{"id":17776,"date":"2020-12-29T07:45:20","date_gmt":"2020-12-29T06:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17776"},"modified":"2020-12-29T07:48:01","modified_gmt":"2020-12-29T06:48:01","slug":"ueber-den-wert-der-ehe-von-mann-und-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17776","title":{"rendered":"\u00dcber den Wert der Ehe von Mann und Frau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a01\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ehe \u2013 eine g\u00f6ttliche Stiftung und Wohltat<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a01.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Wesen Gottes \u2013 Liebe und Dreieinigkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer \u00fcber die Ehe nachdenkt, muss \u00fcber das Menschenbild nachdenken. Und wer \u00fcber das Menschenbild nachdenkt, muss \u00fcber das Gottesbild nachdenken. Wir Christen glauben an einen Dreieinigen Gott. Dies ist nicht nur eine dogmatische Aussage, sondern vor allem Ausdruck des tiefsten Wesens Gottes, seiner Liebe, denn seine Liebe ist es, die ihn in die Gemeinschaft f\u00fchrt. Das wichtigste Kennzeichen der echten g\u00f6ttlichen Liebe ist ihre absolute Uneigenn\u00fctzigkeit, ihr best\u00e4ndiger Wunsch, allen Kreaturen wohlzutun, insbesondere dem Menschen. Gott hat ein unstillbares Interesse, ja eine Leidenschaft, seine Liebe der Menschheit mitzuteilen. Diese seine Liebe bestimmt auch das innere Verh\u00e4ltnis der drei g\u00f6ttlichen Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist zueinander. Insbesondere das Verh\u00e4ltnis des Vaters zum Sohn, wie es sich einmalig eindrucksvoll ausdr\u00fcckt in Hebr 1,1-5, und das Verh\u00e4ltnis des Sohnes zum Vater, wie es Hebr 5,7f. beschreibt, ist erhellend, wenn wir \u00fcber das biblische Gottesbild nachdenken. Der Vater \u00fcbertr\u00e4gt seinem Sohn das ganze Erbe, er erschafft den ganzen Kosmos durch ihn, er gibt ihm Anteil an seinem Charakter, und er best\u00e4tigt ihm seine liebende Vaterschaft an den Knotenpunkten seines irdischen Lebens. Der Sohn wiederum zeigt seine Liebe zum Vater darin, dass er in allem dessen Ehre sucht und unter Schmerzen Gehorsam unter Gottes Willen lernt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Bestimmung des Menschen \u2013 Ebenbildlichkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bestimmung des Menschen, wie sie in 1 Mose 1,26f. ausgedr\u00fcckt ist, \u00fcbertr\u00e4gt ihm als gro\u00dfes Lebensziel, ein Mensch zu werden, der aus der Liebe Gottes heraus lebt. Das meint der Ausdruck \u201eEbenbildlichkeit\u201c. Da geht es ja nicht um die Entsprechung \u00e4u\u00dferer Merkmale, sondern um innere Repr\u00e4sentanz. Wir sind dazu bestimmt, in dieser Welt Gott zu repr\u00e4sentieren. Und das geht nur, wenn wir aus Gottes Liebe leben lernen. Wer den Gott der Liebe repr\u00e4sentieren soll, muss selber lieben. Die echte Liebe aber sucht nicht das Eigene, sondern das Wohl und Heil des anderen. Das heute dominierende gesellschaftliche Leitbild ist die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Aus diesen Lebenszielen, die letztlich nichts anderes sind als gesellschaftlich sanktionierter Egoismus, gilt es auszusteigen. Der Mensch kann unm\u00f6glich, eben weil er von Gott zum Ebenbild erschaffen wurde, im Selbstbezug Lebenssinn und Lebensgl\u00fcck finden. Nur wenn seine Beziehungen stimmen, und zwar sein vertikales und horizontales Beziehungsfeld, zu Gott und zu seinen N\u00e4chsten, kann er Sinnerf\u00fcllung und wahre Lebensfreude erfahren. Es ist wunderbar, das zu entdecken. Und noch wunderbarer ist es, dass und wie Gott dem aus der Gottesbeziehung herausgefallenen Menschen durch zwei Stiftungen das Gl\u00fcck tragf\u00e4higer Beziehungen g\u00f6nnt und gibt, und zwar durch die Ehe und durch die christliche Gemeinde. In beiden Gemeinschaftsmodellen kann der Mensch Liebe lernen, Liebe empfangen und Liebe weitergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da der Mensch nicht als Neutrum geschaffen wird, sondern als Mann und Frau, stellt sich die Frage, ob es eine geschlechtsspezifische Ebenbildlichkeit gibt. Betrachtet man die biblischen Aussagen zur Bestimmung des Mannes und der Frau, kann man schnell feststellen, dass die Zielvorgaben f\u00fcr Mann und Frau durchaus unterschiedlich sind. Der Mann soll bei Christus lernen, was es hei\u00dft \u201eHaupt\u201c zu sein (1 Kor 11,3). Die Frau wird deswegen aus der \u201eSeite\u201c des Mannes genommen, um ihm ein gleichwertiges Gegen\u00fcber und \u201eHilfe\u201c sein zu k\u00f6nnen (1 Mose 2,18). Dabei ist es bestimmt kein Zufall, dass die Bibel die Bestimmung der beiden Geschlechter mit den Begriffen \u201eHaupt\u201c und \u201eHilfe\u201c benennt. Im Grunde verbergen sich in ihnen die beiden wichtigsten Charaktereigenschaften Gottes. Gott ist \u201eHaupt\u201c, denn er \u00fcbernimmt Verantwortung f\u00fcr seinen Sohn und seine gesamte Sch\u00f6pfung, und