{"id":17666,"date":"2020-11-23T14:48:47","date_gmt":"2020-11-23T13:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17666"},"modified":"2020-11-23T14:56:37","modified_gmt":"2020-11-23T13:56:37","slug":"erzbischof-janis-vanags-predigt-zum-lettischen-nationalfeiertag-am-18-11-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17666","title":{"rendered":"Erzbischof Janis Vanags, Predigt zum lettischen Nationalfeiertag am 18.11.20"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Guten Morgen, Lettland!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesem Festgottesdienst beginnen wir die Feier des 102. Jahrestages der Gr\u00fcndung unseres lettischen Staates. In diesem Jahr m\u00f6chte ich uns allen dazu gratulieren, insbesondere zu der Tatsache, dass wir heute wie jedes Jahr den 18. November feiern k\u00f6nnen. Vielleicht haben Sie auf YouTube ein Video gesehen, in dem ein nettes M\u00e4dchen mit einer Tasse Kaffee aus dem Fenster schaut, w\u00e4hrend das sorglose Lied &#8222;Raindrops&#8220; (Regentropfen) erklingt. In der N\u00e4he steigt ein Atompilz auf. Ein au\u00dferirdisches Schiff taucht aus dem dunklen Wirbel am Himmel auf. Sie runzelt ein wenig die Stirn, l\u00e4chelt den Tyrannosaurus an, der hinter einem Baum lauert und freundlich einer Menge Zombies zuwinkt, die sich der Stra\u00dfe n\u00e4hern. Der Titel des Clips lautet \u201eEin normaler Tag 2020\u201c. Menschen, die l\u00e4cheln k\u00f6nnen, dr\u00fccken so ihre Gef\u00fchle \u00fcber das Unglaubliche, das geschieht, aus.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der freien Welt m\u00fcssen heutzutage Menschen um Erlaubnis bitten, ihre H\u00e4user zu verlassen, und B\u00fcrger werden verhaftet, weil sie spazieren oder zum Gottesdienst gegangen sind. In der Zitadelle des Kapitalismus brennen und pl\u00fcndern Menschen St\u00e4dte. In London wird das Churchill-Denkmal mutwillig besch\u00e4digt, und das soll ein Protest gegen den Faschismus sein. Selbst in unserem relativ friedlichen Lettland k\u00f6nnen Sie die Bank nur mit einer Maske im Gesicht betreten, und der Wachmann kann Sie verhaften, wenn Sie sie nicht haben. Sch\u00fcler sehnen sich nach der Schule! Wenn wir aus dem Fenster schauen, sehen wir wieder den Lockdown. Das alles wird ein Teil des Alltags, genau wie f\u00fcr dieses M\u00e4dchen der Dinosaurier und die Menge der Zombies beim Morgenkaffee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist gut, wenn wir manches mit einem L\u00e4cheln betrachten k\u00f6nnen, aber diejenigen, die lange anstehende Operationen auf unbestimmte Zeit verschoben bekommen haben oder die Angst haben, ihren Job oder ihr Unternehmen in den kommenden Monaten zu verlieren, m\u00f6chten wahrscheinlich nicht l\u00e4cheln. Fr\u00fcher haben wir Antoine de Saint-Exup\u00e9ry oft zitiert, dass der einzige wirkliche Reichtum die menschlichen Beziehungen sind, aber jetzt ersetzen wir sie durch soziale Distanzierung. Wie radikal und auf unbestimmte Zeit werden unsere Grundfreiheiten eingeschr\u00e4nkt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die schwierigste ist jedoch die bohrende Ungewissheit \u00fcber die Zukunft. Das Stoppen der \u00fcblichen Prozesse, das Schwanken vieler B\u00f6den f\u00fchrt zu Unwissenheit und Unsicherheit. Wie wird alles enden? Wird es \u00fcberhaupt enden? Deshalb ist es so sch\u00f6n, den 18. November wieder zu feiern! Zu machen, was wir immer gemacht haben. Ein sch\u00f6ner Moment der Stabilit\u00e4t. Das Leben geht weiter. Es ist so wichtig, die Freude \u00fcber sein Land und den Stolz \u00fcber sein Volk zu sp\u00fcren, welches das erk\u00e4mpft und gebaut hat! Wir k\u00f6nnen aus einer alten Schlussfolgerung lernen, zu der christliche Missionare gekommen sind: Sie k\u00f6nnen eine Kultur, die Sie hassen, nicht evangelisieren! Das ist nicht m\u00f6glich! Wir