{"id":17578,"date":"2020-10-01T15:39:56","date_gmt":"2020-10-01T13:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17578"},"modified":"2020-10-01T15:39:56","modified_gmt":"2020-10-01T13:39:56","slug":"von-juno-bis-unplanned-abtreibung-ist-ein-grosses-filmthema-trotz-aller-widerstaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17578","title":{"rendered":"Von \u201eJuno\u201c bis \u201eUnplanned\u201c \u2013 Abtreibung ist ein gro\u00dfes Filmthema trotz aller Widerst\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Abtreibung ist ein Thema, auch im Film. Aber anders als der inzwischen in der Gesellschaft und insbesondere in der Politik zum \u201eKonsens\u201c erhobenen Meinung, dass Abtreibung zwar ein Drama, aber unvermeidlich sei, entscheidet sich die \u00fcberwiegende Mehrheit der in Spielfilmen dargestellten, ungewollt Schwangeren f\u00fcr das Kind. Seit Jason Reitman, dessen Film \u201eJuno\u201c (2007) mit dem Oscar f\u00fcr das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet wurde, eine 16-j\u00e4hrige Schwangere eine Abtreibungsklinik aufsuchte, es sich dann aber doch anders \u00fcberlegte, wurden eine ganze Reihe Filme gedreht, in denen sich junge, ungewollt schwanger gewordene Frauen allen Schwierigkeiten zum Trotz gegen die Abtreibung entscheiden.<!--more--><\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Dies haben sowohl klischeehafte Hollywood-Kom\u00f6dien \u2013 \u201eBeim ersten Mal\u201c (\u201eKnocked Up\u201c, 2007) oder \u201eJennas Kuchen\u201c (\u201eWaitress\u201c, 2007) \u2013 mit ausdr\u00fccklich an 14- bis 18-J\u00e4hrige gerichteten Filmen gemeinsam, als auch der schwedische \u201eCiao Bella\u201c (2007), in dem eine 17-J\u00e4hrige von ihrer Umgebung so sehr zur Abtreibung gedr\u00e4ngt wird, dass sie in einem bestimmten Augenblick eine \u201ePille danach\u201c in den Mund steckt, dann aber schleunigst wieder herausnimmt. Noch eindr\u00fccklicher nehmen sich Dokumentarfilme aus, etwa Cornelia Gr\u00fcnbergs \u201eVierzehn \u2013 Erwachsen in 9 Monaten\u201c (2013), in dem die Regisseurin vier M\u00e4dchen begleitet, die mit 14 Jahren schwanger wurden und sich die Abtreibungsfrage stellten, dann aber sich doch f\u00fcr ihr ungeplantes Kind entschieden.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">F\u00fcr ihr ungeborenes Kind entscheidet sich gegen das Dr\u00e4ngen ihrer Mutter im deutschen Spielfilm \u201eAm Himmel der Tag\u201c (2012) eine 25-J\u00e4hrige, die kurz vor Studienabschluss schwanger wird, genauso wie die von Annette Frier dargestellte Frau im Fernsehfilm \u201eNur eine Handvoll Leben\u201c (2016), die ihr Kind austr\u00e4gt, obwohl es an \u201eTrisomie 18\u201c (\u201eEdward-Syndrom\u201c) leidet und nur wenige Tage zu leben hat. Im franz\u00f6sischen Spielfilm \u201eDas unerwartete Gl\u00fcck der Familie Payan\u201c (2016) ist es gar eine 49-j\u00e4hrige Gro\u00dfmutter, die unerwartet schwanger wird. Auch sie stellt sich die Frage nach einer Abtreibung ernsthaft, entscheidet sich jedoch f\u00fcr das ungeplante Kind.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Gegen\u00fcber den zahlreichen Filmen, die f\u00fcr das ungeborene Kind auch in schwierigen Situationen werben, gibt es vereinzelt Spielfilme, die f\u00fcr die Abtreibung Partei ergreifen. Besonders bekannt wurde Mike Leighs, f\u00fcr den Oscar nominierter Streifen \u201eVera Drake. Frau und Mutter\u201c (2003). Der Film handelt von einer \u201eherzensguten\u201c \u00e4lteren Frau, die in den 1950er Jahren jungen Frauen abtreiben hilft. Die etwas abgedroschene These des Films: Ein Abtreibungsverbot f\u00fchre nur zu illegalen Abtreibungen, die unter gro\u00dfen Risiken von Kurpfuschern wie Vera Drake vorgenommen werden. Komplexer ist die Notlage einer minderj\u00e4hrigen Schwangeren sowohl in \u201eVier Monate, drei Wochen und zwei Tage\u201c (2007), der im Rum\u00e4nien der Ceausescu-\u00c4ra angesiedelt ist, als auch im aktuellen US-amerikanischen \u201eNiemals. Selten. Manchmal. Immer\u201c (2020): In so unterschiedlichen Gesellschaftsformen wie das Ceausescu-Rum\u00e4nien und die heutigen Vereinigten Staaten findet jeweils eine 17-J\u00e4hrige keinen anderen Ausweg, als eine Abtreibung. