{"id":18558,"date":"2022-01-01T00:54:06","date_gmt":"2021-12-31T23:54:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18558"},"modified":"2022-01-01T00:54:06","modified_gmt":"2021-12-31T23:54:06","slug":"neujahrspredigt-ueber-luk-221","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18558","title":{"rendered":"Neujahrspredigt \u00fcber Luk 2,21"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Und da acht Tage um waren, da\u00df das Kind beschnitten w\u00fcrde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am heutigen Fest hat man besonders von zwei St\u00fccken zu predigen. Das erste, von der Beschneidung. Das andere, von dem Namen Jesu, von welchem der Evangelist das besonders meldet, wie er vom Engel genannt sei, ehe denn das Kind in Mutterleib empfangen ist. Darum mu\u00df an solchem Namen sehr viel gelegen sein.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen zuerst von der Beschneidung sagen, einen Unterschied machen, nicht wegen des Werkes, sondern der Person wegen, davon man heute predigt, wie sie beschnitten sei. Nun ist aber zwischen der Beschneidung Christi und der anderen Juden so ein gro\u00dfer Unterschied, soweit Himmel und Erde voneinander sind. Ursache, die Personen sind ganz und gar ungleich und unterschieden, wie ihr nachher h\u00f6ren werdet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hat aber die Beschneidung der Juden ihren Ursprung aus der Schrift, wie man im ersten Buch Mosel liest, Kapitel 17,10 ff. Hat dazu auch ihre bestimmte Zeit, wie lange sie w\u00e4hren soll, n\u00e4mlich bis auf Christus. Mit Abraham hat es angefangen. Dem befahl Gott, er und sein Hausgesinde sollten sich beschneiden lassen. Und was von nun an Knaben geboren w\u00fcrden, sollten aller am achten Tag nach der Geburt auch beschnitten werden. Welche nun solch ein Zeichen der Beschneidung an ihrem Leib h\u00e4tten, deren Gott wollte er sein, und sich ihrer annehmen wie seines Volkes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es nicht ohne besonderen Rat Gottes so geordnet, da\u00df nicht allein Abraham, sondern all sein Gesinde im Hause, was m\u00e4nnlich war, sich beschneiden lassen mu\u00dfte, auf das die Juden nicht r\u00fchmten, sie w\u00e4ren allein Gottes Volk. Denn hier nimmt Gott bald im Anfang Abrahams Knechte, welche Heiden waren, auch zu seinem Volk und Kindern an in das Erbe, da Abrahams Blutkinder und Leiberben zugeh\u00f6rten; ja, kommen eher dazu als Isaak, da auf den die Verhei\u00dfung lautet; so sie doch schlechte erkaufte Knechte von den Heiden gewesen sind. Darum d\u00fcrfen sich die Juden nicht so hoch r\u00fchmen. Denn wenn sie die Beschneidung gleich gro\u00df machen, so k\u00f6nnen sie es nicht leugnen, da\u00df Gott zur selben Zeit auch Heiden, die nicht Abrahams Kinder, sondern seine erkauften Knechte waren, berufen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dieser Beschneidung kennen wir heute nicht mehr, denn als die blo\u00dfe Deutung und das Bild des Glaubens. Wie andere Geschichten, die vor\u00fcber und vollbracht sind, auch allein zu dem dienen, da\u00df wir die Beispiele des Glaubens und guter Werke daraus lernen sollen. Die Werke d\u00fcrfen wir nicht tun; dennoch m\u00fcssen wir denselben Gehorsam und Glauben haben, welchen die gehabt, so damals gelebt haben. Also predigen wir von der Beschneidung heutigen Tages auch, nicht darum, da\u00df wir uns sollen beschneiden lassen, denn solches ist vorbei; sondern da\u00df wir bei der Beschneidung lernen Gott gehorsam sein, wie Abraham gehorsam war. Wenn aber Christus nicht gekommen w\u00e4re, so m\u00fc\u00dften wir uns noch heutiges Tages beschneiden lassen, wenn wir uns als Gottes Volk r\u00fchmen lassen wollten. Denn da steht der Befehl klar: \u00abWer nicht beschnitten ist, des Seele soll ausgerottet werden aus meinem Volk.