k\u00f6nnen das sogar an der Geschichte der baltischen Christianisierung sehen. Umgedreht k\u00f6nnen Sie das Land, das Sie verachten, nicht verbessern. Internet-Trolle versuchen in den Menschen die Verachtung gegen den lettischen Staat zu s\u00e4en &#8211; damit wir nie besser leben. Es macht keinen Sinn, mit denen zu diskutieren. Stattdessen lasst uns unser Land heute stolz feiern, denn wir wollen es behalten und den durch die Pandemie verursachten Schaden reparieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2020 waren alle vom belarussischen Volk \u00fcberrascht. Vielleicht betrachten wir ihren Mut mit \u00dcberraschung und Bewunderung. Aber lasst uns daran erinnern &#8211; einmal waren wir genauso! Wir haben an unseren Traum von einem freien Lettland geglaubt und wagten es, uns gegen die Panzerwagen zu stellen. Und wir erlebten uns emporgehoben und gl\u00fccklich. Vor 30 Jahren mussten wir das tun, was das belarussische Volk heute tut. Jetzt m\u00fcssen wir mit dem gleichen Mut den Weg ab 2020 nach vorn ebnen. Haben wir etwas Besseres zu tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verfassung der Republik Lettland besagt, dass der Staat Lettland auf der Grundlage des unver\u00e4nderlichen Staatswillens der lettischen Nation gegr\u00fcndet wurde. Was bedeutet \u201eStaatswille\u201c? Dies bedeutet sicherlich nicht einfach, ein unbeschwertes Leben in einem prosperierenden Land f\u00fchren zu wollen, und sicherlich nicht, nur an eigene W\u00fcnsche zu denken. Im realen Leben erfordert der Staatswillen vielmehr immer etwas zu opfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es erforderte am Anfang sogar, in den Krieg zu gehen und das Leben zu opfern. Heute bedeutet es eher, dass jeder nach Spitzenleistungen auf dem Gebiet strebt, wo er seinem Volk dienen kann. Das nennt man Exzellenz. Excellenz erfordert ebenfalls, etwas zu opfern &#8211; vor allem die jugendliche Sorglosigkeit und das blo\u00dfe Genie\u00dfen des Lebens, sondern stattdessen das zu tun, was einen Sinn hat. Erst danach kommen vielleicht die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine besser bezahlte Karriere im Ausland. Lettland braucht die Exzellenz seiner Menschen mehr, auch wenn es derzeit nicht in der Lage ist, daf\u00fcr zu bezahlen. Umso mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum m\u00f6chte ich heute \u00fcber Exzellenz sprechen? Der ehemalige Harvard-Professor f\u00fcr Wirtschaft und Geschichte David S. Landes hat ein Buch mit einem interessanten Titel geschrieben \u201eWohlstand und Armut der Nationen. Warum die einen reich und die anderen arm sind?\u201d Wahrscheinlich fragen sich viele von uns dasselbe. Warum ist zum Beispiel Japan, das keine nat\u00fcrlichen Ressourcen hat, so reich, aber einige gute andere L\u00e4nder sind erfolglos und arm, obwohl es reichlich nat\u00fcrliche Ressourcen gibt? Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen ist, dass die Schl\u00fcsselressource gegenseitiges Vertrauen ist. Wenn eine Nation in der Lage ist, eine Gesellschaft des gegenseitigen Vertrauens aufzubauen, wird sie erfolgreich und reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2020 brauchen unsere Menschen dringend Gelegenheiten, einander Vertrauen zu schenken. Das steht in direktem Zusammenhang mit Spitzenleistungen. Unsere \u00c4rzte zeigen in der Krise hervorragende Leistungen. Wir wissen, dass wir uns auf sie verlassen k\u00f6nnen, und das ist ein gro\u00dfer Trost. Deshalb ehren und danken wir ihnen am meisten. Neben \u00c4rzten gibt es Apotheker, Sozialarbeiter, Geistliche, Supermarktverk\u00e4ufer und Fahrer, die das Notwendige liefern oder \u00f6ffentliche Verkehrsmittel fahren, und viele andere, die weniger h\u00e4ufig erw\u00e4hnt werden, f\u00fcr die wir aber auch dankbar sind. Denn solange wir ihnen vertrauen k\u00f6nnen, leben