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Abtreibung sind die beiden Filme jedoch nicht, weil sie als Teil der von den jungen Frauen erlittenen sexuellen Gewalt und gar nicht als \u201eL\u00f6sung\u201c angesehen wird.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Einen eigentlichen Gegensatz zu dem anfangs erw\u00e4hnten Trend \u2013 die Frau, die alle Hindernisse \u00fcberwindet, um \u201eJa\u201c zu ihrem ungeborenen Kind zu sagen \u2013, der von 2007 bis 2016 in zahlreichen Filmen zu beobachten ist, stellt erst der deutsche Berlinale-Beitrag \u201e24 Wochen\u201c (2016) dar: Die Mutter einer 9-J\u00e4hrigen freut sich zun\u00e4chst auf ihr zweites Kind, selbst als es sich herausstellt, dass es an Down-Syndrom leidet. Als jedoch die \u00c4rzte noch einen schweren Herzfehler diagnostizieren, kommt sie ins Schwanken und entscheidet sich letztlich f\u00fcr eine Sp\u00e4tabtreibung in der 24. Woche. Moralische Bedenken schiebt die Mutter schnell beiseite. Ihre Entscheidung wird auch dadurch beg\u00fcnstigt, dass sie sowohl von \u00c4rzten als auch von ihrer Mutter allein gelassen wird, denn ihnen geht es lediglich darum, das Problem \u201eaus der Welt zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">In dem Zusammenhang nimmt sich der Spielfilm \u201eUnplanned\u201c besonders aussagekr\u00e4ftig aus, weil er die wahre Geschichte von Abby Jonson erz\u00e4hlt, die neun Jahre lang f\u00fcr eine der gr\u00f6\u00dften Abtreibungsorganisationen in den Vereinigten Staaten arbeitete. Abby, die selbst zweimal abgetrieben hatte, begann 2001 bei der \u201ePlanned Parenthood\u201c-Klinik in der texanischen Kleinstadt Bryan ehrenamtlich zu arbeiten. Sp\u00e4ter wurde sie fest angestellt und stieg zu deren Leiterin auf. Die \u201eMitarbeiterin des Jahres\u201c 2008 trat im Oktober 2009 zur\u00fcck. Bald darauf begann Abby, sich in der Lebensrechtsbewegung, zun\u00e4chst in der lokalen \u201eCoalition for Life\u201c (sp\u00e4ter in \u201e40 Days for Life\u201c umbenannt) zu engagieren. Diese Erlebnisse verarbeitete sie in dem im Januar 2011 erschienenen Buch \u201eUnplanned\u201c, das wiederum f\u00fcr den gleichnamigen Spielfilm als Vorlage diente.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">\u201eUnplanned\u201c beginnt mit einem Paukenschlag, dem Ereignis, das f\u00fcr Abby Johnson \u201ealles ver\u00e4nderte\u201c: Erstmals ist sie selbst an einer vorgeburtlichen Kindst\u00f6tung beteiligt. Die Erfahrung, den Todeskampf eines ungeborenen Kindes in der 13. Schwangerschaftswoche gesehen zu haben, wird in dramaturgischer Zuspitzung als der Augenblick dargestellt, als Abby eine lebensver\u00e4ndernde Entscheidung trifft. Die schonungslose Darstellung der Abtreibung f\u00fchrte freilich dazu, dass \u201eUnplanned\u201c in den Vereinigten Staaten die Altersfreigabe \u201eR\u201c (\u201eRestricted\u201c) erhielt: Jugendliche unter 17 Jahren d\u00fcrfen den Film nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten sehen. In Deutschland erteilte ihm die \u201eFreiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft\u201c fsk die Freigabe ab 16 Jahren.