{"id":18440,"date":"2021-11-17T21:14:23","date_gmt":"2021-11-17T20:14:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18440"},"modified":"2022-06-06T12:04:56","modified_gmt":"2022-06-06T10:04:56","slug":"beichte-und-vergebung-predigt-zum-buss-und-bettag-ueber-jak-516","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18440","title":{"rendered":"Beichte und Vergebung &#8211; Predigt zum Bu\u00df- und Bettag \u00fcber Jak. 5,16"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Bekennet einer dem anderen seine S\u00fcnde.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kann sein, dass Christen trotz sonnt\u00e4glichem Gottesdienst, gemeinsamen Gebeten, trotz aller Gemeinschaft in der Gemeinde allein bleiben, dass der letzte Durchbruch zur Gemeinschaft nicht erfolgt. Sie kommen zwar als Gl\u00e4ubige in die Gemeinde und haben als \u201eFromme\u201c sch\u00f6ne Gemeinschaft miteinander, aber sie haben keine Gemeinschaft miteinander als \u201eS\u00fcnder\u201c. Jeder muss mit seiner S\u00fcnde selbst zurechtkommen. Und so richtig schwierig wird es, wenn eine fromme Gemeinschaft so tut, als g\u00e4be es unter ihnen keine S\u00fcnde.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Apostel Jakobus legt uns nahe: Bekennet einer dem anderen seine S\u00fcnde. Warum ist das so wichtig und heilsam? Denn wer mit dem Bekennen seiner S\u00fcnde Probleme hat, der hat auch mit der Gnade Gottes Probleme, auch die Glaubensfreude kann dann nicht richtig durchbrechen. Denn die frohmachende, befreiende Botschaft des Evangeliums zielt doch genau auf unsere b\u00f6sen Gedanken, Worte und Werke und auf unseren verlorenen Zustand vor Gott. Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: \u201eDu bist ein gro\u00dfer heilloser S\u00fcnder und nun komm als dieser S\u00fcnder, der du bist, zu deinem Gott, der dich liebt. Er will dich so, wie du bist, er will nicht nur irgendetwas von dir, ein Opfer, ein Werk, sondern er will ganz dich: Gib mir dein Herz! (Spr 23,26). Gott ist zu dir gekommen, um den S\u00fcnder selig zu machen. Freue dich!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Botschaft ist Befreiung durch Wahrheit. Vor Gott kannst du dich nicht verbergen. Vor ihm n\u00fctzt die Maske nichts, die wir vor den Menschen tragen. Er will dich sehen wie du bist, und er will dir gn\u00e4dig sein. Du brauchst dich selbst und deinen N\u00e4chsten nicht mehr zu bel\u00fcgen, du darfst ein S\u00fcnder sein. Danke Gott daf\u00fcr; denn er liebt den S\u00fcnder, aber er hasst die S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Liebe zu den S\u00fcndern kam Gott doch auf die Welt, wurde Mensch, um f\u00fcr den S\u00fcnder zu leben, zu sterben und aufzuerstehen. So hat er die S\u00fcnde besiegt und dem S\u00fcnder \u2013 das sind alle Menschen \u2013 den Weg der Rettung und des Heils gezeigt. Gottes Wort sagt uns: Sie sind allesamt S\u00fcnder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erl\u00f6sung, die durch Christus Jesus geschehen ist. (R\u00f6m3,23f)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist einzigartig, das gibt es in keiner Religion dieser Welt. In das Elend des S\u00fcnders kommt die Barmherzigkeit Gottes, das ist die Wahrheit des Evangeliums. Und nur in dieser Wahrheit kann Gemeinde Jesu Christi leben. Und das ist nicht abstrakte Lehre, sondern geschieht, weil Jesus den Seinen die Vollmacht gegeben hat, das Bekenntnis der S\u00fcnde zu h\u00f6ren und die S\u00fcnde in Seinem Namen zu vergeben: Welchen ihr die S\u00fcnden vergebt, denen sind sie vergeben, welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten (Joh 20,23).