{"id":17956,"date":"2021-03-26T11:11:00","date_gmt":"2021-03-26T10:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17956"},"modified":"2021-03-26T11:16:52","modified_gmt":"2021-03-26T10:16:52","slug":"covid-19-und-mrna-impfstoffe-eine-kleine-orientierungshilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17956","title":{"rendered":"Covid-19 und mRNA-Impfstoffe \u2013 eine kleine Orientierungshilfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer au\u00dferordentlichen Anstrengung sind in der Pharmaforschung angesichts des Infektionsgeschehens durch das SARS-CoV-2-Virus (Corona-Virus) Impfstoffe entwickelt und produziert worden. SARS-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 ausl\u00f6sen. Nach erfolgter Zulassung durch beschleunigte Verfahren sollen m\u00f6glichst gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung durch Impfung mit den entsprechenden Seren gegen SARS-CoV-2 immunisiert werden. Hier sollen einige wichtige Informationen zusammengestellt werden, die f\u00fcr die Beurteilung des Nutzens und der Gefahren der Impfstoffe wichtig sind. Welche Arten von Impfstoffen gibt es? Wie funktionieren die neuen mRNA-Impfungen? Und was bedeutet Immunit\u00e4t?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vorbemerkung: Wir haben bei der SG Wort und Wissen sehr viele Anfragen zum Corona-Virus, zur dadurch ausgel\u00f6sten Lungenkrankheit Covid-19 und zum neuartigen Impfstoff gegen das Virus erhalten. Da unser Mitarbeiter Peter Borger durch seine fr\u00fchere akademische T\u00e4tigkeit eingehende Kenntnisse \u00fcber Virus-\u00e4hnliche genetische Elemente des Genoms besitzt, haben wir uns entschlossen, die nachfolgende Information zu diesem f\u00fcr die SG Wort und Wissen eher untypischen Thema weiterzugeben. In den ersten Abschnitten erhalten Sie \u00fcber den konkreten Anlass hinaus einige Informationen \u00fcber das menschliche Immunsystem, die Anlass zum Dank an den Sch\u00f6pfer geben, der den Menschen mit diesen ausgefeilten und lernf\u00e4higen Abwehrmechanismen ausgestattet hat. Dass das Immunsystem \u00fcberfordert sein kann, ist ein Symptom der gefallenen Sch\u00f6pfung, sollte aber nicht vergessen machen, dass es in den meisten F\u00e4llen sehr wirkungsvoll ist. Jeder Einzelne ist pers\u00f6nlich herausgefordert eine Position zu beziehen und diese durch sein entsprechendes Verhalten zu verantworten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Virusimmunit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein in den K\u00f6rper eindringender Krankheitserreger wie das Virus SARS-CoV-2 muss eine Vielzahl von Barrieren \u00fcberwinden, bevor er eine Erkrankung ausl\u00f6sen kann. Diese Hindernisse erm\u00f6glichen eine nat\u00fcrliche Immunit\u00e4t. Es gibt mindestens f\u00fcnf Verteidigungslinien des K\u00f6rpers, die durchbrochen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst m\u00fcssen die sch\u00fctzenden epithelialen Barrieren durchbrochen werden. Diese bestehen aus der Haut, der Nasenschleimhaut und der Lungenschleimhaut. Dar\u00fcber hinaus enth\u00e4lt die Schleimhaut viele Arten von Molek\u00fclen, die die Eindringlinge unsch\u00e4dlich machen. Gelingt es dem Virus, diese Barrieren zu durchbrechen und in eine Zelle einzudringen, kommt es sofort mit den Zellen des Immunsystems in Kontakt, den Natural-Killer- und den Thymus-abh\u00e4ngigen Zellen, der sogenannten NK- &amp; T-Zell-Barriere des Immunsystems. Dies wird durch Interferone und Perforine unterst\u00fctzt und ist eine sehr starke und effektive Immunantwort, die virusinfizierte Zellen \u201emarkiert\u201c und dann zerst\u00f6rt. Gleichzeitig wird das so genannte Komplementsystem aktiviert. Dabei handelt es sich