{"id":17629,"date":"2020-11-05T18:20:15","date_gmt":"2020-11-05T17:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17629"},"modified":"2020-11-05T18:22:44","modified_gmt":"2020-11-05T17:22:44","slug":"corona-zweite-welle-aufruf-zum-umdenken-in-ernster-lage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17629","title":{"rendered":"Corona Zweite Welle: Aufruf zum Umdenken in ernster Lage"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wir stehen am Anfang des zweiten Corona-Lockdowns in Deutschland \u2013 eines Lockdowns, von dem es monatelang vollmundig gehei\u00dfen hatte, dass es ihn aber auch ganz bestimmt nicht geben w\u00fcrde. Eines Lockdowns zudem, der gezielt die Gastronomie bis hinunter zum Steh- oder Sitzcaf\u00e9 beim B\u00e4cker an der Ecke trifft sowie private Treffs aus mehr als soundsoviel Personen und Haushalten. Mit anderen Worten: Der Lockdown schr\u00e4nkt die M\u00f6glichkeiten zur Kommunikation des normalen B\u00fcrgers empfindlich ein. Ich wei\u00df genau, wovon ich rede, denn mein Wissen z.B., dass in zahlreichen F\u00e4llen auf Totenscheinen \u00e4lterer Verstorbener als Todesursache \u201eCorona\u201c stehen MUSSTE, habe ich nicht aus der Tageszeitung, vom Robert-Koch-Institut oder von der Kanzlerin erhalten, sondern in spontanen Gespr\u00e4chen in besagten B\u00e4ckercaf\u00e9s und bei privaten Treffs. Die M\u00f6glichkeit zu solchen Gespr\u00e4chen wird jetzt vier Wochen lang (wirklich nur vier Wochen?) empfindlich reduziert.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es gibt auch \u2013 klar, bald ist ja Weihnachten \u2013 frohe Botschaften. Die AKREF-Nachrichten der Deutschen Evangelischen Allianz vom 29.10.2020 vermelden, dass laut Kanzlerin Merkel Gottesdienste weiterhin erlaubt sein sollen, denn da ja auch die Gesch\u00e4fte weiter \u00f6ffnen d\u00fcrfen, \u201eschien es uns nicht angemessen, Gottesdienste zu verbieten\u201c \u2013 eine Formulierung, die man einmal langsam und mit voll eingeschaltetem Gehirn lesen sollte. Es schien der Kanzlerin und ihren Mitstreitern also \u201enicht angemessen\u201c, Gottesdienste zu verbieten. Laut Artikel 4 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland <em>d\u00fcrfen<\/em> Gottesdienste gar nicht verboten werden, denn volle Glaubens- und Gewissensfreiheit sind garantiert, und \u201edie ungest\u00f6rte Religionsaus\u00fcbung wird gew\u00e4hrleistet.\u201c Aber gut, das Grundgesetz ist durch die Corona-Ma\u00dfnahmen eh schon teilweise ausgehebelt. Da ist es hilfreich, wenn auch nicht beruhigend, zu wissen, dass es in unserer Republik eines Tages also doch \u201eangemessen\u201c sein k\u00f6nnte, Gottesdienste zu \u201everbieten\u201c, selbstverst\u00e4ndlich nur zum Besten des unm\u00fcndig gemachten B\u00fcrgers. F\u00fcr <em>dieses Mal<\/em> war es halt noch nicht angemessen. Wir haben verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer mehr B\u00fcrger, aber auch Christen f\u00fchlen sich, ungeschminkt ausgedr\u00fcckt, bedroht. Sie ahnen, dass in Deutschland, aber auch anderswo ein politischer Systemwandel vor sich geht, dessen Resultat f\u00fcr den Normalb\u00fcrger nichts Gutes sein wird. Und speziell Christen registrieren verst\u00f6rt, dass, nachdem Karfreitag und Ostern bereits mehr oder weniger ausgefallen sind, jetzt auch Weihnachten an der Reihe sein k\u00f6nnte, dass eine geordnete Kinderarbeit in vielen Gemeinden nicht mehr m\u00f6glich ist und dass es nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, ob man im n\u00e4chsten Gottesdienst singen oder auch nur beim Vaterunser mitbeten darf. Was, du hast deine Maske vergessen? Was, ihr seid nicht angemeldet? Pech gehabt. Christen fragen sich \u2013 mit vollem Recht \u2013, was das denn noch mit Gemeinde, wie sie im Neuen Testament angedacht ist, zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und sie erwarten Stellungnahmen, Antworten, Wegweisungen von den Leitern der Kirchen und Gemeinden. Wobei es, wenn man die F\u00fclle der Fragen und Probleme b\u00fcndelt, insbesondere drei gro\u00dfe Themen sind, bei denen sie gerne Antworten h\u00e4tten: 1. Was hat Corona mit Gott zu tun? Ist das Ganze wom\u00f6glich ein Gericht Gottes? \u2013 2. Wie halten Christen es in dieser Situation mit der Obrigkeit und ihren \u201eMa\u00dfnahmen\u201c? Muss man als Christ alles mitmachen oder hat man ein Widerstandsrecht oder ist das vielleicht komplizierter? \u2013 3. Was ist denn, von Gott her gesehen, im Augenblick der Auftrag der Kirchen und Gemeinden? Wie sollen sie auf die Lage reagieren, was f\u00fcr Weichenstellungen w\u00e4ren jetzt wichtig?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein kl\u00e4rendes Wort aus der Chefetage?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor dem zweiten Lockdown gab es in der Ausgabe Nr. 43 (21.\u00a0Oktober) der renommierten evangelikalen Zeitschrift \u201eidea Spektrum\u201c auf der Seite 3 eine Neugier und Hoffnung weckende \u00dcberschrift: \u201eWie gehen wir Christen mit Corona um?\u201c Es war ein Gastkommentar von Ekkehart Vetter \u2013 nicht irgendjemand, sondern Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland. Ich begann die Lekt\u00fcre mit Spannung \u2013 und war zum Schluss gr\u00fcndlich desillusioniert. Vetter widmet fast die H\u00e4lfte seiner Ausf\u00fchrungen einer sarkastischen Polemik gegen \u201ehei\u00df laufende Skeptiker\u201c (wohl Vetters Wort f\u00fcr \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c); eine argumentative Auseinandersetzung fehlt. Dann folgen unvermittelt \u201e9 Thesen zum Umgang mit der Krise\u201c. Legt man an diese Thesen die drei oben erw\u00e4hnten Grundfragen, die die Christen derzeit umtreiben, an, ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Was hat Corona mit Gott zu tun? Ist das Ganze wom\u00f6glich ein Gericht Gottes? \u2013 Dazu sagt Vetter \u2013 nichts. Das Thema \u201eGericht Gottes\u201c kommt schlicht nicht vor.<\/li>\n<li>Wie halten Christen es in dieser Situation mit der Obrigkeit und ihren \u201eMa\u00dfnahmen\u201c? Hier gibt Vetter eine eindeutige Antwort: Der Obrigkeit gehorchen und f\u00fcr sie beten.<\/li>\n<li>Was ist, von Gott her gesehen, im Augenblick der Auftrag der Kirchen und Gemeinden? Auch hier gibt Vetter eine Antwort: Mit der Obrigkeit kooperieren (siehe oben), die Corona-Beschr\u00e4nkungen akzeptieren, auf gro\u00dfe Veranstaltungen verzichten und die \u201ezwei oder drei\u201c, die sich in Christi Namen versammeln, entdecken, also sich auf das Kleine zur\u00fcckziehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach acht Monaten Erfahrungen mit Corona und dem Corona-Wahn h\u00e4tte man als m\u00fcndiger Christ hier mehr, viel mehr erwartet. Dieser Gastkommentar ist ein theologisches und kirchliches Armutszeugnis. Wobei man Vetter pers\u00f6nlich wahrscheinlich gar nicht b\u00f6se sein kann, denn was er schreibt, gibt ja lediglich den kirchlichen und auch evangelikalen \u201eCorona-Mainstream\u201c wieder, und der lautet: Die Zeichen der Zeit interessieren uns nicht, wir wollen unsere Ruhe haben und bald ist ja hoffentlich die Krise vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist nicht vorbei, sie f\u00e4ngt gerade erst richtig an. Und so sollten wir uns ein paar Gedanken \u00fcber die obigen drei Grundfragen machen. Ich fange an mit<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Corona und Gottes Gericht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits am 18.03. gab der Gemeindehilfsbund seinen <a href=\"https:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/fileadmin\/user_upload\/aufruf.pdf\">\u201eAufruf zum Gebet in ernster Lage\u201c<\/a> heraus, der vor den Folgen der Corona-Krise warnte und diese als Gottes Gericht verstand. Der Aufruf, der u.a. als Anzeige in \u201eidea Spektrum\u201c erschien, rief explizit dazu auf, \u201eumzukehren von falschen Wegen, die Gott nicht gefallen und seinen Zorn hervorrufen.