{"id":1785,"date":"2006-08-07T10:42:21","date_gmt":"2006-08-07T08:42:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1785"},"modified":"2009-09-07T11:01:42","modified_gmt":"2009-09-07T09:01:42","slug":"zwei-nicht-mehr-und-nicht-weniger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1785","title":{"rendered":"Zwei &#8211; nicht mehr und nicht weniger"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Prof. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen<br \/>\nZwei &#8211; nicht mehr und nicht weniger<br \/>\n(20.5.06)<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die deutsche Familienpolitik pr\u00e4miert hohe Geburtenraten in der Unterschicht und die Ein-Kind-Familie bei Gebildeten. Das ist ihr entscheidender Fehler.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Zwei Kinder pro Frauenleben wachsen nur dann zu den dringend ben\u00f6tigten B\u00fcrgern heran, wenn sie sich jene Innovationen ausdenken k\u00f6nnen, die f\u00fcr das Verbleiben ihres Landes in der Weltkonkurrenz unverzichtbar sind. Die Kinder m\u00fcssen also gescheiter werden als ihre Eltern und die Einwanderer qualifizierter sein als der Durchschnitt des Aufnahmelandes. Da nun die Leistungsf\u00e4higkeit eines Kindes vorrangig von seinen Eltern bestimmt wird und mit drei Jahren weitgehend geformt ist, entscheidet der Nachwuchs der gebildeten Frauen \u00fcber das Los ihres Landes. Kann man sie zu zwei Kindern bewegen und diese bis zum dritten Lebensjahr vor staatlicher Massenkindhaltung sch\u00fctzen, ist das Wichtigste geschafft.<!--more--><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Bildungsfrauen aber streben in die anspruchvollsten Berufe und m\u00fcssen daf\u00fcr in eine lebenslange Konkurrenz, die jeden benachteiligt, der Zeit nicht f\u00fcr eigenes Lernen und Stre\u00dfabbau einsetzt. Die emotionale Sehnsucht nach Mutterschaft mu\u00df sich dann viel zu oft mit nur einem Kind begn\u00fcgen. Die Bev\u00f6lkerungspolitik konzentriere sich deshalb auf das zweite Kind der Karrierefrauen, die l\u00e4ngst die Mehrheit des weiblichen Geschlechts stellen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Von den 12 Millionen Zuwanderern, die seit 1990 nach Deutschland kamen, waren nur 10 Prozent hinreichend qualifiziert (gegen\u00fcber immerhin 75 Prozent in England f\u00fcr den gleichen Zeitraum). Infolgedessen stieg in Deutschland die Sockelarbeitslosigkeit von 500000 auf \u00fcber drei Millionen Menschen an. Ein Viertel aller Ausl\u00e4nder lebt mittlerweile aus den Kassen f\u00fcr Erwerbslose. Unter 82 Millionen Einwohnern gibt es jetzt 14 Millionen mit Migrationshintergrund. 7,3 Millionen davon mit deutschen P\u00e4ssen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Da die meisten Neub\u00fcrger in Deutschland um Spitzenpositionen gar nicht konkurrieren k\u00f6nnen, werden f\u00fcr sie jene Vermehrungsbeihilfen vom Sozialhilfesatz bis zum Erziehungs- oder Elterngeld attraktiv, mit denen man aber eine Hochqualifizierte von ihrer hart erarbeiteten Position nicht weglocken kann. Weil also f\u00fcr ein viertes Kind mehr bezahlt wird als f\u00fcr das zweite und weil selbst dritte T\u00f6chter und vierte S\u00f6hne versorgt werden, verhindert die Migrationsbev\u00f6lkerung rein mengenm\u00e4\u00dfig zwar einen noch tieferen demographischen Absturz, doch werden ihre Kinder die Sockelarbeitslosigkeit noch h\u00f6her treiben. \u00dcber 60 Prozent von ihnen gelangen bestenfalls mit einem Hauptschulabschlu\u00df auf die Arbeitsm\u00e4rkte. Eine deutsche Aufholjagd im internationalen terti\u00e4ren Sektor (Software-Services, Bioindustrie, Pharmazie etc.) gelingt damit nicht.