{"id":17148,"date":"2020-04-07T12:14:30","date_gmt":"2020-04-07T10:14:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17148"},"modified":"2020-04-07T14:53:05","modified_gmt":"2020-04-07T12:53:05","slug":"ernstfall-corona-und-die-kirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17148","title":{"rendered":"Ernstfall &#8211; Corona und die Kirchen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland und andere L\u00e4nder befinden sich heute (Anfang April 2020) in einer noch nie dagewesenen Situation. Ganze Volkswirtschaften werden heruntergefahren und das \u00f6ffentliche und zum Teil sogar private Leben empfindlich beschnitten, um die Ausbreitung eines aggressiven Virus, gegen den es noch kein Heilmittel gibt, zu bremsen. Die Angst geht um, und mittlerweile ist es nicht mehr nur die Angst davor, sich anzustecken, sondern die zunehmende existenzielle Angst vor der Zukunft. Wie wird meine Welt aussehen, wenn die Corona-Krise endlich vorbei ist? Werde ich meinen Arbeitsplatz noch haben? Werde ich mein Haus weiter abbezahlen k\u00f6nnen? Was wird aus meiner Altersvorsorge? Und nicht zuletzt: Was wird aus meinen b\u00fcrgerlichen und sonstigen Freiheiten geworden sein, die ich zurzeit um der guten Sache willen einschr\u00e4nken muss? Werde ich sie wirklich alle zur\u00fcckbekommen?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch dieses: Wie wird es \u201enachher\u201c in meiner Kirchengemeinde aussehen? Was wird wieder sein wie zuvor, was wird sich vielleicht ver\u00e4ndert haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Zeilen wollen keine Analyse der medizinischen Problematik versuchen. Sie wollen nicht der Frage nachgehen, warum wir vor gut drei Jahren, als eine Grippewelle durch Deutschland raste, die 25.000 Tote forderte und den Autor dieses Beitrags von jetzt auf gleich ins Bett warf, weiter zur Kirche, zur Schule, in die Bibliothek und in die Buchhandlung gehen konnten, und heute nicht. Es soll auch nicht um die bl\u00fchenden Verschw\u00f6rungstheorien gehen oder um den ebenfalls bl\u00fchenden erhobenen Medienzeigefinger, ja keiner Verschw\u00f6rungstheorie zu glauben. Auch nicht um die alte Frage \u201eCui bono?\u201c (also: Wer hat etwas davon, wenn die Wirtschaft kollabiert oder Millionen Privatverm\u00f6gen vernichtet werden?).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Thema soll wesentlich begrenzter sein. Es soll um zwei sehr konkrete Einzelaspekte der Corona-Krise gehen: den Umgang mit Gott und das Verhalten der christlichen Kirchen und Gemeinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Das Gro\u00dfe Schweigen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Corona h\u00e4lt uns jetzt schon seit etlichen Wochen in Atem. In dieser Zeit sind die Infektionszahlen explodiert und die Freiheitsr\u00e4ume der B\u00fcrger auf ein Ma\u00df geschrumpft, wie man es sonst noch nicht einmal aus Kriegszeiten kannte. Doch eines ist beharrlich konstant geblieben: das Schweigen \u00fcber Gott. Gott kommt im \u00f6ffentlichen und medialen Diskurs \u00fcber Corona nicht vor. Oder haben Sie schon einmal einen Bu\u00dfaufruf eines Ministerpr\u00e4sidenten und Landesvaters geh\u00f6rt, sich in den Kirchen zu versammeln, um in Bittgottesdiensten Gott anzuflehen, die Epidemie von uns zu nehmen? In welcher ihrer Reden hat die deutsche Kanzlerin Corona als m\u00f6gliche Antwort Gottes auf die systematische Zerst\u00f6rung der Familie in Deutschland bezeichnet und sofortige Gesetze zum erneuten Schutz der Familie gefordert? Wie viele Bisch\u00f6fe haben Corona als Zeichen des Zornes Gottes \u00fcber eine von ihm und seinem Wort abgefallene Kirche und Theologie bezeichnet? Es wird heftig dar\u00fcber diskutiert, was