{"id":18243,"date":"2021-08-11T12:40:10","date_gmt":"2021-08-11T10:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18243"},"modified":"2021-08-11T13:24:53","modified_gmt":"2021-08-11T11:24:53","slug":"wird-es-ein-tausendjaehriges-friedensreich-auf-dieser-erde-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18243","title":{"rendered":"Wird es ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde geben?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Streit um das richtige Verst\u00e4ndnis von Offb 20<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Frage, ob es ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde nach Christi Wiederkunft geben wird, gibt es seit den Tagen der Alten Kirche Streit. Nachdem einige der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter (u.a. Hippolyt von Rom, Tertullian und Iren\u00e4us) sich ein solches Reich unter der Herrschaft Christi in den buntesten Farben vorgestellt hatten, beendete Augustin diese Spekulationen mit einer neuen Sichtweise, wonach das Friedensreich Christi bereits mit dem Entstehen der R\u00f6misch-katholischen Weltkirche begonnen habe. Der Zisterzienserm\u00f6nch Joachim von Fiore, der im 12. Jahrhundert lebte, legte seiner Auslegung des letzten Buchs der Bibel die These zugrunde, dass es analog zur Trinit\u00e4t Gottes drei Epochen der Heilsgeschichte gebe. Die letzte und h\u00f6chste sei die von ihm so genannte Epoche des Geistes, die ein Reich der Liebe, Freiheit und Verbr\u00fcderung der Menschen auf die Erde bringen werde.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst Bloch bewunderte die Utopien Joachim von Fiores. Thomas M\u00fcntzer berief sich in seinen revolution\u00e4ren Aufrufen an die Bauern, das Reich Gottes endlich mit Waffengewalt herzustellen, ausdr\u00fccklich auf ihn. Die Reformatoren behielten die augustinische Skepsis gegen\u00fcber der von ihnen so genannten \u201echiliastischen Schw\u00e4rmerei\u201c bei (\u201eChiliasmus\u201c = Lehre vom Tausendj\u00e4hrigen Reich Christi). Im Grundbekenntnis der Reformation, der Confessio Augustana (1530), hei\u00dft es: \u201eEbenso werden verworfen etliche j\u00fcdische Lehren, die sich auch jetzt wieder hervortun, dass vor der Auferstehung der Toten lauter Heilige und Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgen werden\u201c (Artikel 17). Seitdem mied die evangelische Theologie das Thema, bis es durch den Pietismus wieder auf die Tagesordnung kam. Theologen wie J. A. Bengel, M. Hahn und Oettinger lehrten, dass Jesus nach seiner Wiederkunft ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf der Erde gr\u00fcnden werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Freigeister wie Gotthold Ephraim Lessing und revolution\u00e4re Philosophen wie Friedrich Engels vertraten \u2013 in s\u00e4kularer Abwandlung \u2013 die Hoffnung auf ein kommendes von Frieden und Freiheit gekennzeichnetes Zeitalter. Lessing schrieb in seinem Traktat \u201eDie Erziehung des Menschengeschlechts\u201c (1780): \u201eSie wird kommen, sie wird gewiss kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch \u2026 das Gute tun wird, weil es das Gute ist\u201c. Engels schrieb 1842, sechs Jahre vor dem \u201aKommunistischen Manifest\u2018: \u201eDas ist unser Beruf, dass wir dieses Grals Tempeleisen werden, f\u00fcr ihn das Schwert um die Lenden g\u00fcrten und unser Leben fr\u00f6hlich einsetzen in dem letzten heiligen Krieg, dem das Tausendj\u00e4hrige Reich der Freiheit folgen