er gibt Schutz und F\u00fcrsorge. Und er ist \u201eHilfe\u201c, denn er ist f\u00fcr alle da, die in N\u00f6ten sind und sich nach seiner Hilfe sehnen. \u201eIch hebe meinen Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat\u201c (Ps 121,1f.). Hauptsein und Hilfesein, das k\u00f6nnen M\u00e4nner und Frauen also am besten bei Gott selber lernen. Im \u00dcbrigen ist es eine gewaltige Auszeichnung des Mannes und der Frau, dass sie sozusagen Verk\u00f6rperungen der wichtigsten Charaktermerkmale des Dreieinigen Gottes sein d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Grundbed\u00fcrfnisse von Mann und Frau<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Ehe ein Ein\u00fcbungsfeld f\u00fcr das Gelingen von Beziehungen ist, und wenn die echte Liebe dem anderen das gibt, was ihm wohltut an Leib, Seele und Geist, dann ist die Frage interessant, was M\u00e4nner und Frauen vorrangig brauchen. Der bekannte Ehetherapeut Walter Trobisch hat von jeweils drei Grundbed\u00fcrfnissen des Mannes und der Frau gesprochen. Der Mann braucht Ruhe, Anerkennung und ein gutes Essen, die Frau Z\u00e4rtlichkeit, Ritterlichkeit und Geborgenheit. Mit der Formulierung dieser Grundbed\u00fcrfnisse hat W. Trobisch absolut ins Schwarze getroffen, wie wir aus einer fast vierzigj\u00e4hrigen Eheberatungspraxis best\u00e4tigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sehnsucht des Mannes nach Ruhe h\u00e4ngt mit seiner inneren seelischen Struktur zusammen. Er ist sehr oft \u201ein Gedanken\u201c, und um die zu ordnen, braucht er immer wieder Zeiten der Ruhe, ohne neue Herausforderungen. Die spezifische Freude des Mannes \u00fcber pers\u00f6nliche Anerkennung h\u00e4ngt wahrscheinlich ebenfalls mit seiner seelischen Gesamtkonstitution zusammen. Da die Frau aus ihm gestaltet wurde, fehlt ihm ein St\u00fcck seines Wesens, und so braucht er f\u00fcr sein Selbstbewusstsein immer wieder Best\u00e4tigungen von au\u00dfen. Das gute Essen hat bei ihm nicht nur die Funktion der Nahrungsaufnahme. Vielmehr tut es seiner Seele gut, weil eine gute Esskultur ihn innerlich aufschlie\u00dft und ihm hilft, \u00fcber seine Gef\u00fchle zu sprechen. Jesus hat bekanntlich einen Gro\u00dfteil seiner Gespr\u00e4che in Zusammenhang mit Mahlzeiten gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die Frau empf\u00e4nglicher f\u00fcr z\u00e4rtliche K\u00f6rperkontakte ist, zeigt schon ihre Physiologie. Ihre Haut verf\u00fcgt \u00fcber viel mehr ber\u00fchrungsempfindliche Stellen als es beim Mann der Fall ist. Wenn sie einen ritterlichen Mann hat, der sie sch\u00fctzt und h\u00f6flich mit ihr umgeht, wird ihre frauliche Sehnsucht nach einem Partner gestillt, an den sie sich anlehnen kann. Eng damit h\u00e4ngt auch ihr Wunsch nach Geborgenheit zusammen. Sie sch\u00e4tzt es hoch ein, wenn ihr Mann f\u00fcrsorgliche Verantwortung f\u00fcr sie wahrnimmt. Wenn der Mann diese Grundbed\u00fcrfnisse der Frau kennt und einl\u00f6st, dann hilft er ihr, ihn zu ehren, so wie das Paulus in Eph 5,33 von der Ehefrau erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das dynamische Dreieck<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr christliche Ehepaare sollte es selbstverst\u00e4ndlich sein, dass sie in ihre Beziehung Gott hineinlassen. Aber viele meinen, dass damit auch schon das Ehegl\u00fcck gew\u00e4hrleistet ist, und sie wundern sich, dass auch ihre Ehe in erhebliche Krisen geraten kann, obwohl sie doch beten und das Wort Gottes achten. Da muss man klar sagen: Beten ist die eine Seite, die Antwort Gottes verstehen ist die andere Seite. Ich nenne das ein statisches Missverst\u00e4ndnis des Dreiecks, wenn man als Ehemann oder Ehefrau meint, dass Gott auf die Gebete nur direkt und pers\u00f6nlich antworten w\u00fcrde. Wenn Mann und Frau in ihrer Ehe Freud und Leid an Gott im Gebet abgeben, dann m\u00fcssen sie auch unbedingt wissen, wie Gott in der Ehe antwortet. Die Ehe ist von einem kommunikativen Gott gestiftet, und er liebt es, kommunikativ zu handeln und auf unsere Gebete kommunikativ zu antworten. Das bedeutet, dass Gott gern auf die Gebete des Mannes so antwortet, dass er seiner Frau Weisheit gibt, ihm einen guten Rat zu geben. Und dass die Gebete der Frau oft so erh\u00f6rt werden, dass Gott den Mann aktiviert, seiner Frau neue Z\u00e4rtlichkeit, Ritterlichkeit und Geborgenheit zu schenken. Ja, Eheleute sollten unbedingt das Wesen Gottes und das Wesen der Ehe verstehen, wenn sie in der Ehe die Hilfe Gottes erfahren m\u00f6chten. Wer als Mann gelernt hat, in seinen pers\u00f6nlichen Fragen und N\u00f6ten auf seine Frau zuzugehen und von ihr Hilfe zu erwarten, besser: Gottes Hilfe durch seine Frau, und wer als Frau gelernt hat, in solchen Lebenslagen auf den Ehemann zuzugehen und von ihm Beistand zu erwarten, der hat das dynamische Dreieck Gott \u2013 Mann \u2013 Frau verstanden. Gott hilft mir als Mann durch meine Frau, und Gott steht mir als Frau durch meinen Mann