{"id":18184,"date":"2021-07-01T12:53:48","date_gmt":"2021-07-01T10:53:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18184"},"modified":"2021-07-05T14:04:38","modified_gmt":"2021-07-05T12:04:38","slug":"vortrag-beim-regionaltreffen-des-gemeindehilfsbundes-ich-bin-nicht-gekommen-frieden-zu-bringen-sondern-das-schwert-mt-1034%e2%80%a8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18184","title":{"rendered":"Vortrag beim Regionaltreffen des Gemeindehilfsbundes: &#8222;Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.\u201c (Mt 10,34)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vor f\u00fcnfhundert Jahren reiste Martin Luther nach Worms, um dem Reichstag seine theologischen Positionen, die doch so viel Diskussion und Aufregung in der christlichen Welt hervorgerufen haben, zu erl\u00e4utern. Auch wenn der Kaiser ihm geschrieben hatte: \u201eEhrsamer, Lieber, And\u00e4chtiger! Nachdem Wir und die St\u00e4nde des heiligen Reiches, die jetzt hier versammelt sind, uns vorgenommen und entschlossen haben, der Lehre und B\u00fccher halber, die vor einiger Zeit von dir herausgegeben wurden, Erkundigung von dir einzuholen und diese zu bekommen, haben Wir dir f\u00fcr dein Herkommen und sp\u00e4ter wieder von hier zu deiner sicheren Bleibe Unser und des Reichs freie, ungeschm\u00e4lerte Sicherheit und Geleit gegeben. Das senden Wir dir hiermit zu, mit dem Begehren, du m\u00f6gest dich demn\u00e4chst aufmachen, und zwar so, dass du in einundzwanzig Tagen, wie es unser Geleit bestimmt, mit Gewissheit hier bei uns sein m\u00f6gest und nicht ausbleibst. Du sollst dir auch um keine Gewalt oder Unrecht Sorgen machen. Karl V.\u201c, lagen doch die Vorstellungen \u00fcber die Art und Weise des Auftritts vor dem Reichstag weit auseinander.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hoffte, seine Theologie zu erl\u00e4utern, vielleicht sogar ein wenig zu disputieren, der Kurf\u00fcrst hoffte, dass sich Luther dergestalt rechtfertigen w\u00fcrde, dass der Reichstag die Causa Lutheri beenden werde und Luther damit der Jurisdiktion der Kirche entzogen w\u00e4re, Karl V. wollte ein Verh\u00f6r, seine R\u00e4te und die Kurie, dass Luther ein f\u00fcr alle Mal seine in ihren Augen h\u00e4retischen Lehren widerrufen w\u00fcrde. Zwischen Erl\u00e4uterung und Widerruf \u00f6ffnete sich ein breiter Graben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Blick auf Jan Hus wusste Luther, wie wenig das Freie Geleit eines Kaisers im Ernstfall wert war. Am 24. M\u00e4rz 1521 hatte er noch einem Freund geschrieben: \u201eSie arbeiten daran, dass ich viele Artikel widerrufen soll, aber mein Widerruf wird dieser sein: Fr\u00fcher habe ich gesagt, der Papst sei der Statthalter Christi; jetzt widerrufe ich es, und sage: Der Papst ist Christi Widerw\u00e4rtiger und der Apostel des Teufels.\u201c Er zweifelte nicht daran, dass der \u201eallerheiligste Widersacher Christi, der oberste Anstifter und Lehrer der Mo\u0308rder\u201c ihn vernichten wolle \u2013 so, wie er Johannes Hus auf den Scheiterhaufen geschickt hatte. Ungewiss blieb indes, ob dem Papst der Anschlag auf Martins Leben gelingen w\u00fcrde. Sicherheit in dieser schwierigen Situation fand er nur, wie so oft schon, im Glauben: \u201eEs geschehe der Wille des Herrn. Mein Christus wird mir den Geist geben, dass ich die Diener des Satans im Leben verachte und im Sterben \u00fcberwinde.\u201c Man darf nicht vergessen, dass Luther zu diesem Zeitpunkt bereits durch die Bulle \u201eDecet Romanum Pontificem\u201c als Ketzer galt. Dennoch entschloss sich Luther zur Reise nach Worms. Oft d\u00fcrfte er an Christus im Garten von Gethsemane gedacht habe: \u201eMein Vater, ist\u2019s m\u00f6glich, so gehe dieser Kelch an mir vor\u00fcber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!