{"id":1678,"date":"2008-04-20T10:19:14","date_gmt":"2008-04-20T08:19:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1678"},"modified":"2009-09-06T12:53:38","modified_gmt":"2009-09-06T10:53:38","slug":"ein-jahr-nach-dem-martyrertod-von-malatya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1678","title":{"rendered":"Ein Jahr nach dem M\u00e4rtyrertod von Malatya"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Jahr nach dem M\u00e4rtyrertod von Malatya<br \/>\n<\/strong><strong>Angeklagte beschuldigen einen als alleinigen M\u00f6rder<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Bonn, 18.04.2008) Emre G\u00fcnaydin pers\u00f6nlich habe den konkreten Mord an den drei M\u00e4rtyrern von Malatya vor einem Jahr begangen, beschuldigten die anderen Mitangeklagten den vermeintlichen R\u00e4delsf\u00fchrer und haben so alle Schuld von sich gewiesen. Das berichtet der christliche Informationsdienst Compass Direct News in seiner j\u00fcngsten Ausgabe vom letzten Proze\u00dftag am 14.04.2008 in Malatya.<!--more-->\u00a0Vielmehr habe G\u00fcnaydin sie hinters Licht gef\u00fchrt und betrogen. Urspr\u00fcnglich sei es lediglich darum gegangen, die christlichen Missionare einzusch\u00fcchtern und Material gegen sie zu sammeln, da sie das Ziel gehabt h\u00e4tten, die T\u00fcrkei zu teilen und den Islam zu zerst\u00f6ren. Die f\u00fcnf langen Messer, die W\u00e4scheleine und andere am Tatort sichergestellte Tatwerkzeuge seien nur zur Einsch\u00fcchterung gedacht gewesen. Als Emre G\u00fcnaydin dann begonnen habe, die Opfer zu mi\u00dfhandeln, h\u00e4tten sie ihn noch davon abhalten wollen, was ihnen aber nicht gelungen sei. Auch die Angeklagten, die jetzt alle Schuld von sich weisen, waren vor einem Jahr mit Messern in den H\u00e4nden und Blut der Opfer an der Kleidung von der Polizei festgenommen worden und sind deshalb des Mordes angeklagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den bisherigen Proze\u00dfablauf berichtet Pastor Ihsan \u00d6zbek (Ankara), der bei allen Verhandlungen in Malatya dabei gewesen ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Proze\u00df gegen die Angeklagten, die nach dem Mord an drei Christen am 18. April 2007 in Malatya gefangengenommen wurden, begann am 23. November 2007 vor der 3. Kammer des Strafgerichts in Malatya. Am Proze\u00df nehmen in Vertretung der Verwandten von Tilmann Ekkehart Geske, Necati Aydin und Ugur Y\u00fcksel unter dem Vorsitz von Orhan Kemal Cengiz, Generalsekret\u00e4r des Vereins zur Entwicklung der Zivilen Gesellschaft und Rechtsberater der T\u00fcrkischen Evangelischen Allianz, 27 Anw\u00e4lte als Nebenkl\u00e4ger teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Angeklagten sind vor Gericht wegen der Straftatbest\u00e4nde \u201eGr\u00fcndung einer bewaffneten terroristischen Vereinigung, Leitung einer solchen Vereinigung, T\u00f6tung von mehr als einer Person und Verletzung der Unversehrheit eines Arbeitsplatzes im Rahmen der Aktivit\u00e4ten einer terroristischen Vereinigung, Mitgliedschaft in einer solchen Organisation und vors\u00e4tzlicher T\u00f6tung\u201c mit der Forderung nach dreifacher erschwerter lebensl\u00e4nglicher Haftstrafe angeklagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Proze\u00df erzeugte schon vor seiner Er\u00f6ffnung sowohl in den Medien als auch in der \u00d6ffentlichkeit ein breites Echo. Besonders die Tatsache, da\u00df von den 32 Aktenordnern, die die Proze\u00dfakte bilden, nur 8 den Mord betreffen, die \u00fcbrigen hingegen