{"id":17486,"date":"2020-08-28T13:15:24","date_gmt":"2020-08-28T11:15:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17486"},"modified":"2020-08-31T08:27:25","modified_gmt":"2020-08-31T06:27:25","slug":"gott-hebt-seine-stiftungen-nicht-auf-theologische-anmerkungen-zum-neuen-buch-von-martin-grabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17486","title":{"rendered":"Gott hebt seine Stiftungen nicht auf. Theologische Anmerkungen zum neuen Buch von Martin Grabe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Verfasser des Buchs \u201eHomosexualit\u00e4t und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama\u201c ist \u00c4rztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark und Chefarzt der dortigen Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik. Er blickt auf eine reiche Erfahrung im Umgang mit homoerotisch empfindenden Menschen. Insofern ist gerade das 3. Kapitel seines Buchs, wo er \u201eHomosexualit\u00e4t aus therapeutischer Sicht\u201c darstellt, durchaus lesenswert. Hier spricht er auch seine therapeutische Grund\u00fcberzeugung aus, \u201edass die sexuelle Orientierung in der Regel in der Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen verankert ist und nicht ge\u00e4ndert werden kann\u201c (32f.). Dr. Grabe wagt sich aber auch an grundlegende theologische Fragen heran, vor allem an die biblische Ablehnung homosexueller Bet\u00e4tigung und an die \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c, und er diskutiert im Blick auf sein Thema die Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes. Was er hier \u00e4u\u00dfert, fordert deutlichen Widerspruch heraus. In den folgenden Anmerkungen will ich diesen Widerspruch in f\u00fcnf Abschnitten formulieren.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.) Die beiden gro\u00dfen Stiftungen Gottes f\u00fcr die Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sollte \u00fcber die Gabe der menschlichen Sexualit\u00e4t nicht reden, ohne an die Stiftung der Ehe von Mann und Frau zu denken. Dass Martin Grabe die g\u00f6ttliche Einsetzung der Ehe viel zu wenig in den Blick nimmt, ist ein gro\u00dfes Manko. Gott f\u00fchrt das erste Menschenpaar zueinander und begr\u00fcndet damit die Ehe als einen lebenslangen Treuebund, in dem die menschlichen Grundsehns\u00fcchte nach Heimat, Treue und Geborgenheit gestillt werden k\u00f6nnen. Er segnet die beiden Geschlechter mit Fruchtbarkeit und adelt sie mit der gro\u00dfartigen F\u00e4higkeit, Menschen zu zeugen. Warum will er eigentlich auf der Erde so viele Menschen haben? Das Neue Testament hat die Antwort: damit das Erl\u00f6sungs- und Vers\u00f6hnungswerk Jesu m\u00f6glichst vielen zugutekommt. Deswegen ist jede Abtreibung eine zu viel. Dr. Grabe greift zu kurz, wenn er die Ehe nur eine \u201eTradition\u201c nennt (18). Nein, sie ist viel mehr! Sie ist der Ort, wo in einer ungeborgenen Welt Mann und Frau Geborgenheit erleben k\u00f6nnen, wo Heimat als Vorgeschmack auf die ewige Heimat erfahrbar wird und wo das hohe Gut zwischenmenschlicher Treue t\u00e4glich geschenkt und weitergegeben werden kann. Als jemand, der \u2013 zusammen mit meiner Frau \u2013 fast 40 Jahre in der Eheberatung t\u00e4tig ist, wei\u00df ich nat\u00fcrlich, dass diese Potentiale der Ehe nicht einfach abruf- oder einklagbar sind. Wer sich aber mit den biblischen Eheleitlinien besch\u00e4ftigt und Jesus konkret und pers\u00f6nlich um Hilfe bittet, der ist an den Ehesegnungen schon sehr nahe dran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite wunderbare Stiftung Gottes ist die Gemeinde der Christen, die durch die geistliche