{"id":18287,"date":"2021-09-06T16:15:42","date_gmt":"2021-09-06T14:15:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18287"},"modified":"2021-09-06T16:15:42","modified_gmt":"2021-09-06T14:15:42","slug":"eine-kurze-theologie-des-gesichts-und-der-masken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18287","title":{"rendered":"Eine kurze Theologie des Gesichts (und der Masken)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit eineinhalb Jahren tragen wir im \u00f6ffentlichen Leben h\u00e4ufig Gesichtsmasken. Nun, im Sommer, wurden die Vorschriften in vielen Staaten zwar gelockert, aber in Deutschland wie in Litauen werden wir wohl auch in den warmen Monaten vor allem in Gesch\u00e4ften Masken tragen m\u00fcssen. Und beim Singen in Gottesdiensten sind sie &#8211; je nach Bundesland &#8211; meist immer noch Vorschrift (Stand Juli). Viele sehen in den Masken nur ein St\u00fcck Stoff vor Mund und Nase &#8211; sollten wir zu dieser geringen Einschr\u00e4nkung unserer Freiheit nicht gerne bereit sein, um Menschenleben zu bewahren? Muss man sich nicht ans Tragen von Masken gew\u00f6hnen wie an das H\u00e4ndewaschen?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Masken kann man unterschiedliche Meinungen haben, und dennoch sind sie kein theologisch neutrales Thema. Denn wir bedecken damit schlie\u00dflich nicht unsere Beine oder Ellbogen, sondern weite Teile des Gesichts &#8211; und vom Gesicht oder Antlitz ist in der Bibel \u00fcberraschend oft die Rede. Es hat eine in vielerlei Hinsicht besondere Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott selbst hat keinen K\u00f6rper aus Fleisch und Blut wie wir Menschen; schlie\u00dflich ist er kein geschaffenes Wesen. Wenn in der Bibel von seinen H\u00e4nden oder Augen gesprochen wird (s. z.B. 2 Mose 15,6ff), so ist dies daher auf der einen Seite nicht in falscher Weise w\u00f6rtlich zu verstehen. Mit solchen und \u00e4hnlichen Ausdr\u00fccken soll uns Gottes Handeln verst\u00e4ndlich gemacht werden. Gott ist schlie\u00dflich ein Geistwesen (Joh 4,24), der Unsichtbare (Kol 1,15). Aber dies meint andererseits nicht, dass Gott in keinerlei Hinsicht sichtbar w\u00e4re bzw. sein wird. Gott hat eine Gestalt, aber wegen der S\u00fcnde k\u00f6nnen wir sie, also Gott selbst, nicht direkt sehen. Noch &#8222;sehen wir alles nur wie in einem Spiegel&#8220;, so Paulus, doch in der Ewigkeit &#8222;werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen&#8220; (1 Kor 13,12). Wenn die Menschen bei Gott &#8222;wohnen&#8220; werden (Off 21,3), gibt es sicher etwas zu sehen! (Es war aber auch unter den Theologen der Reformationszeit umstritten, was genau von Gott dann sichtbar sein wird.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist kein Zufall, dass bei Paulus vom Gesicht oder Antlitz Gottes die Rede ist. Mose redete mit Gott selbst, kam ihm so nah wie wohl kein anderer irdischer Mensch. Er wollte aber auch noch die &#8222;Herrlichkeit&#8220; Gottes direkt sehen (2. Mose 33,18), was Gott dem S\u00fcnder jedoch verwehren musste: &#8222;Mein Gesicht darf niemand sehen&#8220; (33,20; NG\u00dc). Gott bekr\u00e4ftigt also selbst, dass er so etwas wie ein Gesicht hat, und gerade in diesem zeigt sich seine Herrlichkeit, sein vollkommen heiliges Wesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem S\u00fcndenfall versteckten sich die ersten Menschen vor dem &#8222;Angesicht Gottes&#8220; oder seiner &#8222;Gegenwart&#8220;; in vielen \u00dcbersetzungen von 1. Mose 3,8 hei\u00dft es auch einfach &#8222;vor dem HERRN&#8220; oder &#8222;vor ihm&#8220;. Denn das Gesicht Gottes repr\u00e4sentiert die Person Gottes selbst. Daher ist das verborgene Antlitz Gottes ein Zeichen des Gerichts (Hiob 13,24), l\u00e4sst den Menschen erschrecken (Ps 30,8) und flehentlich rufen: &#8222;Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?