{"id":18120,"date":"2021-06-15T11:54:02","date_gmt":"2021-06-15T09:54:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18120"},"modified":"2021-06-15T11:54:49","modified_gmt":"2021-06-15T09:54:49","slug":"ihr-nehmt-solche-die-in-der-gemeinde-nichts-gelten-und-setzt-sie-zu-richtern-euch-zur-schande-muss-ich-das-sagen-1-kor-64-5-luthers-lehre-von-den-zwei-regierweisen-go","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=18120","title":{"rendered":"\u201eIhr nehmt solche, die in der Gemeinde nichts gelten, und setzt sie zu Richtern. Euch zur Schande mu\u00df ich das sagen\u201c (1. Kor 6,4\u20135). Luthers Lehre von den zwei Regierweisen Gottes und das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Staat heute"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Entdeckung der Glaubensgerechtigkeit allein aus Gnaden steht in der Mitte von Luthers theologischen Denkens und Verk\u00fcndigens. Als Mitte seiner Ethik gilt seine Lehre von den zwei Regierweisen Gottes, die jedem anhand seines Standes bzw. Standortes Orientierung f\u00fcr sein Handeln in der Welt gibt.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Wenn wir heute Luther mit der Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Kirche und Obrigkeit lesen, entsteht aus meiner Sicht der Eindruck einer bleibenden Aktualit\u00e4t.<!--more--><\/p>\n<p><strong>1. Der totale Staat und der christliche Widerstand<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der totale, nationalsozialistische Staat alle Lebensbereiche \u201egleichschalten\u201c wollte, mu\u00dften die Einsichten der Reformatoren von der Freiheit der Kirche diejenigen in Konflikte f\u00fchren, die ihre biblisch-reformatorischen Wurzeln nicht abschneiden wollen. Das bekannteste Beispiel ist die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung vom Mai 1934. In den Artikeln 2 und 5 kamen die Einsichten Luthers gegen\u00fcber dem Staat neu zur Geltung: Wir dienen Jesus Christus in allen Bereichen.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Die beiden Regierweisen Gottes stehen weder beziehungslos nebeneinander noch sind sie ein beliebiges Durcheinander. Vielmehr haben Staat und Kirche je auf verschiedene Weise Gottes Auftrag wahrzunehmen. Wohl einem Staat, dem die Kirche so kr\u00e4ftig ins Gewissen reden kann, wie das Luther tat oder wie es in Barmen gewagt wurde. Weniger bekannt ist, da\u00df die Barmer Synode zusammen mit ihrer ber\u00fchmten Erkl\u00e4rung, die von dem reformierten Theologen Karl Barth aufgesetzt worden war, auch den Einf\u00fchrungsvortrag des lutherischen Pfarrers Hans Asmussen offiziell mit angenommen und verabschiedet hat. In diesem hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBeide, Staat und Kirche sind gebundene, diese im Bereich des Evangeliums, jener im Bereich des Gesetzes. Ihre Bindung bezeichnet den Raum ihrer Freiheit. Jede \u00dcberschreitung der Bindung f\u00fchrt sowohl die Kirche wie auch den Staat in eine ihrem Wesen fremde Knechtung. Allein aus der jeder der beiden Gr\u00f6\u00dfen eigenen Bindung erwachsen ihr Dienst und ihre Aufgaben aneinander. Verk\u00fcndigt der Staat ein ewiges Reich, ein ewiges Gesetz und eine ewige Gerechtigkeit, dann verdirbt er sich selbst und mit sich sein Volk. Verk\u00fcndigt die Kirche ein staatliches Reich, ein irdisches Gesetz und die Gerechtigkeit einer menschlichen Gesellschaftsform, dann \u00fcberschreitet sie ihre Grenzen und rei\u00dft den Staat in ihre eigene Versumpfung mit hinab.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Brunner hat 1958 in einem exzellenten Volkshochschulvortrag \u00fcber \u201eDie Stellung des Christen in einer verantwortlichen Gesellschaft\u201c ebenfalls gezeigt, wie gerade die Zweiheit, das Gegen\u00fcber von Kirche und Staat notwendig ist, einen Raum der Freiheit zu erhalten: \u201e\u00dcberall dort, wo Christen als Gemeinde Jesu Christi miteinander leben, n\u00f6tigen sie den Staat, auf die Verg\u00f6tzung seiner selbst zu verzichten. Sie n\u00f6tigen ihn, in der ihm zukommenden Profanit\u00e4t<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> zu verharren und darum im Gegen\u00fcber zur christlichen Kirche und in der sich daraus ergebenden Begrenzung zu existieren. Mit dieser Zweiheit von Staat und Kirche ist ein Raum der Freiheit geschaffen. Ursprunghaft ist dies ein Raum der Freiheit f\u00fcr die Verk\u00fcndigung des Evangeliums an alle Menschen und f\u00fcr das Leben der Christen als Gemeinde und Kirche. Aber dieser Raum der Freiheit k\u00f6nnte sich sehr wohl als Fundament und B\u00fcrgschaft f\u00fcr andere Freiheiten, f\u00fcr die b\u00fcrgerlichen Freiheiten erweisen. Wo der freie Raum f\u00fcr die Evangeliumsverk\u00fcndigung und das christliche Gemeindeleben von der Staatsmacht bedroht wird, dort sind gewi\u00df auch die b\u00fcrgerlichen Freiheiten wie der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung und der Versammlungs- und Pressefreiheit gef\u00e4hrdet, wenn nicht sogar bereits verschwunden\u201c<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a>!