{"id":17933,"date":"2021-03-16T10:57:38","date_gmt":"2021-03-16T09:57:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17933"},"modified":"2021-03-16T10:57:38","modified_gmt":"2021-03-16T09:57:38","slug":"ihr-seid-alle-brueder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17933","title":{"rendered":"&#8222;Ihr seid alle Br\u00fcder\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was ist ein Christ? Sicher kann man hierauf verschiedene Antworten geben. Eine der klarsten und pr\u00e4gnantsten ist folgende: Ein Christ ist jemand, der Gott zum Vater hat; Christen sind Kinder Gottes, und Nichtchristen sind es nicht. \u201e\u2018Vater\u2019 ist die christliche Anrede Gottes\u201c, so J.I. Packer (1926\u20132020) in Gott erkennen. Leider liest und h\u00f6rt man heute meist etwas anderes. Alle Menschen seien Kinder Gottes, und man k\u00f6nne auch in nichtchristlichen Religionen ein Kind Gottes sein. Diverse Esoteriker und Sektierer, aber auch Katholiken wie Protestanten \u00e4u\u00dfern sich heute so. Es waren leider gerade Letztere, die dieses Denken popul\u00e4r gemacht haben. Vor gut hundert Jahren betonten besonders die liberalen evangelischen Theologen die \u201eallgemeine Vaterschaft Gottes\u201c. Die Bibel lehrt jedoch: einzig ein Christ hat Gott zum Vater. Dass alle Menschen Kinder Gottes w\u00e4ren, ist ein Gedanke, den man in der Bibel nicht finden kann.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist der Sch\u00f6pfer aller Menschen. Er will das Beste f\u00fcr alle seine Gesch\u00f6pfe. Alle profitieren davon, dass Gott diese Welt erh\u00e4lt und lenkt und die alle Menschen vielfach beschenkt und segnet. Auch die B\u00f6sen, so Jesus in Matth\u00e4us 5,45, haben von Sonne und Regen Nutzen. Paulus betont in Apostelgeschichte 14,17, dass Gott den Heiden \u201eviel Gutes\u201c getan hat, ja er schenkt ihnen Freude. Auch in R\u00f6mer 2,4 spricht er von \u201eGottes G\u00fcte\u201c zu allen Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott handelt in v\u00e4terlicher Weise mit allen Gesch\u00f6pfen, aber Er ist nur der Vater der Gl\u00e4ubigen, eben \u201eunser Vater\u201c. Das ist der H\u00f6hepunkt der biblischen Offenbarung, denn n\u00e4her kann ein Mensch Gott nicht kommen. So ist auch kein Zufall, dass fast alle Briefe im Neuen Testament im Einleitungsteil Gott, den Vater (meist \u201eunser Vater\u201c) erw\u00e4hnen (R\u00f6m 1,7; 1 Kor 1,3; 1 Kor 1,2; Gal 1,3; Eph 1,2; Phil 1,2; Kol 1,2; 1 Thes 1,1; 2 Thes 1,2; 1 Tim 1,2; 2 Tim 1,2; Tit 1,4; Phlm 3; 1 Pt 1,2; 1 Joh 1,3; 2 Jph 3; Jud 1). Nichtgl\u00e4ubige dagegen sind \u201eKinder des B\u00f6sen\u201c (Mt 13,38) oder \u201eKinder der Welt\u201c (Lk 16,8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kinder Gottes sind nur die Glaubenden. Paulus schreibt: \u201eIhr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus\u201c (Gal 3,26). Es ist jedoch nicht irgendein Glaube, der rettet. Nur Glaube an Jesus Christus macht zum Kind Gottes: \u201eNiemand kommt zum Vater\u201c, d.h. wird Kind Gottes, \u201edenn durch mich\u201c (Joh 14,6). Nur wer Jesus seinen Bruder nennen kann, ist Kind Gottes (s. z.B. Hbr 2,11; Joh 20,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDer Gerechten Gebet vermag viel\u2026\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen m\u00fcssen unbedingt die Privilegien begreifen, die wir als Kinder Gottes genie\u00dfen. Weil ihre S\u00fcnden vergeben sind, haben Christen freien \u201eZugang zum Vater\u201c; wir sind \u201eGottes Hausgenossen\u201c und k\u00f6nnen uns deshalb immer an unseren Vater wenden (Eph 2,18\u201319; s. auch 3,12). Auch in Hbr 10,19ff wird dieser freie Zugang zum Vater ausdr\u00fccklich betont. Wir brauchen daher auch keine Vermittler wie Maria und besondere Heilige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds\u00e4tzlich gilt nat\u00fcrlich von Gott: \u201eDu erh\u00f6rst Gebet\u2026\u201c (Ps 65,3). Aber die Bibel unterscheidet hier durchaus. \u201e\u2026 das Gebet der Frommen ist ihm wohlgef\u00e4llig\u201c (Spr 15,8), \u201eDer Gerechten Gebet vermag viel\u2026\u201c (Jak 5,16). Den Gl\u00e4ubigen im Alten wie im Neuen Testament, die in Gerechtigkeit leben und mit Ernst beten, ist Gebetserh\u00f6rung verhei\u00dfen. \u201eBittet, so wird euch gegeben\u2026\u201c (Mt 7,7) sagt Jesus. Aber