{"id":18276,"date":"2021-08-31T14:00:22","date_gmt":"2021-08-31T12:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18276"},"modified":"2021-08-31T14:00:22","modified_gmt":"2021-08-31T12:00:22","slug":"im-gespraech-pfr-winrich-scheffbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18276","title":{"rendered":"Im Gespr\u00e4ch: Pfr. Winrich Scheffbuch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Winrich Scheffbuch wirkte 30 Jahre als Pfarrer in der Ludwig-Hofacker-Gemeinde in Stuttgart. Daneben trug er viele Jahre Verantwortung in den Missionswerken Hilfe f\u00fcr Br\u00fcder, Christliche Fachkr\u00e4fte International und CO-Workers International. Er besuchte verfolgte, bedr\u00e4ngte und notleidende Christen in aller Welt, unterst\u00fctzte aber auch ermutigende Erweckungen in der 3. Welt. Zusammen mit seiner Frau schrieb er B\u00fccher wie \u201eDen Kummer sich vom Herzen singen\u201c und \u201eWer Jesus hat, hat das Leben\u201c. Auch heute ist er weiter f\u00fcr Gottes Reich unterwegs.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eines der ersten Andachtsb\u00fccher, die ich mir als junger Pfarrer gekauft habe, war \u201eWer Jesus hat, hat das Leben\u201c (1977 erschienen). Da schreibst du im Vorwort, wie wichtig es ist, \u201edass man m\u00f6glichst tief an die Bodensch\u00e4tze des Wortes Gottes herankommt\u201c. In ungez\u00e4hlten Predigten hast du in diesem Sinn \u201etief gegraben\u201c. Was bedeutet dir die Bibel heute?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Tagen sp\u00fcren nicht nur junge Leute voll Panik, wie die Erde und die ganze Sch\u00f6pfung sehr verg\u00e4nglich sind. Um so wunderbarer empfinde ich die gro\u00dfen Verhei\u00dfungen, dass Gottes Wort sich erf\u00fcllt und in Ewigkeit bleibt, auch wenn Himmel und Erde vergehen. In allen Jahrhunderten war die Bibel h\u00f6chst aktuell und zeitnah. So erleben dies unz\u00e4hlige Millionen auch heute unter allen V\u00f6lkern und Nationen bis an die Enden der Erde. Weil Gottes Wort lebendig ist und nicht leer zur\u00fcckkommt, ist die Bibel das wichtigste Mittel zum Bau von Gemeinden. Der Heilige Geist wirkt durch Gottes Wort. Ohne Wort Gottes findet niemand zum Glauben. Wo man anders Gemeinde baut, hat man Sand als Fundament und keinen Felsen. Ich wundere mich, wie heute an vielen Orten Bibelstunden aufgegeben werden. Als ob Bibellesen langweilig w\u00e4re! In der Gemeinde pflegten wir neben vielen Hauskreisen das unterweisende \u201eBibeltraining\u201c, dazu auch einen Jugendbibelkreis, weil junge Leute reden und ihre Fragen loswerden wollen, und eine kurze Bibelstunde f\u00fcr Senioren, weil die abends nicht mehr aus dem Haus gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du blickst nicht nur auf ein langes Leben, sondern auch auf eine lange Ehe zur\u00fcck. Du hast mit deiner Beate viele Reisen unternommen, und ihr habt zusammen einige B\u00fccher geschrieben. Wir erleben heute, dass sich viele junge Leute nicht mehr zur Heirat entschlie\u00dfen. Was k\u00f6nnen Eltern tun, damit ihre Kinder Geschmack an der Ehe finden? Was bedeutet f\u00fcr dich die Ehe?