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darin liegt das Geheimnis der christlichen Gemeinde. Christus hat uns die Gemeinde zur Gnade gemacht. In der Gemeinde werden uns der Glaubensbruder und die Glaubensschwester zur Gnade. Sie stehen hier an Christi statt. Durch Bekennen und Vergeben der S\u00fcnde begegnet uns das Heil Gottes in unserem Bruder und unserer Schwester.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die christliche Gemeinde und das Leben in ihr sind daher etwas ganz Heilvolles. Denn die S\u00fcnde will den Menschen isolieren. Sie will auch im Verborgenen bleiben und dort wirken und sich ausbreiten. Im Dunkel des Unausgesprochenen vergiftet sie schleichend das ganze Wesen des Menschen. Die S\u00fcnde entzieht ihn der christlichen Gemeinschaft. Und je einsamer der Mensch wird, desto zerst\u00f6render wird die Macht der S\u00fcnde \u00fcber ihm. Und je tiefer die Verstrickung wird, desto heilloser verst\u00e4rkt sich die Einsamkeit. Das ist im wahrsten Sinne ein Teufelskreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Woher geschieht uns Hilfe?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Beichte bricht das Licht des Evangeliums in die Finsternis und Verschlossenheit des Herzens hinein. Die S\u00fcnde muss ans Licht. Alles Heimliche und Verborgene kommt nun an den Tag. Indem das S\u00fcndenbekenntnis im Angesicht des Bruders geschieht, wird jedes \u201esich-selbst-rechtfertigen\u201c aufgegeben. Der S\u00fcnder liefert sich aus, er gibt all sein B\u00f6ses hin, er gibt sein Herz an Gott. Er findet die Vergebung aller seiner S\u00fcnde in der Gemeinschaft Jesu Christi und des Bruders. Die ausgesprochene, bekannte, ins Licht Jesu gebrachte S\u00fcnde hat alle Macht verloren. Sie ist als S\u00fcnde offenbar geworden und gerichtet. Sie vermag den Menschen nicht mehr zu zerst\u00f6ren und kann die Gemeinschaft nicht mehr belasten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist hier, liebe Gemeinde, lediglich von der Beichte unter zwei Christen die Rede. Um die Gemeinschaft mit der ganzen Gemeinde wiederzufinden, bedarf es nicht eines S\u00fcndenbekenntnisses vor allen Gemeindegliedern. In dem einen Glaubensbruder oder der einen Glaubensschwester, dem ich meine S\u00fcnde bekenne und der mir im Namen Jesu meine S\u00fcnde vergibt, begegnet mir schon die ganze Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Hochmut<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schauen wir uns die S\u00fcnde noch etwas n\u00e4her an. Die Wurzel aller S\u00fcnde ist der Hochmut. ICH will f\u00fcr mich sein, ICH habe ein Recht auf mich selbst, auf meine Begierde, meinen Neid und meinen Hass, ICH habe ein Recht auf mein Leben und meinen Tod. Geist und Fleisch des Menschen sind von solchem Hochmut entz\u00fcndet, denn der s\u00fcndige Mensch will so sein wie Gott. Er will in seinem Leben selbst HERR spielen statt Gott HERR sein zu lassen. Er will in Selbstbestimmung leben und nicht als Kind Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb f\u00e4llt die Beichte vor dem Bruder auch so schwer. Sie ist die tiefste Dem\u00fctigung, sie tut weh, sie macht gering, sie schl\u00e4gt meinen Hochmut furchtbar nieder. Im Bekenntnis konkret begangener S\u00fcnden stirbt der alte Mensch unter Schmerzen einen schmachvollen Tod vor den Augen des Bruders. Weil