{"id":17103,"date":"2020-03-20T13:48:56","date_gmt":"2020-03-20T12:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17103"},"modified":"2020-03-20T13:48:56","modified_gmt":"2020-03-20T12:48:56","slug":"die-corona-chance-die-entschleunigung-der-arbeitsgesellschaft-durch-den-virus-koennte-helfen-die-beziehungskultur-zu-sanieren-ein-essay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=17103","title":{"rendered":"Die Corona-Chance &#8211; Die Entschleunigung der Arbeitsgesellschaft durch den Virus k\u00f6nnte helfen, die Beziehungskultur zu sanieren. Ein Essay"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir werden siegen \u2013 venceremos\u201c hei\u00dft es trotzig in Spanien, die Kurve der Kranken steigt exponentiell. Ausgangssperre herrscht in Italien, aber Balkon-Gesang machen Stimmung, trotz allem. In Frankreich erkl\u00e4rt der Pr\u00e4sident dem Virus den Krieg und die Tageszeitung \u201eFigaro\u201c zitiert Camus: Mehr als die Hoffnung braucht der Mensch die Wahrheit, auch \u00fcber Corona \u2013 mit anderen Worten: die Kriegserkl\u00e4rung kam zu sp\u00e4t. Isolation ist Vaterlandspflicht, hei\u00dft es in Deutschland. Grenzen werden geschlossen, Notstand verk\u00fcndet, Hospit\u00e4ler aufger\u00fcstet. Es ist Krieg in Europa und alle sind betroffen. Der Gegner ist nur mikroskopisch sichtbar, aber er greift um sich.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Corona spaltet und eint: Da ist ein Chefarzt, der nicht gefragt wurde und seine gekr\u00e4nkte Eitelkeit verbreitet \u00fcber einen Sender, der aus dem Links-rechts-Muster nicht herauskommt statt Solidarit\u00e4t zur Nachricht zu machen; da sind Politiker, die den Primat der Wissenschaft verk\u00fcnden und sich auf die Fachkompetenz verlassen, die von anderen Fachleuten in Frage gestellt wird \u2013 \u00fcbrigens mit klugen Argumenten. Und da sind Politiker, die mit Recht darauf hinweisen, dass Europa offenbar Grenzen hat und zwar im doppelten Sinn: Staatsgrenzen und Handlungsgrenzen. Und diese Grenzen sind nahezu deckungsgleich. Vieles war vorher nicht aussprechbar. Egoismus, Eitelkeit, Angst und Ideologie im Grabenkampf versus solidarisches Verhalten, Selbstdisziplin und Logik \u2013 es ist wie in jedem Krieg: Er verwirrt, frei nach Thukydides, die K\u00f6pfe und Begriffe. K\u00fchle Besonnenheit wird zur gefragtesten Tugend der Politik, intelligenter Gehorsam zur n\u00f6tigen B\u00fcrgerpflicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das muss nicht in Langeweile und Einsamkeit enden. In Madrid verabreden sich ganze Stra\u00dfenz\u00fcge per Smartphone zu einem Stelldichein auf dem Balkon, um gemeinsam Applaus zu spenden. Er gilt den Helden in Kitteln, dem Pflegepersonal der Stadt. Der Applaus f\u00fcllt die leeren Stra\u00dfe, Schwestern und \u00c4rzte, gebeugt vor Ersch\u00f6pfung, weinen vor ihrem kleinen Schirm. Und machen sich aufrecht mit neuem Mut wieder an die Arbeit. In Neapel singen sie ihre Lieblingslieder in die leeren Gassen, das Balkon-Publikum ruft begeistert da capo. In einem sizilianischen Dorf geht ein Priester mit der geweihten Hostie in der Monstranz segnend durch menschenleere Stra\u00dfen, ein Lastwagenfahrer steigt aus, kniet nieder, eine Gro\u00dfmutter am Fenster bekreuzigt sich, ein Gem\u00fcseh\u00e4ndler beugt das Haupt. Der Viermin\u00fcter auf Youtube geht viral, auch eine Form von Applaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Menschen und V\u00f6lker mit der Krise umgehen, ob mit Balkon-Parties, Balkon-Applaus oder stille Besinnung auf Wesentliches &#8211; Corona ist auch ein Spiegel der Beziehungskultur in Europa. Und die Krise k\u00f6nnte in diesem Sinn auch in den Familien, hierzulande und bei den Nachbarn, manches zurechtr\u00fccken. Wenn Kitas und Schulen schlie\u00dfen m\u00fcssen, um die Ausbreitung des Virus einzud\u00e4mmen, so wie das auch in Italien, Spanien, Frankreich und anderen L\u00e4ndern geschieht, dann wird die Personallage in den Bildungseinrichtungen zwar entspannt, in den Familien dagegen versch\u00e4rft. Wohin mit den Kindern, wenn der Betrieb (noch) nicht Corona-Urlaub vorgeschrieben hat? Viele Eltern bleiben zun\u00e4chst zuhause. Die Kinder werden sich freuen. Viele Eltern in Deutschland werden dann aber auch froh sein, dass sie das derzeit bevorzugte Familienmodell (Er Vollzeit, sie Teilzeit und zwar in Funktion des Alters der Kinder) leben. Das Modell ist flexibel und familienfreundlich. Etwa 40 Prozent der Familien leben es. Die notwendige Schlie\u00dfung von Kitas und Schulen trifft vor allem die Alleinerziehenden, die keine andere M\u00f6glichkeit haben und jene Familien, die als Klein- oder Kernfamilie in der Stadt wohnen und in denen beide Eltern vollzeitig in einem Erwerbsberuf besch\u00e4ftigt sind. Auf Gro\u00dfeltern oder \u00e4ltere Verwandte kann oder soll man ja nicht zur\u00fcckgreifen. Die Lage ist anders als bei den Kita-Streiks der vergangenen Jahre: Man wei\u00df nicht, wie lange es dauert, sie ist bundesweit und es gibt eine Bedrohung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Viren-Krise hat f\u00fcr die Familien auch ihre positiven Seiten. Sie entschleunigt den Alltag. Sie zwingt dazu, sich intensiver um das Kind oder die Kinder zu k\u00fcmmern. Viele Kinder werden \u00fcberrascht sein, dass \u201ejemand\u201c zu Hause sich so viel Zeit f\u00fcr sie nimmt. In den Krippen und Kinderg\u00e4rten sind es in der Regel nicht mehr als zehn Minuten pro Tag. Bei so wenig Zeit kann keine tiefere Beziehung entstehen. Deshalb lautet die Devise in den Kitas auch \u201esatt, sauber, besch\u00e4ftigt\u201c. Es ist das Etikett von Betreuung, nicht Erziehung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Eltern werden feststellen, dass Erziehung keine \u00fcbliche Management-T\u00e4tigkeit ist, wie zum Beispiel der Begriff \u201equality time\u201c vorgaukelt. Kinder stellen ihre Fragen, wenn sie ihnen in den Kopf kommen oder die Situation sie ihnen eingibt. Sie warten nicht, bis Mama oder Papa nach Hause kommen, um die Frage dann aus dem Computer abzurufen. Spontane Fragen verlangen spontane Antworten \u2013 zumindest das Eingest\u00e4ndnis \u201edas wei\u00df ich jetzt nicht, sag ich dir gleich\u201c. Aber selbst diese Antwort setzt Pr\u00e4senz voraus und das d\u00fcrfen demn\u00e4chst viele Kinder erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine Chance f\u00fcr die Beziehungskultur. Etliche Eltern und Betriebe haben sich daran gew\u00f6hnt, die Grenzen zwischen Erwerbsberuf und Familie zu verwischen. Sie jagen der Zeit nach und, so beschrieb es schon Arlie Russell Hochschild in ihrem Bestseller \u00fcber die Work-Life-Balance (\u201eKeine Zeit \u2013 Wenn die Firma zum Zuhause wird und zu Hause nur Arbeit wartet), sie