wir friedlicher. Selbst wenn wir ein Kind in den Kindergarten bringen, m\u00fcssen wir wissen, dass dort alles in Ordnung sein wird. Die Exzellenz der P\u00e4dagogen ist unser Seelenfrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist also mit den Leitern des Landes, besonders in dieser Zeit der globalen Krise? Wie unsch\u00e4tzbar wichtig ist es, ihnen vertrauen zu k\u00f6nnen! Und welches Ma\u00df an Exzellenz und Kompetenz ist erforderlich, um dieses Vertrauen aufzubauen! W\u00e4hrend der Plagen haben die livl\u00e4ndischen Leiter zum Fasten und zum Bu\u00df- und Bettag aufgerufen! Wie tief muss man erkunden, um das Wesentliche dessen zu beurteilen, was f\u00fcr den Staat gut sein wird!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Entscheidung \u00fcber Beschr\u00e4nkungen zur Bek\u00e4mpfung der Krankheit entscheiden die Staatsoberh\u00e4upter auf die eine oder andere Weise \u00fcber das Leben und den Schicksal der Menschen. Lockerere Regeln k\u00f6nnen f\u00fcr \u00e4ltere Menschen besonders gef\u00e4hrlich sein und sie ihrer letzten Lebensjahre berauben. Zu strenge Beschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen Unternehmen zerst\u00f6ren, Menschen ihren Lebensunterhalt rauben und bei jungen und aktiven Menschen zu Depressionen, Alkoholkonsum und sogar Selbstmord f\u00fchren. Wer kann verlorene Lebensjahre und unerf\u00fcllte Tr\u00e4ume z\u00e4hlen und vergleichen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Weltwirtschaftsforum spricht \u00fcber den &#8222;Gro\u00dfen Neustart&#8220;. Man sagt dort: Globale Probleme, ob Covid oder Klima, brauchen eine globale L\u00f6sung. Die nationalen Regierungen sind dazu nicht in der Lage, daher m\u00fcssen die Entscheidungen den supranationalen Gremien \u00fcberlassen werden. Dieses Argument ist verst\u00e4ndlich &#8211; aber das Lesen der Materialien dieser globalen Aktivisten wirft erneut die Frage des Vertrauens auf. Wird dieser sog. gro\u00dfe Neustart nicht wie die Geschichte von Joseph ausgehen, der die \u00c4gypter zu seinen Sklaven machte, um die Hungerkrise zu \u00fcberwinden? Wie kann ein gew\u00f6hnlicher Mensch da durchblicken? Es macht keinen Sinn, jemand daf\u00fcr zu kritisieren, dass er an Verschw\u00f6rungstheorien glaubt. Vielmehr sollte man an den unsch\u00e4tzbaren Wert denken, wenn man den F\u00fchrungskr\u00e4ften und ihrer Exzellenz vertrauen kann. Alles h\u00e4ngt von diesem Vertrauen ab &#8211; bis hin zur Bereitschaft zur Solidarit\u00e4t &#8211; dem Anlegen einer Maske an einem \u00f6ffentlichen Ort und der Begrenzung der Anzahl der Gottesdienstbesucher in der Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Krisensituation wirft Licht auf das, was es bedeutet, \u201cin die Politik zu gehen\u201d. M\u00f6ge Gott uns gn\u00e4dig davor beh\u00fcten, dass jemand in die Politik geht, als ob da eine Anzeige im Fenster des Parlaments oder Rathauses w\u00e4re: \u201eHier gibt es Arbeit\u201c. In die Politik zu gehen bedeutet zu sagen: \u201eIch habe die Kompetenz und Exzellenz, um zu entscheiden und Verantwortung f\u00fcr das Leben und den Schicksal der Menschen zu \u00fcbernehmen.\u201d Auch die W\u00e4hler m\u00fcssen sich dessen bewusst sein: Durch die Abstimmung geben wir unser Leben und unsere Zukunft zumindest teilweise in die H\u00e4nde unserer Kandidaten. Vielleicht ist es das, was die j\u00fcngere Generation am meisten verstehen muss, damit sie ihre prime-time nutzt, um nach Spitzenleistungen zu streben, die es ihnen erm\u00f6glichen, diejenigen zu sein, die zur richtigen Zeit Verantwortung \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Exzellenz und Professionalit\u00e4t helfen nicht, wenn man einer Person nicht vertrauen kann. Wer wei\u00df, wie schwierig es ist, Vertrauen zu gewinnen und wie leicht, es zu verlieren, der begreift, wie schnell Vertrauen