diese Dem\u00fctigung so schwer ist, meinen wir immer wieder, der Beichte vor dem Bruder ausweichen zu k\u00f6nnen. Unsere Augen sind so verblendet, dass sie die Verhei\u00dfung und die Herrlichkeit solcher Erniedrigung nicht mehr sehen. Es ist ja kein anderer als Jesus Christus selbst, der die gr\u00f6\u00dfte Erniedrigung \u00fcberhaupt auf sich genommen hat. Er sch\u00e4mte sich nicht, als \u00dcbelt\u00e4ter f\u00fcr uns gekreuzigt zu werden. Und wir m\u00fcssen schmachvoll sterben in der Beichte, damit wir in Gemeinschaft mit Christus kommen. In dem tiefen geistlich-leiblichen Schmerz der Dem\u00fctigung vor dem Bruder, das hei\u00dft ja: vor Gott selbst, erfahren wir das Kreuz Jesu als unsere Rettung und Seligkeit. Der hochm\u00fctige Mensch mit seinem alten Leben stirbt, aber \u00fcber ihn hat Gott gesiegt. Nun haben wir teil an der Auferstehung Christi und am neuen ewigen Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo S\u00fcnde gehasst, bekannt und vergeben ist, dort ist der Bruch mit der Vergangenheit vollzogen. Das Alte ist vergangen. Wo aber mit der S\u00fcnde gebrochen ist, dort ist Bekehrung. Beichte ist Bekehrung. Siehe, es ist alles neu geworden!, hei\u00dft es dazu im 2. Korintherbrief. Das Leben mit Jesus Christus und seiner Gemeinde hat angefangen oder wieder neu begonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die ersten J\u00fcnger auf Jesu Ruf alles hinter sich lie\u00dfen und ihm nachfolgten, so gibt der Christ in der Beichte alles hin und folgt nach. Beichte ist Nachfolge. In Spr\u00fcche 28,13 steht geschrieben: Wer aber seine Missetat leugnet, dem wird es nicht gelingen. Wer sie aber bekennt und l\u00e4sst, der wird Barmherzigkeit erlangen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Beichte f\u00e4ngt der Christ an, seine S\u00fcnde zu lassen. Ihre Herrschaft ist gebrochen. Von nun an ist der Christ auf dem Weg der Heiligung und darf Sieg um Sieg erringen. Was in der Taufe an uns geschah, das wird uns in der Beichte neu geschenkt. Wir sind errettet aus der Finsternis ins Reich Jesu Christi. Beichte ist die Erneuerung der Tauffreude. Wie auch der Apostel Paulus in R\u00f6mer 6 schreibt: Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Noch eine praktische Frage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich ist es doch komisch, dass uns oft das S\u00fcndenbekenntnis im stillen K\u00e4mmerlein vor Gott leichter f\u00e4llt als vor dem Bruder? Gott ist doch allm\u00e4chtig, heilig und ohne S\u00fcnde, er ist ein gerechter Richter des B\u00f6sen und ein Feind alles Ungehorsams. Der Bruder aber ist doch s\u00fcndig wie wir, er kennt das Dunkel der heimlichen S\u00fcnden aus eigener Erfahrung. Sollten wir daher nicht den Weg zum Bruder leichter finden als zum heiligen Gott? Sollte es uns dennoch leichter fallen unsere S\u00fcnden Gott direkt zu bekennen, so m\u00fcssen wir uns fragen, ob wir es mit unserem S\u00fcndenbekenntnis wirklich ernst meinen. Oder haben wir uns mit unserem S\u00fcndenbekenntnis vor Gott vielleicht selbst get\u00e4uscht und etwas vorgemacht, weil wir in Wirklichkeit unsere S\u00fcnden nicht Gott, sondern nur uns selbst eingestanden haben. Wenn dem so ist, dann haben wir uns aber auch selbst vergeben. Aber das hilft nicht weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch bei dem allgemeinen S\u00fcndenbekenntnis im Gottesdienst besteht die Gefahr, dass ich da mitmache, weil das ja alle tun und ich nicht auffallen will. Auch hierbei kann