{"id":1681,"date":"2007-02-13T10:23:38","date_gmt":"2007-02-13T08:23:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1681"},"modified":"2009-09-11T13:29:24","modified_gmt":"2009-09-11T11:29:24","slug":"theologisches-gutachten-zur-%e2%80%9ebibel-in-gerechter-sprache%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1681","title":{"rendered":"Theologisches Gutachten zur \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c &#8211; Teil I"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Theologisches Gutachten zur \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c &#8211; Teil I<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00dcbersetzung der Bibel \u201ein gerechter Sprache\u201c liegt ein dreifaches Leitinteresse zugrunde: ein \u201egeschlechtergerechtes\u201c, ein Interesse des gegenw\u00e4rtigen christlich-j\u00fcdischen Dialogs und ein Interesse an der Bedeutung der biblischen Texte f\u00fcr die gesellschaftliche Lebenswirklichkeit (1).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das folgende Gutachten betrifft weder sprachwissenschaftliche noch allgemein-hermeneutische Aspekte der \u00dcbersetzungskunst; auch nicht die tiefgreifenden Probleme, die diese \u00dcbersetzung f\u00fcr jedwede kirchliche Praxis in Gottesdienst, Unterricht und im Umgang einzelner Christen mit der Heiligen Schrift aufwirft, vor allem was ihre Verst\u00e4ndlichkeit angeht. Es konzentriert sich vielmehr ganz darauf, welche Folgen f\u00fcr die Glaubenslehre der Kirche durch die konsequente Durchsetzung dieser drei Leitinteressen bei der \u00dcbersetzung des Neuen Testaments (ob bewusst oder unwissentlich) angerichtet worden sind: Diese \u00dcbersetzung beraubt das Neue Testament der Wahrheit der beiden Grundbekenntnisse aller christlichen Kirchen, die sie in ihrer Heiligen Schrift begr\u00fcndet wissen: Der Wahrheit der Gottessohnschaft Jesu Christi und damit der Wahrheit des Drei-einen Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies springt dem Leser der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c vor allem in der \u00dcbersetzung von Joh. 1,14 ins Gesicht: statt \u201eDas Wort ward Fleisch\u201c ist hier zu lesen: \u201eDie Weisheit wurde Materie\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt der \u201egro\u00dfen Freude\u201c (Luk. 2,14) dar\u00fcber, dass der lebendige Gott \u201ein unser armes Fleisch und Blut\u201c eingegangen und uns in dem neugeborenen Menschenkind in der Krippe \u201eder Heiland geboren ist\u201c, durch den wir \u201eleben nun und ewiglich\u201c (Martin Luther, EG 24,4), wird hier als Gegenbotschaft verk\u00fcndet, dass der lebendige Gott tote Materie geworden sei (2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollen es nicht mit dem Weihnachtswunder zu tun haben, dass Gott Mensch geworden, dass dieses Menschenkind der einzig-geborene Sohn des einzig-einen Gottes selbst ist, sondern damit, dass Gottes Weisheit als Sch\u00f6pferin und Ursprung allen Lebens Materie geworden sei. Der \u201eGlanz\u201c, der von ihr ausgeht (wie immer das auch vorzustellen sein mag) ist vielmehr lediglich wie der \u201eeines einzig-geborenen Kindes von Mutter und Vater\u201c. Wenn dieser textfremden (3) \u00dcbersetzung von Johannes 1,14 \u00fcberhaupt ein Sinn abzugewinnen ist, dann der, dass Jesus ganz und gar nichts anderes sei als ein sterblicher Mensch unter sterblichen Menschen. Wieso er als solcher voller \u201eGnade und Wahrheit\u201c ist, ist ganz unerfindlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieht man nun n\u00e4her zu, dann zeigt sich: Dass Jesus ein Mensch sei, der von Gott erw\u00e4hlt und gesandt worden ist, ist ein Aspekt, der in einem Gro\u00dfteil der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c zu finden ist. Vor allem das Interesse an einer \u201egeschlechter-gerechten Sprache\u201c ist so konsequent zum prim\u00e4ren Gebot des \u00dcbersetzens aller neutestamentlichen Texte (4) geworden, dass \u00fcberall dort eine R\u00fccksichtslosigkeit gegen\u00fcber deren eigenem Sinn in Kauf genommen ist. Vor allem geht es den \u00dcbersetzerinnen darum, bestimmte W\u00f6rter, Begriffe oder Namen, die Menschen auszuschlie\u00dfen oder gar zu kr\u00e4nken scheinen, die sich \u201ebestimmten Bewegungen der vergangenen Jahrzehnte\u201c (S. 9) zurechnen, durch andere neu gew\u00e4hlte W\u00f6rter, Begriffe und Namen zu ersetzen, die solche Assoziationen nicht ausl\u00f6sen. Zwar soll dabei der biblische \u201eAusgangs(!)text\u201c (S.11.) keine sachlich-inhaltliche Ver\u00e4nderung erfahren. Aber das gelingt den \u00dcbersetzerinnen nicht nur an vielen Einzelstellen nicht \u2013 das ist auch in anderen \u00dcbersetzungen der Fall \u2013 vielmehr kann es dort nicht gelingen, wo die Eigeninteressen gegen\u00fcber dem Interesse der Texttreue dominieren sollen. Dieser Vorwurf ist gegen\u00fcber dieser \u00dcbersetzung als ganzer zu erheben. Der Text der neutestamentlichen Schriften ist eben nicht \u201eAusgangstext\u201c f\u00fcr das, was in einer \u201egerechten\u201c Bibel daraus gemacht wird, sondern er ist als Wortlaut Heiliger Schrift Grundtext f\u00fcr alle Christen aller Kirchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies gilt vor allem f\u00fcr die Rede vom Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Gott als der Vater<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entscheidend im ganzen Neuen Testamen ist, dass der einzig-eine Gott der Vater Jesu Christi als seines einzig-einen Sohnes ist. Weil diese Rede ein ausschlie\u00dflich maskulines Verst\u00e4ndnis Gottes als eines rein m\u00e4nnlichen Wesens assoziieren kann und dies dann auf das Verst\u00e4ndnis Jesu und seines Verh\u00e4ltnisses zu Gott zur\u00fcckschl\u00e4gt, werden diese beiden theologisch und christologisch zentral wichtigen W\u00f6rter, sowohl \u201eVater\u201c wie auch \u201eSohn\u201c, in der \u00dcbersetzung weithin gemieden und durch andere Bezeichnungen ersetzt. Daraus ergeben sich jedoch zwangsl\u00e4ufig inhaltliche Ver\u00e4nderungen: zun\u00e4chst was die Rede von Gott als Vater betrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufig ist von Gott als \u201eVater und Mutter\u201c die Rede (5).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nirgendwo jedoch wird im Neuen Testament Gott als eine Mutter oder auch nur sein Handeln oder Verhalten als m\u00fctterlich bezeichnet. (6)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am h\u00e4ufigsten wird \u201eVater\u201c allgemein durch \u201eGott\u201c wiedergegebenen (7), hier und da auch abstrakt als \u201eUrsprung\u201c umschrieben (8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr umst\u00e4ndlich hei\u00dft es z. B. in Eph. 3,14: \u201eDeshalb beuge ich meine Knie vor der sch\u00f6pferischen Kraft, die jedes Volk im Himmel und auf Erden benannt hat.