{"id":1852,"date":"2005-11-13T14:57:59","date_gmt":"2005-11-13T12:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1852"},"modified":"2009-09-07T16:26:45","modified_gmt":"2009-09-07T14:26:45","slug":"christus-in-weisrusland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1852","title":{"rendered":"Christus in Wei\u00dfru\u00dfland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christus in Wei\u00dfru\u00dfland<br \/>\nBericht \u00fcber eine Reise im November 2005<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Begegungen im Flugzeug<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast w\u00e4ren mir die Ohren abgefallen. Die alte AN 24-Propellermaschine, die mich von Berlin nach Minsk brachte, hatte mindestens schon 25 Jahre auf dem Buckel und war \u00fcbel laut. Bei mir dr\u00f6hnte noch alles, als ich nach 2 1\/2 Stunden Flug in der wei\u00dfrussischen Hauptstadt ausstieg.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer von uns 6 (!) Passagieren beschwerte sich dann auch lautstark: &#8222;Die m\u00fcssen sich mal &#8217;ne neue Maschine kaufen. Da geht man ja kaputt!&#8220; Als wir auf unser Gep\u00e4ck warteten, fragte ich, wie oft er denn schon in Wei\u00dfrussland gewesen w\u00e4re: &#8222;Naja, erst ein paar Mal. Ich bin auch nur drei Tage hier und besuche meine Frau. Das hei\u00dft, sie ist noch nicht meine Frau. Sie ist Wei\u00dfrussin und ich will sie heiraten. Aber ich warte noch auf die Zustimmung der deutschen Beh\u00f6rden. Das dauert schon 4 Monate. Was haben die f\u00fcr Ahnung! Was wollen die da pr\u00fcfen? Auch bei meiner fr\u00fcheren Frau aus der Mongolei hat das so lange gedauert.&#8220; Dieser Mann schien einen ziemlichen Bedarf an Importfrauen aus dem Osten zu haben. Leider war er dann schnell verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders ging es auf dem R\u00fcckflug mit meinem Nachbarn &#8211; einem Professor, der vieles studierte und sich mit vielem besch\u00e4ftigt. Zur Zeit beliest er sich gerade \u00fcber fern\u00f6stlichen Religionen. Er meinte, dass das mit dem Christentum und unserem Denken nur mit unserer Kultur hier zusammen h\u00e4ngen w\u00fcrde. Das ist ja die Meinung vieler Menschen, dass der Glauben doch nur kulturell bedingt sei und Namen &#8222;Schall und Rauch&#8220; sind, d.h. es nicht nur den einen gibt, der uns von S\u00fcnde und ewigem Tod erretten kann. Ich gab ihm ein Lukas-Evangelium. So kamen wir ins Gespr\u00e4ch und vereinbarten, uns gelegentlich mal wieder zu einem Kaffee zu treffen. Schlie\u00dflich hat er nicht weit von uns entfernt ein Wochenendhaus\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Arbeit unter Studenten und Akademikern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wei\u00dfrussische christliche Studentenbewegung CCX arbeitet seit mehr als 10 Jahren unter Studierenden. Nach einem Gottesdienst in der Spasenje-Gemeinde in Brest kam eine hauptamtliche Mitarbeitertin der CCX zu mir und wir unterhielten uns \u00fcber ihren Dienst. Sie ist f\u00fcr die zwei Unis in Brest mit ca. 20.000 Immatrikulierten zust\u00e4ndig. An den Bibelkreisen nehmen 20 bis 30 junge Leute teil. So gut wie alle gl\u00e4ubigen Studenten, die sich zur CCX-Gruppe z\u00e4hlen, geh\u00f6ren zu dieser Spasenje-Gemeinde. Ich machte ihr Mut, in der Gemeinde die Belange der Studentenarbeit zu erl\u00e4utern, Gebetsanliegen weiter zu geben und \u00fcber Treffen und besondere Ereignisse zu berichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Vladimir Golikov war \u00fcber ca. 2 Jahre teilzeitlich f\u00fcr die CCX angestellt. Er ist der Mann, der wie kaum ein anderer sich vor allem um die Belange derer k\u00fcmmert, die ihr Studium beendet haben. Er nimmt zu Gemeindeleitern Kontakte auf, erl\u00e4utert das Anliegen, die Intelligenz f\u00fcr Jesus zu gewinnen, ihr denkerische und praktische Hilfe zu vermitteln und organisiert Konferenzen \u00fcber Apologetik, Fragen des gesellschaftlichen Lebens sowie \u00fcber Ehe und Familie. In dieser Arbeit