um ein umfassendes System von Serumproteinen, die nacheinander aktiviert werden, um die Viren zu markieren, sodass sie durch spezielle Fresszellen eliminiert werden k\u00f6nnen. Durch Aktivierung dieser auch als Makrophagen bezeichneten Fresszellen werden auch alle Zellen mit Krankheitserregern sowie abgestorbene oder sterbende Zellen entsorgt. Gleichzeitig werden Zytokine ausgeschieden, darunter Interleukin-1, die einen Anstieg der K\u00f6rpertemperatur (Fieber) verursachen, was die Virusvermehrung hemmt. Alle diese Systeme arbeiten zusammen, um die Krankheitserreger zu stoppen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist die Virusinfektion damit noch nicht \u00fcberwunden, wird das sogenannte adaptive Immunsystem angeregt, was eine Antik\u00f6rperproduktion ausl\u00f6st. Diese Reaktion besteht in der Aktivierung defensiver wei\u00dfer Blutk\u00f6rperchen, der sogenannten B-Zellen. Es ist eigentlich die letzte Antwort gegen einen Eindringling, aber eine sehr wichtige. Die B-Zellen erkennen die Eindringlinge (mit ihren Zellmembran-gebundenen Antik\u00f6rpern) und beginnen, Antik\u00f6rper freizusetzen, die die Krankheitserreger binden und markieren. Diese Markierung stellt sicher, dass der Eindringling durch Phagozyten (Fresszellen) eliminiert wird. Sie werden durch andere wei\u00dfe Blutk\u00f6rperchen (T-Helferzellen) aktiviert, die spezielle Molek\u00fcle (Zytokine) freisetzen, welche es den B-Zellen erm\u00f6glichen, den Eindringling immer besser zu erkennen (Isotypenwechsel). Die B-Zellen, die die besten Antik\u00f6rper produzieren, werden vom Immunsystem ausgew\u00e4hlt und vermehrt: klonale Expansion. Am Ende bleibt eine Population von \u201eSuperzellen\u201c \u00fcbrig, die hochspezifische Antik\u00f6rper produzieren (jetzt als Plasmazellen bezeichnet). Jetzt ist das gesamte Immunsystem aktiviert, um die Infektion m\u00f6glichst rasch zum Abklingen zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sogenannte B-Ged\u00e4chtniszellen zirkulieren nach einer \u00fcberstandenen Infektion im K\u00f6rper noch jahrelang, manchmal lebenslang, und reagieren bei der n\u00e4chsten Begegnung mit dem gleichen Erreger sofort mit der richtigen Antik\u00f6rperreaktion. Es ist diese adaptive, Antik\u00f6rper-getriebene Immunit\u00e4t, \u00fcber die in den Medien im Zusammenhang mit den Impfstoffen berichtet wird. Denn diese Immunisierung soll mit Impfstoffen erreicht werden, die die Antik\u00f6rperantwort erm\u00f6glichen bzw. verst\u00e4rken sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Immunit\u00e4t besteht jedoch aus viel mehr als nur aus diesen Antik\u00f6rpern. Tats\u00e4chlich liegen Studien vor, die zeigen, dass 30\u201360% der untersuchten Bev\u00f6lkerung aufgrund der NK- und T-Zell-Immunit\u00e4t oder durch immunologische Kreuzreaktionen mit anderen (Corona-)Viren bereits eine Immunantwort gegen das Virus SARS-CoV-2 besitzen [1-4]. Wie dringend notwendig ist also eine bev\u00f6lkerungsweite Immunisierung durch eine Impfung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Immunsystem ist also fast immer in der Lage, eine angemessene Antwort auf \u00e4u\u00dfere Bedrohungen zu finden. Allerdings braucht das Immunsystem manchmal eine helfende Hand, insbesondere wenn es mit einem sehr aggressiven Virus oder mit einem lebensbedrohlichen Mikroorganismus konfrontiert wird. Diese Unterst\u00fctzung geschieht durch Immunisierung mit einem Impfstoff. Im Laufe der Zeit sind viele verschiedene Impfstoffe entwickelt worden. Diese sollen nachfolgend n\u00e4her betrachtet werden, wobei wir uns auf Impfstoffe gegen Viren konzentrieren. Es gibt zwei deutlich unterschiedliche Kategorien von antiviralen Impfstoffen: 1. Impfstoffe, die inaktivierte Virusteile oder Virusproteine enthalten, und 2. Impfstoffe, die f\u00fcr virale Proteine codieren (DNA, mRNA oder rekombinante Viren).