\u201c (Mt 26,39). Als Doktor der Heiligen Schrift focht Luther nicht f\u00fcr sich, sondern stand in der Verantwortung des Glaubens. Nahm er das ernst, lag es nicht in seiner freien Entscheidung, ober er zum Reichstag ging oder nicht, dann hatte er sich auf diesen Weg zu begeben. An seinen Dienstherrn Friedrich den Weisen schrieb er: \u201eAber da ich jetzt sehe, dass meine Hoffnung ein blo\u00dfer Menschengedanke gewesen ist, und ich t\u00e4glich in dieses gro\u00dfe, tiefe Meer hineingezogen werde, in dem unz\u00e4hliges Gew\u00fcrm, die gro\u00dfen Tiere mit den kleinen ihre Kr\u00e4fte und Bem\u00fchungen zusammensetzen, so sehe ich zugleich, dass der Satan durch die Anfechtung meiner Hoffnung nichts Anderes gesucht habe, als dass ich abgelenkt durch das Gef\u00fchl meiner Nichtigkeit, endlich ganz und gar von meinem Vornehmen abk\u00e4me, und ich eher nach Babylon wandern m\u00fcsste, ehe ich mein Jerusalem mit Wehr und Speise versehen m\u00fcsste.\u201c Und Freund Spalatin lie\u00df er grimmig wissen: \u201eWenn so viel Teufel zu Worms w\u00e4ren als Ziegel auf den D\u00e4chern, noch wollte ich hinein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie war der Zustand der Kirche &#8211; damals: Wie ein fr\u00fches Br\u00fcssel wollte der r\u00f6mische Klerus Europa beherrschen \u2013 und die Deutschen sollten daf\u00fcr und im immer gr\u00f6\u00dferer Weise den Zahlmeister abgeben. Deshalb entstanden die ber\u00fchmten Gravamina der deutschen Nation. Die Bestrebungen in den deutschen Landen, eine Nation zu werden, waren gro\u00df und wurden von tag zu tag st\u00e4rker. Nicht mehr Glaube und Verk\u00fcndigung, nicht mehr Demut und apostolische Armut standen in Rom in hohem Kurs, sondern die neue G\u00f6tzen, die von den Renaissancep\u00e4pste und der Kurie angebetet wurden, n\u00e4mlich die Macht, der Reichtum, der Prunk, die \u00dcberheblichkeit und der Luxus. W\u00e4hrend Martin Luther 1517 noch an den guten Papst glaubte und mit den Thesen eine innerkirchliche Disputation zur Erneuerung des Glaubens anregen wollte, begriff er in der Disputation mit Johannes Eck in Leipzig 1519, die politische Dimension seiner theologischen Kritik. Mit der Kritik am Ablass hatte er die Machtfrage und zugleich die Wirtschaft der Kurie in Frage gestellt. Sp\u00e4testens seit 1519 war die r\u00f6mische Kirche f\u00fcr Luther die Kirche des Antichrists. Notwendig war eine Reform an Haupt und Gliedern. Er ging soweit zu fordern, dass, wenn die Kirche sich nicht aus eigener Kraft reformieren k\u00f6nnte, der christliche Adel deutscher Nation und der Kaiser ihre Verantwortung als christliche F\u00fcrsten wahrnehmen und nach Rom ziehen m\u00fcssten, um dort ein Reformkonzil abzuhalten, mit anderen Worten den Augiasstall auszumisten. Schlie\u00dflich war die Kirche nicht die Kirche des Papstes und der Kurie, sondern es war seine, Christi Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sah es vor genau 500 Jahren aus, als Luther nach Worms ging. Und heute? Heute hat die EKD den christlichen Glauben durch einen neuheidnischen Wohlf\u00fchlprotestantismus ersetzt, dessen Katechismus aus der gr\u00fcnen Ideologie besteht. Die Kirche ist zu einer Vorfeldorganisation der gr\u00fcnen Partei geworden. Sie hat sich aus Angst vor der S\u00e4kularisation selbsts\u00e4kularisiert, sie fragt sich inzwischen, ob nicht Christus als Sohn Gottes der Verst\u00e4ndigung mit dem Islam, die eher einer Unterwerfung gleichkommt, im Wege st\u00fcnde und ob man nicht auf anderen Wege \u2013 au\u00dfer \u00fcber Christus \u2013 zu Gott gelangen k\u00f6nnte. Der Kulturbeauftragte der EKD, Johann Hinrich Claussen, der sich als politischer Inquisitor innerhalb der EKD zu sehen scheint, meint, dass man den Koran als \u201edrittes Testament\u201c betrachten m\u00fcsste. Damit liefe alles auf den Islam zu und w\u00fcrden Judentum und Christentum vom Islam aus approbiert. Welche Bl\u00fcten der ideologische und parteipolitische Kurs der EKD inzwischen treibt, zeigte eine Tagung im Januar 2020 zum Thema \u201eKirche, Theologie und AfD. Sozialwissenschaftliche und theologische Reflexion zur rechten Normalisierung\u201c in Frankfurt am Main. Seit wann ist \u201erechts\u201c unnormal? Bis vor kurzem \u2013 und darin bestand die konsensuale St\u00e4rke der Bundesrepublik \u2013 lebte die pluralistische Demokratie vom gesellschaftlichen