{"id":17321,"date":"2020-06-06T09:09:27","date_gmt":"2020-06-06T07:09:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17321"},"modified":"2020-06-05T14:13:34","modified_gmt":"2020-06-05T12:13:34","slug":"adam-wo-bist-du-1-mose-38-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17321","title":{"rendered":"\u201eAdam, wo bist Du?\u201c (1. Mose 3,8.9)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Diese Geschichte kann man nicht als unbeteiligter Zuschauer aus sicherer Distanz zur Kenntnis nehmen. Wer in die S\u00fcndenfallgeschichte hineinschaut, wo Gott den Menschen ruft: \u201eAdam, wo bist du?\u201c &#8211; der blickt in einen Spiegel. Da schaut mich doch dann mein eigenes Gesicht an. Denn in dieser Erz\u00e4hlung vom Anfang der Weltgeschichte kommen wir alle vor. Vielleicht sagt jetzt einer von uns: \u201eAch diese alte Geschichte, das ist lange her, was hat das mit uns zu tun?\u201c Wer so redet, hat keine Ahnung, worum es geht. Gott k\u00e4mpft um Menschen. Gott ist bereit, seine W\u00fcrde und Majest\u00e4t zu verlieren. Er wird dreckig, blutig und arm, nur um uns zur\u00fcckzugewinnen. Wir sind ihm wirklich teuer zu stehen gekommen. Begreifen wir, dass der Kampf Gottes um uns geht?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind als Menschen mitbeteiligt. Adam ist ja nicht eine Gestalt aus eisgrauer Vorzeit. Adam, das ist der Mensch schlechthin. Adam \u2013 das bin ich, und das bist du. Denn Adam hei\u00dft: <em>der Mensch<\/em>, und Eva: <em>Mutter aller Lebendigen<\/em>. Adam ist eine typische Gestalt. Und darum hat die Erz\u00e4hlung vom S\u00fcndenfall f\u00fcr uns Bedeutung. Sie will uns unterrichten \u00fcber das Thema S\u00fcnde, ohne dass dieses Wort auch nur einmal erscheint. Hier bin ich selbst dabei. Und zwar nicht nur als eine Randfigur. Die S\u00fcndenfallgeschichte setzt uns auf die Anklagebank. Jeder von uns muss jetzt der Frage standhalten, die aus dem Munde Gottes an ihn ergeht: \u201eAdam, Mensch, wo bist du?\u201c Ich h\u00f6re hier 3 Paukenschl\u00e4ge, die uns in der Passionszeit unter die Haut gehen sollen:<\/p>\n<p><strong>1. Paukenschlag: Versucht und gefallen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute sagen ja viele voller Mitleid mit den Pastoren und der Kirche: \u201eWer fragt denn noch nach Gott?\u201c Wo keine Nachfrage, da ist es mit dem Absatz auch schlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ob das ein neues Problem w\u00e4re! Seit dem S\u00fcndenfall ist das schon so. Der Mensch fragt nicht nach Gott. Er ist auf der Flucht vor Gott. Er versucht, Gott schweigend zu \u00fcbergehen. Er hat ein gro\u00dfes Interesse daran, nicht an der Gottesfrage zu r\u00fchren. Alle Religionen des Menschen sind doch raffinierte Ausweichman\u00f6ver. Religion hei\u00dft, den lebendigen Gott zu verdr\u00e4ngen. Wir bauen uns einen Ersatz, der uns passt, der uns keine Schwierigkeiten macht, und wir gaukeln uns etwas vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist der wunde Punkt des Menschen. Wir m\u00fcssen also davon ausgehen, dass der Mensch von sich aus nicht nach Gott fragt. Die biblische Geschichte f\u00fchrt uns das vor Augen. Wir wollen da mal kurz in diese Geschichte hineinschauen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat nach der Sch\u00f6pfung des Menschen sagen k\u00f6nnen: \u201eUnd siehe, es war sehr gut.\u201c Und auf einmal schieben sich vor die Sonne schwarze Wolken: \u201eAber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte.\u201c Die Schlange, die unheimlich dunkle Alternative, die Gott zugelassen hat in seiner Sch\u00f6pfung, damit der Mensch in der Spannung zwischen Gut und B\u00f6se seine Freiheit bew\u00e4hre, seinen Mensch-Adel unter Beweis stelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das B\u00f6se ist da. Und sofort wird deutlich, dass der Mensch dem B\u00f6sen gegen\u00fcber nicht neutral bleiben kann. Denn die S\u00fcnde hat die Eigenschaft, den Menschen zu reizen und zu locken. Was sind ihre Mittel?<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Der Zweifel: \u201eJa, sollte Gott gesagt haben?\u201c Ganz harmlos f\u00e4ngt sie an. Zuerst will sie unser Interesse wecken; sie m\u00f6chte, dass wir uns mit ihr in eine Diskussion einlassen. Wenn ihr das gelungen ist, f\u00fchrt sie den n\u00e4chsten Sto\u00df.<\/li>\n<li>Die L\u00fcge: \u201eIhr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern ihr werdet sein wie Gott.\u201c Das klingt verlockend, das ist eine handfeste Aufforderung zum Misstrauen gegen Gott. Sie will uns einfl\u00fcstern: Ihr habt Gott missverstanden. Man darf seine Gebote nicht so genau nehmen. Und im \u00dcbrigen: Gottes Gebote hemmen die Lebensentfaltung. Wer es mit Gott h\u00e4lt, kommt zu kurz im Leben. Ihr wollt doch etwas vom Leben haben! Ihr seid doch moderne, aufgekl\u00e4rte Menschen! Darum: setzt euch ruhig \u00fcber diese alten Ordnungen hinweg. Einmal ist keinmal!<\/li>\n<li>Die Verf\u00fchrung der Sinne: \u201eUnd das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen w\u00e4re und dass er eine Lust f\u00fcr die Augen w\u00e4re und verlockend.\u201c Es ist hier offenkundig: Wer sich mit dem Versucher auch nur an einer Stelle einl\u00e4sst, wer ihm nur eine Spur von Glauben schenkt, der verf\u00e4llt ihm mit Haut und Haaren. \u201eSie sah. . .\u201c und dann geht es Schlag auf Schlag: sie sah &#8211; sie nahm &#8211; sie a\u00df &#8211; sie gab. Es ist wie bei einer schiefen Ebene. Wer das Gef\u00e4lle einmal betreten hat, f\u00fcr den gibt es kein Halten mehr. Vor dem S\u00fcndenfall wussten Adam und Eva, was gut ist und b\u00f6se w\u00e4re. Nach dem S\u00fcndenfall wussten sie was b\u00f6se ist und gut w\u00e4re. Versucht und gefallen &#8211; das ist der erste Paukenschlag.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wird Gott nach der Rebellion des Menschen reagieren? Gott braucht uns doch nicht. Seine Heiligkeit und Majest\u00e4t verlangen nach Gericht. Gott ungehorsam zu sein, ist doch Wahnsinn und Selbstmord. Wird Gott schweigen? Werden wir in der Nacht und der Einsamkeit der H\u00f6lle versinken? Rebellion gegen Gott? Damit hat der Mensch sich doch selbst die Luft abgedreht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Paukenschlag: Versteckt und gefunden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, so harmlos f\u00e4ngt es meistens an. Und dann kommt Gott und spricht: \u201eWo bist du, Adam?\u201c Gott fragt nach dem Menschen. Das ist der Beginn des Kampfes Gottes um den Menschen. Hier ist die wichtigste Entscheidung der Weltgeschichte gefallen: Gott gibt uns nicht auf, er rennt denen nach, die sich verrannt haben. Es ist ihm nicht egal, dass wir weggelaufen sind. Mit dieser Frage Gottes f\u00e4ngt es an und mit dem Kreuz Jesu kommt es zum H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist unbegreiflich, aber wahr. Wer es noch nicht gemerkt hat, der sollte es jetzt schleunigst merken. Sie sind so fern von Gott, dass sie Gott nicht einmal mehr als Frage sp\u00fcren? Sie h\u00f6ren ihn nicht mehr? Sie haben ein hartes Gewissen? Das ist unsere Not. Aber Gott fragt nach uns. Das ist unsere Chance!