{"id":18335,"date":"2021-10-02T23:15:40","date_gmt":"2021-10-02T21:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18335"},"modified":"2021-10-02T23:15:40","modified_gmt":"2021-10-02T21:15:40","slug":"die-kupferne-schlange-predigt-ueber-4-mose-216-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18335","title":{"rendered":"Die kupferne Schlange (Predigt \u00fcber 4 Mose 21,6-9)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>&#8222;Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, das viel Volk in Israel starb. Da kamen sie zu Mose und sprachen: &#8218;Wir haben ges\u00fcndigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben, bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme.&#8216; Mose bat f\u00fcr das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: &#8218;Mache dir eine eherne Schlange und richte sie zum Zeichen auf; wer gebissen ist, und sieht sie an, der soll leben.&#8216; Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie auf zum Zeichen; und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.&#8220;<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus wird uns im alten Testamente unter verschiedenen Vorbildern abgemalt. In dem 1. Buche Mosis ist insbesondere Isaak ein Vorbild Christi, besonders in seiner bereitwilligen Hingabe in den Tod, sowie in seiner Auferstehung, ja auch in seinem Namen, wovon seine Mutter sagte: \u201eGott hat mir ein Lachen zubereitet.\u201c (1 Mose 21,6)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 2. Buch ist es das Osterlamm, wovon Paulus sagt: \u201eWir haben auch ein Osterlamm, welches ist Christus, f\u00fcr uns geschlachtet.\u201c Bei denselben ist insbesondere dessen rettendes Blut zu bemerken, und an Christo haben wir die Erl\u00f6sung durch sein Blut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 3. Buch ist es haupts\u00e4chlich der Bock, durch dessen Schlachtung die Vers\u00f6hnung des Volkes bewirkt wurde. Nirgends h\u00e4ufen sich die Vorbilder Christo so, als w\u00e4hrend der Reise der Kinder Israel. Die Wolken- und Feuers\u00e4ule, Moses, Aaron, die Stiftsh\u00fctte, die Speise, welche sie n\u00e4hrte, das Wasser, was sie tranken, der Fels, der&#8217;s ihnen gab, waren nebst vielen anderen Dingen Vorbilder Christi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 4. Buche Mosis ist es insbesondere die eherne Schlange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott kann alle Kreaturen gegen die \u00dcbertreter seiner Gebote waffnen. Gegen die murrenden Hebr\u00e4er m\u00fcssen scheu\u00dfliche Schlangen die Werkzeuge seiner Gerechtigkeit und die f\u00fcrchterliche Gei\u00dfeln sein, womit diese widerspenstigen Knechte gepeitscht werden. Diese abscheulichen Tiere hei\u00dfen Seraphim, feurig, ein Name, welcher auch den heiligen Engeln beigelegt wird, welche Jesajas sah, und die deswegen so genannt wurden, weil sie gleichsam von Eifer f\u00fcr die Verherrlichung Gottes gl\u00fchten und brannten und darum ihr: \u201eHeilig, heilig, heilig\u201c mit so starker Stimme ausriefen, dass des Tempels Pfosten davon erbebten. Die Schlangen aber hie\u00dfen so, weil sie nicht nur wie Feuerkohlen aussahen, vor Zorn gl\u00fchten, sich wie blaue und rote Flammen mit schrecklicher Schnelligkeit im Lager umherbewegten und ehe man sich&#8217;s versah, die Menschen anfielen und bissen, sondern auch ein Gift mit sich f\u00fchrten, das, durch diesen Biss dem menschlichen K\u00f6rper beigebracht, wie Feuer brannte und in kurzer Zeit unfehlbar t\u00f6tete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese scheu\u00dflichen Tiere nun krochen im Lager umher, schnell wie Blitze, verletzend wie Flammen. Ehe sich&#8217;s jemand versah, war er gebissen und musste eines schrecklichen Todes sterben. Was war nun f\u00fcr Rat, was war zu tun? Sollten sie