfolgern: Streit und Zank, Abspaltungen von Gemeinden, Neugr\u00fcndungen &#8211; positiv gewendet: gro\u00dfe Vielfalt in Gottes buntem Weinberg. Kritisch bedauert: disparate Zerfaserung statt geschlossener Verbundenheit. Weltweit gesehen gibt es eine riesige Palette von Einheiten, in die sich das Christentum aufteilt, nicht Einheit &#8211; im Blick auf die Sozialgestalt, die Lehre, die Praxen. Und selbst in einzelnen Abteilungen, etwa dem evangelischen Christentum in Deutschland, gibt es allerlei Einheitshindernisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesu Bittruf zum Vater ist vor diesem Hintergrund durch alle Zeiten und Situationen hindurch als Appell zu begreifen, das Ideal der Einheit im Blick zu behalten, selbst darum zu bitten und als Christ dieses Ziel nach Kr\u00e4ften auch auf andere Weise zu f\u00f6rdern. Das gilt ganz bestimmt auch und vielleicht ganz besonders in unseren Tagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verr\u00fcckte Zeiten sind es: Eine Pandemie h\u00e4lt die Welt in Schach, w\u00e4hrend gerungen und intensiv diskutiert wird \u00fcber geeignete Ma\u00dfnahmen des Umgangs. Freiheitsrechte werden eingeschr\u00e4nkt, ganze Bev\u00f6lkerungsgruppen diffamiert (&#8222;Ungeimpfte&#8220; als S\u00fcndenb\u00f6cke) und es l\u00e4sst sich nur erahnen, wie tief die Spaltung schon reicht: in Freundes- und Bekanntenkreisen, in Familien, in Gemeinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Angst geht um, die emotionalen Wogen schlagen hoch und (vermeintlich) Schuldige sind rasch gefunden: Es wird kurzerhand und tendenziell kollektiv vom Terror oder der Tyrannei der Ungeimpften gesprochen, die alle anderen in Geiselhaft n\u00e4hmen &#8211; und entsprechend ist vieles moralisch aufgeladen. Statt differenziert wahrzunehmen und sich auf fremde Perspektiven einzulassen, wird in Schubladen einsortiert, gegen\u00fcber und gegeneinander gestellt &#8211; und klar geurteilt: hier die Guten, da die B\u00f6sen. Oder anders: Geboosterte hier, Querdenker da &#8211; Punktum!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich darf und soll offen diskutiert werden: \u00fcber Gefahren eines neuartigen Virus mit seinen Varianten, \u00fcber das F\u00fcr und Wider einer Schutzimpfung, \u00fcber geeigneten Umgang mit den Bedrohungen. Aber in all dem sind Christen weiterhin &#8211; und ganz neu &#8211; herausgefordert, mancher Stimmungsmache zu entsagen, nicht mitzuschwimmen in den Emp\u00f6rungswellen, sondern sich stattdessen erinnern zu lassen: dass ihr Herr die Einheit aller seiner Nachfolger will. In ihm k\u00f6nnen und sollen sie eins sein, die sich in grundlegenden (Streit-)Fragen positionell unterscheiden m\u00f6gen: Impfverweigerer und Impfeuphoriker, Gelassene und \u00c4ngstliche, Genervte und Emp\u00f6rte, Frustrierte und Ungeduldige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei gilt weiterhin: Christen sollten miteinander anders umgehen als in ihrer Umwelt \u00fcblich &#8211; und das unabh\u00e4ngig davon und ggfs. lange bevor sich solches Verhalten in der Gesellschaft durchsetzt, ob es die Gleichheit von Sklaven und &#8222;Freien&#8220; oder anderes betrifft, heute vielleicht die Gleichwertigkeit von &#8222;Geimpften&#8220; und &#8222;Ungeimpften&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das liegt ihnen als Kindern ihrer jeweiligen Zeit mitunter gar nicht nahe, zumal Menschen grunds\u00e4tzlich immer Nestw\u00e4rme