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich, das Geheimnis ist gro\u00df. Was f\u00fcr einen gro\u00dfen Einfluss in der Gemeinde hat eine Pfarrfrau! Und mit zunehmendem Alter wird Ehe immer noch sch\u00f6ner. Meine Gro\u00dfmutter Busch hat uns schon als jungen Burschen wichtig gemacht, dass man fr\u00fch in jungen Jahren t\u00e4glich f\u00fcr die richtige Frau beten muss. Wie soll man sie sonst finden k\u00f6nnen? Dabei war mir die Bibel das wichtigste Aufkl\u00e4rungsbuch. Die Angst, schrecklich und elend zu scheitern, bewahrt auch heute junge Leute vor \u00dcbermut: \u201eDa ist doch nichts dabei!\u201c Noah, Lot, Delila, Bathseba, ja die Spr\u00fcche Salomos und viele andere Bibelworte sind auch heute eine gro\u00dfe Hilfe, die unheimlichen Abgr\u00fcnde im eigenen Herzen zu erkennen. Und Jesus ist der Einzige, der uns retten und reich beschenken kann. Eine Trauung ist ja eigentlich ein herrlicher Bittgottesdienst mit gro\u00dfen Verhei\u00dfungen. Wie sch\u00f6n dr\u00fcckt das die alte Trauordnung W\u00fcrttembergs aus, dass \u201eeins das andere mit sich in den Himmel bringe\u201c und dass der andere nur f\u00fcr die kurze, begrenzte Lebenszeit eine Leihgabe Gottes ist, die man vor ihm verantworten muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ihr habt euch intensiv mit dem christlichen Liedgut besch\u00e4ftigt. Heute verzichten viele Gemeinden zugunsten von Anbetungsliedern auf die klassischen Chor\u00e4le. Wie ist diese Entwicklung zu erkl\u00e4ren? Wie k\u00f6nnte man der j\u00fcngeren Generation den inneren Wert der Chor\u00e4le wieder nahebringen? Bitte verrate uns auch dein Lieblingslied.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie mit der Bibel, so ist es auch mit den Liedern. Man braucht Unterweisung schon im Kindesalter. Die sch\u00f6nsten Lieder sind ja die Psalmen, im Hebr\u00e4ischen nur \u201eLobpreisungen\u201c genannt. Aber dieser Lobpreis hat eine riesige Weite, die heute fehlt. Zum Gotteslob geh\u00f6rt die ganze Vielfalt von Klage und Siegesjubel, aber auch S\u00fcndenbekenntnis, Bu\u00dfe und Beichte, Vergebung und Vertrauen, Anfechtung und Hoffnung, Menschenbosheit und Krankheitsleiden, Leiden und Erfahrung von \u00c4ngsten. Wie stark wirken da die vertonten Bibelworte! Leider sind auch in den Kirchengesangb\u00fcchern mit jeder Auflage viele bew\u00e4hrte Lieder in der Rubrik \u201eGottvertrauen, Kreuz und Trost\u201c ersatzlos gestrichen worden. Dabei erleben junge und alte Menschen Angst sehr existentiell. Gen\u00fcgt uns wirklich ein Wellness-Gef\u00fchl im Wohlstand? Wie schlimm war, dass man in der Pandemie die Kranken einsam sterben lie\u00df ohne Zuspruch des Evangeliums. Bei gro\u00dfen Sportereignissen f\u00e4llt auf, wie Nationalhymnen mit ihren feierlichen Melodien lautstark gesungen werden. Auch die gro\u00dfen Hymnen des Glaubens begleiten mit ihren tiefen Aussagen viele ein Leben lang bis in den Tod. Sie sind mehr als kurzlebige Schlager. Nun machen T\u00f6ne nicht selig, aber die Texte helfen. Ich habe die gro\u00dfen Lieder des Glaubens mit ihren gewichtigen Aussagen lieben gelernt bei der Familienandacht am Morgen, bei einem langen Krankenhausaufenthalt mit 9 Jahren, im Schulunterricht und in Gottesdiensten. Wie gut, wenn im Gesangbuch auch ein paar Worte \u00fcber die Dichter stehen. Und im Kindergottesdienst haben mich neben Lebensbildern die Berichte \u00fcber die Entstehung der Lieder begeistert. Und wenn man noch die Bachchor\u00e4le, Motetten, Kantaten entdeckt! Um Kunst zu verstehen, m\u00fcssen die Augen ge\u00f6ffnet werden. Und in Sprache und Literatur sind wir heute nur Zwerge auf den Schultern von Riesen. Wie herrlich ist das Glaubenszeugnis der Wolke von Zeugen vor uns! Eins soll aber auch nicht verschwiegen werden: Gott ist auf unser Lob nicht angewiesen, als ob wir ihn hochjubeln m\u00fcssten. \u201eTu von mir das Gepl\u00e4rr deiner Lieder!