Diskurs, der von rechts bis links reichte. In der Geschichte der Bundesrepublik war rechts legitim und normal, weshalb sehen die Veranstalter der Tagung in der Normalit\u00e4t von Rechts eine Normalisierung von Rechts? Nur die sozialistische Demokratie, die in Wahrheit eine Diktatur war, erlaubte lediglich ein Spektrum, n\u00e4mlich das linke, wer dar\u00fcber hinausging, wurde mit allen Mitteln als Klassenfeind oder als rechter Abweichler bek\u00e4mpft. Wenn es nicht mehr normal ist, rechts zu sein, hei\u00dft das, dass die Kirche, nicht mehr evangelisch, sondern links ist? Dann k\u00e4me es auf die politische Gesinnung und nicht auf den christlichen Glauben an. Sind Christen, die als B\u00fcrger keine linken Ansichten hegen, in der evangelischen Kirche sogar zu \u00fcberwachen? Mit diesen Vorstellungen w\u00fcrde die AK Politische Theologie die kirchenpolitischen Positionen der SED \u00fcbernehmen, die auch meinte, dass man \u201ezur genaueren Pr\u00fcfung die Predigten anh\u00f6ren oder \u00c4u\u00dferungen auf Pfarrkonventen aufmerksam verfolgen\u201c m\u00fcsse, wie die Pfarrerin Josephine Furian Evangelisch.de gegen\u00fcber forderte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Leipziger Pfarrer hatten vor einiger Zeit eine Initiative angestrengt, die den letzten Bischof in der EKD, Carsten Renzing, der als \u201ekonservativ\u201c gilt, weil er nicht die Parteipolitik, sondern den Glauben in den Mittelpunkt stellt, aus dem Amt dr\u00e4ngte. Die Leipziger Petenten f\u00fchrten die Mitgliedschaft in einer Landsmannschaft ins Feld und ein williger Journalist grub \u00c4u\u00dferungen des Bischofs aus, die er als junger Mann get\u00e4tigt hatte. Dem Verfahren haftete der Geruch des Inquisitorischen an. Erstens ist es unseri\u00f6s, Zitate aus dem Zeitkontext zu l\u00f6sen, und zweitens hat auch jeder das Recht, sich zu \u00e4ndern. N\u00e4hme man die Petition der Leipziger Petenten ernst, m\u00fcsste Paulus als Apostel zur\u00fccktreten. Drittens ist es nicht verboten, einer Landsmannschaft anzugeh\u00f6ren, wie es auch nicht untersagt ist, Mitglied der Gr\u00fcnen Partei zu sein. Viertens, die R\u00fccktrittsforderung auch damit zu begr\u00fcnden, dass der Bischof einen Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus hielt, ist in politischer wie in theologischer Hinsicht niederschmetternd, erstens entlarvt es eine mangelnde demokratische Haltung der Petenten, wenn nicht gar totalit\u00e4re Neigungen, und zweitens w\u00fcrden diese Ma\u00dfst\u00e4be die Frage stellen, wo Jesus Christus, wo Petrus und wo Paulus nach dem Willen der Petenten h\u00e4tten predigen d\u00fcrfen und wo nicht. Geh\u00f6rt es nicht zu den Aufgaben des Christen, allen Menschen das Evangelium zu bringen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Homepage der \u201eAntifaschistischen Kirchen\u201c, deren Logo an die linksextreme Antifa erinnert, erf\u00e4hrt man, dass das Netzwerk \u201eTheologien, die sich als neutral oder objektiv darstellen,&#8230;in ihrer Positioniertheit entlarven\u201c will, \u201eda sie bestehende Herrschaftsstrukturen verschleiern und damit st\u00fctzen\u201c, denn es geht darum \u201eparteiliche Lesarten der Bibel, die auf Befreiung zielen, z.B. feministische, sozialgeschichtliche Exegese\u201c zu unterst\u00fctzen. Endet die \u201eparteiliche Lesart der Bibel\u201c dann beim Genossen Jesus und dem ersten jesuanischen Zentralkomitee der \u201eVolksfront von Jud\u00e4a\u201c? Ersetzt gar der Film \u201eDas Leben des Brian\u201c die Evangelien? Flagge hatte im \u00dcbrigen das von der EKD unterst\u00fctzte Schiff zur sogenannten Seenotrettung gezeigt \u2013 und zwar die Flagge der Antifa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Evangelium des Johannes lesen wir, dass Pontius Pilatus von Jesus Auskunft verlangt, ob er der K\u00f6nig der Juden sei. Jesus fragt zun\u00e4chst zur\u00fcck, denn er will wissen, wessen er beschuldigt wird: \u201eSagst du das von dir aus, oder haben dir&#8217;s andere \u00fcber mich gesagt?