unterst\u00fctzen wir ihn von unserem Verein in Karchow aus durch Gebet und finanzielle Hilfe. Es ist eine Freude zu sehen, wie Gott diesen Dienst segnet und Menschen offen sind, von der Bibel her \u00fcber grundlegende Fragen nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammen mit Volodya fuhr ich am Samstagmorgen kurz nach 4 Uhr morgens zum Bahnhof, um dann per Zug nach Brest zu reisen. Hier organisierte er ein Seminar im Rahmen o.e. Spasenje-Gemeinde zum Thema &#8222;Gemeinde und Gesellschaft &#8211; zwei Welten, zwei Konzepte&#8220;. Dabei ging er an der Bergpredigt entlang und erl\u00e4uterte auf ausgezeichnete Weise den Unterschied zwischen Gemeinde und Gesellschaft im Blick auf Emotionalit\u00e4t, Sexualit\u00e4t, L\u00f6sung von Ehekrisen, menschliche Ehrlichkeit und Freiheit, Selbstachtung und das Verh\u00e4ltnis zu Feinden. Ca. 25 Teilnehmer h\u00f6rten gespannt zu und diskutierten dann anhand von Fragen in Gruppen. Die Veranstaltung fand in dem teilweise bereits zu benutzenden neuen Gemeindehaus statt. Die Gottesdienste am Sonntag waren dann im st\u00e4dtischen Kulturhaus. Das wurde m\u00f6glich, weil der Direktor der Gemeinde zugetan ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Gemeinden leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erinnerte mich an Daniel im Alten Testament, dem der oberste K\u00e4mmerer g\u00fcnstig gesonnen war (Dan 1,9). Als Gemeinde leben wir &#8211; und besonders unsere Glaubensgeschwister in schwierigeren Situationen &#8211; davon, dass uns Menschen g\u00fcnstig gesonnen sind. \u00c4hnlich berichtete mir Moses, unser afrikanischer Freund in Minsk. Sie treffen sich jetzt in einem Haus f\u00fcr Senioren und Invaliden. Es ist zwar im Prinzip verboten, christlichen Gemeinden dort Gastrecht zu gew\u00e4hren. Aber die Hausverwaltung hat kein Geld. So vermietet der Direktor quasi schwarz die R\u00e4ume an Sonn- und Wochentagen an 6 (!) verschiedene protestantische Gemeinden, die \u00fcber keine eigenen Beth\u00e4user verf\u00fcgen. Damit bessert er sein Budget auf. Mir wurde dabei neu klar, dass Jesus in seinem Tun souver\u00e4n ist und auch dort Wege bereiten kann, wo keine zu sein scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinde, die unser aus Liberia stammender Freund Moses in Minsk vor 9 Jahren gegr\u00fcndet hat, w\u00e4chst zahlenm\u00e4\u00dfig nicht so schnell, wie er sich das erhoffte. Er merkt, dass auch Wachstum nach innen n\u00f6tig ist. Dabei versuche ich ihn durch Bibelarbeiten und Predigten zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die messianisch-j\u00fcdische Gemeinde &#8222;Stern von Bethlehem&#8220; freut sich besonders \u00fcber die wachsende Zahl von Kindern, die sich am Sabbath w\u00e4hrend des Gottesdienstes trifft. Auch in diesem Winter will die Gemeinde wieder in 6 Wohnungen &#8222;warme H\u00e4user&#8220; f\u00fcr hungrige und einsame Menschen anbieten. Dort gibt es ein Essen und die M\u00f6glichkeit, sich mit anderen im Warmen zu unterhalten. Auch im Blick auf ein Rehabilitationszentrum f\u00fcr Alkoholiker sind n\u00e4chste Schritte gegangen worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dima Lazouta, den Pastor der Blagowestie-Gemeinde, bei dem ich sonst meist \u00fcbernachtete, traf ich nur zweimal kurz. Er erz\u00e4hlte mir, dass er den Plan habe, dass in den n\u00e4chsten 20 Jahren von der Blagowestie-Gemeinde aus 20 neue Gemeinden entstehen. Es g\u00e4be einige Leute, die bef\u00e4higt w\u00e4ren, von der Muttergemeinde ausgesandt zu werden und eigene, neue Gemeinden zu gr\u00fcnden. Zu diesen z\u00e4hle auch Micha Stepnov, der am Gnadauer Theologischen Seminar in Falkenberg (Mark) ein Jahr studierte und nun Jugendpastor der Blagowestie-Gemeinde ist. Vor Jahren haben wir ihn von unserem Verein in Karchow (Meckl.) aus unterst\u00fctzt, so dass er sein Studium absolvieren konnte. Ich freue mich, dass hier etwas von Frucht sichtbar wird. Er feierte vor ein paar Tagen seinen 30. Geburtstag und am Donnerstagabend, als ich zur Jugendstunde