mir die wirkliche Reue und Bu\u00dfe fehlen und ich nicht wirklich in eine gereinigte Beziehung zu dem lebendigen Gott zu kommen. Und haben nicht die unz\u00e4hligen R\u00fcckf\u00e4lle, hat nicht die Kraftlosigkeit unseres christlichen Gehorsams vielleicht eben darin ihren Grund, dass wir aus einer Selbstvergebung und nicht aus der wirklichen Vergebung unserer S\u00fcnde leben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstvergebung kann aber niemals zum Bruch mit der S\u00fcnde f\u00fchren, das kann nur das richtende und begnadigende Wort Gottes selbst. Der Bruder sprengt alle Selbstt\u00e4uschung. Wer vor dem Bruder seine S\u00fcnden bekennt, der wei\u00df, dass er hier nicht mehr bei sich selbst ist, der erf\u00e4hrt in ihm die Gegenwart Gottes. Solange ich im Bekenntnis meiner S\u00fcnden bei mir selbst bin, bleibt alles im Dunkeln, dem Bruder gegen\u00fcber muss die S\u00fcnde ans Tageslicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil aber die S\u00fcnde einmal doch ans Licht muss, darum ist es besser, es geschieht heute zwischen mir und dem Glaubensbruder oder der Glaubensschwester, als bei der L\u00e4uterung am Tag des Gerichtes Gottes. Es ist daher wirklich Gnade, dass wir dem Bruder unsere S\u00fcnden bekennen d\u00fcrfen. Beichte befreit zum Leben in Gnade und Wahrheit. Dazu ist mir der Bruder gegeben, dass ich durch ihn schon hier Gericht und Gnade Gottes erlebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch wird die Beichte im stillen K\u00e4mmerlein oder die allgemeine Beichte im Gottesdienst nicht abgewertet. Allen drei Arten der Beichte, wenn sie ehrlich geschehen, sind gleicherma\u00dfen wirkm\u00e4chtig. Denn die Vergebung Gottes und seine Gnade sind nicht abstufbar. Und doch kamen schon oft Christen in die Seelsorge, die im stillen K\u00e4mmerlein und beim Beichtgebet im Gottesdienst ihre S\u00fcnde ernsthaft vor Gott gebracht hatten. Ich bin auch \u00fcberzeugt, dass Gott ihnen nach seiner Verhei\u00dfung diese vergeben hat. Das Problem ist nur, dass es Menschen oftmals schwerf\u00e4llt, diese Vergebung anzunehmen bzw. davon \u00fcberzeugt zu sein. Ihnen fehlt die Gewissheit. Und hier hilft in der Ohrenbeichte, der wirkungsm\u00e4chtige Vergebungs- und Gnadenzuspruch des Bruders, der ganz pers\u00f6nlich dem S\u00fcnder zugeeignet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Schl\u00fcsseldienst hat Christus dem Petrus und seiner Gemeinde anvertraut: Ich will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden l\u00f6sen wirst, soll auch im Himmel gel\u00f6st sein. Ihr merkt, die Beichte ist kein g\u00f6ttliches Gesetz, sondern sie ist ein herrliches, lebensver\u00e4nderndes und lebensrettendes Angebot Gottes f\u00fcr den S\u00fcnder. Die Beichte steht in der Freiheit des Christen. Aber wer wird eine Hilfe, die Gott ihm anbietet, ausschlagen, ohne geistlich Schaden zu nehmen? Deshalb ist der Bu\u00df- und Bettag so wichtig. Pr\u00fcfen wir uns immer an den zehn Geboten, sowie am Doppelgebot der Liebe und an der Bergpredigt, das ist eine gute Vorbereitung f\u00fcr die Beichte: Bekennet einer dem anderen seine S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bekennet einer dem anderen seine S\u00fcnde.&#8220; Es kann sein, dass Christen trotz sonnt\u00e4glichem Gottesdienst, gemeinsamen Gebeten, trotz aller Gemeinschaft in der Gemeinde allein bleiben, dass der letzte Durchbruch zur Gemeinschaft nicht erfolgt. 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