{"id":17286,"date":"2020-05-23T20:40:45","date_gmt":"2020-05-23T18:40:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17286"},"modified":"2020-05-23T20:40:45","modified_gmt":"2020-05-23T18:40:45","slug":"predigt-zum-sonntag-exaudi-ueber-joh-1526-164","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17286","title":{"rendered":"Predigt zum Sonntag Exaudi \u00fcber Joh 15,26-16,4"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Wenn aber der Tr\u00f6ster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zur euch geredet, da\u00df ihr euch nicht \u00e4rgert. Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt aber die Zeit, da\u00df, wer euch t\u00f6tet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum tun, da\u00df sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf da\u00df, wenn die Zeit kommen wird, da\u00df ihr daran gedenket, da\u00df ich&#8217;s euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch.&#8220; (Johannesevangelium 15,26-16,4)<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im heutigen Evangelium sind zwei St\u00fccke: das erste vom Heiligen Geist; das andere von der k\u00fcnftigen Verfolgung, welche denen begegnen wird, die das Evangelium vor der Welt bekennen und predigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Heiligen Geist wi\u00dft ihr, da\u00df wir glauben, da\u00df er ewiger, allm\u00e4chtiger Gott sei. Demselben gibt der Herr Christus hier einen besonderen Namen und hei\u00dft ihn einen Tr\u00f6ster. Will damit anzeigen: so wir wollen Christen sein, da\u00df wir etwas warten und dar\u00fcber leiden m\u00fcssen. Denn was bed\u00fcrfte es des Trostes, wo nicht Leiden und Kummer uns auf dem Hals l\u00e4ge? Das Leiden aber, zeigte Herr an, werde das sein, da\u00df man die Christen nicht allein t\u00f6ten werde, und die, so es tun, werden noch recht dazu haben wollen, und die Christen, die leiden, m\u00fcssen Unrecht haben. Das hei\u00dft sch\u00e4ndlich t\u00f6ten, wo jedermann sprechen wird: dem Ketzer geschieht recht, man sollte nicht wollen, da\u00df es ihm anders erginge. Das also bei dem Tod der Christen kein Trost ist; denn die Welt w\u00fcrgt sie als Ketzer. So ist das Gewissen bei ihnen auch schwach, da\u00df sie oft denken: Wer wei\u00df, ob du es auch recht gemacht, und ihm nicht zuviel getan hast? M\u00fcssen also vor der Welt, und h\u00e4ufig auch vor ihrem eigenen Gewissen Unrecht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu dient dieser Name, da\u00df der Herr den Heiligen Geist einen Tr\u00f6ster hei\u00dft, als wollte er sagen: Ich wei\u00df, wie es euch gehen wird, da\u00df ihr bei euch selbst wenig, und in der Welt gar keinen Trost finden werdet. In solch einer Not will ich euch nicht stecken lassen, will euch nicht so in den Schlamm hineinf\u00fchren, da\u00df ihr darin ersaufen sollt; sondern wenn kein Trost mehr in der Welt ist, und ihr ganz erschrocken und bl\u00f6de seid, dann will ich euch den Heiligen Geist schicken, der ein Tr\u00f6ster ist, und soll euch im Herzen zusprechen, da\u00df ihr nicht verzagen, und euch an das halten sollt, was ich euch zuvor gesagt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier scheidet sich nun der Trost zwei mal. Der eine ist ein weltlicher Trost; der ist falsch und l\u00fcgenhaftig; denn er stellt darauf, da\u00df ein Mensch sich verl\u00e4\u00dft auf Gut, Lehre, Gewalt, auf gro\u00dfer F\u00fcrsten und Herren Freundschaft, welches alles miteinander ungewi\u00df und tr\u00fcglich ist, worauf man nichts Gewisses bauen kann. Darum, spricht Christus