<\/p>\n<p><strong>2. Aktuelle Herausforderungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df diese Freiheiten nicht selbstverst\u00e4ndlich sind, hat in j\u00fcngster Zeit die Corona-Krise \u00fcberdeutlich gemacht. In vielen Staaten dieser Welt wurden nicht nur b\u00fcrgerliche Versammlungs- und Bewegungsfreiheiten eingeschr\u00e4nkt, sondern auch religi\u00f6se Freiheiten. Da\u00df sich demokratisch gew\u00e4hlte Regierungen anma\u00dfen, die Zahl der Gottesdienstbesucher zu reglementieren und zu kontrollieren, ja zu entscheiden, ob Gottesdienste \u00fcberhaupt stattfinden, ob gesungen werden darf oder nicht \u2013 all das w\u00e4re vor kurzem nicht vorstellbar gewesen. Nach allem, was wir aus der Schrift und der Reformation \u00fcber das Wesen von Kirche und Staat lernen, haben diese Staaten damit eine heilige Grenze \u00fcberschritten. Sie haben sich nicht auf Hygiene<em>empfehlungen<\/em> f\u00fcr Gemeinden beschr\u00e4nkt, sondern mit Zwangsma\u00dfnahmen in einen Bereich eingegriffen, in dem sie keine Kompetenz innehaben. Die Obrigkeiten taten dies, obwohl ihnen im Raum der Kirche keine Kenntnis und Befugnis eignet: Mit dem Lobpreis und der Liturgie der Gemeinde ist der intimste geistliche Bezirk der Kirche bezeichnet. Wenn Glaubensgeschwister gem\u00e4\u00df 1.Kor 6 nicht einmal Streitereien \u00fcber Dinge dieser Welt vor weltlichen Richtern austragen sollen, um wieviel weniger haben diese Einsicht und Recht, in den Gottesdienst einzugreifen! <em>\u201eWi\u00dft ihr nicht, da\u00df die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr dann nicht gut genug, geringe Sachen zu richten? Wi\u00dft ihr nicht, da\u00df wir \u00fcber Engel richten werden? Wie viel mehr \u00fcber Dinge des t\u00e4glichen Lebens. Ihr aber, wenn ihr \u00fcber diese Dinge rechtet, <strong>nehmt solche, die in der Gemeinde nichts gelten, und setzt sie zu Richtern. Euch zur Schande mu\u00df ich das sagen<\/strong> \u2026\u201c <\/em>(1.Kor 6,2\u20135a) Jede Gemeinde, die hier nicht klar sieht und Widerstand leistet, schw\u00e4cht die Stellung der \u00fcbrigen, die Widerstand leisten wollen, sich aber alleingelassen sehen. Insbesondere im christlich gepr\u00e4gten Westen h\u00e4tte ein Aufschrei sondergleichen erfolgen m\u00fcssen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein striktes Nein muss also festgehalten werden gegen\u00fcber allen staatlichen Versuchen, bestimmte religi\u00f6se Versammlungen oder Glaubensinhalte zu erlauben oder zu verbieten, auch etwa zu definieren, wie Kirchenmitgliedschaft begr\u00fcndet<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> oder nach welchen Grunds\u00e4tzen die Kirchen Religionsunterricht erteilen. Dazu hat der Staat nach Gottes Ordnung und nach der Einsicht des unver\u00e4ndert g\u00fcltigen B\u00f6ckenf\u00f6rde-Theorems<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> keine Kompetenz. Gut und B\u00f6se sind dem Staat in den Zehn Geboten (bzw. der Sch\u00f6pfungs- und Erhaltungsordnung) so fasslich wie umfassend vorgegeben, und er t\u00e4te bzw. tut gut daran, die transzendente Instanz, die er \u00fcber sich hat, anzuerkennen und dies auch (weiterhin) zu benennen. Die EKD schrieb noch 1985 offiziell \u00fcber die kirchliche Predigt: \u201eIhre Aufgabe ist es nicht, ein eigenes politisches Programm zu verk\u00fcndigen, wohl aber politische Programme darauf zu befragen, wie sie sich <em>mit dem Gebot Gottes<\/em> vertragen.\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Wenn nun ein Pfarrer versetzt wird, weil er die Sinnhaftigkeit kirchlicher Unterst\u00fctzung f\u00fcr Seenotrettung im Mittelmeer in Frage stellt, wird klar, welch weiten Weg die Kirchenleitungen seither zur\u00fcckgelegt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage des fr\u00fcheren Hannoverschen Landesbischofs Eduard Lohse (1924\u20132015), ob die Kirchen in einem zunehmend christenfeindlichen Umfeld die Kraft haben werden, den weiten Rahmen, der ihnen von der Verfassung (an)geboten wird, auszuf\u00fcllen<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a>, stellt sich immer dringlicher, zumal von landeskirchlicher Seite selbst Verrat und Auslieferung droht (vgl. Joh 16,2 und den Latzel-Proze\u00df). Zur Orientierung dienen dabei auch die Propheten: Samuel trat gegen K\u00f6nig Saul, Nathan gegen K\u00f6nig David, Elia gegen K\u00f6nig Ahab auf usw.; im Neuen Testament trat Johannes der T\u00e4ufer gegen Herodes auf. Es ging um Verfehlungen gegen\u00fcber dem Kult, gegen Familie und Ehe des N\u00e4chsten, gegen den rechten Glauben oder das Eigentum des Volkes. Johannes der T\u00e4ufer trat nicht als Revolution\u00e4r auf, sondern mit einem mutigen Bu\u00dfruf gegen\u00fcber K\u00f6nig und Volk gleicherma\u00dfen, orientiert an den Geboten: \u201eEs ist nicht recht, da\u00df Du Deines Bruders Frau hast!\u201c Eben dieses \u201eEs ist nicht recht!\u201c mit dem klaren Hinweis auf das Gericht Gottes w\u00e4re dem Staat heute wegen der Erm\u00f6glichung der vorgeburtlichen Kindst\u00f6tung<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a>, des assistierten Suizids, der Umdefinierung der Ehe, der Fr\u00fchsexualisierung, der Gender-Sprache oder der Volksenteignung durch sogenannte Euro-Rettungsma\u00dfnahmen entgegenzuhalten. Eine Kirche aber, die staatliche Ma\u00dfnahmen, die Gottes Gebote verletzen, abnickt und noch gegen Kritik aus den eigenen Reihen verteidigt, macht sich selbst zur Hure. Ihre Hoffnung, Relevanz (\u201eSystemrelevanz\u201c) und Akzeptanz durch ihre \u201eStaatsfr\u00f6mmigkeit\u201c (Armin Laschet) zu gewinnen, zerbrach, als sie selbst erkl\u00e4rte, Corona sei kein Gericht Gottes, und sie werde alle Ma\u00dfnahmen bis zur Einstellung von Gottesdiensten mittragen. Sie ist damit der zivilreligi\u00f6sen Versuchung erlegen, d.h. der Versuchung, sich durch ihre Fokussierung ihrer Arbeit und Verk\u00fcndigung auf sozialen Zusammenhalt vor der Welt zu legitimieren. Im Sinne der Zitate von Asmussen und Brunner kann man sagen: Die Systemrelevanz der Kirche geht verloren, sobald sie systemkonform wird. Wenn Kirche das ist, an das Schema dieser Welt angepa\u00dft, dann mu\u00df sie die Frage des Herrn h\u00f6ren:<em> \u201eWie k\u00f6nnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt?\u201c <\/em>(Joh 5,44)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es stimmt: Wir k\u00f6nnen nicht glauben, weil und wenn wir auf Anerkennung und Ehre bei Menschen schielen. Nur der Geist Gottes kann dem toten Gerippe der Kirche neues Leben einhauchen. Dazu la\u00dft uns fasten und beten!<\/p>\n<p><strong>3. Besinnung auf die Grundlagen: Zwei Regierweisen Gottes nach Luther<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grundproblem, dass die Reiche \u2013 man spricht auch von Regimenten, gemeint sind aber nicht milit\u00e4rische Einheiten, sondern eben \u201eRegierweisen\u201c \u2013 vermischt werden, hatte bereits Luther voll im Blick (das landesherrliche Kirchenregiment nahm er daher nur als Zwischenzustand hin). So schreibt er 1534 zu Psalm 101:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch mu\u00df immer solchen Unterschied dieser zweier Reiche einbleuen und eink\u00e4uen, obs wohl so oft, da\u00df es verdrie\u00dflich ist, geschrieben und gesagt ist. Denn der leidige Teufel h\u00f6ret auch nicht auf, diese zwei Reiche ineinander zu kochen und zu brauen. Die weltlichen Herren wollen in Teufels Namen immer Christum lehren und meistern, wie er seine Kirche und geistlich Regiment soll f\u00fchren. So wollen die falsch Pfaffen und Rottengeister, nicht in Gottes Namen, immer lehren und meistern, wie man soll das weltlich Regiment ordnen. Und ist also der Teufel zu beiden Seiten da sehr unm\u00fc\u00dfig und hat viel zu tun. Gott wollt ihm wehren. Amen, so wir\u2018s wert sind.\u201c<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der damaligen Zeit, in der man an Bisch\u00f6fe mit weltlicher Macht und Landesherrn mit geistlicher Macht gew\u00f6hnt war, war das ein revolution\u00e4rer Ansatz! Da\u00df man sich von einem weltlichen Herren in Glaubensdingen nichts vorschreiben lassen kann, war \u201eeine glatte Absage an das mittelalterliche Ketzerrecht\u201c und \u201eein wichtiger Beitrag zur Gewissensfreiheit\u201c!<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von woher sind Wesen und W\u00fcrde der beiden Regierweisen Gottes gem\u00e4\u00df Luther zu bestimmen? Luther will die weltliche Obrigkeit und ihr Wesen nicht nach dem Augenschein bestimmen, sondern gem\u00e4\u00df der Setzung bzw. \u201eStiftung\u201c Gottes (\u00e4hnlich sein Wort zur Ehe!). Legte man nur das Erscheinungsbild der weltlichen (und kirchlichen) Obrigkeiten zugrunde, k\u00f6nnte man verzagen angesichts von so viel Egoismus und Torheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat, so Luther, die Obrigkeit als weltliche Ordnungsmacht eingesetzt, um der Zerst\u00f6rung durch eine sich chaotisch ausufernde S\u00fcnde zu <em>wehren<\/em>. Analoges gelte von der Kirche: Kirche ist dort, wo Gottes Wort recht gepredigt und die Sakramente stiftungsgem\u00e4\u00df gereicht werden. Das ist genug \u2013 hier w\u00e4chst das Reich Gottes zur Rechten unaufhaltsam, weil Gottes Wort st\u00e4rker ist als aller menschlicher Eigenwille.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In drei Punkten seien die Regierweisen Gottes im Sinne Luthers umrissen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>In beiden Reichen, durch beide Regierweisen regiert der dreieinige Gott; in beiden will er der S\u00fcnde wehren; in beiden aber werden s\u00fcndige Menschen t\u00e4tig.<br \/>\nWie nun sind die beiden Regierweisen zu unterscheiden?<br \/>\n<em>Im Reich zur Rechten<\/em> regiert Gott nicht mit Gewalt, sondern durch die Liebe, nicht durch menschliche Gesetze, sondern durch sein g\u00f6ttliches Gesetz und sein Evangelium, nicht durch Zwang, sondern durch den Heiligen Geist, der das Wort f\u00fchrt und den guten Willen, die Liebe via Wort und Sakrament ins Herz pflanzt.<br \/>\n<em>Im Reich zur Linken<\/em> regiert Gott so, da\u00df seine Sch\u00f6pfung gesch\u00fctzt wird vor Chaos und Zerst\u00f6rung. Das geht nicht ohne Gewalt und Milit\u00e4r, strukturiert durch menschliche Gesetze. Inwieweit diese mit den Geboten Gottes \u00fcbereinstimmen, w\u00e4re von der Kirche zu pr\u00fcfen.<\/li>\n<li>Ein Nichtchrist befindet sich nur im Reich zur Linken; ein Christ lebt unter beiden Regierweisen bzw. Reichen Gottes zugleich. Wie erkennt er nun den Willen Gottes f\u00fcr sein Tun in der Welt? Luther verweist hier zun\u00e4chst auf den Ort, an dem sich ein Christ vorfindet, sei es als Kind, als Ehemann\/Ehefrau, als Knecht oder Adeliger. Ehe, Familie und Staat sind die Grundeinteilungen, die f\u00fcr die Frage nach unserem Sollen in der Gesellschaft zu beachten sind. Beruf und Berufung geh\u00f6ren eng zusammen.<br \/>\nDie Berufe gruppierte man im Mittelalter nach den sogenannten St\u00e4nden (lat. <em>status, gradus, <\/em>oder<em> ordo<\/em>). Im Hintergrund standen neben Platons arbeitsteiligem Idealstaat (von Philosophen geleitet, von W\u00e4chtern besch\u00fctzt, von Bauern und Handwerkern ern\u00e4hrt) noch r\u00f6mische und germanische Traditionen. Die Gliederung in Schichten (Adel, Freie und Unfreie) hielt sich bis in die Neuzeit. Bei Augustin und Thomas von Aquin ging es noch um eine festgef\u00fcgte Seinsordnung. Auch Luther geht von hier aus. Er gibt aber, ohne die Hierarchie aufzul\u00f6sen, einer funktionalen Beschreibung Raum. Gott k\u00f6nne eine Person \u201edurch alle stende bis hinauff\u201c f\u00fchren<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a>. Es geht um drei St\u00e4nde:<br \/>\n<strong>1. Lehrstand<\/strong>: insbesondere Pfarrer, Theologen, Lehrer (daher der Talar, das Gewand der Gelehrten, der sp\u00e4ter nur noch den Pfarrern und Richtern blieb<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a>) \u2013 im wesentlichen der Klerus. Weltliche Lehrer gab es kaum.