{"id":17315,"date":"2020-06-02T09:46:27","date_gmt":"2020-06-02T07:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17315"},"modified":"2020-06-02T09:46:27","modified_gmt":"2020-06-02T07:46:27","slug":"aus-wasser-und-geist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17315","title":{"rendered":"\u201eAus Wasser und Geist\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDie Taufe ist ein Bad der Wiedergeburt\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Beginn der Reformation um 1517\/19 dauerte es gerade ein Jahrzehnt, bis sich drei Hauptstr\u00f6me der Evangelischen bildeten. Die Hauptursache war, dass Schweizer um Zwingli sowie Oberdeutsche wie Bucer in Stra\u00dfburg eine andere Lehre der Sakramente als Luther und seine Anh\u00e4nger im Norden entwickelt hatten. Beim Religionsgespr\u00e4ch in Marburg im Jahr 1529 konnten beide Seiten im Punkt des Abendmahls zu keiner Einigung finden, die ein Zusammengehen h\u00e4tte m\u00f6glich gemacht. In der Schweiz selbst trennten sich die T\u00e4ufer ab 1525 von den anderen Evangelischen. Sie sahen die Taufe gl\u00e4ubiger Erwachsener durch Untertauchen als Pflicht der Christen an.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Taufe entzweite aber nicht nur die T\u00e4ufer (Anabaptisten) und Reformierten. Diese hielten zwar wie die Lutheraner an der Kindertaufe fest, hatten und haben aber eine andere Tauftheologie. Diese Unterschiede sind z.B. in den heutigen EKD-Kirchen, gerade den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unierte_Kirchen_(evangelisch)\">unierten<\/a>, kaum wahrzunehmen. Konfessionelle Lutheraner und theologisch konservative lutherische Christen lassen jedoch durchaus erkennen, dass die Taufe sehr gro\u00dfen Wert hat und viel bewirkt \u2013 mehr als die Reformierten zugestehen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon Martin Luther entwickelte eine pr\u00e4gnante Tauftheologie. Im Kleinen Katechismus betont der Reformator: Die Taufe \u201e<em>wirkt<\/em> Vergebung der S\u00fcnden.\u201c Sie schafft neues Leben im T\u00e4ufling, wirkt die neue Geburt. Zahlreiche Schriften aus lutherischer Feder lie\u00dfen sich hier anf\u00fchren. Hier sei nur das <em>Enchiridion<\/em> (1593\/1603) von Martin Chemnitz genannt \u2013 eine Art ausf\u00fchrlicher Pastorenkatechismus, der vor einem halben Jahr auch in litauischer Sprache erschien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chemnitz (1522\u20131586) war einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Lutheraner in der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts. Er wirkte u.a. in Braunschweig. Im <em>Enchiridion<\/em> (Handbuch) bekr\u00e4ftigte er die lutherische Tauflehre: \u201eWir werden neugeboren aus dem Wasser und Geiste, auf dass wir in das Reich Gottes kommen, Joh. 3; item, die Taufe ist ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welcher reichlich \u00fcber uns ausgegossen wird, auf dass wir gerecht und selig werden, Tit. 3.\u201c (231)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aussagen werden u.a. mit Paulus Schriften begr\u00fcndet, denn dieser \u201espricht Tit. 3, die Taufe sei ein Bad erstlich der Wiedergeburt, n\u00e4mlich dass wir, die wir Kinder des Zorns waren, aus dem Wasser und Geist neu geboren werden, dass wir um Christus willen Gottes Kinder sind. Zum andern sei die Taufe auch ein Bad der Erneuerung des Heiligen Geistes.\u201c\u00a0(238) Die Wiedergeburt, \u201edas ist die Kindschaft und Vergebung der S\u00fcnden\u201c, sei \u201eganz und vollkommen, sobald ein Gl\u00e4ubiger getauft wird\u201c; gleichzeitig \u201eerstrecket [sie] sich doch gleichwohl durch das ganze Leben des Menschen\u201c (241).