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Impfstoffe, die ein inaktiviertes oder abgeschw\u00e4chtes Virus oder Virusproteine enthalten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In herk\u00f6mmlichen Impfstoffen werden entweder abgeschw\u00e4chte oder tote Viren oder Fragmente davon verabreicht. Bereits im 18. Jahrhundert wurden Menschen mit fein gemahlenen Krusten von Pockenwunden von Kuhpocken gegen die echten Pocken (Variola) immunisiert. Die bei K\u00fchen aufgetretenen Pocken erwiesen sich beim Menschen als viel weniger aggressiv, und diejenigen, die damit in Kontakt kamen, waren anschlie\u00dfend gegen Variola immun. Die Impfstoffe, die mit abgeschw\u00e4chten Erregern arbeiten, l\u00f6sen eine breite Immunantwort gegen alle Oberfl\u00e4chenproteine von Viren aus. Kommt man nun mit einem \u00e4hnlichen, dem eigentlichen Erreger in Kontakt, wird das ganze Immunsystem gezielt aktiviert und das Virus beseitigt. Pockenimpfstoffe sowie beispielsweise die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und R\u00f6teln sind sogenannte Lebendimpfstoffe mit solchen abgeschw\u00e4chten Erregern. Personen mit einem geschw\u00e4chten Immunsystem (z. B. Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen) sollten diese Impfstoffe nicht verabreicht werden. Diesen Nachteil besitzen Totimpfstoffe nicht. Dabei handelt es sich entweder um Impfstoffe aus inaktivierten Krankheitserregern (sog. Ganzpartikelimpfstoffe, z. B. gegen Hepatitis A und Polio) oder um Impfstoffe aus Fragmenten wie z. B. einem oder mehreren viralen Oberfl\u00e4chenproteinen (sog. Subunit-Impfstoffe, z. B. gegen Grippe).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herk\u00f6mmliche Impfstoffe haben den Nachteil, dass bei der Herstellung eine gro\u00dfe Menge von Viren ben\u00f6tigt wird, die unter hohem zeitlichen Aufwand in Zellen oder H\u00fchnereiern gez\u00fcchtet werden m\u00fcssen. F\u00fcr eine Impfstoffdosis werden mehrere Milliarden Viruspartikel ben\u00f6tigt, die aufgrund der Arbeit mit gef\u00e4hrlichen Viren unter strengen Sicherheitsvorschriften produziert und aufgearbeitet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um diesen Problemen zu begegnen, wurden rekombinante Subunit-Impfstoffe entwickelt, bei denen die viralen Oberfl\u00e4chenproteine beispielsweise mittels gentechnisch ver\u00e4nderter Hefezellen produziert werden (z. B. gegen Hepatitis B und HPV).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Medikamente k\u00f6nnen auch Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen. Daher fordern verschiedene Kontrollbeh\u00f6rden wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie regionale Zulassungsbeh\u00f6rden wie die Europ\u00e4ische Arzneimittelagentur (EMA) umfangreiche Testphasen mit vielen aufw\u00e4ndigen Studien. So dauert die Entwicklung eines Impfstoffs bis zur Zulassung in der Regel mindestens 5\u201310 Jahre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Antigencodierende Impfstoffe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Impfstoffe, welche die (meist modifizierte) Erbinformation (DNA, mRNA) eines Erregers beinhalten, werden als \u201e<em>antigencodierende Impfstoffe\u201c<\/em>\u00a0bezeichnet. \u00a0Diese Impfstoffe enthalten die\u00a0genetische Information f\u00fcr das Virusprotein (Antigen), gegen das eine Immunreaktion ausgel\u00f6st werden soll.