\u201c sagt Gott, wenn man in der S\u00fcnde verharrt und Gottes Gerechtigkeit mit F\u00fc\u00dfen tritt (Amos 5,21-25).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Lieblingslied \u201eSei Lob und Ehr dem h\u00f6chsten Gut\u201c stammt vom bedeutenden Reichsrat Johann Jakob Sch\u00fctz. Die Theologen einer erstarrten Kirche nahmen ihm \u00fcbel, dass er die ersten pietistischen Gemeinschaftsstunden ohne Pfarrer einf\u00fchrte. Wie herrlich hat Johann Sebastian Bach aus diesem Lied eine ganze Kantate gemacht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vor mir liegt das Buch \u201eIsrael mit der Bibel entdecken\u201c, das du zusammen mit deiner Frau herausgegeben hast. Ihr habt viele Reisegruppen durch Israel gef\u00fchrt und ihnen anhand des Landes die Bibel aufgeschlossen. Wie habt ihr den Teilnehmern die aktuellen Konflikte zwischen Israelis und Arabern erkl\u00e4rt? Was h\u00e4ltst du von der jetzt wieder neu proklamierten Zwei-Staaten-Idee?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat mich bei der Abfassung des Buches \u00fcberrascht, wie exakt die biblischen Aussagen mit den arch\u00e4ologischen Entdeckungen vor Ort \u00fcbereinstimmen. Aber auch die aktuellen Konflikte in Nahost werden erst an Ort und Stelle richtig verst\u00e4ndlich. Am Grab Abrahams in Hebron standen Ismael und Isaak. Dort liegt die Wurzel der un\u00fcberwindbaren Spannungen. So wie es in 1 Mose 16,12 hei\u00dft: \u201eEr wird wohnen all seinen Br\u00fcdern zum Trotz!\u201c Ein kurzer Spaziergang durch Jerusalem macht schnell deutlich, dass man hier auf dem engen Raum auch mit Mauern nichts mehr teilen kann. Vielmehr erf\u00fcllt sich das Wort Gottes, dass Jerusalem zum Taumelbecher f\u00fcr alle V\u00f6lker ringsum zugerichtet wird. Und Gott wird \u201eJerusalem zum Laststein f\u00fcr alle V\u00f6lker machen. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund rei\u00dfen; denn es werden sich alle V\u00f6lker auf Erden gegen Jerusalem versammeln\u201c (Sacharja 12,2f.). Angesichts dieses letzten Totalangriffs der vereinten Weltv\u00f6lker unter dem Antichristen gegen Israel in Jerusalem hat f\u00fcr mich der Besuch des englisch-deutschen Friedhofs auf dem Zionsberg eine gro\u00dfe Bedeutung. Dort liegen am Weg von der katholischen Dormitio ins Tal Hinnom die mutigen christlichen Pioniere, die in den letzten 180 Jahren das v\u00f6llig verw\u00fcstete und verarmte Jerusalem wieder aufbauten. Auf ihren Grabsteinen sind ihre Namen in hebr\u00e4ischer, arabischer und deutscher Schrift eingraviert. Mit Bibelworten weisen sie auf die Erf\u00fcllung der biblischen Verhei\u00dfungen: \u201eDas Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie: das ist unsere Mutter\u201c (Galater 4,26).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In deinem Buch \u201eKein Tag wie jeder andere\u201c erz\u00e4hlst du eine Begebenheit, wie ihr mit einer Reisegruppe einmal Beduinenkindern mit euren Lunchpaketen etwas Gutes tun wolltet, sie aber das nicht zu sch\u00e4tzen wussten und alles wegwarfen. Du ziehst daraus den Schluss, dass \u201eblo\u00dfe Geschenke der Wohlt\u00e4tigkeit nicht geachtet werden. Was nichts kostet, hat keinen Wert\u201c. Das bringt mich zur Frage, wie Entwicklungshilfe aussehen m\u00fcsste.