{"id":18209,"date":"2021-07-16T15:42:15","date_gmt":"2021-07-16T13:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18209"},"modified":"2025-02-25T16:57:24","modified_gmt":"2025-02-25T15:57:24","slug":"kirche-die-keiner-mehr-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18209","title":{"rendered":"Kirche, die keiner mehr braucht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In Massen fl\u00fcchten die Gl\u00e4ubigen aus ihren Kirchen. Dabei m\u00fc\u00dften Austrittswillige oder \u201eZwangsmitglieder\u201c (durch Taufe oder Elternhaus) doch schon l\u00e4ngst weg sein. Die Zahlen waren bereits in den letzten Jahren dramatisch hoch. Jetzt geht es an die Substanz. Diesmal ist es so, als w\u00fcrden die Bundesl\u00e4nder Bremen und Saarland geschlossen ausgetreten sein oder die Metropole M\u00fcnchen, wenn man n\u00e4mlich Kinder und Muslime etc. abzieht: insgesamt 441.000 Mitglieder kehrten beiden Gro\u00dfkirchen im Jahr 2020 den R\u00fccken.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast zu gleichen Teilen Katholiken und Protestanten. Das \u00fcberrascht, versteckte sich die EKD doch immer gern hinter dem Argument, der katholische Mi\u00dfbrauchsskandal w\u00e4re Hauptursache der Austritte. Nun ist es gerade der ach so fortschrittliche und moderne Protestantismus mit seinen Bisch\u00f6finnen, Pastorinnen, Fl\u00fcchtlings-Rettungs-Schiffen, Bibeln \u201ein gerechter Sprache\u201c und dergleichen, der nicht weniger zur Ader gelassen wird als ein Katholizismus, der ja gerade erst beginnt, die EKD links zu \u00fcberholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, die WELT bringt es auf den Punkt: \u201eNicht einmal Not lehrt noch beten!\u201c Und gibt dem vernichtenden Kommentar die \u00dcberschrift: \u201eDie Kirche selbst hat das Signal gesendet, man brauche sie nicht mehr.\u201c Genau das ist das Dilemma, und dar\u00fcber wird all das klerikale Erkl\u00e4rungs- und Ursachen-Geschw\u00e4tz f\u00fcr das Drama zu Makulatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e4cherlich die katholische Beruhigungs-Variante, den Leuten gingen die Reformen nicht schnell genug. Ach, dann m\u00fc\u00dfte die EKD ja Zulauf haben, so kommentiert auch die FAZ. Oder die evangelische Version, es seien ja weniger Austritte als erwartetet. Nein, Kirche war einfach nicht da, als sie am n\u00f6tigsten gebraucht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn das Christentum nicht einmal in einer Zeit der Pandemie wieder mehr (!) Menschen existenziell zu ber\u00fchren vermag, wann denn dann?\u201c, fragt die WELT. Ja, die Menschen suchten noch, hei\u00dft es richtig, \u201eaber sie werden in ihrer Kirche nicht mehr f\u00fcndig.\u201c Das erkannte \u00fcbrigens schon Verleger Axel Springer, als er in den 1970er die EKD verlie\u00df und der selbst\u00e4ndig-lutherischen SELK beitrat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvergessen der Tweet des liberalen WELT-Chefs Ulf Poschardt nach dem Besuch eines Berliner Weihnachtsgottesdienstes 2017\u00a0&#8222;Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Gr\u00fcnen Jugend verbracht?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hat sich dieses Ph\u00e4nomen in einer Weise beschleunigt, dass einem schwindelig wird: Regenbogen-Pfarrer und Gender-Bisch\u00f6fe hei\u00dfen alles gut, was der Zeitgeist gebietet, der Heilige Geist jedoch verbietet. Wer meint, die Grundurkunde des christlichen Glaubens, das Evangelium, nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich der Mode anpassen zu m\u00fcssen, verliert jegliche Attraktivit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit. Wozu eine Kirche, die in einer schwedischen Schulschw\u00e4nzerin eine neue Heilige sieht?!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvergessen, wie der damalige Linken-Chef Gregor Gysi mir einmal sagte: \u201eWenn ich in die Kirche gehe erwarte ich, dass man \u00fcber S\u00fcnde redet und mir die Leviten liest.