\u00a0Nach der Impfung findet dann die Produktion des Virusproteins in den k\u00f6rpereigenen Zellen statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Impfstoffe wurden auf dem Gebiet der Immunisierung seit einigen Jahren unter anderem gegen verschiedene Krebsarten entwickelt [5]. Mit Ausnahme der im Zusammenhang mit Covid-19 entwickelten Impfstoffe liegen jedoch noch keine Zulassungen f\u00fcr andere Anwendungen vor, befinden sich aber in fortgeschrittenen Testphasen [6].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Vorteil dieser Impfstoffe besteht darin, dass sie sehr schnell entwickelt und produziert werden k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen im Labor ohne die Verwendung von menschlichen oder tierischen Produktionszellen zusammengesetzt werden. Die Forschung hat gezeigt, dass diese Art der Immunisierung sowohl zu einer zellul\u00e4ren als auch zu einer adaptiven Immunantwort (mit Antik\u00f6rpern) f\u00fchren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Problematik dieser Impfstoffe besteht zun\u00e4chst darin, dass Erbinformation in die K\u00f6rperzellen eingeschleust werden. Insbesondere DNA-Impfungen erwiesen sich bisher als nicht sehr effizient, weil DNA-Molek\u00fcle schlecht von den Zellen aufgenommen werden. Wenn die Aufnahme in die Zelle gelingt, muss die DNA in den Zellkern gelangen, wo sie in mRNA umgeschrieben werden kann. Diese muss danach in Virusprotein \u00fcbersetzt werden, gegen das die Immunantwort erfolgen soll. Ein Problem ist dabei, dass die Menge an Nukleins\u00e4uren (DNA) und der damit synthetisierten Proteine in der menschlichen Zelle nicht ausreicht, um eine ausreichend starke Immunantwort zu erzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>DNA-Vektorimpfstoffe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung von\u00a0sogenannten DNA-Vektorimpfstoffen ist der Versuch, diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Diese Impfstoffe werden aus relativ schwachen Viren hergestellt, die typischerweise eine harmlose Erk\u00e4ltung beim Menschen verursachen (zurzeit meistens Adenoviren). Die virulenten (= krankheitserregenden) Gene werden aus dem Erbgut dieser Viren entfernt, w\u00e4hrend die viralen Genschalter erhalten bleiben. Dann wird in das Erbgut des harmlosen Virus ein Gen aus demjenigen Virus eingef\u00fcgt, gegen das eine Immunantwort erzeugt werden muss. Im Fall der Covid-19-Impfstoffe ist dies ein SARS-CoV-2-Gen, das f\u00fcr das virale Spike-Protein codiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Injektion des modifizierten Virus, das das Gen von SARS-CoV-2 enth\u00e4lt, in den menschlichen K\u00f6rper wird es von den k\u00f6rpereigenen Zellen aufgenommen. Auch hier muss die Vektor-DNA in den Zellkern gelangen und in mRNA umgeschrieben werden, woraufhin diese Zellen dann mit der Produktion des Spike-Proteins beginnen, das dann dem Immunsystem pr\u00e4sentiert und von diesem als k\u00f6rperfremd erkannt wird. Dies ruft dann sowohl eine zellul\u00e4re als auch eine Antik\u00f6rper-Immunantwort hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es handelt sich hier um eine intelligente Nutzung von biochemischen Mechanismen, um Menschen zu immunisieren. Diese Technologie wird zurzeit bei dem Impfstoff AZD1222 der Firma Astra-Zeneca genutzt. Aber auch der russische Impfstoff Sputnik-V und der Impfstoff der Firma Johnson &amp; Johnson sind DNA-Vektorimpfstoffe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>mRNA-Impfstoffe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Covid-19-mRNA-Impfstoffen handelt es sich um eine SARS-CoV-2-mRNA, die f\u00fcr das virale Spike-Protein codiert, die in einer Lipidh\u00fclle verpackt ist. Die mRNA in dieser H\u00fclle ist aber nicht einfach die gleiche mRNA, wie sie in unseren Zellen vorkommt, sonst w\u00fcrde sie innerhalb k\u00fcrzester Zeit abgebaut werden. Um die Stabilit\u00e4t zu erh\u00f6hen, wurde einer der Bausteine der viralen mRNA, n\u00e4mlich Uracil, durch Pseudo-Uracil ersetzt. Nach der Injektion hat die mRNA dadurch viel mehr Zeit, in die Zellen einzudringen und dort zu verbleiben. Der Vorteil ist, dass die mRNA sofort in das virale Spike-Protein \u00fcbersetzt werden kann, um die Immunantwort auszul\u00f6sen. (Dagegen muss DNA wie oben erw\u00e4hnt zuerst in mRNA \u00fcbersetzt werden, bevor das virale Spike-Protein erzeugt werden kann.