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran ist ja die Entwicklungspolitik der Staaten oft gescheitert, dass man zu wenig begriffen hat, was die unterentwickelten L\u00e4nder wirklich brauchen. Die ersten Missionare haben einen Schwerpunkt ihrer Arbeit darauf gelegt, dass Menschen durch Christus neue Kreaturen werden. Ohne Bekehrung und geistliches Leben hat das Fass keinen Boden, wie viel man auch oben hineinsch\u00fcttet. Auch die Schulbildung der Jugend ist entscheidend. In der Armut wei\u00df man nicht, was man am n\u00f6tigsten braucht. In der gro\u00dfen Hungersnot nach dem 2. Weltkrieg kamen die ersten Care-Pakete. Wir hatten nichts zu essen und es fehlte an allem. Da schrieb die Spenderfamilie, was wir als kinderreiche Familie uns zu Weihnachten w\u00fcnschten. Wir schrieben unsere W\u00fcnsche nieder: Elektrische Eisenbahn, Schlittschuhe usf. Das war das Ende der Care-Pakete!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Amerikaner gaben uns Impulse zum Neuaufbau der Jugendarbeit. \u00dcberall waren pl\u00f6tzlich die steinharten B\u00e4lle vom Baseball und die ellipsenartigen B\u00e4lle vom amerikanischen Football. Wir konnten damit nichts anfangen, weil sie uns ungewohnt waren und niemand uns das lehrte. Das hat mir sehr geholfen in der Arbeit von Hilfe f\u00fcr Br\u00fcder. Wir wollten nie Entwicklungshilfe \u201emachen\u201c, sondern br\u00fcderliche Unterst\u00fctzung geben. Das ist in der Apostelgeschichte beschrieben, wie unser \u00dcberfluss dem Mangel der Notleidenden helfen kann. Nie haben wir den evangelikalen Kirchen im Ausland irgendein Projekt vorgeschlagen. Entscheidend waren f\u00fcr uns allein ihre Ideen. Wir pr\u00fcften ihre Projekte nur, ob sie wirtschaftlich und n\u00fctzlich und auch nachhaltig waren. Angesichts der verbreiteten Korruption war f\u00fcr uns auch wichtig, ob die Leute vor Ort einen guten Ruf haben und ihre Verantwortung vor Gott wahrnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du warst an der Gr\u00fcndung des Hilfswerks \u201eHilfe f\u00fcr Br\u00fcder\u201c 1980 ma\u00dfgeblich beteiligt. Sp\u00e4ter kam die Organisation \u201eChristliche Fachkr\u00e4fte International\u201c dazu. Was hat dich bzw. euch damals zur Gr\u00fcndung dieser Parallelstrukturen zu den kirchlichen Organisationen bewogen? Welches Fazit ziehst du heute nach \u00fcber 40 Jahren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hatte mich in die Mission berufen. Als ich 1961 mein Studium der Theologie abgeschlossen hatte, fuhr ich nach Basel ins Missionshaus zum Einf\u00fchrungskurs. Dort erfuhr ich, dass gar keine Missionare mehr ausgesandt werden. Ich war schockiert. Ein Missionsleiter wollte mich tr\u00f6sten und sagte: Wir suchen einen Akademieleiter f\u00fcr Kamerun. Aber ich wollte ja kein Akademieleiter sein, sondern schlicht Missionar. Das war eine Entt\u00e4uschung. Ich fand keine Mission, die mich senden wollte. So war das vor dem Aufbruch der Evangelikalen. Da riet mir einer, man kann auch in Deutschland Missionar sein. Schweren Herzens ging ich in den kirchlichen Dienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich heute zur\u00fcckblicke, kann ich nur staunen, wie Gott mich doch in die Mission gef\u00fchrt hat. Durch den \u201eLausanner Kongress f\u00fcr Weltevangelisation\u201c entdeckten 1974 viele Evangelikale in Deutschland die missionarisch aktiven Kirchen in aller Welt. Dringlich baten die: Lasst uns nicht l\u00e4nger allein! Unterst\u00fctzt uns bei der riesigen Aufgabe der Evangelisierung unserer V\u00f6lker. Vergesst nicht neben den Entwicklungsprogrammen, dass Millionen nach dem Wort Gottes hungern. 