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Deutschland hat mithin nicht nur zuwenig Nachwuchs, sondern selektiert die hier Geborenen und die von drau\u00dfen Zuwandernden immer st\u00e4rker in Richtung Bildungsferne. Das Pionierland Bremen weist den Weg. Nach einem gerade erschienenen Bericht der Arbeitnehmerkammer Bremen gewinnt die Hansestadt aus ihrer Migrationsbev\u00f6lkerung von 22 Prozent stattliche 41 Prozent ihres Nachwuchses und un\u00fcbertroffene 80 Prozent ihrer harten Gewaltkriminellen unter 21 Jahren. 32 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren d\u00fcmpeln auf Sozialhilfeniveau dahin &#8211; gegen\u00fcber knapp 15 Prozent in der gesamten Republik. Entsprechend f\u00e4llt der niedrigste Pisa-Rang immer wieder an die Hanseaten.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">In Bremens Richtung geht aber auch der Rest der Republik. Im noch bescheidenen Westdeutschland von 1965, als Abtreibung strafbar war und die Fruchtbarkeitsrate bei 2,3 lag, erhielten gerade einmal 160 000 Kinder unter 18 Jahren Sozialhilfe. Bis Ende 2005 wird &#8211; jetzt freilich f\u00fcr Gesamtdeutschland gerechnet und wuchtig gesteigert durch Hartz IV &#8211; bereits f\u00fcr zwei Millionen Kinder bezahlt. Ob Deutschland &#8211; oder gar Bremen &#8211; noch zu retten ist, wenn es umgehend die Richtung wechselt, kann niemand versprechen. In jedem Fall jedoch mu\u00df die jetzt eingebrockte Suppe \u00fcber Jahrzehnte hinweg ausgel\u00f6ffelt werden.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Woher wei\u00df man das? Die USA erreichten die heutige deutsche Sozialhilfequote von 15 Prozent aller Kinder im Jahre 1990. Weil die S\u00f6hne der &#8222;Welfare-M\u00fctter&#8220; drei- bis viermal so viele Gewaltverbrechen ver\u00fcben wie die anderen Jungen, verk\u00fcndete Bill Clinton im Wahlkampf von 1992 das Ende einer Familienpolitik, die dazu f\u00fchrte, da\u00df Frauen ab dem 13. Lebensjahr immer wieder Kinder bekamen, um ihr Recht auf Sozialhilfe zu verl\u00e4ngern &#8211; auch weil er dies zu \u00e4ndern versuchte, wurde Clinton, der Linke aus Arkansas, zum 42. Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten. Seit dem 1. Januar 1997 erh\u00e4lt eine amerikanische Mutter nur noch maximal f\u00fcnf Jahre lang staatliche Versorgung. Damit will man auf h\u00f6chstens zwei Kinder pro Gettom\u00e4dchen herunter. Wegen dieser Regelungen traten Sozialpolitiker in Washington emp\u00f6rt zur\u00fcck. Sie wollten die &#8222;hilflosesten&#8220; Mitglieder der Gesellschaft nicht so unmenschlich behandelt sehen &#8211; und erwiesen sich als Rassisten. Denn die schwarzen M\u00e4dchen sind keineswegs begriffsstutzig: Mittlerweile verh\u00fcten sie und suchen sich Arbeit. Heute liegt die Kinderzahl pro Afroamerikanerin nach aktuellsten Zahlen aus Kalifornien bei nur noch 1,66 Kindern. Auch Amerika sucht deshalb nun nach Wege zu einer zweifachen Mutterschaft auf hohem Bildungsniveau.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Jener Lebensweg, den Clinton damals verstellte, ist f\u00fcr eine Nation deshalb so destruktiv, weil er nur die T\u00f6chter der Unterschicht versorgt, ihre Br\u00fcder aber nicht durch viele Vaterschaften an Unterhalt gelangen k\u00f6nnen. Sie verdienen nicht einmal die Steuern f\u00fcr ihre kinderreichen Schwestern. Und doch wollen auch sie alles haben. Frankreich, das jeder Mutter f\u00fcr das dritte Kind mehr zahlt als f\u00fcr das zweite und f\u00fcr das f\u00fcnfte noch einmal mehr als f\u00fcr das dritte, steht bereits in regelm\u00e4\u00dfigen Scharm\u00fctzeln mit seinen unverwendbaren S\u00f6hnen. Warum sollte es Deutschland anders ergehen?