{"id":17583,"date":"2020-10-06T09:36:37","date_gmt":"2020-10-06T07:36:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17583"},"modified":"2020-10-06T09:36:37","modified_gmt":"2020-10-06T07:36:37","slug":"predigt-ueber-markus-81-9-zum-erntedankfest-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17583","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Markus 8,1-9 zum Erntedankfest 2020"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde, wenn wir den Erntedanktag nicht einfach deswegen feiern, weil er halt zur kirchlichen Folklore dazugeh\u00f6rt, dann sind wir in diesem Jahr besonders herausgefordert, \u00fcber Erntedank nachzudenken. Zwar ist die Landwirtschaft vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Verordnungen gekommen, aber f\u00fcr viele andere ist dieses Jahr in \u00f6konomischer Hinsicht ein Horrorjahr. Die Wirtschaft ist eingebrochen, viele waren oder sind in Kurzarbeit, andere haben ihren Arbeitsplatz verloren oder k\u00e4mpfen um ihre Existenz. Und unseren Kindern haben wir einen riesigen Schuldenberg aufget\u00fcrmt. Und dann Erntedank feiern? Wie passt das zusammen? &#8211; Oder w\u00e4re nicht viel eher ein Erntebitttag oder ein Tag der Klage angemessener als ein Erntedanktag?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser heutiger <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/LUT\/Markus8%2C1-9\">Bibelabschnitt<\/a> nimmt uns mit in eine Situation, in die wir uns in diesem Jahr vielleicht besser hineinversetzen k\u00f6nnen. Im Gebiet der Zehn St\u00e4dte am See Genezereth waren viele Menschen Jesus gefolgt, um ihn zu sehen und zu h\u00f6ren. Drei Tage h\u00e4ngen sie nun schon an seinen Lippen und F\u00fc\u00dfen; und sie haben nichts zu essen. Jesus sagt zu seinen J\u00fcngern: \u201eWenn ich sie hungrig heimgehen lie\u00dfe, w\u00fcrden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.\u201c Die J\u00fcnger wissen keinen Rat, angesichts der 4.000 Menschen, sind die sieben Brote und ein paar Fische ja so gut wie nichts. Allemal ein Grund zur Klage oder ein Anlass ein Bittgebet zu sprechen, dass Gott in dieser Notlage doch irgendwie Hilfe schaffen m\u00f6ge. Aber Jesus handelt anders. Er nimmt das wenige Brot, was da ist, dankt seinem himmlischen Vater daf\u00fcr, bricht es und l\u00e4sst es austeilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnen wir noch wertsch\u00e4tzen, was wir haben? Oder starren wir viel mehr auf das, was wir nicht haben? Wir hatten ja im Fr\u00fchjahr beim Lockdown \u2013 Gott sei Dank! \u2013 keinen Hunger zu leiden. Aber wie war das, als es in den Superm\u00e4rkten keine Nudeln und kein Toilettenpapier mehr gab und auch viele andere Regale leer blieben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Medien wurde das gro\u00df breitgetreten und vermutlich war das auch f\u00fcr die meisten von uns ein Gespr\u00e4chsthema. \u2013 Haben wir dabei aber auch gemerkt, wie gut wir es normalerweise haben? Wie gut gef\u00fcllt die Regale, unsere Tische und M\u00e4gen gef\u00fcllt sind? Haben wir in der Krise gedankt f\u00fcr das, was wir haben? Oder nur geschimpft \u00fcber den Mangel am \u00dcberfluss? Haben wir uns vielleicht zu sehr daran gew\u00f6hnt, alles \u00fcberall und zu jeder Zeit haben zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will damit die existenziellen N\u00f6te von vielen Selbst\u00e4ndigen oder manchen Berufsgruppen nicht kleinreden. Und man muss durchaus die Frage kl\u00e4ren, ob die einschr\u00e4nkenden Ma\u00dfnahmen der Regierung verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und notwendig waren. Wir haben \u2013 Gott sei Dank \u2013 in unserem reichen Land ein soziales Netz, das vieles auff\u00e4ngt. Auch wenn diese Netz L\u00f6cher hat und manche Ungerechtigkeit hervorbringt, aber im Vergleich zu vielen anderen L\u00e4ndern geht es uns gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stehen nicht mit leeren H\u00e4nden da. Wir waren nicht drei Tage ohne Essen. Wir haben Gutes in unserem Leben, wenn auch vielleicht nicht mehr so viel wie noch vor einem Jahr. Sind wir