hier, werdet ihr, meine J\u00fcnger, davon nichts haben, sondern es soll alles wieder euch, und nicht mit euch sein, da\u00df die Welt ihre Gewalt, Ehre, Gut und Verm\u00f6gen wider euch brauchen und euch damit d\u00e4mpfen wird. \u00dcber solches sollt ihr nicht erschrecken, da\u00df ihr solchen Trost nicht habt; denn es ist ein elender, schlechter Trost, der nicht l\u00e4nger dauert, bis ein Fieber, eine Krankheit kommt, so ist dieser weltliche Trost schon dahin. Ich aber will euch einen anderen Tr\u00f6ster schaffen, den Geist der Wahrheit, der euch dann tr\u00f6sten soll, wenn ihr erschrocken, bl\u00f6de, elend und armselig seid, beides vor den Leuten und in eurem Herzen vor euch selbst. denn darum f\u00fchrt der Heilige Geist den Namen, da\u00df er ein Tr\u00f6ster hei\u00dft, und nicht ein Betr\u00fcber. Denn wo Traurigkeit und Betr\u00fcbnis ist, da ist der Heilige Geist, der Tr\u00f6ster, nicht zu Haus. Dieser Tr\u00f6ster hei\u00dft nun auch ein Geist der Wahrheit, denn er tr\u00f6stet nicht wie die Welt, bei der kein Bestand ist, sondern sein Trost w\u00e4ret ewiglich und kann niemand betr\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber da st\u00f6\u00dft es sich wieder; denn das Gewissen spricht: Du sagst mir wohl von einem Trost; aber ich f\u00fchle ihn nicht, das Widerspiel sehe ich, da\u00df die Welt Freude und Trost hat, dagegen die Christen aber leiden m\u00fcssen. Johannes, der T\u00e4ufer, mu\u00df seinen Kopf geben; Herodes und seine Hure feiern dabei miteinander haben einen guten Mut. Mit uns geht es auch so: die Welt g\u00f6nnt uns nicht das trockene Brot, und l\u00e4\u00dft jedermann denken, was er einem Christen B\u00f6ses getan, das sei wohl getan. Dagegen Papst, Kardin\u00e4le, Bisch\u00f6fe, und alles, was dem Evangelium feind ist, das hat gute, geruhsame Tage, sitzt ohne alle Anfechtung im Rosengarten. Hei\u00dft das nun getr\u00f6stet? Ja, spricht Christus, es hei\u00dft getr\u00f6stet; aber du mu\u00dft einen Unterschied zwischen dem Tr\u00f6ster machen. Die Welt hat auch ihren Trost, das ist wahr; denn sonst k\u00f6nnte sie nicht so sicher, fr\u00f6hlich und guter Dinge sein. Aber es ist nicht ein Trost, der da kommt vom Geist der Wahrheit, sondern es ist ein l\u00fcgenhafter Trost; denn sehr bald kann es kommen, da\u00df solches alles, darum sich die Welt tr\u00f6stet, nicht mehr tr\u00f6sten noch helfen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen aber ist dieser Tr\u00f6ster, den die Christen haben, ein Geist der Wahrheit, der einen best\u00e4ndigen Trost in unsere Herzen steckt. Darum, wenn auch der liebe Johannes den Trost nicht hat, welchen Herodes und seine Hure haben, sondern ihretwegen mu\u00df er elendiglich im Turm liegen und ungetr\u00f6stet bleiben, und endlich den Kopf verlieren; so schreibt ihm doch der Heilige Geist zu und redet ihm ins Herz hinein, und spricht: Johannes, lieber Johannes, kehre dich nicht an das Schrecken, da\u00df du so elend da liegst und die arge Welt ihren Mutwillen an dir \u00fcbt; wei\u00dft du doch wohl, es kann nicht lange mit ihr werden. Es hei\u00dft eine kurze Freude und unendliches Leid. Dagegen aber soll dein Leiden kurz sein, und darauf eine ewige Freude folgen, da ein Augenblick mehr und besser ist, denn tausend Jahre hier auf Erden, wenngleich aller Welt Freude und kein Leid da w\u00e4re. Dieser Trost f\u00fcllt dem Johannes sein Herz so voll, da\u00df er sich nicht allein vor dem Tode entsetzt, sondern noch Gott daf\u00fcr dankt, da\u00df er von diesem armen s\u00fcndhaften Leib und