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2020 meldeten verschiedene Biotechnologie-Firmen Durchbr\u00fcche bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen; die Meldungen erfolgten meist durch die Pressestellen der Firmen und wurden in den Tagesmedien verbreitet. Neben anderen war ein von BioNTech und Pfizer entwickelter mRNA-Impfstoff ein euphorisch kommentiertes Produkt [7, 8]. Zwei Pharmaunternehmen, das in den USA ans\u00e4ssige Unternehmen Pfizer und das deutsche Unternehmen BioNTech, gaben bekannt, dass sich ihr mRNA-basierter Impfstoffkandidat BNT162b2 bei den Studienteilnehmern zu mehr als 90% wirksam hinsichtlich der Pr\u00e4vention von Covid-19 erwiesen hat [8, 9]. Allerdings zeigte er bei 17% der getesteten Personen Nebenwirkungen [9].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sind antigencodierende Impfstoffe gef\u00e4hrlich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind besonders diese neuartigen mRNA-Impfstoffe, die in manchen Medien heftig kritisiert werden, weil damit angeblich Menschen genetisch manipuliert, sie zu \u201eMutanten\u201c gemacht w\u00fcrden. Es wird oft behauptet, dass diese Impfstoffe in der Lage seien, unser Erbgut zu ver\u00e4ndern. K\u00f6nnen sie das tats\u00e4chlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der g\u00e4ngigen Meinung, die auch in den Medien immer wieder zu h\u00f6ren ist, sind mRNA-Impfstoffe in dieser Hinsicht unbedenklich.\u00a0<em>Spektrum der Wissenschaft<\/em>\u00a0schreibt zum Beispiel: \u201e\u201aEs gibt auch keinen Hinweis darauf, dass die von den K\u00f6rperzellen nach der Impfung aufgenommene mRNA in DNA umgeschrieben wird\u2018, schreibt dazu das f\u00fcr Impfstoffzulassungen zust\u00e4ndige Paul-Ehrlich Institut.\u201c [10]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vollkommen ausschlie\u00dfen kann man eine genetische Ver\u00e4nderung von Lebewesen durch mRNA-Impfstoffe aber dennoch nicht. Zum Verst\u00e4ndnis m\u00fcssen wir einen genaueren Blick auf das menschliche Genom (Erbgut) werfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das menschliche Genom enth\u00e4lt ca. 20.000 Protein-codierende Gene sowie eine derzeit noch schwer absch\u00e4tzbare Anzahl von regulatorischen RNA-Genen. Zusammen mit weiteren regulatorischen Sequenzen wie z. B. genetischen Schaltern machen diese Gene etwa 25% des Genoms aus. Dar\u00fcber hinaus bestehen etwa 50% des Genoms aus Sequenzen, die im Genom flexibel verschoben werden k\u00f6nnen (sog. Transposons) und deren Funktion und Bedeutung wir erst ansatzweise kennen. Es scheint sich vor allem um (epi-)genetische Schaltelemente zu handeln, die die Expression (Auspr\u00e4gung) genetischer Programme steuern, also die\u00a0<em>Nutzung<\/em>\u00a0von Genen regulieren. Es gibt Hunderttausende dieser Elemente in unserem Genom.