{"id":18667,"date":"2022-01-28T11:02:26","date_gmt":"2022-01-28T10:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18667"},"modified":"2022-01-28T11:02:42","modified_gmt":"2022-01-28T10:02:42","slug":"der-vergessene-gott-oder-juenger-gesucht-kirche-in-deutschland-am-beginn-des-dritten-corona-jahres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18667","title":{"rendered":"Der vergessene Gott oder: J\u00fcnger gesucht. Kirche in Deutschland am Beginn des dritten Corona-Jahres"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">2022 wird das dritte Jahr der Corona-Pandemie sein. Ob es auch das letzte ist, wissen wir noch nicht, wohl aber, dass die Pandemie und die vom Staat unternommenen Ma\u00dfnahmen gegen sie schon in den ersten beiden Corona-Jahren zu Ver\u00e4nderungen gef\u00fchrt haben, die uns faktisch eine andere Republik gebracht haben. Aber dies soll kein politischer Aufsatz werden, auch kein medizinischer. Es wird nicht darum gehen, wie gef\u00e4hrlich der Virus nun \u201ewirklich\u201c ist, auch nicht um Impfungen, Montagsspazierg\u00e4nge und Sinn oder Unsinn von 3G und 2G, auch wenn ich diese Dinge manchmal erw\u00e4hnen muss. Es soll um eine Ebene gehen, die viel tiefer liegt und die das Fundament f\u00fcr all das ist, was den B\u00fcrgern und Christen unseres Landes jetzt seit fast zwei Jahren um die Ohren fliegt und dessen Folgen sie auf Jahre hinaus besch\u00e4ftigen werden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um Gott. Genauer: Um den Gott, den die Bibel beschreibt und bezeugt und der traditionell das gro\u00dfe Thema und Zentrum der christlichen Kirchen, Verb\u00e4nde und Gemeinden war. Und \u00fcber den sich im Zusammenhang mit der Pandemie ein erstaunliches Schweigen ausgebreitet hat. Denn das ist Tatsache: Wo ein Diskurs \u00fcber \u201eCorona\u201c stattfindet, wo gestritten, argumentiert, diskutiert wird, hat man es fast immer entweder mit der politischen oder der medizinischen Ebene zu tun, also mit dem s\u00e4kularen Bereich. Und egal, ob politisch Superkorrekte sich \u00e4u\u00dfern oder Andersdenkende \u2013 von Gott redet in Zusammenhang mit COVID fast niemand, und wo er doch einmal erw\u00e4hnt wird, bleibt er meist in einem nebul\u00f6sen Irgendwo. Gott als Handelnder in der Pandemie? Schweigen. Gott als m\u00f6gliche L\u00f6sung und Ende der Pandemie? Schweigen. Gott als Redender in der Pandemie? Schweigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Schweigen ist verst\u00e4ndlich, solange man es mit Agnostikern, Buddhisten oder allgemein religi\u00f6s Unmusikalischen zu tun hat. Es wird unheimlich, wenn man es mit Christen und Kirchen zu tun hat. Bis heute haben weder die EKD noch die Deutsche Bischofskonferenz eine Stellungnahme formuliert, in der \u201eCorona\u201c als m\u00f6gliches Gerichtsreden Gottes thematisiert und der Staat daran erinnert wird, dass die Unterordnung des B\u00fcrgers (auch des frommen B\u00fcrgers) unter seine Ma\u00dfnahmen ihre Grenzen hat, dass es einen Sinn hat, wenn Christen sich zu Gottesdiensten, Festen, Konzerten versammeln, und dass es nicht egal ist, wenn das Heilige Abendmahl aus Hygienegr\u00fcnden ausf\u00e4llt. Hier k\u00f6nnten die \u201eFrommen\u201c und die \u201eEvangelikalen\u201c nat\u00fcrlich sagen: \u201eWas erwartet ihr von den Gro\u00dfkirchen, diesen gro\u00dfen Verd\u00fcnnern des Glaubens? Kommt zu uns, wir sind anders!\u201c Aber sie sind nicht mehr anders. Auch die Leitung der Deutschen Evangelischen Allianz hat eine Stellungnahme wie die gerade skizzierte bislang nicht abgegeben, und es sieht nicht danach aus, dass sie dies in absehbarer Zeit nachholen wird. Eher findet man Warnungen vor \u201eVerschw\u00f6rungstheoretikern\u201c (ohne eine Silbe darauf zu verschwenden, ihre Argumente zu pr\u00fcfen) und immer h\u00e4ufiger Aufrufe zur Impfung als angeblichem Akt der Verantwortung und N\u00e4chstenliebe. Aber Gott als Der, der uns durch die Pandemie etwas sagen, vielleicht gar uns zur Bu\u00dfe f\u00fchren will? Gro\u00dfe Fehlanzeige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man braucht gar nicht gl\u00e4ubiger Christ zu sein, um dies merkw\u00fcrdig, ja unheimlich zu finden. F\u00fcr den gl\u00e4ubigen Christen ist es noch mehr als unheimlich. Er merkt, wie er in einen Abgrund blickt \u2013 einen Abgrund, den Jesus und die biblischen Propheten und Apostel vorausgesehen und vor dem sie gewarnt haben. Dieser Abgrund ist: Gott redet \u2013 und die Christen wollen nicht mehr h\u00f6ren. Gott richtet \u2013 und die Kirchen wollen es nicht mehr wahrhaben. Christus bereitet sein Wiederkommen vor \u2013 und die gro\u00dfen christlichen Verb\u00e4nde interessiert es nicht. Christus sagt: \u201eOhne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun\u201c, und die postmodernen Christen antworten: \u201eUnsere Politiker und Mediziner schaffen das! Sie sind schlie\u00dflich die Experten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie konnte es dazu kommen? Und wie kommen wir aus dieser Sackgasse heraus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie Gott ist \u2013 das Wissen der Bibel und des christlichen Abendlandes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gottesbild der Bibel und der klassischen christlichen Kirche l\u00e4sst sich in f\u00fcnf Eigenschaften zusammenfassen: Gott ist Sch\u00f6pfer, Richter, Erl\u00f6ser, Herr und h\u00f6chstes Gut. Als Sch\u00f6pfer ist Gott der Urheber und Erhalter meines Lebens (erstmals bezeugt im Sch\u00f6pfungsbericht,1. Mose 1,27); ohne ihn g\u00e4be es mich buchst\u00e4blich nicht. Gott ist aber auch der Urheber meines Todes, und dieser h\u00e4ngt unmittelbar mit dem S\u00fcndenfall der Menschen zusammen (vgl. 1. Mose 3). Dass wir Menschen a) nicht selber \u00fcber unser Leben verf\u00fcgen k\u00f6nnen und b) unweigerlich auf den Tod zugehen, ist eine absolute Grundtatsache der biblischen Theologie und Anthropologie. \u201eDie sterblichen Menschen l\u00e4sst du zu Staub werden.