fl\u00fcchten? wohin? Sollten sie sich \u00fcber die Schlangen hermachen und sie totschlagen? Wie Pfeile schossen sie auf sie zu und hatten ihnen eine t\u00f6dliche Wunde beigebracht, ehe sie noch eine Hand zu ihrer Verteidigung aufgehoben. Dazu war kein nat\u00fcrliches Mittel wider die Wirkungen eines giftigen Schlangenbisses. Alle Wege waren gesperrt, alle Zuflucht abgeschnitten, an keine Rettung zu denken. Wohin sich jemand verkriechen mochte, die Schlangen fanden leicht Zugang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erschreckliche, grauenvolle Not! Da lagen Haufen von Leichen, deren entstelltes Aussehen bewies, welch eines unnat\u00fcrlichen Todes sie gestorben waren. Da war eine Menge Gebissener, welche an dem Feuer, das durch ihre Adern rann, an der immer zunehmenden Angst und Beklemmung, an dem unaussprechlichen Durst merkten, wie nahe ihnen ein gleiches Ende sei. Da lagen andere schon an der Erde und rangen auf eine schreckliche Weise mit dem Tode. Und diejenigen, welche noch nicht verletzt waren, befanden sich doch in Todes\u00e4ngsten als keinen Augenblick sicher und gar nicht sicherungsf\u00e4hig. Schrecklichere Not hat&#8217;s wohl nie gegeben als damals im israelitischen Lager.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber lasst uns wohl einpr\u00e4gen, dass ihnen dies, wie der Apostel sagt, zum Vorbilde geschah. Lasst uns bedenken und uns wohl einpr\u00e4gen, dass wir, ja wir die Gebissenen, von noch viel \u00e4rgern Schlangen Gebissene sind. Denn jene erschreckliche, alte Schlange, der Teufel, hat uns sein S\u00fcndengift der Emp\u00f6rung wider Gott beizubringen wissen, ein Gift, das von Natur in unser aller Adern rinnt, die schlimmsten Wirkungen hervorbringt und zuletzt den ewigen Tod nach sich zieht. Ist jemand geneigt, sich in dieser Beziehung f\u00fcr wenig und unbedeutend verwundet zu achten, so wisse und bedenke er wohl, dass ein geringer Schlangenbiss, einer kleinen Schramme von einer Nadel gleich, ebenso t\u00f6dlich ist, als derjenige, wodurch eine klaffende Wunde verursacht wird, er wisse und bedenke wohl, dass diese Schramme oder Wunde durch Geringsch\u00e4tzung wohl verschlimmert, nicht aber gebessert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seht die ge\u00e4ngsteten Kinder Israel an. Wie best\u00fcrzt sehen sie aus, wie unruhig, wie angstvoll sind sie, wie eilen sie umher, wagen es wieder nicht zu gehen, wagen es nicht stehen zu bleiben, sind wie Verzweifelnde, seufzen, weinen, schreien. Seht da ein Bild, wie es im Anfang der Bu\u00dfe zu gehen pflegt, wenn der Mensch zur Erkenntnis und zum Gef\u00fchl seines S\u00fcndenelends gelangt. Wie ist sein Geist so ge\u00e4ngstigt, wie ist sein Herz so zerschlagen, wie ist sein Mut so klein, wie ratlos ist er und irrt, wie am Rande des Abgrunds der Verzweiflung umher. Ein rauschend Blatt jagt ihn. Er f\u00fcrchtet sehr, wenn auch f\u00fcr andere, so sei doch f\u00fcr ihn kein Rat, weder bei ihm selbst, noch bei Menschen, noch bei Gott selber. Er f\u00fcrchtet sich wohl, seinen Verstand zu verlieren und pl\u00f6tzlich hinweggerafft zu werden. Seht einen Kerkermeister, seht einen Paulus so zittern und zagen. Mag&#8217;s auch nicht immer so gehen, mag&#8217;s auch nicht als f\u00fcr jeden notwendig betrachtet werden k\u00f6nnen, so ist dies doch der gew\u00f6hnliche Weg. Wer sich leicht \u00fcber seine S\u00fcnden hinwegmachen kann, der meine nur nicht, dass er auf richtigem Wege wandle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohl aber dem, dem hier bei Leibesleben seine S\u00fcnde als eine schwere Last zu schwer wird, jedoch nicht, wie sie&#8217;s einem Judas, sondern wie sie&#8217;s einem David wurde. Wehe aber dem, welchem der Herr seine S\u00fcnde beh\u00e4lt, um sie dann \u00fcber ihn herfallen zu lassen, wie w\u00fctende Schlangen, wenn