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Wiedergeburt kann jedoch verloren werden (235). Allein dies zeigt schon, dass mit dieser Tauflehre ein B\u00fcndel anderer theologischer Grundannahmen verbunden ist. Im lutherischen Pietismus kam es sp\u00e4ter zur Vorstellung von mehreren Wiedergeburten, angefangen bei der in der Taufe; oder die Wiedergeburt wurde von der Taufe gel\u00f6st und auf die sp\u00e4tere Bekehrung \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eEin Einweihungs- und Verpflichtungszeichen\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Reformierten lehnte als erster Huldrych Zwingli die Taufwiedergeburt ab. Schon fr\u00fch leugnete er, das Taufwasser habe s\u00fcndentilgende Kraft. In einem Brief an Stra\u00dfburger Br\u00fcder aus dem Jahr 1524 betonte er, \u201edass die Taufe auch f\u00fcr die gegeben wurde, die erst sp\u00e4ter einmal zum Glauben kommen sollten; sie sind dann eben zu dem Zweck getauft, dass sie sp\u00e4ter Christus kennenlernen sollten.\u201c Man d\u00fcrfe von der Taufe nicht erwarten, \u201ewas allein die Gnade Gottes vermag: Wir d\u00fcrfen nicht glauben, die Seele werde durch das Taufwasser gereinigt\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwingli bezeichnete die Taufe als \u201eein Einweihungs- und Verpflichtungszeichen\u201c (<em>Kommentar \u00fcber die wahre und falsche Religion<\/em>, 1525). Gegen die mittelalterliche Theologie sowie Luther betonte er, dass sowohl die Taufe des Johannes wie die Christustaufe, zwischen denen er keinen wesentlichen Unterschied sah, nichts \u201ebewirkt\u201c \u2013 im Gegensatz zur \u201einneren Taufe\u201c durch den Heiligen Geist, die den Glauben tats\u00e4chlich wirkt oder schafft. Die beiden \u00e4u\u00dferen, so Zwingli, f\u00fchren zu Christus hin und fordern ein neues Leben. Der Z\u00fcrcher Reformator unterschied klar zwischen dem Zeichen des Sakraments und der bezeichneten Sache, dem Sterben und Auferstehen mit Christus, der neuen Geburt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs ist etwas \u00c4u\u00dferliches, wenn man mit den [bei der Taufe gesprochenen] heiligen Worten \u2018im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes\u2019 untergetaucht wird, und es ist nur das Zeichen und die Zeremonie der eigentlichen Sache. Wenn bei einem Kaufhandel etwas durch Handschlag \u00fcbergeben wird, so ist der Handschlag nicht die \u00dcbergabe selbst, sondern ein sichtbares Zeichen, durch das wir best\u00e4tigen, dass das Gesch\u00e4ft von beiden Seiten vollzogen ist. So sind die Zeremonien \u00e4u\u00dfere Zeichen, welche anderen Menschen beweisen, dass derjenige, der diese Zeichen annimmt, sich zu einem neuen Leben verpflichtet hat oder dass er Christus bekennen will bis in den Tod.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwingli hatte sich damit weit vom bisher vorherrschenden Taufverst\u00e4ndnis entfernt. So wundert es auch nicht, dass die ersten T\u00e4ufer in der Eidgenossenschaft zuvor meist Anh\u00e4nger Zwinglis waren; sie gingen nur einige Schritte weiter als der Reformator und verabschiedeten sich ganz von der Kindertaufe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDer Geist, der das Wasser ist\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johannes Calvin stand in seinem Sakramentsverst\u00e4ndnis in mancher Hinsicht zwischen Luther und Zwingli. Aber auch er glaubte nicht wie Chemnitz und andere Lutheraner, dass Joh 3,5 von der Wassertaufe die Rede sei. In seinem Hauptwerk, der <em>Institutio<\/em> (1559), f\u00fchrt er aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eChristus hatte doch dem Nikodemus zun\u00e4chst die Verderbnis der Natur dargelegt und ihn gelehrt, dass eine Wiedergeburt von N\u00f6ten sei. Da aber Nikodemus von einer leiblichen Neugeburt tr\u00e4umte, so zeigt Christus an dieser Stelle die Art und Weise an, in der uns Gott solche Wiedergeburt schenkt, n\u00e4mlich eben \u2018aus Wasser und Geist\u2019. Es ist, als ob er sagte: es geschieht durch den Geist, der die Seelen der Gl\u00e4ubigen reinigt und besprengt und damit die Rolle des Wassers erf\u00fcllt. \u2018Wasser und Geist\u2019 verstehe ich also einfach so: \u2018der Geist, der das Wasser ist\u2019.\u201c (<em>Inst.