\u00bb Diesen Befehl hat Christus aufgehoben. Befiehlt nun weiter uns, da\u00df wir sein Volk sind, da\u00df wir uns nicht beschneiden, sondern taufen lassen, und glauben sollen, wenn wir Gottes Kinder werden wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Beispiel aber, da\u00df wir aus der alten Beschneidung nehmen, ist dies: Gott l\u00e4\u00dft uns hier sehen, wie n\u00e4rrisch er seine Sache pflegt zu beginnen, wenn man der Vernunft nach richten will. Denn bei den stolzen Heiden ist das ein l\u00e4cherliches und n\u00e4rrisches Ding gewesen, da\u00df je auf Erden gewesen ist, da\u00df Gott die ewige Weisheit, soll dem Menschen so ein l\u00e4cherliches Gebot auflegen (da wir nicht gern von Reden), besonders aber den alten Leuten. Denn Abraham ist bereits 99 Jahre alt, da er dies Gebot empfing.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber so soll es gehen, wie wir im n\u00e4chsten Evangelium auch h\u00f6ren. Alles was Gott vorgibt, da\u00df soll niemand gefallen, jedermann soll dar\u00fcber lachen und f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Narrheit halten. Wiederum, was er nicht vorgibt, und wir f\u00fcr uns selbst tun, ohne seinen Befehl, da\u00df sollte ihm gefallen; so wollten wir es gern haben. Aber Gott will es nicht tun. Da geht es denn, da\u00df die Vernunft sich st\u00f6\u00dft und \u00e4rgert, wie Paulus sagt, 1. Korinther 1,21.: \u00abweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch t\u00f6richte Predigt selig zu machen die, so daran glauben.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist n\u00e4rrischer, wenn die Vernunft urteilen soll, da\u00df sich auch weniger mit ihr reimt, denn das im Abendmal unter dem Brot der Leib Christi, unter dem Wein das Blut Christi soll zur Vergebung der S\u00fcnden gegessen und getrunken werden? Was soll ein Schluck Wein, ein Bissen Brot helfen? So denkt die Vernunft; kann es auch nicht anders denken. Aber Gott will es darum nicht \u00e4ndern. Will es die Vernunft nicht glauben noch annehmen, so mag sie es lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ist es mit der heiligen Taufe auch. Das ein Kind, so nach dem Befehl Christi in das Wasser getaucht, oder damit begossen wird, soll von S\u00fcnden abgewaschen, aus des Teufelsreich in Gottes Reich ger\u00fcckt werden; wie reimt sich das? Wie kannst du es glauben, wenn du das Wort nach hinten setzen willst, und die Sache mit der Vernunft messen und begreifen? Dann w\u00e4re es wohl zu glauben, wenn die S\u00fcnde ein schwarzer oder roter Flecken w\u00e4re; aber weil die S\u00fcnde im Herzen, im Mark und in den Beinen steckt, scheint es, da\u00df Wasser werde langsam hineinkommen und sie abwaschen. Also h\u00e4tte auch Abraham denken k\u00f6nnen, da er den Befehl von der Beschneidung bekam: Lieber, was soll mir das zur Seligkeit helfen, da\u00df ich alter Mann mich beschneiden lassen soll? Was sollte es einem Kind helfen? Oder was ist&#8217;s besser nach der Beschneidung denn zuvor? H\u00e4tte Gott den Leib anders haben wollen, er w\u00fcrde ihn wohl so gemacht haben, da\u00df man nichts davon h\u00e4tte schneiden d\u00fcrfen. Vernunft h\u00e4tte so gesagt; kann auch nichts anderes sagen noch denken, wenn sie am kl\u00fcgsten sein will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wenn man an die Frage kommt: Warum Gott dies oder anderes befohlen habe, so hat der Teufel schon gewonnen; wie man sieht an der Eva im Paradies. Die hatte den Befehl, sie sollte von dem verbotenen Baum nicht essen. Da sie aber solchen Befehl aus den Augen lie\u00df, und h\u00f6rte dem Teufel zu, warum doch Gott solches sollte verboten haben; da ging sie dahin, fiel in den greulichen Ungehorsam, an dem wir noch alle tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum sollen wir aus solchem Befehl von der Beschneidung flei\u00dfig lernen, uns danach richten: Wenn Gott etwas hei\u00dft, sagt oder tut, so sollst du dein Maul halten und auf deine Knie fallen, weiter nichts fragen noch sagen, sondern tun, was er dir hei\u00dft, h\u00f6ren, was er dir sagt, und dir gefallen lassen, was er tut. Denn Gott will von uns nicht gemeistert sein, die wir von Natur Kinder des Zorns, S\u00fcnder und L\u00fcgner sind. Darum ist und sein Rat, Wort und Werk viel zu hoch, da\u00df wir es verstehen k\u00f6nnten. Dazu sind wir noch so blinde, vermessene Narren, die denken, da\u00df sie es nicht allein verstehen, sondern auch wohl noch besser machen k\u00f6nnten. Darum sagt Jeremia wohl: \u00abDes Menschen Herz ist so heillos und t\u00fcckisch, da\u00df es niemand ausgr\u00fcnden kann.\u00bb Weil wir nun solcher Unart von Natur sind, so sollten wir unsere Weisheit bei Seite legen, und in Gottes Sachen und Geboten also denken: Sieht es mich n\u00e4rrisch an, so ist es in Wahrheit keine andere Ursache, denn da\u00df ich ein gro\u00dfer Narr bin, der die g\u00f6ttliche Weisheit nicht verstehen noch fassen kann; denn meine Torheit und Blindheit hindert mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ist nun die alte Beschneidung ein Beispiel eines feinen Glaubens, da\u00df Abraham und seine Knechte \u00fcber solchem Befehl sich nicht entsetzt, sondern demselben sofort nachgekommen sind. Haben nicht gedacht: Ei, es ist ein n\u00e4rrisches Ding, wenn wir Alten uns beschneiden lassen, Gott wird es nicht so meinen, es mu\u00df einen anderen Verstand haben (wie die Sakramentssch\u00e4nder von der Taufe und dem Abendmahl geredet haben). Was will Gott an dem n\u00e4rrischen Ding haben, da\u00df man den Leib beschneiden soll? Wof\u00fcr sollte doch dasselbe gut sein? Solches aber haben sie nicht gedacht; sondern sind dem Befehl nach gekommen, und beschlossen: Weil es Gott so befohlen und so haben will, es sei so n\u00e4rrisch es immer will, so werde ich nicht selig, ich folge denn seinem Befehl, wie er gehei\u00dfen hat. Das also die Beschneidung ein feines Beispiel ist eines festen und rechtschaffenen Glaubens, welchen Abraham und seine Knechte gehabt haben; daraus wir lernen sollen, da\u00df wir dergleichen auch tun, uns unsere Weisheit und Vernunft vom Wort Gottes nicht verf\u00fchren lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses sei von der alten Juden Beschneidung geredet, die nicht l\u00e4nger stehen soll denn als das Gesetz, das ist, bis auf Christus, der es mit dem Gesetz ein Ende gemacht hat. Wie solches fein in dem angezeigt ist, da\u00df die Kinder am achten Tag beschnitten sein mu\u00dften. Denn die Schrift h\u00e4lt die Ordnung da\u00df nach sechs Tagen der Sabbat ist, und der Tag, so auf den Sabbat folgt, ist der achte Tag, da eine neue Woche anf\u00e4ngt. Denn unser lieber Herr Christus hat mit der Beschneidung angefangen zu erf\u00fcllen die Predigt, die von ihm gesagt war, da\u00df er sollte sein ein Heiland und ein Licht f\u00fcr die Heiden, der nicht im kleinen Winkel des Judentums sein Regiment allein f\u00fchren, sondern in aller Welt durch sein Evangelium regieren, uns von allen S\u00fcnden frei machen, da ist er beschnitten worden, und mit seiner Beschneidung der vorigen ein Ende gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe aber am Anfang gesagt, wenn man von der Beschneidung Christi recht wollte reden, so m\u00fcsse man ja so einen weiten Unterschied zwischen der Beschneidung Christi und der Juden machen, als zwischen Himmel und Erde. Denn hier sind die Personen ungleich, ob es wohl einerlei Werk ist. Die Beschneidung, eben wie das Gesetz, war denen gegeben, die S\u00fcnder und des ewigen Todes