der Tod eine un\u00fcbersteigliche Kluft zwischen ihm und der Gnade befestigt hat. Tr\u00fcbsal und Angst, Ungnade und Zorn \u00fcber alle Seelen, die da B\u00f6ses tun; Preis und Ehre, unverg\u00e4ngliches Wesen aber, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was war denn in dieser Not zu tun, die Schlangen abzuwehren? Was sollte zu tun gewesen sein? Die Schrecken ihrer Lage wurden dadurch vollendet, dass ihnen gar kein Rettungsmittel \u00fcbrig blieb, und sie sahen alle mit einander nichts vor sich, als den gewissen Tod innerhalb kurzer Zeit. Unsere geistliche Lage in Beziehung auf die S\u00fcnde und ihre Strafe ist ebenso verzweifelt. Bei uns selbst ist ebenso kein Rettungsmittel gegen das eine so wenig, als gegen das andere. \u201eWas soll der Mensch geben, dass er seine Seele wieder l\u00f6se? Es kostet zu viel, dass er es muss anstehen lassen ewiglich.\u201c Dem Gesetz ist es unm\u00f6glich, ja es predigt uns die Verdammnis, richtet nur Zorn an, t\u00f6tet nur. Wohin denn? Zu Gott? Er ist ein verzehrend Feuer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach! was w\u00e4re denn doch aus den Kindern Israel geworden, h\u00e4tten sie keinen Moses gehabt, was w\u00fcrde aus uns werden, h\u00e4tten wir keinen Jesus. Beide sind Mittler, Mittelspersonen zwischen Gott und den Menschen, jener als Bild, dieser als Wesen, jener f\u00fcr eine Zeit lang, dieser f\u00fcr immer. Wie ernstlich waren sie jetzt, den Moses zu suchen, welchen sie bisher und noch soeben misshandelt hatten. Wie k\u00f6stlich kann der Jesus noch Leuten werden, die jetzt noch meinen, vieles wider seinen Namen tun zu m\u00fcssen und die noch glauben, seiner gar nicht zu bed\u00fcrfen. M\u00f6chte es bald und bei vielen geschehen. Sie eilen zu Mose. Sie bekennen ihre S\u00fcnde wider Gott und Moses. Sie ersuchen ihn um seine F\u00fcrbitte, die er ihnen sonst so oft ungebeten hatte angedeihen lassen. Und Moses schilt sie nicht, weist sie nicht zur\u00fcck. Er bittet f\u00fcr sie und ward, wie immer, so auch jetzt erh\u00f6rt, aber auf welche seltsame Weise! Gott konnte auf mehr als eine Weise retten. Er konnte den Schlangen einen Trieb geben, sich aus dem Lager wegzumachen und sich wieder irgend in Sumpf zu begeben, wo sie gew\u00f6hnlich hausten; er konnte ihnen ihr Gift oder den Trieb zum Bei\u00dfen nehmen, oder ihre Bisse unsch\u00e4dlich machen, oder die Kinder Israel ein anderes Lager nehmen lassen, oder wie ehemals die Wachteln, so konnte ja jetzt eine Schar von St\u00f6rchen \u2013 dieser nat\u00fcrlichen Feinde der Schlangen, wogegen Moses sich derselben in seinen j\u00fcngeren Jahren in einem Kriege gegen die Mohren bedient haben soll, wie der j\u00fcdische Geschichtsschreiber Josephus berichtet \u2013 ins Lager kommen, und die Schlangen, die sie scheuen, vertreiben m\u00f6gen. Aber nichts dergleichen. Wie wir jetzt durch eine t\u00f6richte Predigt selig werden, so wir daran glauben, so wurden jene durch ein sehr t\u00f6richtes Mittel errettet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Moses bekam den Befehl, eine Schlange von Kupfer zu verfertigen und sie auf einer hohen Stange aufzurichten, mit beigef\u00fcgter Verhei\u00dfung, wer gebissen ist und siehet sie an, der soll leben. Moses tat also. Wenn nun jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb wirklich am Leben. Merkw\u00fcrdiges Mittel! Eine tote Schlange von Kupfer heilt, wenn sie angeblickt wird, den t\u00f6dlichen Biss lebendiger Schlangen? Wie mag solches zugehen? Was ist hier f\u00fcr ein Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung? Keiner. Liegt vielleicht im Kupfer eine Kraft wider den Biss giftiger Tiere? Gerade das Gegenteil. Er soll dadurch nur schlimmer werden. Und warum gerade ein so abscheuliches, giftiges, verfluchtes Tier wie eine Schlange? W\u00e4re