{"id":16775,"date":"2019-11-03T15:20:43","date_gmt":"2019-11-03T14:20:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16775"},"modified":"2019-11-03T22:29:44","modified_gmt":"2019-11-03T21:29:44","slug":"freude-und-frieden-predigt-ueber-phil-41-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16775","title":{"rendered":"Freude und Frieden (Predigt \u00fcber Phil 4,1-8)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In R\u00f6m 14,17 stehen zwei gro\u00dfartige Kennzeichen des lebendigen Christseins: Freude und Frieden. Vorher steht: nicht Essen und Trinken, also nicht das \u00e4u\u00dfere Wohlergehen ist das Entscheidende im christlichen Glauben, sondern innere Werte. Die Realit\u00e4t ist leider oft so, dass uns gerade Freude und Frieden fehlen bzw. verdunkelt und \u00fcberdeckt sind durch den Alltag und durch allerlei Tr\u00e4gheiten und S\u00fcnden. Wie kann sich das \u00e4ndern? Der Philipperbrief gibt uns wertvolle Hinweise. Er gilt ja als der Freudenbrief schlechthin. Siebenmal berichtet der Apostel Paulus von seiner eigenen Freude, siebenmal fordert er zur Freude auf. Der Brief klingt im vierten Kapitel aus mit geradezu revolution\u00e4ren Aufforderungen, die uns alle in eine Lebensmelodie f\u00fchren k\u00f6nnen, in der Freude und Frieden die Hauptt\u00f6ne sind. 1.) \u201eSteht fest im Herrn!\u201c \u2013 2.) \u201eFreut euch im Herrn!\u201c \u2013 3.) \u201eEure G\u00fcte lasst allen zuteilwerden!\u201c \u2013 4.) \u201eSorgt euch um nichts!\u201c \u2013 5.) \u201eSeid auf das Gute bedacht!\u201c. Es lohnt sich, dar\u00fcber im Einzelnen n\u00e4her nachzudenken.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) \u201eSteht fest im Herrn!\u201c In einer anderen \u00dcbersetzung hei\u00dft es \u201eHaltet euch treu zum Herrn!\u201c Ohne die Glaubensgemeinschaft mit Christus bleiben Freude und Frieden Wunschtr\u00e4ume. Ein Christ aus dem streng buddhistischen Bhutan wurde 2014 verhaftet, weil er im Land unterwegs war, um christliche Hauskreise zu unterrichten. Obwohl Bhutan vor etwa 10 Jahren eine neue Verfassung bekam, die Religionsfreiheit garantierte. Er war \u00fcber ein Jahr in Einzelhaft, und er berichtet, wie er gerade in dieser Zeit Freude und Frieden erlebte. . \u201eNie war ich so nahe bei Jesus in dieser Zeit. Ich hatte \u00fcberraschenderweise auf meinen Wunsch hin eine Bibel bekommen. W\u00e4hrend sich andere Gefangene gegen\u00fcber dem Gef\u00e4ngnispersonal andauernd schreiend beklagten, haben mich die Beamten meistens beim Bibellesen angetroffen. Meine einzige Freiheit war, viel, viel Zeit zum Gebet zu haben. In meinem ganzen Leben zuvor hatte ich nicht so gebetet wie in dieser Zeit. Wenn man allein ist in der Zelle, ist das eigentlich Schwierige, den Verstand in den Griff zu bekommen. Wenn der nicht mehr richtig funktioniert, f\u00fchrt das zum Zusammenbruch. Das Beten hat mir wunderbar geholfen\u201c (\u201eStimme der M\u00e4rtyrer\u201c November 2019).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich in Notzeiten ganz auf Jesus konzentriert, kann ungeahnte Freude und Frieden empfangen. Er wird merken, dass in Wahrheit Jesus <em>ihn<\/em> h\u00e4lt. Paulus und Silas haben das selber in Philippi erlebt, etliche Zeit, bevor der Philipperbrief geschrieben wurde, als sie auf der 2. Missionsreise in Nordgriechenland waren. Nachdem sie dort ausgepeitscht worden waren und ins Gef\u00e4ngnis geworfen wurden, haben sie mitten in der Nacht solche Freude gehabt, dass sie Gott lobten (Apg 16,25).