{"id":16705,"date":"2019-10-02T13:33:58","date_gmt":"2019-10-02T11:33:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16705"},"modified":"2019-10-02T16:09:12","modified_gmt":"2019-10-02T14:09:12","slug":"verschiedene-bibelverstaendnisse-im-pietismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16705","title":{"rendered":"Verschiedene Bibelverst\u00e4ndnisse im Pietismus?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Seltsame Meinungen werden heute vertreten. Sie klingen eindrucksvoll, manchmal sind sie geeignet, Menschen, auch Christenmenschen zu verwirren. Das hei\u00dft aber keinesfalls, dass sie richtig sind. Gerade die grundlegenden Lehren sind es, in denen die Gemeinde am meisten angefochten wird, n\u00e4mlich die, die von Jesus Christus, Seiner Person und von Seinem Werk handeln, also von dem, wer Er ist und was Er f\u00fcr uns getan hat, und die Lehre von der Heiligen Schrift. Das ist nicht nur in unserer Zeit so. Schon der Apostel Paulus schrieb seinem geistlichen Sohn Timotheus: \u201eDu aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir anvertraut ist; du wei\u00dft ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift ist von Gott eingegeben&#8230;\u201c (2.Tim 3,14ff.).<\/span><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eDas Wort und Christus in dem Wort, das soll mein Leitstern bleiben\u201c, so schrieb der schw\u00e4bische Pfarrer und Liederdichter Philipp Friedrich Hiller, dessen Lehrer und Seelsorger Johann Albrecht Bengel war, beide in der Heiligen Schrift verwurzelt, wie es auch das lutherische Bekenntnis lehrt, das sie von Herzen vertraten, nicht allein, weil sie als Pfarrer auf Bibel und Bekenntnis ordiniert waren, sondern weil sie das Bekenntnis f\u00fcr eine gute Zusammenfassung der Lehre der Heiligen Schrift sahen. So wussten sie, dass die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments grunds\u00e4tzlich anders ist als alle anderen Schriften, und dass \u201eallein die Heilige Schrift der einzige Richter, Regel und Richtschnur (bleibt), nach welcher als dem einzigen Pr\u00fcfstein sollen und m\u00fcssen alle Lehren erkannt und beurteilt werden, ob sie gut oder b\u00f6s, recht oder unrecht seien\u201c, so die Konkordienformel, eine wichtige lutherische Bekenntnisschrift. Nach ihr ist also die Bibel allein Quelle und Ma\u00dfstab der Lehre der Kirche. Auf dieser Grundlage glaubten, lehrten, lebten und arbeiteten auch Bengel und Hiller und so wurden sie wichtige Lehrer der evangelischen Kirche und in besonderer Weise Lehrer des Pietismus in W\u00fcrttemberg.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber &#8211; es gibt heute nichts, was es nicht gibt, selbst in Kirche und pietistischen Organisationen. So hat es mich schwer getroffen, als ich k\u00fcrzlich las, dass ein christlicher Leiter tats\u00e4chlich behauptet hat, es gebe im Pietismus verschiedene Schriftverst\u00e4ndnisse. Aber das ist genau dieselbe irref\u00fchrende Fehlinformation, wie wenn man sagt, in der Landeskirche gebe es (berechtigt) verschiedene Schriftverst\u00e4ndnisse. Denn: Der Pietismus ist keine Lehrbewegung, sondern eine Fr\u00f6mmigkeitsbewegung. Er hat kein eigenes Bekenntnis, sondern steht in der Bekenntnistradition der jeweiligen Kirche: Der lutherische Pietismus in der lutherischen Bekenntnistradition, der reformierte Pietismus in der reformierten Bekenntnistradition. Beide aber lehren, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Deshalb kann J\u00f6rg Breitschwerdt in seinem neuen Buch \u201eTheologisch konservativ\u201c (G\u00f6ttingen 2019) auch zurecht schreiben, dass das Schriftverst\u00e4ndnis Luthers in die lutherische Bekenntnisbildung und ihren Abschluss in der Konkordienformel, die auch im Konkordienbuch steht, eingegangen ist und von der lutherischen Orthodoxie und dem Pietismus \u00fcbernommen wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Deshalb gibt es sowohl in der W\u00fcrttembergischen Landeskirche als auch im Pietismus kein Heimatrecht eines anderen Schriftverst\u00e4ndnisses; deshalb haben sich 1969 auch viele bekenntnistreue Pfarrer gegen die sogenannte Esslinger Vikarserkl\u00e4rung gewehrt, damals mit Erfolg(<a style=\"color: #000000;\" href=\"#sdfootnote1sym\">1)<\/a>. Deshalb kann auch heute kein Kirchengesetz berechtigten Bestand haben, das gegen die Heilige Schrift und gegen das Bekenntnis der Kirche steht. \u00a7 1 der w\u00fcrtt. Kirchenverfassung beruft sich auf Bibel und Bekenntnis und nach Artikel 73 der Kirchenverfassung gilt: \u201eDas Bekenntnis ist nicht Gegenstand der kirchlichen Rechtssetzung.