es noch ein Lamm, eine Taube, oder dergleichen gewesen! Man wurde ja eher abgeschreckt sie anzusehen, als dazu gereizt. Die \u00c4hnlichkeit zwischen der kupfernen und den wirklichen Schlangen war fast allzu gro\u00df. Jene erinnerte fast allzu sehr an diese, dass Heilmittel an die Krankheit, und der Blick konnte ja fast kaum anders als mit einem heftigen Schauder geschehen. Es ist dies alles wahr. Aber wer sich das alles nicht hindern lie\u00df, sie dennoch anzusehen, der blieb leben, wer dies aber aus diesen oder andern Ursachen unterlie\u00df, weil ihm das Heilmittel missfiel, oder weil er seine Gefahr entweder f\u00fcr zu klein oder f\u00fcr zu gro\u00df hielt, oder weil er erst begreifen wollte, wie das Ansehen einer kupfernen Schlange den Biss einer lebendigen heilen k\u00f6nne, die alle kamen um, wenn sie auch nur eben von einem Schlangenzahn geritzt worden waren, wogegen auch die erhalten wurden, welche sie ansahen, mochten sie auch aufs gr\u00e4ulichste zugerichtet, mochten sie auch beinahe tot sein, mochte das Gift auch schon seine volle Wirkung zeigen, mochten sie auch immer aufs neue gebissen werden und vor Schwachheit auch nur einen matten Blick hinwerfen k\u00f6nnen, sie bleiben leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wird&#8217;s da im israelitischen Lager ausgesehen haben. Am gef\u00e4hrlichsten sah es um diejenigen aus, welche so unmerklich von einer Schlange gebissen waren, dass sie glaubten, sie seien gar nicht verletzt und bed\u00fcrften also auch des Heilmittels nicht, da doch nicht nur ein tiefer Biss, sondern selbst die leichteste Schramme unfehlbar den Tod nach sich zog. Viele waren schon tot, mehrere waren es beinahe und konnten nur noch mit halb gebrochenen Augen zur Schlange aufschauen, etliche hatten kaum hingesehen, so n\u00f6tigte sie ein neuer Schlangenbiss es abermals zu tun, etliche blickten mit aller Freudigkeit auf die erh\u00f6hte Schlange und mit einer gewissen Geringsch\u00e4tzung auf das umherkriechende Giftgew\u00fcrme, andere taten es mit \u00c4ngstlichkeit und suchten sich zu h\u00fcten, keiner aber lie\u00df sich aus Mutwillen bei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kupferne Schlange tat&#8217;s freilich nicht, sondern Gott durch dieselbe. Sie wurde lange Zeit, n\u00e4mlich 700 Jahre aufbewahrt, wie sie&#8217;s wohl verdiente. Als aber die Kinder Israel Abg\u00f6tterei damit trieben, ward sie vom K\u00f6nige Hiskia zerbrochen. Wie geneigt sind doch die Menschen, alles zu verkehren und Gott seine Ehre zu rauben, um sie sich selbst oder den Kreaturen anzueignen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wurde denn auch dieser gro\u00dfen Not durch Gott abgeholfen. Ist&#8217;s denn das nun alle, oder will diese Geschichte noch etwas anderes lehren? Gewiss will sie auch was anderes lehren. Schon der Name dieser Lagerst\u00e4tte deutet darauf hin, denn Zalmona hei\u00dft e i n \u00a0B i l d , d a s \u00a0b e w e g t \u00a0wi r d . Es ist ein Bild. Bewegen wir es, tragen wir&#8217;s auf etwas anders \u00fcber, so finden wir das eigentliche. So ist&#8217;s mit dem Manna, mit dem Wasser gebenden Felsen, so auch mit der kupfernen Schlange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen aber nicht lange zu suchen und nachzudenken, noch unsern eigenen Witz anzustrengen, um dasjenige ausfindig zu machen, was die Geschichte abbildet. Lesen wir das Evangelium Johannis, so finden wir, dass Jesus selbst im 14. und 15. Verse des 3. Kapitels sagt: \u201eGleich wie Moses in der W\u00fcste eine Schlange erh\u00f6ht hat, also muss des Menschensohn erh\u00f6het werden, auf dass alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.