wird\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem 19. Jahrhundert ist der Protestantismus in der Frage des tausendj\u00e4hrigen Friedensreichs gespalten. Im angels\u00e4chsischen Raum herrscht dabei generell eine gr\u00f6\u00dfere Offenheit f\u00fcr die Annahme eines solchen Zeitalters als in der deutschen akademischen Theologie. Unter evangelikal orientierten Theologen und Bibelauslegern gibt es im Blick auf dieses Thema unterschiedliche und variantenreiche Auffassungen, die mit den Begriffen \u201eAmillenarismus\u201c, \u201ePr\u00e4millenarismus\u201c und \u201ePostmillenarismus\u201c beschrieben werden k\u00f6nnen, je nachdem, ob ihre Vertreter gar kein zeitlich abgegrenztes Friedenszeitalter bei Jesu Wiederkunft oder dieses Zeitalter nach oder vor der Wiederkunft erwarten (\u201eMillenarismus\u201c wie \u201eChiliasmus\u201c = Lehre vom Tausendj\u00e4hrigen Reich Christi). In den folgenden Ausf\u00fchrungen schlie\u00dfe ich mich keiner der genannten Auslegungsrichtungen an, sondern suche einen neuen Zugang zum Schl\u00fcsselkapitel Offb 20, der von heilsgeschichtlichen \u00dcberlegungen und Beobachtungen der Struktur dieses Kapitels ausgeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Wiederkunft Jesu zum Gericht nach dem Zeugnis von Offb 19 und 20<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Auslegung des letzten Buchs der Bibel ist es weitgehend anerkannt, dass mit dem Reiter auf dem wei\u00dfen Pferd in Offb 19,11 der wiederkommende Christus gemeint ist. Auf wen w\u00fcrden sonst die Attribute \u201eTreu\u201c und \u201eWahrhaftig\u201c zutreffen, und wer k\u00f6nnte sonst \u201emit Gerechtigkeit\u201c richten und k\u00e4mpfen? Das zweite leibhafte Kommen Jesu auf die Erde wird kein der Welt verborgenes Geschehen sein wie seine Geburt in Bethlehem, sondern ein unerh\u00f6rtes gewaltiges Ereignis, das die ganze Welt ersch\u00fcttern wird und das aufgrund der kosmischen Begleiterscheinungen alle Menschen sehen werden. Den Sinn und Zweck der Wiederkunft bekennt die Christenheit im Apostolischen Glaubensbekenntnis, wenn sie gemeinsam spricht: \u201e \u2026 von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten\u201c. Gegen die widerg\u00f6ttlichen unsichtbaren und sichtbaren M\u00e4chte zu k\u00e4mpfen und \u00fcber sie zu richten, das wird seine gro\u00dfe Aufgabe sein, wenn er kommt und unseren jetzigen Zeitlauf zum Ziel bringt. In Offb 21,1 lesen wir dann von der Neusch\u00f6pfung von Himmel und Erde, die sich an die Kampfes- und Gerichtshandlungen Jesu Christi anschlie\u00dft. Von Offb 19,11 bis 20,15 ist also nichts anderes zu erwarten als eine Ausf\u00fchrung von 19,11, dass er \u201erichtet und k\u00e4mpft mit Gerechtigkeit\u201c. Der ganze Ernst dieser k\u00fcnftigen Ereignisse wird an den Versen 19,13 bis 15 deutlich. Sein Gewand wird mit Blut getr\u00e4nkt sein. Er wird mit seinem Wort, das wie ein scharfes Schwert aus seinem Mund kommen wird, V\u00f6lker richten. Er wird den grimmigen Zorn Gottes aus\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon wegen dieser Beobachtungen ist es schwer vorstellbar, dass in Offb 19,11 bis 20,15 Platz sein soll f\u00fcr ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich. Dieser Abschnitt hat durch und durch Gerichtscharakter. Wenn er auch eine Friedenszeit ank\u00fcndigte, w\u00e4re dies zu Beginn zumindest angedeutet. Stattdessen werden Christi Augen mit einer Feuerflamme verglichen. Da Feuer im biblischen Kontext meistens das