dies verspricht er hier in der Bergpredigt den J\u00fcngern, nicht jedermann, denn nur sie haben den \u201eVater im Himmel\u201c (V. 11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umgekehrt gilt, dass Gott Gebete von Nichtgl\u00e4ubigen nicht erh\u00f6rt. Sie verharren in S\u00fcnde und Rebellion Gott gegen\u00fcber, haben daher keinen freien Zugang zu ihm. Jesus in Joh 9,31: \u201eWir wissen, dass Gott die S\u00fcnder nicht erh\u00f6rt; sondern den, der gottesf\u00fcrchtig ist und seinen Willen tut, den erh\u00f6rt er\u201c. Jesaja 1,15 macht deutlich, dass man seine S\u00fcnden nicht mit viel Gebet zudecken kann: \u201e\u2026 und wenn ihr auch viel betet, h\u00f6re ich euch doch nicht; denn eure H\u00e4nde sind voll Blut.\u201c Spr\u00fcche 28,9 ist bsonders scharf im Ton: \u201eWer sein Ohr abwendet, um die Weisung nicht zu h\u00f6ren, dessen Gebet ist ein Greuel\u201c (s. auch Jes 59,2; Spr 15,29; 1,20\u201328; Ps 66,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott sieht das Herz an. So wei\u00df er nat\u00fcrlich, wenn ein bisher ungl\u00e4ubiger Mensch sich ihm von ganzem Herzen zuwendet und Bu\u00dfe tun will. Das Gebet des S\u00fcnders, der bereit ist zur Umkehr, erh\u00f6rt er nat\u00fcrlich! Daher sollten wir Nichtchristen folgende Ratschl\u00e4ge nicht geben: \u201eVersuch\u2018s doch mal mit einem Gebet. Das hilft sicher! Mir hat\u2018s jedenfalls geholfen.\u201c Das ist zwar gut gemeint und klingt auch gut, ja wie ein Zeugnis, ist aber ein falscher Rat. Biblisch ist er jedenfalls nicht. Und was tun wir, wenn die Leute dann meinen, Gott habe ihr Gebet erh\u00f6rt?? Sie meinen dann nur allzuleicht, dass zwischen ihnen und Gott alles irgendwie in Ordnung ist. Gott heilt auch Nichtchristen, er bewahrt sie und ihre Kinder, er schenkt ihnen Erfolg bei Pr\u00fcfungen usw. \u2013 aber er tut dies aus seinem freien Willen und teilt seine Gnade auch B\u00f6sen mit; er tut dies nicht, weil er der Menschen Gebet erh\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eBr\u00fcder und Schwestern jeder religi\u00f6sen Tradition\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichtchristen sollten daher nicht wie selbstverst\u00e4ndlich in ein Gebet mitheineingenommen werden. Dies gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr das Gebet mit Anh\u00e4ngern anderer Religionen. Aber gerade dieser katholischen Tradition (seit Johannes Paul II) folgt Papst Franziskus regelm\u00e4\u00dfig und gerne. Seine heute zu Ende gegangene Reise in den Irak stand unter dem Motto \u201eIhr alle seid Br\u00fcder\u201c. Vor einigen Tagen bat das Oberhaupt der katholischen Kirche im Gebet on Mossul \u201ef\u00fcr uns alle\u201c, \u201edass wir \u00fcber die religi\u00f6sen Bekenntnisse hinweg in Harmonie und Frieden leben k\u00f6nnen, in dem Bewusstsein, dass wir in den Augen Gottes alle Br\u00fcder und Schwestern sind\u201c (s. Foto ganz o.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr\u00fcckten sich Vorg\u00e4nger Benedikt XVI und andere Katholiken in dieser Frage vorsichtig oder mitunter auch mi\u00dfverst\u00e4ndlich aus, so ist f\u00fcr den derzeitigen Papst ganz klar: Alle Menschen sind Kinder Gottes \u2013 nicht zuf\u00e4llig unterstreicht auch der Titel seiner letzten Enyzklika Fratelli tutti genau diesen Gedanken. So wandte sich Franziskus auch schon in einer Videobotschaft im Vorfeld des Irak-Besuchs an Christen wie Muslime, an \u201eBr\u00fcder und Schwestern jeder religi\u00f6sen Tradition\u201c. In der Abrahamsstadt Ur (s.o. Foto) stand dann am vergangenen Samstag eine interreligi\u00f6se Begegnung auf dem Programm. Der Papst sprach die \u201elieben Br\u00fcder und Schwestern\u201c der verschiedenen Religionen an und meinte: \u201eHeute ehren wir \u2013 Juden, Christen und Muslime \u2013 gemeinsam mit den Br\u00fcdern und Schwestern anderer Religionen unseren Vater Abraham\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier kann nur mit Kurt Hennig (1910\u20131992) entgegengehalten werden: \u201eBruder ist Bruder in Christus und sonst niemand.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Holger Lahayne, 8.3.2021 (www.lahayne.lt)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist ein Christ? Sicher kann man hierauf verschiedene Antworten geben. 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