<\/em> IV,16,25)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Vergleich zitiert Calvin die Aussage von Johannes dem T\u00e4ufer \u00fcber Jesus in Mt 3,11: \u201e\u2026 der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen\u201c. Der Geist in der Widergeburt hat \u201eAmt und Natur des Feuers\u201c inne. Entsprechend bedeute \u201eaus Wasser und Geist\u201c somit \u201enichts anderes als jene Kraft des Geistes empfangen, die an der Seele das ausrichtet, was das Wasser am Leibe vollbringt. Ich wei\u00df, dass andere diese Stelle anders auslegen; aber ich zweifle nicht daran, dass dies hier ihr lauterer Sinn ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heinrich Bullinger, Zwinglis Nachfolger in Z\u00fcrich, argumentiert etwas anders als Calvin, unterstreicht aber ebenfalls, dass die Rede vom Wasser in Joh 3,5 \u201enicht dem \u00e4u\u00dferen Zeichen der heiligen Taufe gem\u00e4\u00df zu verstehen [ist], sondern der inneren und vor allem geistlichen Wiedergeburt durch den Heiligen Geist. Da Nikodemus dies nicht klar zu erfassen vermochte, stellte sie der Herr bildlich dar und erl\u00e4uterte sie durch die Vergleiche mit dem Wasser und dem Geist, d.h. mit dem Wind oder der Luft [gr. <em>pneuma<\/em> f\u00fcr Geist meint auch Hauch, Wind], mit den feinsten Elementen also\u201c. Bullinger weist auf Joh 3,8 hin: \u201eDer Geist <em>weht<\/em>, wo er will.\u201c (<em>Dekaden<\/em> V, 8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bullinger zitiert au\u00dferdem Joh 3,12 \u00fcber irdische und himmlische Dinge und bemerkt: \u201eNun war aber der Gegenstand, den er ihm vortrug, ganz und gar nicht irdisch\u2026 [Joh 3,3]\u2026 Doch die Art und Weise, wie der Herr diese himmlische Lehre weitergegeben, erl\u00e4utert und dargestellt hat, ist irdisch. Denn f\u00fcr den schwerf\u00e4lligen und irdischen Menschen deutet er das Geistige und Himmlische, indem er irdische Dinge heranzog und es ihm sozusagen zur Betrachtung vor Augen stellte. Wie sich die Beschaffenheit des Leibes durch das Wasser und die Luft oft ver\u00e4ndert und Luft und Wasser eine wundersame Wirkung auf den Leib aus\u00fcben, so wirkt auch der Heilige Geist auf die Seele des Menschen, die er ver\u00e4ndert, reinigt, belebt usw.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eKein \u2018Wasser\u2019 kann den \u2018Geist\u2019 erg\u00e4nzen\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als dritte Stimme aus den Reihen der Reformierten sei Karl Barth zitiert. In der <em>Kirchlichen Dogmatik<\/em> (Band IV\/4, S. 131f) schreibt der Schweizer Theologe: \u201e\u2018Erzeugt aus Wasser und Geist\u2019 tritt V. 5 erkl\u00e4rend f\u00fcr das ein, was in Jesu erstem Wort\u00a0 V. 3 \u2018erzeugt von oben\u2019 (<em>anothen<\/em>) hei\u00dft.\u201c Es <em>k\u00f6nnte<\/em> Joh 3,5 von einem Sakrament der Taufe die Rede sein, wonach gilt: \u201edurch sie und nur durch sie\u2026 komme Einer ins Reich Gottes, weil in ihr und nur in ihr in und mit der Wirkung des Wasser \u2013 so oder so verstanden \u2013 auch die Wirkung des Heiligen Geistes stattfinde. Die herrschend gewordene christliche Tauftheologie hat sich in ihren verschiedenen Variationen tats\u00e4chlich auf dieser Linie bewegt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Barth glaubt aber nicht, dass Jesus dort ein Taufsakrament im Blick gehabt habe. Vielmehr liegt es nahe \u201edavon auszugehen, dass es sich in dieser Formel um eines von den zahlreichen f\u00fcr die Denk- und Redeweise des vierten Evangeliums typischen spannungsvollen Begriffspaare handeln m\u00f6chte\u201c (Barth nennt einige Beispiele). Er betont \u00a0\u2013 auch gegen die katholische Deutung von Joh 19,34: \u201eWas aus dem Leib des get\u00f6teten Jesus hervorgeht, ist nicht Blut und au\u00dferdem auch Wasser, sondern sein allein darin heilskr\u00e4ftiges Blut, dass es das die D\u00fcrstenden tr\u00e4nkende Wasser ist. Jesus ist nicht die Auferstehung und dann auch noch das Leben, sondern darin und nur darin ist er die Auferstehung, dass er das Leben ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Barth weiter: \u201eUnd nun m\u00fcsste es mit merkw\u00fcrdigen Dingen zugehen, wenn nicht auch das Begriffspaar \u2018Wasser und Geist\u2019 in die Reihe dieser dynamisch-kritischen Synthesen geh\u00f6rte: Was das \u2018Wasser\u2019 ist, durch das Einer \u2018von oben erzeugt\u2019 wird, das wird restlos und also exklusiv durch \u2018Geist\u2019 erkl\u00e4rt. Es gibt in der Funktion, die ihm hier zugeschrieben wird, kein \u2018Wasser\u2019 au\u00dfer und neben dem des \u2018Geistes\u2019: das Wasser vom Brunnen Jakobs (4,6f) nicht, das vom Teich Bethesda (5,2f) nicht und auch nicht das\u2026 christliche Taufwasser, und dieses auch nicht als Repr\u00e4sentant, Mittel oder Zeuge des Geistes. In dieser Funktion kann kein \u2018Wasser\u2019 den \u2018Geist\u2019 erg\u00e4nzen, kein \u2018Wasser\u2019 ihn als Sekund\u00e4rursache vermitteln, keines ihn offenbaren. \u2018Wasser\u2019 in dieser Funktion ist allein durch \u2018Geist\u2019 zu definieren. Der einen Menschen \u2018von oben erzeugt\u2019, ist ausschlie\u00dflich Er, der Geist, der weht, wo er will, dessen Stimme wohl zu h\u00f6ren, der aber nicht zu lokalisieren ist (V. 8). Er, der Geist allein ist das \u2018lebendige Wasser\u2019 (4,10f; 7,38). Seine, die Geistestaufe ist die eigentlich, die wirkliche, n\u00e4mlich eben: die einen Menschen \u2018von oben erzeugende\u2019, ihn zum Sehen und Betreten des Reiches Gottes bef\u00e4higende und erm\u00e4chtigende Taufe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz aller Unterschiede im Detail und verschiedener Akzente gibt es einen historischen Konsens der reformierten Theologie im Hinblick auf die Taufe. Hier sei nur noch der lange in Wien lehrende Eduard B\u00f6hl (1836\u20131903) zitiert, der ebenfalls zwischen Taufakt und Wiedergeburt klar unterscheidet: \u201eDie Realisierung dessen, was bei der Taufe von Gottes wegen versprochen wurde, geschieht in der Wiedergeburt. Dass nun diese Wiedergeburt immer gerade mit dem Momente des Taufaktes zusammenfiele, ist nicht Schriftlehre. Das hie\u00dfe sie an einen \u00e4u\u00dferlichen Vorgang binden.\u201c (<em>Dogmatik<\/em>, 1887)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">B\u00f6hl gesteht zu: \u201eDie Sakramente nehmen aber den Namen des durch sie bezeichneten Dinges an. So hei\u00dft das Brot \u2018Christi Leib\u2019; das Lamm hei\u00dft \u2018Passah\u2019.\u201c So auch schon Zwingli in einem Brief aus dem Jahr 1523. Man solle das Brot des Abendmahls besser Brot nennen, den Wein als Wein bezeichnen. \u201eWenn man hingegen das Brot lieber Leib nennt und den Wein Blut, so k\u00f6nnen wir das wohl tun. Aber es gilt nur in dem Sinne, wie wir sagen, die Taufe tilge die S\u00fcnden, wo doch nicht das Eintauchen \u2013 denn taufen hei\u00dft eintauchen \u2013 sie tilgt, sondern der Glaube. Ebenso d\u00fcrfen wir nur in \u00fcbertragenem Sinne Brot als den Leib und Wein als das Blut bezeichnen, womit uns Christus frei und rein macht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den zeitgen\u00f6ssischen Theologen geht auch der Kanadier D.A. Carson (geb. 1946) in seinem <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Gospel-According-Pillar-Testament-Commentary\/dp\/0802836836\">Johanneskommentar<\/a> davon aus, dass\u00a0 Wasser und Geist in dem Vers aus Kapitel drei eine Einheit bilden und einen inneren Vorgang beschreiben. Jesus tadelt Nikodemus f\u00fcr sein Unverst\u00e4ndnis, was wenig Sinn machen w\u00fcrde, wenn er das Sakrament der Taufe im Blick gehabt h\u00e4tte. Nikodemus konnte aber den Sinn begreifen, da schon im Alten Testament sowohl der Geist als lebensschaffend als auch das Wasser im \u00fcbertragenen Sinne als erneuernd und reinigend bezeichnet wurden. So gibt es zahlreiche Stellen, die von einem Ausgie\u00dfen \u2013 wie Wasser \u2013 des Geistes reden (z.B. Hes 36,25\u201327). Carson glaubt daher, dass es in dem Abschnitt nicht um einen Ritus geht; betont wird vielmehr die Notwendigkeit des radikalen