in seinem Berufsumfeld oder in seiner Familie zerst\u00f6rt werden kann &#8211; sei es durch einen Scherz, einen bewussten Schritt oder einen Ausrutscher. Um so etwas zu vermeiden, ist es n\u00fctzlich, sich an einige Dinge zu erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Luther erkl\u00e4rt das 4. Gebot und lehrt \u00fcber die politischen Herrscher, dass sie f\u00fcr ihre Staatsangeh\u00f6rigen wie Eltern sind. Und ich denke, gute Eltern wissen aus Lebenserfahrung, dass Vater und Mutter nur so gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen wie ihr ungl\u00fccklichstes Kind. Es ist eine gute Formel f\u00fcr das Gl\u00fcck, mit der man in die Politik gehen m\u00fcsste &#8211; nach eigenem Gl\u00fcck zu streben, indem man sich f\u00fcr das Gl\u00fcck seiner ungl\u00fccklichsten Kinder sorgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Erinnerung besteht darin, meine Handlungen und Entscheidungen danach zu bewerten, wie ich mich f\u00fchle, wenn ich mit ihnen vor Gott stehe. Wenn wir frei beten k\u00f6nnen, w\u00e4hrend wir vielleicht entlang der K\u00fcste gehen, ist dies ein gutes Zeichen. Aber wenn man beim Planen oder Tun Gott den R\u00fccken zudreht und sich vor ihm verstecken m\u00f6chte, dann sollte man am besten sofort eine solche Absicht aufgeben und eine solche Handlung stoppen. Aber daf\u00fcr braucht man ein Herz, das Gott kennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen fragen mich von Zeit zu Zeit &#8211; was ist in der Welt nur los? Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser: \u201eDenn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu k\u00e4mpfen sondern \u2026 mit den b\u00f6sen Geistern unter dem Himmel.\u201c Es scheint mir, dass dies im Einklang mit Carl Gustav Jungs Idee steht, dass nicht Menschen Ideen haben, sondern Ideen die Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 20. Jahrhundert faszinierten die Ideen des Marxismus und des Nationalsozialismus ganze V\u00f6lker und versetzten sie in einen fanatischem Glauben. Es waren nicht die Menschen, die mit den Ideen arbeiteten, sondern es waren die Ideen, die die Menschen trieben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Quelle dieser Ideen ein Signal des transzendentalen B\u00f6sen war, das von verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeiten weiter gefunkt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solcher \u201eFunkturm\u201c war Karl Marx. Zwei seiner Ideen betreffen uns heute besonders. Erstens die Tatsache, dass die Welt ein Schlachtfeld zwischen Unterdr\u00fcckten und Unterdr\u00fcckern ist. Zweitens seine Lehre \u00fcber Basis und \u00dcberbau. F\u00fcr Marx war die Basis die wirtschaftlichen Beziehungen. Der \u00dcberbau ist Kultur, Religion, Traditionen und Normen. All das wurde im Interesse der Unterdr\u00fccker geschaffen, um die Basis zu sch\u00fctzen und zu st\u00e4rken. Daher war es die Pflicht des marxistischen Intellektuellen, alles vom \u00dcberbau niederzurei\u00dfen und zu revolutionieren, um zur Basis zu gelangen. Manchmal habe ich mich gefragt, warum die \u00c4nderungen der Sittlichkeit so heftigen Widerstand im Parlament und auch danach hervorgerufen haben ? Vielleicht, weil sie wie ein Versuch erscheinen, die erhabene Arbeit des Abrisses der \u00dcberbau zur\u00fcckzudrehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste Turm ist Friedrich Nietzsche, der diesen Abriss bereits in ber\u00fchmten Worten formuliert hat: \u201eGott ist tot! \u2026 Und wir haben ihn get\u00f6tet! \u2026 Mit welchem Wasser k\u00f6nnten wir uns reinigen?