&#8220; (Ps 13,1). Umgekehrt ist es Ausdruck von Gnade, wenn Gott uns sein Antlitz zuwendet oder und leuchten l\u00e4sst (Ps 80,20; 4. Mose 6,25). Der Gl\u00e4ubige sucht Gottes Angesicht, d.h. seine Gegenwart und Gemeinschaft (Ps 27,8; 105,4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In erster Linie ist das Gesicht Repr\u00e4sentant einer Person, steht f\u00fcr das Ganze des Individuums. Das gilt f\u00fcr Gott wie f\u00fcr den Menschen, der nach dem Bildnis Gottes geschaffen wurde. Nicht zuf\u00e4llig bliess Gott den Lebensatem dem ersten Menschen in die Nase, also ins Gesicht (1. Mose 2,7). Wir sind Personen wie Gott, der eine dreieinige Person ist. Gott hat uns mit Gesichtern gemacht, damit wir unser Menschsein (z.B. Gef\u00fchle und Stimmungen) ausdr\u00fccken und miteinander kommunizieren k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich sind wir wie Gott mitteilende und liebende Wesen. Ein wahrhaft menschliches Zusammenleben ohne das Sehen von Gesichtern, ohne den Austausch zwischen Gesichtern ist kaum m\u00f6glich. Gesichter sind der wichtigste Spiegel unserer Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens sagte der aus Litauen stammende franz\u00f6sische Philosoph Emmanuel Levinas (1906-1995), dass das Gesicht des Anderen uns gleichsam schweigend sagt: &#8222;Du wirst nicht t\u00f6ten.&#8220; Ein sehr tiefsinninger, aber gleichzeitig auch unschwer zu verstehender Gedanke. Man denke nur an das Ph\u00e4nomen der Abtreibung: man hat sich allseits, selbst in den Kirchen, daran gew\u00f6hnt, denn niemand muss den get\u00f6teten Kindern in das Gesicht sehen (erste Gesichtsz\u00fcge sind ab der sechsten Schwangerschaftswoche zu erkennen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wichtig das menschliche Gesicht ist, zeigt auch 2. Mose 34,29ff. Mose kehrt von der Gottesbegegnung zur\u00fcck und erschreckt die Israeliten mit einem strahlenden oder gl\u00e4nzenden Gesicht. Die Herrlichkeit von Gottes Antlitz &#8211; wenn auch f\u00fcr Mose nicht v\u00f6llig sichtbar &#8211; strahlte auf sein menschliches Gesicht \u00fcber, nicht auf H\u00e4nde, F\u00fc\u00dfe oder Brust. Denn im Gesicht verdichtet sich gleichsam das Ebenbild Gottes im Menschen. Das Gesicht sind wir selbst, weshalb sich in Ausweisen ein Gesichtsabbild befindet. Das Gesicht hat geradezu etwas Heiliges, weshalb das Schlagen ins Gesicht traditionell als entehrend und dem\u00fctigend gilt (s. Joh 19,3). Und aus diesen Gr\u00fcnden untersagte Kaiser Konstantin nach seiner Hinwendung zum christlichen Glauben die Verst\u00fcmmelung des Gesichts als Strafe oder in der Folter. Wie wichtig das Gesicht in unserer Kultur ist, zeigen bis heute Redewendungen wie &#8222;sein wahres Gesicht zeigen&#8220; oder &#8222;sein Gesicht verlieren&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist zwar bisher weitgehend unsichtbar, aber er zeigte gleichsam sein wahres Gesicht in der Person Jesu. Der Sohn Gottes ist das &#8222;vollkommene Abbild von Gottes Herrlichkeit&#8220; (Hbr 1,3). Obwohl auch Mensch, wohnt in ihm &#8222;die ganze F\u00fclle&#8220; des g\u00f6ttlichen Wesens (Kol 1,19). Paulus schreibt in 2 Kor 4,6, dass wir &#8222;in dem Angesicht Jesu Christi&#8220;, d.h. in