suchen und an gegebene Verh\u00e4ltnisse anpassen. Wie viel leichter f\u00e4llt es schlie\u00dflich, sich gegenseitig zu best\u00e4tigen und gemeinsam zu \u00e4rgern \u00fcber &#8222;andere&#8220;. Da wird die komplizierte und \u00fcberfordernde Welt gleich viel \u00fcberschaubarer und leichter zu verstehen. Das geht mir auch so: Ich f\u00fchle mich sehr wohl in Kreisen, wo in f\u00fcr mich zentralen Fragen Einigkeit herrscht, wo &#8222;kein Blatt Papier&#8220; zwischen die Beteiligten passt. Aber dabei geht doch viel verloren von der Vielfalt der Welt und ihrer Bewohner. Die ist zwar anstrengend, aber eben auch bereichernd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den leidigen Themen, die mit &#8222;Corona&#8220; zu tun haben, ist das nicht anders. Denn hier kann jeder von anderen Ansichten und Erfahrungen profitieren: bislang nicht gesehene Aspekte in den Blick und seinen pers\u00f6nlichen Horizont geweitet bekommen. Jene, f\u00fcr die schwere Krankheitsverl\u00e4ufe und Langzeitfolgen nichts mit dem Alltag zu tun haben, k\u00f6nnen dazulernen von Berichten aus Krankenh\u00e4usern und Arztpraxen. Geimpfte k\u00f6nnen Einblicke erhalten in die Lebenswirklichkeit anders eingestellter Glaubensgeschwister, deren Handlungsspielr\u00e4ume unter &#8222;2G(+)&#8220;-Bedingungen sehr klein geworden sind und die regelm\u00e4\u00dfig von Politikern und Medienvertretern diskreditiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum: So anstrengend es inmitten dieser aufgeheizten und von vielerlei Verunsicherung gepr\u00e4gten Zeit sein d\u00fcrfte, sich mit Zeitgenossen auseinanderzusetzen, mit denen man nicht &#8222;ein Herz und eine Seele&#8220; ist, so wichtig und potentiell wertvoll ist es auch (weiterhin), gerade unter Christen. Denn w\u00e4hrend sich unsere Gesellschaft zunehmend auseinanderzudividieren droht, kann am Beispiel unterschiedlich eingestellter Christen deutlich werden, wie aus vielen einzelnen Einheiten eine gro\u00dfe Summe entstehen kann: Einheit statt Spaltung! Das w\u00e4re doch etwas, wenn um christliche Gemeinschaften herum zwar der Laden auseinanderzufliegen scheint, aber dadurch umso heller aufscheint, wie stark die Einheit in Christus ist. In ihm k\u00f6nnen Menschen zusammenfinden, die in politischen, theologischen und medizinischen Fragen vielleicht im Detail &#8222;himmelweit&#8220; auseinander liegen, aber gleichwohl doch alle um diesen einen Herrn herum gruppiert sind, der sie verbindet und beieinander h\u00e4lt. Wo solches zu beobachten ist, da wird dies gewiss sehr zur Freude unseres Hohepriesters Jesus sein. Und zugleich wird es kaum ohne missionarische Strahlkraft bleiben, ganz im Sinne von Johannes 17, indem das Wort solcher christlicher Gemeinschaften Glauben findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfr. Dr. Jonathan K\u00fchn, Holzkirchen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Arbeitsgemeinschaft Confessio e.V. W\u00fcrttemberg (www.confessio-wue.de)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bist du gro\u00df oder bist du klein, oder mittendrin, Gott liebt dich&#8220;, so hei\u00dft es in einem Kinderlied. Mit dick und d\u00fcnn geht es in dem Lied weiter &#8211; heute freilich l\u00e4ngst diskriminierungsverd\u00e4chtig, aber ebenso anschaulich, illustriert es doch die bedingungslose Liebe Gottes und zugleich die Weite seiner Kirche. 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