{"id":1664,"date":"2007-07-27T21:05:48","date_gmt":"2007-07-27T19:05:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1664"},"modified":"2009-09-05T22:37:23","modified_gmt":"2009-09-05T20:37:23","slug":"mannschaft-mit-macken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1664","title":{"rendered":"Predigt: Mannschaft mit Macken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mannschaft mit Macken<br \/>\n<\/strong><strong>Text: Matth\u00e4us 9,35-10,7<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Fu\u00dfballtrainer wurde einmal von einem Reporter gefragt, welche Bedeutung der Profifu\u00dfball f\u00fcr die Volksgesundheit h\u00e4tte. Er antwortete: \u00bbSehr wenig. Da haben wir die Situation, da\u00df 50.000 Menschen, die dringend Bewegung brauchen, ein paar Menschen zuschauen, die dringend Erholung brauchen.\u00ab Ist das nicht oft auch die Situation in unseren Gemeinden? Viele Zuschauer und eine kleine Mannschaft! und als Zuschauer wei\u00df man nat\u00fcrlich genau Bescheid, was alles besser laufen k\u00f6nnte, man kennt alle Macken der Mannschaft. Doch die Gemeinde Jesu ist eine besondere Mannschaft. Eine Mannschaft mit Macken zwar, aber eine Mannschaft mit noch viel mehr. In unserem Predigttext heute erfahren wir etwas \u00fcber Auftrag, Wesen und Wirken der Gemeinde. Wir erfahren, was f\u00fcr eine Mannschaft wir sind!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mt. 9,35 Und Jesus ging ringsum in alle St\u00e4dte und D\u00f6rfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen.<br \/>\n<\/em><em>36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.<br \/>\n<\/em><em>37 Da sprach er zu seinen J\u00fcngern: Die Ernte ist gro\u00df, aber wenige sind der Arbeiter.<br \/>\n<\/em><em>38 Darum bittet den Herrn der Ernte, da\u00df er Arbeiter in seine Ernte sende.<br \/>\n<\/em><em>1 Und er rief seine zw\u00f6lf J\u00fcnger zu sich und gab ihnen Macht \u00fcber die unreinen Geister, da\u00df sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen.<br \/>\n<\/em><em>2 Die Namen aber der zw\u00f6lf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebed\u00e4us, und Johannes, sein Bruder;<br \/>\n<\/em><em>3 Philippus und Bartholom\u00e4us; Thomas und Matth\u00e4us, der Z\u00f6llner; Jakobus, der Sohn des Alph\u00e4us, und Thadd\u00e4us;<br \/>\n<\/em><em>4 Simon Kanan\u00e4us und Judas Iskariot, der ihn verriet.<br \/>\n<\/em><em>5 Diese Zw\u00f6lf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter,<br \/>\n<\/em><em>6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.<br \/>\n<\/em><em>7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde, in diesen Versen werden wir auf den Ursprung der Gemeinde, auf die Keimzelle der Kirche zur\u00fcckgef\u00fchrt. Zwar ist erst Pfingsten die eigentliche Geburtsstunde der Kirche ist, da an Pfingsten die Kraft des Heiligen Geistes der Gemeinde gegeben wird, dennoch sehen wir hier bereits vorgezeichnet, was Sinn und Wesen der Gemeinde ist. Zwar l\u00e4ngst noch nicht mit dem weltweiten Horizont, zun\u00e4chst auf Israel beschr\u00e4nkt, dennoch wird hier schon deutlich, um was es bei Gemeinde geht \u2013 auch heute noch. Hier werden einige Merkmale klar, die zur Mannschaft der Gemeinde geh\u00f6ren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gemeinde \u2013 eine Mannschaft mit Mitleid<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut, wie Schafe, die keinen Hirten haben.