Wandels. Er will nur die M\u00f6glichkeit offen lassen, dass in Joh 3 ein zweitrangiger Hinweis (\u201esecondary allusion\u201c) auf die Taufe vorliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDer Geist wirkt durch die christliche Taufe\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die lutherische Lehrentwicklung nahm mit dem <em>Konkordienbuch<\/em> (1580) ihren Abschluss. Nach den zum Teil heftigen Streitereien mit den Reformierten im 16. Jahrhundert \u00fcber die Sakramente wurde ihre Position festgeschrieben. In der <em>Konkordienformel <\/em>(1577) wird zur Taufe eindeutig festgehalten, dass sie im Getauften radikal ver\u00e4ndern wirkt, denn sie <em>bewirkt<\/em> eine Befreiung des zuvor versklavten Willens. \u201eDarum ist ein gro\u00dfer Unterschied zwischen den getauften und ungetauften Menschen.\u201c (SD, II)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So erkennt man bis heute an der Deutung von Joh 3 und anderen Stellen im Neuen Testament, welcher konfessionellen Str\u00f6mung ein Autor zuzurechnen ist. Der lutherische Theologe Joachim Jeremias (1900\u20131979) schlie\u00dft von Joh 3,5 sogar auf eine bereits existierende Kindertaufpraxis: \u201eDenn das Johannesevangelium w\u00fcrde den Satz, da\u00df nur die durch Wasser und Geist Gezeugten Einla\u00df in das Reich Gottes erlangen k\u00f6nnen (Joh. 3,5) schwerlich so uneingeschr\u00e4nkt formuliert haben, wenn man zu seiner Zeit noch bei den in christlicher Ehe geborenen Kindern auf die Taufe verzichtet h\u00e4tte.\u201c (<em>Die Kindertaufe in den ersten vier Jahrhunderten<\/em>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz lutherisch meint auch Edmund Schlink (1903\u20131984) in <em>Die Lehre von der Taufe<\/em>: \u201eDie Taufe auf den Namen Jesu Christi ist zugleich Taufe durch den Geist\u2026 \u2018Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesu Christi und durch den Geist unseres Gottes\u2019 (1 Kor 6,11). Dies alles ist in <em>einem<\/em> Akt dem T\u00e4ufling widerfahren.\u201c Schlink meint, dass \u201eden neutestamentlichen Taufaussagen gemeinsam ist, da\u00df von der Taufe und dem Geisteswirken als <em>einem<\/em> Akt gesprochen wird. Die christliche Taufe geschieht durch den Geist, der Geist wirkt durch die christliche Taufe. Nirgends wird hier unterschieden zwischen \u2018Wassertaufe\u2019 und \u2018Geistestaufe\u2019, oder auch zwischen S\u00fcndenvergebung und Geisteswirken als zwei verschiedenen Akten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Werner Neuer bekr\u00e4ftigt (s. <a href=\"http:\/\/www.elfk.de\/html\/seminar\/index_htm_files\/NeuerW_Kindertaufe-LTSwww.pdf\">hier<\/a>) als Lutheraner, dass die Taufe etwas \u201ebewirkt\u201c, n\u00e4mlich \u201edass Gott in der Taufe handelt und dem Menschen das ewige Heil zueignet!\u201c F\u00fcr ihn lassen zahlreiche Stellen im Neuen Testament keinen Zweifel \u201eam sakramentalen Charakter der Taufe und bezeugen nichts Geringeres, als dass der Mensch in der Taufe die Gnade der Gotteskindschaft empf\u00e4ngt. Ebenso eindeutig ist freilich, dass die Taufe nach dem Zeugnis des Neuen Testaments den Glauben nicht \u00fcberfl\u00fcssig macht, sondern auf ein Leben im Glauben und in der Christusnachfolge zielt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konservative Lutheraner wie Neuer haben meist wie auf Abruf eine ganze Reihe von Versen aus dem Neuen Testament parat, die wir selbstverst\u00e4ndlich bekr\u00e4ftigen sollen, dass die Taufe tats\u00e4chlich neues Leben schafft und S\u00fcndenvergebung wirklich bewirkt. Sie ber\u00fccksichtigen dabei aber nicht, dass in der fr\u00fchchristlichen Situation Bu\u00dfe, Glaube, Umkehr, Bekenntnis, Taufe, Wiedergeburt und Geistempfang in der Erfahrung der Christen so dicht zusammen lagen, dass sie gleichsam eine feste Einheit bildeten. Dieses siebenfache Geschehen (nach den genannten Substantiven) ist nach der Apostelgeschichte und den neutestamentlichen Briefen zeitlich und sachlich eng beieinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser Linie deutet auch Robert H. Stein in <em>Difficult Passages in the New Testament <\/em>Joh 3,5. Die \u2018Elemente\u2019 der christlichen Initiation k\u00f6nnen auf \u00fcberraschend verschiedene Weise kombiniert werden. Mitunter kann das Neues Testament Glaube und Taufe verbinden (z.B. Gal 3,25\u201327 und Kol 2,12); oder Glaube und Wiedergeburt, d.h. Geistempfang\u00a0 (Gal 3,2); Taufe wird auch zusammen mit der Wiedergeburt genannt (Tit 3,5 und Apg 9,17\u201318; 10,44\u201348); an anderen Stellen bilden Glaube und Bekenntnis (R\u00f6m 10,9) oder Taufe und Bekenntnis (Apg 22,16) ein Paar; an wieder anderen sind es Glaube und Bu\u00dfe (Mk 1,15; Apg 20,21). Neben diesen Paaren finden sich im Neuen Testament au\u00dferdem Dreierreihen wie Bu\u00dfe, Wiedergeburt und Taufe (Apg 2,38; 11,15\u201318). Schlie\u00dflich werden in Apg 19,2\u20136 vier Elemente aufgef\u00fchrt: Glaube, Taufe, Wiedergeburt und Bu\u00dfe. Erl\u00f6sung kann daher der Bu\u00dfe (2 Pt 3,9), dem Glauben (Apg 16, 31), dem Bekenntnis (R\u00f6m 10,13), der Wiedergeburt (Joh 3,3\u20135) oder der Taufe (1 Pt 3,21) zugeschrieben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Befund ist ernst zu nehmen und sollte vor voreiligen Schl\u00fcssen bewahren. Denn in welche sachliche Ordnung diese Aspekte zu bringen sind und wie genau Handeln bzw. Wirken Gottes und des Menschen in diesen Aspekten oder Elementen der Initiation zu gewichten sind, muss im Einzelnen sorgf\u00e4ltig festgestellt werden. Dass hier Unterschiede bestehen, ist ja offensichtlich. So ist ja Glaube eine menschliche Aktivit\u00e4t, gleichzeitig aber auch eine Gabe Gottes; Wiedergeburt ist dagegen ganz Gottes Wirken. Hier muss exegetisch gearbeitet werden, um z.B. festzustellen, wo von welchem Ph\u00e4nomen die Rede ist (wie eben auch: meint Joh 3,5 die Taufe als Ritus?). Und hier muss darauf geachtet werden, dass in das einzelne Element nicht zu viel hineingelesen wird. Vor allem darf zwischen engen Zusammenh\u00e4ngen wie zwischen Wassertaufe und Geistestaufe nicht gleich auf eine urs\u00e4chliche Beziehung geschlossen werden: die Taufe bewirke die Geistestaufe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sollte nicht leugnen, dass die eigenen hermeneutischen und dogmatischen \u00dcberzeugungen die Sichtweise der genannten Stellen mitpr\u00e4gen. Ein Lutheraner oder Katholik sieht bei der Nennung von Taufe als notwendigem Teil des Christwerdens sein Verst\u00e4ndnis direkt best\u00e4tigt. Nun k\u00f6nnte aber genausogut ein Zwinglianer (wie Barth in diesen Fragen) kontern: Ihr meint, dass es in der Taufe vor allem um Gottes Wirken geht \u2013 wie in der Wiedergeburt; ich glaube aber, dass die Taufe in erster Linie ein menschliches Handeln ist \u2013 wie auch das Bekenntnis oder die Bu\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stein\u00a0 nennt in diesem Zusammenhang einen hilfreichen Vergleich. Ein Ehering ist mit so gut wie jeder Eheschlie\u00dfung eng verbunden. Der Ring geh\u00f6rt in der Praxis fast schon untrennbar zum Beginn der Ehe, dass man ohne Probleme formulieren k\u00f6nnte: das Anstecken der Ringe <em>ist<\/em> der Eheschluss. Die Ringe stehen symbolisch f\u00fcr die Ehe, wobei sie tats\u00e4chlich nicht durch den Ringtausch o.\u00e4. geschlossen wird. Dies geschieht formell durch die Unterschriften vor Zeugen auf einem Dokument. \u00dcbertragen auf die Taufe w\u00fcrden Reformierte also festhalten: Wie die Ringe zur Ehe geh\u00f6ren und ihren Anfang symbolisieren, so kennzeichnet die Taufe den Beginn des Christseins; aber die Taufe wirkt nicht das Eigentliche (S\u00fcndenvergebung, Wiedergeburt), sie ist \u2013 \u00e4hnlich den Ringen \u2013 Zeichen oder Zeugnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nur menschliche Handlung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleiben also deutlich unterschiedliche Sichtweisen. F\u00fcr die einen handelt in erster Linie Gott in der Taufe. Lutheraner (und Katholiken) betrachten das Symbol oder Zeichen als wirkungsm\u00e4chtig; es\u00a0 bezeichnet nicht nur, sondern es <em>wirkt <\/em>zugleich, was es \u00a0bezeichnet. Zeichenhandlung und Vergebungszusage fallen hier in eins zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Barth dagegen behauptet kaum weniger kategorisch, die \u201echristliche Taufhandlung\u201c sei mit \u201eh\u00f6chster Wahrscheinlichkeit nicht als ein den Menschen reinigendes und erneuerndes g\u00f6ttliches Gnadenwerk und Gnadenwort\u201c zu verstehen. Die Taufe mit Wasser als solche vermittelt das Heil nicht, bewirkt im Blick auf die S\u00fcndenvergebung nichts. Sie ist \u201eauf das Tun und Reden Gottes antwortende, echt und recht menschliche Handlung\u201c, womit sich Barth auf der Linie Zwinglis bewegt und auch nichts gegen die Bezeichnung seiner Tauftheologie als \u201eneo-zwinglianisch\u201c hat (s.o., S. 140f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die reformierte Tradition in ihrer Gesamtheit ist jedoch keineswegs konsequent Zwingli gefolgt (und auch nicht dem Neuansatz bzw. der Kritik Barths). Calvin betonte immer auch das Handeln Gottes in der Taufe und sah das Wahre in der lutherischen Position. So hei\u00dft es im <em>Genfer Katechismus<\/em>, es sei sicher, \u201edass uns die Vergebung der S\u00fcnden und das neue Leben in der Taufe angeboten <em>und von uns empfangen werden<\/em>\u201c(328). Dies geht \u00fcber das zwinglianische \u201enichts\u201c deutlich hinaus. In der <em>Institutio<\/em> (1559): \u201eEr [der Herr] gew\u00e4hrt uns aber auch nicht nur eine Augenweide, indem er uns etwa blo\u00df das \u00e4u\u00dferliche Schaubild sehen lie\u00dfe, sondern er f\u00fchrt uns an die Sache selbst heran und bringt das, was er bildlich darstellt, zugleich <em>wirkungskr\u00e4ftig zur Erf\u00fcllung<\/em>\u201c (IV,15,14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das von Calvins Theologie gepr\u00e4gte <em>Niederl\u00e4ndische Bekenntnis<\/em> (1562) formuliert in seinem Taufkapitel \u00e4hnlich: \u201eGott selbst <em>gew\u00e4hrt wirklich<\/em>, was durch die Sakramente bezeichnet wird\u201c (34). Im folgenden Jahrhundert hei\u00dft es auch im\u00a0<em>Westminster-Bekenntnis\u00a0<\/em>der Presbyterianer, dass das in der Taufe Bezeichnete \u201e<em>wirklich dargereicht<\/em> und <em>\u00fcbertragen<\/em>\u201c oder \u00fcbereignet (\u201econferred\u201c) wird. Dennoch werden aber wieder in Abgrenzung von der lutherischen Position Taufakt und Wiedergeburt bzw. S\u00fcndenvergebung getrennt: Das wirkliche Darreichen geschieht \u201ezu der von ihm [Gott] bestimmten Zeit\u201c, denn \u201edie Wirksamkeit der Taufe ist nicht an den Zeitpunkt gebunden, zu dem sie gespendet wird\u201c (28,6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die relative Vielfalt der reformierten Lehre mag als Schw\u00e4che erscheinen. Denn im Vergleich dazu treten Katholiken und Lutheraner dank sehr klar formulierter \u00dcberzeugungen geschlossen und nicht selten mit gro\u00dfer Bestimmtheit auf. Die Reformierten haben schlie\u00dflich nie ein f\u00fcr alle verbindliches Bekenntnis angenommen und ihre Vielfalt bewahrt. Ihre St\u00e4rke lag dabei auch darin, dass sie in dieser Vielfalt zu Konsens f\u00e4hig waren \u2013 der Name <em>Consensus Tigurinus <\/em>(\u00dcbereinkunft von Z\u00fcrich) zwischen Genf und Z\u00fcrich, zwischen Calvin und Bullinger aus dem Jahr 1549 sagt es schon. Damals kam man zu einer \u00dcbereinkunft in der Frage der Sakramente und verhinderte ein Auseinanderdriften der reformierten Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Abgrenzung von der lutherischen Lehre hei\u00dft es im <em>Consensus <\/em>eindeutig: \u201eDie Sakramente verleihen die Gnade nicht.