seiner Person die &#8222;Herrlichkeit Gottes&#8220; erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im dritten Kapitel dieses Briefes stellt der Apostel die \u00dcberlegenheit des neues Bundes gegen\u00fcber dem alten dar. Er greift dabei als bildlichen Vergleich das verdeckte Gesicht des Mose aus 2. Mose 34 auf: Menschen, die an Jesus glauben, ist gleichsam der Schleier vor Augen, die Decke vor dem Gesicht genommen &#8211; sie erkennen Gottes Herrlichkeit und die Wahrheit des Evangeliums. Was einst nur das Privileg des Mose war &#8211; Gott ganz nahe sein, so dass dessen Herrlichkeit abstrahlt -, genie\u00dfen nun alle Christen (s. Eph 2,13). Sie leuchten sogar heller, als Moses es tat, denn vom neuen Bund und Christus strahlt noch mehr Herrlichkeit als vom alten (s. 2 Kor 3,9-11); auch in den Herzen der Gl\u00e4ubigen scheint es hell (2 Kor 4,6). Daher kommt Paulus zu dem Schlu\u00df: &#8222;Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider&#8220; (2 Kor 3,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist Licht und wohnt im Licht (Ps 27,1; 1 Tim 6,16); Jesus ist das Licht der Welt, das in der Finsternis scheint (Joh 8,12; 1,5); und auch die Christen sind Licht, das leuchten soll (Mt 5,14.16). Gott l\u00e4sst sein Antlitz \u00fcber uns leuchten; bei der Verkl\u00e4rung begann Jesu &#8222;Gesicht zu leuchten wie die Sonne&#8220; (Joh 17,2); und auch das Angesicht der Christen ist ein heller Schein. Christen sind daher nicht nur ein &#8222;Wohlgeruch&#8220; (2 Kor 2,15), nicht nur &#8222;Botschafter&#8220; (2 Kor 5,20) oder &#8222;Brief&#8220; Christi (2 Kor 3,3), sondern auch gleichsam das leuchtende Gesicht Gottes f\u00fcr die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich spricht Paulus hier in Bildern. Die Gesichter von Christen leuchten nicht physisch, und ein Dauerl\u00e4cheln o.\u00e4. ist auch nicht damit gemeint. Wir k\u00f6nnen aber sagen, dass die Gemeinde gleichsam das Gesicht Christi ist. In jedem Mitmenschen erkennen wir das Ebenbild Gottes; in den &#8222;geringsten Br\u00fcdern&#8220; (Mt 25,40), Glaubensgeschwistern, sehen wir Jesus &#8211; wenn auch noch nicht sinnlich\/physisch. In Zukunft wird aber genau dies passieren: Wir werden Jesus sehen &#8211; &#8222;so wie er wirklich ist&#8220; (1 Joh 3,2), mit einem menschlichen Gesicht. Zu oft vergessen Christen dabei, dass Jesus nun in Ewigkeit Gott und Mensch ist. Er besitzt zwar einen verwandelten K\u00f6rper, aber immer noch eine menschliche Gestalt. Bei der Himmelfahrt verwandelte er sich nicht in einen reinen Gott. Gl\u00e4ubige werden also dereinst tats\u00e4chlich das Gesicht Gottes sehen, das Gesicht des Gottmenschen Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das &#8222;perfekte Zeichen gelebter N\u00e4chstenliebe&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bedeutet all das nun in der aktuellen Coronazeit? Vorweg sei betont, dass es aus biblischer Sicht nat\u00fcrlich kein allgemeines Maskenverbot gibt. Zum Schutz der eigenen Person oder anderer Menschen werden Gesichtsmasken ja schon lange vor allem in der Arbeitswelt eingesetzt. Aber dort tr\u00e4gt man sie eben nur dann, wenn es wirklich n\u00f6tig ist, denn Masken st\u00f6ren einfach. Anders als Hut oder M\u00fctze behindern Masken die Atmung und das Sprechen. Sie erschweren au\u00dferdem die Erkennbarkeit von Menschen deutlich (was schlie\u00dflich der Grund f\u00fcr das sog. &#8222;Vermummungsverbot&#8220; war), schr\u00e4nken die Kommunikation ein. Masken sind daher ein gravierender, auf