{"id":1856,"date":"2007-07-13T15:04:41","date_gmt":"2007-07-13T13:04:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1856"},"modified":"2009-09-04T16:05:02","modified_gmt":"2009-09-04T14:05:02","slug":"der-schacher-in-der-barbarei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1856","title":{"rendered":"Der Schacher in der Barbarei"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Schacher in der Barbarei<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gaddafis zynisches Spiel mit den \u00abAIDS-Schwestern\u00bb \u2013 Noch schlimmer: Gaddafis willk\u00fcrlicher Umgang mit der Scharia. Kommt dazu: Die Rechtlosigkeit christlicher Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in islamischen Staaten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gieriger Schacher wie im finstersten Mittelalter um den Freikauf christlicher Sklavinnen in der \u00abBarbarei\u00bb durch den Mercedarier-Orden hat sich in den letzten Tagen aufs Neue in Libyen abgespielt. Mercedarier von heute waren EU-Staaten, denen die Rettung der bulgarischen \u00abAIDS-Schwestern\u00bb vor der Hinrichtung fast eine halbe Milliarde Dollar wert war. Die Frauen wurden vorerst zu lebensl\u00e4nglicher Haft begnadigt. Allerdings dr\u00e4ngte Bulgarien umgehend auf eine Auslieferung in die Heimat, welcher \u00fcberraschend schnell entsprochen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das islamische Strafrecht fragt nicht nach der pers\u00f6nlichen Schuld, es richtet \u00fcber den vorliegenden Tatbestand. Da\u00df den ahnungslosen Schwestern vom maroden libyschen Gesundheitsdienst AIDS-verseuchtes Blut geliefert wurde, ist v\u00f6llig belanglos: Sie haben es transfusioniert. Nach dem Prinzip der Blutrache forderten die Angeh\u00f6rigen der Opfer das Leben der Krankenschwestern und beharrten auf ihrem Tod. Mit einem \u00abBlutpreis\u00bb, der Diya, zur Begnadigung der Bulgarinnen wollten sie sich erst abfinden, nachdem sie und ihre Kindeskinder zu Million\u00e4ren gemacht wurden. Damit war aber Schlu\u00df bei der islamischen Gerechtigkeit: Laut Scharia w\u00e4ren die Schwestern umgehend straffrei und h\u00e4tten gleich freigelassen werden m\u00fcssen. Der Islam kennt nur K\u00f6rper- und kaum Gef\u00e4ngnisstrafen, schon gar keine lebenslangen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorgabe zu dem ganzen Schauproze\u00df hatte Staatschef Muammar Gadhafi selbst geliefert: Hinter dem \u00abVerbrechen\u00bb stecke die CIA oder der Mossad, die an den Kindern ein \u00abExperiment\u00bb versucht h\u00e4tten. Gaddafi verglich das Verfahren gegen die Krankenschwestern mit dem Lockerbie-Proze\u00df: Wegen 270-fachen Mordes beim Anschlag auf eine Pan-Am-Maschine 1988 war der Geheimdienst-Agent Al Meghari 2001 von einem schottischen Gericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Mehrmals brachte Libyen den Vorschlag ins Spiel, den Agenten gegen die Krankenschwestern auszutauschen &#8211; und die Entsch\u00e4digungszahlungen an die Angeh\u00f6rigen der Lockerbie-Opfer mit den Forderungen der Familien der infizierten Kinder zu verrechnen. Also in erster Linie eine regelrechte Geiselnahme, vergleichbar mit den einstigen \u00abRaubgefangenen\u00bb der nordafrikanischen Seer\u00e4uberstaaten, zu deren Loskauf die Ritter und Priester \u00abdella Mercede\u00bb ausgezogen waren oder sich selbst anstelle verheirateter M\u00e4nner oder gar von Frauen und M\u00e4dchen der Sklaverei \u00fcberantwortet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Libyens Dauermachthaber seit 1969, Muamar al-Gaddafi, spielte aber auch aus innenpolitischen Gr\u00fcnden mit der Todesangst der bei ihm eingekerkerten Krankenschwestern: F\u00fcr den politisch immer Erfolgloseren wurde dieser Fall zum Ablenkungsman\u00f6ver von den katastrophalen hygienisch-medizinischen Verh\u00e4ltnissen und allen Schw\u00e4chen seines Regimes. Erst das Einlenken auf Zusammenarbeit mit den USA und der EU, um dem auch ihm drohenden Schicksal eines Saddam Hussein zu entgehen, gab den Bulgarinnen langsam wieder Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Gaddafi war das Ganze jedenfalls ein gutes, wenngleich zynisches Gesch\u00e4ft. Er hat seine Kosten f\u00fcr die Entsch\u00e4digung der Lockerbie-Opfer hereingebracht und sich zugleich f\u00fcr diese ihm vom Westen aufgezwungene Dem\u00fctigung ger\u00e4cht. Angesichts von Millionen AIDS-kranken Kindern in ganz Afrika sind die Dollar-Millionen an die libyschen HIV-Opfer \u2013 so bedauernswert sie sind \u2013 eine Verh\u00f6hnung der anderen Hilfslosen. Haupts\u00e4chlich ein gutes Gesch\u00e4ft f\u00fcr Eltern und Verwandte, sofern der goldene Regen ihnen wirklich bleibt und nicht in die Taschen des Gaddafi-Regimes zur\u00fcckflie\u00dft. So sehr die Begnadigung der Krankenschwestern und ihres Arztes nach \u00fcber acht Jahren Folterhaft jetzt ein Grund zur Freude ist: Dankbarkeit gegen\u00fcber dem libyschen Machthaber w\u00e4re fehl am Platz! Die jungen Frauen bleiben f\u00fcrs ganze Leben von unmenschlichen Haftbedingungen, Folterungen und der Angst vor dem Erschie\u00dfen gezeichnet. Genaueres und sicher Ersch\u00fctterndes von ihren Martern und qu\u00e4lendem Kerkerleben werden wir bald erfahren, da sie nun zur\u00fcck in ihre Heimat gelangten und dort nat\u00fcrlich umgehend auf freiem Fu\u00df waren: Ihr Leben ist genauso zerst\u00f6rt wie das der 426 libyschen Kinder, die in einem Spital von Bengasi Anfang 1999 mit AIDS infiziert worden waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ganze Trag\u00f6die gibt Anla\u00df zum Nachdenken, da\u00df nicht nur die Moslemminderheiten bei uns ihre Probleme und N\u00f6te haben. Gerade in den islamischen \u00d6lstaaten wie Libyen lebt heute ein Heer europ\u00e4ischer Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter. Ihnen kann ohne den bisher fehlenden Rechtsschutz t\u00e4glich das Unheil der Bulgarinnen in Libyen widerfahren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>[Nahostkenner Heinz Gstrein lebte viele Jahre in der arabischen Welt und recherchierte unter anderem f\u00fcr das \u00abEcho der Zeit\u00bb (DRS 1), die NZZ und die KNA. F\u00fcr CSI beobachtet er das Geschehen in islamischen Nationen.]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(CSI-Deutschland 3.8.07)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schacher in der Barbarei Gaddafis zynisches Spiel mit den \u00abAIDS-Schwestern\u00bb \u2013 Noch schlimmer: Gaddafis willk\u00fcrlicher Umgang mit der Scharia. Kommt dazu: Die Rechtlosigkeit christlicher Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in islamischen Staaten.<\/p>\n","protected":false},"author":133,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1856"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/133"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1856"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1856\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}