Leben erledigt und zum ewigen Leben soll gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher aber nimmt der Heilige Geist solchen Trost? \u00abVom Vater\u00bb, spricht Christus hier; denn er, der Heilige Geist, geht vom Vater aus. Das ist ein sch\u00f6ner Spruch, damit wir den Artikel unseres Glaubens beweisen k\u00f6nnen, die Heilige Dreifaltigkeit. Denn soll der Heilige Geist vom Vater ausgehen, mu\u00df folgen, da\u00df solcher Geist ewig ist; denn aus dem Vater kann nichts gehen, da\u00df seinem Wesen und Natur nicht gleich und gem\u00e4\u00df ist. Darum eben wie Gott, der Sohn, ewig ist, darum, da\u00df er vom ewigen Vater geboren wird; denn Gott kann nichts geb\u00e4ren, da\u00df ihm nicht gleich sei: also mu\u00df auch folgen, da\u00df der Heilige Geist, der von Gott ausgeht, auch ewig ist. Aber diesen Artikel wollen wir jetzt stehen lassen und zu seiner Zeit weiter davon reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Womit tr\u00f6stet aber der Heilige Geist? \u00abVon mir\u00bb, spricht der Herr, \u00abwird er zeugen.\u00bb Das ist als wollte er sagen: Mein liebes Kind, man schreckt, \u00e4ngstet, f\u00e4ngt, t\u00f6tet dich, da\u00df mu\u00dft du erwarten, anders wird es nicht werden. Dagegen aber soll der Heilige Geist ein Zeuge sein, der dich aufwecke, und mache, da\u00df du an mich denkst; er wird dir nicht tausend Thaler geben, wie die Welt, sondern von mir wird er zeugen, auf das du m\u00f6chtest sagen: Wenn es schon alles dahin ist, Weib und Kind, Haus und Hof, Gut und Ehre, und jetzt an dem ist, da\u00df Leib und Leben auch hin sein soll; so lebt dennoch der droben, der da hei\u00dft Jesus Christus, der um meinetwillen Mensch geworden, f\u00fcr mich gestorben und auferstanden, und gen Himmel aufgefahren ist, wie ich t\u00e4glich in meinem Glauben bete. Ist das wahr? Wovor will ich mich doch f\u00fcrchten? Wahrlich, Gottes Sohn, der f\u00fcr mich den Tod leidet, der wird mein Feind nicht sein, er wird es treu und gut mit mir meinen. Hat er mich aber lieb, so werde ich keine Ursache haben, mich vor ihm zu f\u00fcrchten oder ihm etwas B\u00f6ses zuzutrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist, da\u00df Christus spricht: \u00abEr wird von mir zeugen.\u00bb Au\u00dfer diesem Zeugnis des Heiligen Geistes von Christus ist kein gewisser best\u00e4ndiger Trost. Darum sollte man die Worte: \u00abvon mir\u00bb, mit gro\u00dfen Buchstaben schreiben, und flei\u00dfig merken; denn dabei k\u00f6nnen wir gewi\u00df sein, da\u00df der Heilige Geist mit keiner anderen Lehre kommen soll, und weder Mose noch anderes predigen, die Gewissen damit zu tr\u00f6sten. So aber die Gewissen getr\u00f6stet werden sollen, so mu\u00df es allein die Predigt von Christus und von seinem Sterben und Auferstehen tun, die tr\u00f6stet allein. Dagegen aller anderen Predigten, vom Gesetz, guten Werken, heiligem Leben, von Gott oder Menschen geboten, in Not und Tod nicht den Menschen tr\u00f6sten k\u00f6nnen, sondern nur bl\u00f6de machen, zu schrecken; denn Gott selbst, wenn man au\u00dfer Christus mit ihm handeln will, ist er ein schrecklicher Gott, bei dem man keinen Trost, sondern nur Zorn und Ungnade findet. Aber wer von Christus predigt, der verk\u00fcndigt und bringt den rechten Trost, da ist es unm\u00f6glich, da\u00df die Herzen sich dar\u00fcber nicht freuen, und guter Dinge dar\u00fcber sein sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum liegt es alles an dem, da\u00df man diesen Trost gewi\u00df fasse und fest halte, und sage: Ich glaube an Jesus Christus, der