{"id":17789,"date":"2021-01-03T00:39:46","date_gmt":"2021-01-02T23:39:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17789"},"modified":"2021-01-02T22:41:43","modified_gmt":"2021-01-02T21:41:43","slug":"predigt-ueber-jeremia-2329","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17789","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Jeremia 23,29"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eIst mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, <\/strong><strong>und wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft?\u201c<\/strong><strong>\u00a0 <\/strong><strong>(Jeremia 23,29)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformation begann vor gut 500 Jahren mit einigen unscheinbaren Hammerschl\u00e4gen an die T\u00fcr der Wittenberger Schlosskirche. Zuvor hatte ein Augustinerm\u00f6nch Feuer gefangen. Gottes Wort hatte das Herz des bis dahin wenig bekannten Martin Luther entz\u00fcndet und ihn nicht nur Gott, sondern auch das kirchliche Leben seiner Tage in einem neuen Licht sehen lassen. An ihm musste sich deshalb auch der Fr\u00f6mmigkeitsbetrieb und die verkehrte Bu\u00dfgesinnung seiner Zeit messen lassen. Beides hatte f\u00fcr den angehenden Reformator mit der Vernachl\u00e4ssigung des Wortes Gottes zu tun. In These 54 gegen den Ablass stellt er klar: \u201e<em>Beleidigung widerf\u00e4hrt dem Wort Gottes, wenn in ein und derselben Predigt dem Ablass die gleiche oder mehr Zeit einger\u00e4umt wird als ihm selbst\u201c<\/em>.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Verlangen, sie ans Licht zu bringen<\/em> \u2026\u201c trat Luther in den 95 Thesen deswegen nicht nur f\u00fcr ein evangeliumsgem\u00e4\u00dfes Verst\u00e4ndnis der Bu\u00dfe als Herzenshaltung der Umkehr ein, sondern auch f\u00fcr ein neues H\u00f6ren auf Gottes Wort. Damit begann die Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern in Wittenberg und weit dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Auslegung zum 3. Gebot schrieb der Reformator 1529 nach den Erfahrungen in den Sturmjahren der Reformation im Gro\u00dfen Katechismus: <em>\u201e\u2026das Wort Gottes ist das Heiligtum \u00fcber alle Heiligt\u00fcmer, ja das einzige, das wir als Christen wissen und haben. \u2026 Deswegen sage ich allezeit, dass unser ganzes Leben und Werk in Beziehung zum Wort Gottes stehen m\u00fcsse, wenn es Gott gef\u00e4llig oder heilig hei\u00dfen soll\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besinnung auf Gottes Wort war die Grundlage aller evangelischen Reformen in Kirche und Christentum. Um Gottes Wort geht es auch am heutigen Reformationsjubil\u00e4um, in das hinein der Spruch des Propheten Jeremia ert\u00f6nt: <em>\u201eIst mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft?\u201c<\/em> (Jer 23,29).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde, dieser Prophetenspruch ist ein im wahrsten Sinne des Wortes \u201ewuchtiges\u201c Wort: Gottes Wort \u2013 \u201e<em>dem Feuer gleich<\/em>\u201c und Gottes \u201e<em>Erlauten \u2026 gleich einem Schmiedehammer, der Felsen zerspellt<\/em>\u201c, wie Martin Buber diese Worte \u00fcbersetzt. Es f\u00e4llt im Zusammenhang von Jeremias Auseinandersetzung mit den Heilspropheten am Jerusalemer K\u00f6nigshof.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeremia hat die Macht des Gotteswortes buchst\u00e4blich am eigenen Leib erfahren: In seinen Konfessionen klagt er \u00fcber die Last seines Prophetenamtes, die er am liebsten absch\u00fctteln m\u00f6chte, und wirft Gott vor: <em>\u201eHERR, du hast mich \u00fcberredet, und ich habe mich \u00fcberreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin zum Spott geworden t\u00e4glich und jedermann verlacht mich.