\u201c \u2013 statt: \u201eDeshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater (pater), von dem jeder Volksstamm (patria) seinen Namen hat.\u201c Das feine Wortspiel im Urtext zwischen \u201eVater\u201c und \u201eVaterland\u201c wird so zerst\u00f6rt, nur weil \u201eVater\u201c nicht vorkommen darf. In 1. Petr. 1,17 wird in so weitschweifend-pathetischer Formelhaftigkeit von Gott als \u201edieser heiligen Macht\u201c geredet, dass man an \u201eDr. Murkes gesammeltes Schweigen\u201c erinnert wird; vgl. ebenso auch Jak. 1,17. Im Urtext ist schlicht vom \u201eVater\u201c die Rede\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der wenigen Stellen, an denen das Wort \u201eVater\u201c in dieser \u201egerechten \u00dcbersetzung\u201c stehen geblieben ist, ist das gewichtige Offenbarungswort Jesu in Lk. 10,22: \u201eAlles ist mir \u00fcbergeben von meinem Vater und niemand wei\u00df, wer der Sohn ist, nur der Vater; und wer der Vater ist, wei\u00df nur der Sohn, und wem der Sohn sich (9) offenbaren will.\u201c Diese \u00dcbersetzung entspricht, was \u201eVater\u201c und \u201eSohn\u201c betrifft, dem griechischen Urtext. Daf\u00fcr kann man sehr dankbar sein, denn ganz anders dagegen wird die nahezu w\u00f6rtlich gleich Parallele in Mt. 11,27 \u00fcbersetzt: \u201eDu hast mir alles mitgeteilt, niemand kennt mich als dein Kind so wie du, v\u00e4terlich und m\u00fctterlich. Niemand kennt dich so v\u00e4terlich und m\u00fctterlich wie ich als dein Kind, und wie alle Geschwister, die ich dar\u00fcber aufkl\u00e4re.\u201c Hier verschwindet nicht nur \u201eder Vater\u201c dadurch, dass die \u00dcbersetzerin Jesus ihn als \u201eDu\u201c anreden l\u00e4sst. Vielmehr l\u00e4sst sie Jesus zugleich als einen Menschen sprechen, der als \u201eGotteskind\u201c mit der m\u00fctterlichen und v\u00e4terlichen Umgangsweise Gottes pers\u00f6nlich vertraut ist, und zwar im \u201eGeschwisterkreis\u201c mit anderen Gotteskindern, die er \u00fcber seine Gotteserfahrung lediglich aufkl\u00e4rt. An Jesus, der als der Sohn des Vaters seinen J\u00fcngern dieses einzigartige Verh\u00e4ltnis wechselseitigen \u201eWissens\u201c zwischen Gott und ihm durch besondere Offenbarung mitteilt, ist ein menschlicher Lehrer geworden, der andere Menschen an seiner besonderen kindlichen Vertrautheit mit Gott teilhaben l\u00e4sst, und sie dar\u00fcber aufkl\u00e4rt, wie m\u00fctterlich und v\u00e4terlich Gott doch mit seinen Kindern umgeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Vermeidung des biblischen \u201eVaternamens\u201c Gottes wird das Wesen des biblischen Gottes und seine fundamentale Bedeutung f\u00fcr alle Christen mutwillig ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies liegt zwar sicherlich nicht in der Absicht der \u00dcbersetzerinnen, die vielmehr \u201anur\u2019 in das die biblische Sprache beherrschende einseitig maskulin-zentrierte Gottesverst\u00e4ndnis Z\u00fcge der Gotteserfahrung von Frauen einbringen wollen. Sie treten damit jedoch, wohl unbemerkt, in die Falle ideologischer Blindheit f\u00fcr die Folgen ihres Tuns. Denn eben als der Vater Jesu Christi seines einzigen Sohnes, unseres Erl\u00f6sers, l\u00e4sst sich der biblische Gott weder durch m\u00e4nnliche noch durch weibliche H\u00f6rinteressen von Menschen in der v\u00f6lligen Eigenheit seines Vaterseins bestimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Jesus als der Sohn des Vaters<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist der \u00dcbergang zum Jesusbild der \u201egerechten Bibel\u00fcbersetzung\u201c gegeben. Denn Mt. 11,17 ist ein besonderes Beispiel daf\u00fcr, wie nicht nur durch die Beseitigung des Vaterseins Gottes die Theo-logie zerst\u00f6rt wird, sondern ebenso grundst\u00fcrzend durch die Beseitigung der Gottessohnschaft Jesu Christi auch die Christologie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielfach ist von Jesus statt von Gottes Sohn von Gottes Kind die Rede (10). Damit soll ein besonderes Verh\u00e4ltnis Gottes zu Jesus nicht ausgeschlossen werden. Wenn jedoch die Gottesstimme Jesus nach seiner Taufe zuspricht: \u201eDies ist mein geliebtes Kind, ihm geh\u00f6rt meine Zuneigung\u201c (Mt. 3,17 = 17,5) oder: \u201e\u00dcber dich freue ich mich\u201c [Mk. 1,11; 9,7; \u00e4hnlich Lk. 3,22 (11)], so verwandelt sich die Atmosph\u00e4re des feierlichen Zuspruchs Gottes aus dem ge\u00f6ffneten Himmel in die irdisch-famili\u00e4re einer Liebesbezeugung von Eltern zu ihrem Kind. Auch ist es ein anderes, ob die Versuchung des Teufels im Streitgespr\u00e4ch mit Jesus dem \u201eSohn Gottes\u201c gilt (Mt. 4,3.6) oder Gottes \u201eKind\u201c, wie die \u00dcbersetzung die Szene verniedlicht. Das gilt erst recht f\u00fcr Joh. 1,14: Ein \u201eGlanz\u201c auf dem Gesicht \u201ewie dem eines (!) Kindes von Mutter und Vater\u201c soll hier von \u201euns\u201c zu sehen sein \u2013 man h\u00f6rt hier geradezu \u201eStille Nacht\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den gleichen Eindruck vermittelt die \u00dcbersetzung von Joh. 5,19: \u201eDas Kind kann nichts von sich aus tun, wenn es nicht die Eltern etwas tun sieht. Was n\u00e4mlich jene machen, das macht genauso auch das Kind.\u201c Aus einer Schl\u00fcsselaussage johanneischer Hochchristologie, die von der \u00dcbereinstimmung alles Tuns Jesu als \u201edes Sohnes\u201c mit Gott, \u201edem Vater\u201c, spricht, wird hier ein Bildwort von der Vorbildhaftigkeit von Eltern f\u00fcr ihre Kinder. Von daher wird dann freilich die folgende Aussage in Joh. 5,21 schlechterdings unverst\u00e4ndlich: Wieso kann Jesus als ein \u201eerw\u00e4hltes Kind\u201c seiner g\u00f6ttlichen Eltern Tote lebendig machen, wie diese? Und wieso kann Gott sein Endgericht \u00fcber alle Menschen einem \u201eerw\u00e4hlten Kind\u201c \u00fcbergeben (Joh. 5,22.)