f\u00fcr mich gestorben ist, und wei\u00df, da\u00df der Heilige Geist, der ein Zeuge und Tr\u00f6ster hei\u00dft und ist, von niemand anders predigt oder zeuget in der Christenheit, alle Betr\u00fcbten zu tr\u00f6sten und zu st\u00e4rken, denn von Christus, dabei will ich bleiben und mich sonst an keinen Trost halten. Denn sollte ein besserer Trost als dieser sein, der Heilige Geist w\u00fcrde ihn auch bringen. Aber er sollte mehr nicht tun, denn als von Christus zeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum braucht aber der Herr hier so dies Wort \u00abzeugen\u00bb? H\u00e4tte er doch wohl anders reden k\u00f6nnen? Es geschieht darum, da\u00df wir mehr Achtung auf das Wort haben sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn wahr ist es, der Heilige Geist hat seine Wirkung inwendig im Herzen. Aber doch will er solche Wirkung ordentlicher, in anderer Weise nicht, denn durch das m\u00fcndliche Wort ausrichten. Wie Paulus bei R\u00f6mer 10. 14. sagt: \u00abWie sollen sie glauben, von dem sie nicht geh\u00f6rt haben? \u00abDarum hei\u00dft ihn Christus einen Zeugen. Nun aber zeuget er durch den Mund und Wort der Apostel und aller Prediger, die das Evangelium von Christus rein und lauter verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum soll niemand warten, der Trost begehrt, bis der Heilige Geist ihm Christus pers\u00f6nlich vorstelle, oder vom Himmel herab mit ihm rede. Er f\u00fchrt sein Zeugnis \u00f6ffentlich in der Predigt, da mu\u00dft du ihn suchen und auf ihn warten, bis er durch solches Wort, da\u00df du mit deinen Ohren h\u00f6rst, dein Herz r\u00fchre, und also auch durch seine Wirkung inwendig im Herzen von Christus Zeuge. Aber solch ein inwendiges Zeugnis kommt nicht fr\u00fcher, es sei denn zuvor das \u00f6ffentliche und m\u00fcndliche Zeugnis des Wortes gegangen, da man h\u00f6rt, da\u00df Christus um unseretwillen Mensch geworden, gekreuzigt, gestorben und wieder auferstanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist also die ganze Summe von dem heutigen Evangelium, da\u00df wir uns willig in dieses begeben sollen, wenn wir Christen sein wollen, da\u00df wir nicht Geld und Gut, Freude und Herrlichkeit hier auf Erden davon kriegen sollen; sondern wir sollen die Welt dar\u00fcber zu Feinden haben, S\u00fcnde, Tod und ein B\u00f6ses Gewissen tragen. Wenn nun ein Christ solches alles leidet, da\u00df das Herz klein und bek\u00fcmmert wird, und denkt: sieh nur, wie es mir geht? Was hast du angerichtet? Du h\u00e4ttest wohl ein Christ sein k\u00f6nnen, und dennoch nicht in solch eine Gefahr nicht begeben d\u00fcrfen. Geht es dir \u00fcbel, so ist es nur deine Schuld. Wo dann die schrecklichen Beispiele mit zuschlagen, in welchem man sieht, wie leicht auch gro\u00dfe Leute gefallen und in der Anfechtung stecken geblieben sind: da, spricht Christus, ist es Zeit, da\u00df der Tr\u00f6ster komme, und wird gewi\u00df nicht fernbleiben, sondern kommen, und euch ich lehren, da\u00df solche Gedanken nicht von ihm sind, sondern von dem b\u00f6sen Geist. Ursache, solche Gedanken schrecken und f\u00fchren in Verzweiflung. Aber der Heilige Geist soll nicht schrecken, sondern tr\u00f6sten und einen Mut machen, und solches sollte er so tun, da\u00df er von mir zeuge. Darum sind andere Gedanken, die Traurigkeit und Schwermut mit sich bringen, nicht von mir, sondern vom Teufel. Der Heilige Geist aber bringt und gibt tr\u00f6stliche, fr\u00f6hliche Gedanken, in dem, da\u00df er von mir zeugt, da\u00df ich f\u00fcr euch mein Leben gelassen, um eurer S\u00fcnde willen gestorben und um eurer Gerechtigkeit willen wieder auferstanden bin. Aus diesen Zeugnis ihr dann schlie\u00dfen k\u00f6nnt, da\u00df ich euch nicht feind bin, euch nicht fressen noch verdammen, sondern selig machen will. Darum liegt es alles an dem Wort: \u00abEr wird von mir zeugen.