\u201c (Psalm 90,3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tod wiederum ist, weil er die Folge des S\u00fcndenfalls ist, unweigerlich mit dem Gericht verbunden: \u201eDenn der Lohn, den die S\u00fcnde zahlt, ist der Tod\u201c (R\u00f6mer 6,23). Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird sich einmal vor Gott als Richter f\u00fcr alles, was er getan hat, verantworten m\u00fcssen: \u201eSterben m\u00fcssen alle Menschen; aber sie sterben nur einmal, und darauf folgt das Gericht\u201c (Hebr\u00e4er 9,27). \u201eDenn wir alle m\u00fcssen einmal vor dem Richterstuhl vor Christus erscheinen . . .\u201c (2. Korinther 5,10). Der Richter ist gleichzeitig (in Jesus Christus) der Erl\u00f6ser. Vor Gott verantworten muss sich jeder, aber niemand muss verlorengehen \u2013 sofern er denn die rettende Hand, die Gott ihm in Christus entgegenstreckt, ohne Wenn und Aber ergreift. Dieses absolut krasse Nebeneinander von Gericht und Gnade, Verantwortung und Erl\u00f6sung ist das Kernst\u00fcck der traditionellen biblischen und christlichen Lehre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Sch\u00f6pfer wie auch als Richter und Erl\u00f6ser tritt Gott mir als Herr gegen\u00fcber. Nicht ich habe mir meine Existenz gegeben, nicht ich entscheide, was gut und was b\u00f6se, was belohnenswert und was strafw\u00fcrdig ist, und nicht ich kann mich erl\u00f6sen und mir den Himmel garantieren. Dies sind lauter Dinge, die Gott vorbehalten sind, und die Erbs\u00fcnde der Menschheit bestand gerade darin, dass sie selber Herr werden wollte (\u201eIhr werdet sein wie Gott\u201c, 1. Mose 3,5). Gottes Herr Sein zeigt sich auch darin, dass er negative Dinge in unser Leben schicken kann, die eine Strafe daf\u00fcr sind, dass wir selber die Herren sein wollten und uns nicht um seine Gebote gek\u00fcmmert haben. Sowohl in der Bibel als auch in der Kirchengeschichte sind solche Dinge wie Kriege, Vertreibungen, aber auch Krankheiten und Epidemien oft als Strafen bzw. Gerichte Gottes gedeutet worden \u2013 als ein Reden Gottes durch Ungl\u00fccksf\u00e4lle, das letztlich den Zweck hat, die Menschen zu ihm zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die ganze alttestamentliche Prophetie ist von diesem Grundmuster gepr\u00e4gt, und wenn im Mittelalter die n\u00e4chste Pest-Epidemie kam, schloss man die Kirchen nicht, sondern kam erst recht zusammen, um Gott um Gnade und Hilfe anzuflehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist hochbemerkenswert, dass das allererste christliche Glaubensbekenntnis aus ganzen zwei Worten bestand. Zwei Worte, aber die hatten es in sich: Christos Kyrios \u2013 \u201eChristus ist der Herr.\u201c Christus, und nicht irgendwelche heidnischen G\u00f6tter. Christus, und nicht die menschliche Wissenschaft. Christus, und nicht das Schicksal. Christus, und nicht die staatliche Obrigkeit (damals vertreten durch die r\u00f6mischen Kaiser, die f\u00fcr sich die alternativlose G\u00f6ttlichkeit beanspruchten). Und dieser Gott, der Sch\u00f6pfer, Richter, Erl\u00f6ser und Herr ist, ist damit auch das H\u00f6chste Gut, das es f\u00fcr Menschen gibt; die alten Theologen und Philosophen sprachen auf Lateinisch vom Summum Bonum. In der Bibel wird uns Gott als h\u00f6chstes Gut exemplarisch in Jesu Doppelgleichnis vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle (Matth\u00e4us 13,44-45) vor Augen gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Folgen des klassischen Gottesbildes: Verantwortung, Aufgaben, Angst<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt, dieses Bild von Gott und von unserer Existenz als Menschen hat viele Jahrhunderte lang das Denken der Theologen und Kirchen und des einzelnen Christen gepr\u00e4gt. Es hat gepr\u00e4gt, was die Menschen im Abendland unter Verantwortung verstanden: Die h\u00f6chste Verantwortung war die gegen\u00fcber Gott und seinen Geboten. Noch in dem 1949 beschlossenen Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland hei\u00dft es in der Pr\u00e4ambel, dass das deutsche Volk sich dieses Gesetz \u201eim Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott\u201c gegeben hat \u2013 der ber\u00fchmte \u201eGottesbezug\u201c in der deutschen Verfassung, den Kr\u00e4fte, die eine andere Republik w\u00fcnschen, schon seit langem abschaffen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Gottesbild hat gepr\u00e4gt, was die Menschen im \u201echristlichen Abendland\u201c als Aufgabe der Christen und Kirchen verstanden: Gottes Gebote, aber auch Gottes Erl\u00f6sungsangebot den nahen und fernen Menschen, den Nachbarn und den M\u00e4chtigen zu predigen \u2013 mithin Mission zu treiben und Gemeinschaft zu pflegen. Es hat weiter ihre Loyalit\u00e4t gepr\u00e4gt: Zuallererst und vor allem anderen haben Christen Gott zu gehorchen und seine Auftr\u00e4ge wahrzunehmen. Dieses Bewusstsein von Verantwortung, Aufgabe und Loyalit\u00e4t lie\u00df Martin Luther das Risiko des Scheiterhaufens eingehen, trieb Dietrich Bonhoeffer in den Widerstand gegen Hitler und lie\u00df Pioniermissonare in dem Wissen nach Afrika ausreisen, dass sie schon Monate sp\u00e4ter der Malaria erliegen konnten. Die Priorit\u00e4ten h\u00e4tten klarer nicht sein k\u00f6nnen: Gott zuerst, und wenn es mich das Leben kostet!