wollen den Effizienzkult auch auf die Beziehungen \u00fcbertragen. Aber in der Firma geht es um Projekte, in der Familie um Personen. Das sind dimensionale Unterschiede im Menschsein. Sie auseinander zu halten oder wenigstens sich der Unterschiede wieder bewusst zu werden ist die gro\u00dfe Chance der erzwungenen Corona-Pause. Es ist auch eine Gefahr, die Grenzen noch weiter zu verwischen, je nachdem wie die Zeit zu Hause gemanagt oder verbracht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zeit nehmen hie\u00df die Devise vor Corona. Zeit haben hei\u00dft sie heute. Auch wenn Kinder mit Haus-Aufgaben im wahrsten Sinn des Wortes versehen und hier und da \u00fcber Online mit ihren Lehrern verbunden sind, sie sind zuhause und allein die entfallenen Wegzeiten sind jetzt schon Zeiten des famili\u00e4ren Miteinanders. Es ist eine kostbare Zeit und Chance. Sie bietet Gelegenheit, die Bindung zu vertiefen \u00fcber Gespr\u00e4ch und Spiel, auch \u00fcber die schulischen \u201eHausaufgaben\u201c, sofern die Eltern diesen Aufgaben gewachsen sind. Wiederholungen sind angesagt, Vokabeln abh\u00f6ren und vor allem Hinh\u00f6ren. Die klassische Tugendlehre kennt den Begriff der Solertia, des Zuh\u00f6ren-K\u00f6nnens und ordnete ihn der Kardinaltugend Klugheit zu. Ohne Zuh\u00f6ren der Eltern keine Kenntnis der Befindlichkeit der Kinder. Das ist mehr als blo\u00dfe Kenntnisaufnahme. Die Solertia ist das H\u00f6ren des Herzens, sie schafft Zu-Neigung, mithin Bindung. Sie strickt mit am Band der Erziehung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen sind von der Zwangspause ausgenommen, ihre Kinder werden weiterhin betreut und das ist auch notwendig. Sie haben jeden Applaus verdient. Nur: Die systemrelevanteste Gruppe der Gesellschaft \u00fcberhaupt ist die Familie. Souver\u00e4n ist, wer den Ausnahmezustand bestimmt, hei\u00dft es in der Politik-Wissenschaft. Das darf nicht ein Virus sein. Die Familie sollte ihre Souver\u00e4nit\u00e4t behaupten, indem sie den Ausnahmezustand nutzt, um die Beziehungskultur zu beleben. Wenn die Politik vom Primat der Wissenschaft redet, dann meint sie den Primat der Naturwissenschaft. Es gibt aber auch eine Wissenschaft, die die Natur des Menschen erforscht: Die Bindungs-, Stress- und Hirnforschung. Auf sie h\u00f6rt die Politik selten. Immer noch wird die Krippe als die Institution mit den \u201eprofessionellen H\u00e4nden\u201c beschrieben. Aber es gibt keine Institution, die mit Blick auf Urvertrauen, Bindung und Pers\u00f6nlichkeitsbildung professioneller w\u00e4re als die Familie. Die Studienergebnisse der Entwicklungspsychologie, der Bindungsforschung und verwandter wissenschaftlicher Bereiche sind erdr\u00fcckend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Ergebnis der famili\u00e4ren professionellen H\u00e4nde, vulgo Erziehung in Familie, ist das solidarische Verhalten. Folgt man wissenschaftlicher Literatur, wird \u201edie Erzeugung solidarischen Verhaltens\u201c auch als ein Grund f\u00fcr den verfassungsrechtlichen Schutz der Familie genannt. Es sei eine Leistung, schrieb der Nestor der Familienpolitik, Heinz Lampert, die in der Familie \u201ein einer auf andere Weise nicht erreichbaren Effektivit\u00e4t und Qualit\u00e4t\u201c erbracht werde (Priorit\u00e4t f\u00fcr die Familie, 16). Gemeinsinn, Toleranz, Ehrlichkeit, Treue, Hilfsbereitschaft, Verantwortungswille, Empathie \u2013 all diese sozial relevanten F\u00e4higkeiten sind Teil des \u201esolidarischen Verhaltens\u201c. Man erlebt sie nicht nur auf den Balkonen in Madrid und Neapel, sie wirken auch in Deutschland in vielen helfenden H\u00e4nden, zum Beispiel in dem Verzicht vieler Messe-und Konzert-Besucher, die ihre Tickets nicht erstattet bekommen wollen, um die Existenz der Kulturbetriebe zu st\u00fctzen. Dieses Verhalten kann von den \u201eprofessionellen H\u00e4nden\u201c nicht geschaffen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nicht die Schuld des Kita-Personals. Im Gegenteil. ErzieherInnen tun, was sie k\u00f6nnen. In der Regel sind sie \u00fcberfordert. In Kitas und Grundschulen wird sich die Lage jetzt f\u00fcr ein paar Wochen entspannen, um dann, vielleicht schon nach Ostern, wieder in den Verzweiflungsmodus zur\u00fcckgeworfen zu werden. Es fehlen einfach die Fachkr\u00e4fte. Zwar hat die Zahl der ErzieherInnen in den letzten zehn Jahren von 298.500 auf 646.945 zugenommen, wie das Statistische Bundesamt und Fachstudien belegen. Aber das reicht bei weitem nicht. Eine Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung unter 2800 Kita-Leitern hat j\u00fcngst ergeben, dass 90 Prozent der Kitas unterbesetzt sind, viele Erzieherinnen stufen die Belastung als \u201eakut gesundheitsgef\u00e4hrdend\u201c ein. Corona wird sie hier und da mal durchatmen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr als eine Atempause ist aber nicht drin. Der Markt an Erziehungspersonal ist leergefegt. Die Politik hat vers\u00e4umt, mit der Krippenoffensive in den Jahren ab 2007 auch numerisch die Voraussetzungen zu schaffen, dass gen\u00fcgend Personal f\u00fcr die steigende Zahl an Krippen- und Kindergartenpl\u00e4tzen vorhanden ist \u2013 von der Qualit\u00e4tsoffensive ganz zu schweigen. Die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen hat die Vorlage ihrer SPD-Vorg\u00e4ngerin Renate Schmidt eins zu eins umgesetzt, ohne R\u00fccksicht auf das Kindeswohl und die schon damals vorhandenen Ergebnisse der Bindungs-und Hirnforschung. Es gab Stimmen, die warnend auf die Forschungsergebnisse und auf den k\u00fcnftigen Bedarf an geschultem Personal hinwiesen. Er war leicht auszurechnen. Bei einer halben Million zus\u00e4tzlicher Krippenpl\u00e4tze h\u00e4tte man an Fachhochschulen oder anderen Schulungsorten wenigstens 100.000 Ausbildungspl\u00e4tze f\u00fcr Erzieher und Erzieherinnen vorsehen m\u00fcssen. Aber in keinem Budget des Bundes oder der L\u00e4nder war auch nur eine Spur von Voraussicht zu entdecken. Man baute schlicht Parkpl\u00e4tze f\u00fcr Kleinstkinder und nannte es fr\u00fchkindliche Bildung, ohne den Grundsatz zu beherzigen: Bindung geht der Bildung voraus. Diese Erkenntnis st\u00f6rte. Dabei geht es nur um ein paar, aber entscheidende Jahre f\u00fcr das Kind, und damit auch f\u00fcr die Gesellschaft. Immerhin h\u00e4ngt an einer guten Bildung auch die Innovationskraft der Gesellschaft. Das Kurzfristdenken in Jahresbilanzen aber setzte sich durch, die Politik folgte der Wirtschaft willf\u00e4hrig unter dem Beifall der meisten Medien. 