Neugeburt miteinander zum Leib Christi verbunden sind. Das ist zwar hier nicht das Hauptthema, aber immer wieder taucht die Frage auf, was eigentlich mit denen ist, die noch nicht oder nicht mehr verheiratet sind bzw. gar keine Ehe anstreben. K\u00f6nnen sie keine Heimat, Treue und Geborgenheit erleben? Die Antwort ist schnell gegeben: sie k\u00f6nnen diese Grunderfahrungen in der Gemeinde Jesu machen. Sie werden dort Menschen finden, die ihnen auch in Notzeiten die Treue halten. Und sie k\u00f6nnen in der Gemeinde innere Heimat und Geborgenheit erfahren. Es sind nat\u00fcrlich nicht die Menschen, die ihnen das alles geben. Es ist Jesus, der durch die Menschen handelt. Wir sind hier schon ganz dicht am Thema des Buchs. Wer aufgrund seiner homoerotischen Empfindungen die Ehe von Mann und Frau nicht als erstrebenswertes Ziel ansieht, kann in einer \u2013 funktionierenden \u2013 Gemeinde seine seelischen Grundsehns\u00fcchte stillen. Er kommt nicht zu kurz. Es ist schade, dass Dr. Grabe diesen existentiellen und therapeutischen Wert der Gemeinde nur dann gew\u00e4hrleistet sieht, wenn homoerotisch empfindende Menschen \u201eeine verbindliche, treue Ehe unter dem Segen Gottes und der Gemeinde eingehen\u201c (76). Was er hier formuliert, entspricht zwar seiner therapeutischen Grund\u00fcberzeugung, bleibt jedoch ein blo\u00dfes Gedankenkonstrukt, weil es keine Basis in der biblischen Offenbarung hat. Gott hat keine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c gestiftet, sondern die Ehe zwischen Mann und Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.) Die Frage der \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verwende dieses Wort zur Kennzeichnung der Ehe nicht gern, sondern bleibe lieber beim Begriff der \u201eStiftung\u201c. Dr. Grabe setzt viel M\u00fche ein, um zu beweisen, dass Gott selber die Ehe relativiert und nicht durchg\u00e4ngig als sein Modell des Zusammenlebens von Mann und Frau hochh\u00e4lt. Er f\u00fchrt drei Argumente an. 1.) Die Mehrehe im Alten Testament. Dieser angebliche Beweis zerf\u00e4llt sofort, wenn man an die N\u00f6te, Verwicklungen und Verletzungen denkt, die die jeweiligen Mehrehen ausgel\u00f6st haben. Nirgendwo hat Gott diese pervertierte Form der Ehe gutgehei\u00dfen. Im Gegenteil: Wer sich nicht an die von Gott eingesetzte lebenslange Einehe h\u00e4lt, muss die bitteren Konsequenzen tragen. 2.) Die Ehelosigkeit Einzelner wie z.B. des Apostels Paulus ist ebenfalls kein Beweis f\u00fcr eine Nivellierung der Ehe. Paulus sagt es selbst, dass nur wenige die Gabe der Ehelosigkeit haben (1 Kor 7,7). Wenn aber Gott selber einzelnen Christen die Gabe der Ehelosigkeit gibt, dann wird damit die Ehe nicht degradiert. Im Gegenteil: wer diese Gabe nicht hat, darf mit Zuversicht Gott um einen Ehepartner bitten. 3.) Die Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes. Gott k\u00f6nne nach Einsch\u00e4tzung Dr. Grabes durchaus von seiner eigenen Sch\u00f6pfungsordnung abweichen (58). Er meint sogar, dass homosexuell empfindende Menschen unter Berufung auf das souver\u00e4ne Handeln Gottes sich als so von Gott geschaffen verstehen sollten. \u201eEr findet es richtig, dass ich so bin, wie ich bin\u201c (59). Diese Empfehlung ist theologisch nicht haltbar. Wer den Sch\u00f6pfungsbericht und auch Jesus dort ernst nehmen will, wo sie die Polarit\u00e4t der Geschlechter als g\u00f6ttliches Sch\u00f6pfungswerk bezeugen, kann nicht im selben Atemzug sagen, dass Gott in gleicher Weise Menschen f\u00fcr eine gleichgeschlechtliche Sexualit\u00e4t erschafft. Das eine schlie\u00dft das andere aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.) Das