<br \/>\n<strong>2.<\/strong> <strong>Wehrstand:<\/strong> die Obrigkeit und alle, die in ihrem direkten Dienst standen und mithalfen, die Ordnung aufrechtzuerhalten, dem B\u00f6sen zu wehren, im Krieg zu verteidigen.<br \/>\n<strong>3. N\u00e4hrstand:<\/strong> alle \u00fcbrigen, d.h. die Bauern- und Handwerkerfamilien \u2013 das Gros der damaligen Bev\u00f6lkerung.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a><br \/>\nGegen den Versuch von Schw\u00e4rmern und Aufr\u00fchrern, neue Ordnungen zu setzen, betonte Luther sp\u00e4ter mehr die Verbindlichkeit des Gewordenen. Der Ruf Gottes erreiche den Menschen in seiner konkreten Ordnung, egal ob oben oder unten. Jeder soziologische Ort kann so ein Ort der Gnade werden.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a>Die Ausdifferenzierung der Arbeitswelt ist in den Jahrhunderten nach Luther sehr viel gr\u00f6\u00dfer geworden, zugleich haben sich die quantitativen Schwerpunkte verlagert. Der Dienstleistungssektor hat gewaltig zugenommen (Deutschland 2019: rund 70%, Nahrungsproduktion: unter 1%<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a>). Doch von bleibender Bedeutung an Luthers Regimentenlehre ist unter anderem die Erkenntnis, da\u00df der <em>Wehrstand moralisch nicht produktiv<\/em> sein kann. Er baut wohl z.B. Stra\u00dfen und verhindert den Einfall von R\u00e4ubern. Er verteidigt die Rechtsordnung, aber kann sie nicht begr\u00fcnden; sie wird als gottgegeben gesehen. Im wesentlichen verhindert der Wehrstand das Chaos.<\/li>\n<li>Die beiden Reiche (oder eben besser \u201aRegierweisen\u2018) stehen \u201enicht beziehungslos nebeneinander, sondern Gott selbst hat das, was er durch sein weltliches Regiment wirkt, teleologisch<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> hingeordnet auf seinen Willen im geistlichen Regiment.\u201c<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Warum also wird die Menschheit durch die Ordnungen oder Stiftungen Gottes, n\u00e4mlich Ehe und Familie, Arbeit und Wirtschaft, Obrigkeit, Wissenschaft und Kunst vor dem Absinken ins Chaos gesch\u00fctzt? Warum gibt es noch eine f\u00fcr Menschen bewohnbare, ja wundersch\u00f6ne Erde? Darum, weil Gott in dieser Erdenzeit noch die Sammlung seiner Auserw\u00e4hlten f\u00fcr sein ewiges Reich vollenden will. Ist das einmal geschehen, wird auch das geschichtliche Dasein der Menschheit und der Kirche aufh\u00f6ren.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a><br \/>\nLuther hat also das Reich zur Linken keineswegs einer Eigengesetzlichkeit \u00fcberlassen, die am Ende noch den Nationalsozialismus rechtfertigen half<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a>, Deutschlands Weg in die Demokratie behinderte oder das Christentum auf Innerlichkeit reduzierte. Letzteres mag bei einem schwach gewordenen sp\u00e4teren Luthertum so sein<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a>, aber nicht bei Luther selbst. In seiner Schrift \u201eVon weltlicher Obrigkeit \u2013 wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei\u201c (1523) hat er mit scharfer Feder und spitzem Witz seine F\u00fcrsten attackiert! Ein paar Zitate folgen gleich.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Christ lebt also in zwei Reichen; neben seinem weltlichen B\u00fcrgerrecht (Reich zur Linken; z.B. Paulus\u2018 r\u00f6misches B\u00fcrgerrecht) hat er nach Phil 3,20 (vgl. Hebr 13,14) ein geistliches B\u00fcrgerrecht im Himmel (mit der Gemeinde im Reich zur Rechten). Folglich kann ein Christ jedes Amt in dieser Welt innehaben, auch das eines Soldaten, Richters oder sogar Henkers. Die Schuhe des christlichen Schusters werden zwar nicht notwendigerweise besser sein als die seines heidnischen Konkurrenten. Aber nur der Christ, der aus der Schrift erkennt, da\u00df und wie Gott auch auf \u201eweltliche\u201c Weise regiert, sieht den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang, in dem Wirtschaft und Staat stehen. Er wird daher das Schwert nicht aus Eigennutz f\u00fchren, um sich selbst zu r\u00e4chen oder zu bereichern, sondern aus Liebe zu Volk, F\u00fcrst und Familie.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a> Er wird dienen oder herrschen oder wirtschaften, nicht um die Konkurrenten aus dem Feld zu werfen, sondern zum gemeinsamen Nutzen, und um seinen N\u00e4chsten in der Gnadenzeit vor der Wiederkunft Christi die T\u00fcr zum Himmel offenzuhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So versucht Luther <em>beiden Abgr\u00fcnden<\/em> zu wehren: der <em>skrupellosen Machtentfaltung<\/em> auf der einen Seite, wie er sie bei selbstherrlichen F\u00fcrsten sieht, die \u00fcber geistliche Dinge urteilen und bestimmen wollen oder einen Krieg vom Zaun brechen<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a>, und auf der anderen Seite dem <em>R\u00fcckzug<\/em> in eine fromme Innerlichkeit, die meint, mit der b\u00f6sen \u00e4u\u00dferen Welt nichts mehr zu tun zu haben. Gerade gegen\u00fcber dieser letzten Seite hat Luther in Theorie und Praxis die Ehre des nichtkl\u00f6sterlichen Lebens neu auf den Leuchter gestellt: Auch gutes und ehrliches Handwerk ist Gottesdienst! Gottesdienst, der fr\u00f6hlich getan werden soll, findet statt an allen Tagen der Woche, gerade in und nicht au\u00dferhalb der weltlichen Arbeit. Also kann auch die Arbeit eines Soldaten oder sogar eines Henkers mit gutem Gewissen im Glauben getan werden, wenn denn wirklich die B\u00f6sen bestraft und die Guten belohnt werden. Ebenso ist die Ehe eine gute g\u00f6ttliche Stiftung; wer in ihr lebt, wird durch sie gesegnet, selbst wenn er Gottes Hand in ihr nicht erkennt. \u201eDer eheliche Stand ist auch k\u00f6stlich und g\u00f6ttlich, dennoch ist mancher Schalk und Bube drinnen.