\u201c Er sagt dies nicht im Triumph, und er spricht auch nicht vom Blut Gottes, sondern prophetisch von unserem Blut, das sp\u00e4ter die Ideologien des 20. Jahrhunderts wirklich vergossen haben. Nietzsche erkannte deutlich, dass die Gesellschaft durch den Verzicht auf das Christentum weder die universellen Werte noch die Moral, die sich aus dem Glauben an Gott ergeben, behalten kann. Was bleibt \u00fcbrig? Die Meinungen bleiben &#8211; meine, deine, jedermanns eigene. Die Welt ist ein Meinungskonflikt und die Aufgabe des Protagonisten ist es, seine Meinung, seinen Willen, seine eigenen Werte in den Vordergrund zu r\u00fccken. Wille jenseits der Vernunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint mir, dass die Leidenschaft, Gott zu t\u00f6ten, in unserem Bildungssystem offensichtlich geworden ist. Die M\u00f6glichkeit, den Religionsunterricht zu lehren, verschwindet, und manchmal gibt es das Gef\u00fchl, dass viele applaudieren w\u00fcrden, wenn Kinder aus christlichen Familien ihren Glauben im Schulprozess verlieren k\u00f6nnten. Es besteht wahrscheinlich die Hoffnung, dass sie dann zu aufgekl\u00e4rten Menschen der Zukunft werden. Nietzsche dachte anders. Er sah den Nihilismus voraus, und er erlebte ihn ganz pers\u00f6nlich. Der Glaube an nichts. Wenn das Glaubensboot des Menschen versenkt wird und er in ein anderes Boot gezogen wird, macht er die Erfahrung, dass Boote versenkt werden k\u00f6nnen. Nicht nur das vorherige, sondern jedes Boot. Auch das, in dem er jetzt ist. Ohne universelle Werte ist jedes Glaubenssystem zerst\u00f6rbar. Keines ist vertrauensw\u00fcrdig. Nietzsche sagte es voraus, dass die Menschen aufh\u00f6ren w\u00fcrden, an Sinn zu glauben und das Leben aufgeben w\u00fcrden. Junge Menschen sind heute oft von einem solchen vorzeitigem Zynismus betroffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Ergebnis ist der Sprung in radikale Ideologien, die zu extrem intensiven Zusammenst\u00f6\u00dfen f\u00fchren. Das letzte Jahrhundert erlebte zwei Weltkriege. Aber auch 2020 fragen sich die Menschen: Woher kommen heute die Menschenmengen, die St\u00e4dte verbrennen und Denkm\u00e4ler zerst\u00f6ren? Das sind die Passagiere von versenkten Booten, Leute, die den \u00dcberbau abrei\u00dfen wollen, um die Basis zu revolutionieren &#8211; was auch immer sie damit meinen. Der Wille hat Vorrang vor der Vernunft. Und wie im Marxismus \u00fcblich, ist die Gewalt keine unerw\u00fcnschte Nebenwirkung, sondern eine Methode, um das Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste wichtige Funkturm ist Jean-Paul Sartre. Er wird der Begr\u00fcnder des Existentialismus genannt. Das erwies sich als \u00e4u\u00dferst einflussreiche Lehre. Die Grundidee kann in vier Worten gesagt werden: \u201eExistenz ist vor dem Wesen\u201c. Unter \u201eWesen\u201c kann man so etwas wie den Marxschen \u00dcberbau verstehen. Ein Mensch wird in einer Familie und Gesellschaft geboren, in der es einige Werte, Ideale und Traditionen gibt. Er ist in einem Land geboren, das bereits seine eigene Ordnung und Gesetze hat. Ein Individuum wird zu einer Pers\u00f6nlichkeit, indem es dieses vorgegebene Wesen in sein Leben einbezieht, in es hineinw\u00e4chst und sich daran anpasst. Im Gegensatz dazu lehrt der Existentialismus, dass meine Existenz, meine Individualit\u00e4t und meine Freiheit an erster Stelle steht. Darauf basierend kann ich bestimmen, wer ich sein werde und wie ich leben werde. Ich selbst werde mir mein eigenes Wesen erschaffen. Viele junge Leute haben heute diese Position &#8211; belehrt mich nicht! Ich werde wissen, wer ich bin und wie ich leben soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben Sie den besten Film von 2018 \u201eShape of Water\u201c (Die Form des Wassers) gesehen? Ein sch\u00f6nes M\u00e4rchen \u00fcber eine stumme Frau, die wie ein Protagonist Nietzsches ihre eigene Stimme gegen\u00fcber der Welt um sie herum bekommt und sich in eine amphibische Kreatur verliebt, mit der sie unter Wasser zu leben beginnt. Egal, ob es eine gute und korrekte Stimme ist, im Einklang mit h\u00f6heren