Atemschutzmasken bringen \u2013 nicht aber dar\u00fcber, was Bu\u00dfe bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblische Tradition des Alten wie des Neuen Testamentes bezeugt ohne Wenn und Aber einen Gott, der auch zornig sein und strafen kann. Man lese nur die Ank\u00fcndigung von Segen und Fluch f\u00fcr das junge Gottesvolk Israel, wenn es Gottes Geboten gehorchen bzw. nicht gehorchen wird, in 5. Mose 28 \u2013 eine Warnung, die im Babylonischen Exil furchtbare Realit\u00e4t wurde. Es lohnt sich, das ganze Kapitel 5. Mose 28 durchzulesen (Tipp: besser nicht direkt vor dem Schlafengehen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Propheten und die Psalmen bezeugen einen Gott, der durchaus auch Unheil \u00fcber sein Volk und seine Sch\u00f6pfung bringen kann. \u201eGeschieht etwa ein Ungl\u00fcck in der Stadt, und der Herr hat es nicht getan?\u201c Dieser Satz aus Amos 3,6 ist nur eines von zahlreichen Beispielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wer meint, im Neuen Testament sei das doch alles abgeschafft, der lese etwa die Endzeitreden Jesu oder die Johannesoffenbarung. Hinter dem Bild von den \u201eZornesschalen\u201c, die Gott \u00fcber unserem Planeten auskippt (Offenbarung 16), steckt eine konkrete, furchtbare Realit\u00e4t. Es ist ein dicker roter Faden im Neuen Testament, dass vor der Wiederkunft Christi und dem neuen Himmel und der neuen Erde zun\u00e4chst einmal gro\u00dfe Katastrophen und der Untergang der alten Erde kommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss kein versponnener \u201eEndzeitspezialist\u201c sein, um auf die Frage zu kommen, ob Corona &#8211; und vielleicht mehr noch die Corona-Angst (vgl. Lukas 21,26!) &#8211; nicht vielleicht eine neue Qualit\u00e4t und neue Stufe in der Entwicklung der Welt hin zum Ende unserer Zeit und zur Wiederkunft Christi markiert. Und es braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, f\u00fcr welche Dinge Corona wom\u00f6glich tats\u00e4chlich eine Strafe bzw. ein Gerichtsreden Gottes sein k\u00f6nnte. Zur Wahl stehen etwa die j\u00e4hrliche massenhafte T\u00f6tung Ungeborener im Mutterleib, die Gender-Ideologie mit der Zerst\u00f6rung der Familie und der Frau, der real existierende neue Raubkapitalismus, der hemmungslose Individualismus und Egoismus, der neu florierende Antisemitismus, bei dem wieder einmal die Juden an allem schuld sind, und eine schon viel zu lange Tradition kirchlicher Dekonstruktion der Bibel und ihrer Lehren. Und m\u00f6glicherweise das Allertiefste, auf das Gott mit Corona und anderen Gerichten zielt, ist jene alte sozialistische Maxime \u201eEs geht ohne Gott\u201c, deren postmoderne Version bekanntlich lautet: \u201eDas schaffen wir schon.\u201c Der allm\u00e4chtige Gott demonstriert uns gerade t\u00e4glich, was wir alles <em>nicht<\/em> schaffen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zu all dem herrscht &#8211; Schweigen. Man muss in Medien und Internet schon ganz bestimmte Missionswerke und Pastoren aufrufen (die meist als mehr oder weniger fundamentalistische und politisch unkorrekte Au\u00dfenseiter gelten), um den Versuch einer Einordnung von Corona in den Kontext der Gebote und Strafen, des Redens und Werbens Gottes zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">C.S. Lewis hat in einer klassischen Formulierung das Leid als \u201eMegafon Gottes\u201c bezeichnet. Zurzeit redet Gott schon nicht mehr, er schreit geradezu &#8211; und die Politiker, die Medien, die \u00f6ffentlichkeitsrelevanten Stimmen nehmen es nicht zur Kenntnis. Baum\u00e4rkte sind systemrelevant und d\u00fcrfen ge\u00f6ffnet bleiben; Gott ist nicht systemrelevant, sodass Gottesdienste in der Kirche nicht