{"id":16759,"date":"2019-10-25T09:37:16","date_gmt":"2019-10-25T07:37:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16759"},"modified":"2019-10-25T09:37:16","modified_gmt":"2019-10-25T07:37:16","slug":"500-jahre-admiral-de-coligny-ein-mutiger-hugenottenfuehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16759","title":{"rendered":"500 Jahre Admiral de Coligny \u2013 ein mutiger Hugenottenf\u00fchrer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Mit der sogenannten Bartholom\u00e4usnacht 1572, die auch Pariser Bluthochzeit genannt wurde, erreichte die blutige Verfolgung der franz\u00f6sischen Protestanten einen H\u00f6hepunkt. Begonnen hatte das Massaker mit der Ermordung des einflussreichen Admirals Gaspard de Coligny, der sich w\u00e4hrend einer Kriegsgefangenschaft dem reformatorischen Glauben zugewandt hatte. Die franz\u00f6sische Regierung f\u00fcrchtete seinen Einfluss unter den Hugenotten und man gab seinen Mord in Auftrag. Die reformatorische Bewegung in Frankreich war auch immer mit Politik vermischt. Sie f\u00fchrte Krieg gegen die Unterdr\u00fcckung, hatte milit\u00e4rische Erfolge und sollte auch deswegen ausgel\u00f6scht werden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Flucht der Hugenotten aus Frankreich ist vielen bekannt. Von der sogenannten Bartholom\u00e4us-Nacht 1572, in der viele Evangelische in Frankreich get\u00f6tet wurden, hat man geh\u00f6rt. Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Blutnacht war unter anderem auch die Ermordung eines angesehenen franz\u00f6sischen Admirals, der zum F\u00fchrer der Hugenotten geworden war, nachdem er sich selbst der Reformation zugewandt hatte. Anl\u00e4sslich der 500sten Wiederkehr seines Geburtstages, lohnt eine Erinnerung an das Leben dieses bemerkenswerten Mannes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine beachtliche Karriere<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-16762\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gaspard-II-de-coligny.png\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gaspard-II-de-coligny.png 253w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gaspard-II-de-coligny-252x300.png 252w\" sizes=\"(max-width: 151px) 100vw, 151px\" \/>Gaspard II. de Coligny, Sohn einer bekannten Adelsfamilie, wurde 1519 in Ch\u00e2tillon-sur-Loing geboren. Sein Vater, ein hochdekorierter Marschall der franz\u00f6sischen Armee starb, als Coligny f\u00fcnf Jahre alt war. Zusammen mit den beiden Br\u00fcdern wurde er von seiner Mutter Louise de Montmorency aufgezogen. Diese hatte deutliche Sympathien f\u00fcr die evangelischen Reformvorschl\u00e4ge an der damaligen Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Berufung Madame de Colignys als Gesellschafterin der K\u00f6nigin Eleonore von Frankreich (1498-1558) kam der Junge in engeren Kontakt mit den herrschenden Familien des Landes. Schon damals legte Coligny weit mehr Wert auf Bildung und einen moralischen Le\u00adbens\u00adwandel als auf die vergn\u00fcglichen Feiern am Hof und h\u00e4ufige Jagdausfl\u00fcge. Ins\u00adbesondere interessierte er sich in dieser Zeit f\u00fcr Geschichte und Philosophie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Hof Franz I. (1494-1547) schloss Coligny Freundschaft mit dem gleichaltrigen Adeligen Franz von Guise (1519-1563). Beide standen im Dienst des franz\u00f6sischen Milit\u00e4rs. Aufgrund seiner Tapferkeit in den Schlachten von Montm\u00e9dy und Bains wurde Coligny schon bald zum Ritter geschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Feldz\u00fcgen gegen den spanisch- deutschen Kaiser Karl V. (1500-1558) in den Niederlanden und Italien bew\u00e4hrte sich Coligny und wurde daraufhin General (1547). In Lothringen k\u00e4mpfte er f\u00fcr den Anschluss der Bist\u00fcmer Metz, Toul und Verdun an Frankreich. Aus Dank f\u00fcr seine au\u00dferordentlichen Leistungen wurde Coligny zum Admiral sowie zum Gouverneur von Paris und der \u00cele-de-France ernannt. Sp\u00e4ter war er zeitweilig au\u00dferdem verantwortlich f\u00fcr die Provinzen Picardie und Normandie. Damit geh\u00f6rte Coligny zur h\u00f6chsten Schicht des franz\u00f6sischen Adels. Eine pers\u00f6nliche Freundschaft verband ihn ferner mit dem ber\u00fchmten englischen Weltumsegler, Entdecker und Navigator Francis Drake (1540-1596).