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht zuletzt hat dieses klassische Gottesbild gepr\u00e4gt, wovor die Menschen im \u201echristlichen Abendland\u201c am meisten Angst hatten: vor dem ewigen Tod, vor dem Verlorengehen. Der \u201eklassische Christ\u201c hatte nichts gegen Gesundheit und ein langes Leben, aber er wusste, dass es Wichtigeres gab: wo er die Ewigkeit nach seinem Tod verbringen w\u00fcrde. Sein gro\u00dfes Problem war nicht: Wie schlage ich Krankheit und Leid ein Schnippchen?, sondern: Wie kriege ich einen gn\u00e4digen Gott? Die Angst vor der H\u00f6lle hat in der Kirchengeschichte manchmal ungesunde Bl\u00fcten getrieben; man denke nur an den Ablass-Skandal, der zum z\u00fcndenden Funken der Reformation wurde. Aber Tatsache ist auch: Wo immer die Kirche in die Offensive ging und neue Gl\u00e4ubige gewann, hat sie die Frage nach ewigem Leben und ewigem Tod in den Mittelpunkt gestellt. Die gro\u00dfen Evangelisten des 19. Jahrhunderts gaben ihren Zuh\u00f6rern, von denen die meisten aus minderbemittelten Schichten stammten, keine Geheimtipps zur Verbesserung ihrer finanziellen Lage, sondern sprachen sie gezielt auf ihr Seelenheil an. (Dass die Bekehrten ihr Geld anschlie\u00dfend nicht mehr versoffen, sodass ihr Lebensstandard sich hob, war ein logischer Nebeneffekt der Predigten.) Aber all dies war einmal im ehemals christlichen Abendland . . .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sch\u00f6ne neue Welt ohne Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn der 2020-er Jahre stehen wir im Mutterland der Reformation vor einem religi\u00f6sen Tr\u00fcmmerhaufen. Im kulturellen, wissenschaftlichen, politischen und auch religi\u00f6sen Mainstream ist das oben skizzierte biblisch-christliche Gottesbild verschwunden bzw. auf ein paar harmlose Relikte zur\u00fcckgestutzt worden. Gott als Sch\u00f6pfer ist zwar nicht unbedingt abgeschafft (nur radikale Atheisten wollen bei der Entstehung der Welt ganz ohne ihn auskommen), aber stark relativiert worden. Der moderne und postmoderne Mensch empfindet sich in seiner Existenz nicht oder nur noch begrenzt als von Gott abh\u00e4ngig. L\u00e4ngst kann man neues Leben mit menschlichen Mitteln \u201emachen\u201c (\u201eDesignerbabys\u201c, Gentechnologie, k\u00fcnstliche Befruchtung), und welchen Tod jemand stirbt oder ob er nicht doch noch etwas weiterleben kann, regeln die \u00c4rzte und Krankenh\u00e4user. Gott als h\u00f6chste moralische Instanz und Richter (gerade auch nach dem Tod) scheint ausgedient zu haben. Seine Gebote sind dazu da, dass man sich \u00fcberlegt, wie zeitgem\u00e4\u00df sie noch sind. Gott als Erl\u00f6ser wird entweder relativiert (nach dem Motto: in anderen Religionen gibt es doch auch Erl\u00f6sung) oder trivialisiert (der Himmel als Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die man durch seinen Taufschein in der Tasche hat). Gott als Herr ist l\u00e4ngst durch einen blutleeren himmlischen Opa mit Z\u00fcchtigungsverbot ersetzt worden. Undenkbar, dass er strafen kann. Wenn Naturkatastrophen, Pandemien, Wirtschaftskrisen etc. kommen, muss man diesen Dingen mit den Mitteln moderner Wissenschaft und Politik begegnen. Bu\u00dfe? Brauchen wir nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verantwortung hat der (post-)moderne Mensch gegen\u00fcber sich selber und der Zukunft. Seine Aufgabe ist es, die Welt mit den Mitteln des Fortschritts zu retten und zu erneuern. Seine Loyalit\u00e4t hat den Experten in Wissenschaft und Politik und dem Meinungs-Mainstream zu gelten. Und Angst hat er davor, dass irgendetwas, das er nicht beherrschen kann, ihn umbringen k\u00f6nnte, wobei dieses Etwas immer im Hier und Jetzt liegt und nichts mit irgendwelchen transzendenten M\u00e4chten zu tun hat, schon gar nicht mit dem Teufel und drei Mal nicht mit Gott. Der moderne und postmoderne Mensch hat Angst vor Krebs und Alzheimer, vor Arbeitslosigkeit und Ruin der Altersvorsorge, neuerdings auch vor COVID und dem Klimawandel, nicht aber vor Gottes Gericht, vor dem Teufel und vor der H\u00f6lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was hat die COVID-Pandemie mit den Christen gemacht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Katastrophe mit Voransage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erinnern uns an die Pl\u00f6tzlichkeit, mit der die Pandemie im Fr\u00fchjahr 2020 \u00fcber uns hereinbrach. Vor allem die Kirchen und die Christen schienen v\u00f6llig \u00fcberrumpelt zu sein. Doch die Frage ist, ob man den geradezu willigen Gehorsam gegen\u00fcber den Einschr\u00e4nkungen des gemeindlichen Lebens nur durch den \u00dcberrumpelungseffekt erkl\u00e4ren kann. In den Jahren und Jahrzehnten vor Corona hatte es in den (gerade evangelikalen) Gemeinden