\u201c\u00a0Jetzt wird es wichtig, denn die Behauptung der Juden, der Gesalbte der Messias zu sein, bedeutet f\u00fcr die R\u00f6mer ein Staatsverbrechen, f\u00fcr die Juden aber Frevel und Gottesl\u00e4sterung. Pilatus entzieht sich der Diskussion, zumal es ihm herzlich egal ist. Einzig womit Jesus die Juden gegen sich aufgebracht hat, m\u00f6chte der Prokurator erfahren, auch um herauszufinden, welche Handlungsoptionen er besitzt. An diesem Punkt jedoch wechselt Jesus die Ebene der Diskussion, denn es geht weder um Aufruhr, noch um Blasphemie, weil Aufruhr und Blasphemie nur in dieser Welt stattfinden k\u00f6nnen. Die Heilszusage, die Jesus gegeben hat, geht eben nicht in dieser Welt auf, sie besitzt eine universelle Perspektive: \u201eMein Reich ist nicht von dieser Welt. W\u00e4re mein Reich von dieser Welt, meine Diener w\u00fcrden darum k\u00e4mpfen, dass ich den Juden nicht \u00fcberantwortet w\u00fcrde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.\u201c Um aber zum Christus zu werden, um den Menschen den Weg in das andere Reich zu erm\u00f6glichen, muss er den Juden \u00fcberantwortet, hat er gekreuzigt zu werden, bleibt ihm nur, den ganzen Weg zu gehen, den Menschen zum Vorbild. Denn: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.\u201c (Johannes 14,6\u20137) Die Heilszusage bedarf des Kreuzes. Ohne Kreuz kein anderes, kein wirkliches Reich, sondern die Verh\u00f6llung des Diesseits. Luther hat dieses Kreuz auf sich genommen, als er nach Worms ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christi Heilszusage weist den Menschen den Weg \u00fcber sich und seine Welt hinaus, in die Ewigkeit, indem sie den s\u00fcndigen Menschen mit Gott vers\u00f6hnt. S\u00fcnde, Vergebung, Gnade, Tod und Auferstehung sind der Grund des christlichen Glaubens \u2013 in die Welt gebracht durch Gott selbst, indem er Fleisch geworden ist und unter den Menschen gelebt und ihnen so den Weg gewiesen hat. Von dieser Vorstellung ging Martin Luther aus, als er die Zwei-Regimenten-Lehre aufstellte. Bei Lukas 20,25 sagt Jesus eindeutig: \u201eSo gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!\u201c F\u00fcr Martin Luther besteht kein Zweifel daran, dass zwei Regimenter bestehen, das weltliche und das geistliche. F\u00fcr das weltliche Regiment, um das Recht aufrechtzuerhalten und durchzusetzen, hat Gott die weltliche Obrigkeit eingesetzt und ihr das Schwert gegeben, f\u00fcr das geistliche Reich, daf\u00fcr, den Tod zu besiegen, die Seelen zu retten, den Weg durch die Welt in die Ewigkeit, in das Reich nicht von dieser Welt zu gehen, daf\u00fcr bestimmte Gott die geistliche Obrigkeit, dem Christen auf seinem Weg zu helfen. \u00dcbrigens kann man in der Zwei-Regimenten-Lehre den Ursprung der modernen Vorstellung von der Gewaltenteilung im modernen Staat erblicken. Er warnt davor, dass die weltliche Obrigkeit versucht in den geistlichen und dass die geistliche Obrigkeit versucht in den weltlichen Bereich hineinzuregieren. Er warnt davor, die Gewissen der Gl\u00e4ubigen zu n\u00f6tigen, wie das eine Vielzahl von Initiativen der EKD versuchen, wenn er schreibt: \u201eDas wollen wir so klar machen, dass man\u2019s mit H\u00e4nden greifen solle, auf dass unsere Junker, die F\u00fcrsten und Bisch\u00f6fe sehen, was sie f\u00fcr Narren sind, wenn sie die Menschen mit ihren Gesetzen und Geboten zwingen wollen, so oder so zu glauben.\u201c (Obrigkeitsschrift) \u201eDenn wie streng sie gebieten und wie sehr sie loben, so k\u00f6nnen sie die Leute nicht weiter n\u00f6tigen, als dass sie ihnen mit dem Mund und mit der Hand folgen; das Herz k\u00f6nnen sie ja nicht zwingen, und wenn sie sich zerrei\u00dfen sollten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Essay \u201eGeh\u00f6rt Luther zu Deutschland\u201c habe ich es bef\u00fcrchtet, in der Streitschrift \u201eGeht der Kirche der Glaube aus\u201c davor gewarnt, dass die Kirche, wenn sie sich politisch handsgemein macht, als parteipolitischer Akteur wahrgenommen wird. Genau das ist eingetroffen. Vor dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019, der allen Parteien \u2013 auch den Nachfolgern