2,8 Milliarden haben das Evangelium noch nicht geh\u00f6rt. Das war der Ansto\u00df f\u00fcr Hilfe f\u00fcr Br\u00fcder. Ma\u00dfgeblich beteiligt waren Missionsleiter Ernst Vatter und die Oberkirchenr\u00e4te Walter Arnold und Dieter Bauer. Wir wollten eine Anlaufstelle f\u00fcr alle biblischen Missionskirchen schaffen, zu denen unsere Kirchen noch keine Verbindung hatten. Es ergab sich so, dass alle Beteiligten unsere Gemeinde als zentrale Adresse wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mission ist nicht nur Entwicklungshilfe, sondern der Anbruch des Reiches Gottes und Bau der Gemeinde Gottes in den Nationen. Manche neuen Missionen entstanden auch bei uns. F\u00fchrende Evangelikale aus Afrika und Asien kamen zu uns: Helft uns! Es war wunderbar, wie wir alle eins wurden. Der Name Hilfe f\u00fcr Br\u00fcder erinnerte an das Jesuswort: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan. Und Gott segnete das Vorhaben und gab Gelingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir heute auf diese letzten 40 Jahre zur\u00fcckblicken, k\u00f6nnen wir nur staunen \u00fcber den weltweiten geistlichen Aufbruch, an dem wir beteiligt sein durften. Unser Motto war: Dass Gottes Reich weltweit w\u00e4chst! Wo ein Feuer brennt, legen wir ein paar Kohlen dazu. Das Beste sind die Christen vor Ort. Sie kennen Land und Leute und sprechen ihre Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du hast mir geschrieben, dass du ein \u201eFan der Einzelgemeinde\u201c bist. Als Leiter des Gemeindehilfsbundes interessiert mich das theologische Konzept, das hinter dieser Leidenschaft steht. Andererseits: braucht nicht jede Einzelgemeinde auch eine gr\u00f6\u00dfere Struktur, um nicht zu vereinsamen und um sich vor theologischen Einseitigkeiten zu sch\u00fctzen? Kennst du gelungene Beispiele solcher \u201eEinzelgemeinden\u201c im Rahmen der landeskirchlichen Struktur?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute werden Gemeinden auch wider Willen fusioniert. Als unsere Ludwig-Hofacker-Gemeinde 1997 von solchen Pl\u00e4nen erfuhr, hat der Kirchengemeinderat das Modell einer \u201eFreiwilligkeitsgemeinde\u201c innerhalb der Landeskirche entwickelt &#8211; das missverst\u00e4ndliche Wort Personalgemeinde wollten wir vermeiden. Damit m\u00fcssten die weit \u00fcber die Grenzen W\u00fcrttembergs hinaus bekannten Impulse und Dienste nicht zerschlagen werden, da sie bei einer Fusion in andere Gemeinden nicht zu \u00fcbertragen oder zu integrieren sind. Dazu sind auch die Auffassungen \u00fcber die Gemeindearbeit unter den Theologen zu verschieden. Leider hat der Oberkirchenrat das Gesuch abgelehnt mit dem Hinweis, sich nicht damit befassen zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An vielen Orten Deutschlands haben viele landeskirchliche Einzelgemeinden eine besondere missionarische und erweckliche Leuchtkraft \u00fcberregional entfaltet. Das Modell \u201eKorntal\u201c, einer freien Br\u00fcdergemeinde innerhalb der Landeskirche, in