{"id":18568,"date":"2022-01-05T14:52:29","date_gmt":"2022-01-05T13:52:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18568"},"modified":"2022-01-05T14:52:29","modified_gmt":"2022-01-05T13:52:29","slug":"vorsorge-fuer-leidenszeiten-aktuelle-einsichten-aus-dem-2-timotheusbrief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18568","title":{"rendered":"Vorsorge f\u00fcr Leidenszeiten. Aktuelle Einsichten aus dem 2. Timotheusbrief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Manche Christen denken immer noch, dass der christliche Glaube in Europa unangefochten ist und dass das Christentum bei uns einen selbstverst\u00e4ndlichen Platz hat. Wer jedoch die von unseren ma\u00dfgeblichen Parteien gef\u00f6rderte multikulturelle Entwicklung aufmerksam beobachtet, kommt zu anderen Schl\u00fcssen. Wie umstritten beispielsweise das Kreuz als christliches Grundsymbol in unserer Gesellschaft mittlerweile ist, zeigten nicht nur die fr\u00fcheren Debatten \u00fcber Kreuze in Amtsstuben und Klassenzimmern, sondern auch im vergangenen Jahr die Auseinandersetzung \u00fcber das Kuppelkreuz auf dem neuerbauten Humboldt Forum in Berlin. Der Berliner Kultursenator sprach von einem \u201efalschen Signal\u201c, weil das Kreuz gegen alles stehe, \u201ewas wir mit dem Humboldt Forum wollen\u201c, vor allem stehe es gegen die \u201eGleichwertigkeit aller Menschen und Kulturen\u201c.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderes Beispiel daf\u00fcr, dass die christentumskritische Multikultur auf dem Vormarsch ist, bietet die Entscheidung K\u00f6lns vom Oktober 2021, den \u00f6ffentlichen Muezzinruf zu erlauben, der bekanntlich Allah zum einzigen Gott erkl\u00e4rt: \u201eEs gibt keinen Gott au\u00dfer Allah, und Mohammed ist sein Gesandter\u201c. Christen werden k\u00fcnftig durch den Beschluss gezwungen, sich gegen ihren Willen dieses bibelkritische Bekenntnis anzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wundert man sich nicht, dass ein 25j\u00e4hrige Afghane, der seit 2015 in Deutschland lebt, in der Woche vor dem Reformationsfest 2021 auf die Idee kam, aus Protest gegen den christlichen Glauben in Th\u00fcringen eine Kirche auszur\u00e4umen. Als der Ortspfarrer den Mann bei seinem Tun stoppte, erkl\u00e4rte dieser, dass Jesus nicht der Sohn Gottes sei und dass das Christentum eine falsche Religion sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann diese Beispiele als Lappalien abtun, man kann sie aber auch als Vorboten eines kommenden christentumsfeindlichen gesellschaftlichen Klimas verstehen. In jedem Fall tun wir gut daran, uns auf k\u00fcnftiges Leid um Christi willen einzustellen. Wie kaum eine andere neutestamentliche Schrift gibt der zweite Brief des Apostels Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus dazu wertvolle Anleitungen. \u00dcber allem steht die Feststellung: \u201eAlle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, m\u00fcssen Verfolgung leiden\u201c (3,12). Ich greife aus diesem wichtigen Brief, den man durchaus das geistliche Testament des Apostels Paulus nennen kann, sieben Beobachtungen heraus, die s\u00e4mtlich f\u00fcr die Gemeinde Jesu heute aktuell sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) Was zuerst beim zweiten Brief an Timotheus auff\u00e4llt, ist der pers\u00f6nliche und herzliche Ton, in dem Paulus hier zu Timotheus spricht. Er