{"id":17860,"date":"2021-02-09T14:01:15","date_gmt":"2021-02-09T13:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17860"},"modified":"2021-02-09T14:01:15","modified_gmt":"2021-02-09T13:01:15","slug":"jenseits-des-regenbogens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17860","title":{"rendered":"Jenseits des Regenbogens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In einem Land nach unserer Zeit, dort, wo der Regenbogen niemals verblasst, lebt der Mensch jenseits zwangsheteronormativer Unterdr\u00fcckung gl\u00fccklich und zufrieden in seinem Wunschgeschlecht. Er paart und liebt sich egal mit wem und wie vielen, und wenn ihm unwohl wird, \u00e4ndert er eigenm\u00e4chtig seinen geschlechtlichen und damit auch emotionalen Zustand, um sich in Endlosschleife neuem Gl\u00fcck zuzuwenden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So weit die Rhetorik weltweiter Trans-Lobby-Gruppen, die darum k\u00e4mpfen, den Wechsel zwischen den Geschlechtern juristisch unkompliziert und vor allem psychotherapeutisch unbegleitet, daf\u00fcr aber rhetorisch \u00abselbstbestimmt\u00bb zu vollziehen, und das bereits in der Kindheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zahl angeblicher Transkinder explodiert weltweit. Auch Kliniken in M\u00fcnchen oder Hamburg, wo noch vor Jahren ein Dutzend Kinder vorstellig wurden, verzeichnen inzwischen die Verf\u00fcnffachung der Zahlen. Ausgerechnet in Deutschland hat man im vergangenen Jahr die ad\u00e4quate medizinische Behandlung dieser Kinder kriminalisiert. Jeder Arzt, der \u00abnichtaffirmativ\u00bb behandelt, der also den Wunsch nach Geschlechterwechsel gerade bei Kindern auf Ernsthaftigkeit hinterfragt, steht jetzt mit einem Bein auf der Anklagebank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kritik von Experten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kind ist sozusagen mit dem Bade ausgesch\u00fcttet worden, als im Mai 2020 das sogenannte Homoheiler-Verbot als Prestigeprojekt einer demonstrativ LGBT-toleranten Hochkultur im Bundestag verabschiedet wurde und auf den letzten Metern das Gesetz auf Druck von Lobbygruppen zu einem Transheiler-Verbot erweitert wurde. Homosexuell, intersexuell, transsexuell, Geschlechtsidentit\u00e4t, sexuelle Identit\u00e4t oder sexuelle Orientierung \u2013 das hat ja irgendwie alles mit Sex zu tun, oder nicht? Im Bundestag hat man damit alle Begriffe zu einem Gesetz gepanscht. Eine allerdings logische Konsequenz, wenn Genderpolitik bedeuten soll, alle bunten \u00abGeschlechter\u00bb zusammenzumischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Experten hatten in ihren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass der Gesetzesentwurf fachliche M\u00e4ngel hat, Differenzierungen vernachl\u00e4ssigt und dazu Konflikte mit anderen Gesetzen provoziert, sie blieben ungeh\u00f6rt. Jeder soll sein, wie er m\u00f6chte, und niemand soll ihn davon abhalten. Mit dieser Pippi-Langstrumpf-Ideologie ist nun im Ergebnis nicht jener Arzt strafbar, der ein Kind in eine fr\u00fche Behandlung mit Pubert\u00e4tsblockern f\u00fchrt und damit massive k\u00f6rperliche Sch\u00e4den am Kind und auch eine dauerhafte Unfruchtbarkeit riskiert. Strafbar macht sich ein Mediziner, wenn er versucht, das Kind nochmals davon abzuhalten, indem er auch nur ergebnisoffen arbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aus psychiatrischer Sicht ein \u00abDesaster\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesetz sei ein \u00abDesaster\u00bb, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Alexander Korte an der Uniklinik in M\u00fcnchen, der seit 2004 Kinder mit Geschlechtsinkongruenz behandelt. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW) nahm mahnend Stellung, nachdem selbst der deutsche Ethikrat es im Fr\u00fchjahr 2020 in seiner Ad-hoc-Stellungnahme zu Transidentit\u00e4t bei Kindern nicht geschafft hatte, auch nur die medizinische Faktenlage fehlerfrei zusammenzufassen. Die DGSMTW macht vor allem auch auf den statistisch nachweislichen Automatismus aufmerksam, dass eine einmal eingeleitete Behandlung mit Pubert\u00e4tsblockern bei Kindern nahezu immer am Ende zu operativen Massnahmen f\u00fchre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wird den Kindern eine \u00dcberwindung der Geschlechtsdysphorie, die statistisch durchaus wahrscheinlich ist, verunm\u00f6glicht &#8211; verbunden mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Diese sind gewaltig. Pubert\u00e4t ist ja keine Krankheit, auch wenn es sich f\u00fcr Millionen Kinder und ihre Eltern so anf\u00fchlt, sondern der Normalfall einer gesunden Entwicklung. Pubert\u00e4tsblocker sind demnach keine Heilung, sondern eher eine K\u00f6rperverletzung, Sch\u00e4den an Knochenwachstum, Gehirnentwicklung, psychische St\u00f6rungen und Unfruchtbarkeit inklusive.