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das soll man besonders merken wider die Rottengeister und falschen Prediger. Denn hier ist es beschlossen, da\u00df der Heilige Geist, wenn er tr\u00f6sten soll, anderes nichts tut, denn von Christus zeugen und ihn in die Herzen bilden soll. Dagegen der B\u00f6se Geist die Gewissen schreckt, den Tod und S\u00fcnde ihnen pflegt vorzuhalten; in dem mu\u00df der Heilige Geist und sein Zeugnis wehren, und durch das Wort in unsere Herzen reden und sprechen: Ach, Mensch, was tust du doch? Kannst du denn sonst anderes nicht, denn an das Sterben, S\u00fcnde und Verdammnis denken? Wende die Augen von diesem schrecklichen Anblick und sieh hierher: kennst du denn nicht einen Mann, der hei\u00dft Jesus Christus? Von dem steht so geschrieben: Er sei empfangen vom Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria, er habe gelitten unter Pontius Pilatus, sei gekreuzigt, gestorben und begraben, in die H\u00f6lle gefahren, und am dritten Tage wieder von den Toten auferstanden, und gen Himmel gefahren. Warum meinst du, da\u00df solches alles geschehen sei? Ist es nicht darum geschehen, da\u00df du gegen den Tod und die S\u00fcnde dich dar\u00fcber tr\u00f6sten solltest? Darum h\u00f6re auf, dich zu f\u00fcrchten, du hast keine Ursache dazu. Wenn Christus nicht bei dir und um dich w\u00e4re und solches f\u00fcr dich nicht getan h\u00e4tte, so h\u00e4ttest du dann Ursache genug, dich zu f\u00fcrchten. Aber er ist bei dir und um dich, wie er spricht: \u00abIch bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.\u00bb Dazu hat er den Tod f\u00fcr dich gelitten, und sitzt dir zum Trost und zum Schutz zur rechten seines himmlischen Vaters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo diese Predigt geht, da h\u00f6rt man des Heiligen Geistes Stimme, Zeugnis und Lehre. Was aber nach diesen Worten nicht so lautet, das mag, wo es auch sich am besten H\u00f6ren l\u00e4\u00dft, Mose sein Zeugnis sein, oder es ist des leidigen Teufels, der durch seine Werkheiligen, Heuchler und Ketzer auch zeugt und predigt. Es folgt aber nichts anderes daraus, denn Angst, Schrecken und Verzweifeln. Gott wolle uns davor beh\u00fcten, und bei diesen Zeugnis des Heiligen Geistes in unseren letzten Stunden erhalten, Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist das erste St\u00fcck des heutigen Evangeliums, vom Tr\u00f6ster, dem Heiligen Geist, und wodurch er die Christen tr\u00f6sten werde. Nun wollen wir weiter, und vom anderen St\u00fcck auch ein wenig sagen, n\u00e4mlich, vom Kreuz und Verfolgung. Da ist besonders zu merken, da\u00df Christus zu seinen J\u00fcngern spricht: \u00abSie werden euch in den Bann tun\u00bb; oder, wie die Worte lauten, \u00abaus der Synagoge und Versammlung sto\u00dfen und ausschlie\u00dfen.