{"id":16745,"date":"2019-10-18T12:04:27","date_gmt":"2019-10-18T10:04:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16745"},"modified":"2019-10-18T12:04:27","modified_gmt":"2019-10-18T10:04:27","slug":"geburtenraten-in-europa-entscheidend-sind-wirtschaftliche-stabilitaet-und-kulturelle-selbstbehauptung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16745","title":{"rendered":"Geburtenraten in Europa: Entscheidend sind wirtschaftliche Stabilit\u00e4t und kulturelle Selbstbehauptung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Mehr Emanzipation, die \u00dcberwindung traditioneller &#8222;Rollenbilder&#8220;, mehr Erwerbst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern und vor allem mehr staatliche Kinderbetreuung: \u00dcber viele Jahre wurde dies als der Ausweg aus der demografischen Krise in Deutschland (aber auch international) angepriesen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte Frauen und Paaren wieder mehr Lust auf Kinder machen. Das propagierten die Meinungsf\u00fchrer in den Medien, in den internationalen Organisationen und auch die Bundesregierung, die in ihrer Stellungnahme zum 7. Familienbericht das Ziel verk\u00fcndete, mehr Familie in die Gesellschaft und mehr Kinder in die Familien zu bringen (1).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dieses Ziel ist es still geworden, obwohl die Geburtenrate in den letzten Jahren tats\u00e4chlich gestiegen ist. Doch das ist kein Erfolg der Familienpolitik, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Denn die Geburtenraten der Frauen deutscher Staatsangeh\u00f6rigkeit (zu denen auch viele mit einem sog. Migrationshintergrund geh\u00f6ren) verharren auf dem niedrigen Niveau von 1,4, das seit Jahrzehnten f\u00fcr Deutschland typisch ist (2). Damit wird der Generationenersatz um rund ein Drittel verfehlt, die Bev\u00f6lkerung \u00fcberaltert dramatisch und gro\u00dfe und traditionsreiche Regionen in Deutschland ver\u00f6den.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die Geburtenraten insgesamt gestiegen sind, liegt de facto nur an der Massenzuwanderung. In deren Folge sind die Geburtenraten der Ausl\u00e4nderinnen 2014-2016 auf weit \u00fcber 2 Kinder pro Frau gestiegen. Das Ph\u00e4nomen k\u00f6nnen Demografen leicht erkl\u00e4ren. Seit langem beobachten sie, dass Zuwanderinnen oft kurz nach ihrer Immigration sehr hohe Geburtenraten aufweisen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen nahe, nicht zuletzt ist es der Wunsch nach Aufenthaltsverfestigung (Schutz vor Abschiebung etc.). Zu dieser Art von Geburtenboom verh\u00e4lt sich die Bundesregierung wohlweislich still, denn allzu offensichtlich sind seine Neben- und Folgeprobleme, gerade im Blick auf die Schulen, die mit der Integration immer mehr \u00fcberfordert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Integrationsprobleme in Westeuropa werden in Zentral- und Osteuropa aufmerksam registriert. Sie sind ein wichtiger Grund daf\u00fcr, warum man dort die Zuwanderung als vermeintliche L\u00f6sung der demografischen Probleme ablehnt. Die Regierungen insbesondere in Ungarn und Polen setzen stattdessen auf eine geburtenf\u00f6rdernde Politik, indem sie versuchen, Familien finanziell besserzustellen (3). Staatliche Betreuungspolitik kennt man dort aus kommunistischen Zeiten, sie wird mit gemischten Gef\u00fchlen betrachtet, als eine Notwendigkeit, aber nicht als emanzipatorisch und innovativ. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Tschechien, wo sich Kinder\u00e4rzte schon zu kommunistischen Zeiten kritisch mit zu fr\u00fchzeitiger Kinderbetreuung auseinandergesetzt haben. Dort wurde die Krippenbetreuung von Kleinstkindern stark zur\u00fcckgefahren und dagegen die h\u00e4usliche Betreuung finanziell gef\u00f6rdert (4). Das bedeutet f\u00fcr Familien auch wirtschaftliche Stabilit\u00e4t. Der Kontrast zu Deutschland, wo das Betreuungsmodell der DDR beibehalten und sogar auf den Westen ausgedehnt wurde, ist eklatant. Dennoch ist die Geburtenrate in Tschechien h\u00f6her als in Deutschland und auch als in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Sie liegt mittlerweile sogar h\u00f6her als in angeblich so fortschrittlichen nordischen L\u00e4ndern wie Finnland und Norwegen, wo die Geburtenzahlen zuletzt deutlich zur\u00fcckgegangen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Entwicklung zu erforschen, w\u00e4re Aufgabe der Demografen und Sozialwissenschaftler. Ihr altes Narrativ von den &#8222;fortschrittlicheren&#8220; L\u00e4ndern mit mehr Staatsbetreuung und h\u00f6heren Geburtenraten stimmt jedenfalls nicht mehr. Wie immer bestimmt ein B\u00fcndel von \u00dcberlegungen das generative Verhalten. Ein Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr die Geburtenentwicklung scheint indes der Arbeitsmarkt zu sein: In Tschechien herrscht Vollbesch\u00e4ftigung und auch sonst sind in Ostmitteleuropa die Geburtenraten parallel zur Besch\u00e4ftigung gestiegen. In S\u00fcdeuropa und besonders in Italien stecken Wirtschaft und Arbeitsmarkt dagegen tief in der Krise und die ohnehin niedrige Geburtenrate rutscht weiter ab. Einen starken R\u00fcckgang der Geburtenrate trotz relativ guter Wirtschaftslage erlebt dagegen Irland (5). Hier ist offensichtlich der Verlust an katholischer Identit\u00e4t und Familienwerten eine wichtige Ursache. Erstes Fazit: Wirtschaftlicher Niedergang und Verlust kultureller Identit\u00e4t auf der einen Seite &#8211; wirtschaftliche Stabilit\u00e4t und kulturelle Selbstbehauptung auf der anderen erweisen sich als entscheidende Faktoren auch f\u00fcr die Demografie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie, Nachricht des Monats, 03 \/ 2019<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Eingehend hierzu Stefan Fuchs: Gesellschaft ohne Kinder. Woran die neue Familienpolitik scheitert, Wiesbaden 2014.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Siehe hierzu Grafik &#8222;Geburtenentwicklung in Deutschland&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) https:\/\/www.i-daf.org\/aktuelles\/aktuelles-einzelansicht\/archiv\/2019\/01\/10\/artikel\/ostmitteleuropa-familienpolitik-statt-willkommenspolitik-fuer-immigranten.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) http:\/\/altewebsite.i-daf.org\/files\/idaf_-_woche_9_-_2009.pdf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Zur Geburtenentwicklung: &#8222;Fertilit\u00e4t in Europa: Neue Konvergenz?&#8220;: Zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit: https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/databrowser\/view\/tipsun20\/default\/table?lang=de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr Emanzipation, die \u00dcberwindung traditioneller &#8222;Rollenbilder&#8220;, mehr Erwerbst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern und vor allem mehr staatliche Kinderbetreuung: \u00dcber viele Jahre wurde dies als der Ausweg aus der demografischen Krise in Deutschland (aber auch international) angepriesen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte Frauen und Paaren wieder mehr Lust auf Kinder machen. Das propagierten die Meinungsf\u00fchrer in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[16,14,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16745"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16745"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16747,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16745\/revisions\/16747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}