\u201c Es wird festgehalten, \u201edass ihnen [den Sakramenten] Gottes Gnade keineswegs derart angeheftet ist, dass jeder, der das Zeichen in H\u00e4nden h\u00e4lt [so beim Abendmahl], auch die Sache selbst erlangt\u201c (17). Auch Artikel 19 entkoppelt den Akt oder Gebrauch der Sakramente von der unmittelbaren Gnadenwirkung. \u00dcber Zwingli hinausgehend wird aber betont, dass \u201eder Glaube durch die Sakramente best\u00e4rkt wird und w\u00e4chst und die Gaben Gottes in uns bekr\u00e4ftigt werden\u201c. Und in Artikel 20, \u00e4hnlich wie sp\u00e4ter im <em>Westminster-Bekenntnis<\/em>: \u201eDie Gnade der Sakramente ist so wenig an deren Vollzug gebunden, dass deren Frucht manchmal erst nach dem Vollzug erfasst wird.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Jahre sp\u00e4ter verfasste Bullinger 1562 ein pers\u00f6nliches Bekenntnis, das dann als <em>Zweites helvetisches Bekenntnis<\/em> 1566 ver\u00f6ffentlicht wurde und \u00fcber die Schweiz hinaus Bedeutung gewann. Es ist auch in der reformierten Kirche Litauens bis heute Lehrgrundlage. Der Z\u00fcrcher Hauptpastor schreibt dort: \u201eInwendig werden wir wiedergeboren, gereinigt und von Gott erneuert durch den Heiligen Geist; \u00e4u\u00dferlich empfangen wir die die Bekr\u00e4ftigung der herrlichen Gaben durch das Wasser, in dem auch jene herrlichen Gaben dargestellt und uns gleichsam augenscheinlich dargeboten werden\u201c (XX,3). Von einem \u00dcbertragen oder wirklich Gew\u00e4hren schreckte Bullinger hier offensichtlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser Linie betont dann auch der <em>Heidelberger Katechismus<\/em>: Nur der Heilige Geist \u201ewirkt\u201c, die Sakramente \u201ebest\u00e4tigen\u201c oder bekr\u00e4ftigen (65). Den reformierten Zweiklang in der Sakramentenlehre finden wir schlie\u00dflich auch in der <em>Dordrechter Lehrregel<\/em> aus dem Jahr 1618: Das \u201eWerk der Gnade\u201c wird durch \u201edie Predigt des Evangeliums\u201c begonnen (also nicht durch die Taufe) und u.a. durch \u201eden Gebrauch der Sakramente\u201c erhalten, fortgef\u00fchrt und vollendet\u00a0 (V, Art. 14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Taufe <em>ist <\/em>die Wiedergeburt \u2013 so klipp und klar auch der jetzige Papst vor zwei Jahren zu Ostern. Konservative Lutheraner sehen dies kaum anders, f\u00fcgen noch die Notwendigkeit des Glaubens betonend hinzu. Reformierte Christen widersprechen. Taufe ist zwar auch Handeln Gottes, denn <em>Er<\/em> st\u00e4rkt unseren Glauben; sie ist aber auch Handeln des Menschen \u2013 bezeugende und verpflichtende Antwort. Und sie weisen auf die gro\u00dfe Spannung, ja den Widerspruch in der lutherischen wie katholischen Auffassung hin: Der in der Taufe wirkende Gott soll gro\u00df gemacht werden, aber Er (konkret der Hl. Geist, auch Gott) wird an den Vollzug der Sakramente gebunden \u2013 und damit unterliegt Er der Verf\u00fcgungsgewalt von Menschen, der Priester und Pastoren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser entscheidenden Stelle wird Gott also klein gemacht. Trotz mancher Differenzen im Detail haben alle Reformierten, angefangen bei Zwingli, Bullinger und Calvin, betont: Die \u201eFreiheit des g\u00f6ttlichen Geistes, der sich doch einem jeden nach Belieben mitteilt\u201c, darf nicht durch die zu enge Bindung an die Zeichen eingeschr\u00e4nkt werden, so schon Zwingli (<em>Kommentar \u00fcber die wahre und falsche Religion<\/em>). Der Geist, Gott, ist nicht in den Sakramenten eingeschlossen, so Calvin und Bullinger. Das Wasser aus Joh 3,5 ist nicht die von Menschen zelebrierte Taufe. Es bleibt dabei: \u201eDer Geist weht, wo <em>er<\/em> will.\u201c (Joh 3,8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Holger Lahayne, 16.4.2020 (www.lahayne.lt)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Taufe ist ein Bad der Wiedergeburt\u201c Nach Beginn der Reformation um 1517\/19 dauerte es gerade ein Jahrzehnt, bis sich drei Hauptstr\u00f6me der Evangelischen bildeten. Die Hauptursache war, dass Schweizer um Zwingli sowie Oberdeutsche wie Bucer in Stra\u00dfburg eine andere Lehre der Sakramente als Luther und seine Anh\u00e4nger im Norden entwickelt hatten. 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