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die DGSMTW weist darauf hin, dass dadurch schon fr\u00fchzeitig ein Weg in die Infertilit\u00e4t gebahnt wird, obwohl dies bei Kindern durch andere Gesetze strengstens verboten ist: Sowohl Paragraf 2 des Kastrationsgesetzes als auch Paragraf 1631c des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches (BGB) verbieten, dass Eltern oder das Kind in eine Sterilisation einwilligen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lebenslang Patient<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Transmenschen machen sich selbst lebenslang zum Patienten, der Schritt muss gut \u00fcberlegt sein. Was geschieht aber, wenn man andere Ursachen nicht hinterfragen darf, weil man sonst als \u00abtransphob\u00bb oder gleich als Verweigerer von Menschenrechten gebrandmarkt wird? Die Statistiken g\u00e4ben jedenfalls Grund genug f\u00fcr anderweitige Ursachenforschung, denn das Durchschnittskind mit Geschlechtswechselwunsch ist erstaunlich h\u00e4ufig weiblich, jung, mit bereits vor Geschlechtsdysphorie diagnostizierten psychischen St\u00f6rungen und autistisch. In England verzeichnet man bei pubertierenden M\u00e4dchen einen Anstieg der Zahlen um volle 5000 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man behandle siebzig bis achtzig Prozent M\u00e4dchen, sagt Saskia Fahrenkrug, Leiterin der Spezialambulanz am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf. Im Erwachsenenalter ist das Verh\u00e4ltnis von M\u00e4nnern und Frauen mit Wechselwunsch hingegen umgekehrt. Warum? Australien meldete erst k\u00fcrzlich die Zahlen aus den grossen Kliniken in Melbourne und Perth, wonach autistische Kinder unter den durchschnittlich vierzehnj\u00e4hrigen Patienten mit 43 beziehungsweise 50 Prozent \u00fcberrepr\u00e4sentiert sind, auch hier handelt es sich bei \u00fcber 80 Prozent der F\u00e4lle um M\u00e4dchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zeitgeistph\u00e4nomen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage ist, warum vor allem Autisten und M\u00e4dchen ihren K\u00f6rper neuerdings ablehnen, ob hier wirklich Transgeschlechtlichkeit vorliegt oder eher das zutrifft, was in manchen Studien als jugendliche Cluster-Bildung und Zeitgeistph\u00e4nomen beschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade hat zumindest England eine Kehrtwende in der fr\u00fchzeitigen Behandlung angeblicher \u00abTranskids\u00bb mit Pubert\u00e4tsblockern vollzogen. Der nationale Gesundheitsservice gesteht gar schriftlich ein, dass die Hormonbehandlung an Kindern mit sogenannter \u00abGeschlechtsdysphorie\u00bb Langzeitsch\u00e4den verursachen kann und weite Teile der Folgen gar nicht erforscht sind, was man noch vor einem Jahr kategorisch abstritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es brauchte im Sommer 2020 die gerichtliche Klage einer 23-j\u00e4hrigen Ex-Patientin \u2013 sie ist heute unfruchtbar und verst\u00fcmmelt \u2013 gegen die gr\u00f6sste Klinik in London: Der High Court in London entschied, dass ein Kind unter sechzehn Jahren nicht die geistige Reife habe, in diese massiven gesundheitlichen Langzeitsch\u00e4den einzuwilligen. Gemeinsam mit ihr klagte \u00fcbrigens die Mutter eines autistischen M\u00e4dchens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gr\u00fcne fordern \u00abSelbstbestimmungsgesetz\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das britische Urteil k\u00f6nnte weltweit Signalwirkung haben. Und sei es nur, dass andere Kliniken Klagen in Millionenh\u00f6he f\u00fcrchten \u2013 vor allem in den USA, wo teilweise bereits Kinder unter zehn Jahren behandelt werden. Wie viel Schmerzensgeld sollte es geben f\u00fcr die Verursachung von Unfruchtbarkeit? Wie viel f\u00fcr voreilig amputierte Br\u00fcste?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wird es irgendeinen Ideologen bei den deutschen Gr\u00fcnen interessieren? Trotz fachmedizinischen Warnungen haben die Gr\u00fcnen im Juni 2020 einen Gesetzesantrag f\u00fcr ein ver\u00e4ndertes Transsexuellengesetz vorgestellt, ein \u00abSelbstbestimmungsgesetz\u00bb. Zentrale Forderungen sind \u2013 neben jener begr\u00fcssenswerten nach einem Verbot genitalver\u00e4ndernder Operationen im Kindesalter \u2013 die Abschaffung der Pflicht zu medizinischen Gutachten (und zwar bereits f\u00fcr Kinder ab vierzehn Jahren) und die Geschlechts\u00e4nderung f\u00fcr alle durch eine einfache, j\u00e4hrlich neu bestimmbare Erkl\u00e4rung auf dem Standesamt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vierzehnj\u00e4hrige d\u00fcrfen also nicht w\u00e4hlen, nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, m\u00fcssen abends nach 22 Uhr nach Hause, sie d\u00fcrfen sich ohne Mutti nicht einmal ein Tattoo stechen lassen. Aber nach dem Wunsch der Transverb\u00e4nde und der Gr\u00fcnen sollen sie ihren K\u00f6rper, ihr Geschlecht und ihren Namen ohne Eltern \u00e4ndern k\u00f6nnen. Angesichts rasant steigender Fallzahlen bei Kindern und der Kriminalisierung einer ad\u00e4quaten therapeutischen Begleitung m\u00f6chte man von gesetzlich verordneter unterlassener Hilfeleistung sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Birgit Kelle<\/strong> ist Publizistin. Zuletzt von ihr erschienen: \u00abNoch normal? Das l\u00e4sst sich gendern! Gender-Politik ist das Problem, nicht die L\u00f6sung\u00bb. FB-Verlag, M\u00fcnchen 2020. 250 Seiten.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/transkids-england-macht-eine-beispielhafte-kehrtwende-ld.1598408\">Neue Z\u00fcrcher Zeitung, 28.1.2021<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Land nach unserer Zeit, dort, wo der Regenbogen niemals verblasst, lebt der Mensch jenseits zwangsheteronormativer Unterdr\u00fcckung gl\u00fccklich und zufrieden in seinem Wunschgeschlecht. 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