bei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ehe \u2013 eine Stiftung Gottes<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Immanuel Kant die Ehe als Vertrag definiert hat, ist allm\u00e4hlich das Vertragsdenken in das allgemeine Eheverst\u00e4ndnis eingezogen. Ein Vertrag als solcher ist ja eine gute Sache, eine gegenseitige Vereinbarung, die das Verh\u00e4ltnis der Vertragspartner regelt. Aber er gilt eben auch nur solange, wie beide Vertragspartner sich an ihn halten. Wenn ein Teil die Vereinbarung unterl\u00e4uft, missachtet oder verl\u00e4sst, hat der andere Teil das Recht, den Vertrag zu k\u00fcndigen. Und beide Teile haben nat\u00fcrlich das Recht, den Vertrag jederzeit mit Zustimmung des anderen zu ver\u00e4ndern. Wenn man aber die Ehe als einen Vertrag ansieht, dann definiert man sie als menschliches Produkt, bestenfalls als kulturelle Errungenschaft, man entkleidet sie aber jeglicher Transzendenz, und man macht sie verf\u00fcgbar und aufl\u00f6sbar. Wenn der andere die Vertragsbedingungen nicht mehr einh\u00e4lt, dann kann man den Vertrag ja wieder l\u00f6sen. Eine gro\u00dfe Schar von Eheleuten lebt heute ihre Ehe als Vertragsmodell \u2013 aber sie lebt damit an ihrem eigentlichen Wert vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worin besteht nun dieser Wert? Er liegt in ihrem Stiftungscharakter. Die Ehe ist eine Institution, durch die Gott einer gefallenen Menschheit ein kleines St\u00fcck Treue, Heimat und Geborgenheit vermitteln will, als Vorgeschmack auf die unendliche Treue, Heimat und Geborgenheit, welche die Erl\u00f6sten im Himmel erleben sollen. Als Gott das erste Menschenpaar erschuf und zusammenf\u00fchrte, hat er die Ehe als lebenslange Treuegemeinschaft begr\u00fcndet bzw. gestiftet, durch die er Mann und Frau segnen will. Wie in jeder Stiftung gilt auch in der Ehe das Stiftungsrecht, das hei\u00dft, dass der Stifter den Zweck und die Regeln seiner Stiftung festlegt. Schon im weltlichen Stiftungsrecht ist allein der Stifterwille ma\u00dfgeblich, \u00c4nderungen am Stiftungszweck sind ohne seine Zustimmung unzul\u00e4ssig. Noch viel mehr gilt das bei Gottes Stiftungen, insbesondere bei der Ehe. Ihr Sinn und Zweck ist ein f\u00fcr alle Mal festgelegt. Sie soll Grunderfahrungen von Treue, Heimat und Geborgenheit schenken, und sie ist grunds\u00e4tzlich mit dem Fruchtbarkeitssegen (1 Mose 1,28) ausgestattet. Jesus hat die g\u00f6ttliche Stiftung der Ehe best\u00e4tigt, als er im Streitgespr\u00e4ch mit den Pharis\u00e4ern sagte \u201eDer im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie al Mann und Frau und sprach: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau h\u00e4ngen, und die zwei werden eins sein. So sind sie nicht mehr zwei, sondern eine Person. Was nun Gott zusammengef\u00fcgt hat, soll der Mensch nicht scheiden\u201c (Mt 19,4-6). Niemand ist berechtigt, diesen von Gott festgelegten Sinn und Zweck der Ehe zu \u00e4ndern, indem er z.B. eine \u201eEhe auf Zeit\u201c eingeht, die Einehe durch die Mehrehe ersetzt oder andere zwischenmenschliche Verbindungen als Ehe bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Zuordnung von Mann und Frau \u2013 ein geniales Konzept Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kleine Typologie geschlechtsspezifischer Bef\u00e4higungen und Begrenzungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unserer Zeit, wo Koedukation, Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter das Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau pr\u00e4gen, ist es nicht so einfach, \u00fcber ihre Unterschiede nachzudenken. Gleichwohl legt es die biblische Bestimmung des Mannes zum \u201eHaupt\u201c und der Frau zur \u201eHilfe\u201c nahe, geschlechtsspezifische Bef\u00e4higungen zur Aus\u00fcbung dieser Bestimmungen anzunehmen. Im Folgenden f\u00fchre ich f\u00fcnf Lebensbereiche auf, bei denen Unterschiede zwischen Mann und Frau sichtbar werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Aneignung der Wirklichkeit geschieht beim Mann im Wesentlichen gedanklich. Er muss Aufgaben und Zusammenh\u00e4nge verstehen, wenn er zu Entschl\u00fcssen kommen will. Dieser vorrangig gedankliche Zugang zur Wirklichkeit f\u00fchrt dazu, dass der Mann oft \u201ein Gedanken\u201c ist und nur mit M\u00fche in die Realit\u00e4t des Hier und Heute hineinfindet. Die Frau hat demgegen\u00fcber eine Intuitionskraft, die sie in die Lage versetzt, im Allgemeinen schneller als der Mann die Chancen und Notwendigkeiten einer Situation zu erfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ordnung und Bew\u00e4ltigung der Lebensvielfalt geschieht beim Mann meistens linear und nach Prinzipien und Grunds\u00e4tzen, w\u00e4hrend die Frau mehrere Aufgaben gleichzeitig im Blick haben und situationsbezogener urteilen und handeln kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die seelische Gesamtkonstitution beim Mann und bei der Frau ist unterschiedlich. Hier