\u00bb Welche Worte zeugen, da\u00df die, so die Christen in den Bann tun und von der Kirche ausschlie\u00dfen, den Titel f\u00fchren und damit sich r\u00fchmen werden, da\u00df sie die Synagoge oder die rechte Kirche sind, f\u00fcr die sie auch ger\u00fchmt und herrlich sein wollen, die Gott mit gro\u00dfem Ernst dienen. Sonst w\u00fcrde Christus diese Worte nicht sagen: \u00abEs kommt die Zeit, da\u00df, wer euch t\u00f6tet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum ist es n\u00f6tig, da\u00df man einen Unterschied mache und lerne, da\u00df immer zwei Kirchen sind. Eine die falsche Kirche, die doch den Namen hat, und hei\u00dft Kirche und Gottes Volk, aber sie ist es nicht. Die andere, die rechte Kirche, die den Namen nicht hat, und ist es doch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese zwei Kirchen sind sehr schwer zu unterscheiden. Denn hier liegt uns das im Wege, da\u00df wir bekennen m\u00fcssen, da\u00df auch die falsche Kirche ein Amt habe, wie man sieht. Wir bekennen frei und halten, da\u00df der Papst und sein Haufe nicht die rechte Kirche ist; dennoch, wenn sie taufen, Kirchendiener ordnen, Ehen trauen, ist das Amt und g\u00f6ttliche Wort recht und kr\u00e4ftig; bekennen darum, da\u00df ihre Taufe recht ist, taufen auch die Kinder nicht wieder, so von ihnen getauft sind, wie doch Cyprianus getan hat. Der war in dem Wahn, da\u00df er es nicht f\u00fcr eine rechte Taufe hielt, wenn die Ketzer jemand getauft hatten, und taufte sie darum wieder. Und war das sein Grund: die Ketzer, sprach er, sind nicht in der Einigkeit der christliche in Kirche; darum k\u00f6nnen sie kein christliches Amt vollziehen. Aber dieser Grund ist falsch. Denn man mu\u00df Amt und Person auseinander halten. Einer, der in wissentlichen S\u00fcnden steckt, die wider sein Gewissen sind der ist nicht in der Einigkeit der christlichen Kirche; dennoch soll darum sein Amt, da\u00df er in der Kirche hat, nicht verachtet werden. Ursache, es ist nicht sein, sondern des Herrn Jesu Christi Amt. Wo er aber den Befehl des Herrn Jesu Christi brechen, anders denn Christus befohlen hat, taufen, Predigen und Sakrament reichen wollte, dann h\u00e4tte man Ursache, Taufe, Predigt und anderes fahren zu lassen. Wo er aber an der Ordnung Christi nichts \u00e4ndert, ob er gleich seiner Person wegen b\u00f6se und ein S\u00fcnder ist, das nimmt den Amt nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum, wer diese zwei Kirchen recht unterscheiden und beurteilen will, der daf\u00fcr nicht auf das Amt allein sehen; denn auch die falsche Kirche kann das Amt recht haben und f\u00fchren, und ist dennoch keine Kirche; wie man sieht, da\u00df die falsche Kirche herrlich den Namen Gottes f\u00fchrt und r\u00fchmt. Daran soll man sich nicht kehren. Denn da steht das andere Gebot, und lehrt uns, da\u00df der Name Gottes auch unn\u00fctz gef\u00fchrt werde. Dazu bitten wir in der ersten bitte im Vater Unser, da\u00df Gottes Name geheiligt werde; welches ist dir ein gewisses Zeichen, da\u00df derselbe Namen von vielen auch nicht geheiligt wird. Darum, wo die falsche Kirche es macht, und mit dem Namen Gottes und der Kirche bannen und verdammen will, da sollst du sehen, da\u00df du dich nicht erschrecken l\u00e4\u00dft, sondern einen Unterschied machst und sagst: Ich h\u00f6re Gottes Namen wohl, ich f\u00fchre wohl, da\u00df du die Kirche r\u00fchmt: aber solches k\u00f6nnen auch die Unchristen. Sonst bed\u00fcrfte es des Verbotes nicht, da\u00df man Gottes Namen nicht vergeblich h\u00f6re soll. Darum mu\u00df man das Urteil anders suchen, und am ersten danach sehen, ob man auch Gottes Namen recht f\u00fchre und des herrlichen Namens der Kirche nicht mi\u00dfbrauche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, zu solchem Urteil dient die Regel, die der Herr hier gibt, damit er die falsche Kirche sehr fein abmalt; denn die rechte Kirche nimmt sich des Schwertes und weltlicher Gewalt nicht an. Die falsche Kirche aber nimmt das Schwert in die Hand und verfolgt die rechte Kirche, wie Christus hier sagt, das \u00absie werde euch in den Bann tun, und der euch t\u00f6tet.