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Die Handlung von \u201eUnplanned\u201c, die als R\u00fcckblende erz\u00e4hlt wird, verdeutlicht jedoch, dass dieses Erlebnis der sprichw\u00f6rtliche Tropfen war, der das Fass zum \u00dcberlaufen brachte. Abby kommt laut der Filmhandlung zum ersten Mal ins Gr\u00fcbeln bei einer Feier, die ihre Kolleginnen aus der Abtreibungsklinik f\u00fcr sie organisieren, als sie schwanger wird: \u201eWir feierten zwei Stunden lang meine Schwangerschaft (&#8230;), nachdem wir vorher 38 Schwangerschaftsabbr\u00fcche innerhalb von vier Stunden hinter uns gebracht hatten.\u201c Echte Zweifel \u00fcber die wahren Ziele von \u201ePlanned Parenthood\u201c kommen Abby denn auch ausgerechnet, als sie bei einem Treffen der texanischen Klinikleiterinnen des Konzerns zur \u201eMitarbeiterin des Jahres\u201c ausgezeichnet wird. Denn dabei er\u00f6ffnet die Texas-Chefin den Plan, dass \u201ePlanned Parenthood\u201c die \u201egr\u00f6\u00dfte Klinik der westlichen Hemisph\u00e4re\u201c bauen will, und daf\u00fcr die Zahl der durchzuf\u00fchrenden Abtreibungen verdoppelt werden solle. Gegen Abbys Einspruch, dass die Organisation als gemeinn\u00fctzig eingestuft sei, antwortet Cheryl: \u201eGemeinn\u00fctzigkeit ist ein Steuermodell und kein Gesch\u00e4ftsmodell\u201c. Unumwunden gibt sie zu: \u201eDie Abtreibungen bezahlen Ihr Gehalt\u201c.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Obwohl \u201eUnplanned\u201c den Kunstgriff der Off-Stimme \u00fcberstrapaziert und die Musik teils erdr\u00fcckt, \u00fcberzeugt der Film durch seine Dramaturgie, die als L\u00e4uterungsgeschichte der einstigen \u201epro choice\u201c- in eine \u201epro life\u201c-Aktivistin dargestellt wird. Dies stellt einen klassischen Kinostoff dar, der gro\u00dfe Emotionalit\u00e4t ausstrahlt.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Trotz R-Altersfreigabe und sonstiger Hindernisse bei der Vermarktung des Filmes \u2013 so gut wie alle Fernsehsender in den Vereinigten Staaten verweigerten die Ausstrahlung des Werbe-Trailers, Twitter schloss die Seite von \u201eUnplanned\u201c an dessen Premierentag \u2013 setzte \u201eUnplanned\u201c auf dem US-amerikanischen Markt bisher mehr als 19 Millionen Dollar um (bei Produktionskosten von ca. 6 Millionen Dollar). Nachdem sich in Deutschland erst wenige Kinos bereit erkl\u00e4rten, den Film zu spielen, wird \u201eUnplanned\u201c vorwiegend als DVD verbreitet.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\"><em>Jos\u00e9 Garc\u00eda, iDAF, Filmempfehlung, September 2020 (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>)<\/em><\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">\u201eUnplanned\u201c, Regie: Chuck Konzelman, Cary Solomon, USA 2020, 105 Minuten (FSK: ab 16 Jahren). EAN 4051238076967, EUR 15,00.<\/p>\n<p class=\"text-build-content\" style=\"text-align: justify;\" data-testid=\"OUDllk4ME\">Trailer: <a href=\"http:\/\/35l4.r.mailjet.com\/lnk\/AUwAAA9AR8sAAciRwqgAAABqjVUAAAAAX_0AABkzAAs_YgBfcuVEYKCqkeFHRj-XALy_bvz7GwALU4c\/6\/Vy0kOpnaotbrK3gRwPwhZA\/aHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS5jb20vd2F0Y2g_dj1SZzZrc001VmZmTQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Rg6ksM5VffM<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abtreibung ist ein Thema, auch im Film. Aber anders als der inzwischen in der Gesellschaft und insbesondere in der Politik zum \u201eKonsens\u201c erhobenen Meinung, dass Abtreibung zwar ein Drama, aber unvermeidlich sei, entscheidet sich die \u00fcberwiegende Mehrheit der in Spielfilmen dargestellten, ungewollt Schwangeren f\u00fcr das Kind. 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