\u201c Das ist auffallend: Wenn wir Jesus als Herrn und Vorbild der Gemeinde beobachten, dann kommen wir dazu, da\u00df das erste Merkmal von Gemeinde in unserem Predigttext gar nicht die Gemeinde selbst betrifft, sondern die andern, das Volk, die, die drau\u00dfen sind. Jesus hatte Mitleid mit dem Volk. Und das brachte ihn zum Handeln. Darin steckt ein tiefes Geheimnis: Gemeinde ist kein Selbstzweck. Dietrich Bonhoeffer hat es radikal ausgedr\u00fcckt, wenn er sagt: \u201eDie Kirche ist nur Kirche, wenn sie f\u00fcr andere da ist.\u201c F\u00fcr uns sind heute oft andere Dinge wichtiger: In meiner Gemeinde will ich mich wohlf\u00fchlen. Wenn ich mit Gemeindemitgliedern dar\u00fcber spreche, was ihnen an Gemeinde wichtig ist, so wird in der Regel als erstes \u201eGemeinschaft\u201c genannt. Das ist ja auch ein ganz wichtiges Element. Und eine Gemeinde kann ja \u00fcberhaupt nur eine gute Ausstrahlung nach au\u00dfen haben, wenn man sich in der Gemeinde wohlf\u00fchlt, wenn sie Heimat und Gemeinschaft bietet \u2013 aber Jesus zeigt uns heute neu den Blick f\u00fcr die anderen, f\u00fcr die, die noch nicht dazu geh\u00f6ren, f\u00fcr das Volk! Volkskirche hei\u00dft doch in unserer Gesellschaft, in unserm Volk nicht mehr: das Volk ist die Kirche. Sondern wir m\u00fcssen Kirche f\u00fcr das Volk sein! Warum? Weil wir Mitleid haben sollten mit denen, die ihr Leben so ziel- und sinnlos verbringen, die sich verzehren im Jagen nach Gl\u00fcck. Mitleid mit denen, die meinen ihre Sehnsucht nach Liebe und Sinn allein mit Geld und Gut stillen zu k\u00f6nnen. Mitleid mit denen, die \u2013 ich sage es einmal hart \u2013 nach den Aussagen der Bibel f\u00fcr ewig verloren gehen ohne den Glauben an Jesus Christus. Mitleid, das kann sentimental und oberfl\u00e4chlich klingen. Bei Jesus ist es aber der Ausdruck von knallharter Realit\u00e4tswahrnehmung und von tiefer Liebe und Barmherzigkeit. \u201eAls Jesus das Volk sah\u201c. Das ist der Anfang: Erst einmal die Not um uns herum sehen, wahrnehmen! Wir sind so oft mit uns selbst besch\u00e4ftigt, mit Zank in den eigenen Reihen, mit dem, was uns an anderen aufregt, wo uns andere Christen \u00e4rgern und dadurch sind wir gar nicht mehr in der Lage die zu sehen, die noch nicht zu uns geh\u00f6ren. \u201eAls Jesus das Volk sah, jammerte es ihn.\u201c \u2013 Das ist harmlos \u00fcbersetzt. W\u00f6rtlich steht da im Urtext: Als Jesus das Volk sah, drehte sich ihm vor Mitleid der Magen um. Das schlug ihm auf den Magen. Das war ein Mitleid im wahrsten Sinne des Wortes, ein \u201eMitleiden\u201c. Aber das reicht nat\u00fcrlich nicht. Man kann auch Mitleid haben, wenn man Bilder von verhungernden Kindern in Afrika im Fernsehen sieht und 5 Minuten sp\u00e4ter schaut man sich ein Fu\u00dfballspiel an und nichts passiert. Mitleid reicht nicht. Deshalb ist die Gemeinde<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gemeinde \u2013 eine Mannschaft mit Mission<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mission hei\u00dft: Sendung, Auftrag. Jesus gibt der Gemeinde einen Auftrag, eine Mission: \u201eDie Ernte ist gro\u00df, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, da\u00df er Arbeiter in seine Ernte sende.