\u00bb Dabei kannst du ja gewi\u00df merken, welches die falsche Kirche ist. Und noch gewisser kannst du es dabei merken, das Christus spricht: \u00abSolches werden sie euch darum tun, da\u00df sie weder mich, noch meinen Vater erkennen.\u00bb Das hei\u00dft, die falsche Kirche recht abgemalt. Das Amt kann sie haben, und Gottes Namen r\u00fchmen und sich damit schm\u00fccken; aber neben dem Amt und Namen Gottes h\u00e4ngt ihr das Ungl\u00fcck an, da\u00df sie weder Christus noch den Vater kennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft nun Christus und den Vater kennen? Es hei\u00dft ja nicht Messe lesen, eine Kappe aufsetzen, fasten, Almosen geben, und was sonst noch an anderer Werke sind; sondern Christus erkennen hei\u00dft, da\u00df man glaube, er sei das Lamm Gottes, da\u00df der Welt s\u00fcndigt tr\u00e4gt, der um unseretwillen Mensch geworden, am Kreuz den Tod f\u00fcr uns erlitten, gestorben und wieder auferstanden, und gen Himmel gefahren ist. Da\u00df man sich dar\u00fcber tr\u00f6ste und gegen Gott ein solches Vertrauen fasse, er werde um seines Sohnes willen uns gn\u00e4dig und barmherzig sein. Denn das hei\u00dft, den Vater kennen: wissen, da\u00df er wolle gn\u00e4dig sein, und uns unsere S\u00fcnde um seines Sohnes Christi Jesu willen nicht zurechnen. Wo nun solche Erkenntnis ist, da ist die rechte Kirche. Wo solche Erkenntnis nicht ist, da ist die Kirche nicht, wenn sie das Amt und Gottes Name auch braucht. Darum soll und mu\u00df man besonders auf diese Erkenntnis sehen, so wird man nicht irren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Spaltung, die heute in der Kirche ist, macht sehr viel Leute irre, da\u00df sie nicht wissen, zu welchem Teil sie sich halten sollen. Aber es fehlt ihnen an dem, da\u00df sie auf diese Regel nicht sehen wollen. Wir predigen so, da\u00df vor Gott uns nichts k\u00f6nne helfen gegen die S\u00fcnde und den Tod, denn allein das Sterben und Auferstehen Christi. Wer solches mit rechtem Glauben fasse, der werde selig. Wer es nicht fasse, er tue sonst, was er wolle, k\u00f6nne er nicht selig werden (wie gewaltig aber solche Lehre im alten und neuen Testament gegr\u00fcndet ist, h\u00f6ren wir zur anderen Zeit); aber was geschieht? Eben um solcher Lehre willen verfolgt uns der Papst und sein Haufe, er tut uns in den Bann, schimpft uns Ketzer und w\u00fcrgt uns, denn er lehrt: Wer gen Himmel kommen will, der m\u00fcsse f\u00fcr seine S\u00fcnde selbst genug tun; Christus haben nur f\u00fcr die Erbs\u00fcnde bezahlt; was wir aber nach der Taufe s\u00fcndigen, da m\u00fcsse ein jeder selbst genug f\u00fcr tun, mit guten Werken solche S\u00fcnde ablegen und Gottes Zorn stillen. Wie reimt sich aber solche Predigt zur Erkenntnis Christi? Denn das mu\u00df ja folgen: So Christus f\u00fcr die S\u00fcnde genug getan hat, so k\u00f6nnen wir nicht daf\u00fcr genug tun. Gute Werke sollen wir tun; aber aus einer anderen Meinung, denn da\u00df wir dadurch S\u00fcnde ablegen und gen Himmel kommen wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also siehst du aus dieser Regel, welches die rechte Kirche ist. Wir werden darum in den Bann getan, da\u00df wir alle Gerechtigkeit und Gnade allein auf Christus Jesus, auf sein Sterben und seine Auferstehung setzen. Dagegen aber setzt der Papst und seine Kirche die Seligkeit auf ihre eigenen Werke, Verdienst und Genugtuung, welches auch ein gewisses Zeichen