\u201c Der Aufruf war ein mutiges, deutliches und, wie inzwischen immer klarer wird, prophetisches Dokument. Aber in der geistlichen Beurteilung der Corona-Krise durch Kirchen und christliche Verb\u00e4nde ist er alles in allem eine Ausnahmeerscheinung geblieben. Der \u201eMainstream\u201c \u2013 auch der evangelikale \u2013 tickt anders. Ein fr\u00fches Zeichen daf\u00fcr war der noch im Fr\u00fchjahr erschienene Sammelband <em>Gott suchen in der Krise<\/em>, herausgegeben von Ulrich Eggers bei SCM-Brockhaus, der fr\u00fche Erfahrungen mit und Beurteilungen von Corona zusammenstellte. In diesem Buch war nur eine kleine radikale Minderheit bereit, die Corona-Krise als Gericht Gottes zu deuten oder eine solche Deutung auch nur in Betracht zu ziehen. Bei einigen theologischen Experten (wohlgemerkt aus dem evangelikalen Raum) ging dies bis hin zu der Position, man d\u00fcrfe kein Gericht Gottes behaupten und man habe heutzutage gelernt, die Bibel anders zu lesen. Diese Mainstream-Position scheint sich bis heute zu halten. Corona als Gottes Gericht? Aber nicht doch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl eine unvoreingenommene Lekt\u00fcre der Bibel als auch eine Analyse der Frage, ob in den heutigen Gesellschaften des ehemals christlichen Abendlandes Gott nicht vielleicht gute Gr\u00fcnde f\u00fcr ein Gericht haben k\u00f6nnte, liefern ein anderes Bild. In der Bibel beginnt die Menschheits- und die Heilsgeschichte bekanntlich mit einem Ur-Gericht Gottes \u2013 der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies, als Strafe f\u00fcr den S\u00fcndenfall. Weitere gro\u00dfe Gerichte sind die Sintflut, der Turmbau zu Babel, Sodom und Gomorrha, im Vorfeld der Gesetzgebung am Sinai dann die furchtbaren \u00e4gyptischen Plagen. Der Weg der Israeliten ins Verhei\u00dfene Land ist von zahlreichen kleineren Strafgerichten ges\u00e4umt, und was der \u00fcber Jahrhunderte sich hinziehende Abfall von Gott und seinem Gesetz bedeuten kann, illustriert viel sp\u00e4ter die Eroberung Israels und Judas durch die Assyrer und Babylonier, die zum Verschwinden der Nordst\u00e4mme und dem Babylonischen Exil f\u00fchrten. Die Gerichtsthematik geht im Neuen Testament weiter; der Leser erf\u00e4hrt nicht erst in der Johannesoffenbarung, sondern schon in den Endzeitreden Jesu und den Apostelbriefen, dass die sogenannte \u201eEndzeit\u201c, die dem Wiederkommen Jesu Christi vorangehen wird, durch den breiten Abfall christlicher Kirchen und L\u00e4nder von Gott sowie durch wahrhaft apokalyptische Katastrophen in Form von Kriegen, Umweltzerst\u00f6rung, Naturkatastrophen und nicht zuletzt Krankheit und Seuchen gekennzeichnet sein wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist unbegreiflich, wie angesichts dieses biblischen Befundes studierte Theologen vollmundig behaupten k\u00f6nnten, die Corona-Krise k\u00f6nne kein Gerichtsreden Gottes sein. Es sei denn nat\u00fcrlich, ihr Studium hat sie einer realistischen Lekt\u00fcre der Bibel als Wort Gottes so gr\u00fcndlich entfremdet, dass sie das, was ihnen vor der Nase liegt, nicht mehr sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber zur n\u00e4chsten Frage: Befindet die Welt, insbesondere aber das \u201echristliche