\u201c Hier sagt uns der Herr, er m\u00fcsse so erh\u00f6het werden, wie jene Schlange von Mose erh\u00f6het worden, zu dem Ende, dass ein jeglicher, der an ihn glaubt, nicht wegen des S\u00fcndengifts, was ihm die Schlange beigebracht, verderbe, sondern das ewige Leben habe. Um dieses zu bewirken, musste jenes geschehen. Um zu bewirken, dass wir nicht alle verloren w\u00fcrden, musste Christus erh\u00f6ht werden, und zwar auf eine \u00e4hnliche Art wie die Schlange, n\u00e4mlich ans Kreuz. Und in dieser Beziehung gibt es kein passenderes Bild des am Fluchholz h\u00e4ngenden Christus, als eben die Schlange, diese verfluchte Kreatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasst uns aber Bild und Original ein wenig mit einander vergleichen. Sehen wir auf die Schlange \u00a0\u00fc b e r h a u p t, so finden sich haupts\u00e4chlich zwei Vergleichungsumst\u00e4nde zwischen derselben und Christo. Erstlich ist die Schlange, wie wir aus 1. Mose 3,14 sehen, ihrer urspr\u00fcnglichen Herrlichkeit beraubt und aus einer sehr vortrefflichen ein sehr abscheuliches Gesch\u00f6pf geworden. Christus war w\u00e4hrend seines ganzen Wandels auf Erden der urspr\u00fcnglichen Herrlichkeit beraubt, welche er bei seinem Vater hatte, ehe denn der Welt Grund gelegt war, nie aber in einem so hohen Grade aller Herrlichkeit beraubt, als da er am Kreuze hing. Nicht der mindeste Schimmer von Herrlichkeit war an ihm sichtbar. Er war ein Wurm und kein Mensch, so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg, ja vor ihm ausspie. Er war ein Spott der Leute und Verachtung des Volks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Vergleichungspunkt ist dieser: die Schlange ist verflucht und \u2013 es lautet hart \u2013 Christus hing als ein Verfluchter am Kreuz, wie geschrieben steht: Verflucht sei, wer am Holz h\u00e4ngt. Ja, er ward ein Fluch f\u00fcr uns, damit er uns vom Fluch erl\u00f6ste und uns den verhei\u00dfenen Segen erw\u00fcrbe. Zwischen der ehernen Schlange und Christo finden sich unter andern folgende \u00c4hnlichkeiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) Jene s a h aus wie die verderbliche Schlange und hei\u00dft auch so. Christus war nicht nur in der Gestalt des s\u00fcndlichen Fleisches, sondern von Gott zur S\u00fcnde gemacht. Unser alter Mensch wurde in und mit ihm erh\u00f6het ans Kreuz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Jene eherne Schlange hat nichts von dem G i f t der lebenden. Christus war ohne alles S\u00fcndengift und kein Betrug in seinem Munde, so wenig wie ein Giftzahn in dem Munde der erh\u00f6hten Schlange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) Sie war von K u p f e r. Aus diesem Metall war das Waschfass und andere heilige Ger\u00e4te des Tempels und ist ein Bild der Heiligkeit Christi, wodurch er sich selbst f\u00fcr uns geheiligt hat, auf dass auch wir geheiligt seien in der Wahrheit. Die feurige Gestalt dieses Erzes ist ein Bild des feurigen Eifers um das Haus Gottes, der ihn gefressen hat, seiner Liebe, die ihn in den Tod trieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.) Sie war t o t und stellt uns den um unserer S\u00fcnde willen get\u00f6teten Christus vor, dessen Tod unser Leben, der gestorben ist, vieler S\u00fcnden wegzunehmen, gestorben ist, damit wir auf ihn hinweisend fragen m\u00f6gen: \u201eWer will verdammen?\u201c gestorben ist und wir mit ihm, auf dass der s\u00fcndliche Leib in uns aufh\u00f6re und wir hinfort der S\u00fcnde nicht mehr dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5.) Sie wurde e r h \u00f6 h t . Christus wurde erh\u00f6ht ans Kreuz und sodann auf den Thron und wird noch stets erh\u00f6ht durch das Wort vom Kreuze, den Juden ein \u00c4rgernis und den Griechen eine Torheit. Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Vers\u00f6hnung, erh\u00f6ht von den Danksagungen der Gl\u00e4ubigen, welche inne werden, dass nicht zu Schanden werden an ihm, die sein harren. Die U r s a c h e d e r E r h \u00f6 h u n g beider war die S\u00fcnde und deren bittere Folgen, die Absicht , ein Rettungsmittel darzustellen, welches seinem Zwecke vollkommen entsprach, jedoch nicht der Vernunft, sondern dem Glauben vorgehalten wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gebissenen brauchten blo\u00df die kupferne Schlange anzusehen, so blieben sie am Leben. Wurden sie aufs neue gebissen, so hatten und bedurften sie kein anderes Heilmittel und kein anderes Verfahren als das Ansehen. \u00dcbte man das, so blieb man am Leben, mochte man noch so gr\u00e4ulich von den Schlangen gebissen sein, sowie derjenige sterben musste, der&#8217;s aus irgend einem Beweggrunde zu tun unterlie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies alles nun bildet sowohl das Werk des Heils durch Christi Kreuzestod als die Art und Weise ab, des durch den gekreuzigten Christus erworbenen Heils teilhaftig zu werden. \u201eAuf dass, wer an mich glaubt, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe,\u201c sagt Jesus. Wie die eherne Schlange Christum, so bildete das Ansehen derselben den Glauben ab. Wie durch jenes Ansehen die verderblichen Wirkungen des Giftes abgewendet wurden, so wird durch den Glauben verh\u00fctet, dass jemand nicht verloren gehe und wie jene durch das Anschauen ihr leibliches Leben behielten, so erlangt jeder durch den Glauben das ewige Leben. Wer also zu glauben versteht, ist geborgen, wer nicht glauben kann, muss nach Leib und Seele verderben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hatte d a s \u00a0A n s e h e n der kupfernen Schlange durch ihre stillschweigende Erinnerung an die giftigen, lebenden etwas Schauderhaftes, so k\u00f6nnen wir nicht auf das Kreuz Christi blicken, ohne an die ungeheure Tiefe unseres Elends und an die Gr\u00f6\u00dfe unserer Schuld erinnert zu werden, welche nur durch ein so au\u00dferordentliches Mittel gehoben werden konnte. Indem dieser Blick uns erh\u00f6ht, dem\u00fctigt er uns zugleich aufs tiefste. Von dieser kupfernen erh\u00f6hten Schlange ging alles Heil aus. Sie hatten und brauchten kein anderes. Alle sonstige Mittel wurden dadurch ebenso unn\u00fctz als unn\u00f6tig und str\u00e4flich. Und ist&#8217;s so nicht mit dem Gekreuzigten? Au\u00dfer ihm kein Heil. Alle Gebissenen konnten geheilt werden. Und wir sind erm\u00e4chtigt zu verk\u00fcndigen, dass alle S\u00fcnder selig werden k\u00f6nnen, von welcher Abscheulichkeit, Gr\u00f6\u00dfe, Mannigfaltigkeit und Menge ihre S\u00fcnden auch sein m\u00f6gen, zu verk\u00fcndigen, dass niemand deswegen zu verzweifeln braucht, als w\u00e4re seine Rettung unm\u00f6glich. Nur eine einzige S\u00fcnde kann nicht vergeben werden, und das ist eine S\u00fcnde, deren Begehung vielleicht jetzt unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch eine erfreuliche Botschaft! Keiner wurde wirklich geheilt, als der sich f\u00fcr gebissen hielt, glaubte, dass dies sein Tod sei und deswegen die erh\u00f6hte Schlange ansah. Nur wer sein S\u00fcndenelend erkennt, nur wer sich f\u00fcr verloren achtet, nur wer zu Jesu seine Zuflucht nimmt, und an ihn glaubt, wird gerecht, heilig und selig, und ein jeglicher, wer dies nicht \u00fcbt und ist, geht rettungslos verloren. Ist jemand unbu\u00dffertig, dass er von seinen S\u00fcnden nicht abstehen, ist jemand selbstgerecht, dass er sie nicht erkennen, ist stark, dass er sich selbst helfen will, ist jemand ungl\u00e4ubig, dass er sich zu Jesu nicht wendet, der wird verdammt und w\u00e4re er ein solcher, der da sagte: \u201eDies alles habe ich gehalten von meiner Jugend an.