\u201c<\/em> (Jer 20,7). Angesichts des Spotts und Hohns seiner Volksgenossen will er nicht l\u00e4nger Gottes Wort verk\u00fcndigen. Doch dieses Wort ist in seinem \u201e<em>Herzen wie ein brennendes Feuer<\/em>\u201c, so dass er gar nicht anders kann als weiterhin zu predigen (Jer 20,9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeremia hat das Wort Gottes wahrlich nicht gesucht. Es hat sich ihm unwiderstehlich aufgedr\u00e4ngt. Er hat es bei seiner Berufung empfangen (Jer 1,6), nicht wie die falschen Propheten, die das Wort Gottes \u201estehlen, einer vom anderen\u201c (Jer 23,30); die von Gl\u00fcck und Erw\u00e4hlung sprechen, Jeremia dagegen von Umkehr und Gericht. Jeremia kommt mit Gottes Wort aus der Einsamkeit, der Anfechtung, die Heilspropheten suchen die Sensation im Volk: \u201eMir hat getr\u00e4umt! Mir hat getr\u00e4umt!\u201c (Jer 23,25).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeremia ruft zum Gehorsam des Glaubens, der falsche Prophet best\u00e4tigt seine Zeitgenossen auf deren verkehrten Wegen mit falschen Heilsversprechen: \u201eEs wird euch wohlgehen!\u201c \u201eEs wird kein Unheil \u00fcber euch kommen!\u201c (Jer 23,17) Oder um es mit Karl Barth zu sagen, der in einer Predigt \u00fcber den \u201ePfarrer, der es den Leuten recht macht\u201c (1916), sagte: <em>\u201eEr zieht sich immer gerade dann zur\u00fcck, wenn es darauf ank\u00e4me, hervorzutreten. Er l\u00e4sst sich nennen: einen Prediger des Evangeliums, einen Seelsorger, einen Diener Gottes, aber er ist doch nur ein Angestellter der Menschen. Er tr\u00e4umt davon, er rede im Namen Gottes; aber er redet ja doch nur im Namen der Kirche, im Namen der \u00f6ffentlichen Meinung, im Namen der \u201aanst\u00e4ndigen Leute\u2018, im Namen seiner eigenen kleinen Person. \u2026 Er wei\u00df, dass Gott den Menschen helfen will aus ihrer Gottlosigkeit und dass der Kampf der Geister, den das bedeutet, einmal durchgek\u00e4mpft sein muss. Aber er predigt den \u201aFrieden\u2018, ja den Frieden zwischen Gott und der unerl\u00f6sten Welt, die in uns und um uns ist, als ob daraus etwas werden, als ob es einen solchen Frieden geben k\u00f6nnte. Er wei\u00df, dass es seine Pflicht ist, den neuen Willen, das neue Leben, die Gott schaffen will, auszurufen, dass man es h\u00f6rt. Aber l\u00e4sst das Furchtwesen, das L\u00fcgenwesen, das Eitelkeitswesen, das Mammonswesen, das Gewaltswesen ruhig stehen \u2013 das ist die Mauer, die das Volk sich gebaut hat, die lottrige, br\u00fcchige, schiefe Mauer &#8211; und t\u00fcncht sie vielmehr noch mit dem losen, sanften, tr\u00f6stenden Kalk der Religion zu seiner eigenen und jedermanns Erbauung und Befriedigung<\/em>.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen falschen Propheten h\u00e4lt Jeremia in aller Sch\u00e4rfe entgegen: <em>\u201eIst mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft?\u201c <\/em>Wie reimen sich eure Gesichte und Tr\u00e4ume, das pure Stroh, mit dem Weizen des Gotteswortes zusammen? Wie reimt sich eure Heilseuphorie mit der explosiven politischen Lage, dem sozialen Unrecht und der Gottvergessenheit vieler Menschen zusammen? Wie geht eure narkotisierende Religiosit\u00e4t mit Gottes Wort zusammen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Geschichte wissen wir, und das ist immer der Vorteil der sp\u00e4ter Geborenen, dass Jeremia recht behalten sollte, entgegen der Heilspropheten und der ihr folgenden Volksmehrheit. Alle miteinander bekamen die Wahrheit und Wirkm\u00e4chtigkeit des Gotteswortes alsbald zu sp\u00fcren: Jerusalem und der Tempel wurden 587 v. Chr. dem Erdboden gleichgemacht. Das Land ging verloren und das Volk musste ins babylonische Exil. Eine gr\u00f6\u00dfere nationale und religi\u00f6se Katastrophe war kaum vorstellbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die historischen Details brauchen uns an dieser Stelle aber nicht weiter zu interessieren. Denn das Prophetenwort und der dahinterstehende Konflikt konfrontieren uns mit einem grunds\u00e4tzlichen und h\u00f6chst aktuellen theologischen Problem. Das l\u00e4sst sich so auf den Punkt bringen: Zwei reden \u2013 jeder im Namen Gottes und in tiefster subjektiver \u00dcberzeugung \u2013 gegeneinander. Wer im Recht ist, das offenbart &#8211; nicht nur im Falle Jeremias &#8211; erst der weitere Verlauf der Geschichte. Erst in der historischen Distanz wird die Wahrheit offenbar, wird deutlich, dass viele den <em>falschen Propheten<\/em> auf den Leim gegangen sind. Aber eben erst hinterher. Das kennen wir auch aus unserer j\u00fcngeren Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dieser bitteren Erfahrung heraus, auf die falschen Propheten geh\u00f6rt zu haben, wurde das Buch Jeremia aufgeschrieben. Man sollte eben nicht immer erst hinterher merken, wer der <em>richtige<\/em> Prophet war und vor allen Dingen wissen: Gottes Wort ist verl\u00e4sslich. Es ist bedeutsam f\u00fcr das Leben jetzt und f\u00fcr die Zukunft (Jer 30,2; 36,2). Denn Gottes Wort wirkt, was es sagt. Es ist das Kriterium, das die Wahrheit von der L\u00fcge unterscheidet. L\u00fcge meint hier nicht die pers\u00f6nliche Unwahrhaftigkeit im Sinne subjektiver Unehrlichkeit. Nein, es geht um die \u201eL\u00fcge\u201c im Sinne der objektiven Falschheit. Die falschen Propheten sind darum \u201efalsch\u201c, weil sie ohne Auftrag Gottes aus ihrem eigenen Wollen sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft das nun aber f\u00fcr uns heute? Woran l\u00e4sst sich prophetisches Reden aus Gottes Wort heute erkennen? Ich will das in drei kurzen Punkten etwas erl\u00e4utern.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong><em> Gottes Wort deckt auf<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere menschliche Natur befindet sich offensichtlich von Haus aus nicht im Einklang mit Gottes Willen (R\u00f6m 3,9-20). Sie hat vielmehr eine Schlagseite zum B\u00f6sen durch unseren unausrottbaren Egoismus. Deswegen lassen wir uns gerne von Rednern und Predigten schmeicheln, die uns nicht allzu sehr in Frage stellen, die uns der N\u00e4he und Begleitung Gottes vergewissern und unsere Hoffnungen und W\u00fcnsche mehr oder weniger best\u00e4tigen. So wie das bei den Heilspropheten zu Jeremias Zeiten der Fall war, die von Tr\u00e4umen sprechen, die aus ihrem Herzen kommen, w\u00e4hrend das Wort des richtigen Propheten aus Gottes Mund kommt und alle menschliche Selbstgewissheit und Selbstzufriedenheit ersch\u00fcttert. Die falschen Propheten r\u00e4uchern dem G\u00f6tzen des \u201ereligi\u00f6sen Gef\u00fchls\u201c, der Prophet Gottes sagt, was ist: der nahe Gott kann sich auch zur\u00fcckziehen; der \u201eliebe\u201c Gott \u2013 oder noch schlimmer der \u201everlieblichte Gott\u201c &#8211; ist auch der \u201egerechte\u201c Gott. Die falschen Propheten geben den zeitgeistigen Ideologien eine religi\u00f6se Weihe, der echte Prophet wei\u00df um die Strenge des g\u00f6ttlichen Gebotes und den Zorn Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falsche Propheten sind in der Regel sehr verschwenderisch mit heilvollen Versprechen und dem Segen Gottes. Dietrich Bonhoeffer hat das in seinem Buch \u201eNachfolge\u201c als \u201e<em>billige Gnade<\/em>\u201c bezeichnet. \u201eBillig\u201c im Sinne einer \u201e<em>S\u00fcndenvergebung als allgemeine Wahrheit<\/em>\u201c, als \u201eRechtfertigung der S\u00fcnde und nicht des S\u00fcnders\u201c, als \u201e<em>Gnade, die wir mit uns selbst haben<\/em>\u201c. Dieser billigen Gnade als \u201e<em>Schleuderware<\/em>\u201c stellt Bonhoeffer die \u201e<em>teure Gnade<\/em>\u201c des Evangeliums gegen\u00fcber, die \u201e<em>die S\u00fcnde verdammt<\/em>\u201c und den \u201e<em>S\u00fcnder rechtfertigt<\/em>\u201c. Teuer ist diese Gnade vor allem darum, \u201e<em>weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat \u2026 und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. \u2026 Teure Gnade ist Gnade als das Heiligtum Gottes, das vor der Welt beh\u00fctet werden muss, das nicht vor die Hunde geworfen werden darf; sie ist darum Gnade als lebendiges Wort, Wort Gottes, das er selbst spricht, wie es ihm gef\u00e4llt<\/em>.