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um wieviel mehr sollten wir, die keine \u00e4u\u00dfere Verfolgung leiden m\u00fcssen, treu an unserem Herrn festhalten. In R\u00f6m 14,17 hei\u00dft es \u201eFriede und Freude <em>im Heiligen Geist<\/em>\u201c. Im Heiligen Geist ist Jesus gegenw\u00e4rtig. Das ist die erste und wichtigste Voraussetzung, um Freude und Frieden zu haben, dass wir uns treu zu Jesus halten, in jeder Lebenslage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) \u201eFreut euch im Herrn!\u201c Die Gemeinde in Philippi war eine bedr\u00e4ngte Gemeinde. Aus dem Philipperbrief wissen wir, dass es ihr zeitweise so schlecht ging, dass sie die Unterst\u00fctzungszahlungen f\u00fcr Paulus einstellen musste. Ausgerechnet diese Gemeinde fordert Paulus siebenmal auf, sich \u201eim Herrn\u201c zu freuen. Wie kann das gehen? Auf dem Schreibtisch meiner Frau steht der Spruch \u201eZufriedenheit liegt nicht darin, zu bekommen, was man will, sondern zu wollen, was man hat\u201c. Das ist zwar keine ausgesprochen christliche Weisheit, aber sie ist trotzdem ein wichtiger Schl\u00fcssel zum geistlichen Frieden und zur geistlichen Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Christen sind wir unwahrscheinlich reich. Aber wollen wir eigentlich diesen Reichtum? <em>Durch Christus haben wir Liebe<\/em> (R\u00f6m 5,5). Sie ist in unser Herz ausgegossen. Wir m\u00fcssen sie nicht extra erbitten. Sie ist da. Aber wollen wir sie? Unserer alten Natur liegt es n\u00e4her, unliebsame Zeitgenossen abzulehnen und ihnen das auch zu zeigen. Als Pastor Uwe Holmer in den letzten Monaten der DDR gefragt wurde, ob er Ehepaar Honecker bei sich im Haus aufnehmen k\u00f6nnte, h\u00e4tte er allen Grund gehabt abzulehnen, denn seine Kinder waren trotz guter Zeugnisse nicht zum Studium zugelassen worden. Aber er lie\u00df Gnade vor Recht ergehen. Er hat gewollt, was er hatte. <em>Durch Christus haben wir Hoffnung<\/em> (1 Petr 1,3). Die christliche Hoffnung ist nicht ein vages Hoffnungsgef\u00fchl im Sinn einer Hoffnung auf gutes Wetter. Petrus gibt dieser Hoffnung einen Namen: sie ist der neue Herrlichkeitskeib, den alle bekommen, die den Heiligen Geist haben (R\u00f6m 8,23-25). Wer sich dessen bewusst ist, wer diese Hoffnung wirklich <em>will<\/em>, der wird zufrieden in des Wortes tiefster Bedeutung, der hat Frieden. Und noch ein gro\u00dfer Reichtum: <em>Wir haben den \u201eSchild des Glaubens\u201c<\/em> (Eph 6,16). Mit dem k\u00f6nnen wir die Versuche des Teufels abwehren, der uns immer wieder zum S\u00fcndigen verf\u00fchren will. Dieser immense geistliche Reichtum ist der Garant f\u00fcr Freude und Frieden. Aber wir m\u00fcssen ihn wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) \u201eEure G\u00fcte lasst allen zuteilwerden!\u201c Wenn wir nur an unser eigenes k\u00f6rperliches, materielles und geistiges Wohl denken, kommen wir zwar in den Genuss etlicher Annehmlichkeiten, aber Freude und Frieden gewinnen wir dadurch nicht. Gott gibt jedem von uns viel an \u00e4u\u00dferen und inneren Gaben, aber sein Prinzip ist es, dass er gibt, damit es weitergegeben wird. Auf diesem Prinzip ist die ganze Natur aufgebaut, auch unser eigener Organismus. \u201eEmpfangen und weitergeben\u201c \u2013 so funktioniert das Leben. Eine 80-j\u00e4hrige Rotbuche f\u00fcllt einen Raum von 2700 Kubikmetern aus. Sie hat etwa 800 000 Bl\u00e4tter, die eine Gesamt-oberfl\u00e4che von 1600 Quadratmetern bilden. In einer Stunde verbraucht sie 2,5 kg Kohlenstoffdioxid und gibt 1,7 kg Sauerstoff ab, was den Verbrauch von 10 Menschen ausmacht. Sie verf\u00fcgt \u00fcber 15 Kubikmeter Holz. Ganz \u00e4hnlich ist es auch in unserem Leben als