Menschenbild von R\u00f6m 1,18-32<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der R\u00f6merbrief nimmt im ersten Kapitel grunds\u00e4tzlich die Gottlosigkeit und S\u00fcndhaftigkeit der Menschheit und die reziproke Reaktion Gottes in den Blick. So wie der Mensch die Majest\u00e4t des unsichtbaren Gottes mit der Anbetung sichtbarer Idole vertauscht, so \u00fcberl\u00e4sst ihn Gott der sexuellen Z\u00fcgellosigkeit, die den nat\u00fcrlichen geschlechtlichen Verkehr mit dem unnat\u00fcrlichen vertauscht. Und so, wie der Mensch an der wahren Gotteserkenntnis kein Interesse hat, so muss er nun untereinander egoistische Verhaltensweisen, die seiner inneren Blindheit entspringen, tun und erleiden. Was die homosexuellen Handlungen betrifft, meint Dr. Grabe, dass Paulus hier an \u201er\u00f6mische Orgien und Exzesse\u201c denkt. (45) Doch diese Vermutung greift zu kurz. Paulus kennt aus dem Griechentum die gleichgeschlechtliche Sexualit\u00e4t in ihren Varianten zur Gen\u00fcge (vgl. 1 Kor 6,11). Er greift das Problem viel grunds\u00e4tzlicher auf. Er sieht in der Widernat\u00fcrlichkeit homoerotischer Verbindungen einen Beweis, dass Gott die Menschen an ihre Begierden ausliefert. Der ganze Abschnitt R\u00f6m 1,18-32 ist von der Aussage durchdrungen, dass der unerl\u00f6ste Mensch seine Mitmenschen zum Spielball seiner s\u00fcndigen Egoismen macht. Das geschieht auch in allen m\u00f6glichen anderen s\u00fcndhaften Verhaltensweisen. Der Mensch steht unter der Verf\u00fchrungs- und Verf\u00fcgungsmacht der S\u00fcnde und kann sich ihr nicht entziehen. Erst die Begegnung mit Jesus Christus, wie es Paulus dann im weiteren Verlauf des R\u00f6merbriefs darlegt, gibt dem Menschen die Kraft, seinen vielf\u00e4ltigen Egoismen entgegenzutreten und der Liebe Gottes Raum zu geben. Bedauerlicherweise erw\u00e4hnt Dr. Grabe 1 Kor 6,11 nicht. Paulus spricht hier von Menschen, die sich mit Gottes Hilfe von ihrer homosexuellen Praxis abgewendet haben. Niemand wird Dr. Grabe seine therapeutischen Erfahrungen bestreiten wollen, dass nur relativ wenige homoerotisch empfindende Menschen eine Ver\u00e4nderung und Abkehr von ihrer Empfindungswelt erleben und heterosexuell werden. Aber von einem christlichen Arzt sollte man doch erwarten k\u00f6nnen, dass er R\u00f6m 4,17 kennt. Gott der Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde ist jederzeit in der Lage, Menschen umzupr\u00e4gen. Wenn Gott das allergr\u00f6\u00dfte Wunder an einem Menschen vollbringen kann, n\u00e4mlich ihm eine geistliche Neugeburt zu schenken, dann kann er auch das Wunder einer Umpr\u00e4gung sexueller Empfindungen tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.) \u201eVers\u00fcndigungs\u00e4ngste\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Interview mit der Zeitschrift \u201ePro\u201c (14.7.20) hat sich Dr. Grabe skeptisch dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, ob es innerhalb der evangelikalen Bewegung bald zu einer Einigung in der Bewertung der Homosexualit\u00e4t kommt. Das Hauptproblem sieht er bei denen, die gewissensm\u00e4\u00dfig an einer Ablehnung festhalten. \u201eManche Menschen sind so stark durch ihr Gewissen gebunden, dass sie nicht bereit sind, sich auf eine ehrliche und tiefgehende inhaltliche Auseinandersetzung einzulassen\u201c. In seinem Buch meint er: \u201eDas Gewissen ist kein zuverl\u00e4ssiger Ratgeber\u201c. (84) Paulus ist da anderer Auffassung. Sehr wohl hat das Gewissen die Kraft, dem Menschen den Willen Gottes zu bezeugen (R\u00f6m 2,15). Was w\u00e4re, so m\u00f6chte man Dr. Grabe fragen, wenn ein an die Ethik