das man sich auch aus anderen Gemeinden ummelden kann, hat sich seit \u00fcber 200 Jahren bew\u00e4hrt. Angesichts der gro\u00dfen theologischen Unterschiede w\u00e4ren in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten profiliert biblisch evangelistische und bekenntnistreue Richtungsgemeinden f\u00fcr viele landeskirchliche Christen eine gro\u00dfe Hilfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war Erich Schnepel, der f\u00fcr den entkirchlichten Berliner Osten das Modell von vielen Einzelpfarr\u00e4mtern mit einer Arbeitsmannschaft entwickelt hat. Der \u201eOffene Abend Stuttgart\u201c hat mit \u00fcber 300 ehrenamtlichen Mitarbeitern das modellhaft praktiziert. Da ja diese Einzelgemeinden ihren Platz in der Gemeinschaft der Kirche haben, ist keine Einseitigkeit zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du hast viel \u00fcber die Leiden der weltweit verfolgten Christen gepredigt und informiert. Auf dem \u201eSch\u00f6nblick\u201c gibt es Kongresse zu diesem Thema. Idea berichtet dankenswerterweise ebenfalls \u00fcber diese N\u00f6te. Trotz aller Aufkl\u00e4rung und aller Gebete scheint aber die Verfolgung der Christen weltweit zuzunehmen. Was ist da zu tun?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, die Verfolgung nimmt zu, weil Jesus der bestgehasste Name in der Welt ist. Das wird sich steigern, je n\u00e4her das Ende der Welt kommt. Und das Evangelium wird von einer antichristlichen Menschheit als Fremdk\u00f6rper empfunden, der bek\u00e4mpft werden muss. Wir haben nie um ein Ende der Verfolgung gebetet. Im Gegenteil haben wir erkannt, dass Leiden wegen Christus ein gro\u00dfer Segen sind. Das gro\u00dfe Manko der westlichen Christen ist, dass sie die Segnungen des Leidens nicht mehr kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen wieder lernen, wie Gott durch Leiden seine Gemeinde erneuert. In vielen L\u00e4ndern der Welt bedeutet die Bekehrung zu Jesus eine vernichtende Verfolgung. Davon sprach Jesus, dass dies alle bedenken m\u00fcssen, die in seine Nachfolge treten. Leiden bewahrt vor Verflachung und stellt das \u00c4rgernis des Evangeliums deutlich heraus. Der Mensch kann sich nicht selbst erl\u00f6sen, wie die Welt glaubt. Er ist vom F\u00fcrsten der Welt geknechtet. Allein das Blut von Jesus, am Kreuz vergossen, ist die Vers\u00f6hnung f\u00fcr die Welt. Paulus verbindet in seinen Briefen immer Leiden mit Freude: \u201eIch freue mich meiner Leiden!\u201c Das Evangelium steht in einem un\u00fcberbr\u00fcckbaren Spannungsverh\u00e4ltnis zu den M\u00e4chten dieser Welt. Erst im Leiden wird die Gemeinde wieder gereinigt und entdeckt die \u201eewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen wichtige Herrlichkeit f\u00fcr uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig\u201c (2 Korinther 4,17). Darum haben alle Verfolgungen immer zum Wachstum und zur St\u00e4rkung der Gemeinde gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Frage zum s\u00fcddeutschen Pietismus, wo du dich ja bestens auskennst. Wir in Norddeutschland haben lange Zeit sehns\u00fcchtig nach W\u00fcrttemberg geblickt. Ihr habt dort als einzige Landeskirche die Direktwahl der Synodalen durch die Gemeinden. Ihr habt die starke Synodalgruppe der \u201eLebendigen Gemeinde\u201c. Ihr habt gro\u00dfe landeskirchliche Gemeinschaftsverb\u00e4nde. Ihr habt die Jugendmissionskonferenz \u201eJumiko\u201c. Auf der Synode im M\u00e4rz 2019 haben nun aber mehr als die H\u00e4lfte der Synodalen der \u201eLebendigen Gemeinde\u201c f\u00fcr die Einf\u00fchrung von bibelwidrigen Gottesdiensten f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partnerschaften unter bestimmten Voraussetzungen gestimmt. Wie l\u00e4sst sich ein solches Abstimmungsverhalten mit dem pietistischen Bibelverst\u00e4ndnis vereinbaren, wonach man sich \u201eganz dem Text zuwenden\u201c soll (J.A. Bengel)?