denkt \u201eohne Unterlass\u201c an ihn im Gebet, und er hat eine gro\u00dfe Sehnsucht, ihn\u00a0 zu sehen, um \u201emit Freude erf\u00fcllt\u201c zu werden. Man muss dazu wissen, dass der Apostel zu der Zeit, als er diesen Brief schrieb (Anfang der 60er Jahre des 1. Jahrhunderts), gewusst hat, dass er kurz vor seiner Hinrichtung steht (4,6). Au\u00dferdem bedr\u00fcckte ihn die Tatsache, dass Demas, ein fr\u00fcherer Mitarbeiter, ihn verlassen hat, weil er \u201ediese Welt liebgewonnen\u201c hat (4,10) und Alexander, der Schmied, ihm \u201eviel B\u00f6ses angetan\u201c hat (4,14). Einige weitere Mitarbeiter und Freunde waren ebenfalls nicht mehr bei ihm. \u201eLukas ist allein bei mir\u201c (4,11). Offensichtlich braucht und sucht Paulus die Gemeinschaft mit Christen. In Leidens- und Verfolgungszeiten wei\u00df man Br\u00fcder und Schwestern im Glauben doppelt und dreifach zu sch\u00e4tzen. Im Predigerbuch steht der beherzigenswerte Satz: \u201eEiner mag \u00fcberw\u00e4ltigt werden, aber zwei k\u00f6nnen widerstehen, und eine dreifache Schnur rei\u00dft nicht leicht entzwei\u201c (Pred 4,12). Der erste Hinweis, wie man sich als Christ auf Leidenszeiten vorbereiten kann, besteht also darin, rechtzeitig christliche Freundschaften zu pflegen, damit man in der Not nicht allein ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Im Hinblick auf den \u201eungef\u00e4rbten Glauben\u201c, den der Apostel an Timotheus sch\u00e4tzt (1,5), ermahnt er ihn, die \u201eGabe Gottes\u201c zu erwecken, die ihm durch Handauflegung zugesprochen worden ist (1,6). Vers 7 zeigt, was damit gemeint ist. Es ist der Heilige Geist, dessen sich Timotheus immer wieder neu bewusst sein soll. Er soll nicht andauernd neu um den Heiligen Geist bitten \u2013 denn er hat ihn ja \u2013, sondern ihn aktivieren, indem er sich von ihm leiten l\u00e4sst. Gerade im Leiden um Christi willen ist der Heilige Geist unverzichtbar. Wie k\u00f6nnte man sonst zu solchen harten F\u00fcgungen Gottes Ja sagen? Wie k\u00f6nnte man \u201eFreude in allem Leide\u201c haben, um ein bekanntes Lied zu zitieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint, dass Timotheus angesichts der aufkommenden Glaubensverfolgungen, aber auch angesichts der riesigen Aufgaben, die als Nachfolger des Paulus in Kleinasien auf ihn zukamen, verzagt und angstvoll war. Wie ermutigt man in Angst gefallene Christen? Eine in Coronazeiten sehr aktuelle Frage! Indem man sie an den Heiligen Geist erinnert, den jeder Christ bekommen hat, als er sich Jesus Christus zuwendete, und indem man ihnen sagt, dass der Heilige Geist g\u00f6ttliche Kr\u00e4fte, g\u00f6ttliche Liebe und ein besonnenes Wesen vermitteln kann (1,7). Kraft, Liebe und Besonnenheit sind in der Tat Ausstattungen, die leidende Christen dringend brauchen. Es gibt ein Buch eines ehemaligen sowjetischen Soldaten, Sergej Kourdakow, in dem er nach seiner Flucht aus der Sowjetarmee beschreibt, wie er durch eine Christin, Natascha, die er bei einer Razzia entdeckt und geschlagen hat, zum Glauben gekommen ist. Sie blickte ihn trotz der Schl\u00e4ge voller Liebe an, und das hat ihn innerlich verwandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 1,10 spricht Paulus nicht zuf\u00e4llig vom Heiland \u201eChristus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Wesen ans Licht gebracht hat\u201c. Der Heilige Geist