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den johanneischen Schriften wird \u201eSohn Gottes\u201c am h\u00e4ufigsten mit \u201eder Erw\u00e4hlte Gottes\u201c \u00fcbersetzt (12), wobei darauf hingewiesen wird, dass die Erw\u00e4hlung Gottes Kind gilt (13), n\u00e4mlich Jesus als irdischem Menschen. An solchen Stellen wird die Wirklichkeit des Mysteriums der Inkarnation zu einer menschlichen Familienidylle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Matth\u00e4usevangelium ist allerdings an zwei wichtigen Stellen, in Mt. 14,33 und 16,16, \u201eSohn Gottes\u201c stehen geblieben (14), ebenso auch in Lk. 9,35; Apg. 9,20; 13,33. Vor allem aber ist dies in einigen Paulusbriefen der Fall (15); nur im Galater und Kolosserbrief ist \u201eSohn Gottes\u201c durch \u201eKind Gottes\u201c ersetzt (16). Ich kann in dieser Unstimmigkeit keinen Sinn erkennen und es nur f\u00fcr einen gl\u00fccklichen Zufall halten, dass uns der f\u00fcr die Theologie des Neuen Testamentes so zentral wichtige Titel \u201eSohn Gottes\u201c wenigstens an vereinzelten Stellen in dieser \u201egerechten Bibel\u00fcbersetzung\u201c \u00fcberhaupt noch erhalten geblieben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als weiteres Beispiel f\u00fcr die Tendenz dieser \u201e\u00dcbersetzung\u201c, Jesus als einen blo\u00dfen Menschen erscheinen zu lassen, sind noch folgende Stellen zu benennen: Mt. 7,29: Jesus \u201elehrte das Volk wie ein Mensch, der Vollmacht hat, nicht so wie seine Gelehrten\u201c. In Mt. 8,10 sagt Jesus: \u201eNicht einmal in Israel habe ich solches Vertrauen gefunden\u201c (\u00e4hnlich 9,28). Im Urtext aber steht: \u201esolchen Glauben\u201c! In Mt. 10,24 kann man lesen: \u201eJ\u00fcngerinnen und J\u00fcnger k\u00f6nnen kein besseres Schicksal erwarten als ihr Lehrer.\u201c Der Urtext dagegen lautet: \u201eNicht ist ein J\u00fcnger \u00fcber dem Lehrer noch auch ein Sklave \u00fcber seinem Herrn\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend ist zu sagen: mit der weitgehenden Vermeidung des biblischen \u201eSohnes\u201cpr\u00e4dikats wird Jesus Christus seiner v\u00f6lligen Einheit mit Gott und Gottes mit ihm beraubt, kraft derer er allein unser Erl\u00f6ser ist und sein kann. Stattdessen erscheint er als vorbildlicher Mensch, der uns Menschen als seinen \u201eGeschwistern\u201c die weiblichen Z\u00fcge seiner Gotteserfahrung nahe bringen m\u00f6chte, wozu ihm die \u00dcbersetzerinnen endlich zur Sprache zu kommen helfen wollen. Dass sie ihre Leserinnen und Leser damit einen anderen Jesus (2. Kor. 11,4) h\u00f6ren lassen als den Deus-Homo des Grundbekenntnisses aller christlichen Kirchen, den Martin Luther uns in der Auslegung des 2. Glaubensartikels im Kleinen Katechismus in so eindr\u00fccklicher Sprache nahe bringt, &#8211; das haben sie m\u00f6glicherweise \u00fcber der Dominanz ihres \u201egeschlechtergerechten \u00dcbersetzungsinteresses\u201c nicht einmal bemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Jesus als \u201eder Menschensohn\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine Eigenart der Verk\u00fcndigung Jesu, dass er vielmals von sich als \u201eder Menschensohn\u201c spricht. Dabei steht die Vision des Propheten Daniel im Blick, in der Gott ihm die aufeinander folgenden Weltreiche der Menschheitsgeschichte in Gestalt von verschiedenen Tieren, dagegen das Reich Gottes am Ende der Geschichte in der Gestalt eines Menschen schauen l\u00e4sst (Dan. 7,13). Von daher ist deutlich, dass Jesus, wenn er von \u201edem Menschensohn\u201c spricht, eine himmlische Gestalt an Gottes Seite meint, ob er nun deren zuk\u00fcnftiges \u201eKommen\u201c oder Handeln im Zusammenhang der Endereignisse ank\u00fcndigt, oder ob er von sich selbst in seiner irdischen Gegenwart als von \u201edem Menschensohn\u201c spricht. Sprachlich ist immer von einer bestimmten Einzelgestalt die Rede: \u201edieser Mensch\u201c. Menschensohn ist also nicht im genealogischen Sinne zu verstehen, als w\u00e4re der Menschensohn der leibliche Sohn eines Menschen, so dass sein irdisches Menschsein hervorgehoben w\u00fcrde, sondern es ist im Gegenteil von einer himmlischen Person in Menschengestalt die Rede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insofern haben die \u00dcbersetzerinnen der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c zun\u00e4chst Recht, wenn sie \u201eder Menschensohn\u201c mit \u201eder Mensch\u201c \u00fcbersetzen; und wenn sie an den Stellen, wo Jesus von dem endzeitlich-zuk\u00fcftigen Handeln \u201edes Menschensohnes\u201c spricht, diesen als \u201ehimmlischen Menschen\u201c charakterisieren. (17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort jedoch, wo Jesus von sich selbst in seiner irdischen Gegenwart als von \u201edem Menschensohn\u201c spricht \u2013 und das ist die Mehrheit der Stellen -, dr\u00fcckt er das besondere Geheimnis seiner Person aus: dass er in seinem Wirken und Geschick als der Mensch Jesus von Nazaret bereits jetzt und hier jene g\u00f6ttliche Gestalt der endzeitlichen Zukunft ist und als solcher in g\u00f6ttlicher Vollmacht handelt. An allen diesen Stellen jedoch ist in der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c von Menschen allgemein (18) oder von Jesus als \u201eMensch\u201c (19) die Rede; oder \u201eMenschensohn\u201c wird einfach mit dem \u201eIch\u201c Jesu wiedergegeben (20). Im Johannesevangelium wird der Titel durchweg als \u201eder erw\u00e4hlte Mensch\u201c \u00fcbersetzt (21). Damit soll wohl zum Ausdruck kommen, dass Gott Jesus als seinen Gesandten in besonderer Weise erw\u00e4hlt hat (vgl. Joh. 6,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese Aussagen gelten jedoch in dieser \u201e\u00dcbersetzung\u201c von Jesus als einem Menschen, der sich zwar vor anderen Menschen in bestimmter Weise auszeichnet, dem jedoch selbst keinerlei G\u00f6ttlichkeit eigen ist. Der Menschensohntitel dient so der Gesamttendenz dieser \u00dcbersetzung, in Jesus nur einen Menschen zu sehen. Die g\u00f6ttlich-himmlische W\u00fcrde an der Seite Gottes, die im Urtext mit dem Titel durchweg assoziiert wird, ist in der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c ausgeblendet. (22)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einigen Stellen kommt das besonders krass zum Ausdruck. In Mk. 2,5 \/ Mt. 9,6 \/ Lk. 5,24 geht es im Urtext um die Vollmacht Jesu als des \u201eMenschensohns\u201c, S\u00fcnden zu vergeben. In der \u201egerechten Bibel\u201c wird daraus eine Vollmacht, die \u201eMenschen\u201c haben. Eben damit bekommen aber die j\u00fcdischen Partner Recht gegen Jesus, wenn sie ihm Gottesl\u00e4sterung vorwerfen, weil ja doch allein Gott S\u00fcnden vergeben kann (Mk. 2,7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleiches gilt f\u00fcr Mt. 12,8, wo Jesus im Urtext f\u00fcr sich als den \u201eMenschensohn\u201c die Vollmacht beansprucht, \u201eHerr \u00fcber den Sabbat\u201c zu sein. (23) Die \u00dcbersetzerinnen ver\u00e4ndern dies, indem sie den Ausspruch Jesu auf alle Menschen verallgemeinern: \u201eDie Menschen sind wichtiger als der Sabbat.\u201c Dies werden \u00fcbrigens etwaige j\u00fcdische Leser der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c sicherlich mit Befremden h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner ist es nat\u00fcrlich richtig, wenn die \u00dcbersetzerin in Lk. 19,10 Jesus sagen l\u00e4sst: \u201eIch bin gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ging.\u201c Doch warum Jesus die Macht dazu hat, sagt im Urtext der W\u00fcrdetitel \u201eder Menschensohn\u201c, der darum nicht durch einfaches \u201eich\u201c ersetzt werden darf. Und wenn Jesus in Lk. 22,48 seinen Verr\u00e4ter fragt: \u201eJudas, mit einem Kuss lieferst du mich aus?