Abendland\u201c sich heute in einer Situation, die man als \u201egerichtsreif\u201c bezeichnen kann? \u201eGericht\u201c und \u201eStrafe\u201c setzen ja ein Fehlverhalten voraus. Nun, dieses Fehlverhalten ist offensichtlich, massiv und hartn\u00e4ckig. Seit l\u00e4ngerem schon erlebt die Welt den Abfall \u201echristlicher\u201c Kirchen und Staaten von Gott, und es ist ein Abfall an vielen Fronten. Wir finden (die Liste ist nicht vollst\u00e4ndig)<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>Den Abfall von der Bibel als verbindlichem Wort Gottes, der jetzt schon seit \u00fcber 200 Jahren im Gang ist (bibelkritische Theologien).<\/li>\n<li>Die Anbetung des Mammons als modernem Baal, der ganze Gesellschaften nur noch um Geld und materiellen Reichtum kreisen l\u00e4sst.<\/li>\n<li>Seit gut einem halben Jahrhundert auch die Anbetung des Sexes, der aus dem Zusammenhang von Ehe und Familie herausgel\u00f6st und zur Droge gemacht worden ist.<\/li>\n<li>Den ungebremsten Massenmord an den Ungeborenen, an den sich l\u00e4ngst auch in den Kirchen die meisten gew\u00f6hnt haben; das Blut von Millionen Abtreibungsopfern schreit zu Gott.<\/li>\n<li>In den letzten Jahrzehnten zunehmende Tendenzen zur Abschaffung der Familie und Zerst\u00f6rung der Frau, bisher gipfelnd in \u201eGender\u201c und \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c als Frontalangriff auf die Gottesebenbildlichkeit des Menschen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt, die Liste ist nicht vollst\u00e4ndig. Wer heute in den Kirchen ernsthaft behauptet, Gott k\u00f6nne doch gar keinen Grund haben, die Menschen zu \u201ebestrafen\u201c, lebt entweder ohne jeden Medienzugang auf einer Insel der Seligen oder er hat den Verstand oder die Gottesfurcht oder beides verloren. Die Schlussfolgerung, dass Gott die Corona-Krise geschehen l\u00e4sst, um die Menschen, vor allem aber die Christen zur Umkehr zu rufen, ist klar, logisch und unwiderlegbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mich zu einem dritten Punkt f\u00fchrt. Ekkehart Vetter schreibt in seinem Gastkommentar: \u201eIch bin f\u00fcr ganz viele Fachfragen einer Pandemie kein Experte.\u201c Dies ist richtig, und ich und die meisten anderen Christen sind es auch nicht. Nicht die Allianz oder die Deutsche Bischofskonferenz k\u00f6nnen abw\u00e4gen, wie gef\u00e4hrlich das Virus wirklich ist oder was der beste Impfstoff sein wird. Aber Vetter, die Allianz und jeder Christ, der seine Bibel kennt, sind sehr wohl Experten im Reden Gottes und im Gericht Gottes! Wer kann denn die geistlichen Hintergr\u00fcnde der Pandemie ausleuchten, wenn nicht die Christen und ihre Leitungspers\u00f6nlichkeiten? Wer hat denn etwas Kompetentes zu sagen \u00fcber die Gefahren von Social Distancing und Denunziationskultur (um nur die beiden h\u00e4sslichsten Nebenwirkungen von Corona zu nennen), wenn nicht die Christen und die Kirchen? Die Repr\u00e4sentanten der Kirchen und Gemeinschaften in Deutschland haben seit acht Monaten schon die einzigartige Chance, die B\u00fcrger und die Regierenden daran zu erinnern, dass<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>es einen Gott gibt, vor dem wir alle einmal Rechenschaft werden ablegen m\u00fcssen<\/li>\n<li>die Seele wichtiger ist als der Leib und das ewige Seelenheil wichtiger als k\u00f6rperliches Gesundbleiben<\/li>\n<li>das Heil, das wir wirklich brauchen, nicht ein Impfstoff oder ein Negativtest ist, sondern die Vergebung der S\u00fcnden durch das Kreuz Jesu Christi.