Bildwort f\u00fcr Gericht ist, spricht auch dieses Attribut gegen die Annahme eines Friedensreichs inmitten von Gerichtshandlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehen wir uns die abschlie\u00dfenden Gerichtsakte des wiederkommenden Christus n\u00e4her an. Wenn wir den Abschnitt Offb 19,11 bis 20,15 genauer betrachten, stellen wir vier Gerichtshandlungen fest. Zuerst wird Christus die V\u00f6lkerheere, die sich unter Anf\u00fchrung des falschen Messias (=Antichristus) gegen den wahren, vom Himmel kommenden Messias versammelt haben, ohne irdische Waffengewalt, allein mit seinem g\u00f6ttlichen Wort schlagen. In Offb 16,12 bis 16 und Offb 19,17 und 18 und 21 ist von diesem Kampf die Rede, der in Harmagedon stattfinden wird. In einem zweiten Gerichtsakt wird auf Befehl Christi der falsche Christus (das \u201eTier\u201c) und der falsche Prophet ergriffen und in den feurigen Pfuhl geworfen. Damit hat die Verf\u00fchrung des Volkes Israel ein Ende (V. 20), denn der falsche Messias ist die gro\u00dfe endgeschichtliche Verf\u00fchrungsfigur, die Satan mobilisieren wird, um Gottes Plan zunichte zu machen, die Menschheit zu segnen durch Israel. Im dritten gro\u00dfen Gerichtsakt geht es Satan selber an den Kragen (Offb 20,1-3 und 7-10). Dieses Gericht vollzieht sich in zwei Akten. Zun\u00e4chst wird der Widersacher Gottes von einem Engel ergriffen und im Abgrund tausend Jahre festgehalten. Er, der die Frommen Tag und Nacht vor Gott verklagte (Hiob 1,6-12; Offb 12,10), muss tausend Jahre schweigen, wenn Christus auf dem gro\u00dfen, wei\u00dfen Thron sein Urteil \u00fcber die Toten spricht (Offb 20,11-15). Danach wird er f\u00fcr eine kurze Zeit freigelassen, um dann endg\u00fcltig in den Feuerpfuhl geworfen zu werden, nachdem er ein letztes Mal versucht hat, die Randv\u00f6lker der Erde gegen Christus aufzuwiegeln (Offb 20,7-10). Der vierte und abschlie\u00dfende Gerichtsakt des wiederkommenden Christus wird das Gericht \u00fcber die Toten sein, das ebenfalls in zwei Akten geschehen wird. Erst werden Gerichtsthrone aufgestellt, auf denen die lebendig gemachten M\u00e4rtyrer Platz nehmen d\u00fcrfen, um an dem tausend Jahre dauernden Gericht \u00fcber die Toten mitzuwirken (Offb 20,4-6). Dann wird dieses lange andauernde Gericht im Einzelnen beschrieben. Inmitten der aufgestellten Gerichtsthrone steht ein gro\u00dfer, wei\u00dfer Thron, von dem aus Christus das irdische Leben der Toten beurteilen und \u00fcber jedem sein gerechtes Urteil aussprechen wird (Offb 20,11-15).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Struktur von Offb 20<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst ist festzustellen, da\u00df es den Begriff \u201eTausendj\u00e4hriges Reich\u201c in der Johannesoffenbarung nicht gibt. Stattdessen gibt es in Offb. 20 zwei Erz\u00e4hlstr\u00e4nge, in denen von tausend Jahren die Rede ist. Erstens wird der Teufel f\u00fcr tausend Jahre gebunden und danach noch einmal f\u00fcr eine kurze Zeit freigelassen. Zweitens werden die mit einem Auferstehungsleib ausgestatteten \u201eenthaupteten\u201c M\u00e4rtyrer tausend Jahre lang zusammen mit Christus richten und regieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auffassung, dass es nach der Bindung Satans ein Tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde geben wird, entsteht im Wesentlichen durch eine rein chronologische Auffassung von Kap. 20. Man f\u00fcgt die Abschnitte V. 1-3, V. 4-6, V. 7-10 und V. 11-15 chronologisch aneinander. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Christus nach der Bindung Satans zusammen mit den lebendig gewordenen M\u00e4rtyrern tausend Jahre regieren wird, dass danach der Teufel endg\u00fcltig vernichtet wird und dass dann schlie\u00dflich das Weltgericht abgehalten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche rein chronologische Aneinanderreihung der Geschehnisse von Kap. 20 kann jedoch nicht \u00fcberzeugen. Die ganze Johannesoffenbarung ist ja nicht streng chronologisch, sondern theologisch-heils\u00f6konomisch in konzentrischen Kreisen aufgebaut. Das innere Leitthema ist das Verh\u00e4ltnis Christi zu den \u00dcberwindern bzw. den \u201eKnechten Gottes\u201c. Diesem Thema folgt die Struktur. Dies gilt es \u00fcberall zu bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits ausgef\u00fchrt, werden in Kap. 20 zwei Gerichtsakte geschildert, das Gericht \u00fcber Satan und \u00fcber die christuslose Menschheit (die Toten). Die Schilderung dieser beiden Gerichtsakte geschieht nicht chronologisch, sondern verschr\u00e4nkt. Johannes will offensichtlich den Eindruck vermeiden, dass das Gericht erst tausend Jahre nach der Bindung Satans vollzogen wird. Deswegen setzt er jeweils den 1. Teil und den 2. Teil der beiden Erz\u00e4hlstr\u00e4nge nebeneinander. Er w\u00e4hlt dazu die rhetorische Figur des Chiasmus, der gegenl\u00e4ufigen Entsprechung. Erst spricht er von Satans Bindung und seinem Hinabwurf in den Abgrund und dann, obwohl der Bericht \u00fcber Satan noch nicht zu Ende gef\u00fchrt ist, von den Gerichtsthronen, auf denen die auferstandenen M\u00e4rtyrer Platz nehmen. Danach nimmt er den ersten Erz\u00e4hlstrang wieder auf und f\u00fchrt nach diesem dann auch den zweiten Erz\u00e4hlstrang zu Ende. Diese verschr\u00e4nkte Darstellung soll also nicht zur Annahme f\u00fchren, dass das Gericht \u00fcber die christuslose Menschheit erst tausend Jahre nach der Bindung Satans erfolgt. Die folgenden Schaubilder verdeutlichen diesen Sachverhalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tabelle 1: Textzusammenhang<\/strong><\/p>\n<table style=\"width: 442px;\" width=\"597\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 98.3654px;\">20,1-3:<br \/>\nBindung und Vernichtung Satans<br \/>\n1. Teil<\/td>\n<td style=\"width: 105.542px;\">20,4-6:<br \/>\nGericht \u00fcber die christuslose Menschheit (die Toten)<br \/>\n1. Teil<\/td>\n<td style=\"width: 105.773px;\">20,7-10:<br \/>\nBindung und Vernichtung Satans<br \/>\n2. Teil<\/td>\n<td style=\"width: 107.065px;\">20,11-15:<br \/>\nGericht \u00fcber die christuslose Menschheit (die Toten)<br \/>\n2. Teil<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tabelle 2: Sinnzusammenhang<\/strong><\/p>\n<table style=\"width: 526px;\" width=\"597\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 236.008px;\"><strong>Das Gericht \u00fcber Satan<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 275.631px;\"><strong>Das Gericht \u00fcber die christuslose Menschheit (die Toten)<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 236.008px;\">20,1-3: Bindung Satans<\/td>\n<td style=\"width: 275.631px;\">20,4-6: Die M\u00e4rtyrer als Mitrichter<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 236.008px;\">20,7-10: Kurze Freilassung und anschlie\u00dfende Vernichtung Satans<\/td>\n<td style=\"width: 275.631px;\">20,11-15: Das Gerichtsgeschehen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tabelle 3: Chiastische (gegenl\u00e4ufige) Anordnung der beiden Erz\u00e4hlstr\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<table style=\"width: 537px;\" width=\"597\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 249.369px;\"><strong>Satan<\/strong> <strong>und die tausend Jahre<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 273.277px;\"><strong>Die<\/strong> <strong>M\u00e4rtyrer und die tausend Jahre<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 249.369px;\">20,3: Satan wird nach den tausend Jahren f\u00fcr kurze Zeit freigelassen.<br \/>\n(Ank\u00fcndigung)<\/td>\n<td style=\"width: 273.277px;\">20,4: Die M\u00e4rtyrer werden lebendig und regieren tausend Jahre mit Christus<br \/>\n(Ausf\u00fchrung)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 249.369px;\">20,7: Satan wird nach tausend Jahren eine kleine Zeit freigelassen<br \/>\n(Ausf\u00fchrung)<\/td>\n<td style=\"width: 273.277px;\">20,6: Die M\u00e4rtyrer werden lebendig und regieren tausend Jahre mit Christus<br \/>\n(Ank\u00fcndigung)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Erweis der verschr\u00e4nkten Darstellungsweise in Kap. 20 entf\u00e4llt die Annahme, dass das Gericht \u00fcber die christuslose Menschheit (die Toten) erst nach den tausend Jahren stattfindet. Gerade diese Annahme war und ist ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Auffassung, dass Christus ein Tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde errichten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einzelerl\u00e4uterungen zu den tausend Jahren in Offb 20,1-7<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur die Johannesoffenbarung, sondern das gesamte Schriftzeugnis schweigt \u00fcber ein Tausendj\u00e4hriges Reich auf dieser Erde. Es gibt diesen Begriff weder im A.T. noch im N.T. Auch der Apostel Paulus, der in 1 Kor. 15 der Gemeinde Aufschluss gibt \u00fcber die mit der Wiederkunft Christi zusammenh\u00e4ngenden Ereignisse, sagt davon nichts. Im Gegenteil, er sagt in 1 Kor 15,24 deutlich, dass nach der Wiederkunft Christi und der Entr\u00fcckung der Christusgl\u00e4ubigen die Vollendungszeit beginnt (das griechische Wort <em>telos<\/em> wird am besten mit Vollendung bzw. Vollendungszeit wiedergegeben).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die Lehre von einem Tausendj\u00e4hrigen Friedensreich Christi auf unserer Erde nicht \u00fcbernehmen will, muss man nat\u00fcrlich zu den einzelnen Aussagen in Offb. 20,1-7, wo von den tausend Jahren die Rede ist, Stellung beziehen. Dies soll hier kurz geschehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ersten Erz\u00e4hlstrang (Gericht \u00fcber Satan) hei\u00dft es, dass Satan tausend Jahre im Abgrund verwahrt und danach f\u00fcr eine kurze Zeit freigelassen wird, bis er endg\u00fcltig in den Feuerpfuhl geworfen wird (Offb 20,1-3; 7-10). Die tausendj\u00e4hrige Gefangenschaft Satans n\u00f6tigt keineswegs zur Annahme einer tausendj\u00e4hrigen Regierung Christi auf unserer Erde. Sie wird vielmehr erst dann verst\u00e4ndlich, wenn man das Wesen Satans bedenkt. Aus dem Hiobbuch wissen wir, dass Satan ein durch und durch negatives Menschenbild hat. Er ist davon \u00fcberzeugt, dass der Mensch \u2013 genauso wie er selbst \u2013 einen berechnenden Charakter hat und nur deswegen fromm ist, um von Gott Gutes zu bekommen. Die Religionen und die humanistischen Anstrengungen der Menschen scheinen ihm Recht zu geben. Zu einer reinen, selbstlosen Liebe zu Gott und den Menschen ist niemand