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Coligny heiratete 1547 Charlotte, Tochter des Grafen Guy XVI. de Laval. Zusammen hatte das Paar f\u00fcnf Kinder. Nach dem Tod seiner ersten Frau (1568) heiratete Coligny 1571 in La Rochelle Jacqueline de Montbel, Comtesse d\u2019Entremont et de Nottage (1541\u20131600).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Armeeoffizier setzte Coligny sich durchaufhin erfolgreich f\u00fcr eine moralische Milit\u00e4rreform ein. Die von ihm entworfenen Verordnungen untersagten den Soldaten Stehlen, sinnloses Duellieren, Fluchen, \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Alkoholkonsum und Gewaltanwendung gegen die Zivil\u00adbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 1554 wurden Coligny und Franz von Guise aufgrund von Neid und unterschiedlicher politischer \u00dcberzeugungen erst zu Gegnern, dann sogar zu Feinden. Aus Trotz brach der Herzog von Guise einen von Coligny mit den Spaniern geschlossenen Friedensvertrag. Nach seiner vergeblichen Verteidigung von Saint-Quentin geriet Coligny daraufhin in spanische Gefangenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Geistliche Umorientierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gef\u00e4ngnis begann Coligny sich intensiver mit den Lehren der Reformation auseinanderzusetzen (1557). In diesem Zusammenhang stand er in Briefkontakt mit einigen f\u00fchrenden Vertretern der Hugenotten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIndem Gott Ihnen diese Pr\u00fcfung geschickt hat, wollte er Sie sozusagen aus dem Verkehr ziehen, damit er von Ihnen besser geh\u00f6rt wird. Es ist, als wollte er Ihnen pers\u00f6nlich ins Ohr sprechen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So schrieb der Reformator Johannes Calvin (1509-1564) aus Genf an den eingekerkerten Coligny.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst zwei Jahre sp\u00e4ter wurde er gegen Zahlung eines erheblichen L\u00f6segeldes wieder freigelassen. Zwischenzeitlich war Heinrich II. (1519-1559) gestorben und die ihm feindlich gesinnte Adelsfamilie von Guise hatte in Paris die Macht \u00fcbernommen. Daraufhin zog sich Coligny zu pers\u00f6nlichen Studien in sein l\u00e4ndlich gelegenes Schloss zur\u00fcck (1559). Jetzt, nach seiner Befreiung aus der spanischen Gefangenschaft, bekannte sich der Admiral offen zur reformierten Lehre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Reformation in Frankreich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich war das Anliegen einer religi\u00f6sen Erneuerung in Frankreich durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen. Schon lange hatten Ger\u00fcchte \u00fcber offenen Machtmissbrauch und Unmoral in der Bev\u00f6lkerung die Runde gemacht. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es in Frankreich eine enge Bindung zwischen Kirche und Staat. Alle h\u00f6heren Kirchen\u00e4mter wurden vom franz\u00f6sischen K\u00f6nig mit ihm genehmen Adligen besetzt. Gleichzeitig wurde die Kirche benutzt, um das Volk besser verwalten und \u00fcberwachen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hinter\u00ad\u00adgrund wundert es kaum, dass f\u00fchrende franz\u00f6sische Geistliche wie der Bibel\u00ad\u00fcbersetzer Jacques Lef\u00e8vre d\u2019\u00c9taples (1450-1535), Guillaume Bri\u00e7onnet, Bischof von Meaux (1472-1534) und Jean du Bellay, Erzbischof von Bordeaux (1492-1560), Luthers Reformvorschl\u00e4gen erst einmal positiv gegen\u00fcberstanden. Auch sie wollten die Bedeutung der Bibel hervorheben, die Lehre der Gnade auf Kosten der Werke st\u00e4rken und einige \u00fcberkommene Traditionen abschaffen. Im Gegensatz zu Deutschland gab es in Frankreich aber keine autonomen, lokalen F\u00fcrsten, unter deren Schutz sich eine eigenst\u00e4ndige Kirche entwickeln konnte. Bis auf die von Johannes Calvin gepr\u00e4gten Reformierten hielten sich die meisten anderen Sympathisanten der Reformation weitgehend zur\u00fcck, blieben formal in der katholischen Kirche und beschr\u00e4nkten ihren Protest vor allem auf das Private.