<\/li>\n<li>Angst versklavt und dass das einzige wirksame Gegenmittel bei Jesus Christus zu finden ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Bis jetzt haben sie diese Chance wenig bis nicht genutzt. Der \u201eAufruf zum Gebet in ernster Lage\u201c, er scheint ein Einzelph\u00e4nomen zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Corona und die Obrigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frustrierte Christen, die ihre Pastoren fragen, warum man nicht mehr normal Gottesdienst feiern kann, warum man den Glaubensgeschwistern im Gottesdienstraum nur per Maske begegnen darf, warum Singen gerade wieder mal nicht geht oder an ein normales Abendmahl mit Friedensgru\u00df und Kelch nicht zu denken ist, bekommen die Standardantwort, dass man sich halt an die beh\u00f6rdlichen Anordnungen zu halten hat, denn wir sind ja in einer Pandemie. Und auch eine Bibelstelle haben die derart Auskunft Gebenden parat: R\u00f6mer 13,1-7. Christen m\u00fcssen der Regierung und Obrigkeit untertan sei, denn sie ist von Gott eingesetzt. Dies ist in kirchlichen Corona-Diskussionen ein Basta-Argument geworden, Widerspruch zwecklos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ist das mit R\u00f6mer 13 wirklich so einfach? Fangen wir mit der Bibel an und machen wir mit der Historie und der heutigen Situation weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei Hauptkriterien f\u00fcr die richtige, angemessene Auslegung eines Bibeltextes lauten bekanntlich: Kontext, Kontext, Kontext. Und eine der gro\u00dfen Leitlinien der Reformatoren zur Schriftauslegung war, dass die Heilige Schrift sich selber auslegt, d.h. dass schwierige oder missverst\u00e4ndliche Bibelstellen oft klar werden, wenn man sie mit anderen Bibelstellen vergleicht. Fangen wir mit dem \u201einneren\u201c Kontext von R\u00f6mer 13,1-7 an. Jede Regierung ist also als von Gott eingesetzt zu betrachten (V. 1). Aber damit ist sie auch Gottes \u201eDienerin\u201c (V. 4), die die Guten zu belohnen und die B\u00f6sen zu bestrafen hat. Timothy Keller schreibt dazu in seinem hervorragenden neuen R\u00f6merbriefkommentar: \u201eDie Obrigkeit ist \u201aGottes Dienerin\u2018, muss also selbst innerhalb der von Gott eingesetzten moralischen Ordnung agieren. Ein Diener kann nicht einfach tun, was ihm passt.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> R\u00f6mer 13 ist kein Blankocheck f\u00fcr die Obrigkeit, und Keller warnt vor einem unkritischen Kadavergehorsam gegen\u00fcber dem Staat. Der Gehorsam der Christen gegen\u00fcber der Obrigkeit steht immer unter dem Gewissensvorbehalt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehen wir zu den \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c Kontexten von R\u00f6mer 13 \u00fcber, zun\u00e4chst zum Kontext der Bibel als Ganzer. Hier ist an allererster Stelle Apostelgeschichte 5,29 zu nennen, wo die Leiter der Urgemeinde vor Gericht kommen, weil sie ein Predigtverbot ignoriert haben. Sie verteidigen ihren offensichtlichen \u201eUngehorsam\u201c gegen\u00fcber der Obrigkeit mit dem Satz: \u201eMan muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.\u201c Dies steht genauso in der Bibel wie R\u00f6mer 13 und ist nicht weniger g\u00fcltig. Bereits im Alten Testament finden wir Beispiele von Menschen, die bewusst Anordnungen ihrer Obrigkeit ignorierten, weil ihnen Gott und seine Gebote wichtiger waren; ich erinnere nur an die hebr\u00e4ischen Hebammen in 2. Mose 1, an die drei M\u00e4nner im Feuerofen (Daniel 3) und an Daniel in der L\u00f6wengrube (Daniel 6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste \u201e\u00e4u\u00dfere\u201c Kontext von R\u00f6mer 13 ist der Kontext der abendl\u00e4ndischen Geschichte. H\u00e4tte Martin Luther R\u00f6mer 13,1 sklavisch befolgt, er h\u00e4tte sich vom damaligen Papst die Reformation verbieten lassen. Stattdessen k\u00e4mpfte er unerm\u00fcdlich gegen