dankbar f\u00fcr das was wir haben? Oder schauen wir nur auf das, was wir vermissen? Oder haben wir vielleicht auch angefangen neu zu schauen und zu denken? Haben wir in der Coronakrise vielleicht gute Dinge neu entdeckt? Viele Menschen hatten mehr Zeit, sind zur Ruhe gekommen, haben mehr Zeit in der Familie verbracht, vielleicht haben sie einen ganz pers\u00f6nlichen Punkt, f\u00fcr den sie in dieser Zeit dankbar sind. Kann vielleicht der Verzicht auf manche Dinge, hilfreich und wertvoll sein, um anderes zu gewinnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unserem Bibelabschnitt haben die Menschen es drei Tage in Kauf genommen, nichts zu essen, um etwas Wertvolleres zu haben. Bei Jesus zu sein, dem Sohn Gottes und Heiland der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe, dass uns in diesen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeiten, unser Blick wieder auf das Wesentliche gelenkt wird. Wie schnell k\u00f6nnen wir Menschen undankbar werden, alles f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich halten und Gott, der Geber aller Gaben, vergessen? Das christliche Abendland ist doch l\u00e4ngst zu einem gottlosen Selbstverwirklichungsland geworden. Statt alles von Gott dankbar zu empfangen und alles Denken, Handeln und Arbeiten auf ihn hin zu richten, propagieren wir einen menschlichen Machbarkeitswahn, der gipfelt in Parolen wie \u201eWIR schaffen das\u201c. Es reicht doch nicht aus, in einer christlichen Erinnerungskultur zu leben, zum Erntedankfest und an Heilig Abend auch mal einen Gottesdienst zu besuchen, aber ansonsten den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde wie einen guten, alten Mann im Himmel behandeln, halb blind und schwerh\u00f6rig. Sind wir ernsthaft der Meinung, dass Gott unter Demenz leidet? Nein, Gott hat alles im Blick! Er hat uns und unser Tun nicht vergessen. Das Problem ist, dass der Mensch Gott vergessen hat. Vielleicht hat er inzwischen sogar schon vergessen, dass er Gott vergessen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und deshalb kann ich \u00fcberhaupt nicht verstehen, wenn in der Coronakrise von Theologen vollmundig verk\u00fcndigt wird, das hat mit Gott nichts zu tun. Vielleicht steckt da die Angst dahinter, sich gegen\u00fcber Gott verantworten zu m\u00fcssen: Weil man ihn vergessen hat, weil man seine Gebote mit F\u00fc\u00dfen getreten hat, weil man sein Wort in der Heiligen Schrift der eigenen menschlichen Vernunft untergeordnet hat. &#8211; Was steckt hinter der Coronakrise? Schicksal? Menschliche Fehler? Zorn und Gericht Gottes? Gottes Ruf zur Umkehr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer jedenfalls meint, diese Krise h\u00e4tte nichts mit Gott zu tun und man k\u00f6nnte sie ohne Gott \u00fcberwinden, der wird vielleicht erleben, dass durch die Barmherzigkeit Gottes das alles vor\u00fcbergeht. Aber er hat dann Gottes Rufen \u00fcberh\u00f6rt. Er hat nichts gelernt f\u00fcr die n\u00e4chste Krise und nichts \u00fcber das endzeitliche Handeln Gottes in der Geschichte. Und er hat auch nichts gelernt f\u00fcr sein Leben, nichts f\u00fcr sein Sterben, nichts f\u00fcr die Aussicht, wo er in Ewigkeit sein wird. Er hat keine Heilsgewissheit. \u201eEs geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ich bin fest \u00fcberzeugt, dass alles, was auf diesem Globus geschieht, mit Gott zu tun hat. Deshalb ist ja Gott selbst in seinem Sohn Jesus Christus auf diese Welt gekommen. Der Heiland der Welt, unser Retter und Erl\u00f6ser ist erschienen und spricht (Joh 12,46): \u201eIch bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Ruf Gottes, diese Einladung Jesu gilt f\u00fcr alle. Denn wir sind Gott nicht egal, Du bist Gott nicht gleichg\u00fcltig, selbst wenn Du ihn vergessen hast. Denn Gott \u201ewill, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.\u201c (1.Tim.2,4)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machst Du es wie die 4.000 Menschen damals am See Genezereth? H\u00f6rst Du den Ruf Gottes? Er will Gemeinschaft mit dir! Nimmst Du seine Einladung an? Ist dir seine N\u00e4he wichtiger als dein t\u00e4gliches Brot?