stattfinden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>2. Das gro\u00dfe Einknicken<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als in Deutschland innerhalb von Tagen die beh\u00f6rdlich erlaubte Obergrenze f\u00fcr \u00f6ffentliche Versammlungen von 1.000 auf 100 Personen, dann auf 90 und zum Schluss auf 2 sank und dies ausdr\u00fccklich auch auf die Kirchen und ihre Veranstaltungen angewendet wurde, machte eine Kirche nach der anderen dicht (wobei mancherorts die Freikirchen schneller waren als die Gro\u00dfkirchen). In den kirchlichen Nachrichten der Tageszeitungen hei\u00dft es seitdem, dass aufgrund der Coronakrise (oder der \u201eaktuellen Situation\u201c) bis auf weiteres keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Die Formulierung in den Eingangst\u00fcren mancher L\u00e4den und Restaurants \u201eAufgrund beh\u00f6rdlicher Anordnung geschlossen\u201c mutet da etwas pr\u00e4ziser an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Schritt der Kirchen, quer durch alle Denominationen hindurch, er ist unfassbar, aber wahr. Ein fl\u00e4chendeckendes Verbot f\u00fcr Christen, sich zum Gottesdienst zu versammeln, das hat es selbst in Kriegszeiten und unter den meisten totalit\u00e4ren Regimes nicht gegeben. Und es sind nat\u00fcrlich nicht nur die Gottesdienste betroffen, sondern alle Veranstaltungen \u00fcber 2 Personen. Kinderkirche? Bibelstunde? Lobpreisabend? Seniorenkreis? Geht nicht mehr. Selbst bei Beerdigungen ist ein w\u00fcrdiger, vollwertiger Gottesdienst vor versammelter Trauergemeinde untersagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist unfassbar. Aber, wie gesagt: Baum\u00e4rkte sind als systemrelevant erkl\u00e4rt worden. Kirchen nicht, womit sie \u00fcbrigens zum ersten Mal in ihrer Geschichte etwas mit Bordellbetrieben gemeinsam haben, denn die d\u00fcrfen zurzeit auch keine Kunden bedienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, es ist unfassbar, und Gott sucht Menschen, viele Menschen, die dies ebenfalls unfassbar finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Leitartikel, der am 28. M\u00e4rz 2020 in der \u201eN\u00fcrtinger Zeitung\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde, schreibt Paul Kreiner, Rom-Korrespondent der \u201eStuttgarter Zeitung\u201c: \u201eIn Deutschland hat ihr [der Kirche] der Staat sogar alle Gottesdienste verboten &#8211; und widerstandslos lie\u00dfen die Bisch\u00f6fe diesen \u00dcbergriff in ihre Sph\u00e4re geschehen. Selbst wenn wenigstens die Kirchenbauten als solche offen bleiben, so ist doch eklatant sichtbar, dass der aktuelle Umgang mit der Corona-Pandemie genau das Gegenteil von dem ist, was Kirche sein und leisten soll. Sie, die Menschen zur Gemeinschaft zusammenf\u00fchren will, atomisiert sich genauso wie der Rest der Gesellschaft. Jedes \u201aMehr\u2018 ist verschwunden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was w\u00e4re denn geschehen, wenn Bisch\u00f6fe und Pastoren &#8211; viele Bisch\u00f6fe und Pastoren &#8211; in Deutschland weiter Gottesdienst gehalten h\u00e4tten und die Gl\u00e4ubigen weiter in die Kirche gekommen w\u00e4ren? H\u00e4tte die Polizei sie eingelocht? Wie w\u00e4re anschlie\u00dfend die Reaktion der \u00d6ffentlichkeit gewesen? Wie lange h\u00e4tte der Staat das \u00fcberhaupt durchhalten k\u00f6nnen? Wir werden es nie erfahren, denn die Kirchen und Freikirchen haben keinen Versuch zur Gegenwehr unternommen. Der Aufruf der staatlichen Obrigkeit \u201eBleibt zu Hause und steckt euch nicht an!