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die S\u00fcnde hat auch Konsequenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich h\u00f6rte vor einiger Zeit folgende Geschichte. Die Polizei h\u00e4lt einen Wagen an. Der bremst auch, wendet dann aber und flieht. Der Polizeiwagen nimmt die Verfolgung auf. Einer kann den Wagen bremsen. Aber die zwei Insassen fliehen zu Fu\u00df. Sie verstecken sich im Geb\u00fcsch. Die Tarnung ist zu schlecht. Schlie\u00dflich werden sie festgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe Gott, wie er durch den Garten eilt, unter jedem Strauch nachschaut, unter jeder Hecke, und ruft: \u201eAdam, wo bist du?\u201c Schlie\u00dflich hat Gott ihn gestellt. Aber Adam geht erneut auf die Flucht. Er f\u00e4ngt mit Ausreden an. Er kommt auf seine Nacktheit zu sprechen, und dass er sich sch\u00e4mt. Er h\u00e4lt sich mit \u00c4u\u00dferlichkeiten auf. Er redet von den Folgen anstatt von der Ursache, Er schiebt es auf andere, auf die Frau, auf Gott, auf die Schlange. Was wir in dieser Geschichte hier sehen, das ist ja die gro\u00dfe Welt im Kleinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dichter Heinrich B\u00f6ll hat ein Buch mit dem Titel \u201eWo warst du, Adam?\u201c herausgegeben. Diesem Buch stellt er ein Zitat von Theodor Haecker voraus, das folgenderma\u00dfen lautet: \u201eEine Weltkatastrophe kann zu manchem dienen. Auch dazu, mein Alibi vor Gott zu finden. \u201aWo warst du, Adam?\u2018 \u2013 \u201aIch war im Weltkrieg.\u2018\u201c Das war da eben mit Hass und Mord so. Die Zeit war so. Das Temperament war so. Die Verh\u00e4ltnisse waren so. Ich wusste es nicht anders. Die anderen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sind wir auf der Flucht, und die Jagd geht weiter. Gott k\u00e4mpft um uns. Wir meinen, der Kampf Gottes w\u00e4re gegen uns gerichtet. Wir \u00e4rgern uns, dass Gott uns aufst\u00f6bert. Wir f\u00fchlen uns verletzt. Gott schneidet uns immer wieder den Fluchtweg ab, bis wir wissen, was unsere S\u00fcnde ist, dass wir verloren sind, dass wir umkehren m\u00fcssen, dass wir Vergebung brauchen. Gott bem\u00fcht sich, unsere Selbstgerechtigkeit zu durchbrechen. Werden wir uns freiwillig stellen und gerettet werden, oder werden wir an Gott zugrunde gehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wenn die Frage Gottes, \u201eAdam, Mensch, wo bist du?\u201c, unausweichlich in unser Leben hineinzielt: wenn Gott uns einholt und stellt, dann h\u00f6rt das Weitergeben der Schuld auf. Wir m\u00fcssen Gott Antwort geben, wir k\u00f6nnen ihm nicht ausweichen. Es gibt keinen Ort auf dieser Erde, an dem wir uns auf Dauer vor ihm verstecken k\u00f6nnten. \u201eAdam &#8211; wo bist du?\u201c &#8211; Versteckt und gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Paukenschlag: Gestraft und bewahrt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun straft Gott den Ungehorsam der Menschen. \u201eIrret euch nicht! Gott l\u00e4sst sich nicht spotten. Denn was der Mensch s\u00e4t, das wird er ernten\u201c (Gal. 6,7). T\u00e4uschen wir uns nicht, wenn wir vielleicht meinen, bisher straffrei ausgegangen zu sein! Die S\u00fcndenfallerz\u00e4hlung zeigt uns, dass wir an den Strafen, die Gott verh\u00e4ngt hat, bis heute zu tragen haben: Die Frau bei ihrer Mutterschaft, der Mann bei seiner beruflichen Arbeit. \u201eMit Schmerzen sollst du Kinder geb\u00e4ren \u2026\u201c hei\u00dft es f\u00fcr Eva. Mann und Frau werden durch Gottes strafende Hand mitten im Nerv ihrer Existenz getroffen, da, wo ihr Herz schl\u00e4gt, die Frau in der Mutterschaft, der Mann bei seiner beruflichen Arbeit. Und daneben steht Adam: \u201eMit M\u00fchsal sollst du dich n\u00e4hren dein Leben lang.