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein Fehler, vor zehn Jahren den pietistischen Hofackerkreis, eine freie und unabh\u00e4ngige Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibel und Bekenntnis, in die Synodalgruppe \u201eLebendige Gemeinde\u201c zu \u00fcberf\u00fchren. Eine kirchenpolitische Synodalgruppe tr\u00e4gt Verantwortung im Verfassungsorgan einer pluralistischen K\u00f6rperschaft. Das erfordert aber einen eindeutigen geistlichen Kampf auch wider Willen, wie \u00fcberall in den Landeskirchen, zunehmend auch in Freikirchen. In solchen demokratischen Gremien ist der Einfluss sehr geschw\u00e4cht, wenn man \u2013 wie jetzt \u2013 keine absolute Mehrheit hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Christen weichen erschreckt zur\u00fcck, wenn man vom Kampf redet, obwohl Epheser 6 uns auch darauf hinweist. 1938, mitten im Kirchenkampf, gab es einen Sammelband \u201eVom heiligen Kampf\u201c. Dort steht auch der Vers von Jochen Klepper:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wird sich als der Siege Sieg erweisen,<br \/>\ndass du sie selber in den Kampf gerissen.<br \/>\nUnd selbst erliegend werden sie es preisen<br \/>\nvom K\u00f6nig aller K\u00f6nige zu wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz anders ist es f\u00fcr den, der aus der Landeskirche austritt und die Freikirche w\u00e4hlt. Pietisten konnten in Jahrhunderten nur in der pluralistischen Landeskirche bleiben, weil sie nebenher ihre freien Werke mit einer klaren Bibelbasis bauten. So war \u00fcber viele Jahre hinweg die Hofacker-Vereinigung ein freies Werk innerhalb der Landeskirche, aber v\u00f6llig unabh\u00e4ngig. Hier konnten unz\u00e4hlige Initiativen zum Bau lebendiger Gemeinden einm\u00fctig beschlossen und durchgef\u00fchrt werden: Glaubenskonferenzen, Gemeindetage unter dem Wort, klare Stellungnahmen, Lutherbibel erkl\u00e4rt, Abendbibelschulen, Biblische Erz\u00e4hlungen f\u00fcr Kinder, Diakonie- und Missionskonferenzen, Albrecht-Bengel-Haus, Hilfe f\u00fcr Br\u00fcder und Christliche Fachkr\u00e4fte, Predigthilfe \u201eZuversicht und St\u00e4rke\u201c und vieles andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz gesagt: Der Pietismus kann am besten wirken als freies Werk in der Kirche, wenn m\u00f6glich auch mit der Kirche, aber nie unter der Kirche. Schrifttreue Pietisten haben oft in Synoden mitgewirkt, aber immer mit der linken Hand. Mit der rechten Hand bauten sie das Reich Gottes in freien Werken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was h\u00e4ltst du von der Formel der \u201eAuslegungsgemeinschaft\u201c, mit der man in der W\u00fcrttembergischen Landeskirche die unvereinbaren Gegens\u00e4tze zwischen einer bibel- und bekenntnisgebundenen Bibelauslegung und historisch-kritischen Auslegungen zu \u00fcberdecken versucht? Wie k\u00f6nnen sich Gemeinden gegen solche Vereinnahmungsversuche wappnen? Allgemeiner gefragt: wie sollen sich landeskirchliche Christen verhalten, die sich der zeitangepassten Theologie widersetzen und deswegen bedroht und ausgegrenzt werden? Und noch grunds\u00e4tzlicher: sind das alles Vorboten des \u201eendzeitlichen Gef\u00e4lles\u201c (Heinrich Kemner)?