\u201c war st\u00e4rker als der Aufruf Christi \u201eGehet hin in alle Welt und lehret alle Nationen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen (Stand: 4. April 2020) wissen wir, dass es auch anders geht. Eigentlich sollten in Baden-W\u00fcrttemberg am Karfreitag und Ostersonntag die Superm\u00e4rkte ge\u00f6ffnet sein, um die Kundenstr\u00f6me zu entzerren. Nach scharfer Kritik der Kirchen und Gewerkschaften wurde dies zur\u00fcckgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum haben die Kirchen bei dieser Gelegenheit nicht auch gefordert, dass sie sich zum Karfreitags- und Ostergottesdienst versammeln d\u00fcrfen?<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>3. Ursachenforschung I<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist es zu diesem Einknicken der Kirchen gekommen? Es greift zu kurz, die Sache mit dem \u00dcberrumpelungseffekt &#8211; es ging halt alles so schnell &#8211; der Corona-Krise erkl\u00e4ren zu wollen. Zwei tiefere Wurzeln aus verschiedenen Phasen der Kirchengeschichte lassen sich ausmachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist erstens die sogenannte historisch-kritische Theologie, die im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug im christlichen Abendland, zuv\u00f6rderst Deutschland, begann, den sie im Laufe des 20. Jahrhunderts vollendete. Diese in der philosophischen Aufkl\u00e4rung mit dem Primat des autonomen Menschen wurzelnde Methode, mit dem christlichen Glauben umzugehen, hat zu dem gr\u00f6\u00dften Paradigmenwechsel in der Geschichte des Christentums gef\u00fchrt: Die Bibel ist nicht mehr Gottes Wort, sondern ein Sammelsurium von interpretationsbed\u00fcrftigen Texten. Sie ist nicht mehr ein historischer Raum, sondern nur noch ein semantischer Raum (\u201enat\u00fcrlich\u201c hat es den Exodus aus \u00c4gypten nie gegeben, aber er ist ein wunderbares Symbol, das etwas bedeuten muss). Der durchschnittliche evangelische Pastor, der heute (zum Beispiel in einem Taufgottesdienst) das Apostolische Glaubensbekenntnis murmeln l\u00e4sst, glaubt nur noch einen Bruchteil von dem, was dort steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gott der heute auf der Mehrzahl der Kanzeln im Mutterland der Reformation herrschenden Theologie kann keine Wunder tun, Christus ist nie auferstanden und wird auch nicht wiederkommen, es gibt viele Wege zu Gott (nicht nur Christus), es gibt kein Gericht und keine H\u00f6lle. Wer solch eine Art \u201eChristentum\u201c vertritt, wird sich nat\u00fcrlich nicht mit dem Staat anlegen, wenn dieser anf\u00e4ngt, Gottesdienste zu verbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch auch im sogenannten \u201eevangelikalen\u201c Sektor, der sich traditionell als \u201ebibeltreu\u201c verstanden wissen will, gibt es Entwicklungen, die das gro\u00dfe Corona-Kuschen der Kirchen bef\u00f6rdert haben. In immer mehr Gemeinden ist der richtende und gn\u00e4dige Gott der Bibel, vor dessen Richterthron wir alle einmal werden treten m\u00fcssen (R\u00f6mer 14,10-12; 2. Korinther 5,10), abgel\u00f6st worden von einem alltoleranten himmlischen Opa, der uns selbstverst\u00e4ndlich \u201ebedingungslos\u201c liebt, uns super toll findet und selbstverst\u00e4ndlich nichts und niemand straft (ausgenommen vielleicht Menschen, die homophob oder islamophob sind und nicht genug f\u00fcrs Klima tun). Diese Gotteskonstruktion wird bis zum Abwinken gut gefunden und lobgepreist. Viele Gemeinden, die als Fr\u00fcchte der gro\u00dfen Erweckungsbewegungen begannen, sind heute zu Wohlf\u00fchlkirchen verkommen, und man darf sich nicht wundern, dass sie unf\u00e4hig sind, Corona realistisch-biblisch zu bewerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur der strafende (und damit ja immer auch an unsere Erl\u00f6sungsbed\u00fcrftigkeit erinnernde) Gott ist weithin aus dem Blickfeld geraden, sondern auch die eindeutigen biblischen Mahnungen an die