tr\u00f6stet leidende Christen, indem er ihnen einen festen Blick auf den todes\u00fcberwindenden Christus gibt. In 2,10 bezeugt der Apostel, dass er all die Nachstellungen, Schl\u00e4ge und Gefangenschaften willig erduldet \u201eum der Auserw\u00e4hlten willen\u201c. Auch das schenkt der Heilige Geist, dass Christen trotz des Unrechts, das ihnen angetan wird, an andere denken k\u00f6nnen, die das Heil Gottes brauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) In der zweiten H\u00e4lfte des 2. Kapitels ermahnt Paulus seinen Mitarbeiter dreimal dringend, sich von unn\u00fctzen Wortstreitereien, t\u00f6richten Fragen und ungeistlichem Geschw\u00e4tz fernzuhalten. Das ist die Vorsorge f\u00fcr Leidenszeiten, dass man sich im Umgang mit anderen auf das Wesentliche konzentriert. Wohl dem, der ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr hat, welche Gespr\u00e4chsthemen Glaube, Liebe und Hoffnung st\u00e4rken und welche nur Streitpotential haben. Gegenw\u00e4rtig erleben wir viel Streit in den Familien und Gemeinden \u00fcber den richtigen Umgang mit dem Corona-Virus. Wer hier unbesonnen argumentiert, riskiert Br\u00fcche, Verletzungen und Spaltungen, die nur schwer zu heilen sind. Da tut die Konzentration auf das Wesentliche not: Was will uns Gott durch dieses Virus sagen? Wo sind wir vor ihm schuldig geworden? Wie bekomme ich ein freies Gewissen? Sind wir uns unserer himmlischen B\u00fcrgerschaft gewiss, wenn wir diese Welt verlassen? Wie k\u00f6nnen wir angeschlagene und verzweifelte Menschen tr\u00f6sten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.) Sehr ern\u00fcchternd ist der erste Teil des 3. Kapitels (vgl. auch 4,3 und 4). Es wird nicht besser mit der Welt, sondern schlechter. Die Gottlosigkeit und die Blindheit gegen\u00fcber dem Evangelium nehmen zu. Timotheus soll sich nicht wundern, wenn er auf eine wachsende Ablehnung des Evangeliums st\u00f6\u00dft. In der heilsgeschichtlichen Schau des Paulus haben mit Tod und Auferstehung Jesu die \u201eletzten Tage\u201c begonnen. Und das bedeutet \u201eschlimme Zeiten\u201c. Man kann es vielleicht auch so sagen: Je mehr das Evangelium verk\u00fcndigt wird, desto mehr kommt die Bosheit der Menschheit ans Tageslicht. Paulus spricht hier vom wachsenden Stolz der Menschen, von wachsender Habsucht, Gottlosigkeit und Lieblosigkeit. Der wilde Egoismus feiert Triumpfe. Und das Infame: \u00e4u\u00dferlich halten die Menschen an frommen Ritualen fest und halten sich selbst f\u00fcr gut und fromm. Aber die lebensver\u00e4ndernde Kraft des Evangeliums haben sie nie erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Nachkriegseuropa bietet viel Anschauungsmaterial f\u00fcr diese prophetische Diagnose. Die Ersch\u00fctterung durch den Krieg und seine Folgen brachte den Trend zum B\u00f6sen vor\u00fcbergehend zum Stillstand. Die Kirchen waren voll. Viele Menschen in Deutschland erkannten, dass sie einer riesigen Verf\u00fchrung auf den Leim gegangen waren, und etliche \u00f6ffneten sich f\u00fcr das Evangelium. Das Grundgesetz mit seinem Gottesbezug in der Pr\u00e4ambel und seiner Achtung vor den Zehn Geboten entstand. M\u00e4nner wie Robert Schuman (1886-1963) arbeiteten mit Erfolg an der Vers\u00f6hnung der durch die beiden Weltkriege verfeindeten europ\u00e4ischen V\u00f6lker. Doch in dem Ma\u00dfe, in dem die Erinnerung an den Krieg, seine