der SED \u2013 mit Ausnahme der AfD ein Podium geboten hat, hat die AfD ein Positionspapier ver\u00f6ffentlicht, in dem sie die Evangelische Kirche f\u00fcr ihren Pakt mit den M\u00e4chtigen kritisiert. Das Verst\u00f6rende an der Kritik ist nicht, dass sie von der AfD erhoben wurde, sondern dass die AfD nur an die Kritik an der Politisierung der Kirche, anschlie\u00dfen konnte, die von Theologen, von Publizisten und auch von Politikern wie Wolfgang Sch\u00e4uble erhoben worden war und sogar noch durch die Ausladung der AfD zum Kirchentag beglaubigt wurde. Der Journalist Hans Leyendecker als \u00fcberforderter Pr\u00e4sident des Kirchentages dekretierte: \u201eWer nichts zu sagen hat und nicht zu einem Diskurs wirklich beitragen kann, bekommt keinen Platz auf einem Podium.&#8220; Dieserart S\u00e4tze sind bekannt, wohl bekannt \u2013 aus Diktaturen. Denn wenn Leyendecker dar\u00fcber entscheidet, wer etwas beizutragen hat und wer nicht, dann steht das nur allzu sehr in der geistigen Verwandtschaft zu dem Diktum: Jeder darf frei und \u00f6ffentlich meine Meinung \u00e4u\u00dfern. In der Predigt des Abschlussgottesdienstes sprach die Pastorin Sandra Bils, die den Hebr\u00e4erbrief als eine Mischung aus \u201eTrost und Arschtritt\u201c versteht, von den Christen als \u201eGottes Gurkentruppe\u201c. M\u00fcssen wir uns die Texte der Bibel als \u201eArschtritte\u201c und Gott uns f\u00fcrderhin als Gurke vorstellen? Besteht Gottes Ebenbildlichkeit des Menschen nicht darin, dass jeder ein Held des Alltags ist, dass er t\u00e4tig ist, eine Familie gr\u00fcndet, Kinder erzieht, sich im Beruf bem\u00fcht, seine Christenpflichten erf\u00fcllt, Erfolge erarbeitet und Misserfolge verarbeitet? Die Vorstellung \u00fcber die Kirche, mit der der Kirchentag endete, mag Wohlf\u00fchlprotestantismus sein, christlich ist sie nicht. Einer \u201erollenden Frittenbude\u201c, die \u201eGlaube, Liebe, Currywurst\u201c anbietet, will ich nicht angeh\u00f6ren, denn die folgt nicht Christus, sondern einer neuheidnischen Ersatzreligion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Bund mit den M\u00e4chtigen, das B\u00fcndnis von Kanzel und Kanzleramt oder ein inzwischen fast symbiotisches Verh\u00e4ltnis zu einer politischen Partei gepflegt wird, hat man die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Entfernung zur Verk\u00fcndigung erreicht. Dass in diesem Befund keine b\u00f6swillige \u00dcbertreibung steckt, hat unl\u00e4ngst der Chefredakteur von zeitzeichen, Reinhart Mawick, in dankenswerter Offenheit best\u00e4tigt: \u201eCarsten Rentzing, Jahrgang 1967 und bis vor kurzem der j\u00fcngste Leitende Geistliche der EKD, \u00e4u\u00dferte sich in seinem Amt\u00a0<em>\u00fcberhaupt nicht\u00a0<\/em>politisch. Damit war er in der Tat aus der Zeit gefallen, denn zur Praxis Leitender Geistlicher in der EKD geh\u00f6rt es eben heute, dass sie sich regelm\u00e4\u00dfig politisch \u00e4u\u00dfern und dies in der Regel eindeutig im links-liberalen Spektrum.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Chef des Kirchenamtes, Thies Gundlach, will ohnehin nur noch die Menschen erreichen, \u201edie kirchliche Arbeit von der Verk\u00fcndigung \u00fcber die Diakonie bis zum Rettungsschiff richtig finden und unterst\u00fctzen wollen.\u201c Damit setzt er an die Stelle des Glaubensbekenntnisses das Bekenntnis zu einer wie auch immer konstruierten \u201eethischen Verantwortung\u201c.\u00a0Heinrich Bedford-Strohm stellt im Interview mit der Zeitschrift Z<em>eitzeichen<\/em>\u00a0klar, dass man nicht mehr von den \u201ebisherigen Gemeinden, von unserem bisherigen Kirchenleben\u201c ausgehen darf, denn man m\u00fcsse schlie\u00dflich \u201eviel radikaler als bisher\u00a0hinh\u00f6ren und fragen, was in der Gesellschaft gebraucht wird.