pr\u00e4gt sich genetisch die unterschiedliche Erschaffung von Mann und Frau durch Gott ab. Dem Mann wird bekanntlich aus seiner Seite etwas weggenommen, vermutlich eine Zelle, woraus Gott die Frau gestaltet hat. Die Frau blieb vollst\u00e4ndig. Dementsprechend ist der Mann untergr\u00fcndig immer auf der Suche nach Erg\u00e4nzung, w\u00e4hrend die Frau als mehr in sich ruhend beschrieben werden kann. Wenn der Mann in einer gelingenden Beziehung lebt, wird er charakterlich gefestigt. Man kann das \u201eBeziehungsstabilit\u00e4t\u201c nennen. Die Frau ist eher \u201eeigenstabil\u201c. Sie kann ihr Leben durchaus auch ohne partnerschaftliche Bindung leben, w\u00e4hrend der Mann stark auf das Gegen\u00fcber der Frau angewiesen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Aus der unterschiedlichen Aneignung der Lebenswirklichkeit und unterschiedlichen Bew\u00e4ltigung der Lebensvielfalt ergeben sich geschlechtsspezifische St\u00e4rken. Der Mann ist eher zur Sachlichkeit bef\u00e4higt, und er ist sch\u00f6pferisch begabt. Die Frau hat demgegen\u00fcber ausgesprochen personale bzw. zwischenmenschliche Schwerpunktbegabungen, und sie ist schwerpunktm\u00e4\u00dfig gestalterisch veranlagt. Im praktischen Eheleben und in der Kindererziehung k\u00f6nnen sich diese Unterschiede sehr fruchtbar auswirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nach Eph 5,22-33 kann man auch von geschlechtsspezifischen Schw\u00e4chen sprechen. Bei der Frau ist es die Dominanzorientierung, weswegen der Apostel ihr sagt, dass sie an der Gemeinde Unterordnung lernen soll. Beim Mann liegt das Lernfeld woanders. Er ist nicht wie die Frau zur Schwangerschaft berufen, er hat also keine nat\u00fcrliche soziale Kompetenz. Man kann sagen, dass er nat\u00fcrlicherweise eher selbstverliebt ist. Paulus sagt ihm deswegen, dass er bei Christus hingebungsvolle Liebe lernen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist klar, dass jede Typologie nur ein grobes Raster darstellen kann, das die Vielfalt des Lebens nur unvollkommen einfangen kann. In der Realit\u00e4t gibt es viele Begabungsverschiebungen und \u2013\u00fcberschneidungen. Trotzdem kann empirisch immer wieder festgestellt werden, dass M\u00e4nner und Frauen gem\u00e4\u00df ihren biblischen Lebensbestimmungen unterschiedliche Bef\u00e4higungen und Begrenzungen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Priorit\u00e4tenliste f\u00fcr Christen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufig stellen uns Entscheidungen vor die Aufgabe, gr\u00fcndlich das F\u00fcr und Wider abzuw\u00e4gen bzw. zwischen verschiedenen parallelen Pflichten eine Wahl zu treffen. Dabei kann eine biblisch begr\u00fcndete Priorit\u00e4tenliste der geistlich wichtigsten Pflichten hilfreich sein. F\u00fcr verheiratete Christen lassen sich vier Hauptpriorit\u00e4ten aufz\u00e4hlen. An erster Stelle muss unser Verh\u00e4ltnis zu Gott in Ordnung sein. Dazu geh\u00f6rt vor allem das pers\u00f6nliche geistliche Leben aus dem Wort Gottes und im Gebet sowie die t\u00e4gliche Bitte um Vergebung der Schuld. An zweiter Stelle kommt der Ehepartner. Er ist der uns von Gott zugewiesene wichtigste Gespr\u00e4chs- und Bezugspartner, wichtiger als Kinder, Eltern und Freunde. An dritter Stelle folgen die Kinder. Sie sind Geschenke, die wir aus Gottes Hand annehmen d\u00fcrfen. Ihre Erziehung und Pr\u00e4gung ist n\u00e4chst der Beziehung zum Ehepartner unsere vorrangige Aufgabe. Dann folgt der Beruf. Nach der reformatorischen Berufsethik und der Mandatenlehre Dietrich Bonhoeffers ist der Beruf der Ort, an dem unser t\u00e4glicher Gottesdienst geschieht und der uns in die Lage versetzt, f\u00fcr unser Auskommen und das Auskommen unserer Familie zu sorgen. Christen d\u00fcrfen ihren Beruf als Berufung verstehen. Erst nach diesen vier Hauptpriorit\u00e4ten folgen die \u00fcbrigen sozialen Verpflichtungen, vor allem die Eltern, die Gemeinde, die Freunde und Verwandten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig bei dieser Priorit\u00e4tenliste ist die Tatsache, dass die angegebene Reihenfolge nicht den Zeitfaktor, sondern den Wertfaktor widerspiegelt. In der Lebenswirklichkeit k\u00f6nnen diese beiden Faktoren durchaus auseinandertreten. Gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Ehe k\u00f6nnen dauerhafte Priorit\u00e4tsvertauschungen werden. Der Mann neigt dazu, seinen Beruf wichtiger als Frau und Kinder zu nehmen. Die Frau neigt dazu, ihre Kinder wichtiger als ihren Mann zu nehmen. Wo es zu solchen Vertauschungen kommt, m\u00fcssen sich die Ehepartner gegenseitig liebevoll korrigieren. Ebenfalls n\u00f6tig ist die innere Abl\u00f6sung von falschen Pr\u00e4gungen durch das eigene Elternhaus und die Freigabe der Kinder in deren Ehe (vgl. 1 Mose 2,24). Wer bereit ist, sich zu korrigieren und seinen Alltag immer wieder neu an den genannten Priorit\u00e4ten auszurichten, wird erleben, dass Gott ihn daf\u00fcr segnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hilfe lernen (1 Mose 2,18; Eph 5,22-24)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bestimmung der Frau zum Hilfesein ist ganz umfassend gemeint. Keineswegs geht es dabei nur um praktische Hilfe, so wichtig sie auch ist. Viel wichtiger ist die Hilfe der Frau bei der Pers\u00f6nlichkeitswerdung ihres Mannes. Er ist ja dazu berufen, ein \u201eHaupt\u201c im biblischen Sinn zu werden, also verantwortungsf\u00e4hig, liebevoll und f\u00fcrsorglich zu werden. Dazu soll sie ihm in erster Linie verhelfen. So gesehen, kann man hier durchaus von einer Lebensaufgabe sprechen, welche die Frau f\u00fcr ihren Mann \u00fcbernehmen soll. Wenn man den Begriff \u201eHilfe\u201c biblisch interpretiert, dann umfasst er Beistand in jeglicher Hinsicht, also vor allem Charakterschulung, Zuspruch, Ermahnung und Ermutigung, N\u00e4he, liebevolle Zuwendung. Hierzu braucht die Frau g\u00f6ttliche Weisheit, die sie sich nach Jak 1,5 erbitten darf. Ohne diese Weisheit verf\u00e4llt die Frau schnell einem oberfl\u00e4chlichen Verst\u00e4ndnis der Hilfe und meint, ihrem Mann schon dadurch zu helfen, dass sie ihm alle seine W\u00fcnsche erf\u00fcllt. Aber das ist hier ganz und gar nicht gemeint. Eher k\u00f6nnte man formulieren, dass die echte Hilfe dem Mann das gibt, was er braucht, und nicht das, was er will. Dass Gott die Frau dazu bestimmt, eine solche ganzheitliche Hilfe f\u00fcr ihren Mann zu sein, ist ein au\u00dferordentlicher Ehrentitel f\u00fcr die sie. Sie kann mit Fug und Recht von sich sagen, dass sie den Schl\u00fcssel zur Seele ihres Mannes ausgeh\u00e4ndigt bekommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich ist dieses Konzept Gottes auf die Zusammenarbeit von Mann und Frau angelegt. Einem Mann, der sich nicht von seiner Frau helfen l\u00e4sst, der zu stolz oder zu feige ist, zu seiner Frau zu gehen und sie um Rat und Hilfe zu bitten, kann auch die kl\u00fcgste Frau kaum helfen. Wer aber als Mann erkannt hat, dass er in Gestalt seiner Frau den besten Helfer \u00fcberhaupt zur Seite hat und sie gern um ihren Rat und Beistand bittet, der wird erfahren, dass ihm seine Frau kompetent hilft und dass sich hier eine wunderbare Idee Gottes erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Haupt sein lernen (1 Kor 11,3; Eph 5,25-30)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie die Frau lernen muss, eine ganzheitliche kompetente Hilfe f\u00fcr ihren Mann zu werden, so muss der Mann das Hauptsein lernen. Viele junge Ehem\u00e4nner sind in ihren Ehen \u00fcberfordert, wenn sie mit den vielen Entscheidungen und Aufgaben konfrontiert werden, die zur Verantwortung des Mannes geh\u00f6ren. Das liegt oft daran, dass sie selber verantwortungsunwillige oder verantwortungsunf\u00e4hige V\u00e4ter gehabt haben. Aber auch wer ein gutes Vaterbild hat, wird in der Ehe schnell an seine Grenzen sto\u00dfen. Paulus bringt das Problem in Eph 5,25 auf den Punkt: \u201eDie M\u00e4nner sollen ihre Frauen lieben so wie Christus die Gemeinde liebt und sich f\u00fcr sie dahingegeben hat\u201c. Der von Natur zum Egoismus neigende Mann soll bei Christus lernen, was hingebungsvolle Liebe ist. Nur wenn Christus durch den Heiligen Geist in ihm wohnt, hat er die Chance, seinen Egoismus zu durchbrechen und uneigenn\u00fctzig zu werden. In 1 Kor 11,3 erhalten die M\u00e4nner noch einen speziellen Hinweis zu ihrem Hauptsein. Gott der Vater ist das Haupt f\u00fcr Christus, d.h. er sorgt f\u00fcr ihn und umgibt ihn mit beispielloser Liebe. Diese liebende F\u00fcrsorge, die Christus bei seinem Vater erf\u00e4hrt, soll der Mann bei Christus wahrnehmen und lernen. Dann kann er seine Frau ebenfalls f\u00fcrsorglich und hingebungsvoll lieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Eph 5,28 bekommt der Mann noch eine weitere Hilfestellung f\u00fcr seinen Lernprozess. Er soll die liebevolle und unmittelbare F\u00fcrsorge des menschlichen Hauptes f\u00fcr den Leib studieren. Das Haupt f\u00fchrt dem Leib wie selbstverst\u00e4ndlich Atem, Nahrung, Ruhe, Erholung und Pflege zu, also rundum Gutes. Genauso eng, ja unzertrennlich ist er in Gottes Augen mit seiner Frau verbunden. Und genauso selbstverst\u00e4ndlich soll er ihr Gutes tun, in materieller, leiblicher, emotionaler, geistiger und geistlicher Hinsicht. Es ist klar, dass auch diese Bem\u00fchungen des Mannes um seine Frau keine Einbahnstra\u00dfe sein d\u00fcrfen. Wenn eine Frau auf die Liebesbeweise ihres Mannes nicht eingeht oder sie sogar nicht einmal wahrnimmt, wenn sie sich ihm entzieht und ihn in seinem Hauptsein nicht anerkennt, dann kommt dieses gute Konzept Gottes nicht zum Ziel. Noch problematischer ist es, wenn die Frau eine dominierende Rolle einnimmt und auf ihren Mann innerlich herabsieht. Dann hat er es sehr schwer, zu einem Haupt im biblischen Sinn heran zu wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie kam es zur Ideologie der