\u201c Die Arbeiter, das sind die J\u00fcnger, die Nachfolger Jesu \u2013 nicht nur die Zw\u00f6lf, sondern auch jeder von uns, der J\u00fcnger Jesu sind. Die Ernte \u2013 das ist die Welt, die Menschen, die wie reifes Korn auf dem Feld stehen, die einen prall gef\u00fcllt mit den guten G\u00fctern des Lebens, die anderen vielleicht vom Sturm und Hagel des Lebens geknickt. Aber in jedem Fall: nur dann erf\u00fcllen die \u00c4hren Sinn, wenn sie geerntet werden in Gottes Himmels-Scheunen. \u00dcberl\u00e4\u00dft man sie sich selbst \u2013 dann m\u00f6gen sie noch so satt und reich auf den Feldern stehen, letztlich verderben sie; sp\u00e4testens, wenn der Winter des Lebens kommt: Tod und Sterben. Oder eben das andere Bild: Schafe, die ohne Hirten orientierungslos umherirren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handwerker waren gerade dabei, letzte Hand an den Neubau einer Kirche zu legen. Ein Besucher stellte befriedigt fest, da\u00df alles bald fertig sein w\u00fcrde. Alles? Sein Blick fiel auf die hohe Wand hinter dem Altar, die offenbar mit einem gro\u00dfen Christusbild geschm\u00fcckt werden sollte; denn die Kirche sollte &#8222;Zum Guten Hirten&#8220; hei\u00dfen. Man konnte aber nur die Umrisse des Hauptes und der Schultern und einen gro\u00dfen Hirtenstab erkennen. &#8222;Schaffen Sie das Bild denn noch bis zur Einweihung?&#8220;, fragte der Besucher den Bauf\u00fchrer. &#8222;Das Bild ist doch fertig!&#8220; &#8211; &#8222;Aber ich bitte Sie, das meiste fehlt ja noch: Die H\u00e4nde, die F\u00fc\u00dfe &#8211; praktisch fehlt der ganze Leib.&#8220; &#8211;\u00a0&#8222;Nein&#8220;, beharrte der Bauf\u00fchrer, &#8222;das Bild bleibt, wie es ist. Den Leib Christi bilden lebendige Menschen, diejenigen, die hier einmal zur Kirche gehen werden, Christen, die ihr Christsein wirklich ernst nehmen.&#8220; Der Bauf\u00fchrer hat ganz Recht. Wenn wir nicht die F\u00fc\u00dfe sind, mit denen Jesus durch die Stra\u00dfen geht, die Augen und Ohren, die sehen und h\u00f6ren, der Mund, der redet, die H\u00e4nde, die zufassen, dann sind wir mit daran schuld, da\u00df Christi H\u00e4nde bei uns nicht heilen und halten, nicht mehr tr\u00f6sten und zurechtbringen. Das ist die Mission, die wir haben. \u00dcbrigens geht es dabei nicht um puren Aktivismus. Es ist doch interessant: Bevor Jesus die J\u00fcnger selbst losschickt als Arbeiter in die Ernte, sagt er ihnen: \u201eBittet den Herrn der Ernte.\u201c \u2013 Also, das Gebet f\u00fcr die Mission ist schon der Beginn der Mission! Jetzt denken manche vielleicht: Na ja, das ist doch was f\u00fcr Spezialisten, f\u00fcr besonders fromme Christen oder f\u00fcr besonders begabte oder f\u00fcr Pastoren und Theologen\u2026 Nein, es ist f\u00fcr jeden. Denn 1) sind auch Pastoren und Theologen nicht besonders fromm oder begabt, sondern haben auch viele Macken (fragen Sie meine Frau!), und 2) die ersten J\u00fcnger Jesu \u2013 da war kein einziger Theologe dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gemeinde \u2013 eine Mannschaft mit Macken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir uns die Namen der J\u00fcnger anschauen und deren Geschichte, Charakter und Temperament, dann merken wir: Das waren keine besonders frommen Leute. Das waren richtiger Durchschnittsmenschen wie wir. Mit vielen Macken. In aller Vielfalt und Verschiedenheit wie vielleicht auch die Hohnhorster Martins-Gemeinde. Da waren welche dabei, die wollten immer im Vordergrund sein, die haben den Mund oft ein bi\u00dfchen zu voll genommen, wie Petrus, und andere, die sind so unscheinbar im Hintergrund, da\u00df wir von ihnen kaum mehr als den Namen kennen. Da waren Leute, die politisch eher linksau\u00dfen waren, Rebellen und Krawallmacher wie Simon Kanan\u00e4us, der Zelot, und dann waren gutb\u00fcrgerliche Leute etwa Philippus oder