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eteure Gnade\u201c ist das Wort Gottes, das uns \u201etrifft wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft\u201c, das unseren Eigensinn, unsere Rechthaberei und unsere Verblendung heilsam ersch\u00fcttert. So wie die H\u00f6rer der ersten Pfingstpredigt, von denen es in der Apostelgeschichte hei\u00dft: \u201e<em>Es ging ihnen durchs Herz<\/em>\u201c (Apg 2,37). Diese Erfahrung geht dem Glauben und der Nachfolge Jesu immer voraus: dass ein Mensch in der Begegnung mit dem lebendigen Gotteswort zutiefst erschrickt \u00fcber die Verkehrtheit und Verlorenheit seines eigenen Lebens, wenn es in seinem Gewissen zu h\u00e4mmern beginnt und ihm bewusst wird: \u201e<em>Jetzt wei\u00df ich, dass in mir nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das B\u00f6se, das ich nicht will, das tue ich\u201c (R\u00f6m 7,18f.). <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer demgegen\u00fcber die Gnade ohne Gesetz, wer Gnade ohne Gericht predigt, wer nur das Evangelium von der \u201esolidarischen Lebenshilfe\u201c und der \u201eLebensdienlichkeit des Glaubens\u201c predigt, sagt Richtiges, aber nicht die ganze Wahrheit. Im 3. Leitsatz des im Sommer ver\u00f6ffentlichten Zukunftspapiers der EKD \u2013 \u201eKirche auf gutem Grund\u201c \u2013 hei\u00dft es: \u201e<em>Die Kirche folgt Christus und seinem Geist, wenn sie sich f\u00fcr die Schwachen, Ausgegrenzten, Verletzten und Bedrohten einsetzt<\/em>\u201c und wenn sie \u201e<em>bestehende Strukturen f\u00fcr Kooperationen<\/em>\u201c \u00f6ffnet und \u201e<em>in enger und nachhaltiger Abstimmung mit zivilgesellschaftlichen Partnern eigene Angebote<\/em>\u201c profiliert, konzentriert und gegebenenfalls reduziert. Als aufmerksam-kritisches Gemeindeglied sucht man in diesem Leitsatz zum \u2013 wohlgemerkt \u2013 \u201e<em>missionarischen Handeln der Kirche<\/em>\u201c vergeblich nach dem offensichtlich verloren gegangenen \u201eWort\u201c, das uns \u201etrifft wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft\u201c, das S\u00fcnde beim Namen nennt, zum Glauben und in die Nachfolge Jesu ruft. Offensichtlich erging es den Verfassern wie Goethes Faust, der meint: \u201e<em>Ich kann das Wort so hoch unm\u00f6glich sch\u00e4tzen. Ich muss es anders \u00fcbersetzen<\/em>.\u201c Und das hat er auch getan und das \u201e<em>Wort<\/em>\u201c durch die \u201e<em>Tat<\/em>\u201c ersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Versuch den christlichen Glauben sozialethisch zu plausibilieren und durch die \u201eTat\u201c als glaubw\u00fcrdig zu erweisen, ist angesichts des gesellschaftlichen Gegenwindes, der den Kirchen zunehmend heftiger ins Gesicht bl\u00e4st, zwar irgendwie verst\u00e4ndlich und auch berechtigt. Dennoch ist die Ethisierung oder Moralisierung des Evangeliums eine Verk\u00fcrzung des christlichen Glaubensverst\u00e4ndnisses. Im christlichen Glauben geht es nicht nur um Weltgestaltung und Solidarit\u00e4t mit irgendwelchen \u201ezivilgesellschaftlichen Partnern\u201c, sondern es geht immer zugleich und zuerst um das Verh\u00e4ltnis des einzelnen zu Gott und seines Selbstseins vor Gott. Der in unserer pluralen Gesellschaft h\u00e4ufig zu vernehmende du gewiss wohlmeinende Rat, einem jeden seinen Glauben zu lassen, hilft da nicht wirklich weiter. Dann h\u00e4tte sich Jeremia die Auseinandersetzung mit den falschen Propheten schenken k\u00f6nnen. Nein, in jeder Form eines gelebten Gottesverh\u00e4ltnisses geht es aufs Ganze. Es geht um die Wirklichkeit Gottes, es geht um die Wahrheit, um das, was im Leben und Sterben unbedingt gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade weil der lebendige Gott keine blo\u00dfe Idee ist, \u00fcber die man unverbindlich diskutieren k\u00f6nnte, sondern ein Gott, der in seinem