2006 wurden gerade mal 17 Prozent der Zweij\u00e4hrigen fremdbetreut, heute sind es mehr als f\u00fcnfzig Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kita-Markt und seine Industrie wachsen. Heute sind rund 700.000 Erzieherinnen und Erzieher sozialversicherungspflichtig besch\u00e4ftigt, schreibt das Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt und Berufsforschung im Januar. Aber es ist ein \u201eEngpassberuf\u201c, es fehle an allen Ecken und Enden. Jetzt wird gesch\u00e4tzt, dass bis 2025 noch 300.000 Stellen f\u00fcr Erziehungs-und Betreuungsfachkr\u00e4fte geschaffen werden m\u00fcssten. Bis dahin werden aber maximal 150.000 Erzieher und Erzieherinnen ihre Ausbildung abschlie\u00dfen. Deshalb wird sich der Personalschl\u00fcssel, der sich zwischen 2012 und 2018 leicht verbessert hatte (heute kommen auf eine Krippen-Fachkraft 4,2 Kinder unter drei Jahren) wieder auf mehr als f\u00fcnf Kinder hochschrauben. Und das ist nur eine statistische Gr\u00f6\u00dfe. Die Wirklichkeit in den meisten Krippen sieht eher so aus: 1:10. Denn die Erzieherinnen haben ja auch andere Aufgaben als nur die Betreuung zu erf\u00fcllen. Auch integrationswillige Zuwanderer sind f\u00fcr diesen Bereich schon aus sprachlichen Gr\u00fcnden nur bedingt einsatzf\u00e4hig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Personalnot in den Kitas wird sich in den Schulen fortsetzen. Die Politik hat wohlfeil das Recht auf einen Kita-Platz einger\u00e4umt und ebenso wohlfeil verkauft sie jetzt das Recht auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen ab dem Jahr 2025. Sie winkt mit Geld, der Ausbau der Ganztagsbetreuung werde bis zu 6,5 Milliarden Euro und dann jedes Jahr zwischen 2,6 und 3,9 Milliarden kosten. Aber auch hier fehlt entsprechendes Personal. Der Mangel wird die Kapazit\u00e4ten und damit die Qualit\u00e4t erw\u00fcrgen. Der Corona-Virus trifft wirft die Familien eine Zeitlang auf ihre vergessene Kernkompetenz zur\u00fcck, die Pflege der emotionalen Befindlichkeit und die Schaffung der Bindungsqualit\u00e4t. Man darf diese Kernkompetenz auch als Erziehung zur Liebesf\u00e4higkeit bezeichnen. Das kann der Staat nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Eltern und Kinder werden das sp\u00fcren, andere dar\u00fcber nachdenken. Sollte das der Fall sein, kann man der Krise, die vermutlich erst am Anfang steht, auch eine positive Seite abgewinnen. Vielleicht werden einige Politiker dann auch genauer nachrechnen und zu dem Ergebnis kommen, dass das solidarische Verhalten und die \u201epersonbildende Leistung\u201c (Bruno Heck), die in der Familie erbracht werden, eigentlich jeder Ehre \u2013 Honor \u2013 wert ist. Ja, die Besinnung k\u00f6nnte zu den drei gro\u00dfen Z f\u00fchren, die Pestalozzi f\u00fcr die Erziehung im Besonderen und damit f\u00fcr die Beziehungskultur im Allgemeinen als grundlegend ausmachte: Zeit, Zuwendung, Z\u00e4rtlichkeit. Letztere ist momentan oft nur elektronisch oder auf Distanz m\u00f6glich. Wenn die Krise \u00fcberstanden ist, wird sich auch die elektronische Z\u00e4rtlichkeit wieder in reale N\u00e4he wandeln. Und viele Familien k\u00f6nnten ihre Kernkompetenz mit anderen Augen sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>J\u00fcrgen Liminski, Aufsatz des Monats, 2020\/2 vom 17.03.2020 (www.i-daf.org)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir werden siegen \u2013 venceremos\u201c hei\u00dft es trotzig in Spanien, die Kurve der Kranken steigt exponentiell. Ausgangssperre herrscht in Italien, aber Balkon-Gesang machen Stimmung, trotz allem. 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