Ursachen und Folgen zur\u00fcckging, setzte der von Paulus angek\u00fcndigte Trend zum B\u00f6sen wieder ein. Geld und Wohlstand wurden f\u00fcr viele Menschen in Europa zum wichtigsten Lebenskompass. Die christlichen Kirchen bem\u00fchten sich mehr um staatliche Privilegien und politischen Einfluss als um die Verk\u00fcndigung des lebensver\u00e4ndernden Evangeliums, weil sie durch die Bibelkritik verunsichert und gel\u00e4hmt waren. In das geistige Vakuum trat die 68er Bewegung mit ihrer Autorit\u00e4tskritik und Vernunfth\u00f6rigkeit und bestimmt bis heute das geistige Klima.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einigungsprozess Europas kam am Anfang des neuen Jahrtausends ins Stocken, als es nicht gelang, eine europ\u00e4ische Verfassung ins Leben zu rufen. Die zunehmende S\u00e4kularisierung insbesondere der mittel- und westeurop\u00e4ischen V\u00f6lker hat die Erinnerung an den urspr\u00fcnglichen Aufbruch Europas aus dem Geist des Christentums vergessen lassen. Die Ersatzvereinbarung, der Vertrag von Lissabon von 2009, enth\u00e4lt kein Bekenntnis zu den christlichen Wurzeln Europas und keinen Gottesbezug, sondern nur vage Hinweise auf \u201edas kulturelle, religi\u00f6se und humanistische Erbe Europas\u201c. Das heutige von seinen christlichen Wurzeln getrennte Europa erweist sich als unf\u00e4hig, die demographischen, \u00f6konomischen und migrationsbedingten Probleme zu l\u00f6sen. Neuerdings nehmen die zentrifugalen Kr\u00e4fte zu, nachdem die EU schon mit dem Vereinigten K\u00f6nigreich ein wirtschaftlich potentes Mitglied verloren hat. Der weltpolitische Einfluss Europas schwindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo aber der christliche Glaube seine charakterpr\u00e4gende und lebensver\u00e4ndernde Kraft verliert, setzt der von Paulus in 2 Tim 3,1-9 vorhergesagte Trend zum B\u00f6sen verst\u00e4rkt ein. Die Gottlosigkeit wird normal. Die Ideologieanf\u00e4lligkeit des Menschen nimmt zu. Nur wenige kommen noch zur \u201eErkenntnis der Wahrheit\u201c (2 Tim 3,7). Christen werden in einer solchen Kultur allm\u00e4hlich zu Fremdk\u00f6rpern und m\u00fcssen mit Ablehnung, Diskriminierung und Verfolgung rechnen. Es geh\u00f6rt zur Vorsorge f\u00fcr Leidenszeiten, dass man diesen Entwicklungen n\u00fcchtern ins Auge schaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5.) Die f\u00fcnfte Vorsorgema\u00dfnahme ist ein beherztes Festhalten bzw. neues Ernstnehmen der kompletten apostolischen Lehre. Man sp\u00fcrt die kolossale Erleichterung bei Paulus, wenn er an Timotheus schreibt: \u201eDu aber bist mir gefolgt in der Lehre\u201c (3,10). In ihm hatte er jemand gefunden, der sich nicht f\u00fcr kl\u00fcger hielt als sein Lehrer. Bei ihm wusste er, dass er nicht nur \u00fcber eine gute Bibelkenntnis verf\u00fcgte, sondern dass er die biblischen Schriften auch als pers\u00f6nliche Heils- und Errettungsbotschaft ansah (3,15). Deswegen wusste er auch, dass Timotheus von ihrem g\u00f6ttlichen Ursprung \u00fcberzeugt war. Die ganze Schrift ist \u201egottgehaucht\u201c, bekr\u00e4ftigt er in 3,16a.