{"id":16722,"date":"2019-10-08T19:59:20","date_gmt":"2019-10-08T17:59:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16722"},"modified":"2019-10-08T19:59:20","modified_gmt":"2019-10-08T17:59:20","slug":"das-banalisierte-christentum-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16722","title":{"rendered":"Das banalisierte Christentum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Welchen Eindruck gewinnt ein Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser, wenn er auf das \u00abWort zum Sonntag\u00bb schaltet oder in einer Tageszeitung das \u00abGeistliche Wort\u00bb liest? Achselzuckend wird er denken: \u00abAuch nichts Neues; bleib wie du bist!\u00bb Die vermittelten Belanglosigkeiten lassen sich schnell zusammenfassen: \u00ab\u00dcbe dich in ein bisschen Mitmenschlichkeit und gew\u00e4hre alle Toleranz gegen\u00fcber jeder Religion. Gottes weiter Mantel der Liebe reicht aus, um alle zu umh\u00fcllen.\u00bb Wenn unsere Zeitgenossen eine derart verd\u00fcnnte Botschaft als Christentum angeboten bekommen, wird sich nichts in ihrem Leben \u00e4ndern, und sie marschieren getrost und unwissend weiter auf der breiten Stra\u00dfe, die bekanntlich zur H\u00f6lle f\u00fchrt, weil sie Christus, den Erl\u00f6ser, nicht kennengelernt haben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Hintergrund eines durch Humanismus und Aufkl\u00e4rung gepr\u00e4gten Umfeldes ist das Christentum nur eine unter vielen Religionen, die Bibel nur eine unter vielen heiligen Schriften, der Gott der Bibel nur ein Gott unter vielen anderen, und Jesus rangiert als einer unter vielen anderen Religionsstiftern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kommt es bei all diesen Relativierungen und Marginalisierungen zu so k\u00e4mpferischen Schriften, wie sie etwa der streitbare englische Evolutionsbiologe Richard Dawkins mit seinem Bestseller \u00abDer Gotteswahn\u00bb vorgelegt hat. Auf 575 Seiten schl\u00e4gt er wild um sich. Er m\u00f6chte mit seiner Mission eine atheistische Weltrevolution ausl\u00f6sen und k\u00e4mpft gegen jede Form des Gottglaubens, wobei er es auf den biblischen Gott in besonderer Weise abgesehen hat. Hier f\u00e4hrt er seine sch\u00e4ndlichsten Wortgesch\u00fctze auf; ihm ist kein Mittel giftig genug, wenn er ihn diffamiert als \u00abdie unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur: Er ist eifers\u00fcchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, blutr\u00fcnstiger ethnischer S\u00e4uberer, ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und V\u00f6lker mordender, ekeliger, gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann\u00bb. Nach diesem Rundumschlag schwingt Dawkins seine Keule gegen die Kreationisten, die diesem Gott in allem vertrauen und ihm sogar zutrauen, dass er die ganze Welt und alles Leben in nur sechs Tagen geschaffen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Dawkins im Deutschen Fernsehen (ZDF) bei Kerner zum Streitgespr\u00e4ch eingeladen war, hatte er als Gegen\u00fcber den Ratsvorsitzenden der EKD und evangelischen Bischof von Berlin-Brandenburg Wolfgang Huber, den katholischen Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und den jesuitisch gepr\u00e4gten Politiker Heiner Geissler. Hatte Dawkins es hier mit bibelorientierten Christen zu tun? Der Kommentator Alan Posener beschrieb in der Tageszeitung \u00abDie Welt\u00bb (16.11.2007) treffend deren Haltung: \u00abMit weichgesp\u00fclten westeurop\u00e4ischen Theologen, die in sch\u00f6ner Einm\u00fctigkeit erkl\u00e4ren, die H\u00f6lle habe f\u00fcr sie \u2039keine gro\u00dfe Bedeutung\u203a, ihre Existenz werde von der Kirche \u2039eigentlich nicht\u203a gelehrt (Jaschke), die \u2039Kritik der H\u00f6llenforschung\u203a sei eine der St\u00e4rken der modernen Theologie (Huber) und \u00fcberhaupt sei \u2039die Existenz der H\u00f6lle unvereinbar mit der Existenz eines g\u00fctigen Gottes\u203a (Geissler), hatte Dawkins sichtlich seine Schwierigkeiten.