Christ. Wenn wir weitergeben, was Gott uns anvertraut, bleiben wir geistlich lebendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei kommt es nicht auf Quantit\u00e4t an. Ein einziges aufmunterndes L\u00e4cheln und ein liebevoller Satz k\u00f6nnen Wunder bewirken. Es gibt das Buch eines ehemaligen sowjetischen Soldaten: Sergej Kourdakov, Vergib mir, Natascha. Darin schildert er eine bewegende Szene. Er war eingeteilt, um in den W\u00e4ldern Russlands christliche Versammlungen aufzusp\u00fcren und aufzul\u00f6sen. Bei einem solchen Einsatz trifft er auf eine junge Russin, die er brutal niederschl\u00e4gt. Sie blickt ihn dennoch voll Liebe an und fragt nur \u201eWarum tust du das?\u201c Diese Reaktion geht ihm so sehr nach, dass er an seinen ganzen Eins\u00e4tzen zu zweifeln beginnt und sich f\u00fcr den christlichen Glauben \u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heutzutage, wo christliche Glaubensfragen in der \u00d6ffentlichkeit kaum noch diskutiert geschweige denn ernstgenommen werden, bekommt der diakonische Einsatz der Christen eine ganz neue missionarische Bedeutung. S\u00e4kularisierte Mitmenschen werden uns im Allgemeinen nicht nach unserem Glauben fragen, aber Taten der N\u00e4chstenliebe nehmen sie durchaus wahr. Uns selber helfen sie, dass der Ballast der Selbstbezogenheit von der Seele abf\u00e4llt und unser Christsein wieder authentisch wird. Und: wer aus christlicher N\u00e4chstenliebe einen kranken Menschen besucht, einer \u00fcberlasteten Familienmutter hilft, einem Asylanten zu einem Fahrrad verhilft, einem kinderlosen jungen Ehepaar hilft, ein Pflegekind zu bekommen, einer abtreibungswilligen Mutter beisteht, so dass sie andere Lebensperspektiven bekommt, der wird schnell merken, dass Gott sich nichts schenken l\u00e4sst und dass Freude und Frieden in ihm wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.) \u201eSorgt euch um nichts!\u201c. Das ist ganz bestimmt kein Aufruf zu allgemeiner Sorglosigkeit, denn F\u00fcrsorge und Vorsorge sind durchaus auch christliche Tugenden. Paulus ermahnt hier vielmehr, die Sorgen zum Gebet zu machen. Es soll ein intensives und flehentliches Gebet sein, das steht ausdr\u00fccklich da. Jesus sagt es \u00e4hnlich in der Bergpredigt: \u201eWer anklopft, dem wird aufgetan\u201c (Mt 7,8). Zur Zeit Jesu waren die T\u00fcren deutlich dicker als heute. Ein blo\u00dfes Klopfen mit dem Zeigefinger h\u00e4tte da nichts gebracht. Nein, man musste kr\u00e4ftig an die T\u00fcre schlagen. \u00c4hnlich kr\u00e4ftig sollen auch wir unsere Sorgen zu Jesus hinschieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Theologiestudent hatte ich einmal eine Begegnung mit einem Russland-Missionar, der Bibeln in die Sowjetunion brachte und Evangelien im Briefformat anfertigen lie\u00df, die er dann massenweise verschickte. Sein Name war Leonid Kolomietz. Er war der erste Christ, den ich kennenlernte, der in der eben erw\u00e4hnten Art betete, intensiv und kr\u00e4ftig. Er hatte Postsendungen in der Hand, die er abschicken wollte, und er war voller Sorge, ob sie durch die Kontrolle gehen w\u00fcrden. Er ging mit mir in einen Hausflur hinein, wo er dann diese Sorgen zum Gebet machte, unvergesslich f\u00fcr mich. Paulus f\u00fcgt noch hinzu, dass unsere Sorgengebete den Dank nicht vergessen d\u00fcrfen. Jemand sagte einmal, der Dank mache aus nehmenden beschenkte Menschen, ein gutes Wort. Dank ver\u00e4ndert uns und \u00f6ffnet uns die Augen daf\u00fcr, was Gott bereits alles getan hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gesehen ist auch unser Gebetsleben eine Quelle f\u00fcr Freude und Frieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5.) \u201eSeid auf das Gute bedacht!