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist f\u00fcr uns Christen im 21. Jahrhundert besonders wertvoll, dass Paulus diese gro\u00dfartige Tatsache des g\u00f6ttlichen Ursprungs der Bibel so deutlich bekr\u00e4ftigt hat, denn viele sind hinsichtlich des Ursprungs, des Wertes und der Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift unsicher geworden. Und auch was der Apostel im selben Satz noch \u00fcber die umfassende geistliche Bedeutung der Bibel sagt, gilt es wiederzuentdecken. Sie ist n\u00fctzlich und notwendig als \u201eLehre\u201c. Lehre ist hier keineswegs nur als Kompendium von Lehrs\u00e4tzen gemeint. Jesus war \u201eLehrer\u201c, aber er hat seine Lehre nicht als Vermittlung von Lehrs\u00e4tzen verstanden, sondern hat mit seinen J\u00fcngern ein Leben unter Gottes Regie einge\u00fcbt. Lehre, richtig verstanden, ist n\u00e4mlich Leib- und Seelsorge am anderen. Ein Lehrer im biblischen Sinn lebt und leidet mit seinen Sch\u00fclern, er ist leidenschaftlich daran interessiert, ihnen eine Lebenspraxis aus der Kraft und F\u00fchrung des Heiligen Geistes zu vermitteln. In diesem Sinn ist auch die Bibel \u201eLehre\u201c. Der lebendige Gott will durch dieses Wort als guter Hirte die Menschen durch Leben und Sterben und Auferstehen hindurch \u201eauf rechter Stra\u00dfe\u201c f\u00fchren (Ps 23,3). Wie macht er das? Erstens indem er sie \u201e\u00fcberf\u00fchrt\u201c, also ihnen ihre S\u00fcndhaftigkeit und ihr Angewiesensein auf Vergebung zeigt. Zweitens indem er sie \u201ebessert\u201c, d.h. ihnen zeigt, dass sie im Vertrauen auf seine Hilfe ein neues Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Und drittens, indem er sie \u201ezur Gerechtigkeit erzieht\u201c, also zu einem Leben anleitet, wie es Gott gef\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Vorsorge f\u00fcr Leidenszeiten geh\u00f6rt es unbedingt, dass wir es lernen, uns unter die Heilige Schrift zu beugen und uns nicht \u00fcber sie stellen. Unter dem Einfluss der Bibelkritik, die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von den meisten evangelischen Kirchen akzeptiert wurde, ist es bis weit in evangelikale Gruppen hinein zu einer Aufweichung der reformatorischen Dogmatik und Ethik gekommen. Die biblische Lehre von der Dreieinigkeit Gottes, von der Pr\u00e4existenz des Sohnes Gottes, von der Jungfrauengeburt Jesu, vom stellvertretenden S\u00fchnetod Christi, vom Wert der gottesdienstlichen Versammlungen, von der absoluten Priorit\u00e4t des menschlichen Lebens von der Zeugung an bis zum Tod, von der Unterschiedlichkeit der Geschlechter, von der g\u00f6ttlichen Stiftung der Ehe von Mann und Frau, von der Gefahr der Habgier und von der geistlichen Pflicht zur Wahrhaftigkeit ist von evangelischen Kanzeln wenig oder nichts zu h\u00f6ren. Da ist eine Neubesinnung und Umkehr n\u00f6tig, wenn Christen f\u00fcr kommende Leidenszeiten gefestigt sein wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6.) Im vierten Kapitel des 2. Timotheusbriefs f\u00e4llt an einer Stelle die Vergebungsbereitschaft des Apostels gegen\u00fcber dem Versagen von Freunden und Mitarbeitern auf. In V. 16 hei\u00dft es \u201eBei meinem ersten Verh\u00f6r stand mir niemand bei, sondern sie verlie\u00dfen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet\u201c. Paulus steht vor seiner Hinrichtung (4,6). Da will er seine Seele nicht unn\u00f6tig beschweren mit unliebsamen Erinnerungen und Erfahrungen mit anderen Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ein Ja finden will zum Leiden um Christi willen, sollte die f\u00fcnfte Vaterunserbitte beherzigen: \u201eVergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern\u201c. Solange wir vergebungsunwillig sind und Vorbehalte und Vorw\u00fcrfe gegen andere mit uns herumtragen, belasten wir uns und schm\u00e4lern den Segen Gottes \u00fcber unserem Leben. Wir brauchen ja selber die Vergebung Gottes f\u00fcr alle die t\u00e4glich neu anfallenden Lieblosigkeiten, Herzensverh\u00e4rtungen und geistlichen Vers\u00e4umnisse. Wenn Gott aber seinen Vergebungswillen an unsere Bereitschaft zur Vergebung koppelt, dann muss es zu unserer geistlichen Hygienearbeit geh\u00f6ren, den Menschen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Wie wollen wir leidensf\u00e4hig und leidensbereit werden, wenn wir an dieser Stelle nicht bereit sind, unserem Herrn zu folgen, der selbst in Todesqualen seinen Peinigern noch vergeben hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7.) Schlie\u00dflich geh\u00f6rt zur Leidensbereitschaft auch die Zuversicht, dass uns der Herr im Leid nicht allein l\u00e4sst und st\u00e4rken wird. Paulus bezeugt diese Erfahrung: \u201eDer Herr aber stand mir bei und st\u00e4rkte mich\u201c (4,17). Von einer \u00e4thiopischen Christin berichtete ein Besucher, der mit ihr gesprochen hat: In den Verfolgungsjahren kamen Regierungslastautos in die D\u00f6rfer, und die Soldaten forderten \u00fcber Lautsprecher die Christen auf, ihrem Glauben \u00f6ffentlich abzuschw\u00f6ren. Gleichzeitig drohten sie allen denen, die dazu nicht bereit sein w\u00fcrden, das Gef\u00e4ngnis an. Sie wollte ihren Glauben nicht verleugnen und wurde gefangengenommen. Aus der v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Frauenzelle wurde eine Frau nach der anderen zum Verh\u00f6r geholt, das mit Peitschenhieben vollzogen wurde. Die anderen Insassen beteten. Als sie dran war, hat sie ein Wunder erlebt. Sie sp\u00fcrte noch den ersten Hieb, aber dann legte sich eine Art Mauer um sie herum, so dass sie bei vollem Bewusstsein nichts mehr sp\u00fcrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus f\u00fcgt dem Zeugnis noch seine pers\u00f6nliche Zuversicht hinzu: \u201eDer Herr aber wird mich erl\u00f6sen von allem \u00dcbel und mich retten in sein himmlisches Reich\u201c (4,17). So kann man angesichts des eigenen bevorstehenden Todes nicht aus eigener Kraft und Hoffnung reden. Das schenkt der Heilige Geist. Derselbe Geist ist allen gegeben, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben. Es besteht kein Anlass zur Bef\u00fcrchtung, dass dieser Geist nicht die gleiche St\u00e4rkung und Gewissheit denen geben wird, die um ihres Glaubens willen ins Leiden gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: &#8218;Aufbruch&#8216; &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes. November 2021<br \/>\nDer &#8218;Aufbruch&#8216; kann kostenlos bestellt bzw. abonniert werden bei der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: M\u00fchelnstr. 42, 29664 Walsrode (Email: info@gemeindehilfsbund.de; Tel.: 05161-911330)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Christen denken immer noch, dass der christliche Glaube in Europa unangefochten ist und dass das Christentum bei uns einen selbstverst\u00e4ndlichen Platz hat. Wer jedoch die von unseren ma\u00dfgeblichen Parteien gef\u00f6rderte multikulturelle Entwicklung aufmerksam beobachtet, kommt zu anderen Schl\u00fcssen. 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