richtenden und verhei\u00dfenden Wort gegenw\u00e4rtig ist, ist die Unterscheidung von Wahrheit und Irrtum nicht gleichg\u00fcltig. Im Hebr\u00e4erbrief hei\u00dft es im 4. Kapitel: \u201e<em>Das Wort Gottes ist lebendig und kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens\u201c<\/em> (V.12). Gottes Wort ist lebendig, in ihm begegnet er uns wie im Feuer auf dem Sinai, in der Feuers\u00e4ule und im brennenden Dornbusch. Vor dem heiligen Gott wird jeder Bereich unseres Lebens einer trennenden Durchdringung zur Scheidung von Gut und B\u00f6se, Licht und Finsternis unterzogen. Es ist eine Scheidung, die nicht den Tod des S\u00fcnders will. Die Aufdeckung unserer Schuld geschieht zur Rettung, zu unserem Heil.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><strong><em> Gottes Wort rettet<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeremia geht mit den Heilspropheten scharf ins Gericht: \u201eSie betr\u00fcgen euch!\u201c (Jer 23,16) &#8211; Martin Buber \u00fcbersetzt: \u201eSie umdunsten euch\u201c-. Sie \u201evernebeln das Gel\u00e4nde\u201c. Von ihren Illusionen k\u00f6nnt ihr nicht leben. Das hat keine Zukunft. Denn \u201eTr\u00e4ume\u201c halten der Wirklichkeit nicht stand. Gottes Wort dagegen gibt Klarheit. Es vertreibt den Nebel der Beschwichtigungen und macht ein Ende mit den Illusionen menschlicher Machbarkeit. Rettung kommt allein von Gott her. Wer an ihn glaubt, \u201eder h\u00f6rt auf an sich selbst zu glauben\u201c (Gottfried Voigt). Der wei\u00df, wie der Apostel Paulus, dass aus der allgemein-menschlichen Grundsituation des Schuldigseins gegen\u00fcber Gott und den Mitmenschen (R\u00f6m 3,23) allein das Evangelium von Christus dem Gekreuzigten einen befreienden Ausweg er\u00f6ffnet; der wei\u00df, dass er, wie alle anderen Menschen, darauf angewiesen ist und froh sein kann, dass er \u201e<em>aus Gnade, um Christi willen, durch den Glauben<\/em>\u201c (CA Art. 4) vor Gott als gerecht gelten darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Botschaft des Evangeliums lautet: Christus, \u201e<em>der Herr<\/em>\u201c, wurde um unseretwillen zum \u201e<em>Knecht<\/em>\u201c (Phil 2,11). Er nahm die Strafe auf sich, die wir f\u00fcr unsere S\u00fcnden verdient haben, damit wir Frieden haben (Jes 53,5). Kraft seiner Auferweckung von den Toten, d\u00fcrfen auch wir auf ein ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott hoffen (1 Kor 15,20f.) Auf diesen Heilstatsachen gr\u00fcndet das alte urchristliche Bekenntnis: \u201e<em>Herr ist Jesus<\/em>\u201c (1 Kor 12,3; R\u00f6m 10,9). Und das l\u00e4sst sich nicht im Sinne einer \u201eWahrheit f\u00fcr mich\u201c begrenzen bzw. zur\u00fccknehmen. Denn wenn es stimmt, dass Gott in Christus war und die Welt mit sich vers\u00f6hnte (2 Kor 5,19), so geht diese rettende Botschaft auch heute noch alle Menschen an \u2013 auch wenn das missionarische Wortzeugnis gegenw\u00e4rtig f\u00fcr viele unserer Zeitgenossen den Tatbestand des \u201ereligi\u00f6sen Hausfriedensbruchs\u201c erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner im vergangenen Jahr erschienenen Autobiographie \u201eStreiflichter meines Lebens\u201c (2019) schreibt der fr\u00fchere w\u00fcrttembergische Landesbischof Gerhard Maier an einer Stelle: \u201e<em>Fr\u00fcher hatte ich M\u00fche, zu verstehen, wie die rein christlichen L\u00e4nder des Orients mehrheitlich zum Islam konvertieren konnten, voran die Begabten. Jetzt ist das so leicht verst\u00e4ndlich. Was die moderne protestantische Theologie von Christus sagt, ist nur noch eine Handbreit vom Islam entfernt: Er sei nicht Gottessohn im essenziellen Sinn und wollte es auch nicht sein. Sein Tod war kein S\u00fchnetod, das Kreuz habe keine Heilsbedeutung, die Auferstehung sei nicht real, sondern nur hinein in den Glauben und ins Bewusstsein. Der Ausgleich mit dem Islam wird dem Protestantismus gegenw\u00e4rtig wichtig. Wichtiger jedenfalls als die Mission. Was sollte dann unsere jungen Menschen abhalten, muslimische Ehepartner zu suchen und zu ihrem Glauben zu konvertieren. Teile des Protestantismus sind sogar stolz darauf, als Anwalt der Muslime vor die \u00d6ffentlichkeit zu treten. Dabei fehlt uns der Austausch mit dem christlichen Schwesterkirchen, die schon lange unter dem Islam gelebt haben<\/em>.