Werten. Hauptsache, dass es ihre eigene ist! Am bedeutendsten ist jedoch der Titel des Films \u2013 doch welche Form hat denn das Wasser? Es kann in ein Glas gegossen, in einem W\u00fcrfel eingefroren, in einer Wolke verdampft oder in einen Brunnen gespr\u00fcht werden. Es kann jede Form annehmen, wie im Existentialismus. Egal, ob Mensch oder irgendetwas anderes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scheint es mir nur so, als h\u00e4tte ich gerade auf der Pressekonferenz unseres Verfassungsgerichts eine \u00e4hnliche Idee geh\u00f6rt? Da gab es den Satz: \u201eFamilie kann verschieden sein\u201c. Was soll damit gemeint sein, und was ist die Grundlage f\u00fcr eine solche Aussage? Klang es nicht so, dass der Begriff der Familie wie Wasser in ein Glas gegossen, in die Luft gespritzt oder in jeder beliebigen Form gebracht werden kann? Wenn man Sartre konsequent anwendet, warum soll nicht eine Frau und eine amphibische Kreatur unter Wasser ebenfalls eine Familie sein k\u00f6nnen? Aber glauben wir das wirklich oder rei\u00dfen wir einfach nur weiter unseren \u00dcberbau nieder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor zehn Jahren h\u00f6rte ich einen Witz \u00fcber ein kleines M\u00e4dchen, das fragte: \u201eMama, kann ich wirklich werden, was ich will, wenn ich wirklich will?\u201c \u201eJa, T\u00f6chterchen\u201c erwidert die Mutter. Und das M\u00e4dchen sagt gl\u00fccklich: \u201eDann werde ich ein Pferd sein!\u201c Es war damals, aber jetzt ist es kein Scherz mehr. Wenn sich eine Person als Pferd oder etwas anderes identifiziert, muss jeder zustimmen und die Gesetze entsprechend angepasst werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich Michel Foucault, der wie Marx die Welt als Schlachtfeld zwischen Unterdr\u00fcckten und Unterdr\u00fcckern betrachtet. Aber die Arbeiterklasse im Kapitalismus hatte begonnen, so gut zu leben, dass sie nicht zur Weltrevolution erschien. Stattdessen wird alle Hoffnung auf Identit\u00e4tsgruppen bzw. Minderheiten gesetzt. Foucault erkannte die Sprache als das subtilste Werkzeug der Unterdr\u00fcckung an. Seiner Ansicht nach hat die herrschende Mehrheit eine Ausdrucksform entwickelt, die ihre Dominanz st\u00fctzt und Minderheiten unterdr\u00fcckt. Eine solche Sprache muss nach seiner Meinung abgerissen, dekonstruiert werden. Entsprechend den Vorstellungen Foucaults stehen wir heute vor den Forderungen nach politischer Korrektheit in der Sprache, nach polizeilicher \u00dcberwachung der Sprache und in einem Kampf gegen die Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt auch bei Jacques Derrida die Idee, dass die Bedeutung von W\u00f6rtern nicht in der realen Welt gefunden werden kann, sondern nur im W\u00f6rterbuch. Der eigentliche Kampf geht um das Recht, ein W\u00f6rterbuch zu schreiben und bestimmten W\u00f6rtern und Begriffen eine andere Bedeutung zu geben und damit bestimmte Beziehungen, bestimmte Rechte und Realit\u00e4ten in unserem Leben zu ver\u00e4ndern. So stellt sich pl\u00f6tzlich heraus, dass wir nichts mehr klar \u00fcber Dinge wissen, die uns seit langem bekannt waren, wie Mann und Frau, Vater und Mutter, Ehe und Familie. Aber alles ist pl\u00f6tzlich klar \u00fcber Dinge, die wir bis vor kurzem nicht einmal benennen konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, mir scheint, dass ich hier sehr lange \u00fcber philosophische Ideen spreche und es vielleicht schwierig ist, den Zusammenhang mit unserem Land und diesem Tag zu erkennen. Verzeiht mir, bitte, wenn das so ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Menschen fragen mich von Zeit zu Zeit: was ist mit der Welt los? Es scheint mir, dass man durch das Verstehen der Ideen dieser f\u00fcnf Denker ziemlich gut verstehen kann, was gerade in der Welt geschieht. Ideen haben Folgen. Sie besch\u00e4ftigen Menschen nicht nur