tiefgreifende Ver\u00e4nderungsprozesse gegeben, die die Gemeinden zu der Art ihrer Reaktion auf Corona geradezu pr\u00e4destinierten. Gott als Richter, Herr und h\u00f6chstes Gut war in Predigt und Gemeindeleben zunehmend in den Hintergrund geraten; es herrschte in vielen K\u00f6pfen das Zerrbild eines Wohlf\u00fchlgottes, der es schon nicht so genau nehmen w\u00fcrde. Die Lehre von der Wiederkunft Christi und dem Ende unserer derzeitigen Welt, die zum absoluten biblischen Urgestein geh\u00f6rt, war etwas f\u00fcr ein paar abgehobene Experten geworden. Fundamentalste Heilstatsachen wie die Jungfrauengeburt Jesu oder sein stellvertretendes Leiden waren keine Selbstverst\u00e4ndlichkeiten mehr, und ein St\u00fcck Heil in anderen Religionen \u2013 warum nicht? Grundpfeiler der christlichen Ethik waren ins Wanken gekommen; selbst Pietisten kokettierten mit der Ehe f\u00fcr alle, Scheidungen und Sex unter Teenagern waren schon l\u00e4ngst allgemein akzeptiert. Und in viele fromme K\u00f6pfe hatte sich der Mammon als Nebengott eingeschlichen, von dem opulenten Taschengeld \u00fcber sch\u00f6ne Urlaubsreisen bis zur bombensicheren Altersvorsorge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All dies, wohlgemerkt, war schon vor Corona. Das aber hei\u00dft: Die Kirchen und die Christen \u2013 auch viele von denen, die sich als die \u201eTreuen\u201c und \u201eErnsten\u201c verstanden \u2013 gingen mit einem schwer l\u00e4dierten geistlichen Immunsystem in die Corona-Krise. Sie waren nicht nur nicht auf so eine Krise vorbereitet, sie waren auf gar keine Krise vorbereitet. Nur deswegen konnten sie so \u00fcberrumpelt reagieren. Es ist sicher nicht falsch, hier an die Warnung des Paulus in 1. Thessalonicher 5,3 zu denken: \u201eWenn die Leute meinen, es herrsche Frieden und Sicherheit, wird pl\u00f6tzlich das Unheil \u00fcber sie hereinbrechen wie Wehen, die eine schwangere Frau \u00fcberfallen . . .\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die neue Angst<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des ersten Lockdowns im Jahre 2020 erkl\u00e4rte meine Stammbuchh\u00e4ndlerin kopfsch\u00fcttelnd: \u201eIch verstehe die Welt nicht mehr. Die Leute, die am meisten Angst vor Corona haben sind die, die jeden Sonntag in die Kirche rennen.\u201c Diese Angst ist geblieben. Heute \u00e4u\u00dfert sie sich unter anderem in 3G- und 2G-Regelungen f\u00fcr Gottesdienste und der Ausgrenzung \u201eUngeimpfter\u201c. Wobei die Impfung gegen Corona die Angst bei nicht wenigen nicht (wie man eigentlich erwarten sollte) kleiner, sondern noch gr\u00f6\u00dfer macht. Es gibt keine rationale Begr\u00fcndung dieser Angst. Warum Angst vor Corona (Sterberisiko weit unter 1 Prozent), aber nicht vor Krebs, Herzinfarkt und einem halsbrecherischen Fahrstil mit dem Auto (Risiko weit h\u00f6her)? Erst recht gibt es keine geistliche Begr\u00fcndung. Nirgends in der Bibel werden wir aufgefordert, unsere Angst auf Dinge zu lenken, die uns das physische Leben kosten k\u00f6nnen. Wie Jesus seinen J\u00fcngern sagte: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten k\u00f6nnen . . F\u00fcrchtet vielmehr den, der Leib und Seele dem Verderben in der H\u00f6lle preisgeben kann\u201c (Matth\u00e4us 10,28). Aber, wie schon Plato wusste: Menschen, die gen\u00fcgend Angst haben (bzw. denen man genug Angst macht), sind bereit, alles mit sich machen zu lassen und sogar ihre Freiheit zu opfern. Viele heutige Christen tun dies geradezu mit Wonne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein neues h\u00f6chstes Gut<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Gebot lautet bekanntlich: \u201eDu sollst keine anderen G\u00f6tter neben mir haben\u201c (2. Mose 20,3). Kluge Seelsorger und Psychologen erkl\u00e4ren uns, dass so ein \u201eanderer Gott\u201c kein G\u00f6tzenbild mit Altar sein muss. Mein \u201eGott\u201c \u2013 das ist schlicht und einfach das, was mir das Liebste und Wichtigste im Leben ist. Das h\u00f6chste Gut eben. F\u00fcr einen Gott bringt man auch Opfer und verzichtet auf Dinge, die \u201enicht so wichtig\u201c sind. Es ist erschreckend, was in den Kirchen heute alles nicht mehr so wichtig ist. Das neue h\u00f6chste Gut nicht nur beim Durchschnittsb\u00fcrger, sondern bei vielen, vielen Christen ist die Gesundheit, zurzeit verengt auf die Verschonung durch den Corona-Virus. Auch dies ist eine Katastrophe mit Ansage gewesen; schon lange vor Corona besch\u00e4ftigte sich so mancher Christ mehr damit, wie er seinen K\u00f6rper bis ins Alter fit halten konnte, als wie er seine Seele auf die Begegnung mit Gott vorbereiten konnte. Corona hat hier auch die letzten D\u00e4mme brechen lassen. Die Angst vor dem Virus hat sich zu einer Ersatzreligion entwickelt, zu einem finsteren Abgott, f\u00fcr den man fast alles zu opfern bereit ist: ein normales Gemeindeleben, ein normales Familienleben (\u201ebei Corona nicht zur Oma\u201c), den Kaffeeklatsch mit der (wir wissen schon: ungeimpften) Freundin, den Kirchen- und den Posaunenchor und ironischerweise auch die Gesundheit, denn der vermeintliche Ansteckungsschutz durch Impfstoffe mit Notzulassung und durch Masken, die in der Arbeitsmedizin f\u00fcr die Dauerbenutzung verboten sind, hat seinen Preis, der mit der Zeit immer h\u00f6her wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Christ, dessen \u00c4ngste um den COVID-Virus kreisen, hat praktisch Christus als K\u00f6nig seines Lebens abgesetzt und stattdessen Corona auf den Thron gehoben. Merke: Gesundheit und ein langes Leben sind keine christlichen Grundwerte. Mission, Gemeinschaft mit anderen und ein normales Gemeindeleben sehr wohl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine neue Verantwortung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMan tr\u00e4gt Verantwortung\u201c liest man heute an den Eing\u00e4ngen vieler Gesch\u00e4fte, und \u201eVerantwortung\u201c, das hei\u00dft Maske. Die klassische Verantwortung des Christen war eine doppelte: Zum einen hatte er seinen Mitmenschen klarzumachen, dass sie die Erl\u00f6sung in Christus brauchten, um nicht verlorenzugehen. Das war Mission und Evangelisation. Und zum anderen hatte er durch sein eigenes Leben seinen Mitmenschen zu demonstrieren, wie ein Leben mit Christus \u2013 und das hie\u00df nicht zuletzt: ein Leben ohne die \u00c4ngste der Welt! \u2013 aussieht. Das nannte man Zeugnis. Die christlichen Gemeinden und Kirchen, die faktisch Corona als ihren neuen Herrn inthronisiert haben, verstehen unter \u201eVerantwortung\u201c, dass man sich impfen l\u00e4sst, alle Hygieneregeln einh\u00e4lt, keinen \u201eVerschw\u00f6rungstheoretikern\u201c glaubt und keine Montagsspazierg\u00e4nge mitmacht. Sie wollen dem nichtchristlichen Nachbarn oder Kollegen nicht die H\u00f6llenstrafen ersparen, sondern einen schweren COVD-Verlauf. Ihr neues \u201eZeugnis\u201c lautet: \u201eWir haben dieselben \u00c4ngste wie ihr und sind bereit, alles f\u00fcr sie zu opfern.\u201c Auch dies tr\u00e4gt Z\u00fcge einer neuen, letztlich antichristlichen Religion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Neue Loyalit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott als Sch\u00f6pfer, Richter, Erl\u00f6ser, Herr und h\u00f6chstes Gut verlangt unsere hundertprozentige Loyalit\u00e4t. Der Abgott der Pandemie hat auch diese Loyalit\u00e4t verschoben und umgelenkt. Es geht nicht mehr darum, Gottes Gebote zu befolgen, sondern die jeweils aktuellste Corona-Verordnung des Staats, des Bundeslandes oder der Stadt. Oder der Kirchengemeinde. S\u00fcnden sind Schnee von gestern; die wirklichen \u00dcbeltaten sind die Verst\u00f6\u00dfe gegen staatliche (oder kirchliche!) Abstands-, Hygiene-, Test- und sonstige Regeln, und die Sanktionen der Ordnungs\u00e4mter und Ordnungsh\u00fcter reichen von Geldstrafen, f\u00fcr die man ein halbes Leben lang falsch parken k\u00f6nnte, bis zu Polizeieins\u00e4tzen, wie man sie bisher mit Molotowcocktails schleudernden Linksautonomen verbunden hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mehrheitsfraktion in den Kirchen und Gemeinschaften ist auch in der Loyalit\u00e4tsfrage brav eingeknickt. Wie schon so oft in der Kirchengeschichte \u2013 etwa im \u201eDritten Reich\u201c, in den Satellitenstaaten der Sowjetunion, w\u00e4hrend der Apartheid in S\u00fcdafrika oder der Rassendiskriminierung in den S\u00fcdstaaten der USA \u2013 verbarrikadieren sich heute Kirchenleitungen und Sprecher christlicher Werke und Verb\u00e4nde, aber auch brave Bibelstundenbesucher hinter einem unheilvollen Fehlverst\u00e4ndnis eines der am h\u00e4ufigsten missbrauchten Bibelabschnitte \u2013 R\u00f6mer 13,1-7. Kaum einer macht sich die M\u00fche, den genauen Wortlaut von R\u00f6mer 13 zu studieren sowie das, was andere Bibelstellen \u00fcber die rechte Einstellung zur Obrigkeit aussagen. Und so entsteht eine unreflektierte Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber den Regierenden (die es schon richtig machen werden . . .) sowie den von ihnen auserw\u00e4hlten \u201eExperten\u201c, nach der unausgesprochenen Devise: Wer vom Staat protegiert und in Facebook und YouTube nicht gel\u00f6scht wird, muss recht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Weg in die Christenverfolgung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erlaube mir die folgende Prognose, die sich nicht auf die ferne Zukunft, sondern bereits auf die allern\u00e4chsten Jahre bezieht: Wenn die Mehrheits-Christen, Kirchen und Gemeinden ihren bisherigen Corona-Kurs beibehalten, werden im Mutterland der Reformation schon bald (vielleicht sehr bald) Christen offen verfolgt werden. Auch dies ist eine Katastrophe mit Ansage. Die vergangenen Jahre haben zwar noch keine staatlich organisierten regelrechten Repressionsaktionen gegen Christen erlebt, daf\u00fcr aber immer mehr juristische und administrative Ver\u00e4nderungen, die zusammengenommen wie die ber\u00fchmte Schlinge wirken, die sich immer enger um den Hals des Opfers legt, bis sie eines Tages nur noch zugezogen werden muss. Gesetze gegen \u201eHassrede\u201c und \u201eDiskriminierung\u201c sind zwar nicht als explizite Angriffe auf das Christentum formuliert, richten sich aber in zunehmendem Ma\u00dfe gegen ethische Positionen, die Christen nicht preisgeben k\u00f6nnen, ohne \u00fcber kurz oder lang die ganze Bibel und damit letztlich Christus selber preiszugeben. Erw\u00e4hnt seien nur: Abtreibung, Homosexualit\u00e4t, Ehe f\u00fcr alle, Erziehungsrecht der Eltern. Dazu kommt der zunehmende \u201eKampf gegen rechts\u201c, der, da die \u201eMitte\u201c der Politik immer weiter nach links wandert, fast zwangsl\u00e4ufig auch christliche