\u201c Weil das eben sonst niemand kann. Doch S\u00fcnde ist heute reduziert, pervertiert und minimiert auf Klimas\u00fcnder, Coronas\u00fcnder, Diesels\u00fcnder oder AfD-W\u00e4hler-S\u00fcnder und Anti-Impf- und Anti-Regenbogen-S\u00fcnder. F\u00fcr das alles braucht man im Sinne des Kollegen Poschardt keine Kirche, das kann man bei Gr\u00fcnen und Jusos billiger haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das ist das n\u00e4chste Problem: die Kirchensteuer wird einem Volk, dem gerade das Geld aus allen vorhandenen Taschen gezogen wird, einfach zu viel. Die Urlaubskosten haben sich dieses Jahr nahezu verdreifacht, so gerade das renommierte Vergleichsportal \u201eCheck24\u201c. Die Energiepreise explodieren. Die kommenden Winter werden unbezahlbar. Und die Kirchen beteiligen sich ja an der Preistreiberei, nimmt man nur das Klima-Allotria von den Kanzeln oder das Herbeischiffen junger \u201eFl\u00fcchtlinge\u201c ins soziale Netz Deutschlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommen Gender-Sprach-Richtlinien, die alles staatlich Verordnete weit in den Schatten stellen. Zum Jahresende hat der k\u00e4mpferische Vorsitzende des Vereins deutsche Sprache (VDS), Prof. Walter Kr\u00e4mer, gegen\u00fcber dem Bischof von Hildesheim seinen Kirchenaustritt zum Jahresende angek\u00fcndigt \u2014- \u201ewegen der kirchlich angeordneten Vergewaltigung der deutschen Sprache.\u201c Er wei\u00df damit bekanntlich mehr als zwei Drittel der B\u00fcrger auf seiner Seite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich k\u00f6nnte Listen von Pfarrern nennen, die ihre Posten verloren haben oder denen die H\u00f6lle hei\u00df gemacht wird aus den himmlischen Sph\u00e4ren der Kirchenleitungen, weil sie sich (mit der Bibel in der Hand oder mit Luthers \u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders\u201c auf den Lippen) all dem modischen Irrsinn zu widersetzten wagen. Nur dass CDU und CSU erstmals in ihrer Geschichte das christliche \u00a0Herzensthema \u201eLebensschutz und Abtreibung\u201c mit keiner Silbe im Wahlprogramm erw\u00e4hnen, juckt die zeitgeistlichen Oberhirten nicht im Geringsten. Im Gegenteil, der Rubel rollt doch (noch).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGeld erstickt den Glauben,\u201c dieser Schl\u00fcsselsatz von Papst Benedikt XVI. bringt das ganze Dilemma auf den Punkt. Der Selbstbedienungsladen einer vom staatlichen Finanzamt eingezogenen Kirchensteuer l\u00e4\u00dft die klerikale Kaste so lange auf ihren synodalen Irrwegen wandeln, bis der letzte das Licht ausmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur aus dieser Position heraus konnte man unger\u00fchrt den obrigkeitlichen Corona-Verordnungen vorbehaltlos zustimmen. Die einsamen und hilfsbed\u00fcrftigen Gl\u00e4ubigen in Seniorenheimen, Kliniken oder den Trauerh\u00e4usern waren piep-egal, und jetzt kommt die Quittung. Das war gerade jetzt zu sehen, \u201eals Bisch\u00f6fe \u00f6ffentliche Gottesdienste allzu klaglos absagten und manche Pfarrer ihre Kirchen allzu lange geschlossen lie\u00dfen\u201c (WELT). Jetzt, wenn alles vorbei ist, braucht man Kirche tats\u00e4chlich nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn es noch eines Beweises bedarf, wie selbstzerst\u00f6rerisch sich die Kirchen ihrer eigenen Substanz berauben: der Leitartikel der Neuen Osnabr\u00fccker Zeitung (NOZ) fordert hellsichtig und spitzfindig, kirchliche Privilegien unter die Lupe zu nehmen. Wenn immer weniger Eltern Mitglied einer christlichen Kirche sind, \u201egeh\u00f6rt der konfessionell gebundene Religionsunterricht auf den Pr\u00fcfstand.\u201c Das kann man nahtlos erweitern auf die immer noch selbstverst\u00e4ndlich erachtete Seelsorge in Armee, Gef\u00e4ngnissen oder Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was soll eine Kirche, die sich in Corona-Zeiten auf die Empfehlung reduzierte, auf Balkonen \u201ef\u00fcr die Helden\u201c zu singen oder das Internet zu nutzen und mitnichten daran dachte, auf \u201eSystemrelevanz\u201c zu klagen? Die Zeit ist reif f\u00fcr einen neuen Buchtitel: Kirche schafft sich ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Peter Hahne, 16.7.2021<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auch erschienen auf <a href=\"http:\/\/www.kath.net\">www.kath.net<\/a> und der Achse des Guten (<a href=\"http:\/\/www.achgut.com\">www.achgut.com<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Buchtipp: Peter Hahne: \u201eNiemals aufgeben!\u201c, Verlag mediaKern, 160 Seiten, Euro 9,95<\/em><\/p>\n<p><em>Foto: Peter Hahne in der WDR-Sendung &#8222;Maischberger&#8220; am 2. Mai 2018: <span class=\"mw-mmv-source-author\"><span class=\"mw-mmv-author mw-mmv-source\">\u00a9 Superbass \/ CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Massen fl\u00fcchten die Gl\u00e4ubigen aus ihren Kirchen. 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