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Theologe Thomas Schirrmacher hat in einer kritischen Besprechung von Positionspapieren der EKD zum islamisch-christlichen best\u00e4tigt, dass es sich dabei nicht nur um einen subjektiven Eindruck handelt, sondern um eine offenkundige Tendenz: \u201e<em>Jesus Christus scheint dem Dialog zwischen Christen und Muslimen im Weg zu stehen. Allerlei Politiker, Medien, ja auch Kirchen sehen in einem allzu eindeutigen Bekenntnis dazu, dass Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, durch sein Leiden und Sterben am Kreuz und durch seine Auferweckung der einzige Weg zum Heil ist, eine Gefahr f\u00fcr den gesellschaftlichen Frieden. Es wird dabei unterstellt, dass eine solche Sicht einen gesellschaftlichen Dialog von Christen mit Muslimen f\u00fcr eine friedliche und gerechte Gesellschaft unm\u00f6glich macht.<\/em>\u201c Aus diesem Grund, so Professor Schirrmacher weiter, haben etliche Kirchenleitungen bzw. Synoden von Gliedkirchen der EKD beschlossen oder zur Diskussion aufgefordert, \u201e<em>die Verk\u00fcndigung des Evangeliums gegen\u00fcber Muslimen mit dem Ziel der Taufe ganz zu unterlassen, den Dialog mit Muslimen an die Stelle missionarischer Absichten zu stellen, sich umfangreich mit dem Jesusbild des Islam anzufreunden oder etwa Muslime regelm\u00e4\u00dfig an der Gestaltung der Liturgie evangelischer Gottesdienste einzubeziehen<\/em>.\u201c (CA II\/2019, 25f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer dieser Aufforderung nachkommt, so Professor Schirrmacher, entwertet seine \u201e<em>Ausweiskarte<\/em>\u201c als Christ. Denn allein Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene ist das einzig spezifisch Christliche, das wir in die Debatten auf dem religi\u00f6sen Markt einbringen k\u00f6nnen. Er, das menschgewordene Gotteswort, rettet diese Welt durch seine dienende Selbsthingabe. Jesus offenbart in seinem Leiden und Sterben: \u201eGott ist die Liebe\u201c (1 Joh 4,8). Im Verzicht auf jegliche Macht sucht sie das Vertrauen und die Gegenliebe des Menschen zu gewinnen. Wer von dieser Liebe getroffen ist, in dem wird ein Feuer entz\u00fcndet. Der wird zum Botschafter und Zeugen Jesu Christi. Denn dem Evangelium ist der Impuls zum Weitersagen quasi eingebaut. Ein Christ kann gar nicht anders, als von Jesus Christus als dem Grund und Ziel christlicher Hoffnung zu sprechen, in dem tiefen Wunsch, dass das Funke \u00fcberspringt, dass Gottes Wort auch im anderen ein Feuer entz\u00fcndet, Glauben weckt. Und wo immer das geschieht, geschieht es unter der Verhei\u00dfung, dass Gottes Wort \u201e<em>nicht wieder leer<\/em>\u201c zur\u00fcckkommt, sondern dass es tun wird was Gott \u201e<em>gef\u00e4llt<\/em>\u201c und ihm \u201e<em>gelingen wird<\/em>\u201c wozu er es sendet (Jes 55,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Worte Wirklichkeiten schaffen, kennen wir vielfach aus eigenem Erleben. Wir wissen, wie die Welt um uns dunkel wird, wenn wir als Kinder zu h\u00f6ren bekommen: &#8222;Aus dir wird nie etwas! Schau den Sohn vom Nachbarn an, was das f\u00fcr ein toller Kerl ist!&#8220; Am Arbeitsplatz ist es nicht viel anders. Auch Arbeitnehmer sind darauf angewiesen sind, dass ihnen ab und zu ein gutes Wort, eine Anerkennung zugesprochen wird. Negative, herabsetzende Worte mit denen nur Druck und Lieblosigkeit erzeugt wird, k\u00f6nnen krank machen. Worte schaffen Wirklichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel mehr Gottes Wort. Es ver\u00e4ndert die Wirklichkeit, indem es eine neue Wirklichkeit schafft. Gottes Wort l\u00e4sst uns nicht nur erschrecken \u00fcber unsere Schuld, es tr\u00f6stet auch, wenn wir h\u00f6ren: <em>&#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.