Gl\u00e4ubigen, auf Menschen in Not <em>zuzugehen,<\/em> wenn es sein muss, auch auf weniger als zwei Meter. Was f\u00fcr ein Ansteckungsrisiko mag der Barmherzige Samariter in Lukas 10 eingegangen sein? Und sollte es uns heute nicht in den Ohren klingeln, wenn es im Gleichnis vom Gro\u00dfen Weltgericht hei\u00dft: \u201eIch bin krank und im Gef\u00e4ngnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht\u201c (Matth\u00e4us 25,43)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Ursachenerforschung II: Vor was soll ein Christenmensch Angst haben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch st\u00e4rker als die Pandemie sind bekanntlich die \u00c4ngste, zu denen sie gef\u00fchrt hat. Dies f\u00fchrt zu einer Frage, die bei der Erforschung der Ursachen f\u00fcr das Einknicken der Kirchen die tiefste Ebene darstellt: Vor was darf ein Christ eigentlich Angst haben und vor was nicht? Das traditionelle christliche Paradigma, das sich von den ersten Christengenerationen \u00fcber Mittelalter, Reformation, die gro\u00dfen Missions- und Erweckungsbewegungen bis hin zu den gl\u00e4ubigen Rebellen unserer Tage findet, sieht folgenderma\u00dfen aus: Ein Christ hat Angst zu haben vor dem Teufel, der S\u00fcnde und der ewigen Verdammnis. Also: Angst vor dem gro\u00dfen Widersacher Gottes, der als transzendente Macht und Person in dieser Welt w\u00fctet und auch die Christen verf\u00fchren und beherrschen will. Angst davor, durch ein Leben, das Gottes Geboten zuwiderl\u00e4uft, Gott zu betr\u00fcben, meinen Mitmenschen zu schaden, ja meiner eigenen Seele zu schaden. Und Angst davor, in Gottes Gericht verworfen zu werden und in der H\u00f6lle zu landen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Paradigma treten alle normalen gesch\u00f6pflichen \u00c4ngste in den Hintergrund. Der gl\u00e4ubige Christ muss keine Angst haben vor Leiden, M\u00fchsalen, Verfolgung und eben auch Krankheit und Tod, denn all diese Dinge sind vor\u00fcbergehend und nicht das Letzte. Die absolute Zentralit\u00e4t meiner Verlorenheit vor Gott und der Erl\u00f6sung, die mir durch das stellvertretende S\u00fchneopfer und die Auferstehung Christi angeboten wird, sticht alles andere aus. Die gro\u00dfe Frage Martin Luthers und sp\u00e4ter John Wesleys war nicht: \u201eWie bekomme ich ein langes, leidensfreies Leben?\u201c, sondern: \u201eWie bekomme ich einen gn\u00e4digen Gott?\u201c Wen diese Frage nie umgetrieben hat, der kann kein Christ sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus hat die Frage, vor was wir uns f\u00fcrchten sollten und vor was nicht, auf den Punkt gebracht in dem klassischen Satz: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten und danach nichts mehr tun k\u00f6nnen. Ich will euch aber sagen, wen ihr f\u00fcrchten sollt: F\u00fcrchtet den, der, nachdem er get\u00f6tet hat, Macht hat, in die H\u00f6lle zu werfen. Ja, ich sage euch, den sollt ihr f\u00fcrchten\u201c (Lukas 12,4-5). Viele heutige Gemeinden und Theologen haben dies genau umgedreht: Bei dem ach so \u201elieben\u201c Gott gibt es nichts zum F\u00fcrchten, denn das Gericht und die H\u00f6lle sind ja abgeschafft. Nein, der postmoderne Christ f\u00fcrchtet sich vor all dem, was ihm das irdische Leben schwer machen k\u00f6nnte. In den Himmel komme ich sowieso, aber vorher m\u00f6chte ich, bitte sehr, ein gelungenes Leben haben und vor allem gl\u00fccklich werden &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Wunder, dass diese Kirchen und Gemeinden so prompt den Laden zugemacht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Was lernt die Gesellschaft gerade von den Kirchen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was k\u00f6nnen der Staat, die Beh\u00f6rden, die