Grundwerte und -Positionen erfasst. Der zunehmende Einfluss des Islam macht die Lage nicht einfacher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bisherige Reaktion der f\u00fchrenden \u201eFrommen\u201c auf diese wachsende Bedr\u00e4ngung hat zu oft in Beschwichtigen und Nachgeben bestanden, nach dem unausgesprochenen Motto: Wenn wir uns ruhig verhalten und ihnen in dem einen oder anderen Punkt entgegenkommen, werden sie uns in Ruhe lassen. Die Geschichte s\u00e4mtlicher totalit\u00e4rer Staaten zeigt, dass dies ein verh\u00e4ngnisvoller Irrtum ist. Wo Christen zur\u00fcckweichen, r\u00fcckt der Feind weiter vor. Immer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine M\u00f6glichkeit, vorherzusagen, wann genau der Hebel in Deutschland (oder anderen ehemals christlichen L\u00e4ndern) endg\u00fcltig in Richtung \u201eVerfolgung und Bek\u00e4mpfung\u201c umgelegt werden wird. Wir wissen aber drei Dinge. Erstens: Wir wissen aus der Bibel, dass die Verfolgung kommen wird, als Teil der \u201eWehen\u201c vor der Wiederkunft Christi. Wir wissen zweitens, dass der Anteil der echten (also bewussten und bekehrten) Christen an der deutschen Gesamtbev\u00f6lkerung kaum mehr als noch 2 Prozent betragen d\u00fcrfte; die riesengro\u00dfe Mehrheit im Land ist entweder religi\u00f6s gleichg\u00fcltig oder antichristlich eingestellt. Und drittens kann sich jeder denkende Mensch ausrechnen, was das bereitwillige Kuschen der Kirchen in Sachen Corona dem Staat gezeigt hat: Er wei\u00df jetzt, dass dann, wenn es darauf ankommt, die gro\u00dfe Mehrheit in den Kirchen sich nicht wehrt. Er hat gelernt: \u201eMit den Christen kann man\u2019s machen.\u201c Er wird es nicht vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gibt es einen Ausweg? Kirche, bis Jesus wiederkommt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedeutet das bisher Gesagte, dass f\u00fcr die Christen in Deutschland alles aus ist? Keineswegs. Gibt es einen Ausweg? Absolut. Doch es wird ihn nicht geben ohne eine fundamentale Neuorientierung (die Bibel nennt das auch \u201eBu\u00dfe\u201c) in den Kirchen und Gemeinden und bei den einzelnen Christen. Die Neuorientierung beginnt mit der Einsicht, dass es ein Zur\u00fcck in \u201edie gute alte Zeit\u201c NICHT geben wird. Es ist keine Phrasendrescherei, wenn Beobachter der Pandemie sagen, dass die Welt nach Corona nie mehr so sein wird wie vor Corona. F\u00fcr die Kirchen d\u00fcrften die Ver\u00e4nderungen sogar mit am empfindlichsten sein. Viele Pastoren und Prediger werden sich noch die Augen reiben, wer alles nicht mehr kommt, wenn die Pandemie endlich vorbei sein wird. Posaunench\u00f6re und Kantoreien werden eingegangen, Gemeinden nachhaltig gespalten sein, Geb\u00e4ude aufgegeben werden m\u00fcssen, Freizeitheime wegen Insolvenz geschlossen werden. Nein, es wird nicht mehr so werden wie vorher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Missionsbefehl Jesu \u201eDarum geht zu allen V\u00f6lkern und macht die Menschen zu meinen J\u00fcngern\u201c (Matth\u00e4us 28,19) gilt immer noch so wie zuvor. Auch der Aufruf, ihn an die erste Stelle zu setzen, ja f\u00fcr ihn zu leiden. Und neue Gemeinden zu bauen. Und auf den gro\u00dfen Tag X \u2013 sein Wiederkommen \u2013 zu warten. Aber wie macht man das \u2013 nach dem Zusammenbruch des christlichen Abendlandes, mitten in dem gro\u00dfen Abfall von Christus und w\u00e4hrend und nach COVID?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Anregungen seien gegeben: Die neue Kirche der Zukunft, die Jesus bei seiner Wiederkunft vorfinden wird, wird 1. aus J\u00fcngern und nicht aus Traditionschristen bestehen, 2. in kleinen Gruppen organisiert sein und 3. eine Kirche der M\u00e4rtyrer sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. J\u00fcnger gesucht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Jesus seinen Missionsbefehl gab, sagte er nicht: \u201eMacht die Menschen zu Christen\u201c, sondern: \u201eMacht die Menschen zu meinen J\u00fcngern\u201c (Matth\u00e4us 28,19). Es lohnt sich, \u00fcber diesen Unterschied nachzudenken. Der Begriff \u201eChrist\u201c (der als so etwas wie ein Spitzname f\u00fcr Jesusnachfolger begann) ist nach fast zweitausend Jahren \u201eChristentum\u201c so abgedroschen, dass er in Gefahr ist, inhaltsleer zu werden. Wer ist denn ein Christ? Schaut man sich die Statistiken \u00fcber die Mitgliedschaft in eingetragenen religi\u00f6sen Vereinen an, w\u00e4ren in Deutschland immer noch \u00fcber 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung Christen. Wenn das stimmte, h\u00e4tten wir die gegenw\u00e4rtigen Probleme nicht, und Regierung, Kirchen und Bev\u00f6lkerung w\u00fcrden ganz anders mit der Pandemie umgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Jahrzenten schon bastelt man an Pr\u00e4zisierungen des Begriffs \u201eChrist\u201c herum, um die \u201eAktiven\u201c von den \u201eLauen\u201c zu unterscheiden. Da gibt es \u201ebekehrte Christen\u201c, \u201eentschiedene Christen\u201c, \u201ebibeltreue Christen\u201c und anderes. Es hat schon Stimmen gegeben, die allen Ernstes vorgeschlagen haben, den Begriff \u201eChristen\u201c als missverst\u00e4ndlich zu streichen und stattdessen von \u201eJesusnachfolgern\u201c oder \u201eJ\u00fcngern\u201c zu reden. Aber egal, auf welche Vokabel man sich einigt: Die