schuldig waren. Nun aber ist Christus ohne alle S\u00fcnde und ein Herr des Gesetzes, mit dem das Gesetz nicht zu schaffen hat; denn es hat allein mit den S\u00fcndern zu schaffen. Er aber ist kein S\u00fcnder. Da\u00df er nach dem Gesetz eben wie nun ein ander s\u00fcndig Kindlein beschnitten wird, im selben vergreift sich das Gesetz an ihm, mu\u00df deswegen seine Strafe leiden und aufh\u00f6ren. Wenn es Christus h\u00e4tte tun wollen, so h\u00e4tte er das Gesetz wohl mit Gewalt k\u00f6nnen abschaffen und aufheben; denn er ist ja ein Herr des Gesetzes, mit dem das Gesetz nicht zu schaffen hat, darum, da\u00df er ohne alle S\u00fcnde ist. Aber er hat es nicht wollen tun mit Gewalt, sondern mit Liebe und Demut. Solches geschieht nun uns zu gut, da\u00df wir es annehmen und uns tr\u00f6sten sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn f\u00fcr seine Person hat es unser lieber Herr Christus nicht bedurft; ebensowenig er es f\u00fcr seine Person wegen bedurft hat, da\u00df er Mensch geworden ist oder an das Kreuz sich schlagen lie\u00df. Er tut es um unseretwillen; denn wir bed\u00fcrften eines solchen Mannes, der ohne S\u00fcnde w\u00e4re, und f\u00fcr uns das Gesetz erf\u00fcllte und also den Zorn Gottes stillte. Wegen dieser Ursache hat er sich unter das Gesetz getan, schenkt solchen Sieg, den er am Gesetz erlangt hat, uns, da\u00df wir sein brauchen und genie\u00dfen sollen, und fortan all das Recht zum Gesetz durch ihn haben, da\u00df er zum Gesetz hat, da\u00df es uns nicht mehr verdammen noch fangen. Denn wer sich an Christum mit rechtem Glauben h\u00e4lt, der soll durch ihn von solcher Verdammnis erl\u00f6st sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum merke diesen Unterschied wohl; denn da ist alles an gelegen. Abraham mu\u00dfte unter das Gesetz und sich beschneiden lassen; denn er ist ein S\u00fcnder, und deswegen hat das Gesetz einen Anspruch an ihn. Christus aber ist kein S\u00fcnder, er darf deswegen nicht unter das Gesetz; dennoch tut er sich unter das Gesetz, auf das alle, die sich an ihn mit Glauben halten, durch ihn vom Fluch des Gesetzes frei und ledig sein sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen ist das Fest der Beschneidung Christi ein sehr tr\u00f6stliches Fest, da man Grund hat Gott zu loben und zu danken, da\u00df ob wir gleich dem Gesetz durch unsere S\u00fcnden verfallen sind, dennoch solches an unserer Seelen Seligkeit uns nicht schaden, sondern wir durch Christus von dem Fluch des Gesetzes frei und ledig sein sollen, der um unseretwillen den Fluch des Gesetzes getragen und sich dem Gesetz unterworfen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df es aber Not gewesen sei, da\u00df wir von dem Gesetz los und frei werden, lehrt Paulus, 1. Korinther 7,19. \u00abDie Beschneidung ist nichts, sondern Gottes Gebote halten.\u00bb Das sind sehr stolze Worte, den Juden nicht lieb; denn es ist so viel gesagt: Keiner, der beschnitten ist, erf\u00fcllt Gottes Gebot oder h\u00e4lt das Gesetz. Was ist aber das anderes, denn, die beschnitten sind, sind nicht beschnitten; oder, da\u00df ich es noch deutlicher sage: Durch die Beschneidung erf\u00fcllt niemand das Gesetz; niemand wird auch dadurch von S\u00fcnden frei. Denn obgleich die Juden sich beschneiden lassen haben, steht gleich wohl noch Gottes Gebot und Befehl da: \u00abDu sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und ganzem Gem\u00fct.\u00bb Da gib mir einen Menschen, der sich r\u00fchmen k\u00f6nne, da\u00df er es getan habe oder tun k\u00f6nne. Das Gesetz spricht: \u00abDu sollst dich nicht gel\u00fcsten lassen.