verschiedenen Meinungslobbys, aber auch der ganz normale Durchschnittsb\u00fcrger aus der Reaktion der Kirchen auf Corona lernen? Was haben sie vielleicht schon gelernt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es d\u00fcrften vor allem zwei Dinge sein. Erstens: Christen haben die gleichen \u00c4ngste wie die \u201enormalen\u201c Menschen. Wenn sie sich in der Kirche anstecken k\u00f6nnten, kommen sie lieber nicht mehr zusammen. Dass in Krisenzeiten Christen sich erst recht versammeln, es gilt nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel Anziehungskraft geht von solchen Christen und Kirchen noch aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens und noch omin\u00f6ser: Es ist m\u00f6glich, den Kirchen Versammlungsverbote aufzulegen, ohne dass sie sich wehren. Mag sein, dass dies in der jetzigen Situation noch keine weiter reichenden Folgen hat, und sicher haben die jetzigen Beh\u00f6rden in Deutschland nicht an Christenverfolgung gedacht, als sie gottesdienstliche Versammlungen untersagten. Aber immer st\u00e4rkeren Kr\u00e4ften im Lande sind das Christentum, die Bibel, christliche Werte und christliche Kultur ein Dorn im Auge. Sie werden das Corona-Einknicken der Kirchen m\u00f6glicherweise als Muster und Vorlage f\u00fcr k\u00fcnftige Beschr\u00e4nkungsversuche kirchlicher Arbeit und christlicher Existenz deuten. Wie w\u00e4re es zum Beispiel mit der systematischen Einschr\u00e4nkung der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit? Oder damit, nur noch staatlich \u201ezertifizierte\u201c kirchliche Ausbildungsst\u00e4tten und Mitarbeiter zuzulassen? Es waren genau solche Wege, die die kommunistischen Machthaber in der Christenverfolgung im ehemaligen Ostblock in den Jahren zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs gegangen sind; heute werden sie z.B. in China erneut gegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcnftige antichristliche Kr\u00e4fte in den postchristlichen Gesellschaften des ehemaligen christlichen Abendlandes werden sich gerne an die bereitwillige Selbstbeschr\u00e4nkung der Kirchen und Gemeinden w\u00e4hrend der Corona-Krise erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Internet gut &#8211; alles gut?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber hat die Corona-Krise doch nicht schon auch kirchliche Entwicklungen in Gang gesetzt, die ausgesprochen positiv sind? Man kann doch weiter den Gottesdienst feiern und Predigten h\u00f6ren, jetzt halt im Internet. Richtig live sieht man da den Prediger, und die passende Musik, von Bach bis Pop, kann dazugeliefert werden. Schon gibt es Tr\u00e4ume von einer neuen, \u201edigitalen Kirche\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solchen Tr\u00e4umen m\u00fcssen drei gro\u00dfe Bedenken entgegengestellt werden. Erstens: Das, was das Neue Testament, ja die ganze Kirchengeschichte unter Gemeinschaft und Nachfolge versteht, ist eindeutig etwas Physisches, nicht Virtuelles. Es ist sch\u00f6n, die Predigten vollm\u00e4chtiger Pastoren im Internet h\u00f6ren bzw. sehen zu k\u00f6nnen, aber ein Ersatz f\u00fcr eine physische Gottesdienstgemeinde ist dies nicht. Und das Heilige Abendmahl im Internet oder am Telefon? Man kann dies bestenfalls als Not-Abendmahl sehen; das physische Zusammensein wie in jenem Raum in Jerusalem, es fehlt einfach. Und sollte man, wenn man hier den Gedankenfaden weiterspinnt, dann wom\u00f6glich auch virtuelle Taufen veranstalten, bei denen der T\u00e4ufling daheim in die Badewanne steigt, w\u00e4hrend in seinem Smartphone der Pastor die passenden Worte sagt? Oder virtuelle Beichten mit Absolution via Skype? Und was, wenn findige Kirchenleitungen auf die Idee kommen sollten, dass