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das ist die Krise der letzten b\u00f6sen Zeit. Man kann die gro\u00dfe Kluft der tiefen Gegens\u00e4tze im Verst\u00e4ndnis der Bibel und in den Bekenntnisfragen nicht wirklich durch neue Wortsch\u00f6pfungen \u00fcberbr\u00fccken. Stehen wir heute nicht mitten in der schlimmsten Verf\u00fchrung seit der Reformation? Die Risse und Polarisierungen gehen mitten durch Gemeinden, ja auch Familien. Viele meinen ja, man solle um des Friedens willen schweigen. Das ist sicher das Bequemste. Aber in einer Sache, die das ewige Heil und Unheil der Welt und der Menschen betrifft, darf kein ehrlicher Christ schweigen. Bis tief in die Kirchen hinein nimmt die Gesetzlosigkeit zu und Gottes Gebote als seine guten Ordnungen werden aufgel\u00f6st. Jesus hat seine Gemeinde vor Verf\u00fchrung und Abfall gewarnt, die mitten aus der Gemeinde kommen. Und Jesus mahnte, \u201ewer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater\u201c (Matth\u00e4us 19,32). Darum tragen wir eine gro\u00dfe Verantwortung auch im Bekenntniskampf unserer Zeit. Es hat sich in allen Jahrhunderten der Geschichte der Christen gezeigt, wie Gott seinen Segen auf die Treue zu seinem Wort gelegt hat. Darum ist es wichtig, dass sich heute in dieser Zeit der Scheidung bekennende Christen sammeln und gegenseitig st\u00e4rken, was sterben will. Im Gebet und in der Gemeinschaft \u00fcber der Bibel sollen wir gr\u00fcndlich biblische Lehre erforschen und die Zusammenarbeit mit anderen suchen. \u201eF\u00fcrchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat dem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben\u201c (Lukas 12,32). Auch in der letzten schweren Verf\u00fchrung des Volkes Gottes baut Jesus sein ewiges Reich und macht schwache Zeugen un\u00fcberwindlich stark.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Fragen stellte Pastor Dr. Joachim Cochlovius.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/aufbruch_2_2021.pdf\">Aufbruch \u2013 Informationen des Gemeindehilfsbundes (Juli 2021)<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Wenn Sie den Aufbruch kostenlos abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an info@gemeindehilfsbund.de.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Leseempfehlung:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Winrich Scheffbuch<\/em><br \/>\n<strong><em>Jenseits der endlosen Meere<\/em><\/strong><br \/>\n<em>Christliche Literatur-Verbreitung (CLV), Bielefeld 2021, 352 Seiten, 14,90 Euro<\/em><br \/>\n<em>ISBN: 978-3-8669-9657-1<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winrich Scheffbuch wirkte 30 Jahre als Pfarrer in der Ludwig-Hofacker-Gemeinde in Stuttgart. Daneben trug er viele Jahre Verantwortung in den Missionswerken Hilfe f\u00fcr Br\u00fcder, Christliche Fachkr\u00e4fte International und CO-Workers International. Er besuchte verfolgte, bedr\u00e4ngte und notleidende Christen in aller Welt, unterst\u00fctzte aber auch ermutigende Erweckungen in der 3. Welt. 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