Matth\u00e4us. Johannes und Jakobus waren eher aufbrausend im Temperament \u2013 Donners\u00f6hne wurden sie genannt \u2013 Andreas dagegen war ein zarter, zur\u00fcckhaltender Charakter. Thomas der Zweifler geh\u00f6rte auch dazu. Sie alle konnte und wollte Jesus einsetzen in seinem Reich. Sie alle hatten ihre Macken! Wissen Sie, was \u201eMacke\u201c hei\u00dft? Es klingt ja ein bisschen niedlich, aber es kommt aus dem Jiddischen und hei\u00dft eigentlich Fehler, Schlag. Die hatten also richtige Fehler, ja manchmal auch einen richtigen Schlag weg. Das tr\u00f6stet doch. Denn wir haben auch Fehler. Wir sind auch so unterschiedlich, und doch will Jesus uns genauso einsetzen wie seine J\u00fcnger damals. Nur wenn wir doch mit unseren Christen nur halbwegs so barmherzig sein w\u00fcrden, wie Jesus mit uns ist. Was regen Sie sich denn auf, wenn der andere anders ist als Sie. Nehmen Sie es mit Humor. Sehen wir uns doch mit den Augen Jesus an und nehmen einander an mit allen Fehlern und Macken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war in Amerika in der guten alten Zeit, als eine Grundschullehrerin zu Beginn der Religionsstunde ihre Klasse fragte: \u201eWer von euch m\u00f6chte sp\u00e4ter einmal in den Himmel kommen?\u201d Alle Kinder der Klasse streckten den Arm. Nur Charlie nicht. Da wandte sich die Lehrerin erstaunt an ihn: \u201eNun Charlie, m\u00f6chtest du nicht?\u201d Der Junge antwortete: \u201eNat\u00fcrlich will ich in den Himmel kommen, aber doch nicht mit dem Haufen da!\u201d Nehmen wir einander an. Und dann werden wir eine wunderbare Erfahrung machen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gemeinde \u2013 eine Mannschaft mit Macht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinde hat Macht. Zwar ganz anders als die M\u00e4chtigen der Welt, die etwa beim G8-Gipfel tagen und wo es letztlich nur um Macht geht. Nein, die Gemeinde hat eine ganz andere Macht. Eine Macht die in den Augen der Welt oft als Ohnmacht verstanden wird. Es ist die Macht der Liebe. Und er rief seine zw\u00f6lf J\u00fcnger zu sich und gab ihnen Macht, Macht \u00fcber die unreinen Geister, da\u00df sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. Das ist schon eine besondere Macht: unreine Geister zu bek\u00e4mpfen. Ich glaube, wir haben gen\u00fcgend Dinge vor Augen, wo es in unserer Zeit unreine Geister gibt. Sei es die ganze Pornographie, oder andere S\u00fcchte, oder ganz anderes. Jesus gibt uns Macht, den Kampf gegen diese Dinge aufzunehmen. Unsere Stimme dagegen zu erheben. Voraussetzung: Da\u00df wir bei ihm bleiben, in seiner N\u00e4he! Im Gebet und Bibellesen mit ihm verbunden sind. \u201eEr rief sie zu sich\u201c \u2013 das steht am Anfang. Er ist es ja, der sagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. An dieser Macht k\u00f6nnen wir nur teilhaben, wenn wir in seiner N\u00e4he bleiben. Und dann ist es unsere Aufgabe zu heilen. Wie es in dem sch\u00f6nen Lied hei\u00dft: Komm, Herr, segne uns: \u201eSegen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.\u201c Gemeinde, das ist eine Mannschaft mit Mitleid, eine Mannschaft mit Mission, eine Mannschaft mit Macken und eine Mannschaft mit Macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mannschaft mit Macken Text: Matth\u00e4us 9,35-10,7 Liebe Gemeinde! Ein Fu\u00dfballtrainer wurde einmal von einem Reporter gefragt, welche Bedeutung der Profifu\u00dfball f\u00fcr die Volksgesundheit h\u00e4tte. 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