\u00bb Gibt mir einen Menschen, der sich k\u00f6nne r\u00fchmen, da\u00df er es getan hat oder tun k\u00f6nne. In der Summe: Nimm ein Gebot vor dich, welches du willst, so mu\u00dft du bekennen, da\u00df niemand sei, der es vollkommen gehalten habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was geh\u00f6rt aber f\u00fcr ein Urteil auf solche Leute, die Gottes Gebot nicht halten, ob sie gleich beschnitten sind? Das zeigt Paulus an aus dem f\u00fcnften Buch Mose, da also steht: \u00abVerflucht sei jeder Mann, der nicht bleibt in alle dem, da\u00df geschrieben stehet in diesem Buch des Gesetzes, da\u00df er es tue.\u00bb Schlie\u00dft deswegen, da\u00df alle die, so mit des Gesetzes Werken umgehen, sind unter dem Fluch. Ursache, sie k\u00f6nnen es nicht halten. Denn so man das Gesetz k\u00f6nnte halten, so h\u00e4tte es nicht Not. Weil man es aber nicht halten kann, so folgt, da\u00df das Gesetz uns verklagt, w\u00fcrgt, dem Teufel gibt, und in die H\u00f6lle st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum mu\u00df man eine h\u00f6here und bessere Predigt haben, die uns mehr gebe, denn das Gesetz, welches mir nicht kann, denn da\u00df es gebietet: Wir sollen Gott von ganzem Herzen lieben, unseren N\u00e4chsten, wie uns selbst, auch wenn er uns Leid tut und wir uns gern r\u00e4chen wollten. Da wird aber nichts aus. Die Natur regt sich mit Zorn, Unwillen, Ungeduld, Ha\u00df, Leid, Hoffart. Darum ist niemand, der solche Predigt k\u00f6nne Folge tun. Und ob man schon so viel tut, als m\u00f6glich ist, so k\u00f6nnen wir doch damit vor Gott nicht bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df ist nun die Ursache, da\u00df ein H\u00f6herer und Gr\u00f6\u00dferer kommt, n\u00e4mlich Christus, der Sohn Gottes; der ist ohne alle S\u00fcnde, l\u00e4\u00dft sich dennoch beschneiden wie andere S\u00fcnder, gibt sich also in aller Demut unter das Gesetz, da\u00df er es gar aufhebe und uns davon freimache, die wir nicht konnten solche Last tragen, mu\u00dften deswegen unter dem Fluch und Zorn Gottes bleiben. Wie denn nicht allein unserer Erfahrung, sondern auch der Heiligen Propheten Zeugnis am Tag liegt. Denn was h\u00e4tte sonst den heiligen Propheten David Not getan, da er sagt dem 19. Psalm, 13: \u00abWer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler,\u00bb da ich nichts von wei\u00df; also Psalm 143,2: \u00abgehe nicht in das Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein lebendiger gerecht\u00bb; also, Psalm 130, 3: \u00abso du willst, Herr, S\u00fcnde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche und andere mehr Spr\u00fcche zeugen gen\u00fcgend, da\u00df es unm\u00f6glich ist, da\u00df ein Mensch k\u00f6nne sagen, er habe dem Gesetz genug getan, und sei seiner Werke wegen dem Zorn Gottes entgangen. Weil nun das Gesetz uns derma\u00dfen gefangen h\u00e4lt und l\u00e4\u00dft uns nicht vor Gott, sondern hindert viel mehr solche Zuversicht, die wir zu Gott haben sollten: so folgt, wo wir vor Gott wollen, da\u00df wir etwas H\u00f6heres denn die Gesetzes Predigt haben m\u00fcssen, n\u00e4mlich die Predigt des heiligen Evangelium, in welcher unser lieber Herr Christus den Juden und uns verk\u00fcndigen l\u00e4\u00dft, da\u00df wir unserer S\u00fcnden wegen verdammt sind. Und hilft die Juden nichts, da\u00df sie beschnitten sind; denn solche Beschneidung macht nicht von S\u00fcndern frei; wie die Propheten sagen, ob sie gleich am Leib beschnitten sind, da\u00df doch das Herz unbeschnitten und unrein sei. Das aber entledigt uns, da\u00df das Evangelium weiter predigt, wie unser lieber Herr Christus, welcher dem Gesetz nicht schuldig, sondern ohne S\u00fcnde war, dennoch sich unter das Gesetz gegeben und sich beschneiden lassen habe, auf das er eine Ursache zum Gesetz gewinne, und zu ihm sagen kann: H\u00f6rst du, Gesetz, du machst mich zum Knecht, so ich doch dein Herr bin; darum mu\u00dft du mir wieder dienen, mein