\u201c Wie die Frau, so ist auch der Mann im Zentrum seines Menschseins getroffen. Dornen und Disteln auf dem Acker der t\u00e4glichen Arbeit sind sein Los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jenseits von Eden &#8211; die T\u00fcr ist zu. Und wir stehen drau\u00dfen. Hier endet die Erz\u00e4hlung vom S\u00fcndenfall. Doch Gott hat schon vorgeplant, damit das Ganze nicht in der endg\u00fcltigen Katastrophe \u201aMensch\u2018 endet. Jetzt schon hat Gott den Reparaturplan in der Tasche: \u201eDa wird einer kommen, der wird dem Teufel den Kopf zertreten!\u201c &#8211; So steht es im Alten Testament.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dennoch hat diese alte Geschichte eine Fortsetzung. Sie steht im Neuen Testament im R\u00f6merbrief: \u201eWie nun durch des einen S\u00fcnde die Verdammnis \u00fcber alle Menschen gekommen ist so ist auch durch des einen Gerechtigkeit die Rechtfertigung zum Leben f\u00fcr alle Menschen gekommen\u201c (R\u00f6m. 5,1.8). Adam hat die Menschheit auf die Bahn des Todes gebracht. Er hat uns alle hineingerissen in den Strudel des Verderbens. Aber nun ist ein zweiter Adam gekommen. \u201eFragst du, wer der ist? Er hei\u00dft Jesus Christ!\u201c Dieser andere Adam hat die Todeswand durchbrochen. So wie Adam der Anfang der gefallenen Welt ist, so ist Christus der Anf\u00e4nger einer neuen Sch\u00f6pfung. An seinem Kreuz ist das rei\u00dfende Wasser der s\u00fcndigen Menschheit aufgestaut. Die zerbrochene Gemeinschaft mit Gott ist wiederhergestellt. Denn Gottes Vergebung ist gr\u00f6\u00dfer als alle menschliche Schuld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun geht Jesus Christus durch die Welt und ruft uns zu: \u201eKommet her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken\u201c (Mt. 11,28). An seinem Kreuz hat er die Arme ausgebreitet und mit letzter Kraft gerufen: \u201eEs ist vollbracht.\u201c Das Werk des Br\u00fcckenschlags zwischen Gott und der Menschheit ist vollbracht. Nun l\u00e4dt er uns ein zum Leben in Freiheit und Freude, zum Leben mit ihm, dem Lebendigen. Die T\u00fcr zu Gottes Reich ist uns nicht mehr verschlossen. Jesus Christus hat sie aufgetan. Und wir d\u00fcrfen kommen. Er wartet auf uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach, dass wir dieses Brennen des v\u00e4terlichen Herzens heute sp\u00fcren w\u00fcrden: \u201eH\u00e4ttest du dich nicht zuerst an mich gehangen, ich w\u00e4re von selbst dich wohl nicht suchen gegangen. Du suchtest mich und nahmst mich mit Erbarmen in deine Arme.\u201c Kommt mit, alle miteinander. Ich sehe unseren Gott, wie er blutet und stirbt, nachdem sie ihn ans Kreuz genagelt haben. Seine ausgebreiteten Arme sind wie ein letztes Seufzen, das die Welt ersch\u00fcttert: Ich suche dich; ich will keinen lassen! Ich suche dich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHeut schleu\u00dft er wieder auf die T\u00fcr zum sch\u00f6nen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr daf\u00fcr. Gott sei Lob, Ehr und Preis.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker, St. Markus-Gemeinde Bremen, Passions-Andacht 14.3.2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte kann man nicht als unbeteiligter Zuschauer aus sicherer Distanz zur Kenntnis nehmen. Wer in die S\u00fcndenfallgeschichte hineinschaut, wo Gott den Menschen ruft: \u201eAdam, wo bist du?\u201c &#8211; der blickt in einen Spiegel. 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