\u201c, dann verliert diese Frage ihr Gewicht; denn nach dem Urtext ist es \u201eder Menschensohn\u201c den sein J\u00fcnger Judas den Bewaffneten ausliefert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Extrem problematisch wird es, wenn die drei Leidensank\u00fcndigungen in Mk. 8,31; 9,31; 10,33f (und Parallelen) nicht vom Geschick des \u201eMenschensohnes\u201c sprechen, sondern von dem \u201edes Menschen\u201c. Im Urtext sind diese Aussagen Jesu deswegen so au\u00dferordentlich spannungsreich, weil es \u201eder Menschensohn\u201c in seiner endzeitlichen W\u00fcrde an Gottes Seite ist, dem Gott diesem Todesleiden durch Menschengewalt anheim gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcbersetzung der \u201egerechten Bibel\u201c l\u00e4sst Jesus dagegen als blo\u00dfen Menschen, als M\u00e4rtyrer, leiden und sterben. In Mk. 9,12 hei\u00dft es sogar: \u201eWas steht \u00fcber den Menschen geschrieben? Dass er viel leiden muss\u2026\u201c: Aus der christologischen Aussage wird hier eine allgemein-menschliche Sentenz, aus Jesus \u201edem Menschensohn\u201c ein besonders krasses Beispiel eines Menschen, dem das Menschengeschick widerf\u00e4hrt, von Menschen Gewalt zu leiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder ist zu sagen: Diese Verkehrung von Christologie in Anthropologie ist gewiss nicht als solche die Absicht der \u00dcbersetzerinnen. Aber sie ist der Preis daf\u00fcr, dass sie auch hier lediglich das maskuline Wort \u201eSohn\u201c beseitigen wollen, das aber in dem festen Ausdruck \u201eder Menschensohn\u201c in der hebr\u00e4ischen Sprachheimat des Urtextes nicht einmal geschlechtliche Bedeutung hat, sondern lediglich die besondere Einzelgestalt dieses \u201eMenschen\u201c benennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Gott und Jesus Christus als der Herr<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einheit und Gemeinschaft zwischen Jesus und Gott wird im Neuen Testament im Gebrauch des Wortes \u201eHerr\u201c (Kyrios) besonders augenf\u00e4llig. Im griechischsprachigen Judentum der damaligen Zeit gibt \u201eKyrios\u201c den Namen Gottes wieder, in dem in der Bibel Gott sich selbst offenbart: \u201eIch bin da\u201c, was zugleich hei\u00dft: \u201eIch werde immer da sein\u201c (Ex. 3.14). So l\u00e4sst sich dieser Name, der in der hebr\u00e4ischen Sprache einzigartig ist: \u201eJahwe\u201c, am angemessensten \u00fcbersetzen. Die griechische Bibel \u00fcbersetzt dies im Geist griechischer Philosophie als \u201eder, der ist\u201c. Gemeint ist aber auch hier das konkrete \u201eDasein\u201c des Gottes Israels in seinem Handeln an seinem Volk und f\u00fcr sein Volk. Daher interpretiert Gott selbst in der Einleitung zu den Zehn Geboten (Ex. 20,2) seinen Namen durch sein Rettungshandeln in der Herausf\u00fchrung Israels aus der Sklaverei in \u00c4gypten und verallgemeinert dies hernach (Ex. 34,6f) in \u00e4u\u00dferster Verdichtung: \u201eJahwe\u201c ist er selbst, indem er \u201ebarmherzig und gn\u00e4dig\u201c an seinen Erw\u00e4hlten handelt, seinen \u201eZorn\u201c gegen sie (wenn sie ihm die Treue brechen) zur\u00fcckh\u00e4lt, und in der grenzenlosen F\u00fclle seiner \u201eLiebe\u201c grenzenlos \u201etreu\u201c ist. So ist er ein Gott, der wohl alles Zuwiderhandeln gegen ihn als Bruch seines Bundes mit seinem Volk ernst nimmt und es daher ahndet, sehr viel mehr aber S\u00fcndern vergibt, die sich zu ihm bekehren. Weil dies das einzigartige Geheimnis seines heiligen Wesens ist, hat Israel dieses sp\u00e4ter dadurch zu sch\u00fctzen gesucht, dass Gottes Name nicht selbst ausgesprochen werden durfte, sondern mit \u201eAdonaj\u201c (Herr) oder \u00e4hnlichen Worten umschrieben werden musste. (24) Wenn Juden daf\u00fcr das griechische Wort \u201eKyrios\u201c benutzten, so war ihnen nat\u00fcrlich aus der Bibel bekannt und vertraut, welche Inhalte im Sinn von Ex. 34,6 sich damit verbinden und wie der Name ihres Gottes am angemessensten im Lobpreis seiner wunderbaren Rettungs- und Heilstaten zu ehren ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies muss hier in aller K\u00fcrze vorweggeschickt werden, damit zu verstehen ist, welch zentrale Bedeutung es hat, dass die ersten Christen als gute Juden von Gott als \u201eKyrios\u201c gesprochen haben wie alle Juden sonst auch, dass sie aber zugleich als Christen, die an Jesus als den Messias und Sohn Gottes glaubten, auch von diesem als dem Kyrios oder \u201eunserem Herrn\u201c reden. Das Glaubensbekenntnis, das jeder Getaufte nach dem Taufakt vor der Gemeinde aussprach, lautete: \u201eHerr ist Jesus\u201c (R\u00f6m. 10,9). Diese einzigartige W\u00fcrde, Gottes eigenen Namen zu tragen, kommt Jesus dadurch zu, das Gott selbst ihn, den f\u00fcr uns Gekreuzigten, aus dem Tod auferweckt hat (vgl. 1. Kor. 15,3-5). Mit diesem Bekenntnis f\u00e4llt so auch die ganze Gottesdienstgemeinde in Ehrfurcht und Dank vor ihm nieder: \u201eHerr ist Jesus Christus zur Ehre Gottes des Vaters\u201c (Phil. 2,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die \u00dcbersetzerinnen der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c jedoch ist dieses zentrale Bekenntniswort, das sich im Neuen Testament in gro\u00dfer F\u00fclle findet, ein besonderes \u201aSprachgreuel\u2019, weil nach ihrer Meinung moderne Frauen, die endlich eine jahrhundertelange Sklaverei unter M\u00e4nnerherrschaft losgeworden sind, so auch nicht mehr in der Bibel von Gott und Jesus als von \u201eHerren\u201c h\u00f6ren wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch diese Entscheidung, zusammen mit \u201eVater\u201c und \u201eSohn\u201c und \u201eMenschensohn\u201c besonders auch \u201eHerr\u201c aus dem Text der neuen \u201e\u00dcbersetzung\u201c auszumerzen, hat zwangsl\u00e4ufig tiefgreifende inhaltliche Folgen f\u00fcr den wahren biblischen Glauben an Gott und an Jesus Christus. Das ist aufgrund des eben Ausgef\u00fchrten zu verstehen: Ist doch die Herrschaft des biblischen Gottes ganz und gar anderer Art als jede Herrschaft von Menschen \u00fcber Menschen: als die Herrschaft seiner rettenden, heilschaffenden Liebe; und dass diese Liebe allm\u00e4chtig ist und \u00fcber alle Menschen herrscht, daran h\u00e4ngt unser aller Heil!