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gleiche HErr Jesus Christus, dem Du nicht egal bist, er l\u00e4dt dich ein mit aller Deutlichkeit und Ernsthaftigkeit (Offb 21,6): \u201eIch will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer \u00fcberwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. Die Feigen aber und Ungl\u00e4ubigen und Frevler und M\u00f6rder und Unz\u00fcchtigen und Zauberer und G\u00f6tzendiener und alle L\u00fcgner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur beim Corona-Virus liegen Leben und Tod nahe beieinander, das ist vielmehr bei Jesus Christus so, der sich f\u00fcr uns kreuzigen lie\u00df und auferstanden ist, der den Tod f\u00fcr unsere Gottvergessenheit und S\u00fcnde auf sich genommen hat, damit wir neu leben k\u00f6nnen, mit ihm, hier auf Erden und dann vor allem auch in Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehen wir noch einmal in die Situation am See Genezereth hinein. Was passiert, nachdem Jesus gedankt hatte, f\u00fcr das Wenige, das sie hatten? Es geschieht ja kein Wunder im Sinne eines Zaubertricks, sodass mit einem Mal 4.000 Lunchpakete dal\u00e4gen, von denen jeder sich eins nehmen k\u00f6nnte. Sondern es bleibt bei sieben Broten und ein paar Fischen. Aber das Wenige wird dankbar ausgeteilt und vermehrt sich auf wundersame Weise, so dass nicht nur alle satt werden, sondern es bleiben noch sieben K\u00f6rbe voll \u00fcbrig, also mehr als zuvor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott gibt gerne, was die Menschen brauchen, er sieht ihre Not und er versorgt sie gn\u00e4dig und liebevoll mit allem, was sie zum Leben brauchen. Alle F\u00fclle ist in ihm, sogar \u00fcber das hinaus, was gebraucht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Wunder der Brotvermehrung ist nur eine Vorschattung auf ein viel gr\u00f6\u00dferes Wunder, n\u00e4mlich auf die Gabe des Heiligen Abendmahls. Dank und Segen \u00fcber Brot und Wein, so ist es das gesegnete Brot das wir essen und der gesegnete Kelch, den wir trinken. Das geht \u00fcber das hinaus, was wir als t\u00e4gliche Nahrung brauchen, es ist unsere geistliche Nahrung: Wir empfangen Christi Leib und Christi Blut, wir d\u00fcrfen den HErrn schmecken in all seiner F\u00fclle, wir haben unmittelbare, leibliche Gemeinschaft mit ihm, die uns st\u00e4rkt f\u00fcr unseren Weg durch dieses Leben in ein ewiges Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb d\u00fcrfen wir auch heute dankbar Erntedank feiern. Danken nicht nur f\u00fcr die t\u00e4gliche Nahrung, sondern f\u00fcr alles, womit uns Gott f\u00fcrsorglich versorgt. Wir d\u00fcrfen auch danken f\u00fcr all die Bewahrung, die wir bis heute in unserem Leben empfangen haben. Und auch wer in diesen Coronazeiten in eine Krise geraten ist oder wer jetzt krank hier im Klinikum liegt, wir d\u00fcrfen uns im Gebet an Jesus Christus wenden, ihm auch unsere Not klagen, wir d\u00fcrfen ihn bitten, immer im Vertrauen, dass wir in Gottes H\u00e4nden geborgen sind und in dem Wissen, wie es der Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Rom formuliert, &#8222;dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei allem, was es zu beklagen gibt in diesen Tagen, ist das allemal ein Grund zur Dankbarkeit. So lernen wir neu auch in Krisensituationen das wertzusch\u00e4tzen, was wir haben, &#8211; und auch und gerade das mit Dank vor Gott bringen und ihn bitten, dass er es und uns segne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Ulrich J. Hauck, Predigt im Klinikum Kandel, Erntedanksonntag 2020<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wenn wir den Erntedanktag nicht einfach deswegen feiern, weil er halt zur kirchlichen Folklore dazugeh\u00f6rt, dann sind wir in diesem Jahr besonders herausgefordert, \u00fcber Erntedank nachzudenken. Zwar ist die Landwirtschaft vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Verordnungen gekommen, aber f\u00fcr viele andere ist dieses Jahr in \u00f6konomischer Hinsicht ein Horrorjahr. 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