Selbstbestimmung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie schon ausgef\u00fchrt, folgt unsere Gesellschaft weithin den Leitideen der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Man sollte wenigstens in Umrissen Bescheid wissen, wieso diese Ideologien so m\u00e4chtig geworden sind. Es greift zu kurz, wenn man unsere postmoderne Kultur nur auf den Neomarxismus bzw. auf der 68er Bewegung zur\u00fcckf\u00fchrt. Man muss weiter ausholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wurzeln des heute herrschenden selbstbezogenen Menschenbildes gehen bis in die Zeit des Humanismus zur\u00fcck. In dieser Epoche definierte sich der Mensch zum ersten Mal aus sich selbst heraus. Nicht mehr seine Gesch\u00f6pflichkeit und Abh\u00e4ngigkeit von Gott bestimmten das Menschenbild, sondern seine Sonderstellung in der Natur und seine seelischen und geistigen Kr\u00e4fte. Die biblische Beschreibung des Menschen, wonach er b\u00f6se von Jugend auf ist, wurde verlassen, und er wurde stattdessen als gut und zum Guten erziehbar angesehen. Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die Konkurrenz des humanistischen und des biblischen Menschenbilds lieferte die literarische Auseinandersetzung zwischen Erasmus und Luther um die Frage des freien Willens. Zweifellos hat in dieser Fehde Erasmus den Sieg davongetragen. Fortan bestimmte der Humanismus die europ\u00e4ische Geistesgeschichte. Eine weitere Etappe zur Postmodern war der Rationalismus. Ren\u00e9 Descartes erkl\u00e4rte, dass er keine Autorit\u00e4t au\u00dfer seiner eigenen Vernunft anerkennen k\u00f6nne. Was als Wahrheit gelten konnte, wurde fortan von der menschlichen Vernunft bestimmt. Immanuel Kant vollendete die Absolutsprechung der Vernunft. Die transzendente Wirklichkeit wurde von ihm zwar nicht grunds\u00e4tzlich bestritten, aber Gott verk\u00fcmmerte in seiner Philosophie zu einer blo\u00dfen Idee. Der lebendige dreieinige redende Gott der Bibel geriet aus dem Blick. Der Mensch der Aufkl\u00e4rung hatte ihn nicht mehr n\u00f6tig. Im 20. Jahrhundert trieb schlie\u00dflich der Neomarxismus die neuzeitliche Vernunftreligion zur Spitze. Nur was vor dem sog. kritischen Bewusstsein Bestand hat, hatte jetzt noch die Chance ernstgenommen zu werden. Alle Autorit\u00e4ten in Staat, Kirche und Kultur m\u00fcssen sich nun vor der Dauerkritik der neomarxistischen Vernunft rechtfertigen. Das kritische Denken des Einzelnen wird nun zum Lebensideal und \u2013ma\u00dfstab. Das ist der geistige Wurzelboden f\u00fcr die Ideologie der Selbstbestimmung. Sie ist verantwortlich f\u00fcr ein Menschenbild, das den Menschen nur noch als Individuum, nicht mehr als Gemeinschafts- und Beziehungswesen sieht. Wer diesem Menschenbild folgt, wird beziehungsarm, ungeborgen und ungl\u00fccklich. Weil er keine Autorit\u00e4t mehr \u00fcber sich anerkennt, verliert er auch die seelische und geistige Entwicklungsf\u00e4higkeit, denn ohne Leitbilder und ohne Vertrauen kann sich die Pers\u00f6nlichkeit nicht entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr alle, die den Menschen als Beziehungswesen verstehen, hei\u00dft es, sich von den Ideologien unserer Zeit freizumachen. Lebenssinn und Lebensgl\u00fcck finde ich als Mensch nur in gelingenden Beziehungen und nicht durch eine Durchsetzung meines Ich. Nur wer dieses biblische Menschenbild anerkennt, hat die Chance zu einer gelingenden Ehe nach den biblischen Leitlinien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Leben lang \u2013 mit Gottes Hilfe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anfang und Ende der Ehe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann die Ehe beginnt, ist eine Frage, die von Christen unterschiedlich beantwortet wird. Manche meinen, mit dem Intimverkehr, manche, mit dem pers\u00f6nlichen Eheversprechen, manche, vor dem Traualtar in der Kirche, und manche, vor dem Standesbeamten. Die Bibel gibt dar\u00fcber Auskunft. Sowohl im alttestamentlichen als auch im neutestamentlichen Kontext beginnt die Ehe mit dem \u00f6ffentlichen Ehegel\u00f6bnis der beiden Brautleute. Eine private Eheschlie\u00dfung war undenkbar. Aufbauend auf diesem Tatbestand kann man sagen, dass die Ehe mit dem gegenseitigen, \u00f6ffentlichen und lebenslangen Treueversprechen beginnt. Besser gesagt: damit treten die beiden in die Stiftung der Ehe ein. In unserer derzeitigen Kultur geschieht dieser Akt im Standesamt. Vorehelicher oder au\u00dferehelicher Intimverkehr ist biblisch gesehen Unzucht und geh\u00f6rt in die die Beichte und braucht den Vergebungszuspruch. Unzucht kann aber keine Ehe begr\u00fcnden. Beim pers\u00f6nlichen Jawort fehlt die \u00d6ffentlichkeit, die f\u00fcr jede g\u00fcltige Ehe konstitutiv ist, denn die Eheleute leben nicht allein, sondern in einer Gesellschaft, und sowohl die Gesellschaft als auch sie selbst haben ein Recht darauf, von der \u00d6ffentlichkeit als Ehepaar wahrgenommen und respektiert zu werden. Die kirchliche Trauung