aus eigener Kraft f\u00e4hig. Da Satan genau wei\u00df, dass gerade dies seit Beginn der Sch\u00f6pfung Gottes Ziel mit der Menschheit ist, h\u00e4lt er Gottes \u201eExperiment\u201c mit der Menschheit f\u00fcr gescheitert und sieht viel Anlass, die Menschen zu verklagen und damit Gottes Sch\u00f6pfungsabsicht zu verh\u00f6hnen. Dass es ein Menschsein gibt, dass Gott um Gottes Willen die Ehre gibt und den N\u00e4chsten um seiner selbst willen liebt, kann Satan nicht denken, weswegen er sich auch bei seiner Wette um Hiob so sicher ist. Das ist der eigentliche Grund, warum Christus den Dauerankl\u00e4ger der Menschheit f\u00fcr die Dauer der Gerichtszeit zum Schweigen bringt. Satan irrt mit seinem Menschenbild. Die Gestalt Hiobs ist der Beweis, dass es ein Menschsein gibt, das Gott und den N\u00e4chsten ohne Berechnung liebt. Die tausend Jahre im Abgrund ohne Gelegenheit, irgendjemand zu verklagen, sind f\u00fcr Satan eine einzige Besch\u00e4mung. Christus kann ihn bei seiner gro\u00dfen abschlie\u00dfenden Pr\u00fcfung der Toten nicht gebrauchen. Das endg\u00fcltige Urteil will er allein in Gerechtigkeit und Liebe f\u00e4llen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Erz\u00e4hlstrang (Offb 20,4-6; 11-15) berichtet von den M\u00e4rtyrern, die bei Christi Wiederkunft lebendig werden und gew\u00fcrdigt werden, am Gericht Christi \u00fcber die Toten mitzuwirken, und vom Vollzug des Gerichts. Zun\u00e4chst schaut der Seher Johannes Gerichtsthrone. Diese Throne stehen in enger Zuordnung zum gro\u00dfen, wei\u00dfen Thron in V. 11. Diejenigen, die gew\u00fcrdigt werden, darauf Platz zu nehmen, werden also am Pr\u00fcf- und Beurteilungsverfahren teilnehmen. Es gibt die Auffassung, dass das Endgericht ein reines Verdammungsgericht sei. Dem muss widersprochen werden. Ausdr\u00fccklich steht in V. 12 und 15, dass nicht nur die B\u00fccher ge\u00f6ffnet werden, die das Leben der einzelnen nachzeichnen, sondern dass auch ein Lebensbuch ge\u00f6ffnet wird mit all denen, die zum Leben in Gottes Gemeinschaft berufen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sind die M\u00e4rtyrer, die wegen ihres Zeugnisses f\u00fcr Jesus und ihrer Ablehnung des \u201eTieres\u201c (des Antichristus) get\u00f6tet worden sind und die geadelt werden, zusammen mit Christus zu regieren? Die beiden anderen Stellen im Offenbarungsbuch, die ebenfalls vom Mitregieren bzw. Regieren reden (Offb 5,10 und 22,5), helfen bei der Antwort. Nach 5,10 zu urteilen, sind es Menschen, an denen sich die uralte Verhei\u00dfung aus 2 Mose 19,5f erf\u00fcllt, wo Israel von Gott als heiliges Priester- und K\u00f6nigsvolk auf der Erde eingesetzt wird. In 22,5 sind es die \u201eKnechte Gottes\u201c, die in der Vollendungswelt am Thron Gottes im Neuen Jerusalem dienen. Diese Ehrenbezeichnungen (\u201ePriester\u201c, \u201eK\u00f6nige\u201c, \u201eKnechte Gottes\u201c) weisen eindeutig auf auserw\u00e4hlte Glieder aus dem j\u00fcdischen Volk. Wenn man zus\u00e4tzlich bedenkt, dass der endgeschichtliche Pseudomessias (Antichristus) eine von Satan inspirierte Figur ist, die in erster Linie das Volk Israel verf\u00fchren und vernichten soll, dann ist die Antwort klar. Diese M\u00e4rtyrer sind Angeh\u00f6rige Israels, die dem Antichristus die Gefolgschaft verweigert haben und deswegen sterben mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Stellen 5,10 und 22,5 helfen auch, die Dauer der Mitregentschaft richtig einzuordnen. Diese Mitherrscher Christi werden