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach genauer Durchsicht aller Stellen, an denen \u201eKyrios\u201c vorkommt, ergibt sich das folgende Gesamtbild:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.1. In allen alttestamentlichen Zitaten wird \u201eKyrios\u201c als Umschreibung des Gottesnamens oft mit \u201eAdonaj\u201c (25) wiedergegeben. Dagegen ist grunds\u00e4tzlich nichts einzuwenden, obwohl nicht alle heidenchristlichen Adressaten mit j\u00fcdischer Tradition so vertraut gewesen sein d\u00fcrften, dass sie bei jeder Nennung des ihnen vertrauten \u201eKyrios\u201c das zugrunde liegende hebr\u00e4ische Wort Adonaj mitgeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies gilt noch vielmehr dort, wo im Text der neutestamentlichen Schriften selbst \u201eKyrios\u201c steht. (26)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweifellos ist auch hier an vielen Stellen Gott gemeint. Aber es ist die Eigenart urchristlicher Rede vom \u201eKyrios\u201c dass sehr oft auch der auferstandene, erh\u00f6hte Jesus Christus im Blick steht. An manchen Stellen l\u00e4sst sich nicht eindeutig erkennen, ob von Gott oder von Christus die Rede ist. Solches Oszillieren der Sprache hat inhaltlich-theologischen Grund: \u201eHerr ist Jesus\u201c, weil Gott sich in seiner Auferweckung vollauf mit ihm identifiziert hat (siehe oben R\u00f6m. 10,9f). Diese entscheidende Einheit von Theologie und Christologie wird in der \u00dcbersetzung der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c, dadurch aufgehoben, das \u201eKyrios\u201c nicht nur zumeist durch andere Worte oder Ausdr\u00fccke ersetzt wird, sondern zugleich auch die Tendenz herrscht, christologisch gemeintes \u201eKyrios\u201c zur Rede von Gott zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.2. Damit verbindet sich jedoch noch dazu die Absicht, im Alten wie im Neuen Testament von Gott als einem zugleich m\u00e4nnlichen und weiblichen Wesen zu sprechen. Bei der \u00dcbersetzung des maskulinen Wortes Kyrios werden im Neuen Testament besonders h\u00e4ufig feminine Ersatzworte gew\u00e4hlt: \u201eDie Ewige\u201c oder \u201eDie Lebendige\u201c, und zwar sowohl in alttestamentlichen Zitaten (27) wie auch sonst (28). Das geschieht in philologischer Willk\u00fcr \u2013 an keiner einzigen dieser Stellen gibt es auch nur ein sprachliches Anzeichen daf\u00fcr, die Rede von Gott dem \u201eHerrn\u201c sei weiblich zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar scheuen sich die \u00dcbersetzerinnen davor, aus dem \u201eHerrn\u201c eine \u201eHerrin\u201c (Kyria) zu machen. Aber wenn Maria im Magnificat durchweg von Gottes rettendem Handeln an ihr (Lk. 1,47-49) und besonders an den Machthabern der Welt (1,50-53) als von \u201eder G\u00f6ttlichen Macht\u201c singt, \u201ederen Name heilig ist\u201c, dann klingt dies fatal nach einem \u201eJubel\u201c \u00fcber weibliche Macht im Himmel, mit der sich Maria als Frau auf Erden \u2013 statt als der Mutter des Sohnes Gottes (1,35) (29) &#8211; identifizierte. Immerhin, anstatt von: \u201eEr hat mir Gro\u00dfes getan, der M\u00e4chtige, heilig ist sein Name\u201c (so der Urtext von 1,49), hei\u00dft es jetzt: \u201eGro\u00dfes hat die g\u00f6ttliche Macht an mir getan und heilig ist ihr Name.\u201c Entsprechend hat die \u00dcbersetzerin in 1. Kor. 1,31 das Zitat aus Jer. 9,22f so \u00fcbersetzt: \u201eWer gro\u00df sein will, preise die Gr\u00f6\u00dfe der Ewigen\u201c. Im Urtext aber steht: \u201eWer sich r\u00fchmt, r\u00fchme sich des Herrn.\u201c Der Kontext zeigt deutlich, dass Paulus mit dem Kyrios, von dem der Prophet als von Gott spricht, in v\u00f6lliger Selbstverst\u00e4ndlichkeit den Herrn Jesus Christus meint, \u201ein dem\u201c wir nach 1,30 von Gott her Christen sind. Wenn jedoch Gott Kyrios ist als \u201edie Ewige\u201c, ist f\u00fcr Christus als Kyrios kein Platz. Als der Messias \u201everk\u00f6rpert\u201c er nur die Macht und Weisheit \u201eder Ewigen\u201c (1,24 \u2013 im Urtext ist Christus \u201eGottes Macht und Gottes Weisheit\u201c); und so sind \u201ewir\u201c nach 1,30 lediglich \u201edurch Gott\u2026 mit dem Messias Jesus verbunden\u201c, statt \u201ein ihm\u201c zu leben. Wie alle Juden den Messias als einen Menschen mit besonderem g\u00f6ttlichen Auftrag erwarten, so ist nach dieser \u00dcbersetzung auch Jesus als Messias ein Mensch, dem es \u201evon Gott\u201c gegeben ist, uns seine \u201eWeisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Befreiung\u201c (die hier zum Text einfach hinzugef\u00fcgt wird) in seiner Person nahe zu bringen. Paulus jedoch schreibt: Durch seinen Kreuzestod (2,2) hat Christus in der Taufe unsere ganze Existenz ver\u00e4ndert: Aus den Toren, die wir waren, hat er uns zu Weisen gemacht, aus Ungerechten zu Gerechten, aus Unheiligen zu Heiligen. Entsprechend wird auch 2. Korinther 5,21 so \u00fcbersetzt, dass Gott Jesus zu einem s\u00fcndigen Menschen gemacht habe, statt stellvertretend f\u00fcr uns zu unserer S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleiches gilt auch z. B. f\u00fcr R\u00f6m. 10,11, wo Paulus das Zitat von Jes. 28,16 zweifellos auf Gott und Christus zugleich bezogen verstanden wissen will: \u201eJeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.\u201c Daraus macht die \u00dcbersetzerin eine allgemeine anthropologische Sentenz. \u201eWer auf Gott vertraut, wird nicht scheitern\u201c! Und im folgenden l\u00e4sst sie Paulus von Gott als \u201eder Lebendigen\u201c reden (10,12f.16) und l\u00f6st damit die Einheit von Gott und Christus im Heilsgeschehen der Rechtfertigung schlichtweg auf. Ganz schlimm wirkt sich das auf das \u201eMahl des Herrn\u201c (1. Kor. 11,20) aus, das hier zum \u201eMahl der Gemeinschaft derer, die zu Christus geh\u00f6ren\u201c, wird und seinen Sinn als Gemeinschaft mit dem in diesem Mahl gegenw\u00e4rtigen Christus als dem f\u00fcr uns gestorbenen und auferweckten Herrn verliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuvor wird in 1. Kor. 10,21 parallel vom \u201eKelch Christi\u201c und vom \u201eTisch der Ewigen\u201c gesprochen (so auch in 10,22.26), wohingegen Paulus vom \u201eKelch des Herrn\u201c und vom \u201eTisch der Herrn\u201c spricht und (nach 10,16) beidemal Christus als den Sohn Gottes meint. Die Einsetzungsworte in 1. Kor. 11,24f werden dann so ver\u00e4ndert, dass es sich in der Brothandlung um einen symbolischen Akt handelt (\u201eso ist mein Leib f\u00fcr euch\u201c), w\u00e4hrend in der Kelchhandlung \u201eder neue Bund durch mein Blut mit diesem Becher da ist\u201c. Realpr\u00e4senz eignet hier also nicht Christus selbst, sondern Gottes Bund. (30)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem wichtigen Basissatz zur Charismenlehre in 1. Korinther 12, 4 \u2013 6 wird gar Kyrios in Vers 5 zu einem Gottespr\u00e4dikat ver\u00e4ndert (\u201edie Ewige\u201c). Damit wird die wohlbedachte trinitarische Struktur dieser drei parallelen S\u00e4tze mutwillig zerst\u00f6rt: Die Charismen als Wirkungen \u201eder Geistkraft\u201c sollen eben ganz und gar auf \u201edie Ewige\u201c als der alleinigen Geberin zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Darum wird Jesus hier eliminiert, in dem