\u201c In einer anderen \u00dcbersetzung hei\u00dft es \u201eRichtet eure Gedanken auf das, was gut ist und Lob verdient, was wahr, edel, gerecht, sauber, liebenswert und sch\u00f6n ist\u201c (Die Gute Nachricht). Hier geht es also um nichts anderes als um ein Denk- und Gedankentrainingsprogramm. Unsere Gedankenwelt liebt ihr Eigenleben, nach dem Motto \u201eDie Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei wie n\u00e4chtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, keine J\u00e4ger erschie\u00dfen, es bleibet dabei: die Gedanken sind frei\u201c. Aber haben wir schon einmal bedacht, was ungez\u00fcgelte Gedanken mit uns anrichten? Sie verderben die Stimmung, sie machen Angst, sie entfachen Neid- und Hassgef\u00fchle und s\u00e4en Zweifel an Gott und Gottes Wort. Mit einem alten Klassenkameraden aus der Oberschulzeit liefere ich mir immer wieder einmal eine Debatte um Evolution und Sch\u00f6pfung. Er ist v\u00f6llig durchdrungen von der Evolutionslehre, so dass ich mit meinen Worten dagegen nicht ankomme. Ich merke bei unseren Diskussionen, welche Macht Gedankengeb\u00e4ude haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der bekannte christliche Naturwissenschaftler Prof. Wilder-Smith erz\u00e4hlte uns in Krelingen bei seinen Besuchen der Studienarbeit in den 80er Jahren \u00f6fters ein eindrucksvolles Gleichnis. Er verwies auf eine Kaffeemaschine, die unweigerlich kaputt geht, wenn man sie mit Steinen f\u00fcllt. Und er f\u00fcgte hinzu, dass wir unser Denken erheblich sch\u00e4digen, wenn wir andauernd ung\u00f6ttliche Gedanken denken. Die europ\u00e4ische Geschichte liefert uns viele Beispiele, die diese Aussage best\u00e4tigen. Welche Kraft haben gottlose Ideen, die sich zur Ideologie verfestigen, allein im vergangenen Jahrhundert gehabt. Z.Zt. erleben wir \u00c4hnliches mit der Gender-Idee, dass angeblich unser sog. soziales Geschlecht von uns\u00a0 bestimmbar und zumindest erheblich beeinflussbar w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der Macht der Gedanken empfiehlt sich die alte Weisheit, dass das Schlechte durch Gutes \u00fcberwunden werden muss (R\u00f6m 12,21). Nichts anderes empfiehlt Paulus hier. Wir sollen bewusst unsere Gedanken auf g\u00f6ttliche Inhalte lenken, auf das, was in Gottes Augen wahr und richtig und gut und sch\u00f6n ist. So reinigen wir mit Gottes Hilfe unser Denken, und der uns geschenkte Frieden und die uns geschenkte Freude k\u00f6nnen uns wieder neu erf\u00fcllen und ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freude und Frieden sind nicht im Wolkenkuckucksheim angesiedelt, sondern Wirklichkeiten, die Christus uns erworben hat und die er durch den Heiligen Geist jederzeit pr\u00e4sent machen kann. So w\u00fcnsche ich uns allen, dass der Freudenbrief des Paulus, den er \u00fcbrigens im Gef\u00e4ngnis geschrieben hat, uns neu zu diesen wunderbaren geistlichen Erfahrungen hinf\u00fchrt. Dann erf\u00fcllt sich Phil 4,7: \u201eDer Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als alle Vernunft (n\u00e4mlich unsere nat\u00fcrliche und so schnell zu Zweifeln neigende Gedankenwelt) bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In R\u00f6m 14,17 stehen zwei gro\u00dfartige Kennzeichen des lebendigen Christseins: Freude und Frieden. Vorher steht: nicht Essen und Trinken, also nicht das \u00e4u\u00dfere Wohlergehen ist das Entscheidende im christlichen Glauben, sondern innere Werte. 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