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der franz\u00f6sische K\u00f6nig Franz I. (1494-1547) setzte ganz auf die bestehende Koalition mit der katholischen Kirche. Unmittelbar nachdem Luther vom Papst exkommuniziert worden war, verdammte die Pariser Universit\u00e4t Sorbonne seine Lehren ebenfalls. Auch au\u00dfenpolitisch wollte sich der K\u00f6nig nicht durch Toleranz gegen\u00fcber den vorgeblich \u201eketzerischen Lehren\u201c der Reformation angreifbar machen. Also wurden deren Schriften verboten und als abschreckendes Beispiel einige Protestanten get\u00f6tet. Beispielsweise verbrannte man in Paris den mit Luther sympathisierenden Augustinerm\u00f6nch Jean Valli\u00e8re (1523).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Protestantismus wurde bis etwa 1530 zunehmend in den Untergrund gedr\u00e4ngt, da religi\u00f6se Verfolgungen durch die katholische Seite immer mehr zunahmen. Mit einer 1559 in Paris veranstalteten Nationalsynode organisierten sich die reformierten Christen Frankreichs. Zu Beginn der 1560er Jahre z\u00e4hlten zwei Millionen Personen in rund 2000 Gemeinden zur hugenottischen Untergrundkirche; was ungef\u00e4hr zehn Prozent der franz\u00f6sischen Gesamtbev\u00f6lkerung entsprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F\u00fchrer der Hugenotten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-16761\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Denkmal_fuer_Gaspard_de_Coligny_338.jpg\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Denkmal_fuer_Gaspard_de_Coligny_338.jpg 354w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Denkmal_fuer_Gaspard_de_Coligny_338-234x300.jpg 234w\" sizes=\"(max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/>Trotz offener Diffamierungen und Verfol\u00adgun\u00adgen der franz\u00f6sischen Protestanten schlossen Coligny und seine Frau sich einer \u00f6rtlichen Hugenottengemeinde an. Bald begann der Admiral auch zu predigen und sich politisch f\u00fcr den Schutz seiner Glaubensbr\u00fcder einzusetzen. Er k\u00e4mpfte in den Hugenottenkriegen 1562\/1563 und 1567 bis 1570 als Feldherr und politisches Ober\u00adhaupt der franz\u00f6sischen Protestanten gegen katholische Truppen und gegen den Einfluss der Adelsfamilie von Guise. Gleichzeitig bem\u00fchte er sich um Kompromisse mit dem K\u00f6nig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon Heinrich II. (1519-1559) hatte durch den au\u00dferordentlichen Gerichtshof der Chambre ardente und durch das Edikt von Compi\u00e8gne (1557) Hugenotten aufsp\u00fcren und als Ketzer hinrichten lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungl\u00fccklicherweise vermischten sich in Frankreich zunehmend politische und religi\u00f6se Interessen. Hugenotten beteiligten sich 1560 an einem fehlgeschlagenen Attentat auf den ihnen feindlich gesinnten K\u00f6nig Franz II. (1544-1560). Daraufhin nahm der Druck auf die protestantischen Gemeinden noch einmal zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diplomatischem Weg bem\u00fchte sich Coligny zwischenzeitlich durchaus erfolgreich um eine staatliche Anerkennung der Hugenotten. Nach dem Massaker an einer ganzen protestantischen Gemeinde von 600 Personen in Vassy (1562) war das gegenseitige Vertrauen allerdings auf einem vorl\u00e4ufigen Tiefpunkt angekommen. Der f\u00fcr die Bluttat verantwortliche Herzog Franz von Guise wurde daraufhin von seinen staatlichen \u00c4mtern enthoben und 1563 von dem Hugenotten Poltrot de M\u00e9r\u00e9, einem Anh\u00e4nger Colignys, ermordet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch das provisorische Edikt von Amboise (1563) kam es zu einem vorl\u00e4ufigen Frieden und einer gewissen Anerkennung protestantischer Gemeinden. Trotzdem blieb Coligny skeptisch, weil sich die einflussreiche Katharina von Medici (1519-1589) gleichzeitig auch mit dem Herzog