irgendwo im Westen, sondern auch in Lettland. Ideen setzen sich in den Gesetzen fest und beeinflussen unser Leben. Es ist n\u00fctzlich, dar\u00fcber nachzudenken und dar\u00fcber zu sprechen. Kann man diesen Ideen vertrauen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die oben genannten m\u00f6gen sympathisch erscheinen, zugunsten der Ausgegrenzten und Unterdr\u00fcckten. Sie k\u00f6nnen anziehend sein, weil sie progressiv wirken und die Individualit\u00e4t und Freiheit einer Person hervorheben. Aber es ist wichtig, dass sie alle in einer Ideologie verwurzelt sind, die unser Volk durch sein Blut kennengelernt hat. Die behauptete von sich, die verteidige die Unterdr\u00fcckten. Aber wo immer diese Ideologie im Leben realisiert wurde, verfolgte sie anders Denkende, beschr\u00e4nkte die Menschenrechte und Freiheiten, f\u00fchrte Zensur ein, brachte Armut und lie\u00df Hunderte Millionen Ermordete zur\u00fcck. Es scheint unwahrscheinlich, dass so etwas heute passieren k\u00f6nnte, aber schauen wir uns genau an, was mit der westlichen Zivilisation 2020 passiert, und erinnern uns an Solschenizyns Worte, dass die Ideen Zeit brauchen, um ihre wahre Natur zu zeigen. Wie k\u00f6nnen wir dagegen wehren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren wurde das \u201ekritische Denken\u201c als Zauberformel und universelles Werkzeug besungen. Es ist wie in einem Kult, und man meint, es wird Frieden geben und das goldene Zeitalter beginnen, wenn nur jeder das kritische Denken erlernt. Kritisches Denken ist nat\u00fcrlich sehr wertvoll, um die Wahrheit von den falschen Nachrichten zu unterscheiden. Es ist aber kein Allheilmittel. Indem wir die \u00dcberzeugung vermitteln, dass kritisches Denken alles umfasst und ohne Transzendenz auskommt, machen wir den Menschen anf\u00e4llig f\u00fcr die destruktiven Zweifel, die nach Nietzsches Worten jeden Zweig, auf dem er sitzt, abschneiden k\u00f6nnen. Der kritische Teil unserer Vernunft ist in der Lage, selbst das Tiefste und Wahrste, was wir tun, in Frage zu stellen. Wenn uns beigebracht wird, an die Zweifel zu glauben, weil sie rational sind, k\u00f6nnen sie alle Grundlagen des Lebens in Frage stellen. Die Zweifel werden uns nicht vor Nihilismus oder totalit\u00e4ren Ideologien retten, sondern zu ihnen hinf\u00fchren. Dostojewski hat bereits geschrieben, dass andere Antworten erforderlich sind, wenn der rationale Verstand nicht mit der Absurdit\u00e4t des Lebens fertig wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Existentialismus mit seinen Wurzeln bei fr\u00fcheren Denkern und in seiner Fortsetzung im modernen Neomarxismus ist eher ein sehr langweiliges System. Alles, was \u00fcbrig bleibt, ist der langweilige Raum meines Ego, wenn man die \u00fcberzeugende Kraft gro\u00dfer, objektiver Werte wegnimmt. Es bleibt eine winzige, kleine Welt, in der alles von mir bestimmt wird. Dort sind nur meine Ideen, meine Ziele. Das Theo-Drama oder das Drama Gottes, in dem mich diese Welt gro\u00dfer, objektiver Werte zu sich zieht, ist viel faszinierender als ein solches Ego-Drama. Und dahinter steht die Welt der h\u00f6chsten Wahrheiten und Werte Gottes. Das Theo-Drama auf unterdr\u00fcckt meine Freiheit nicht. Es weckt mich, es ruft mich und erhebt mich in meine wahre Freiheit. Es ist wundersch\u00f6n und aufregend!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Buch der Bibel erz\u00e4hlt die Geschichte von Noahs Trunkenheit. Man k\u00f6nnte denken, warum so eine nutzlose Geschichte? Sie ist aber nicht nutzlos, sondern sehr tief. Noah hatte mit seinem Leben Gottes Gunst erlangt. Er baute eine Arche und rettete das Leben aller vor der Zerst\u00f6rung. Aber er war nicht perfekt. Einmal wurde er betrunken und schlief nackt. Der j\u00fcngste Sohn, der alles gute Leben und alle Verdienste Noahs und seine eigene Errettung vergessen hatte, sah nur diesen einen Stolperstein, verachtete seinen Vater und erz\u00e4hlte anderen davon. Die leichtfertige Verachtung der Ehre des Vaters , des Geistes des Vaters, machte ihn aus einem Sohn zu einem Sklaven.