statt von ihm als dem Kyrios, von Gott als \u201eder Ewigen\u201c gesprochen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gleiche Tendenz zeigt sich auch bei der \u00dcbersetzung von 2. Korinther 3,16 \u2013 18. Im Voranstehenden geht es um eine sehr eigenartige Auslegung des Berichts in Exodus 34, 29 \u2013 35. Dort ist von einer Decke die Rede, die Mose, von der Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai zum Volk herabkommend, \u00fcber sein von Gottes Herrlichkeit wiederstrahlendes Gesicht legen musste, weil die Lichtf\u00fclle die Augen des Volks blendete. Paulus deutet dies aus auf die Unf\u00e4higkeit des gegenw\u00e4rtigen Israels, in der Verlesung der Tora als des \u201ealten Bundes\u201c die darin verbundene Wahrheit Jesus Christi zu h\u00f6ren. Nur wer sich \u2013 wie Mose \u2013 \u201edem Herrn zuwendet\u201c, n\u00e4mlich sich zum Glauben an Jesus Christus als dem Herrn bekehrt, wird von der Decke \u00fcber der Tora frei und kann das strahlende Licht der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Christi (4,6) schauen und sich in sie hinein \u201everwandeln lassen\u201c. In diesem Sinn fasst Paulus seine Auslegung jenes alttestamentlichen Berichts zu dem ber\u00fchmten Grundsatz christlicher Schriftauslegung und zugleich christlicher Freiheit zusammen: \u201eDer Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit\u201c. Die \u00dcbersetzerin dagegen bezieht zwar richtig den Kyrios auf den Kyrios des voranstehenden alttestamentlichen Zitats in Vers 16, macht jedoch dessen paulinische Auslegung auf Christus nicht mit und bezieht Kyrios in beiden S\u00e4tzen auf Gott als \u201eden Ewigen\u201c. So ver\u00e4ndert sich der christologische Sinn von Vers 17 in einen rein theo-logischen: \u201eDer Ewige ist Geistkraft, und wo die Geistkraft des Ewigen ist, da ist Freiheit.\u201c Entsprechend dann auch Vers 18: \u201eWir alle spiegeln mit unverdecktem Angesicht das Strahlen der Gegenwart Gottes wider (Urtext: \u201edie Herrlichkeit des Kyrios\u201c) und wir werde in dasselbe Ebenbild verwandelt von einem Aufleuchten zum anderen, wie es von der Geistkraft des Ewigen kommt (Urtext: \u201ewie von dem Kyrios-Geist\u201c).\u201c Das nach 4,4 Christus das \u201eEbenbild Gottes\u201c (von Genesis 1,26f) ist, wie die \u00dcbersetzerin dort richtig wiedergibt, hat sie in dem unmittelbar voranstehenden Satz 3,18 entweder nicht bemerkt oder sie wollte diesen christologischen Bezug von Kyrios dort noch nicht bestimmend sein lassen. So oder so \u2013 mit der christologisch begr\u00fcndeten \u201eFreiheit\u201c in der Auslegung des Alten Testaments ist es hier aus. (31)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Jesus Christus als unser Herr<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Taufbekenntnis zu Jesus als dem Herrn, das Paulus in R\u00f6m. 10,9 anf\u00fchrt, wird dort und an vielen anderen Stellen in der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c oft einseitig allein unter dem Aspekt der Zugeh\u00f6rigkeit der Christen zu Christus umschrieben: Der Kyrios erscheint so nur als \u201eDer, dem wir geh\u00f6ren\u201c. (32) Der \u201aHerzton\u2019 dieses urchristlichen Bekenntnisses zu Jesus als dem Kyrios liegt jedoch darin, dass der auferstandene und zu Gott erh\u00f6hte Jesus Christus Gottes Herrschaft \u00fcber uns in seiner Person inne hat und sie uns zum Heil aus\u00fcbt (33). Nur wenn dies zuerst und grundlegend bekannt wird, ist es dann auch notwendig hinzuzuf\u00fcgen, dass wir seine Herrschaft \u00fcber uns anerkennen und uns als seine J\u00fcnger erweisen sollen, die ihm mit der gleichen Ganzheit, Entschiedenheit und Treue als ihrem Herrn zugeh\u00f6ren wollen, mit der es nach dem j\u00fcdischen und christlichen Grundgebot von Dtn. 6,4f gilt, Gott zu lieben und ihm allein zu dienen. (34)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der gro\u00dfen Mehrheit der Stellen, an denen im Urtext von Jesus Christus als unserem Herrn die Rede ist, zeigt sich in der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c also eine deutliche Tendenz, das Moment der Herrschaft Christi \u00fcber uns als dessen, der Gottes Kyrios-Namen tr\u00e4gt, zur\u00fccktreten zu lassen oder ganz auszublenden zugunsten unserer Zugeh\u00f6rigkeit zu ihm als dem Messias, dessen j\u00fcdisches Verst\u00e4ndnis als eines Menschen zwar nirgendwo direkt ausgesprochen, aber doch \u00fcberall vorausgesetzt wird. (35)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso mehr gilt es, den wenigen \u00dcbersetzerinnen mit Lob und Dank \u201egerecht zu werden\u201c, die entgegen jener vorherrschenden Tendenz ihrer Kolleginnen den Mut gehabt haben, Kyrios mit \u201eHerr\u201c zu \u00fcbersetzen. Voran ist hier Phil. 2,11 zu nennen: \u201e\u2026 damit im Namen Jesu sich alle Knie beugen sollen \u2026 und jede Zunge bekennen soll, dass Jesus Christus der Herr ist\u201c. (36) Zu Vers 10ff wird der Leser \u00fcberdies ausdr\u00fccklich dar\u00fcber informiert, dass es sich bei dem Kyrios-Namen als dem Namen, \u201eder \u00fcber jedem Namen erhaben ist\u201c, um den Namen des einzig-einen Gottes handelt. (37) Das Gleiche ist der Fall in 2. Kor. 4,5 und an einigen anderen Stellen. (38)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufs Ganze gesehen aber haben diese wenigen Ausnahmef\u00e4lle tats\u00e4chlich \u201egerechter\u201c \u00dcbersetzung leider nicht das Gewicht, gegen\u00fcber dem breiten Strom durchaus \u201enicht gerechter\u201c, schlicht falscher \u00dcbersetzung, den Lesern den richtigen Sinn dieses zentralen christologischen Pr\u00e4dikats zu vermitteln und sie wach zu machen f\u00fcr die Erkenntnis, welche tiefe H\u00e4resie diese Bibel\u00fcbersetzung als Ganze durchzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1 Dieses dreifache Interesse wird sowohl im Vorwort des Vorsitzenden des \u201eBeirats zur F\u00f6rderung, Unterst\u00fctzung und Begleitung des Projektes Bibel in gerechter Sprache\u201c, des Kirchenpr\u00e4sidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Dr. h. c. Peter Steinacker herausgestellt (S.5) als auch in der Einleitung ausgef\u00fchrt (S. 10 f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Wohlgemerkt: nicht in dem Sinne, dass Gottes \u201eWort\u201c die Sch\u00f6pferkraft hat, aus toter Materie Leben entstehen zu lassen! Diese Botschaft von Joh. 1,3 geh\u00f6rt zwar wesentlich zum Glauben an Gott, sie wird aber in Joh. 1,14 durch das sch\u00f6pferische Heilswunder der Menschwerdung des Sch\u00f6pferwortes Gottes \u00fcberboten. Dass jedoch in einem Gott, der Materie \u201egeworden\u201c ist, ein \u201eGlanz voller Gnade und Wahrheit\u201c zu sehen sein soll, wird jeder glaubende Christ als nichts anderes h\u00f6ren k\u00f6nnen als blanken