von Alba traf, um die weitere Bek\u00e4mpfung der Protestanten zu planen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In z\u00e4hen Verhandlungen konnte Coligny den K\u00f6nig schlie\u00dflich von der Notwendigkeit einer politischen L\u00f6sung \u00fcberzeugen. Nach dem Frieden von Saint-Germain (1570), der den 3. Hugenottenkrieg beendete, wurde Coligny an den Hof nach Paris geladen. Dort versuchte er schlussendlich vergeblich Karl IX. (1550-1574) zu \u00fcberzeugen, sich mit den reformierten, niederl\u00e4ndischen Rebellen gegen den spanischen K\u00f6nig Philipp II. zu verb\u00fcnden. Die K\u00f6nigsmutter und leidenschaftliche Katholikin Katharina von Medici ver\u00e4rgerte er mit diesem Vorschlag nachhaltig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Blutige Bartholom\u00e4usnacht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinsam mit der Adelsfamilie von Guise schmiedete Katharina von Medici wenig sp\u00e4ter einen Mordkomplott gegen den immer einflussreicheren Admiral, der allerdings fehlschlug. Nur zwei Tage sp\u00e4ter wurde Coligny dann aber im zweiten Anlauf tats\u00e4chlich ermordet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich war die Hochzeit des Protestanten Heinrich von Navarra (des sp\u00e4teren K\u00f6nigs Heinrich IV.; 1553-1610) mit Margarete von Valois (1553-1615) als konfessionelles Vers\u00f6hnungsfest geplant, weshalb dazu auch alle f\u00fchrenden Hugenotten nach Paris geladen waren. Aus Angst vor m\u00f6glichen Racheaktionen der Reformierten nach dem missgl\u00fcckten Attentat auf Coligny wurden dann allerdings die Tore der Stadt geschlossen und die Miliz bewaffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Ank\u00fcndigung drangen am Abend nach den Hochzeitsfeierlichkeiten einige Bewaffnete in die Unterkunft des Admirals und ermordeten ihn. Unter den Attent\u00e4tern befanden sich sowohl Schweizergardisten des K\u00f6nigs als auch Leibw\u00e4chter des Herzogs von Anjou, unter der Leitung des Herzogs von Guise. Als die M\u00f6rder ins Haus eindrangen, ahnte Coligny bereits, was ihm bevorstand:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMeine Freunde, ich habe keine menschliche Hilfe mehr zu erwarten. Das ist mein Tod, den ich gern aus Gottes Hand nehme. Rettet euch!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne gro\u00dfe Diskussionen schlitzten ihm die Soldaten den Bauch auf und hackten seinen Kopf ab. Nachher warfen die M\u00e4nner die Leiche des Admirals aus dem Fenster auf den Hof. Sein K\u00f6rper wurde durch die Stra\u00dfen geschleift und dann kopf\u00fcber an einen Galgen geh\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unmittelbar danach ermordete man weitere Hugenottenf\u00fchrer und stachelte die Bev\u00f6lkerung zu einem, sp\u00e4ter \u201eBartholom\u00e4usnacht\u201c oder \u201ePariser Bluthochzeit\u201c genannten Massaker an den Protestanten auf (23.\/24.8.1572). Ein Stra\u00dfburger Hochzeitsgast erinnerte sich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDa setzte \u00fcberall in Paris ein Gemetzel ein, dass es bald keine Gasse mehr gab, auch die allerkleinste nicht, wo nicht einer den Tod fand, und das Blut floss \u00fcber die Stra\u00dfen, als habe es stark geregnet\u201c und \u201eSchon war der Fluss mit Leichen bedeckt und ganz rot vom Blut [\u2026]. \u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein in Paris verloren in dieser Nacht 3.000 Hugenotten ihr Leben. In den n\u00e4chsten Tagen wurden in ganz Frankreich weitere 30.000 Protestanten ermordet; was das Verh\u00e4ltnis zwischen den Konfessionen verst\u00e4ndlicherweise langfristig vergiftete. Unter den prominenten Opfern des Massakers befanden sich der Komponist Claude Goudimel (1514-1572), sowie der Philosoph und Humanist Petrus Ramus (1515-1572).