Knecht und Gefangener wieder sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Recht nun, da\u00df unser lieber Herr Christus zum Gesetz hat seiner Person wegen, da\u00df schenkt er mir und dir; und nimmt dem Gesetz sein Recht, da\u00df es wider uns, als die armen S\u00fcnder, hat; spricht uns davon frei und los. Doch nicht darum, da\u00df wir nichts tun, und leben sollen, wie wir wollen; sondern also, da\u00df wo wir nicht getan haben, was wir sollen, solches uns vergeben und nicht zugerechnet und an unserer Seligkeit nicht schaden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen d\u00fcrfen die, so an Christus glauben, nichts von der Beschneidung. Denn sie sind nicht allein von solchen und anderen Beschwerungen des Gesetzes befreit, sondern haben Vergebung aller S\u00fcnden und Verhei\u00dfung des ewigen Lebens durch Christum. Darum k\u00f6nnen sie r\u00fchmen und sagen: Das Gesetz hilft mir nicht, die Beschneidung auch nicht; das aber hilft, da\u00df ich glaube, da\u00df Christus beschnitten ist; denn solches ist um meinetwillen geschehen, da\u00df ich einen B\u00fcrgen habe, der f\u00fcr mich die Schuld tr\u00e4gt, welcher Schuld mich das Gesetz, meiner S\u00fcnden wegen, \u00fcberweisen kann. Darum will ich seiner Unschuld mich tr\u00f6sten und sprechen: Das Gesetz ist eine Zeitlang gleich wie ein Herr im Himmel gewesen; denn es hat uns Menschen vor Gott verklagt; das haben wir m\u00fcssen also leiden. Uns geschah auch nicht Unrecht, weil wir die S\u00fcnden nicht leugnen konnten. Aber jetzt ist es umgekehrt, weil wir durch die Beschneidung von Christi von der Beschneidung und dem Fluch des Gesetzes erl\u00f6st sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit meiner Beschneidung, mit meiner Liebe zu Gott und zu den Menschen, mit meinem Gehorsam ist es nicht ausgerichtet, da will ich nicht drauf hoffen, noch mich darauf verlassen. Alle meine Zuversicht aber, Trost und Trotz soll das sein, da\u00df Christus gehorsam, unschuldig und heilig ist. Solche Zuversicht und Hoffnung wird mir nicht fehlen; denn es ist ein gewisser Trost und fester Schirm. Ehe ich den hatte, meinte ich, ich m\u00fc\u00dfte dran und das Gesetz erf\u00fcllen, oder verdammt sein. Nun aber wei\u00df ich, da\u00df es eine unm\u00f6glich Ding ist, mir und allen Menschen, die wir solche Last nicht k\u00f6nnen tragen. Christus aber hat sie von uns auf sich genommen, sich unter das Gesetz geworfen und daselbst mit der Beschneidung angefangen, auf das er es erf\u00fcllt und nichts zur\u00fcck lie\u00dfe, da\u00df Gott uns armen S\u00fcndern zum Gehorsam aufgelegt hat; solches ist mein Herz und Trost.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich soll wohl meinen alten Adam z\u00e4hmen und dahin halten, da\u00df er tue, was er soll, denn sonst w\u00e4re ich ein ungehorsames Kind. Aber es l\u00e4uft \u00fcber die ma\u00dfen viel Ungehorsam bei mir. Wir tun viel, da\u00df wir lassen sollten; lassen viel, da\u00df wir tun sollten; h\u00e4ufig fallen wir auch noch in grobe, schreckliche S\u00fcnde. Hier es kein anderer Trost, denn da\u00df wir fliehen unter diesen Schirm, der da hei\u00dft: \u00abChristus hat sich unter das Gesetz getan\u00bb; und sollen uns tr\u00f6sten, was unserem Gehorsam mangelt, da\u00df es Christus erf\u00fcllt habe. Denn mit uns wird es nie dahin kommen, da\u00df wir alles tun, was wir sollen, wie Paulus sagt: \u00abIch habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, da\u00df da widerstrebt dem Gesetz in meinem Gem\u00fct, und nimmt mich gefangen in der S\u00fcnden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.