g\u00e4nzlich die missionarischen Aktivit\u00e4ten, war richtungweisend f\u00fcr den Verlauf des Prozesses. Mittlerweile werden auch von Zeit zu Zeit negative Nachrichten \u00fcber die am Proze\u00df beteiligten Anw\u00e4lte verbreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim ersten Proze\u00dftag, dem 23. November 2007, weigerten sich die Verteidiger der Angeklagten, ihre Mandaten zu verteidigen, da sie nicht h\u00e4tten gen\u00fcgend vorbereiten k\u00f6nnen. Die Anw\u00e4lte der Nebenklage erkl\u00e4rten dagegen ihre Auffassung, da\u00df die Schuld als eine \u201eSchuld des Hasses\u201c einzuordnen sei, da\u00df der Angriff au\u00dferdem den Straftatbestand des V\u00f6lkermordes erf\u00fclle. Das Richterkollegium erkl\u00e4rte, da\u00df der Antrag auf Verh\u00f6r der Angeklagten nach einem solchen Strafbestand \u201eim weiteren Verlauf des Verfahrens beurteilt wird\u201c und vertagten den Proze\u00df auf den 14. Januar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim zweiten Proze\u00dftag am 14. Januar 2008 erz\u00e4hlten die zum ersten Mal aussagenden Angeklagten den Augenblick des Mordes mit Ausdr\u00fccken, die das Blut gefrieren lie\u00dfen. Das Richterkollegium lehnte die Antr\u00e4ge der Anw\u00e4lte der Nebenklage nach technischer Aufzeichnung der Sitzungen, nach Herausgabe je eines Exemplars der im Rahmen des Prozesses gerichtlich aufbewahrten Beweisst\u00fccke an die Anw\u00e4lte beider Seiten, die Herausnahme der das Christentum und missionarische T\u00e4tigkeiten betreffenden Dokumente aus dem Rahmen des Prozesses sowie das Richten der Angeklagten mit dem Strafbestand \u201eV\u00f6lkermord\u201c ab. Bei der Sitzung wurden der Antrag, \u201edie Angeklagten sollen einzeln verh\u00f6rt werden und wenn einer aussagt, sollen die anderen so au\u00dferhalb des Saales gehalten werden, da\u00df sie nicht miteinander reden k\u00f6nnen\u201c, angenommen, und die Angeklagten wurden herausgef\u00fchrt. Am Ende der zehn Stunden dauernden zweiten Sitzung vertagte das Richterkollegium die Sitzung auf den 25. Februar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der dritten Sitzung am 25. Februar nahmen auch die f\u00fcnf inhaftierten Angeklagten teil. Den Antrag der Anw\u00e4lte, die Sitzung in Ton und Bild aufzuzeichnen, lehnte das Gericht erneut ab. Die Anw\u00e4lte f\u00fchrten daraufhin an, da\u00df das Richterkollegium seine Neutralit\u00e4t verloren habe und nicht unabh\u00e4ngig sei, und beantragten daher die Ablehnung der Richter. Das Richterkollegium der 3. Kammer des Strafgerichts Malatya beendete die Sitzung, damit \u00fcber die Forderung entschieden werden k\u00f6nne. Die Proze\u00dfakte wurde an das n\u00e4chstgelegene Strafgericht nach Diyarbakir geschickt. Das Strafgericht in Diyarbakir lehnte allerdings am 17. M\u00e4rz die Forderung nach Ablehnung der Richter ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Ablehnung wurde am 14. April wieder mit demselben Richterkollegium die f\u00fcnfte Sitzung abgehalten. An der Sitzung nahmen die inhaftierten Angeklagten Emre G\u00fcnaydin, Cuma \u00d6zdemir, Hamit \u00c7eker, Abuzer Yildirim und Salih G\u00fcrler, ihre Anw\u00e4lte sowie die Anw\u00e4lte der Nebenklage teil. Bei der Sitzung sagte Salih G\u00fcrler aus. G\u00fcrler behauptete, er habe niemanden get\u00f6tet und niemanden verwundet. Die Anw\u00e4lte der Angeklagten behaupteten auch, da\u00df zum Zeitpunkt der Tat Emre G\u00fcnaydin j\u00fcnger als 18 Jahre gewesen sei und beantragten, das Alter der