diesen Papst und die korrupt gewordene Kirche an, unter dem st\u00e4ndigen Risiko einer Todesstrafe von der weniger gem\u00fctlichen Sorte (Ketzerverbrennung). Der von seinen Eltern nach Luther benannte Pastor Martin Luther King betrieb im 20. Jahrhundert die gewaltfreie, aber unerm\u00fcdliche Befreiung der Schwarzen in den USA von dem rassistischen Status des B\u00fcrgers zweiter Klasse. Dietrich Bonhoeffer wurde hingerichtet, weil er in Pl\u00e4ne zur Ermordung (!) der damaligen h\u00f6chsten Obrigkeit des Deutschen Reiches involviert war. Wir sind heute entsetzt dar\u00fcber, dass nicht mehr Christen sich gegen Adolf Hitler gestellt haben, als es noch nicht zu sp\u00e4t war, und sch\u00fctteln die K\u00f6pfe \u00fcber die Baptisten in den S\u00fcdstaaten der USA, die nichts gegen die Rassendiskriminierung unternahmen, weil man doch nicht gegen die Obrigkeit sein durfte. Wie viele K\u00f6pfe werden einmal \u00fcber die Obrigkeitsh\u00f6rigkeit der Kirchen w\u00e4hrend der Corona-Krise gesch\u00fcttelt werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehen wir weiter zu einem Kontext, den ich den \u201ebibelkritischen\u201c nennen m\u00f6chte. Bei den \u201eliberalen\u201c Kirchen und Theologen gilt die Bibel schon lange nicht mehr als Gottes Wort, doch inzwischen ist die Bibelkritik auch in die Kreise der Evangelikalen eingesickert. Warum bejahen immer mehr von ihnen die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c? Weil sie die biblischen Aussagen zu praktizierter Homosexualit\u00e4t nicht mehr als absolut g\u00fcltig, sondern als kritisch zu hinterfragen interpretieren. L\u00e4ngst nicht mehr alle freikirchlichen Pastoren glauben an die Jungfrauengeburt, und selbst der S\u00fchnetod Jesu am Kreuz ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr. Umso merkw\u00fcrdiger mutet es an, wenn in der Corona-Krise R\u00f6mer 13 als argumentativer Vorschlaghammer hervorgeholt wird und es auf einmal doch wieder hei\u00dft: \u201eEs steht geschrieben.\u201c Wenn R\u00f6mer 13 \u201eabsolut\u201c gelten soll, warum dann nicht auch R\u00f6mer 1?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schlie\u00dflich der \u201edemokratische\u201c Kontext. Gehorsam gegen\u00fcber der Obrigkeit im Sinne von R\u00f6mer 13 bedeutet ja auch, dass ich die spezifischen Spielregeln, die Struktur, die \u201eVerfassung\u201c dieser Obrigkeit zu beachten und einzuhalten habe. Zu Paulus\u2018 Zeiten war die r\u00f6mische Obrigkeit ein absolutistischer Kaiser, und so etwas wie Demokratie und Mitbestimmung gab es vielleicht in den christlichen Gemeinden, aber nicht im Staatswesen. Die Obrigkeit, unter der wir im Deutschland des Jahres 2020 leben, ist ein demokratisch verfasster Staat, dessen Grundgesetz im Bewusstsein der \u201eVerantwortung vor Gott und den Menschen\u201c (so in der Pr\u00e4ambel zu lesen) beschlossen wurde. In diesem Staat ist der oberste Souver\u00e4n das Deutsche Volk, vertreten durch jeden einzelnen wahlm\u00fcndigen B\u00fcrger. Man lasse sich das ruhig einmal auf der Zunge zergehen: Die Obrigkeit sind in einem sehr realen Sinne \u2013 wir. Jeder einzelne B\u00fcrger und auch jeder einzelne Christ. Die Regierung kann man wieder abw\u00e4hlen, der Souver\u00e4n (das Volk, die B\u00fcrger) bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bedeutet das f\u00fcr unseren \u201eGehorsam\u201c gegen\u00fcber der Obrigkeit im Sinne von R\u00f6mer 13? Dass wir, gerade als Christen, von Gott die Aufgabe bekommen haben, die Mitwirkungs- und Mitregierungsm\u00f6glichkeiten, die unser politisches System mit seiner Verfassung und seinen Institutionen uns bietet, bis zum Anschlag wahrzunehmen, in der Verantwortung vor Gott und seinen Geboten. Sich brav und fromm in eine Ecke zu verkriechen und zu warten, bis die Corona-Krise vorbei ist (und dann wom\u00f6glich ein System herrscht, das uns keine Mitregierungsm\u00f6glichkeiten mehr gibt), ist f\u00fcr einen Christen in unserer Republik keine Option.