der Apostel gebundenes Gewissen an den beiden Stiftungen Gottes festh\u00e4lt und deswegen mit R\u00f6m 1,26 und 27 die gleichgeschlechtliche Lebensweise als Ausdruck des Dahingegebenseins durch Gott ansieht? Ist ein solches Gewissen wirklich von \u201eVers\u00fcndigungs\u00e4ngsten\u201c durchdrungen? Hier hat die psychologische Sichtweise des Verfassers die Dimension des Glaubensgehorsams ganz und gar \u00fcberdeckt. Wenn wir anfangen, uns \u201eVers\u00fcndigungs\u00e4ngste\u201c zu unterstellen, ist ein seri\u00f6ses theologisches Gespr\u00e4ch nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.) Weder moralischer Zeigefinger noch Glorifizierung. Wie kann ein sachlicher und von der Liebe Gottes gepr\u00e4gter Umgang mit homoerotisch empfindenden Menschen aussehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den westlichen L\u00e4ndern leben wir in Zeiten, die seit dem Siegeszug des Neomarxismus die Selbstverwirklichung als gro\u00dfes Lebensideal preisen. Dass diese Idee ein v\u00f6llig verkehrtes Menschenbild transportiert, den Einzelnen isoliert, ihn gemeinschaftsunf\u00e4hig macht und ihm innere Entwicklungschancen raubt, ist leider immer noch nicht Allgemeingut geworden. Wir leisten uns ein mit gro\u00dfz\u00fcgigen Finanzen ausgestattetes Mediensystem, das Gewalt verherrlicht, die Ehe madig macht, den Schutz des ungeborenen Lebens nicht thematisiert und die christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft ignoriert. Die Aufgabe der gro\u00dfen Kirchen w\u00e4re es, die wunderbaren Segnungen von Ehe und Gemeinde hervorzuheben und dem postmodernen Menschen auf diese Weise Heimat, Treue und Geborgenheit zu vermitteln. Ich vermag nicht zu erkennen, dass die Kirchen diese Mammutaufgabe ausreichend anpacken. Solange auf der Ehe politisch und medial herumgetrampelt wird, muss man sich nicht wundern, dass sie an Attraktivit\u00e4t verliert und andere Lebensformen ausprobiert werden. Solange der Familienzusammenhalt kein gesamtgesellschaftliches Ziel ist und V\u00e4ter und M\u00fctter so wenig \u00f6ffentlich gest\u00fctzt werden wie derzeit, haben es Kinder und Jugendliche schwer, zu ihrer geschlechtsspezifischen Identit\u00e4t zu finden. Was ist da zu tun? Es hilft nichts, den moralischen Zeigefinger zu heben. Aber es hilft auch nichts, dem gesellschaftlichen Mainstream hinterherzulaufen und die gleichgeschlechtlichen Lebensformen als Alternative zu preisen. Die Nachfolger Jesu haben andere M\u00f6glichkeiten. Sie k\u00f6nnen ihre eigenen Ehen stabilisieren und sie auf diese Weise attraktiv f\u00fcr die junge Generation machen. Sie k\u00f6nnen in der Liebe Gottes auf Menschen mit homoerotischen Gef\u00fchlen zugehen und ihnen die vielfachen Wege Gottes zu einem sinnvollen Leben in den beiden gro\u00dfen Stiftungen Gottes zeigen, und vor allem, ihnen den Weg zu Jesus Christus er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Grabes Pl\u00e4doyer f\u00fcr die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c h\u00f6hlt die von Gott gestiftete Ehe von Mann und Frau aus. Sein Buch kapituliert vor dem gesellschaftlichen Mainstream, anstatt Glaube, Liebe und Hoffnung zu vermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Dr. Joachim Cochlovius, Walsrode, den 28.8.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verfasser des Buchs \u201eHomosexualit\u00e4t und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama\u201c ist \u00c4rztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark und Chefarzt der dortigen Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik. 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