\u00bb Das ist so viel gesagt: Ich mu\u00df tun, was das Fleisch will; aber nach dem Glauben tue ich es nicht, sondern es ist mir leid, bin nicht so gern gefangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also wird nun die christliche Gerechtigkeit ganz, da\u00df ich mich erkenne f\u00fcr einen armen S\u00fcnder, der ich dem Gesetz nie genug tun kann. Aber darum verzweifle ich nicht. Denn hier sehe ich, da\u00df mein Herr Christus sich meiner angenommen, und f\u00fcr mich unter das Gesetz gegeben und dem Gesetz genug getan hat. Darum folgt weiter, da\u00df ein solches Herz sagen mu\u00df: Ei, hat das mein Gott um meinetwillen getan? Sollte ich denn nicht auch solchen gn\u00e4digen Gott lieb haben? Sollte ich mich seines Willens nicht von Herzen flei\u00dfigen und wiederum auch tun, was ihm lieb ist? Also wird man lustig und freundlich gegen Gott, und folgt die rechte Erf\u00fcllung des Gesetzes, die nicht gezwungen, sondern willig ist. Ob nun gleich solche Erf\u00fcllung, des Fleisches wegen, noch nicht ganz und unvollkommen ist, so l\u00e4\u00dft es sich Gott doch gefallen, um des Glaubens willen an Christus. Denn was noch unrein und unvollkommen daran ist, da\u00df geh\u00f6rt unter den Deckel und unter den Schirm der Vergebung der S\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ihr Lieben, habt jetzt von zweierlei Beschneidung geh\u00f6rt. Die erste hat Gott geboten, und bis auf Christus haben die Juden sich unter solche Beschneidung, eben wie unter das Gesetz, mit dem Gehorsam m\u00fcssen geben. Aber damit sind sie noch nicht selig geworden. Denn niemand hat jemals dem Gesetz k\u00f6nnen genug tun. Darum, obwohl die Beschneidung da gewesen ist, so hat doch nichts desto weniger das Gesetz alle Juden verklagt und vor Gott verdammt. Dadurch aber wird man selig und heilig, da\u00df man Christus hat, der sich unter das Gesetz gegeben und den Fluch von uns genommen hat. Die Juden nun, so solches geglaubt und ihre Seligkeit auf den verhei\u00dfenen Samen gestellt haben, denen ist die \u00e4u\u00dferliche Beschneidung ein Siegel gewesen, da\u00df sie vor Gott gerecht sind, nicht der Beschneidung, sondern des Glaubens wegen an Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum ist das Fest von der Beschneidung Christi ein tr\u00f6stliches Fest, an welchen wir lernen, wenn wir vor Gott kommen sollen, da\u00df wir sagen: Herr, du hast den Juden die Beschneidung geboten; den Juden und uns allen hast du geboten, wir sollen dich von ganzem Herzen lieb haben, unseren N\u00e4chsten wie uns selbst: aber, lieber Herr, ich habe es leider nicht getan, und kann es auch nicht tun, da\u00df ich darum nach meinem Verdienst, verloren und ewig verdammt sein m\u00fc\u00dfte. Aber das ist mein Trost und Schirm, dahinter fliehe ich mich: Dein lieber Sohn Christus Jesus, mein Herr, hat sich unter das Gesetz gegeben, und sich beschneiden lassen, ein anderer S\u00fcnder, und also deinen Willen vollkommen getan; denn sonst h\u00e4tte er sich nicht, wie ein anderes Kind, am achten Tage beschneiden lassen. Solches ist um meinet- und aller S\u00fcnder willen geschehen, und uns geschenkt und zu eigen gegeben. Denn seiner Person wegen h\u00e4tte er es nicht bedurft. Darum nehme ich mich dieses an, und bitte dich, lieber himmlischer Vater, wollest mir um seinetwillen gn\u00e4dig sein, und mich seiner Fr\u00f6mmigkeit und Heiligkeit genie\u00dfen lassen. Das also jedermann lerne auf die Heiligkeit und Unschuld unseres lieben Herrn Christus vertrauen; so fahren wir gewi\u00df, und wird weder S\u00fcnde noch Tod gegen uns siegen. Da\u00df verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Und da acht Tage um waren, da\u00df das Kind beschnitten w\u00fcrde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward.&#8220; Am heutigen Fest hat man besonders von zwei St\u00fccken zu predigen. Das erste, von der Beschneidung. 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