{"id":1860,"date":"2006-07-13T15:16:40","date_gmt":"2006-07-13T13:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1860"},"modified":"2009-09-07T12:52:15","modified_gmt":"2009-09-07T10:52:15","slug":"antwort-aus-baden-zum-%e2%80%9eappell-aus-baden%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1860","title":{"rendered":"Antwort aus Baden zum \u201eAppell aus Baden\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Antwort aus Baden zum \u201eAppell aus Baden\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Mitglieder unserer Landeskirche haben in diesen Wochen einen \u201eAppell aus Baden\u201c ver\u00f6ffentlicht. Dieser Appell hat durch die kirchliche Presse eine schnelle Verbreitung gefunden. Einige bekannte Pers\u00f6nlichkeiten haben den Appell mitunterzeichnet und unser Landesbischof hat den Text mit einem anerkennenden Vorwort versehen. Weil zum Gespr\u00e4ch und zur Auseinandersetzung mit dem Appell offen eingeladen wird, m\u00f6chten wir uns mit folgender Antwort daran beteiligen:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eAppell aus Baden\u201c vertritt an zentraler Stelle die Position, die Christen m\u00fc\u00dften auf Mission unter Muslimen verzichten, um einen ersten Beitrag zum Weltfrieden zu leisten. Diese Position ist freilich l\u00e4ngst bekannt, enth\u00e4lt nichts Neues und entspricht dem hierzulande herrschenden Zeitgeist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch geb\u00fchrt den Verfassern und Unterst\u00fctzern Dank f\u00fcr ihre Offenheit. Denn was in unserer Kirche seit vielen Jahren \u201eunter der Hand&#8220; oder in kleinen Zirkeln verhandelt und vertreten wurde, hat jetzt einen Weg zur \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist allen, besonders den theologisch denkenden und arbeitenden Gliedern unserer Kirche die Aufgabe gesetzt, eine Antwort auf den \u201eAppell&#8220; zu geben. Wir konzentrieren uns bei unserer Antwort auf jenen zentralen Gedanken des Missionsverzichts, weil hier nach unserer \u00dcberzeugung nicht nur theologisch abwegig argumentiert, sondern letztlich zum Schaden der Kirche &#8211; und des Weltfriedens \u2013 gehandelt wird. Bei einer so existenziellen Frage geht es nicht mehr um die subjektive Meinung der Autoren des &#8222;Appells&#8220; oder unserer Antwort, sondern hier m\u00fcssen wir die ma\u00dfgeblichen Autorit\u00e4ten und schlie\u00dflich auch die f\u00fcr die Landeskirche grundlegenden Ordnungen befragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Antwort Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kirchenvater Augustin sagte: \u201eIn der Kirche gilt nicht: das sage ich, das sagst du, das sagt jener, sondern: So spricht der Herr.&#8220; Dieser Grundsatz war auch der Ausgangspunkt der Reformation. Nun wird bis zum heutigen Tag jede Taufe in unserer Kirche unter Berufung auf den Missionsbefehl Jesu vollzogen: \u201e &#8230; darum gehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.\u201c(Matth\u00e4us 28, 19-20) Alle Getauften \u00fcbernehmen mit ihrer Taufe diesen Auftrag. Sollte er ausgerechnet im Blick auf besondere Religionsgruppen eingeschr\u00e4nkt werden? Und bei der Himmelfahrt beauftragt der Auferstandene seine J\u00fcnger noch konkreter: \u201eIhr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem (Judenmission!) und in ganz Jud\u00e4a und Samaria (Samaritaner mit anderer Religion) und bis an das Ende der Erde (griechische und r\u00f6mische Welt damals).\u201c Alle, die der heilige Geist zu Christen gemacht hat, in dem er ihnen das \u201eKyrios Jesus\u201c (Jesus ist Herr) auf die Lippen gelegt hat, sind dem konkreten Missionsauftrag in der Freude des Glaubens verpflichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Antwort der \u00d6kumene<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl die jungen Kirchen in der weiten \u00d6kumene in Asien, Afrika und Lateinamerika als auch die stark vom Missionswillen gepr\u00e4gten westlichen Kirchen geben ihre eigene Antwort auf die Frage der Mission. Sie missionieren eifrig in allen L\u00e4ndern, in denen sich daf\u00fcr eine Chance bietet. Selbst im Irak sind durch die