keinen Fall zu bagatellisierender Eingriff in die menschliche Pers\u00f6nlichkeit. Der Einsatz von Masken ist f\u00fcr Schutz und Hygiene nat\u00fcrlich nicht pauschal zu verwerfen, muss aber gut begr\u00fcndet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dieser Begr\u00fcndung hapert&#8217;s nun aber ordentlich. Oder anders gesagt: zwischen der Strenge der aktuellen Vorschriften und dem Nutzen der Masken besteht ein Missverh\u00e4ltnis. Allein schon der Vergleich von Staaten mit strengen Maskenverordnungen und denen ohne (z.B. Schweden) zeigt, dass Masken &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur einen sehr begrenzten Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben. (Auch die in der Pandemie teilweise sehr unterschiedliche Praxis der US-Bundesstaaten best\u00e4tigt dies.) Eine wichtige d\u00e4nische Studie vom November 2020 zeigt, dass es nur einen eher schwachen Schutzeffekt von Masken in Innenr\u00e4umen gibt. Dass Masken die gro\u00dfen Lebensretter seien, ist wissenschaftlich schlicht und einfach nicht belegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommen gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen und Sch\u00e4den durch l\u00e4ngeres Maskentragen. Eine im April des Jahres ver\u00f6ffentliche Sammelstudie (Kai Kisielinski et al.; hier ein ausf\u00fchrliches Interview mit Kisielinski in deutscher Sprache) weist auf mitunter gravierende Nebenwirkungen hin. Das Tragen von Masken ist also keineswegs v\u00f6llig risikofrei. Au\u00dferdem ist zu bedenken, dass es Alternativen g\u00e4be. Der angesehene Hygieniker Prof. Klaus-Dieter Zastrow (\u00fcbrigens gar kein Maskengegner) pl\u00e4diert schon lange f\u00fcr eine regelm\u00e4\u00dfige Mund- und Rachendesinfektion, um die Virenlast deutlich zu reduzieren. Leider wurde seine einfache Idee von der Politik konsequent ignoriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es spricht aus wissenschaftlicher Sicht also eigentlich so gut wie nichts daf\u00fcr, dass man sich allgemein an die Maske wie an andere Hygienestandards gew\u00f6hnen m\u00fcsste. Aber sollte man nicht, so wenden manche ein, alles tun, um auch nur ein Menschenleben zu retten? Also lieber m\u00f6glichst immer die Maske aufsetzen, um nur ja niemanden zu gef\u00e4hrden? Im Zweifel immer f\u00fcr die Maske? Dies ist jedoch ein ethisch fragw\u00fcrdiges Argument. Denn wir tun im Alltag nie &#8222;alles&#8220;, um andere Leben zu sch\u00fctzen. W\u00e4re dies der normative Grundsatz, d\u00fcrfte sich z.B. niemand mehr ans Steuer eines Autos setzen, denn von jedem fahrenden Automobil geht eine potentielle Todesgefahr aus. Im Einzelfall kann es wie etwa in Pflegeeinrichtungen geboten sein, Masken als Vorsichtma\u00dfnahme zu tragen. Als Grundlage f\u00fcr allgemeine Gebote oder Verbote ist der Grundsatz &#8222;wir-m\u00fcssen-alles-tun&#8220; wenig praktikabel, ja im Grunde unsinnig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben also auf der einen Waagschale einen recht begrenzten Nutzen und auf der anderen durchaus bestehende gesundheitliche Risiken. Hinzu kommen dort au\u00dferdem auf Grund des oben Gesagten gewichtige theologische Argumente: Das Gesicht will gesehen werden, sichtbar sein. Wir sind von Gott dazu geschaffen, das Angesicht wann immer m\u00f6glich nicht zu verh\u00fcllen. Das Schauen &#8222;von Angesicht zu Angesicht&#8220; ist auch unter Menschen das Ideal, eben nicht maximaler Schutz. Und wenn nichts anderes als die ewige Seligkeit mit diesem Begriff umschrieben wird, dann kann