spricht den Ehesegen dem Paar pers\u00f6nlich zu und stellt die beiden unter die F\u00fcrbitte der Gemeinde. Aber der Ehesegen Gottes beginnt nicht erst bei der kirchlichen Trauung, sondern schon bei der standesamtlichen, denn dort treten die beiden in die Stiftung der Ehe ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genauso weit wie bei der Frage nach dem Ehebeginn gehen die Meinungen auch auseinander bei der Frage, wann die Ehe endet. Man h\u00f6rt da z.B. die Meinung, dass sie nie zu Ende geht, sondern im Himmel fortdauert. Andere sagen, dass Untreue bzw. Ehebruch eines Partners die Ehe beendet. Wieder andere denken, dass der Scheidungsrichter die Ehe beendet. Biblisch gesehen lautet die Antwort anders. Die Ehe endet mit dem Tod eines Ehepartners. Paulus sagt, erst wenn der Mann stirbt, ist die Frau frei (R\u00f6m 7,2; 1 Kor 7,39). Dass die Ehe im Himmel weitergeht, sagt das biblische Wort nicht, im Gegenteil, Jesus schlie\u00dft diese Vorstellung aus (Mt 22,29). Auch daf\u00fcr, dass Ehebruch die Ehe beendet, gibt es keinen Beleg. Ehebruch ist ein schwerwiegender Vertrauensbruch, aber er geh\u00f6rt wie jedes andere Vergehen in die Beichte und Vergebung. Vom grenzenlosen Vergebungsgebot Jesu ist keine S\u00fcnde ausgenommen (Mt 18,22). Auch der Scheidungsrichter vermag eine Ehe zwar vor Menschen, aber nicht vor Gott zu beenden. Was Gott \u201ezusammenklebt\u201c (so hei\u00dft es w\u00f6rtlich in 1 Mose 2,24), kann nicht durch menschliche Instanzen r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Deswegen erkl\u00e4rt es Jesus f\u00fcr Ehebruch, wenn ein geschiedener Mensch zu Lebzeiten seines geschiedenen Ehepartners erneut heiratet (Mt 5,32; 19,9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Anziehungskraft der Geschlechter (1 Mose 2,24a)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer die bekannte Stelle 1 Mose 2,24 studiert, wundert sich zun\u00e4chst \u00fcber das kleine Wort \u201eDarum\u201c. Doch ein Blick in den Zusammenhang gibt schnell die Antwort. Weil Gott dem Mann ein St\u00fcck von seinem Wesen weggenommen und daraus die Frau geformt hat, ist dem Mann eine tiefe Sehnsucht nach Erg\u00e4nzung seines Wesens einprogrammiert worden. Der ganze Vorgang zeugt von der Genialit\u00e4t des Sch\u00f6pfers. Gott hat eine Verbindung von Mann und Frau gesucht, die so stark ist, dass sie selbst unter dem Vorzeichen des S\u00fcndenfalls ein ganzes Leben halten kann und trotz aller S\u00fcndhaftigkeit der beiden Eheleute sie ein St\u00fcck Heimat, Treue und Geborgenheit erleben l\u00e4sst. Deswegen nimmt er die Frau aus dem Mann, macht ihn auf diese Weise hilfsbed\u00fcrftig und stellt ihm in der Frau eine Hilfe zur Seite. Damit hat er zwischen Mann und Frau eine unzerst\u00f6rbare Anziehungskraft begr\u00fcndet und auch unter den Bedingungen des S\u00fcndenfalls den Bestand der Ehe gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kulturen k\u00f6nnen durch Gesetzgebung und Verhalten die Ehe zwischen Mann und Frau untergraben, aber zerst\u00f6ren k\u00f6nnen sie die Ehe nicht. Sie wird Bestand haben, bis Christus wiederkommt, denn sie ist eine Stiftung Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Verlassen der Eltern und die Freigabe der Kinder (1 Mose 2,24b)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aussage in 1 Mose 2,24 nennt zwei Voraussetzungen f\u00fcr eine gelingende Ehe, das \u201eVerlassen\u201c und das \u201eAnhangen\u201c. Beide Begriffe m\u00fcssen in ihrer ganzen Aussagekraft und Tragweite verstanden werden. Beim \u201eVerlassen\u201c geht es um nichts Geringeres als um die Verwirklichung einer neuen Lebenspriorit\u00e4t. Nicht mehr die Eltern bilden die Hauptorientierung, sondern der Ehepartner. Aber es gilt noch viel mehr zu verlassen. Der erste Mann im Leben einer Frau ist der Vater, und die erste Frau im Leben eines Mannes ist die Mutter. Was wir f\u00fcr ein Ehebild, Vaterbild, Mutterbild, Mannsbild und Frauenbild in unserer Seele tragen, im Positiven und im Negativen, das ist wesentlich durch das Elternhaus bedingt. Was an alten Pr\u00e4gungen die Ehe und die Gemeinschaft mit dem Ehepartner gef\u00e4hrdet, das muss \u00fcberwunden werden. Der Ehepartner hat ein Recht darauf, nicht an Bildern gemessen zu werden, die ihn in einen bestimmten Rahmen zwingen. Nur wenn beide sich in ihrer Einmaligkeit entdecken, stehenlassen und lieben lernen, kann die Ehe gelingen. Jegliches Vergleichen des Ehepartners mit seinen Verwandten nimmt ihm ein St\u00fcck Freiheit, sich selbst zu entfalten, und muss deswegen vermieden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genauso wichtig ist die innere Freigabe der Kinder, insbesondere, wenn sie heiraten. Die Abnabelung, einer der H\u00f6hepunkte jeder Geburt, zeigt worauf es ankommt. Das Kind geh\u00f6rt nicht den Eltern. Sie m\u00fcssen es freigeben. Aber Christen wissen, dass sie ihr Kind nicht in ein Niemandsland oder in eine b\u00f6se Welt