\u201c So schreibt die Kirchenrechtlerin Renate Pen\u00dfel<a style=\"color: #000000;\" href=\"#sdfootnote2sym\">(2)<\/a>: \u201eDie Verpflichtung zur Wahrung von Schrift und Bekenntnis gilt &#8230; nicht nur f\u00fcr kirchliche Rechtssetzung i.e.S., sondern dar\u00fcber hinaus grds. f\u00fcr alles kirchenleitende Handeln: Sie gilt f\u00fcr Rechtsnormen, &#8230; sie gilt aber auch f\u00fcr kirchliches Leitungshandeln ohne Inanspruchnahme der Formen des Rechts: Kirchliches Leitungshandeln, das von der Bindung an Schrift und Bekenntnis frei ist, gibt es nicht&#8230; Kirchenleitende Organe k\u00f6nnen die Behauptung der Schriftwidrigkeit von Kirchenrecht und auch von sonstigem &#8230; kirchenleitenden Handeln &#8230; nicht als irrelevant ignorieren.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00dcbrigens sagt sogar die r\u00f6misch-katholische Kirche, dass die Bibel das Wort Gottes ist, sogar (was ja sogar bei Evangelikalen manchmal abgelehnt wird) das \u201eirrtumslose\u201c Wort Gottes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dass Karl Barth zwischen Bibel und Wort Gottes unterscheidet, entspricht nicht seiner reformierten Tradition, sondern zeigt, dass er theologisch gesehen ein \u201eSchw\u00e4rmer\u201c ist, so kann er z.B. auch das Kampfwort der Schw\u00e4rmer der Reformationszeit vom \u201epapierenen Papst\u201c, das die Schw\u00e4rmer damals gegen Luthers Bibelverst\u00e4ndnis gebraucht haben, benutzen. Dazu steht er sehr kr\u00e4ftig in der philosophischen Linie des Neuplatonismus, der leider \u00fcber Augustinus ins Reformiertentum eingeflossen ist (z.B. \u201edoppelte Vorherbestimmung\u201c zum Heil oder Unheil, bei Barth dann ver\u00e4ndert, dass es keine Verlorenen mehr gibt).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Manche berufen sich auf These 1 der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung von 1934, in der Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, als das einzige Wort Gottes bezeichnet wird. Aber dies ist grad nicht als Gegensatz von Jesus und Bibel gemeint. Im Gegenteil. Der Theologe Wilhelm Vischer, der mit Barth verbunden war und hier mit diesem einig ist (er hat auch die beiden B\u00e4nde \u201eDas Christuszeugnis des Alten Testaments\u201c geschrieben), zeigt, wie es gemeint ist. Stefan Felber (ein wissenschaftlicher Theologe) hat seine Doktorarbeit (geringf\u00fcgig verbessert) ver\u00f6ffentlicht mit dem Titel: \u201eWilhelm Vischer als Ausleger der Heiligen Schrift. Eine Untersuchung zum Christuszeugnis des Alten Testaments (G\u00f6ttingen 1999). &#8211; Darin hei\u00dft es z.B. (S. 149): \u201e5. Das \u201aChristuszeugnis\u2018 ist der Inhalt der Heiligen Schrift. Die Schrift bildet eine \u201aunteilbare Ganzheit\u2018, weil in Christus Jesus die Einheit und Wahrheit beider Testamente liegt. Seine Gegenwart in ihr ist der Grund daf\u00fcr, da\u00df die Heilige Schrift beider Testamente als ganzes Gottes Wort und als ganzes Menschenwort ist. Daher empf\u00e4ngt jedes einzelne Schriftwort seine Autorit\u00e4t und Wirksamkeit von Jesus Christus. 6. Die wahre Beziehung zwischen Gott und Mensch wird nicht erkannt, wenn ein Teil der Bibel oder eines der Testamente gegen\u00fcber dem anderen abgewertet wird&#8230;\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der dreieinige Gott war ja auch schon im Alten Testament da. Gott der Sohn war auch da beteiligt. Und das Bibelverst\u00e4ndnis Jesu und der Apostel ist das von der Bibel als dem Wort Gottes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Gegensatz von Jesustreu und bibeltreu ist also \u201egrottenfalsch\u201c. Vielmehr ist der Jesus treu, der mit Ihm pers\u00f6nlich verbunden ist, Sein Wort (die Bibel) aus Seiner Hand empf\u00e4ngt und es als Sein Wort und als pers\u00f6nliche Anrede liest und ihm gehorsam ist. Jesus und die Bibel auseinanderrei\u00dfen &#8211; das tun die historisch-Kritischen, die unter der \u201ewissenschaftlichen\u201c Vorgabe (genauer: der Vorgabe der Philosophie Immanuel Kants) die Bibel mit atheistischen Methoden erforschen und mit der Bibel umgehen, \u201eals w\u00e4re sie eine Leiche\u201c (Wilhelm Vischer).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">24.09.2019, Pfarrer Karl Baral<\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Dazu Karin Oehlmann: \u201eEin Gespr\u00e4chspartner unter anderen\u201c, in: Hartmut Zweigle (Hg.): Zwischen Best\u00e4ndigkeit und Wandel, Stuttgart 2017, S. 117ff.<\/p>\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Renate Pen\u00dfel: Kirchenrechtliche Leitlinien f\u00fcr kirchenleitendes Handeln, dessen \u00dcbereinstimmung mit Schrift und Bekenntnis in Frage steht, theologische beitr\u00e4ge 50. Jg. (2019) S. 169ff. (172f.)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seltsame Meinungen werden heute vertreten. Sie klingen eindrucksvoll, manchmal sind sie geeignet, Menschen, auch Christenmenschen zu verwirren. Das hei\u00dft aber keinesfalls, dass sie richtig sind. 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