Evangeliumsverk\u00fcndigung in den letzten Jahren viele Christen geworden. Durch die Ereignisse des 11. September ist in allen mehrheitlich muslimischen Nationen ein neues Fragen nach Jesus Christus, der Bibel und der M\u00f6glichkeit getauft zu werden entstanden. Die weite \u00d6kumene der Christen ist ein in sich dynamisches Wachstumsfeld des Glaubens an Jesus Christus. Wollen wir uns dieser Bewegung blind verschlie\u00dfen und dadurch der deutlichen Mehrheit der Kirchen in der Welt vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Antwort der Gemeinde vor Ort<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem manche kirchlichen Missionsabteilungen weithin nur noch im Sinne einer kirchlichen Entwicklungshilfe arbeiten, hat die Gemeinde vor Ort dagegen l\u00e4ngst die Weltmission zu ihrer eigenen Sache gemacht. Viele Kirchengemeinden auch in Baden, haben Personen aus ihrer Mitte in Zusammenarbeit mit Missionen als Missionare weltweit im Einsatz. Frauen und M\u00e4nner werden von ihren Gemeinden ausgesandt, unterst\u00fctzt und im Gebet getragen. Projekte der Weltmission werden von vielen Gemeinden mitfinanziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die globale Vernetzung der Kirche Jesus Christi ist diesen Gemeinden ganz nahe; und sie wollen, da\u00df sich das Reich Gottes weltweit ausbreitet. Viele einzelne Menschen sorgen mit ihrem pers\u00f6nlichen Opfer f\u00fcr den Fortgang der Mission durch ihre Gaben und stehen mit ihrem Gebet hinter diesem Willen zur Ausbreitung der Herrschaft Jesu Christi. Und dies in allen L\u00e4ndern der Welt, ohne sich abhalten zu lassen von den vorfindlichen religi\u00f6sen Orientierungen und Traditionen, die sie auf ihren Arbeitsfeldern antreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAlle Welt soll sein Wort h\u00f6ren\u201c \u2013 dieser Leitsatz der gro\u00dfen \u00f6kumenischen Bewegung, die 1974 in Lausanne beim Kongre\u00df f\u00fcr Weltevangelisation ihren Anfang genommen hat, bestimmt ihr Handeln. \u201eDer ganzen Welt, durch die ganze Gemeinde, das ganze Evangelium\u201c \u2013 dazu haben sich viele Millionen von Christen inzwischen weltweit vereinbart. Es gibt keinen Grund, dieser weltweiten Bewegung zu widersprechen oder sie nicht zu unterst\u00fctzen. Wer aber verlangt, da\u00df ein \u201eVerzicht auf Mission\u201c geschieht, stellt sich gegen diesen Teil der weltweiten \u00d6kumene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Antwort der Bekenntnisse und der Grundordnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das j\u00fcngste Bekenntnis, das zu den Bekenntnissen geh\u00f6rt, auf die Pfarrer ordiniert werden, ist die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung, die unmi\u00dfverst\u00e4ndlich ihre Antwort gibt: \u201eJesus Christus spricht: ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich\u201c (Joh. 14, 6). Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu h\u00f6ren, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und m\u00fcsse die Kirche als Quelle der Verk\u00fcndigung au\u00dfer und neben diesem Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und M\u00e4chte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen\u201c. Geradezu prophetisch haben 1934 die Verfasser dieses j\u00fcngsten Bekenntnisses auch unsere heutige Situation beleuchtet. Weder die gro\u00dfen Religionsf\u00fchrer und ihre Propheten noch Abraham als \u201esogenannter Offenbarungstr\u00e4ger\u201c k\u00f6nnen ersetzen, was die Kirche als Quelle der Offenbarung hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grundordnung der Badischen Landeskirche hat dies in ihrem \u201eVorspruch\u201c folgenderma\u00dfen aufgenommen: \u201eSie gr\u00fcndet sich als Kirche der Reformation auf das in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments bezeugte Wort Gottes, die alleinige Quelle und oberste Richtschnur des Glaubens, ihrer Lehre und ihres Lebens, und bekennt, da\u00df das Heil allein aus Gnaden, allein im Glauben an Jesus Christus empfangen wird.