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer heute in unserem Land mit R\u00f6mer 13 argumentieren will, muss sich Fragen wie die folgenden gefallen lassen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>Wann haben Sie das letzte Mal an einer Demonstration teilgenommen?<\/li>\n<li>Wie viele Leserbriefe haben Sie schon an Ihre Zeitung geschickt?<\/li>\n<li>Wann haben Sie das letzte Mal eine Petition unterschrieben? Oder eine verfasst?<\/li>\n<li>Sind Sie schon einmal in einer wichtigen Sache (Abtreibung, Ehe f\u00fcr Alle, Corona-Ma\u00dfnahmen, Christenverfolgung, Meinungsfreiheit) bei dem Landtags- oder Bundestagsabgeordneten f\u00fcr Ihre Region vorstellig geworden?<\/li>\n<li>Engagieren Sie sich in einer politischen Partei oder Gruppierung?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Liste ist wieder nicht vollst\u00e4ndig. Die Stimmen in den Kirchen, die dazu raten, brav abzuwarten, bis die Krise vorbei ist, sind R\u00f6mer 13 nicht gehorsam, sondern ungehorsam. Bleiben sie noch viel l\u00e4nger ungehorsam, dann d\u00fcrften wir in einer Situation enden, die, was die Freiheitsr\u00e4ume der B\u00fcrger betrifft, von dem Gottkaisertum des alten Rom nicht mehr sehr verschieden sein wird. Wer Demokratie verschl\u00e4ft, bekommt den n\u00e4chsten totalit\u00e4ren Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist in der aktuellen Lage der Auftrag der Kirchen und Christen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der neunten seiner sechs Thesen in seinem \u201eidea\u201c-Gastkommentar sieht Ekkehart Vetter diesen Auftrag darin, \u201ef\u00fcr politisch verantwortliche Personen zu beten \u2013 unabh\u00e4ngig von meinem inneren Zustimmungslevel zu ihrem politischen Handeln.\u201c Dies ist fraglos richtig, und viele von uns werden sich hier neu fragen m\u00fcssen, wie oft und wie dringlich sie z.B. f\u00fcr die Bundeskanzlerin, ihr Kabinett, die Landesregierung oder den B\u00fcrgermeister ihres Ortes beten. Oder auch f\u00fcr die Oberen ihrer Kirche oder Freikirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Beten allein reicht nat\u00fcrlich nicht. Das haben uns s\u00e4mtliche Apostel demonstriert, das mussten Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King und viele andere lernen. Es ist die spezifische Versuchung des Pietismus, nur als \u201edie Stillen im Lande\u201c zu existieren und ja den Kopf nicht zum Fenster hinauszustrecken. Das war selbst in den Zeiten absolutistischer Landesf\u00fcrsten fragw\u00fcrdig, in einer entwickelten Demokratie (siehe oben) kommt es einer Dienstverweigerung gleich. Der Auftrag der Kirchen und Christen besteht aktuell (mindestens) in Folgendem:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Sie haben die Menschen, die Christen und die Regierenden im Lande zur Bu\u00dfe vor Gott zu rufen. Sie haben ihnen unmissverst\u00e4ndlich zu bezeugen, dass COVID 19 nicht nur ein medizinisches, sondern ein geistliches Ph\u00e4nomen ist und dass es letztlich um ein Gerichtshandeln Gottes geht, das eine Antwort von ihnen erfordert.<\/li>\n<li>Sie haben klarzustellen, dass wir die gro\u00dfe Hilfe nicht von der noch so wissenschaftlichen Medizin zu erwarten haben, sondern von dem heiligen Sch\u00f6pfer- und Erl\u00f6sergott. Corona ist kein technisches Problem, f\u00fcr das es eine technische L\u00f6sung (den richtigen Impfstoff) gibt. Es ist zuv\u00f6rderst ein geistliches und apokalyptisches Problem. Bu\u00dfgottesdienste w\u00e4ren wichtiger als Hygienekonzepte.