Zynismus. Dieser liegt zwar sicherlich der Absicht der \u00dcbersetzerin fern, aber er entsteht durch ihren Willen, sich \u201amodern\u2019 auszudr\u00fccken. Ihre Kollegin dagegen hat die parallele Aussage in Tim. 3,16 textgem\u00e4\u00df \u00fcbersetzt: \u201eChristos erschienen als Mensch von Fleisch und Blut\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3 Meines Wissens gibt es nirgendwo in der altgriechischen Literatur einen Beleg daf\u00fcr, dass das griechische Wort \u201eSarx\u201c (Fleisch) je in einem Sinn gebraucht worden ist, der mit dem griechischen Wort f\u00fcr Materie ( Hyl\u00e4) verbunden w\u00e4re. Im Hebr\u00e4ischen gibt es bezeichnenderweise kein Wort mit dieser Bedeutung; und in der griechischen Bibel (LXX) steht das Wort Hyl\u00e4 nirgendwo als Bezeichnung von \u201eFleisch\u201c. Im \u201eGlossar\u201c der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c (S. 2335 f) findet sich \u00fcberdies eine durchaus zutreffende Gegen\u00fcberstellung von biblischem und griechisch-hellenistischem Sprachgebrauch. Woher die \u00dcbersetzerin von Joh. 1,14 die Wiedergabe von \u201eSarx\u201c als \u201eMaterie\u201c hat, die sie auch in Joh. 3,6 und 6,63 bietet, ist wissenschaftlich unerfindlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4 Ich beschr\u00e4nke mich in diesem Gutachten auf das Neue Testament.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5 Wenn Jesus im Urtext von \u201emeinem Vater\u201c spricht, wird dies \u00fcbersetzt durch \u201eGott, Vater und Mutter f\u00fcr mich\u201c: Mt. 7,21; 10,32.33; 12,50; 15,13; 16,17; 18,10.17.19.35; 20,23; 25,34; 26,29.39.53; auch 2. Kor. 1,3 (\u201ef\u00fcr Jesus\u201c). Vergleiche ferner allgemein Mt. 28,19: \u201eGott, der wie Vater und Mutter ist\u201c; entsprechend 1. Kor. 15,24; 2. Kor. 6,18; Eph. 2,18; 4,6; Phil. 4,20; 1. Thess. 1,3; 3,11.13; 2. Thess. 2,16; 1. Petr. 1,17.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6 Als vereinzelte Ausnahme k\u00f6nnte h\u00f6chstens das Bild von der Henne gelten, die ihre K\u00fcken unter ihren Fl\u00fcgeln birgt: Lk. 13,34 \/ Mt. 23,37; doch hier sprich Jesus nicht von Gott, sondern von seinen eigenen Bem\u00fchungen, Jerusalem zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7 So etwa in Lk. 22,29; 23,46; 24,48; Apg. 22,29. Dagegen ist in Apg. 1,4.7; 2,33; 23,34 \u201eVater\u201c stehen geblieben. In den johanneischen Schriften wird \u201eVater\u201c \u00fcberwiegend mit \u201eGott\u201c wiedergegeben, gerade auch dort, wo im Urtext Jesus von seinem Vater redet: Joh. 2,16; 6,32; 8,49; 10,15.17.27f.36f; 14,7.20-23; 15,1.8.10.23; 16,23f; 20,17; auch dort, wo im Urtext Jesus Gott als \u201eVater\u201c anredet: 11,41; 12,27f; 17,1.11.21.24f. \u201eMein Vater\u201c im Urtext von 5,43; 6,40; 8,54; 10,25 wird umschrieben durch \u201eGott, der mir Vater und Mutter ist\u201c; vergleiche auch 1,14.18. \u201eMein Vater\u201c ohne solchen Zusatz steht nur dort, wo im Kontext j\u00fcdische Gespr\u00e4chspartner darin Gottesl\u00e4sterung h\u00f6ren: 5,17f.45; 6,32.40. Die absolute Bezeichnung \u201eder Vater\u201c im Urtext wird durchweg durch \u201eGott\u201c ersetzt: 4,21; 5,22f.30.36-38.45; 6,27.45f.57; 8,27f.40.49; 10,29; 12,26.28; 14,12.16.21-23.26.28.31; 15,16.26; 16,3.15.26-28.32; 18,11; 20,17.21; 1. Joh. 1,2.3; 2,1.14-16.22-24; 3,1; 4,13f; 2. Joh. 4,9. in den Briefen steht \u201eGott\u201c f\u00fcr \u201eder Vater\u201c in R\u00f6m. 15,6. \u201eUnsere Mutter und unser Vater\u201c steht in Phil 2,11; Kol. 3,17; vgl. 1. Tim 1,2; 2. Tim. 1,2; Tit. 1,4: \u201eGottes f\u00fcrsorgliche Autorit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8 Joh. 8,19; 10,18.32; R\u00f6m. 6,4; 8,14; 1. Kor. 8,6; 1. Thess. 1,1; Eph. 1,17; 6,23; Jak. 1,26; 3,9; Offb. 1,6; 2,28; 3,5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9 Im griechischen Urtext offenbart Jesus sich aber nicht selbst, sondern das vorstehend ausgef\u00fchrte Verh\u00e4ltnis zwischen Vater und Sohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10 So auch in der gewichtigen \u00dcberschrift des Markusevangeliums in Mk. 1,2; vgl. Lk. 1,32.35; ferner z. B. Mt. 8,29 ist gleich Mk. 5,6; Lk, 8,38; Mk. 3.11 (gegen Lk. 4,41); Mt. 27,43.54; Mk, 15,39; Joh. 3,16.18; 5,19.21; 8,35f; 10,36; Gal. 1,16; 2,20; 4,4.6; Kol. 1,13.15.18; Hebr. 1,2; 3,6; 4,14; 1. Joh. 4,9; Offb. 2,18.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11 In Lukas 9,35 freilich ist der Wortlaut des Urtextes bewahrt: \u201eDieser ist mein Sohn, mein \u201eAuserw\u00e4hlter.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12 Joh. 1,49.51; 3,18; 5,25; 6,40; 11,4.27; 14,13; 17,1; 19,7; 20,31; 1. Joh. 1,3.7; 2,22-27; 3,8.17f.23.36; 4,9f.14.15.17; 5,9f.12f.20; 2. Joh. 3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13 Vgl. z. B. Joh. 3,18; 1. Joh. 4,9.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14 Zu beachten ist jedoch, dass es in Mt. 26,63 der Hohepriester ist, der Jesus fragt, ob er Gottes Sohn sei, w\u00e4hrend Jesus selbst im Gegensatz dazu von sich als dem Menschen spricht, der in der endzeitlich Zukunft zur Rechten Gottes sitzen wird: \u201eDu sagst es: Ich jedoch sage euch \u2026\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15 R\u00f6m. 1,3f.9; 5,10; 8,3.29.32; 1. Kor. 1,9; 15,28; 2. Kor. 1,19; Eph. 4,13; 1. Thess. 1,10; Hebr. 6,6; 7,3; 10,29.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16 Vgl. oben Anm. 10.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17 So z. B. in Mt. 10,23; 13,37; 16,13.27.28; 19,28; 24,27; 26,64; Mk. 8,38; 13,26; 14,62; sowie in Lk. 12,8; 17,22; 18,8; 21,30.36.44.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18 Vgl. z. B. Mt. 9,6 \/ Mk. 2,10 \/ Lk. 5,24; Mt. 12,8 \/ Lk. 6,7; Mk. 10,45 \/ Mt. 20,28; Mk. 14,41 \/ Mt. 26,24 \/ Lk 22,22.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19 Vgl. z. B. Mt. 17,9.12; Mk. 10,45 \/ Mt. 20,28; Mk. 9,31 \/ Mt. 17,22f \/ Lk. 9,44.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20 Vgl. z. B. Mt. 12,32 \/ Lk. 12,10; Lk. 19,10; 22,48.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">21 Joh. 1,51; 3,13f; 5,27; 6,27.53.62; 8,28; 9,35; 12,23.34; 13,31f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">22 Die einzige Ausnahme ist die Wiedergabe der Vision des sterbenden Stephanus in Apg. 7,56.