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wichtig zu wissen, dass jedes dieser transponierbaren Elemente f\u00fcr zwei Enzyme codiert: die Reverse Transkriptase (abgek\u00fcrzt RT) und die Integrase (abgek\u00fcrzt INT). Die Besonderheit des RT-Enzyms besteht darin, dass es ein RNA-Molek\u00fcl in ein DNA-Molek\u00fcl umwandeln kann, w\u00e4hrend das INT-Enzym dieses neu gebildete DNA-Molek\u00fcl in die k\u00f6rpereigene DNA einbauen kann. Das bedeutet also, dass grunds\u00e4tzlich biochemische Mechanismen vorhanden sind, fremde RNA-Abschnitte in k\u00f6rpereigene DNA umzuschreiben und diese in das vorhandene Erbgut zu integrieren. Damit k\u00f6nnten sich also auch genetische Ver\u00e4nderungen ereignen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Gefahr ist auch bei den DNA-Vektorimpfstoffen nicht auszuschlie\u00dfen, da die Vektorviren das genetische Material (DNA) sogar direkt in den Zellkern einschleusen und damit das Potenzial haben, das Genom zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unter hohem Druck in sehr kurzer Zeit entwickelten neuen antigencodierenden Impfstoffe, deren Wirkung auf die Minderung oder Vermeidung von Krankheitssymptomen\u00a0mit dem SARS-CoV-2-Virus Infizierter abzielt, konnten bisher nat\u00fcrlich nur begrenzt, d. h. v. a. auf kurzfristige Effekte hin, getestet werden. Langfristige Aspekte, wie z. B. die Wirkdauer, aber insbesondere auch eine m\u00f6gliche Genotoxizit\u00e4t werden sich erst im weiteren Verlauf erweisen. Genotoxizit\u00e4t bedeutet, dass der Einbau in die DNA die genetische Regulation st\u00f6rt, was zu genetischen Fehlfunktionen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zurzeit verwendeten Covid-19-Impfstoffe haben nach einem beschleunigten Verfahren (Rolling Review) durch die Europ\u00e4ische Arzneimittelagentur (EMA) eine bedingte Zulassung erhalten \u2013 das ist zwar keine Notzulassung, wie sie in den USA oder in Gro\u00dfbritannien erfolgt ist, aber es m\u00fcssen dennoch innerhalb festgelegter Zeitr\u00e4ume etliche noch fehlende Daten nachgeliefert werden. Es ist also zu erwarten, dass wir seltene Nebenwirkungen und auch Langzeitwirkungen auf diese Weise erst zuk\u00fcnftig entdecken und darauf reagieren k\u00f6nnen, wenn in Europa und weltweit bereits sehr viele Menschen diese neuartigen Impfstoffe erhalten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mediale Verbreitung auch vorl\u00e4ufiger und noch wenig gepr\u00fcfter Erkenntnisse stellt die Bev\u00f6lkerung unabh\u00e4ngig von deren fachlicher Kenntnis vor die Herausforderung, Entscheidungen treffen zu m\u00fcssen, ohne dabei auf Erfahrungen oder Vorwissen zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen. So sehen wir einerseits eine gro\u00dfe Besorgnis wegen der Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion vor allem f\u00fcr bestimmte Bev\u00f6lkerungsteile (Risikogruppen). Andererseits stehen nun Impfstoffe zur Verf\u00fcgung, bei deren Einsatz zwar die Vermeidung schwerer Verl\u00e4ufe einer Covid-19-Erkrankung erwartet wird, deren Wirksamkeit und Sicherheit jedoch bisher nur im Rahmen sehr kurzer Studien mit relativ kleinen Gruppen von Probanden erwiesen werden konnte. Hinsichtlich der Nebenwirkungen bei Risikogruppen und der Langzeitnebenwirkungen f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung bleiben noch viele Fragen offen [11]. An der\u00a0Beantwortung dieser Fragen muss noch lange Zeit intensiv gearbeitet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dank<\/strong>: Wir danken Isabelle Aberham f\u00fcr zahlreiche wertvolle Hinweise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anhang<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Werden menschliche embryonale Stammzellen bei der Entwicklung, der Produktion und der Testung der antigencodierenden Impfstoffe verwendet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese oder \u00e4hnlich lautende Fragen erreichten uns mehrfach. Daher an dieser Stelle eine kurze Stellungnahme:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der