nicht nur gew\u00fcrdigt, w\u00e4hrend des tausendj\u00e4hrigen Gerichts mitzuwirken, sondern sie d\u00fcrfen \u201evon Ewigkeit zu Ewigkeit\u201c vor dem Thron Gottes dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich noch eine Bemerkung zum Stichwort \u201eregieren\u201c. Dieser Begriff scheint zun\u00e4chst die Auffassung zu st\u00fctzen, dass die auferstandenen M\u00e4rtyrer \u00c4mter in einer k\u00fcnftigen Regierung Christi \u00fcbernehmen, aber der Zusammenhang von Offb 19,11 bis 20,15 zeigt deutlich, dass dieses Mitregieren ein Mitrichten ist. Im Alten Testament hatte der K\u00f6nig immer auch das h\u00f6chste Richteramt inne, regieren und richten geh\u00f6rten immer zusammen. Und so ist es auch in unserem Zusammenhang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist zu den alttestamentlichen prophetischen Verhei\u00dfungen der neuen Natur- und Lebensbedingungen, der segensvollen T\u00e4tigkeiten Israels an den V\u00f6lkern und der Wallfahrten der V\u00f6lker nach Jerusalem zu sagen, die von den Vertretern des \u201eTausendj\u00e4hrigen Reichs\u201c meist als dessen Hauptkennzeichen angegeben werden? Sprechen diese vielen Ank\u00fcndigungen nicht f\u00fcr die Vorstellung eines tausendj\u00e4hrigen Friedensreichs? Nicht unbedingt. Diese wunderbaren neuen Verh\u00e4ltnisse werden gewiss eintreten, denn \u201ewas Gott verhei\u00dft, das kann er auch tun\u201c (R\u00f6m 4,21). Dies wird alles geschehen, wenn Christus seine Gerichtsakte abgeschlossen hat und ein neuer Himmel und eine neue Erde erschaffen wird. Davon handeln dann Kap. 21 und 22 im Buch der Offenbarung Jesu Christi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hinweis:<\/em> <em>Wer sich intensiver mit dem letzten Buch der Bibel besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, dem empfehlen wir die Auslegung von Pastor Dr. Joachim Cochlovius: \u201eSiehe, ich mache alles neu. Das Buch der Offenbarung Jesu Christi\u201c. 4. Auflage 2019, 352 Seiten. Preis 15 Euro zuz\u00fcgl. Versandkosten. Das Buch kann bestellt werden entweder bei der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode; Tel.: 05161\/911330; Email: info@gemeindehilfsbund.de oder beim Buchversand Dr. Cochlovius (Tel.: 05161\/73276; Email: jc-buchversand@web.de).<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel ist entnommen aus &#8222;Aufbruch. Informationen des Gemeindehilfsbundes&#8220; Juli 2021. Die Zeitschrift kann kostenlos bestellt und abonniert werden \u00fcber die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode, Tel.: 05161\/911330;<br \/>\nEmail: info@gemeindehilfsbund.de<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Streit um das richtige Verst\u00e4ndnis von Offb 20 Um die Frage, ob es ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde nach Christi Wiederkunft geben wird, gibt es seit den Tagen der Alten Kirche Streit. Nachdem einige der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter (u.a. Hippolyt von Rom, Tertullian und Iren\u00e4us) sich ein solches Reich unter der Herrschaft Christi in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[15,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18243"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/67"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18243"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18249,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18243\/revisions\/18249"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}