eigentliche Kirche, der Leib Christi, besteht aus J\u00fcngern. Siehe den Missionsbefehl. J\u00fcnger sind keine Superchristen, geschweige denn perfekt; man denke nur an die Verleugnung des Petrus. Aber sie sind \u00fcberzeugt von Jesus. Sie sind Untertanen des K\u00f6nigs, Soldaten seiner Truppe, Menschen, die von ihm begeistert sind und ihn als den gr\u00f6\u00dften Schatz ihres Lebens betrachten (vgl. wieder das Doppelgleichnis in Matth\u00e4us 13,44-45). J\u00fcnger folgen ihrem Herrn nach, sie gehorchen ihm. Sie basteln nicht an dem Projekt \u201eIch und mein Leben\u201c, sondern an dem ungleich gr\u00f6\u00dferen Projekt \u201eGottes Reich\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcnger sorgen sich nicht um ihre Gesundheit, sondern um ihr Seelenheil. Und um das ihrer Mitmenschen. J\u00fcnger gehen nicht den breiten, sondern den schmalen Weg (Matth\u00e4us 7,13-14). Sie folgen nicht der Mehrheitsmeinung, sondern ihrem von Gottes Wort gesch\u00e4rften Gewissen. Sie gehorchen nicht dem Staat oder der Gesellschaft oder dem Zeitgeist, sondern Gott. Sie warten nicht auf eine menschengemachte sch\u00f6ne neue Welt mit \u201eKlimagerechtigkeit\u201c, sondern auf den wiederkommenden Christus und Gottes Gerechtigkeit (vgl. 2. Petrus 3,13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gegenteil von J\u00fcngern sind Traditionschristen. Es gibt sie heute in verschiedenen Ausf\u00fchrungen. Es gibt die \u201eeinfachen\u201c Traditionschristen, die mit Kirchensteuer und Taufschein und hin und wieder einem Gottesdienstbesuch zufrieden sind. Und es gibt die \u201eernsten\u201c Traditionschristen, die zum Beispiel au\u00dfer zum Gottesdienst noch in die Gemeinschaftsstunde gehen, treu ihren \u201eZehnten\u201c spenden, ihre festen Meinungen \u00fcber die Wiederkunft Jesu oder die Entr\u00fcckung haben und auf die \u201eeinfachen\u201c Traditionschristen herabsehen. Wenn es ernst wird und Verfolgung droht, schmelzen die Unterschiede zwischen \u201eeinfachen\u201c und \u201efrommen\u201c Traditionschristen wie Butter in der Sonne. Wie COVID gezeigt hat und weiter zeigt. Denn Traditionschristen gehen nicht den schmalen Weg, sondern haben lediglich den breiten Weg religi\u00f6s ausgeschm\u00fcckt. Nein, die Kirche von morgen wird wieder aus J\u00fcngern bestehen. Die Traditionschristen, egal welcher Schattierung, werden in der gottlosen Einheitsgesellschaft, die der Wiederkunft Christi vorangeht, aufgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Small is beautiful<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte\u201c, hat Jesus gesagt (Matth\u00e4us 18,20). In den vergangenen Jahrzehnten haben manche Kirchen und Gemeinden im \u201echristlichen\u201c Westen auf die Zwei oder Drei herabgesehen. \u201eMegakirchen\u201c waren Trumpf, Gro\u00dfveranstaltungen dokumentierten: \u201eWir sind wer.\u201c Gemeindewachstum wurde gerne an der Zahl der Besucher des Sonntagsgottesdienstes gemessen, weniger an der Zahl derer, die sich w\u00e4hrend der Woche privat zum Beten, Bibellesen oder Austausch trafen. Sowohl die Gemeinden in Osteuropa zur Zeit des Kommunismus als auch die in strikt islamischen L\u00e4ndern heute zeigen uns ein ganz anderes Bild. Hier dominiert die kleine Hausgemeinde, die sich in privaten Lokalit\u00e4ten heimlich trifft und damit zur \u201eUntergrundkirche\u201c wird. Wer ein wenig die Kirchengeschichte studiert, der entdeckt, dass auch die fr\u00fche christliche Kirche im Bereich des R\u00f6mischen Reiches von ihren Anf\u00e4ngen nach Pfingsten bis zur Konstantinischen Wende ganz \u00fcberwiegend als Hauskirche strukturiert war. Anders konnte sie in einem Milieu, wo jederzeit die n\u00e4chste Christenverfolgung losbrechen konnte, nicht \u00fcberleben. Aber sie \u00fcberlebte nicht nur, sie wuchs und wuchs. Sie wuchs auch sp\u00e4ter im Ostblock und sie w\u00e4chst heute im Islam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist diese Hauskirche, die f\u00fcr die Christen auch in Deutschland das Zukunftsmodell ist. Eigentlich sogar schon das Gegenwartsmodell, denn in welcher normalen deutschen Kirchengemeinde, Stadtmission oder Gemeinschaft ist zurzeit eine normale Arbeit und ein normaler Gottesdienst m\u00f6glich? Es ist ja nicht normal, wenn Singen nur mit Maske oder gar nicht \u201ezul\u00e4ssig\u201c ist, man sich zum Gottesdienst schriftlich anmelden muss, die Wochenendfreizeit ausfallen muss, Auss\u00e4tzige (Pardon: Ungeimpfte) auf die Empore m\u00fcssen oder gar nicht reind\u00fcrfen und die Gemeindeleitung unter dem Damoklesschwert der Angst vor Kontrollen durch das Ordnungsamt (oder vor der Ungnade der eigenen Kirchenf\u00fchrung) lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wache J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger haben dies bereits erkannt und sind dabei, Hausgemeinden im kleinen oder kleinsten Kreis aufzubauen. Sie entdecken, dass man das Heilige Abendmahl ja auch zu Hause im Wohnzimmer feiern kann und gar keinen \u201erichtigen\u201c Pastor dazu braucht. Man kann auch an privaten Treffpunkten Bibelstunden, ja ganze Gottesdienste veranstalten. Und dass man den musikalischen Festgottesdienst mit Bachkantate \u00fcberall dort veranstalten kann, wo es eine gute Musikanlage und die richtige Schallplatten- bzw. CD-Sammlung gibt, wissen wir im Grunde seit einem halben Jahrhundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann auch im kleinen und kleinsten Kreis Evangelisation betreiben, Menschen zu Christus f\u00fchren, Gott loben und anbeten, Seelsorge und Solidarit\u00e4t \u00fcben und sich systematisch in die Bibel einarbeiten. Und der folgende Satz ist keine Zukunftsspekulation, sondern eine n\u00fcchterne Feststellung: An dem Tag, wo Jesus wiederkommt, werden seine J\u00fcnger auf dieser Erde sehr wahrscheinlich nur noch in Hauskirchen organisiert sein. Die traditionellen Kirchengeb\u00e4ude werden dann alle entweder abgerissen oder zu Hotels, Diskotheken oder anderem umfunktioniert sein, so sie denn nicht (die schlimmste Variante) vom antichristlichen Staat kontrolliert werden. Die Kirche Jesu Christi der Zukunft wird aus zahlreichen privaten Zellen bestehen oder sie wird nicht mehr sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Bist du bereit, f\u00fcr Jesus zu leiden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcnger m\u00fcssen mit Verfolgung rechnen. \u201eWenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen\u201c, hat Jesus seinen J\u00fcngern gesagt (Johannes 15,20). Verfolgungen begleiten die Geschichte der Kirche jetzt seit zweitausend Jahren, und das lange Bestehen von Staatskirchen im \u201echristlichen Abendland\u201c darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Verfolgung sozusagen der Normalzustand der Gemeinde Jesu Christi ist. (In den Staatskirchen wurde nicht selten die Kirche selber zur Verfolgerin.) In islamischen L\u00e4ndern ist es heute ein ganz normaler Vorgang, dass jemand, der von Jesus Christus \u00fcberzeugt worden ist und nun durch die Taufe in seine Gemeinde aufgenommen werden m\u00f6chte, die folgenden beiden Fragen gestellt bekommt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022 Bist du bereit, f\u00fcr Jesus zu leiden?<br \/>\n\u2022 Bist du bereit, f\u00fcr Jesus zu sterben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der islamischen Kultur sind diese Fragen das Selbstverst\u00e4ndlichste von der Welt. Sie waren es auch in den Untergrundkirchen des ehemaligen Ostblocks. Und genau diese Fragen kommen heute auf die Menschen im ehemals christlichen Abendland zu, die daran denken, J\u00fcnger Jesu zu werden \u2013 egal, ob sie bislang religi\u00f6s unmusikalisch oder Traditionschristen waren. Bin ich bereit, f\u00fcr Jesus zu leiden, ja zu sterben? Nein, es geht nicht darum, sich mit Wonne als Christ verfolgen zu lassen, um damit mehr Punkte bei Gott zu sammeln! Sehr wohl aber darum, Gottes Wahrheiten unverdrossen zu bekennen und seine Auftr\u00e4ge anzunehmen und auszuf\u00fchren, egal, was kommt. Ob man in der Zukunft auch im ehemals freien Westen f\u00fcr seinen christlichen Glauben ins Gef\u00e4ngnis oder KZ kommen kann, wird sich noch zeigen. Aber schon heute m\u00fcssen wir mit gr\u00f6\u00dfter N\u00fcchternheit Fragen wie die folgenden beantworten (sie sind nur eine kleine Auswahl):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2022 Bin ich bereit, meinen Arbeitsplatz zu riskieren, weil ich sonst Christus verleugnen m\u00fcsste?<br \/>\n\u2022 Bin ich bereit, den Traum vom eigenen Haus zu begraben und weniger Geld zu verdienen, weil ich sonst in meinem Beruf widerg\u00f6ttliche Positionen unterschreiben m\u00fcsste?<br \/>\n\u2022 Bin ich bereit, f\u00fcr Christus meine Altersvorsorge zu riskieren? Meinen guten Ruf? Das Wohlwollen des Staates oder meiner Kirchenleitung?<br \/>\n\u2022 Was ist mir wichtiger: meine Gesundheit oder die Sache Jesu Christi?<br \/>\n\u2022 Was ist mir wichtiger: mein Ruhestand oder meine ewige Seligkeit?<br \/>\n\u2022 Was ist mir wichtiger: das Wohlwollen der gleichgeschalteten Medien oder das \u201eJa\u201c Gottes?<br \/>\n\u2022 Was ist mir wichtiger: dass meine Nachbarn mich in Ruhe lassen oder dass sie zu Christus finden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den allerersten Gemeinden an war Christsein immer J\u00fcngersein, und ein J\u00fcnger sein, das bedeutete, ein Zeuge Jesu Christi zu sein \u2013 auf Griechisch ein M\u00e4rtyrer. Zeichen und Wunder sind f\u00fcr die J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen Jesu ein sch\u00f6nes Extra, f\u00fcr das sie dankbar sind, auf das sie aber keinen Anspruch haben. Das Martyrium ist ein Muss. Nein, nicht notwendig sofort Gef\u00e4ngnis, Folter und Tod, immer aber dieses: dass ich f\u00fcr Jesus den Kopf hinhalte, den Mund aufmache, ihm treu bin, Gott mehr gehorche als den Menschen (vgl. Apostelgeschichte 5,29) \u2013 egal, was es mich kostet. (Man denke noch einmal an das Gleichnis vom Schatz und der Perle.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zeit der Pandemie und der mit rasender Geschwindigkeit zunehmenden Diktatur ruft Gott uns nicht auf, den Kopf in den Sand zu stecken und zu warten, bis der Sturm vorbei ist. (Der Sturm wird weitergehen, bis Jesus wiederkommt.) Er ruft uns auf, den Kopf zu erheben: \u201eWenn diese Dinge zu geschehen beginnen, richtet euch auf und fasst Mut, denn dann ist eure Erl\u00f6sung nahe\u201c (Lukas 21,28). Er ruft uns auf, in die H\u00e4nde zu spucken und an die Arbeit zu gehen. Er ruft uns auf, ganz neu seine Zeugen zu sein. Er ruft uns auf, J\u00fcnger zu werden.<br \/>\nWie antworten wir? 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