\u201c (2) Damit ist klar bezeugt und festgelegt, da\u00df weder der Verzicht auf Mission gegen\u00fcber jedweden Menschengruppen noch eine \u201e\u00d6kumene der Religionen\u201c unseren Bekenntnissen und Grundlagen entspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Antwort der Leits\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem ausf\u00fchrlichen Proze\u00df der ganzen Landeskirche hat die Synode Leitlinien festgelegt, die das Handeln in der Landeskirche bef\u00f6rdern und ausrichten sollen. Dort steht zu unserem Thema: \u201eWir wollen den Mitgliedern unserer Kirche eine geistliche Heimat bieten und noch mehr Menschen f\u00fcr Jesus gewinnen &#8230;wir wollen, da\u00df alle zum Lesen der Bibel ermutigt werden und zur Auslegung der Schrift beitragen&#8230;\u201c. Damit ist in j\u00fcngster Zeit eine Vereinbarung getroffen, die in die Ziele der Gemeinden einflie\u00dfen soll. Diese gemeinsame Willenserkl\u00e4rung zielt darauf, da\u00df sich unsere Kirche missionarisch zeigt \u2013 und keinerlei Menschen aus diesen missionarischen Bem\u00fchungen ausschlie\u00dft. Auch Migranten haben ein Recht zu erfahren, was uns h\u00e4lt und tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlu\u00dfthesen<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir antworten auf den \u201eAppell aus Baden\u201c mit einem klaren Nein gegen die Hauptzielrichtung dieses Aufrufes, auf Mission unter Muslimen zu verzichten, weil dieser Verzicht als Ungehorsam gegen\u00fcber dem Herrn der Kirche gelten mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Wir sagen Nein zu dem \u201eAppell aus Baden\u201c, weil er kontr\u00e4r zu den missionarischen Prozessen und Willensbildungen steht, die sowohl 1999 in der Synode der EKD als auch in unserer Landeskirche in ihrer Mehrheit mitgetragen sind. Der neue missionarische Wille unserer Kirchen darf keine Gruppe und keine Person ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Wir sagen Nein zum \u201eAppell aus Baden\u201c, weil er verhindern will, da\u00df Menschen ihr Recht auf das Evangelium von Jesus Christus wahrnehmen k\u00f6nnen \u201eDas erste Menschenrecht ist, da\u00df jeder das Evangelium h\u00f6ren kann\u201c. ( D. T. Niles, indischer Bischof)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Wir sagen Nein zu dem \u201eAppell aus Baden\u201c, denn \u201eDer Feind der Mission ist immer noch derselbe, auch wenn er im Lauf der Jahrhunderte immer wieder in einem neuen Gewand erscheint. Unwandelbar ist und bleibt aber der Herr der Mission, der uns versichert hat, da\u00df alle Geschichte in ihm Anfang und Ende findet.\u201c (Horst Flachsmeier in seinem Schlu\u00dfsatz des Werkes \u201eGeschichte der Ev. Weltmission\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Wir sagen Nein zu dem \u201eAppell aus Baden\u201c, denn wer die Mission einschr\u00e4nken will \u2013 egal welche Gruppe von Menschen auch \u201eausgespart\u201c werden soll \u2013 geht an der biblischen Wahrheit vor\u00fcber, da\u00df alle Religionen auf einem Irrweg in ihrer Gottessuche sind. Jesus seine Aufgabe an ihnen klar umrissen hat: \u201eIch habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch die <em>mu\u00df<\/em> ich herf\u00fchren, und sie werden meine Stimme h\u00f6ren, und es wird\u00a0<em>eine<\/em>\u00a0Herde und\u00a0<em>ein<\/em> Hirte werden.\u201c (Johannes 10, 16). An dieser Aufgabe hat er uns als Christen mitbeteiligt. Sie liegen zu lassen, w\u00e4re Jesus Christus zuwider zu handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Remchingen bei Pforzheim, Juli 2006<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hermann Traub, Pfarrer in Remchingen-Singen<br \/>\nmit weiteren Theologen, Pfarrern, \u00c4ltesten und kirchlichen Mitarbeitern in Baden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antwort aus Baden zum \u201eAppell aus Baden\u201c Drei Mitglieder unserer Landeskirche haben in diesen Wochen einen \u201eAppell aus Baden\u201c ver\u00f6ffentlicht. Dieser Appell hat durch die kirchliche Presse eine schnelle Verbreitung gefunden. Einige bekannte Pers\u00f6nlichkeiten haben den Appell mitunterzeichnet und unser Landesbischof hat den Text mit einem anerkennenden Vorwort versehen. 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