lange, dauerhafte Gesichtsbedeckung in Abwehr eines nur m\u00e4\u00dfig gef\u00e4hrlichen Erregers keine Option sein. Das Angesicht ist nur zu bedecken, wenn es wirklich n\u00f6tig und von der Situation gefordert ist. \u00dcber diese Notwendigkeit und die genaue Dauer kann und muss im Einzelfall nat\u00fcrlich diskutiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das unverh\u00fcllte, offene Gesicht hat f\u00fcr Christen eine ungeheure Symbolkraft. Es steht f\u00fcr personale Gemeinschaft mit Gott und Menschen. Von Angesicht zu Angesicht das Gesicht Christi erkennen, die Gnade des leuchtenden Antlitzes Gottes erfahren und selbst das strahlende Gesicht Gottes der Welt darstellen &#8211; all dies will nicht zu einer Normalit\u00e4t des verh\u00fcllten menschlichen Gesichts passen. In der Gemeinde sollte die Kommunikation von Offenheit, Klarheit und Direktheit gekennzeichnet sein; in ihr darf kein Platz f\u00fcr L\u00fcge, Nachrede und Heuchelei sein, ist Verstecken, Verstellen und Verbergen zu meiden &#8211; dauerhaftes Tragen von Masken passt auch zu dieser Praxis nicht. Der Preis des sich Gew\u00f6hnens an Masken z.B. in Gottesdiensten w\u00e4re also hoch, zu hoch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen sind daher aufgefordert, nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, auf Masken m\u00f6glichst bald zu verzichten. Sie sollten die rechtlichen Spielr\u00e4ume innerhalb der staatlichen Vorgaben aussch\u00f6pfen. Masken sind ein notwendiges \u00dcbel, kein an sich zu sch\u00e4tzendes Gut. Es ist kein Zufall, dass in den nicht vom Christentum gepr\u00e4gten L\u00e4ndern Asiens das Tragen von Masken viel beliebter ist &#8211; das Gesicht hat dort einfach nicht die tiefe Bedeutung wie im Westen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind Masken also das &#8222;perfekte Zeichen gelebter N\u00e4chstenliebe&#8220;, wie man von manchen Christen h\u00f6ren kann? Ein perfektes Zeichen sind sie sicher nicht; sie k\u00f6nnen ein Zeichen der Liebe sein, wenn man eine konkrete Gef\u00e4hrdung reduziert. Es macht ethisch aber \u00fcberhaupt keinen Sinn, jeden als potentiellen M\u00f6rder anzusehen, der sich erst mit flei\u00dfigem Tragen der Maske von diesem Makel befreit. Solch moralisierende \u00dcberh\u00f6hung hilft nicht weiter, da wir nie unsere Unschuld beweisen k\u00f6nnten, schlie\u00dflich verbreiten wir im Alltagsleben h\u00e4ufig verschiedenste Krankheitserreger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein letzter Gedanke: N\u00e4chstenliebe braucht Freiheit und Freiwilligkeit. Das blo\u00dfe Befolgen von Vorschriften und Befehlen mag zwar auch moralisch positiv zu werten sein, aber echte Liebe ist etwas anderes. Sie ist nicht erzwingbar. Sie braucht freie Luft zum Atmen. Wenn man also das Tragen von Masken mit N\u00e4chstenliebe in Verbindung bringen will, dann sollte man dies der freien Entscheidung des Einzelnen \u00fcberlassen &#8211; und Maskenpflicht m\u00f6glichst abschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Holger Lahayne, 19.7.2021<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: www.lahayne.lt<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit eineinhalb Jahren tragen wir im \u00f6ffentlichen Leben h\u00e4ufig Gesichtsmasken. Nun, im Sommer, wurden die Vorschriften in vielen Staaten zwar gelockert, aber in Deutschland wie in Litauen werden wir wohl auch in den warmen Monaten vor allem in Gesch\u00e4ften Masken tragen m\u00fcssen. 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