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Tage nach der Bartholom\u00e4usnacht \u00fcbernahm K\u00f6nig Karl IX. vor dem Parlament die Verantwortung f\u00fcr die Morde. Die Hugenottenf\u00fchrer h\u00e4tten sich verschworen und ihn damit zum Eingreifen gen\u00f6tigt. Hinter den Kulissen hatten Katharina von Medici, die Familie von Guise und spanische Adlige wesentlich an den Vorbereitungen dieser Gewalttaten mitgewirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Papst Gregor XIII. die Nachricht von der Ermordung tausender franz\u00f6sischer Protestanten h\u00f6rte, lie\u00df er aus Freude das Te Deum (deutsch: \u201eDich, Gott, loben wir \u2026\u201c) singen, eine Gedenkm\u00fcnze pr\u00e4gen und ein rauschendes Fest abhalten. Der Maler Giorgio Vasari (1511-1574) wurde von ihm beauftragt, an den W\u00e4nden der Sala Regia des Vatikans Fresken von diesem vorgeblichen Sieg des Katholizismus zu erstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Folgenreiche Protestantenverfolgung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Frankreich gingen die Religionsk\u00e4mpfe auch nach der Bartholom\u00e4usnacht weiter, bis den Hugenotten 1598 von Heinrich IV. im Edikt von Nantes Rechtssicherheit garantiert wurde. Die hier den Protestanten unwillig zugestandenen Rechte wurden jedoch im 17. Jahrhundert, insbesondere unter Einfluss Kardinal Richelieus (1585-1642), sukzessive wieder zur\u00fcckgenommen. Nachdem sich der Druck auf die Protestanten immer weiter verst\u00e4rkt hatte, wurde die Religionsfreiheit schlie\u00dflich von Ludwig XIV. (1638-1715) im Edikt von Fontainebleau (1685) endg\u00fcltig wieder aufgehoben. Mit milit\u00e4rischen Repressionen, Enteignungen, der Zerst\u00f6rung von 400 D\u00f6rfern und einer gro\u00df angelegten Kon\u00adver\u00adtierungsaktion wollte der K\u00f6nig den Protes\u00adtantismus in Frankreich ausrotten und eine einheitliche katholische Staatskirche etablieren. Trotz schwerster Strafandrohungen flohen \u00fcber 200 000 Hugenotten, vor allem nach England, Preu\u00dfen, Hessen, S\u00fcdafrika, in die Schweiz und die Niederlande. Bis heute erinnern zahlreiche Familiennamen in Deutschland an die jahrhundertelange Vertreibung franz\u00f6sischer Protestanten (z.B. Dumont, Bou\u00e9, Godeffroy, Bouffier oder Lafontaine). Aktuell leben in Deutschland rund 1 Million Nachfahren der damals geflohenen Hugenotten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Genfer Re\u00adfor\u00admations\u00addenkmal erinnert eine Statue an Gaspard de Coligny. In Brasilien und in S\u00fcdafrika wurden St\u00e4dte nach dem F\u00fchrer der Hu\u00adge\u00adnot\u00adten\u00adbe\u00adwe\u00adgung be\u00adnannt. Alexandre Dumas und Hein\u00adrich Mann behandeln in zwei Ro\u00admanen das tragische Schicksal des franz\u00f6sischen Admirals (Die Bartholom\u00e4us\u00adnacht, 1845 \/ Die Vollendung des K\u00f6nigs Henri Quatre, 1935). Colignys Enkeltochter Luise Henriette von Oranien (1627-1667) war die erste Ehefrau des Gro\u00dfen Kurf\u00fcrsten, Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In jedem Fall war die Ermordung Colignys, des vor 500 Jahren geborenen F\u00fchrers der Hugenotten, ein entscheidendes Ereignis bei der Vernichtung des franz\u00f6sischen Protestantismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Michael Kotsch, Bibel und Gemeinde (3-2019)<\/em><\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Walter Besant: Gaspard de Coligny, Marcus Ward, London 1879, Nachdruck: Hansebooks, Norderstedt 2018.<\/p>\n<p>Philippe Erlanger: Bartholom\u00e4usnacht. Die Pariser Bluthochzeit am 24. August 1572, Laokoon-Verlag, M\u00fcnchen 1966.<\/p>\n<p>Karl Kupisch: Coligny. Eine historische Studie. 2., ver\u00e4nderte Auflage. Verlag Lettner, Berlin 1951.<\/p>\n<p>Ernst Lindenborn: Coligny. Der Schwert\u00adtr\u00e4ger Gottes. Ein Leben in Bildern, Quadriga J.Severin Verlag, Berlin 1985.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der sogenannten Bartholom\u00e4usnacht 1572, die auch Pariser Bluthochzeit genannt wurde, erreichte die blutige Verfolgung der franz\u00f6sischen Protestanten einen H\u00f6hepunkt. Begonnen hatte das Massaker mit der Ermordung des einflussreichen Admirals Gaspard de Coligny, der sich w\u00e4hrend einer Kriegsgefangenschaft dem reformatorischen Glauben zugewandt hatte. 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