man ja jetzt noch mehr Pastorenstellen einsparen kann, wenn die ganze Sache auch per Internet und Smartphone geht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte Martin Luther das Internet genutzt, wenn es das damals bereits gegeben h\u00e4tte? Absolut! H\u00e4tte er seine Predigten und Gottesdienste in Wittenberg ohne eine Gemeinde im Kirchengeb\u00e4ude gehalten? Absolut nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens: Die digitale Kirche bedeutet, dass die Ausgrenzung der \u00c4lteren in den Gemeinden (von denen viele aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden nicht ins Internet gehen, ja vielleicht gar keinen Computer haben) noch weiter getrieben wird. Jetzt nimmt man ihnen sozusagen nicht nur Paul Gerhardt weg, sondern den ganzen Gottesdienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drittens kann die digitale Kirche die Gemeinde vor Ort schw\u00e4chen. Zurzeit erleben viele Christen, dass im Internet alle Gemeinden gleich weit entfernt sind. Der Autor dieser Zeilen verfolgt zurzeit die Internetgottesdienste in St. Martini im Bremen. Er k\u00e4me niemals auf die Idee, in den Zug zu steigen und nach Bremen und zur\u00fcck zu fahren &#8211; viel zu weit, viel zu teuer. Aber am Computer ist die Distanz aufgehoben. Wenn das Versammlungsverbot f\u00fcr die Kirchen gen\u00fcgend lange weitergeht, werden sich dann, wenn die Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehrt, m\u00f6glicherweise manche Pastoren die Augen reiben, dass bestimmte Leute nicht mehr kommen. Sie haben im Internet etwas Besseres gefunden, und warum sollten sie das wieder aufgeben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim vierten und letzten Einwand wird es ganz heikel: Jeder, der sich ernsthaft mit dem Internet befasst, wei\u00df, dass so ziemlich alles, was im Internet l\u00e4uft, von au\u00dfen beobachtet und kontrolliert werden kann. L\u00e4ngst verschwinden Beitr\u00e4ge aus den Sozialen Medien oder werden User gesperrt, weil sie &#8211; angeblich &#8211; \u201eHassrede\u201c bringen oder \u201erassistisch\u201c oder sonstwie \u201eistisch\u201c sind. Wer heute die Predigten bekannter gottesf\u00fcrchtiger Pastoren auf entsprechend definierte \u201eHassrede\u201c durchforstet, wird f\u00fcndig werden &#8211; vielleicht nicht so sehr wie bei Jeremia, Elia, Mose, Paulus oder Jesus, aber immerhin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um einen \u201ephysischen\u201c Gottesdienst zu observieren, m\u00fcssen die Beh\u00f6rden oder Lobbys Personen abstellen, die dorthin gehen; um einen gut besuchten Gottesdienst zu sprengen, braucht es ein paar Dutzend Einsatzkr\u00e4fte oder geschulte Schl\u00e4ger. Im Internet reicht es, wenn man die Leitung blockiert, die \u00dcbertragung st\u00f6rt oder einen L\u00f6sch-Knopf dr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um es ganz deutlich zu sagen: Die digitale Kirche ist die total gl\u00e4serne Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7. Gesucht: Eine neue Reformation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Krise birgt Chancen. Die Corona-Krise der Kirchen kann zum Brandbeschleuniger ihrer Selbstunterwerfung unter eine zunehmend gottlose Gesellschaft werden, sie muss das aber nicht. Als Martin Luther sich zu Wort meldete, befand sich die abendl\u00e4ndische Kirche am Rande des geistlichen Ruins, und ihre F\u00fchrungsstrukturen waren zum Teil mafi\u00f6s. Weil einige wenige Leute sich von Gott aufwecken lie\u00dfen und gehorsam waren, konnte der Untergang abgewendet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen heute eine neue Reformation, und wenn die Corona-Krise zum Beschleuniger <em>dieser<\/em> Entwicklung wird, hat sie sogar etwas Gutes gehabt. Folgende Ver\u00e4nderungen d\u00fcrften unabdingbar sein:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Entschlossene Abkehr vom Wohlf\u00fchlevangelium und der Wohlf\u00fchlgemeinde; Wiederentdeckung des Gottes der Bibel (es gibt nur diesen Gott, andere existieren nicht). Nur der Gott des Gerichtes kann uns begnadigen und erl\u00f6sen, nur der heilige Gott kann uns zu heiligen Menschen machen, d.h. zu Menschen, die nicht Sklaven der Welt mit ihren Ideologien sind.