ist, da\u00df sie weder Christus noch den Vater kennen. So wir nun das haben, da\u00df wir Christus (Gott sei immer Lob!) recht erkennen, sie aber kennen Christus nicht, so la\u00dft uns unerschrocken sein, und nichts danach fragen, obgleich sie, so Christus und seinen Vater nicht kennen, uns in den Bann tun, uns Ketzer und eine Teufelskirche hei\u00dfen. An diesem ist uns viel mehr gelegen, da\u00df wir den Sohn und den Vater kennen; lassen uns durch das unn\u00fctze Gepl\u00e4rr nicht irren, da\u00df der Papst mit den Namen der Kirche so hoch h\u00e4lt und uns den Teufel gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen aber auf ein anderes Urteil uns tr\u00f6sten und warten, da nicht die Menschen mit ihrem falschen Urteil, sondern Gott selbst mit seinem rechten, wahren Urteil uns aus dem Bann heben, und f\u00fcr seine Kirche am j\u00fcngsten Tage vor Gott und allen seinen Engeln r\u00fchmen wird. Denn es mu\u00df doch so auf Erden gehen, wie Christus hier sagt, da\u00df zwei Kirchen sein werden, und eine die andere bannen soll. Der Bann aber geht nicht \u00f6ffentlich gegen die falsche Kirche; denn sie hat das Schwert in der Hand und kann sich mit Gewalt dagegen sch\u00fctzen. Wie wir am Papst sehen; welches auch ein gewisses Zeichen ist, da\u00df er nicht die rechte Kirche sein kann; denn von der rechten christlichen Kirche steht hier, da\u00df sie soll in den Bann getan werden. \u00abEuch\u00bb, spricht er, \u00abwerden sie in den Bann tun.\u00bb Wer sind diese \u00abeuch\u00bb? Sind es nicht unseres Herrn Christi lieben J\u00fcnger und Apostel? Die wird man bannen und t\u00f6ten. Wer? Die, so den Namen haben, da\u00df sie Synagoge und Kirche sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So geht es auch noch heutigen Tages. Darum sollen wir uns vor solchem Bannen und W\u00fcrgen nicht erschrecken, sondern wir sollen es mit Freuden annehmen, und lernen, da\u00df es die rechte Farbe und das beste Zeichen ist f\u00fcr die Christen und die rechte Kirche. Doch so, da\u00df die Erkenntnis Christi und seines Vaters vor allen Dingen auch dabei ist. Denn Wiedert\u00e4ufer und andere Rotten werden auch verfolgt und leiden viel: aber sie haben die Erkenntnis Christi und seines Vaters nicht; denn sie leugnen die Zusage, welche ihnen Gott in der ersten Taufe getan hat, und richten eine neue M\u00f6ncherei an, dadurch sie denken in den Himmel zu kommen und einen gn\u00e4digen Gott zu haben. Dagegen aber die rechte Kirche kennt Christus und seinen Vater, das ist, sie tr\u00f6stet sich allein Gottes G\u00fcte und Barmherzigkeit durch Christus; und um solches Trostes und Hoffnung willen mu\u00df sie verfolgt werden. Das leidet sie gern; denn sie wei\u00df, Christus hatte es hier geweissagt; darum gibt sie sich willig hin, l\u00e4\u00dft sich dem Papst und seinen Haufen uns f\u00fcr Ketzer und Teufelskirche rufen. Aber ihr gen\u00fcgt, da\u00df sie Christus und seinen Vater kennt, und wei\u00df, da\u00df der Papst mit seinen Haufen, sind sie gleich noch so viel sie wollen, Christus und seinen Vater nicht kennen, sondern verfolgen; leidet darum gern mit Christus, und ist der Hoffnung, da\u00df sie mit ihm auch in Ehren sitzen und ewig leben werden. Das verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel, durch seinen Sohn und den Heiligen Geist, Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wenn aber der Tr\u00f6ster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zur euch geredet, da\u00df ihr euch nicht \u00e4rgert. 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