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23 Nach dem Kontext Mt. 12,3-6 ist jedoch die christologische Auslegung von \u201eMenschensohn\u201c in Vers 8 zwingend: was schon f\u00fcr David (Vers 3f) und f\u00fcr die Priester des Jerusalemer Tempels (Vers 5) gilt, das gilt umso mehr (Vers 6) f\u00fcr Jesus als \u201eden Menschensohn\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">24 Das h\u00e4ngt jedoch mit dem Bilderverbot in Ex. 20,4 \u00fcberhaupt nicht zusammen, wie es in der Einleitung (S. 17) vermutet wird. Denn dort geht es nicht darum, dass Gott in keinerlei bildlicher Gestalt abgebildet und so \u201everf\u00fcgbar\u201c gemacht werden d\u00fcrfe, sondern um das Verbot der Anbetung von Kultbildern der Israel umgebenden V\u00f6lker und darum erst recht um das Verbot, Gott selbst in solchen Kultbildern fremder Gottheiten zu verehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">25 So besonders im Matth\u00e4usevangelium: 1,20.22.24; 2,13.15.19; 4,7.10; 21,42; 22,37.44; auch in Apg. 2,21.25.34.39; 3,22; 4,26.29; 7,49; 15,16.18.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">26 So besonders in der Apostelgeschichte vgl. 1,24; 3,20; 5,9.19; 7,31.33; 8,26.39; 9,31; 11,21; 12,7.11.23; 13,10.48f; 15,40.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">27 Vgl. z. B. Lk. 4,18f; R\u00f6m. 4,8; 9,28f; 11,3.34; 12,19; 14,11; 15,11; 1. Kor. 1,31; 14,21; 2. Kor. 3,16; 6,17f; Hebr. 1,10; 7,21; 8,8f.11; 10,30; 12,5f; 13,6. \u2013 in 2. Tim. 2,19; 1. Petr. 1,24; 2,3; 3,12 wird dagegen Kyrios mit \u201eGott\u201c \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">28 Im Lukasevangelium steht durchweg \u201eDie Lebendige\u201c: 1,6.8.11.15f.17.25.28.32.45.46.58.66.68.76; 2,9.11.15.23f.39; 3,13; 4,8.12; 19,38; ebenso in R\u00f6m. 10,12f.16.18; 12,11; 14,6. Im 1. Korintherbrief herrscht \u201eDie Ewige\u201c vor: 4,4f; 7,17.22.25.32.34f.39; 9,14; 10,9.21.26; 12,5; 16,7.10.21; 2. Kor. 3,3; auch Hebr. 12,14; \u201eDer Ewige\u201c in 2. Kor. 2,12; 3,16.17f; 5,11; 8,5.19.21; 10,8.17f; 11,17; 12,1.8; 13,10; \u201eGott\u201c in Eph. 4,17; 5,10.17.19; Kol. 1,10; 3,22.24; 1. Thess. 5,2; 2. 2. Thess. 1,9; 2,13; 3,3.5.16; 1. Tim. 6,15; 2. Tim. 1,16; 2,7.19.22.24; 3,11; 4,18.22; Jak. 1,7; 3,9; 4,10.15; 5,4.10f.14f; 2. Petr. 2,9.11; 3,8f.10.15. In der Johannesoffenbarung wird Kyrios umschrieben als \u201cGott, die Macht (die alles beherrscht)\u201d: 1,8; 4,8.11; 11,4.15; 15,4; 16,7; 18,8; 19,6; 21,22; 22,5f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">29 In R\u00f6m. 14,1.11 ist sogar durchweg von \u201eder Lebendigen\u201c die Rede, w\u00e4hrend des Paulus\u2019 Text mit dem Kyrios Christus gemeint ist. Hier wird Christus also schlichtweg durch den weiblichen Gott ersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30 In der Parallelstelle Luk. 22,19 wird das \u201eist\u201c zwar in beiden Mahlworten pr\u00e4zise \u00fcbersetzt; doch statt vom \u201eLeib\u201c Jesu ist verallgemeinernd von seinem \u201eLeben\u201c die Rede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">31 Das gilt jedoch nicht f\u00fcr die \u00dcbersetzung der gleichartigen christlichen Auslegung der alttestamentlichen Geschichte von Sara und Hagar in Gen. 16, 1 \u2013 16 in Gal. 4,21-31, wo es ebenfalls um die christliche Freiheit geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">32 So im Eingangsgru\u00df der meisten Brief\u00fcberschriften: R\u00f6m. 1,4; 2. Kor. 1,2; Eph. 1,2; Phil. 1,2; Kol. 1,2; 1. Thess. 1,1; 2. Thess. 1,1; Phil. 3; (1. Tim. 1,2; 2. Tim. 1,2); 2. Petr. 1,2; sowie im Schlussgru\u00df: R\u00f6m. 16,20; Eph. 6,23; Phil. 4,23; 1. Thess. 5,28; 2. Thess. 3,18; Phil. 25. Ferner vgl. R\u00f6m. 4,24; 5,1.11.21; 7,25; 10,9; 13,14; 15,6.30; 16,18; 1. Kor. 12,3; 2. Kor. 1,14; 5,14; Eph. 1,17; (Phil. 3,8.20); 1. Thess. 1,3; 2,15.19; 3,11; 5,9.23; 2. Thess. 1,8; 2,14-16; Phil. 5; 1. Petr. 3,15; 2. Petr. 1,8; (Jud. 4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">33 In diesem Sinn wird allerdings mehrfach \u201cKyrios\u201d auch umschrieben; vgl. z. B. Gal. 6,14 (\u201eder \u00fcber unser Leben gebietet\u201c); 6,18 (\u201edem wir allein unterstellt sind\u201c); 2. Petr. 1,14 (\u201eder \u00fcber uns verf\u00fcgt\u201c); 1. Thess. 4,2 (\u201eder uns leitet\u201c); 1. Tim 1,12; 6,14 (\u201eunter dessen Weisung und Schutz wir stehen\u201c); 2. Petr. 1,19; 3,18 (\u201eder f\u00fcr uns da ist\u201c, \u201ef\u00fcr uns sorgt\u201c). Im ersten Korintherbrief wird \u201eunser Herr\u201c durchweg als \u201eunser Befreier\u201c wiedergegeben: 1. Kor. 1,2.3.7-9; 5,4; 8,6; 9,1; 11,23; 15,57; 16,23; vgl. auch Hebr. 13,20 (Kyrios = \u201eunser Messias\u201c); 2. Petr. 2,20 (\u201eder sie gekauft hat\u201c). In der \u00dcbersetzung des Jakobusbriefs wird \u201eKyrios\u201c schlicht ausgelassen (Jak. 1,1; 5,7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">34 Entsprechend wird der Schlussgru\u00df in Eph. 6,24 zutreffend \u00fcbersetzt: \u201eGnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus unverg\u00e4nglich lieben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">35 Dies wird verst\u00e4rkt durch die \u00dcbersetzung der Anrede Jesu als \u201eHerr!\u201c (Kyrie). Diese wird zwar im Lukasevangelium textgem\u00e4\u00df mit \u201eHerr\u201c \u00fcbersetzt (Lk. 5,8; 7,6; 9,54.61; 10,17; 12,41; 13,23; 17,37; 18,41; 19,8; 22,33;); in Mt. 8,21; 16,22; Lk. 7,28 mit \u201emein Lehrer\u201c und entsprechend im Johannesevangelium durchweg j\u00fcdisch mit \u201eRabbi\u201c (Joh. 4,11ff.49; 5,7; 6,24.68; 11,3ff; 13,6.9.25.36f; 14,5.8.22; 21,20). An einigen Stellen wird aus der Anrede \u201eHerr\u201c eine Vertrauensbekundung zu Jesus: Mt. 7,21; 8,2.6; 9,28; Lk. 6,46. Oder \u201eKyrie\u201c wird durch \u201eJesus!\u201c ersetzt: Mt. 8,27; 14,28; 15,22.25; 17,4.30; 26,22; in 15,27 wird \u201eKyrie\u201c ganz weggelassen. Durchweg also wird der g\u00f6ttliche \u201eHerr\u201c zu einem menschlichen Lehrer, besonders deutlich in Mt. 7,21\/Lk. 6,46.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">36 Es folgt hier freilich gegen den Urtext: \u201ezur Ehre Gottes, unserer Mutter und unseres Vaters\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">37 So in Anm. 749 S. 2322.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a038 Apg. 10,36; R\u00f6m. 14,4; 2. Kor. 11,31; 13.13; Eph. 3,24; 6,24; Jud. 21.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theologisches Gutachten zur \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c &#8211; Teil I Der \u00dcbersetzung der Bibel \u201ein gerechter Sprache\u201c liegt ein dreifaches Leitinteresse zugrunde: ein \u201egeschlechtergerechtes\u201c, ein Interesse des gegenw\u00e4rtigen christlich-j\u00fcdischen Dialogs und ein Interesse an der Bedeutung der biblischen Texte f\u00fcr die gesellschaftliche Lebenswirklichkeit (1).<\/p>\n","protected":false},"author":74,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1681"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/74"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1681"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3416,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1681\/revisions\/3416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}