\u201c<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer die Ehe verachtet und umdefinieren will, verliert auch ihren Segen. Hier n\u00e4hern wir uns der heutigen Problematik einer gottlosen Willk\u00fcr: Der Staat bzw. die Gesellschaft will selbst entscheiden, was gut und b\u00f6se ist, was Ehe ist, wann das Lebensrecht des Ungeborenen beginnt, was ein zul\u00e4ssiger Glaube und was ein naiver oder eigenn\u00fctziger Glaube ist, wie das Bundesamt f\u00fcr Migration bei der Entscheidung, ob Bekehrungen von Migranten echt sind. Auch damit ma\u00dft sich der Staat religi\u00f6se Kompetenz auch dort an, wo er selbst nicht ausdr\u00fccklich von Gott spricht, ja wo ihn kein Wort Gottes dazu beruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hat durch seine Lehre auch Bisch\u00f6fe und P\u00e4pste mutig in die Schranken gewiesen, die die weltliche Rechtsprechung \u00fcber eigene Gebiete beanspruchen. So hat die Reformation entscheidend dazu geholfen, der schon alttestamentlich angebahnten Aufgabentrennung von Priestertum und K\u00f6nigtum in der Neuzeit endlich zum Durchbruch zu verhelfen. In der modernen Vorstellung von der <em>demokratischen Gewaltenteilung<\/em> haben wir einen (wenn auch leider schwindenden) Nachhall davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVon weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei\u201c (1523)<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Schrift \u201eVon weltlicher Obrigkeit\u201c f\u00fchrt Luther die <em>Unterscheidung zwischen den beiden Regierweisen mit einem klaren Kriterium<\/em> ein: Die Dinge, die der Mensch regieren soll, stehen gesch\u00f6pflich unter ihm. Es sind die \u00e4u\u00dferen Angelegenheiten des Lebens, aufgez\u00e4hlt im Herrschaftsauftrag f\u00fcr den gottebenbildlichen Menschen nach 1.Mose 1,26\u201328 (Fische, V\u00f6gel, Landtiere, die ganze Erde: \u201ef\u00fcllet die Erde und machet sie euch untertan\u201c). Gegen Erasmus schrieb er wenig sp\u00e4ter (1525): <em>quod supra nos, nihil ad nos<\/em> \u2013 was \u00fcber uns steht, geht uns nichts an.<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a> Mit anderen Worten: In geistlichen Dingen hat der nat\u00fcrliche Mensch keine Kompetenz, keine Freiheit. Darum hat hier die Obrigkeit keine Macht, irgend etwas hineinzureden. Schon der Untertitel deutet an, da\u00df es um eine Grenzziehung geht. Ich m\u00f6chte abschlie\u00dfend mit einem l\u00e4ngeren Zitat einen Eindruck davon geben, wie kr\u00e4ftig Luther die Obrigkeit an ihre gottgegebene Aufgabe zur\u00fcckbindet und sie gerade davor beh\u00fcten will, in die Kirche hineinzuregieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAuf\u2018s erste ist zu merken, da\u00df die zwei Teile Adamskinder, deren einer in Gottes Reich unter Christus, deren anderer in der Welt Reich unter der Obrigkeit ist (wie oben gesagt), zweierlei Gesetz haben. Denn ein jegliches Reich mu\u00df seine Gesetze und Recht haben, und ohne Gesetz kann kein Reich bestehen, wie das hinreichend die t\u00e4gliche Erfahrung ergibt. Das weltliche Regiment hat Gesetze, die sich nicht weiter erstrecken als \u00fcber Leib und Gut und was \u00e4u\u00dferlich auf Erden ist. Denn \u00fcber die Seele<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a> kann und will Gott niemand regieren lassen als sich selbst allein. Deshalb: wo weltliche Gewalt sich vermi\u00dft, der Seele Gesetze zu geben, da greift sie Gott in sein Regiment und verf\u00fchrt und verdirbt nur die Seelen. Das wollen wir so klar machen, da\u00df man\u2018s mit H\u00e4nden greifen solle, auf da\u00df unsere Junker, die F\u00fcrsten und Bisch\u00f6fe sehen, was sie f\u00fcr Narren sind, wenn sie die Menschen mit ihren Gesetzen und Geboten zwingen wollen, so oder so zu glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man ein Menschengesetz auf die Seele legt, da\u00df sie glauben soll, so oder so, wie derselbe Mensch es angibt, so ist da gewi\u00df nicht Gottes Wort. Ist Gottes Wort nicht da, so ist\u2018s ungewi\u00df, ob\u2018s Gott haben will. Denn was er nicht gebietet, dessen kann man nicht sicher sein, da\u00df es ihm gefalle: ja, man ist gewi\u00df, da\u00df es Gott nicht gefalle. Denn er will unsern Glauben blo\u00df und lauter allein auf sein g\u00f6ttliches Wort gegr\u00fcndet haben, wie er Matth. 16, 18 sagt: \u201aAuf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen\u2018, und Joh. 10, 4. 5: \u201aMeine Schafe h\u00f6ren meine Stimme und kennen mich; aber der Fremden Stimme h\u00f6ren sie nicht, sondern fliehen vor ihnen.