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jenes Ansehen geschah auf u n t e r s c h i e d l i c h e Weise . Ist gleich der Glaube in seinem Wesen eine gewisse Zuversicht, welche nicht zweifelt, so \u00e4u\u00dfert er sich doch nicht zu allen Zeiten und bei allen Gl\u00e4ubigen stets in derselben Weise. Die Schrift selbst nennt ihn nicht nur essen und trinken, sondern auch hungern und dursten, nicht nur vertrauen, sondern auch Zuflucht nehmen, er wird nicht nur einem Eichenbaum, sondern auch dem Gras verglichen. Sah einer zu der ehernen Schlange hin mit freudiger Zuversicht, so tat&#8217;s ein anderer mit bangem Zagen, fasste dieser sie fest ins Auge, weil sie ihm nahe genug war, um sie deutlich zu sehen, so konnte ein anderer bange Zweifel hegen, ob sein Aufschauen auch wohl rechter Art sei, da er wegen weiter Entfernung nicht deutlich sehen und nicht wissen konnte, ob sein Blick geradezu die Schlange treffe oder vorbeigehe, und skrupullierende Personen konnten Bedenken daraus sch\u00f6pfen, dass es hie\u00df, wenn jemand e i n e Schlange biss und bei dem W\u00f6rtlein e i n e stehen bleiben und nicht wissen, ob&#8217;s ihnen auch gelte, da sie von mehreren verwundet waren, denn wie viele Bedenklichkeiten erheben sich nicht gegen den einf\u00e4ltigen Glauben an Jesus. Jenes Anschauen geschah mit Abwendung seines Blicks von allem andern, und der Glaube sucht alles Heil nur in Jesu, mit Ausdauer, bis zur v\u00f6lligen Genesung, mit Anerkennung der h\u00f6chsten Notwendigkeit, mit inniger Dankbarkeit und Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So haltet denn daf\u00fcr, liebe Br\u00fcder, dass wir auch in dieser Welt zu Zalmona, unter giftigen, t\u00f6dlichen Schlangen wohnen; haltet euch daf\u00fcr, dass wir alle mit einem Drachengift angesteckt sind, das den ewigen Tod unfehlbar herbeif\u00fchrt. Seid ferner fest \u00fcberzeugt, dass in uns selbst gar kein Rettungsmittel anzutreffen ist, m\u00f6chten wir auch alles aufbieten, was in unsern Kr\u00e4ften ist. Lasst euch eure Not nicht weniger ernstlich zu Herzen gehen, als den Kindern Israel das Grauenvolle ihre Lage einleuchtete und sucht nicht weniger ernstlich Rettung wie sie, ehe es zu sp\u00e4t ist. Steht es so um euch, tragt ihr Leid, gr\u00e4met, \u00e4ngstigt euch das, so erinnert euch alsdann auch daran, dass, wie die Schlange, so der Sohn Gottes erh\u00f6ht worden ist, und das Wort vom Kreuz noch immer ert\u00f6nt, auf dass ein jeglicher, der an ihn glaubt, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe. Lernet Glauben \u00fcben. Lasst euch durch euer Elend nicht davon abhalten, sondern vielmehr dazu antreiben, und fl\u00fcchtet euch desto ernstlicher zu ihm, je elender ihr euch f\u00fchlt, denn er kann und will erretten, all die zu ihm treten. Sodann aber beharret hierin bis zu eurer v\u00f6lligen Genesung. Lasset keinen Zweifel in euch \u00fcbrig bleiben, sondern geht aus Glauben in Glauben, also dass ihr nicht mehr zweifelt. Lasst keinen Stachel in euerm Gewissen und keine s\u00fcndliche Lust oder Begierde in euerm Herzen, sowie keine Unregelm\u00e4\u00dfigkeit in euerm Wandel \u00fcbrig, sondern widersteht diesem allen und bestreitet es durch den Glauben, bis derselbe zum Schauen gelangt und der Kampf in Ruhe sich aufl\u00f6st. Tut so allen euern Flei\u00df daran, euern Beruf und Erwartung fest zu machen. Denn, wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Gottfried Daniel Krummacher, Die Wanderungen Israels durch die W\u00fcste nach Kanaan. In Beziehung auf die inneren F\u00fchrungen der Gl\u00e4ubigen beleuchtet in einer Reihe von 91 Predigten (1900). Neu bearbeitet und herausgegeben von Thomas Karker, Bremen (2020)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, das viel Volk in Israel starb. Da kamen sie zu Mose und sprachen: &#8218;Wir haben ges\u00fcndigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben, bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme.&#8216; Mose bat f\u00fcr das Volk. 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