\u201c Die Gemeinde und das bisherige Kirchenleben werden also nicht mehr \u201egebraucht\u201c? Nicht mehr nach Gott ist also zu fragen, sondern danach, was in der Gesellschaft gebraucht wird, was sich Robert Habeck und Kevin K\u00fchnert w\u00fcnschen. Weder die Alten noch die Mittelalten, eigentlich niemand, der die 35 \u00fcberschritten hat, geh\u00f6rt f\u00fcr den Ratsvorsitzenden der EKD zur Gesellschaft, denn gebraucht wird in der Gesellschaft, was \u201eim Leben von jungen Leuten eigentlich relevant\u201c ist. Dieser Vorstellung lie\u00df die EKD taten folgen, indem sie als neuen Pr\u00e4ses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland eine f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrige Studentin aus Regensburg w\u00e4hlen lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nirgends zeigt sich das Scheitern des Kirchenapparats deutlicher als in der Coronakrise. W\u00e4hrend Pfarrer, \u00c4rzte und Schwestern im evangelische Dienst sich um das Seelenheil und um die Gesundheit der Gemeindemitglieder, der Kranken und Alten vorbildlich und mit hohem Einsatz k\u00fcmmern, machen sich die Kirchenfunktion\u00e4re einen schlanken Fu\u00df. Bedford-Strohm sinniert schon mal \u00fcber notwendige Steuererh\u00f6hungen nach der Coronakrise, dar\u00fcber, dass die Besserverdienenden st\u00e4rker zu besteuern seien. Was ist aber mit den Einsamen, den Alten, den Kranken, den Sterbenden? Diese Frage hat der evangelische Theologe Peter Dabrock, in einem <em>ZEIT<\/em>-Gespr\u00e4ch w\u00e4hrend des Shutdowns im Fr\u00fchjahr 2020 beantwortet, der damals f\u00fcr eine zeitlich befristete Einschr\u00e4nkung der Grundrechte von Patienten und Sterbenden pl\u00e4dierte: \u201eMenschen sterben oft auch allein im Operationssaal.\u201c Was ist f\u00fcr einen Sterbenden, was f\u00fcr einen alten Menschen, der an der Schwelle zum Tod steht denn eine zeitliche Beschr\u00e4nkung? Menschen starben im Lockdown allein und ohne Beistand. Wo der Staat nicht anders handelte, h\u00e4tte die Kirche Wege finden m\u00fcssen. Als die Pest im 16. Jahrhundert in Wittenberg tobte und die Menschen aus der Stadt auf das Land flohen, in die, wie sie hofften, rettende Quarant\u00e4ne, blieb Martin Luther in Wittenberg, weil er es als Pflicht und als Auftrag empfand, in den Zeiten der Pandemie bei seiner Gemeinde zu sein, Gottes Wort zu predigen, den Gemeindegliedern in Not und Angst, im Leben wie im Sterben und am Krankenbett zumal beizustehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EKD arbeitet im Grunde gegen die Ortsgemeinden, weil sie entsprechend der Lehre des politischen Aktivismus Projektgemeinden favorisiert. Da wir in Berlin im Bereich der EKBO sind, m\u00f6chte ich nicht unerw\u00e4hnt lassen, dass die Landessynode \u201ezum Abschluss ihrer digitalen Fr\u00fchjahrstagung\u201c beschloss, \u201edass ab Juli auch einige Nicht-Kirchenmitglieder in Ortskirchenr\u00e4te berufen werden k\u00f6nnen\u2026Bedenken, dass dann Menschen \u00fcber das kirchliche Leben vor Ort und m\u00f6glicherweise auch \u00fcber Finanz- und Immobilienfragen mitentscheiden k\u00f6nnten, die der Kirche weniger nahestehen, wurden von der gro\u00dfen Mehrheit der Synodalen nicht geteilt. Ziel der Neuregelung ist vor allem, Menschen, die sich bereits f\u00fcr die Kirche vor Ort engagieren, st\u00e4rker zu beteiligen.\u201c Besser kann man die Kirche nicht abschaffen: Personen, die keine Kirchensteuern entrichten, k\u00f6nnen nach dem Beschluss der EKBO \u00fcber die Verwendung der von den Gemeindegliedern erbrachten Steuern in Zukunft mitentscheiden. Die Begr\u00fcndung der Synode ist nicht stichhaltig, denn Menschen, \u201edie sich bereits f\u00fcr die Kirche vor Ort engagieren\u201c, k\u00f6nnen doch auch Mitglied der Kirche vor Ort werden. Warum soll jemand Kirchensteuern bezahlen, \u00fcber deren Verwendung dann Leute mitbestimmen, die keine Kirchensteuern entrichten? Wenn man so weit ist, kann man doch auch gleich dar\u00fcber nachdenken, ob man f\u00fcr die Zusammensetzung der Synoden Quoten einsetzt, schlie\u00dflich sollten den Synoden dann auch nach einem speziellen Schl\u00fcssel Frauen, LGBTQ und Menschen mit Migrationshintergrund, auch wenn sie keine Christen sind, angeh\u00f6ren. Es stellt sich ohnehin die Frage, weshalb die Landessynode die Leitung der Gemeinden nicht gleich der \u00f6rtlichen Antifa oder der