\u2018 Daraus folgt denn, da\u00df weltliche Gewalt die Seelen mit solchem Frevelgebot zum ewigen Tode dr\u00e4ngt, denn sie zwingt solches zu glauben, als das recht und gewi\u00df Gott gef\u00e4llig sei, w\u00e4hrend es doch ungewi\u00df ist, ja gewi\u00df, da\u00df es mi\u00dff\u00e4llt, weil kein klares Gotteswort da ist. Denn wer das f\u00fcr Recht glaubt, was unrecht oder ungewi\u00df ist, der verleugnet die Wahrheit, die Gott selbst ist, und glaubt an die L\u00fcgen und Irrt\u00fcmer, h\u00e4lt das f\u00fcr recht, was unrecht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb ist\u2018s ein gar \u00fcberaus n\u00e4rrisch Ding, wenn sie gebieten, man solle der Kirche, den V\u00e4tern, Konzilien glauben, obgleich kein Gotteswort da sei. Teufelsapostel gebieten solches und nicht die Kirche. Denn die Kirche gebietet nichts, sie wisse denn sicher, da\u00df es Gottes Wort sei, wie 1.Petr. 4,11 sagt: \u201aWenn jemand redet, da\u00df er\u2018s rede als Gottes Wort\u2018. Sie werden aber gar lange nicht beweisen, da\u00df der Konzile S\u00e4tze Gottes Wort sind. Viel n\u00e4rrischer ist\u2018s aber noch, wenn man sagt: die K\u00f6nige und F\u00fcrsten und die Menge glaubt so.<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a> Mein Lieber, wir sind nicht getauft auf K\u00f6nige, F\u00fcrsten, noch auf die Menge, sondern auf Christus und Gott selbst. Wir hei\u00dfen auch nicht K\u00f6nige, F\u00fcrsten oder Menge, wir hei\u00dfen Christen. Der Seele soll und kann niemand gebieten, er wisse ihr denn den Weg gen Himmel zu weisen. Das kann aber kein Mensch tun, sondern Gott allein. Deshalb soll in den Sachen, die der Seele Seligkeit betreffen, nichts als Gottes Wort gelehrt und angenommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner: wenn sie gleich grobe Narren sind, so m\u00fcssen sie ja das bekennen, da\u00df sie keine Gewalt \u00fcber die Seelen haben. Denn es kann ja kein Mensch eine Seele t\u00f6ten oder lebendig machen, gen Himmel oder zur H\u00f6lle f\u00fchren. Und wenn sie <em>uns<\/em> das nicht glauben wollen, wird <em>Christus<\/em> das ja stark genug bezeugen, da er Matth. 10, 28 sagt: \u201aF\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten und die Seele nicht k\u00f6nnen t\u00f6ten; f\u00fcrchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der H\u00f6lle\u2018. Ich meine wenigstens, da\u00df hier klar genug die Seele [die geistlichen Dinge] aus aller Menschen Hand genommen und allein unter Gottes Gewalt gestellt sei. Nun sage mir, wieviel Verstand mu\u00df der Kopf wohl haben, der an dem Ort Gebote aufstellt, wo er gar keine Gewalt hat? Wer wollte den nicht f\u00fcr unsinnig halten, der dem Mond geb\u00f6te, er sollte scheinen, wann er wollte? \u00dcberdies kann man\u2018s auch daran begreifen, da\u00df eine jegliche Gewalt nur da handeln soll und kann, wo sie sehen, erkennen, richten, urteilen, wandeln und \u00e4ndern kann. Denn was w\u00e4re mir das f\u00fcr ein Richter, der blindlings die Sachen richten wollte, die er weder h\u00f6rt noch sieht? Nun sage mir, wie kann ein Mensch die Herzen sehen, erkennen, richten, beurteilen und \u00e4ndern? Denn solches ist allein Gott vorbehalten, wie Ps. 7, 9\u201310 sagt: \u201aGott pr\u00fcft Herzen und Nieren\u2018, ferner: \u201aDer Herr ist Richter \u00fcber die V\u00f6lker\u2018, und Apg. 1,24: \u201aDer Herr kennt alle Herzen\u2018, und Jer. 17,9f.: \u201aEs ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding, wer kann es ergr\u00fcnden? Ich, der <em>Herr, kann<\/em> das Herz ergr\u00fcnden und die Nieren pr\u00fcfen\u2018. Ein Gericht soll und mu\u00df ganz sicher sein, wenn es urteilen soll, und alles am hellen Licht haben. Aber der Seelen Gedanken und Gesinnungen k\u00f6nnen niemand als Gott offenbar sein. Deshalb ist es umsonst und unm\u00f6glich, jemand zu gebieten oder ihn mit Gewalt zu zwingen, so oder so zu glauben. Es geh\u00f6rt ein anderer Griff dazu, die Gewalt tut\u2018s nicht. Und mich wundern die gro\u00dfen Narren, sintemal sie selbst allesamt sagen: Verborgene Sachen richtet die Kirche nicht. Wenn denn der Kirche geistliches Regiment nur offenbare Dinge regiert, wessen untersteht sich denn die unsinnige, weltliche Gewalt, solch heimlich, geistlich, verborgen Ding, wie es der Glaube ist, zu richten und zu meistern?\u201c<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Dr. Stefan Felber<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erschienen in: akzente f\u00fcr Theologie und Dienst &#8211; Biblisch-theologische Dreimonatsschrift der RGAV-Dienstgemeinschaft f\u00fcr Verk\u00fcndigung und Seelsorge e.V. (Mai 2021)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0________________<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zitierte Literatur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brecht, Martin: Martin Luther. Bd. 2: Ordnung und Abgrenzung der Reformation 1521\u20131532, Stuttgart 1986, 517 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brunner, Peter: Der Christ in den zwei Reichen [1949], in: Brunner, Peter (Hg.): Pro Ecclesia I. Gesammelte Aufs\u00e4tze zur dogmatischen Theologie, Berlin, Hamburg 1962, S. 360\u2013374.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brunner, Peter: Die Stellung des Christen in einer verantwortlichen Gesellschaft [1958], in: aaO. 375\u2013388.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">EKD: Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie. Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Aufgabe. Eine Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland, G\u00fctersloh 1985, <sup>4<\/sup>1990, 48 S. (Vorworte: Eduard Lohse und Trutz Rendtorff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Felber, Stefan: \u201eKein K\u00f6nig au\u00dfer dem Kaiser\u201c? Warum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verlieren, Freimund-Verlag, erscheint ca. Juni 2021, ca. 200 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lohse, Eduard: Erneuern und Bewahren. Evangelische Kirche 1970\u20131990, G\u00f6ttingen 1993, 343 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther, Martin: Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei (1523), zitiert aus der Alandschen Lutherausgabe, Band 7, <sup>2<\/sup>1967, S. 9\u201351 (zu finden u.a. in <a href=\"http:\/\/www.checkluther.com\/wp-content\/uploads\/1523-Von-weltlicher-Obrigkeit-wie-weit-man-ihr-Gehorsam-schuldig-sei.pdf\">www.checkluther.com\/wp-content\/uploads\/1523-Von-weltlicher-Obrigkeit-wie-weit-man-ihr-Gehorsam-schuldig-sei.pdf<\/a>, zitiert von S. 11f.; vgl. auch <a href=\"http:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/luther\/weltobri\/weltobri.html\">www.projekt-gutenberg.org\/luther\/weltobri\/weltobri.html<\/a>), auch zu finden in der M\u00fcnchner Ausgabe (hg. von H. H. Borcherdt und G. Merz): Band V, M\u00fcnchen 1936, S. 1\u201344 (= WA 11, S. 245\u2013281). Der l\u00e4ngere zitierte Text findet sich au\u00dferdem wieder in der 2. Walch-Auflage, Bd. X, 1987, Sp. 395\u2013398 (Nr. 38\u201342).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther, Martin: Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein k\u00f6nnen (1526), in: M\u00fcnchner Ausgabe (w. o.), S. 197\u2013239 (= WA 19, S. 623\u2013662).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mantey, Volker: Zwei Schwerter \u2013 zwei Reiche. Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre vor ihrem sp\u00e4tmittelalterlichen Hintergrund, T\u00fcbingen 2005, 334 S. (Rezension von Hermut L\u00f6hr, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 2.11.2005, Nr. 255, S. 40).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nef, Robert: Freiheit in Geschichte und Gegenwart: Die neue Dreigliederung der Gesellschaft, hg. v. Bouillon, Hardy; Gebauer, Carlos A., Reinbek 2020, S. 321\u2013339.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siemon-Netto, Uwe: Der erfundene Luther. Wider das Klischee vom \u201aWegbereiter Hitlers\u2018, Gross Oesingen 1999, 134 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thier, Erich: Art. Stand, in: Deutscher Evangelischer Kirchentag; Karrenberg, Friedrich (Hg.): Evangelisches Soziallexikon, Stuttgart 1954, Sp. 1002\u20131005.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thimme, Hans: Luthers Lehre von den beiden Reichen, Heft 21 des Gnadauer Materialdienstes 21, 1983; enthalten auch in: Heimbucher, Kurt (Hg.): Luther und der Pietismus. An alle, die mit Ernst Christen sein wollen, Giessen, Basel: Brunnen (TVG) <sup>2<\/sup>1999, S. 170\u2013195.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tietz, Christiane: Die politische Aufgabe der Kirche im Anschluss an die Lutherische \u201eZwei-Regimenten-Lehre\u201c, in: Dingel, Irene; Tietz, Christiane (Hg.): Die politische Aufgabe von Religion. Perspektiven der drei monotheistischen Religionen. Ver\u00f6ffentlichungen des Instituts f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte Mainz Beiheft Bd. 87, G\u00f6ttingen 2011, S. 259\u2013273.<\/p>\n<p>______________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Dabei ist zuzugestehen, da\u00df die aus Luthers Lehre von den zwei Regierweisen Gottes erwachsene Praxis oft nicht so einleuchtet, wie das in der Theorie erscheint. Das trifft aber nicht nur auf Luther zu.\u2013 Meine Besinnung beschr\u00e4nkt sich auf die Grundlinien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> These 2:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u201aJesus Christus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erl\u00f6sung\u2018 (1.Kor. 1, 30).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer S\u00fcnden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kr\u00e4ftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerf\u00e4hrt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Gesch\u00f6pfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen w\u00e4ren, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bed\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">These 5:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u2018F\u00fcrchtet Gott, ehret den K\u00f6nig!\u2018 (1.Petr. 2,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schrift sagt uns, da\u00df der Staat nach g\u00f6ttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erl\u00f6sten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Ma\u00df menschlicher Einsicht und menschlichen Verm\u00f6gens unter Androhung und Aus\u00fcbung von Gewalt f\u00fcr Recht und Frieden zu sorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und k\u00f6nne der Staat \u00fcber seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und k\u00f6nne sich die Kirche \u00fcber ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche W\u00fcrde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> = Weltlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Brunner, Stellung des Christen, S. 380.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> In der FDP gab es 1973\/74 die nicht gerade liberale Forderung, erst ab Religionsm\u00fcndigkeit sollte Kirchenmitgliedschaft <em>m\u00f6glich<\/em> sein (hierzu Lohse, Erneuern und Bewahren, S. 73\u201377).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> \u00dcber dieses siehe mein im Literaturverzeichnis angek\u00fcndigtes Buch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> EKD, Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie, S. 23 (Hervorh. S.F.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Lohse, Erneuern und Bewahren, S. 73.