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bei Noah geschieht es heute mit der traditionellen christlichen Kultur und den Werten Europas und des Westens, die vom j\u00fcngsten Sohn verachtet werden. Sie wird auf verschiedene Weise verachtet und beschuldigt, und ihre historischen Denkm\u00e4ler werden zerst\u00f6rt. Alle Aufmerksamkeit wird dem Stolpern und den Fehlern gewidmet, wobei vergessen wird, der christlichen Kultur zu danken, dass sie uns durch alle Fluten gef\u00fchrt und uns zu den gr\u00f6\u00dften Errungenschaften der Zivilisation gef\u00fchrt hat. Wir sehen an Noahs Geschichte, dass die Aussichten mit einer solchen Einstellung nicht gut sind. Man kann nicht genau vorhersagen, wie, aber aus einem Sohn wird ein Sklave. Aber Gott hat uns in die Freiheit gerufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten innehalten und dar\u00fcber nachdenken, wo wir, unsere Nation und unser Land, inmitten der Weltereignisse stehen. Was ist unser Weg, unsere Berufung und unsere eigener \u201egro\u00dfer Neustart\u201c? Wie k\u00f6nnen wir Gottes Traum sowohl f\u00fcr Lettland als auch f\u00fcr unser eigenes Leben erf\u00fcllen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2020 hat unerwartete Schocks und Herausforderungen gebracht. Nicht dass wir es wollten oder uns danach sehnten, aber wir haben eine ungew\u00f6hnliche Zeit bekommen, in der wir eine gro\u00dfe, einheitliche Idee brauchen, die f\u00fcr gemeinsames und ethisches Handeln mobilisiert. Die Krise kann be\u00e4ngstigend und deprimierend sein, aber gerade dann ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir in der Lage sind, zu \u00fcberleben und zu gewinnen. Gott schuf uns als Wesen mit Bewusstsein und zwei Gehirnh\u00e4lften. Wenn die Dinge wie gewohnt laufen und wir die \u00fcblichen Dinge tun &#8211; Kaffee kochen oder Fahrrad fahren &#8211; tun wir dies automatisch und unbewusst. Uns wird das Bewusstsein gegeben, dem Ungew\u00f6hnlichen und dem Unbekannten zu begegnen. Mit der linken Gehirnh\u00e4lfte arbeiten wir in Bereichen, wo alles untersucht und bekannt ist. Die rechte H\u00e4lfte schaltet sich ein, wenn wir dem Neuen und dem Unbekannten begegnen. Wenn das Unerwartete \u00fcber uns hereinbricht, wenn es so wie 2020 kommt, ist es wichtig zu wissen, dass wir die Ressourcen haben, um uns dem zu stellen. Gott hat uns so geschaffen, dass wir \u00fcberleben und gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSo stehet nun, umg\u00fcrtet an euren Lenden mit Wahrheit und angezogen mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr ausl\u00f6schen k\u00f6nnt alle feurigen Pfeile des B\u00f6sewichtes; und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Und betet stets in allen Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen f\u00fcr alle Heiligen\u201c. (Eph 6:14-18)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus sagte im Johannesevangelium: \u201eEuer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben w\u00fcrdest, du w\u00fcrdest die Herrlichkeit Gottes sehen?\u201c<\/p>\n<p><em>Erzbischof Janis Vanags, Predigt im Rigaer Dom am 18. November 2020<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00dcbersetzung Pfr. Andris Kraulins<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guten Morgen, Lettland! Mit diesem Festgottesdienst beginnen wir die Feier des 102. Jahrestages der Gr\u00fcndung unseres lettischen Staates. In diesem Jahr m\u00f6chte ich uns allen dazu gratulieren, insbesondere zu der Tatsache, dass wir heute wie jedes Jahr den 18. November feiern k\u00f6nnen. 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