war (von ca. 120 Jugendlichen besucht), gratulierten ihm die Mitarbeiter zu diesem Ehrentag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wohnungs-Not<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Hilfe einige Freunde in Deutschland konnten Anja und Volodya Golikov mit ihren zwei Kindern aus der Einzimmer-Wohnung in eine Vierzimmer-Wohnung umziehen. Sie sind total gl\u00fccklich und haben mir ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlt, wie sie zu dieser Wohnung kamen. Die Wohnungspreise in Minsk sind im Zeitraum von September 2004 bis Juni 2005 um 20.000 US $ (!) gestiegen. Besonders Einraum-Wohnungen sind von dieser Steigerung betroffen. Das h\u00e4ngt zum gro\u00dfen Teil mit der enorm hohen Scheidungsrate in Belarus zusammen (85%). Viele suchen nach einer eigenen Wohnung, auch junge Eheleute, die \u00fcber lange Zeit bei ihren Eltern wohnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr bedr\u00fcckt hat mich die Lebens- und Wohnsituation bei Lilia und Moses Daipleh. Sie leben mit ihren 4 kleinen Jungs (Peter, Kaleb, Joshua und Bright) in einer Zweizimmerwohnung zur Miete. Die Enge, Kartons, die \u00fcberall herumstehen, nur ein kleiner Tisch, der von der K\u00fcche ins Wohnzimmer und von dort wieder in die K\u00fcche getragen wird, keine Tassen zum Trinken, nicht gen\u00fcgend Besteck &#8211; es fehlt an allem. Kinderkleidung, die ich reichlich mitbrachte, wurde mir wie vom Weihnachtsmann aus der Hand genommen. Gott sei Dank ist im Blick auf eine Wohnung &#8222;Land in Sicht&#8220; &#8211; jedoch nicht in Minsk. In Minsk kann sich Moses nicht registrieren lassen, da er hier keine Arbeit hat. Eine Wohnung kann er aber nur dort erwerben, wo er registriert ist. Offiziell darf er als Ausl\u00e4nder (liberianischer Staatsb\u00fcrger) kein Gemeindeleiter sein, so dass das nicht als offizielle Arbeit gelten kann, was er f\u00fcr und in der Gemeinde tut. Als Journalist (seine Ausbildung) findet er keine Arbeit. Er ist mit seiner Frau Lilia in Molodetschno registriert (ca, 80 km Minsk entfernt), dort, wo Lilia herkommt. Hier stellt ihnen der wei\u00dfrussische Staat als kinderreicher Familie eine Neubau-Dreizimmer-Wohnung in einem Wohnblock zur Verf\u00fcgung, die der Staat zur H\u00e4lfte bezahlt. Die andere H\u00e4lfte (18.000 US $) m\u00fcssen Moses und Lilia dann innerhalb von 40 Jahren bezahlen. Das scheint bew\u00e4ltigbar. Nach Abzahlung geh\u00f6rt ihnen dann die Wohnung. Die Miete f\u00fcr eine Wohnung liegt viel h\u00f6her (mind. 200 US $\/Monat). Die besagte Wohnung soll im Dezember oder Januar fertig sein. Fertig hei\u00dft in diesem Fall &#8211; im Rohbau fertig, nur mit Fenstern und Wohnungst\u00fcr ausgestattet. Alles andere, wie Innent\u00fcren. Waschbecken, Flie\u00dfen, Fu\u00dfb\u00f6den, Tapeten m\u00fcssen sie selbst kaufen und verlegen bzw. einbauen (lassen). Das wird noch einmal ca. 5000 US $ kosten. Von M\u00f6beln, die sie nicht haben, ganz zu schweigen. Aber das Positive ist, dass einige Freunde aus Deutschland in dieser Notlage helfen wollen, so dass nach Schl\u00fcssel\u00fcbergabe wirklich mit der Renovierung und dem Einbau der notwendigen Ausstattung begonnen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn dies vielleicht schon die 40. Reise nach Wei\u00dfrussland war (ich habe sie nicht gez\u00e4hlt), profitiere ich immer wieder neu von den Begegnungen mit den Christen dort. Jedes mal gehe ich nach meiner R\u00fcckkehr mit frischem Schwung an die anliegenden Aufgaben hier in Deutschland. Mir wurde wieder klar: Die biblische Botschaft hat Kraft und ver\u00e4ndert Menschen von Grund auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christus in Wei\u00dfru\u00dfland Bericht \u00fcber eine Reise im November 2005 Begegungen im Flugzeug Fast w\u00e4ren mir die Ohren abgefallen. Die alte AN 24-Propellermaschine, die mich von Berlin nach Minsk brachte, hatte mindestens schon 25 Jahre auf dem Buckel und war \u00fcbel laut. 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