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Posener zog das Fazit: \u00abDie Ausf\u00fchrungen der Dawkins-Gegner haben klar gemacht, wie sehr die christliche Religion in Deutschland heute einerseits zur reinen Lebensphilosophie, andererseits zur Magd der Politik verkommen ist.\u00bb Am Schluss der Sendung fragte der Moderator den Vertreter des Atheismus: \u00abWas passiert denn mit Ihnen nach dem Tod?\u00bb Dawkins antwortete darauf: \u00abIch verrotte.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort h\u00e4tte ihn jemand unerschrocken ermahnen m\u00fcssen: \u00abWenn Sie bei Ihrer gottlosen Anschauung bleiben, gilt f\u00fcr Sie das Gerichtswort Jesu: \u2039Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden\u203a (Markus 16,16). Die H\u00f6lle, die Sie f\u00fcr nicht existent halten und die diese \u2039weichgesp\u00fclten\u203a Theologen wegerkl\u00e4rt haben, wird in Ewigkeit Ihr realer Aufenthaltsort sein, aus dem es kein Zur\u00fcck mehr gibt.\u00bb Posener kommentierte weiter: \u00abSchlie\u00dflich ist Dawkins\u2019 Buch vor allem geschrieben f\u00fcr den amerikanischen Markt, wo Glaube noch Glaube ist und wo das Wort der Bibel noch Gewicht hat.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Evolutionsbiologe basiert Dawkins\u2019 aggressiver Atheismus auf der Evolutionslehre. Diejenigen, die aus wissenschaftlichen und biblischen Gr\u00fcnden diese Lehre als Irrtum entlarven, sind seine \u00e4rgsten Feinde, denn sie entziehen ihm sein \u00abGlaubensfundament\u00bb. Da wiedergeborene Christen \u00aballem glauben, was geschrieben steht\u00bb (Apg. 24,14), verwerfen sie folgerichtig alle bibelkritischen Theologien und auch alle Welt- und Lebensentstehungstheorien, die dem Sch\u00f6pfungsbericht der Bibel widersprechen. In diesem Sinne versucht man Bibelgl\u00e4ubige als Fundamentalisten und Kreationisten zu brandmarken. Man m\u00f6chte sie am liebsten in dieselbe Schublade mit den islamischen Fundamentalisten und Terroristen stecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liest man die Stellungnahmen von Bisch\u00f6fen, Weltanschauungsbeauftragten oder liberalen Theologen zu dem Stichwort \u00abKreationismus\u00bb oder \u00abIntelligent Design\u00bb, so f\u00e4llt auf, dass es \u00fcberhaupt nicht um die unterschiedliche Deutung der Fossilien oder kosmologischer Prozesse geht. Zur Debatte steht einzig die Lesart der Bibel. Ist die Bibel nicht ernst zu nehmen, dann kann man auch an Evolution glauben und die H\u00f6lle wegretuschieren. Stimmt die Bibel aber doch, dann hat Gott wirklich in sechs Tagen die komplette Sch\u00f6pfung vollendet, dann gibt es Himmel und H\u00f6lle, dann sind alle Religionen nur schillernde Fata Morganen einer verlorenen Welt, und dann ist Jesus auch der einzige Retter vor ewiger Verlorenheit.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr.-Ing. Werner Gitt leitete bis 2002 als Direktor und Professor bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig den Fachbereich Informationstechnologie. In seinen Studien, B\u00fcchern und Vortr\u00e4gen befasst er sich vorwiegend mit der Verbindung zwischen biblischen Leitlinien und wissenschaftlichen Fragestellungen. Von seiner Homepage www.wernergitt.de sind div. B\u00fccher und Aufs\u00e4tze in Deutsch und etlichen anderen Sprachen herunterzuladen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welchen Eindruck gewinnt ein Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser, wenn er auf das \u00abWort zum Sonntag\u00bb schaltet oder in einer Tageszeitung das \u00abGeistliche Wort\u00bb liest? Achselzuckend wird er denken: \u00abAuch nichts Neues; bleib wie du bist!\u00bb Die vermittelten Belanglosigkeiten lassen sich schnell zusammenfassen: \u00ab\u00dcbe dich in ein bisschen Mitmenschlichkeit und gew\u00e4hre alle Toleranz gegen\u00fcber jeder Religion. 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