geben, sondern in die Arme Gottes und unter die F\u00fcrsorge eines guten Hirten. Sp\u00e4testens mit der Heirat des Kindes muss die Abnabelung vollzogen sein. Sp\u00e4testens an dieser Lebensnahtstelle muss es den Eltern klar sein, dass ihr Erziehungsrecht und ihre Erziehungspflicht nun aufh\u00f6ren. Jetzt besteht ihre Elternschaft in der sch\u00f6nen Pflicht der t\u00e4glichen F\u00fcrbitte und der Hilfsbereitschaft dort, wo sie gew\u00fcnscht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Zusammenf\u00fcgung von Mann und Frau (1 Mose 2,24c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im hebr\u00e4ischen Urtext hei\u00dft es an dieser Stelle, dass der Ehemann und die Ehefrau \u201ezusammengeklebt\u201c werden. Dieser drastische Ausdruck unterstreicht, dass Gott die Ehe als lebenslange Treuegemeinschaft will. Jesus best\u00e4tigt diese Tatsache mit seinem bekannten Wort \u201eWas Gott zusammengef\u00fcgt hat, soll der Mensch nicht scheiden\u201c (Mt 19,6). Paulus zieht daraus die Konsequenz des Scheidungsverbots f\u00fcr Christen (1 Kor 7,10f.). Es ergibt sich also aus dem alttestamentlichen und neutestamentlichen Befund, dass f\u00fcr Christen die Ehescheidung keine Option sein sollte. Wenn Christus sagt, dass er der Weg ist (Joh 14,6), dann hat er auch einen Weg in jeder Ehekrise. Der Weg kann versch\u00fcttet sein durch negative Erfahrungen und Resignation, aber trotzdem ist er da. Im Gebet, durch Seelsorge und Ermutigung durch andere Christen kann das Ger\u00f6ll wegger\u00e4umt werden, so dass ein neuer Anfang gelingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich w\u00e4re es zu kurz gegriffen, wenn man meinte, aufgrund des Angeklebtwerdens durch Gott w\u00e4re die Ehe ein f\u00fcr alle Mal gefestigt. Was Gott vormacht, sollen die Ehepartner nachahmen, und zwar durch t\u00e4gliche kleine und gr\u00f6\u00dfere Gesten und Worte, mit denen sie sich gegenseitig ihrer Liebe versichern. Hier muss besonders der Mann lernen, auf das Lebensgef\u00fchl seiner Frau R\u00fccksicht zu nehmen. W\u00e4hrend er wegen seiner eher an Grunds\u00e4tzen orientierten Lebensart nicht so sehr die Notwendigkeit t\u00e4glicher Liebesbeweise sieht, ist die Frau, die viel st\u00e4rker als er im Hier und Heute lebt, darauf angewiesen. Ihr n\u00fctzt es wenig, wenn er vor Wochen, Monaten oder Jahren erkl\u00e4rt hat, dass er sie liebt. Sie will es heute h\u00f6ren und sp\u00fcren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Einssein in der Ehe (1 Mose 2,24d)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Luther-\u00dcbersetzung besteht die Verheissung einer gelingenden Ehe darin, dass die beiden \u201eein Fleisch\u201c sind. Im Hebr\u00e4ischen ist hier die Einheit in der Verschiedenheit gemeint. Zwei Individuen, unterschiedlich im Geschlecht, in der Herkunft, in Bildung und Ausbildung, im Charakter, in punkto elterlicher Pr\u00e4gung, in Neigung und Erfahrung und Grund\u00fcberzeugungen werden eine Einheit. Und diese Einheit ist so stark, dass beide zunehmend erkennen, wie wertvoll und wichtig, ja wie \u201ema\u00dfgeschneidert\u201c der andere f\u00fcr sie ist, gerade in seiner Verschiedenheit. Diese Art von Einheit ist ein wahres Wunder und liegt tief im g\u00f6ttlichen Geheimnis der Ehe begr\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer in der Ehe totale Harmonie sucht, immerw\u00e4hrende \u00dcbereinstimmung, wird immer wieder entt\u00e4uscht werden. Gottes Ehe-Konzept ist nicht auf \u00fcbereinstimmenden Ansichten, sondern auf den Zusammenklang von Unterschieden aufgebaut. Die Ehe bleibt gerade durch die Unterschiede von Mann und Frau lebendig und reizvoll. Diese Unterschiede gilt es auszuhalten, und zwar nicht bissig oder resigniert, sondern aufgrund der Einsicht, dass Gott selber es so will. Wer beim Ehepartner nur das Echo seiner eigenen Meinung sucht, hat das geniale Konzept Gottes noch nicht verstanden. Die Sch\u00f6nheit der Ehe beginnt erst dort, wo die beiden Eheleute sich in ihren unterschiedlichen Begabungen, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen annehmen und gerade das als Reichtum und Herausforderung begreifen und Gottes Segen darin erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hinweis: Wer sich ausf\u00fchrlicher mit dem biblischen Ehebild besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, sei auf das Buch \u201eLieben und Helfen. Ein Eheseminar\u201c hingewiesen, das in 7. Auflage vorliegt und beim Verfasser f\u00fcr 12.00 Euro plus Versandkosten zu beziehen ist (jc-buchversand@web.de).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a01\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ehe \u2013 eine g\u00f6ttliche Stiftung und Wohltat \u00a01.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Wesen Gottes \u2013 Liebe und Dreieinigkeit Wer \u00fcber die Ehe nachdenkt, muss \u00fcber das Menschenbild nachdenken. 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