Knochen festzustellen. Nach der ungef\u00e4hr 12 Stunden dauernden Sitzung vertagte das Richterkollegium die Sitzung auf den 12. Mai 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Sitzung vom 12. Mai sollen die \u00fcbrigen Angeklagten verh\u00f6rt werden und auch das Alter der Knochen von Emre G\u00fcnaydin vorliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihsan \u00d6zbek ist Pastor der Kurtulus-Gemeinde in Ankara, mit verschiedenen Tochtergemeinden im weiteren Umland. Er ist Generalsekret\u00e4r der Vereinigung der protestantischen Gemeinden der T\u00fcrkei und zugleich auch Studienleiter des t\u00fcrkischen Studienzentrum des Martin Bucer Seminars in Ankara und Istanbul.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommentar: Liest man diese Details und weitere Berichte vom letzten Verhandlungstag, bekommt man unweigerlich den Eindruck, hier solle das Strafma\u00df so stark wie m\u00f6glich minimiert werden. Vier der f\u00fcnf Angeklagten stellen sich als Unwissende und Hintergangene dar, die sogar noch versucht h\u00e4tten, den einen tats\u00e4chlichen M\u00f6rder an seiner Tat zu hindern, was ihnen nicht gelungen sei. Sollte es vier erwachsenen jungen M\u00e4nnern nicht m\u00f6glich sein, einen f\u00fcnften, vermeintlich noch nicht einmal erwachsenen, von einer so m\u00f6rderischen Tat abzubringen? Und: ist Emre G\u00fcnaydin wirklich noch minderj\u00e4hrig gewesen? Warum hat er dann bei Proze\u00dfauftakt den 21.01.1988 als seinen Geburtstag ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt? Damit w\u00e4re er aber zum Tatzeitpunkt bald 20 Jahre alt gewesen und somit auf jeden Fall vollj\u00e4hrig. Die jetzt nachtr\u00e4glich beantragte \u00dcberpr\u00fcfung des Alters mittels Knochenanalyse scheint ein allzu durchsichtiger Schachzug der Verteidigung zu sein, alle Strafe massiv zu minimieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Titus Vogt, Studienleiter und f\u00fcr das t\u00fcrkische MBS-Studienzentrum regelm\u00e4\u00dfig in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Anw\u00e4lte der Hinterbliebenen arbeiten in dem Proze\u00df zwar ohne Honorar, aber auch die Nebenkosten sind f\u00fcr die Gemeinden der T\u00fcrkei einfach zu hoch. Deshalb schrieb Pastor Ihsan \u00d6zbek vor wenigen Tagen an das Martin Bucer Seminar: \u201eF\u00fcr die kommende Proze\u00dfrunde ben\u00f6tigen wir ca. 11.000 EUR. Bitte helft uns!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im besonderen f\u00fcr die genannten Proze\u00dfkosten hat das Martin Bucer Seminar zusammen mit dem Hilfswerk Gebende H\u00e4nde gGmbH ein Spendenkonto eingerichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Spenden werden ohne Abzug direkt in die T\u00fcrkei weitergeleitet. Institut f\u00fcr Weltmission und Gemeindebau e.V. Kto. 3 690 334 BLZ: 520 604 10 Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel eG<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verwendungszweck: M\u00e4rtyrer Malatya<br \/>\nIBAN: DE02520604100003690334<br \/>\nBIC: GENODEF1EK1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr nach dem M\u00e4rtyrertod von Malatya Angeklagte beschuldigen einen als alleinigen M\u00f6rder (Bonn, 18.04.2008) Emre G\u00fcnaydin pers\u00f6nlich habe den konkreten Mord an den drei M\u00e4rtyrern von Malatya vor einem Jahr begangen, beschuldigten die anderen Mitangeklagten den vermeintlichen R\u00e4delsf\u00fchrer und haben so alle Schuld von sich gewiesen. 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