Ortsleitung der Gr\u00fcnen \u00fcbertr\u00e4gt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche ist so desolat wie zu Luthers Zeiten, die Situation \u00e4hnlich hoffnungslos, \u00e4hnlich christusfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tragik unserer Zeit scheint gerade darin zu bestehen, dass wird die Bedingungen aufl\u00f6sen, aus denen wir heraus leben, dass die Kirchenleitung aus Angst vor der S\u00e4kularisierung sich selbst s\u00e4kularisiert, dass sie den Glauben gegen Gesinnung, christliche Ethik gegen einen politischen Moralismus eintauscht und sie aus Furcht, die Kirche k\u00f6nnte bedeutungslos werden, die Kirche ihrer Bedeutung beraubt. Dietrich Bonhoeffer charakterisiert die christliche Ethik so: \u201eNicht, dass ich gut werde noch dass der Zustand der Welt durch mich gebessert werde, ist dann von letzter Wichtigkeit, sondern dass die Wirklichkeit Gottes sich \u00fcberall als die letzte Wirklichkeit erweise. Dass sich also Gott als das Gute erweise, auf die Gefahr hin, dass ich und die Welt als nicht gut, sondern als durch und durch b\u00f6se zu stehen kommen, wird mir dort zum Ursprung des ethischen Bem\u00fchens, wo Gott als letzte Wirklichkeit geglaubt wird.\u201c Gott also als letzte und als erste Wirklichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Worms blieben die gro\u00dfen Worte Luthers, die Berufung auf den Glauben und auf das Gewissen in Erinnerung. H\u00e4ufig werden leider Luthers Worte vergessen, die er zuvor an die M\u00e4chtigen richtete \u2013 und die gerade f\u00fcr uns, in unserer Situation Anregung und Ermutigung bringen, weil sie uns ermutigen, f\u00fcr unseren Glauben zu streiten, auch gegen die, die den Talar tragen und doch nicht Gottes Wort verk\u00fcnden: \u201eEure Allerdurchlauchtigste Majesta\u0308t, Durchlauchtigste F\u00fcrsten &#8230; Aus diesem allen, glaub ich, geht klar hervor, dass ich mich gen\u00fcgend bedacht und die Not und Gefahr, die Parteiungen und die Streitigkeiten erwogen habe, die aus Anlass meiner Lehre auf der Erde erweckt wurden, woran ich gestern schwer und stark erinnert worden bin. Mir ist jene Gestalt dieser Dinge durchaus die allererfreulichste, dass um des Wortes Gottes willen Parteiungen und Streit geschieht. Denn das ist des Wortes Gottes Lauf, Art und Ereignis, wie er sagt: \u203aIch bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.\u201c Damit warnte er den Kaiser unmissverst\u00e4ndlich, die falsche Partei zu ergreifen und dadurch zum Pharao oder zum K\u00f6nig von Babylon zu werden und Schaden an seiner Seele zu nehmen. Die von Martin Luther zitierte Stelle stand in Verbindung mit der Mission, mit der Aussendung der zw\u00f6lf J\u00fcnger, um das Evangelium zu verbreiten: \u201eDiese Zw\u00f6lf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.\u201c Das Himmelreich aber brach dann an, wenn der Antichrist besiegt war \u2013 mit der Reform der Kirche. Wenn er nun diese Forderung, die Reform der Kirche in Angriff zu nehmen, an den Kaiser richtete, so argumentierte Luther ganz auf der Linie seiner Schrift \u201eAn den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung\u201c. Im Grunde drehte Luther den Spie\u00df um. Nicht er hatte zu widerrufen, sondern der Kaiser hatte, seinen christlichen Auftrag anzunehmen, gegen Rom zu ziehen und die Reform der Kirche einzuleiten, auch daf\u00fcr hatte er, wenn es nottat, und das tat es, von Christus das Schwert bekommen. Tags zuvor hatte er sich vor dem Kaiser mit Mattha\u0308us 10,32 darauf berufen, Gott mehr zu f\u00fcrchten als die Menschen und zur Mission ausgesandt worden zu sein: \u201eWer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Will also Kirche wieder Kirche werden, ist es erforderlich, dass Kirche wieder zur Verk\u00fcndigung zur\u00fcckfindet, der Verk\u00fcndigung von Gottes Wort, denn es ist seine Kirche \u2013und nicht die Kirche der Bedford-Strohms, der Gundlachs und Claussens, nicht die Kirche der Funktion\u00e4re, sondern Christi Kirche. Zuallererst hat Kirche, die Ortsgemeinden zu st\u00e4rken, denn Irrweg der Projektgemeinden zu verlassen und sich auf ihre sechs Hauptaufgaben zu konzentrieren: 1. Gottesdienst, 2. Seelsorge, 3. Bibellesung, 4. Diakonie , 5. Bildung und 6. Mission.