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Zugleich w\u00e4re daran zu erinnern, da\u00df bis in die 1970er Jahre ein \u00f6kumenischer und gesellschaftlicher Konsens von der Sittenwidrigkeit der Abtreibung bestanden hatte. Noch 1975 beurteilte das Bundesverfassungsgericht die \u201eFristenl\u00f6sung\u201c als unvereinbar mit dem Recht auf Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Orthographisch modernisiert zitiert nach Thimme, Luthers Lehre von den beiden Reichen, S. 3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Brecht, Luther II, S. 121. Ob der \u00e4ltere Luther dem selbst immer gerecht geworden ist, steht auf einem anderen Blatt.\u2013 Brecht (aaO. 111\u2013122) verweist auf weitere Schriften (Predigten und Briefe), in denen Luther seine Konzeption weiter entfaltete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Zitiert bei Thier, Art. Stand, Sp. 1003.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Luther trug zu den Abendmahlsfeiern noch Messgew\u00e4nder, lediglich zur Predigt den schwarzen Rock der damaligen theologischen Universit\u00e4tsprofessoren (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talar\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talar<\/a>, 20.03.2020).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. Nef, Neue Dreigliederung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Thier, Art. Stand, Sp. 1003f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/36846\/umfrage\/anteil-der-wirtschaftsbereiche-am-bruttoinlandsprodukt\/\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/36846\/umfrage\/anteil-der-wirtschaftsbereiche-am-bruttoinlandsprodukt\/<\/a> (13.11.2020).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> D.h. zielgerichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Brunner, Der Christ in den zwei Reichen, S. 365.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Im Anschlu\u00df an Brunner (ebd.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Karl Barth warf Luther dies vor (1939 Brief an Frankreich, 1940 Brief an Holland). Vgl. Siemon-Netto, Der erfundene Luther.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Z.B. f\u00fchrt Tietz (Politische Aufgabe der Kirche, S. 261f.) daf\u00fcr Christoph Ernst Luthardt an. Zu Recht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Von weltlicher Obrigkeit, in: M\u00fcnchner Ausgabe V, 1936, S. 14f.+22 mit sch\u00f6nen Beispielen aus Altem und Neuem Testament.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> In Luthers \u201eOb Kriegsleute auch in seligem Stande sein m\u00f6gen\u201c (1526) hei\u00dft es: \u201eDenn das will ich vor allen Dingen zuvor gesagt haben: Wer Krieg anf\u00e4ngt, der ist unrecht, und es ist billig, da\u00df der geschlagen oder doch zuletzt gestraft werde, der am ehesten das Messer z\u00fcckt \u2026 Denn weltliche Obrigkeit ist nicht eingesetzt von Gott, da\u00df sie solle Frieden sprechen und Kriege anfangen, sondern dazu, da\u00df sie den Frieden handhabe und den Kriegen wehre \u2026 So sei in diesem St\u00fccke das erste, da\u00df Kriegen nicht recht ist \u2026 Darum la\u00dft euch sagen, ihr lieben Herren: H\u00fctet euch vor Krieg, es sei denn, da\u00df ihr wehren und sch\u00fctzen m\u00fc\u00dft, und euer aufgelegtes Amt euch zwingt zu kriegen\u201c (zit. nach Thimme, Luthers Lehre von den beiden Reichen, S. 14). Von daher bejaht Luther <em>sogar das Recht zur Kriegsdienstverweigerung<\/em> mit der clausula Petri (Apg 5,29; Thimme aaO. 15; Luther, Ob Kriegsleute auch in seligem Stande, S. 233)!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Ob Kriegsleute auch in seligem Stande, S. 199.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Zur Traditionsgeschichte grundlegend: Mantey, Zwei Schwerter; zum zeitgeschichtlichen Hintergrund ferner: Brecht, Luther II, S. 112. 120ff. (weitere Literatur u.a. bei Tietz, Politische Aufgabe der Kirche, S. 260ff.).\u2013 Unter anderem: Am 5.11.1522 war in N\u00fcrnberg der Verkauf von Luthers B\u00fcchern untersagt worden. Herzog Georg von Sachsen verbot am 7.11.1522 den Verkauf oder Kauf von Luthers \u00dcbersetzung des Neuen Testaments.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> <em>De servo arbitrio<\/em>, 1525, in: W. H\u00e4rle u.a. (Hg.) Martin Luther. Lateinisch-deutsche Studienausgabe Band I, 2006, S. 232 und 404.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> Luther meint mit \u201aSeele\u2018 wohl allgemein die geistlichen Dinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> Also kein Mehrheitsprinzip!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> WA 11, S. 262\u2013264 (= Alandsche Lutherausgabe Band 7, S. 29\u201331).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entdeckung der Glaubensgerechtigkeit allein aus Gnaden steht in der Mitte von Luthers theologischen Denkens und Verk\u00fcndigens. Als Mitte seiner Ethik gilt seine Lehre von den zwei Regierweisen Gottes, die jedem anhand seines Standes bzw. Standortes Orientierung f\u00fcr sein Handeln in der Welt gibt.[1] Wenn wir heute Luther mit der Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":207,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,13,29,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18120"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/207"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18120"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18124,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18120\/revisions\/18124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}