medizinischen Forschung und bei der Herstellung und Entwicklung von Impfstoffen werden viele verschiedene Zelltypen verwendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Impfstoff ChAdOx1 der Firma Astra-Zeneca wurde mithilfe gentechnisch ver\u00e4nderter menschlicher embryonaler Nierenzellen (HEK293) produziert, die urspr\u00fcnglich aus der Niere eines 1973 abgetriebenen F\u00f6tus gewonnen wurden. Zudem wurden in der Testphase MRC-5 Zellen, die urspr\u00fcnglich im Jahr 1966 aus der Lunge eines 14 Wochen alten abgetriebenen m\u00e4nnlichen F\u00f6tus gewonnen wurden, verwendet [12]. Aber auch die mRNA- und manche anderen Impfstoffe verwenden embryonale Zellen zur Testung bzw. Produktion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sogenannte \u201eFaktenchecker\u201c versichern immer wieder, dass der Impfstoff der Firma Astra-Zeneca keine Stoffe aus f\u00f6talen Zellen enth\u00e4lt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, da solche Zellen f\u00fcr die Herstellung verwendet werden. Diese Zelltypen stammen von lebend abgetriebenen Babys, was in den Augen unseres Herrn eine S\u00fcnde ist. Diese Problematik ist nicht spezifisch f\u00fcr Covid-19-Impfstoffe, sondern besteht oft bei der Entwicklung von Pharmazeutika, insbesondere von Impfstoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Geschrieben am 30.12.2020 von Peter Borger &amp; Harald Binder (Letzte Aktualisierung: 19.03.2021)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Grifoni et al. (2020) Targets of T cell responses to SARS-CoV-2 Coronavirus in humans with COVID-19 disease and unexposed individuals. Cell <em>181<\/em>, 1489\u20131501. https:\/\/www.cell.com\/cell\/fulltext\/S0092-8674(20)30610-3<\/li>\n<li>https:\/\/www.weltwoche.ch\/ausgaben\/2020-24\/inland\/warum-alle-falsch-lagen-die-weltwoche-ausgabe-24-2020.html<\/li>\n<li>Braun et al. (2020) SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19. Nature <em>587<\/em>, 270\u2013274.<br \/>\nhttps:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-020-2598-9<\/li>\n<li>Cervia et al. (2020) Systemic and mucosal secretion specific to SARS-CoV-2 during mild versus severe COVID-19. bioRxiv, https:\/\/www.biorxiv.org\/content\/10.1101\/2020.05.21.108308v1.full<\/li>\n<li>Pardi N, Hogan MJ &amp; Weissman D (2020) Recent advances in mRNA vaccine technoloy. Curr. Opinion Immun. <em>65<\/em>, 14-20.<\/li>\n<li>Servick K (2020) mRNA next challenge: will it work as a drug? Science <em>370<\/em>, 1388\u20131889.<\/li>\n<li>Cohen J (2020) Incredible milestone for science. Pfizer and BioNtec update their promising COVID-19 vaccine result. https:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2020\/11\/covid-19-vaccine-trial-complete-pfizer-and-biontech-update-their-promising-result<\/li>\n<li>BIONTECH: https:\/\/biontech.de\/de\/covid-19<\/li>\n<li>New England Journal of Medicine: https:\/\/www.nejm.org\/doi\/10.1056\/NEJMoa2027906<\/li>\n<li>Spektrum der Wissenschaft: https:\/\/www.spektrum.de\/news\/so-sicher-sind-rna-impfstoffe\/1803899<\/li>\n<li>https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2034577<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer au\u00dferordentlichen Anstrengung sind in der Pharmaforschung angesichts des Infektionsgeschehens durch das SARS-CoV-2-Virus (Corona-Virus) Impfstoffe entwickelt und produziert worden. SARS-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 ausl\u00f6sen. Nach erfolgter Zulassung durch beschleunigte Verfahren sollen m\u00f6glichst gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung durch Impfung mit den entsprechenden Seren gegen SARS-CoV-2 immunisiert werden. 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