<\/li>\n<li>Neuentdeckung der Bibel. Die gute alte Bibelstunde muss wieder zum festen Bestandteil des Wochenplans unserer Gemeinden werden. Sie ist nicht Luxus, sondern Fundament. Sie ist Pflicht, das 1001. Lobpreisexperiment ist nur K\u00fcr. Gerne darf man auch die Sonntagsschule wieder einf\u00fchren, also den Bibelgespr\u00e4chskreis in der Kirche, vor dem eigentlichen Gottesdienst. (Bei den Adventisten ist das die Sabbatschule &#8211; ein absoluter Schatz.)<\/li>\n<li>Neuentdeckung der Sch\u00e4tze in den alten Liturgien und Kirchenliedern. Abkehr von der unchristlichen pauschalen Verachtung von allem, was \u201ealt\u201c und \u201enicht mehr zeitgem\u00e4\u00df\u201c ist oder angeblich \u201edie Leute nicht erreicht\u201c. Ersetzung des Zeitgeistes durch den Heiligen Geist. Neues Lernen, was Liturgie ist, wozu sie \u00fcberhaupt gut ist und wie man sie richtig macht.<\/li>\n<li>Neuanfang bei Evangelisation und Mission. \u201eIn keinem anderen ist das Heil &#8230;\u201c (Apostelgeschichte 4,12). Unsere Gemeinden m\u00fcssen wieder zu Orten werden, wo die Menschen erfahren, dass es Erl\u00f6sung NUR in Jesus Christus gibt.<\/li>\n<li>Neuentdeckung des Prinzips: \u201eMan muss Gott mehr gehorchen als den Menschen\u201c (Apostelgeschichte 5,29). Der Lieblingsbibelvers vieler Gemeinden, wenn es um den Christen in der Gesellschaft geht, scheint heute ja \u201eSuchet der Stadt Bestes\u201c zu sein (Jeremia 29,7). Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die Kirchen diesen Vers nicht als das verstehen, was er war (n\u00e4mlich eine Aufforderung an das Volk Gottes, in einer sehr schweren Zeit zusammenzuhalten und sich nicht aufzugeben), sondern als Ermutigung dazu, sich m\u00f6glichst stark mit der \u201eGesellschaft\u201c bzw. \u201eZivilgesellschaft\u201c zu identifizieren. Die Zivilgesellschaft im ehemaligen christlichen Abendland ist das postmoderne Gegenst\u00fcck zum alten Rom &#8211; und sie wird die Christen nicht weniger konsequent verfolgen, wie Rom das tat. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen &#8211; dies wird die auf die Wiederkunft Christi, aber auch den Antichristen zugehende Gemeinde buchstabieren lernen m\u00fcssen, oder sie wird scheitern.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn die Welt voll Teufel w\u00e4r\u2018<br \/>\nund wollt\u2018 uns gar verschlingen,<br \/>\nso f\u00fcrchten wir uns nicht so sehr,<br \/>\nes soll uns doch gelingen.<br \/>\nDer F\u00fcrst dieser Welt,<br \/>\nwie sau\u2019r er sich stellt,<br \/>\ntut er uns doch nicht;<br \/>\ndas macht, er ist gericht\u2018:<br \/>\nein W\u00f6rtlein kann ihn f\u00e4llen.<\/p>\n<p>(Martin Luther, 1529)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein einziges Wort der Wahrheit<br \/>\nkann die ganze Welt aufwiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Alexander Solchenizyn, Nobelpreisrede1970)<\/p>\n<p><em>Friedemann Lux, N\u00fcrtingen, 04.04.2020<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: www.nbc-pfalz.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland und andere L\u00e4nder befinden sich heute (Anfang April 2020) in einer noch nie dagewesenen Situation. 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