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mission ist das wichtigste und alle anderen 5 Gebiete orchestrieren gemeinsam die Mission, denn es ist den Christen aufgegeben, die gute Nachricht der Erl\u00f6sung allen Menschen zu bringen. \u00a0In den Worten des gro\u00dfen Theologen Eberhard J\u00fcngel besteht \u201edas Geheimnis des Glaubens und als solches das Innerste der Kirche\u201c, darin, dass in der Kirche \u201eGott und Mensch ein f\u00fcr alle Mal zusammengekommen sind, damit Gott unseren Tod und wir sein Leben teilen k\u00f6nnen.\u201c In einer gro\u00dfen Rede auf der sogenannten Missionssynode der EKD 1999 in Leipzig hat der T\u00fcbinger Theologe daran erinnert: \u201eWenn die Kirche ein <em>Herz <\/em>h\u00e4tte, ein Herz, das noch schl\u00e4gt, dann w\u00fcrden Evangelisation und Mission den Rhythmus des Herzens der Kirche in hohem Ma\u00dfe bestimmen.\u201c Er brachte das sch\u00f6ne Bild vom Ein- und Ausatmen. \u201eEinatmend geht die Kirche in sich, ausatmend geht sie aus sich heraus.\u201c \u00dcber sich selbst hinauszugehen verlangt auch, mit dem Glauben in die Welt zu gehen. Die Kirche darf sich nicht parteipolitisch bet\u00e4tigen. Sie ist die Gemeinschaft aller Christen, unabh\u00e4ngig davon, welche politische Meinung sie als B\u00fcrger vertreten. Sie hat zu allen Parteien, die gleiche Distanz einzunehmen. F\u00fcr die \u00dcbernahme eines Amtes in der Gemeinde und in der Kirche allgemein spielen weder die Herkunft, noch das Geschlecht, noch die Parteimitgliedschaft oder politische Verortung, noch der Beruf, noch das Alter eine Rolle, sondern allein die Kirchenmitgliedschaft, der christliche Glaube und das Vertrauen der w\u00e4hlenden Gemeinde. Kehrt die Kirche zur Verk\u00fcndigung zur\u00fcck, wird sie auch politisch sein, ohne sich jedoch parteipolitisch zu verk\u00e4mpfen. Doch dazu bedarf es einer neuen Reformation. Ich f\u00fcrchte inzwischen, mit der Leitung der EKD wird es nicht zu machen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele fragen mich deshalb, warum trittst Du nicht aus wie wir. Um zu glauben, um das Abendmahl zu feiern, ben\u00f6tige ich keinen Bedford-Strohm, keinen St\u00e4blein, denn es gilt f\u00fcr uns Lutheraner das Priestertum aller Getauften. Luther unterschied zwischen der \u00e4u\u00dferen und der inneren Kirche und dachte dar\u00fcber nach, was es bedeuten w\u00fcrde, wenn der Christ aus Treue zum Glauben, aus innerer Verbundenheit mit Christus in den Konflikt mit der Institution Kirche k\u00e4me, wenn ihm aus Treue zum Glauben Exkommunikation drohen w\u00fcrde. Aus der Gemeinschaft mit Christus oder der Gemeinschaft der Heiligen, meint Luther, kann sich der Mensch nur selbst entlassen, indem er s\u00fcndigt und sich von Gott entfernt. Nur Gott \u2013 kein Mensch \u2013 kann eine \u201eSeele\u201c in die geistliche Gemeinschaft setzen oder aus ihr entfernen. Deshalb bedeute der Ausschluss aus der Kirche und von den Sakramenten nur einen Entzug der \u00e4u\u00dferlichen Gemeinschaft, nicht aber der geistlichen Gemeinschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Moment sieht es nicht danach aus, dass \u00c4nderung in der Kirche in Sicht ist, dass der geistliche Niedergang aufzuhalten w\u00e4re. So bleibt, wenn die Kirche als \u00e4u\u00dfere Kirche christusfern ist, nur in die Gemeinden zu gehen, in denen Christus anwesend ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Klaus-R\u00fcdiger Mai, Vortrag beim Regionaltreffen des Gemeindehilfsbundes, Berlin, 5.6.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor f\u00fcnfhundert Jahren reiste Martin Luther nach Worms, um dem Reichstag seine theologischen Positionen, die doch so viel Diskussion und Aufregung in der christlichen Welt hervorgerufen haben, zu erl\u00e4utern. Auch wenn der Kaiser ihm geschrieben hatte: \u201eEhrsamer, Lieber, And\u00e4chtiger! 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