<\/li>\n<li>Sie haben in dieser Situation die Gemeindearbeit nicht herunterzufahren, sondern im Gegenteil noch zu verst\u00e4rken.<\/li>\n<li>Sie haben sich gezielt f\u00fcr die Menschen einzusetzen, die jetzt (z.B. in Altenheimen oder in Familien von der weniger liebevollen Sorte) einsam und isoliert sind. Sie haben Social Distancing nicht mitzumachen, sondern ihm entgegenzuwirken. Sie \u00fcbernehmen in dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10) nicht den Part des Priesters und des Leviten, sondern den des Samariters.<\/li>\n<li>Sie haben sich entschieden gegen jedes Denunziantentum im Zusammenhang mit den \u201eCorona-Regeln\u201c zu wenden und gegen Gemeindeglieder, die andere denunzieren, Gemeindezucht zu praktizieren.<\/li>\n<li>Sie m\u00fcssen (vor allem dann, wenn sie kirchliche Amtstr\u00e4ger sind) bei beh\u00f6rdlichen Stellen energisch gegen jede Form von Unterdr\u00fcckung und Drangsalierung protestieren. Die Rentnerin, die 200 Euro Strafe zahlen soll, weil sie den Mundschutz vergessen hat, sollte im Pastor ihrer Gemeinde oder in ihrem christlichen Nachbarn einen entschiedenen Anwalt und Verteidiger finden, der gegebenenfalls auch den Schritt in die mediale \u00d6ffentlichkeit nicht scheut.<\/li>\n<li>Sie haben in ihrem Gemeindeleben verst\u00e4rkt Bibelunterricht zu betreiben, speziell zu Themen wie den Geboten Gottes und der \u201eEndzeit\u201c.<\/li>\n<li>Sie haben ihre Gemeinden und Gemeinschaften verfolgungsfest zu machen, also Strukturen und Netzwerke aufzubauen, die ein Weiterarbeiten auch unter diktatorischen politischen Bedingungen sicherstellen.<\/li>\n<li>Sie haben die Liebe zu Gott und die Vorfreude auf die Wiederkunft Jesu Christi neu zu entdecken, zu lehren und zu praktizieren.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich ist auch diese Liste nicht vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Schluss: Was, wenn .\u00a0.\u00a0.?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Newsletter eines christlichen Werkes, der irgendwann im Fr\u00fchjahr verschickt wurde, wurde dar\u00fcber berichtet, dass ein Politiker und Parlamentsabgeordneter diesem Werk einen Besuch abstattete. Man befand sich im ersten Corona-Lockdown, Freizeiten und Seminare waren abgesagt, das G\u00e4stehaus stand leer. Der Politiker fragte den Leiter: \u201eWas machen Sie eigentlich, wenn das die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre so weitergeht?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Nase des Leiters wurde wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage war eine h\u00f6chst realistische. Versuchen wir, sie f\u00fcr uns selber, f\u00fcr unsere Gemeinde, f\u00fcr unsere Kirche zu beantworten. Viel Zeit haben wir nicht mehr. \u201eAuf, denn die Nacht wird kommen, da man nicht mehr kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Friedemann Lux, 2. November 2020<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Timothy Keller, <em>Durch Gottes Gnade ver\u00e4ndert leben. Der R\u00f6merbrief erkl\u00e4rt. Kapitel 8\u201316<\/em> (Gie\u00dfen: Brunnen Verlag, 2019), S. 133.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Keller w\u00f6rtlich: \u201eWenn die Obrigkeit etwas von uns verlangt, das unser Gewissen verletzt, m\u00fcssen wir den Gehorsam verweigern.\u201c (<em>Durch Gottes Gnade ver\u00e4ndert<\/em>, S. 135)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir stehen am Anfang des zweiten Corona-Lockdowns in Deutschland \u2013 eines Lockdowns, von dem es monatelang vollmundig gehei\u00dfen hatte, dass es ihn aber auch ganz bestimmt nicht geben w\u00fcrde. 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