&#8220; <\/em>(Jes 43,1). Gottes Wort zerst\u00f6rt nicht nur alle Illusionen, die wir uns \u00fcber uns selbst machen, es versichert und auch der unverbr\u00fcchlichen Liebe in Jesus Christus, von der uns \u201e<em>weder Tod noch Leben\u2026, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges<\/em>\u201c scheiden kann (R\u00f6m 8,38f.).<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><strong><em> Gottes Wort ruft zur Umkehr<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeremia wirft den Heilspropheten seiner Tage vor, sie h\u00e4tten Gottes Wort nicht verk\u00fcndigt, weil sie sonst alles unternommen h\u00e4tten, um das Volk \u201e<em>von seinem b\u00f6sen Wandel und seinem b\u00f6sen Tun zu bekehren<\/em>\u201c (Jer 23,22). \u201eBu\u00dfprediger\u201c sind in der Regel selten gefragt, damals nicht und heute nicht. Unterhaltungswert haben sie h\u00f6chstens, wenn sie den anderen geh\u00f6rig die Meinung sagen, einen selbst aber verschonen. Die erste der 95 Thesen Martin Luthers lautet bekanntlich: \u201e<em>Wenn unser Herr und Meister Christus sagt: Tut Bu\u00dfe usw., so will er, dass das ganze Leben der Gl\u00e4ubigen auf Erden eine stets Bu\u00dfe sein soll<\/em>.\u201c Nicht nur die Au\u00dfenstehenden, auch wir Christen sind immer gehalten, unser Herz im Lichte von Gottes Wort zu pr\u00fcfen und umzukehren. Aber was hei\u00dft das konkret? Wo trifft uns heute der Hammerschlag des richtenden Gotteswortes? Oder ist das heute eher der Hieb der <em>Political Correctness<\/em>?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Umkehrforderungen werden wir gegenw\u00e4rtig auch innerhalb der Kirche vielfach konfrontiert: der Umkehr zu einem gendersensiblen Umgang miteinander, einem klimaneutralen und nachhaltigen Lebensstil, einer m\u00f6glichst fleischlosen Ern\u00e4hrung, einer antirassistischen Haltung und dergleichen mehr. Auch wenn manches davon inzwischen skurrile Bl\u00fcten treibt und der neuen Sensibilit\u00e4t wegen inzwischen auch der schwarze Melchior aus alten Traditionskrippen wie der im Ulmer M\u00fcnster entfernt wurde, die deutsche Sprache durch die allgegenw\u00e4rtigen Gendersternchen zunehmend verhunzt wird, die Klimarettung inzwischen fast einer Religion gleichkommt und sich die Hypermoral in Sachen Seenotrettung gar nicht so recht mit dem gro\u00dfen Schweigen in der Abtreibungsfrage zusammenreimt, so kann man \u00fcber all diese \u201eUmkehrrufe\u201c durchaus sachlich und mit gesundem Menschenverstand diskutieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu fragen bleibt dennoch, wie wir als Gemeinde Jesu Christi in der Polyphonie der verschiedenen christlichen, halb- und auch unchristlichen Stimmen den Willen Gottes feststellen und erkennen, was \u201e<em>das Gute<\/em>\u201c, ist, das wir tun, und was \u201e<em>das B\u00f6se<\/em>\u201c ist, von dem wir uns fernhalten sollen? Martin Luther w\u00fcrde dazu vielleicht zweierlei sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstens: wir lernen Gottes guten Willen nicht anders kennen und tun, als dass wir im Glauben das erste Gebot erf\u00fcllen. Was das hei\u00dft, will ich mit einem St\u00fcck aus dem alten W\u00fcrttemberger Fragb\u00fcchlein zum Kleinen Katechismus (1535) beantworten. Dort hei\u00dft es unter der Frage 25: \u201eWas hei\u00dft Bu\u00dfe tun? Bu\u00dfe tun hei\u00dft: \u201e<em>umkehren in die offenen Arme Gottes\u201c<\/em>. Dazu geh\u00f6rt, dass wir die S\u00fcnden herzlich erkennen, vor Gott und in gewissen F\u00e4llen auch vor Menschen bekennen, bereuen, hassen und lassen und im Glauben an Jesus Christus in einem neuen Leben wandeln\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur dort, wo wir im Glauben \u201eGott \u00fcber alle Dinge f\u00fcrchten, lieben und vertrauen\u201c wird uns die Kraft geschenkt -so zumindest eine Grund\u00fcberzeugung lutherischer Theologie-, die anderen Gebote und damit Gottes Willen f\u00fcr unser Leben recht zu verstehen und zu tun. Ohne den Glauben kann man weder das erste noch eines der \u00fcbrigen Gebote erf\u00fcllen. Der Glaube ist der \u201e<em>Werkmeister und Hauptmann\u201c in<\/em> allen guten Werken, wie Martin Luther im \u201eSermon von den guten Werken\u201c (1520) darlegt. Das Pr\u00e4 liegt also nicht bei den sogenannten \u201eWerten\u201c, um die es heute in Kirche und Gesellschaft so h\u00e4ufig geht, sondern in der Gottesbeziehung des Menschen. Entscheidend ist zun\u00e4chst, dass Menschen zum Glauben finden, im Sinne einer \u201e<em>lebendigen, verwegenen Zuversicht auf Gottes Gnade<\/em>\u201c (Martin Luther). Dieser Glaube ist weder Ausdruck eines schwachen Denkens noch eine unspezifische Form religi\u00f6ser Erregung. Er besteht in der festen Zuversicht, dass durch den stellvertretenden S\u00fchnetod des Gottessohnes die S\u00fcnde vergeben ist (R\u00f6m 3,24-25) und wir \u201eFrieden haben mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus\u201c (R\u00f6m 5,1). Dieser Glaube ist nie ohne die Liebe (Gal 5,6). Im Leben eines Christenmenschen geh\u00f6ren beide untrennbar zusammen. In einer Auslegung zu Lukas 17,11-19 schreibt Martin Luther: \u201e<em>Glaube und Liebe ist das Wesen eines christlichen Menschen. Der Glaube empf\u00e4ngt, die Liebe gibt. Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt ein <em>Zweites<\/em>: dass wir unsere Gewissen sch\u00e4rfen am Wort Gottes, das uns nur der Heilige Geist recht zu verstehen lehrt. In einer Tischrede sagt der Reformator einmal: \u201e<em>Man soll die Heilige Schrift nicht nach unserer Vernunft messen, richten, verstehen und deuten, sondern sie mit Gebet flei\u00dfig bedenken und ihr nachtrachten. \u2026 Der Heilige Geist muss da allein Meister und Lehrer sein: er muss es uns lehren. Und der J\u00fcnger oder Sch\u00fcler sch\u00e4me sich nicht, von diesem Lehrer zu lernen&#8230;<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther war sich sicher, dass die Heilige Schrift im Wesentlichen, ihrem Christuszeugnis, nicht nur klar ist, sondern er war auch zutiefst davon \u00fcberzeugt, dass sich die Schrift selbst auslegt, besser als wir das tun k\u00f6nnen. Dabei ging es ihm nicht nur um die Freiheit des Christenmenschen von jeglicher Bevormundung durch theologische und kirchliche Autorit\u00e4ten. Er war sich -nicht zuletzt aus eigener Erfahrung- gewiss, dass Gott den nach Wahrheit suchenden Glaubenden, der sich nicht als Meister \u00fcber die Schrift, sondern unter sie stellt, selbst zu einem richtigen Schriftverst\u00e4ndnis f\u00fchrt. Die Bibel erweist sich darin als lebendiges Wort Gottes, dass sie in den wesentlichen, das hei\u00dft den heilsrelevanten Aussagen, klar ist und sich selbst auslegt. Luther hat wie der Prophet Jeremia dem Wort Gottes eine gewaltige Macht zugetraut: Es f\u00fchrt uns zur Begegnung mit dem lebendigen Gott und seinem Willen f\u00fcr unser Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott schenke uns an diesem Reformationstag, dass auch wir heute die Macht des richtenden und begnadenden Gotteswortes neu sehen lernen, das \u201e<em>wie ein Feuer<\/em>\u201c sein kann und \u201e<em>wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft<\/em>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Predigt beim Regionaltreffen des Gemeindehilfsbundes am 31.Oktober 2020 in M\u00fcnchen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIst mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmei\u00dft?\u201c\u00a0 (Jeremia 23,29) Die Reformation begann vor gut 500 Jahren mit einigen unscheinbaren Hammerschl\u00e4gen an die T\u00fcr der Wittenberger Schlosskirche. 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