<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Attraktive Offerten f\u00fcr ein zweites Kind auch im h\u00f6heren Bildungsmilieu sind nur finanzierbar, wenn Leistungen f\u00fcr alle weiteren Kinder entfallen. Heute zur Sozialhilfe verf\u00fchrte Frauen werden dann so gut verh\u00fcten wie nach 1997 die M\u00e4dchen in den Gettos von Los Angeles. Das Grundgesetz garantiert auch weiterhin allen B\u00fcrgern das Recht auf Vermehrung. Die Politik aber f\u00f6rdere nur noch zwei Kinder pro Frau und darf daf\u00fcr den Steuerzahler auch belasten. Alles dar\u00fcber hinaus bleibt &#8211; wie fr\u00fcher auch &#8211; Teil der selbst zu bezahlenden Gl\u00fcckssuche.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Neben einer Gesetzgebung f\u00fcr nur noch zwei staatlich gef\u00f6rderte Kinder geh\u00f6rt ein Kassensturz in die Familienpolitik. 40 verschiedene Beh\u00f6rden verwalten in Deutschland etwa hundert verschiedene Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Familien. Sie verf\u00fcgen j\u00e4hrlich \u00fcber 160 Milliarden (so das Rechenergebnis der Deutsche Bundesbank) bis 240 Milliarden Euro (so das Institut f\u00fcr Weltwirtschaft Kiel). Mitgerechnet sind dabei die beklagenswerten staatlichen Kindergarten-, Schul- und Hochschulsysteme. Das ist sehr viel sinnvoll einsetzbares Geld.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die \u00fcber drei Jahre zu zahlenden Betr\u00e4ge f\u00fcr zwei Kinder m\u00fcssen unabh\u00e4ngig vom Einkommen gezahlt werden. Denn welches Argument k\u00f6nnte daf\u00fcr sprechen, einer ohnehin schlechter Gestellten &#8211; ob sie nun aus Pal\u00e4stina oder Vorpommern stammt &#8211; weniger gute Voraussetzungen f\u00fcr ihr von der Gesellschaft doch ausdr\u00fccklich gewolltes Kind zu erm\u00f6glichen? Das Stammtischgerede von der &#8222;Schlampe&#8220;, die auf Staatskosten ihre Kinder verkommen l\u00e4\u00dft, lebt ja vom jetzigen System, das sich erst durch eine Reihe von Geburten rechnet und daher zu immer weiteren Kindern animiert, um auf deren R\u00fccken durchs Leben zu kommen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Dem Betrag f\u00fcr das zweite Kind mu\u00df der L\u00f6wenanteil der Mittel vorbehalten bleiben. Die Sehnsucht nach dem ersten sorgt ja bisher schon f\u00fcr Resultate und wird sich auch noch \u00fcber 20 Prozent dessen freuen, was es f\u00fcr das zweite geben sollte. Und beim Gedanken an dieses zweite Kind mu\u00df die Vorstellung, bei seinem Ausbleiben auch noch einen \u00fcppigen Verm\u00f6gensverlust von &#8211; sagen wir &#8211; 90 000 Euro zu erleiden, richtig wehtun. Das aktuelle Angebot von 22 000 Euro Elterngeld f\u00fcr 14 Monate reicht daf\u00fcr nicht. Doch die Dreijahresperspektive k\u00f6nnte die Konkurrenz aushebeln. Es hie\u00dfe nicht mehr so leichthin: Du kriegst das Kind, und ich ergattere deinen Posten. Wer verzichtet schon vorschnell auf 90 000 Euro und die selbstbestimmte Zeit mit dem Kind?<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Der Autor ist Demograph und Soziologe und hat einen Lehrstuhl am Raphael-Lemkin-Institut f\u00fcr Xenophobie- und Genozidforschung der Universit\u00e4t Bremen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen Zwei &#8211; nicht mehr und nicht weniger (20.5.06) Die deutsche Familienpolitik pr\u00e4miert hohe Geburtenraten in der Unterschicht und die Ein-Kind-Familie bei Gebildeten. Das ist ihr entscheidender Fehler. 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