{"id":16534,"date":"2019-07-08T17:14:17","date_gmt":"2019-07-08T15:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16534"},"modified":"2019-07-09T09:33:23","modified_gmt":"2019-07-09T07:33:23","slug":"gebaermutter-transplantation-ein-kind-bekommen-um-jeden-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16534","title":{"rendered":"Geb\u00e4rmutter-Transplantation: Ein Kind bekommen &#8211; um jeden Preis?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Erstmals kamen in Deutschland zwei Kinder zur Welt, deren M\u00fctter eine Geb\u00e4rmutter transplantiert bekommen hatten. Die jeweiligen Gro\u00dfm\u00fctter waren die Spenderinnen. Umstritten ist, ob ein unerf\u00fcllter Kinderwunsch derart schwere Eingriffe rechtfertigt. F\u00fcr die Spenderinnen bedeutet die Entfernung des Organs eine mehrst\u00fcndige Operation, f\u00fcr die Empf\u00e4ngerinnen hei\u00dft eine Transplantation, dass die jungen Frauen konstant Immunsuppressiva einnehmen m\u00fcssen, damit es zu keiner Absto\u00dfungsreaktion kommt. Welche gesundheitliche Langzeitfolgen dies f\u00fcr die Kinder bedeutet, ist nicht klar.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00f6sterreichische Chirurgin Hildegunde Piza \u00e4u\u00dferte sich aufgrund der medizinischen Risiken f\u00fcr die Kinder k\u00fcrzlich kritisch zum Verfahren der Geb\u00e4rmutter-Transplantation (vgl. IMABE 01\/2019). Claudia Bozzaro, Medizinethikerin an der Universit\u00e4t Freiburg, stellt vor allem die mangelnde Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zwischen den Risiken f\u00fcr die Spenderin und dem unerf\u00fcllten Kinderwunsch in Frage. Unfruchtbarkeit sei keine lebensbedrohliche Erkrankung. Im Unterschied zu anderen Transplantationen wie etwa von Herz, Leber oder Nieren gehe es bei Geb\u00e4rmutterverpflanzungen nicht darum, das Leben der Empf\u00e4nger zu retten oder zu verl\u00e4ngern. Die Schaden-Nutzen-Abw\u00e4gung k\u00f6nne in diesem Fall keine ethische Legitimation f\u00fcr den Eingriff liefern, sagt Bozzaro gegen\u00fcber der S\u00fcddeutschen Zeitung (online, 23.5.2019) Sie h\u00e4lt die Uterus-Transplantation f\u00fcr &#8222;derart invasiv, risikoreich und sowohl \u00f6konomisch als auch personell aufwendig&#8220;, dass es nicht plausibel sei, sie mit Verweis auf einen unerf\u00fcllten Kinderwunsch zu rechtfertigen. Offen ist auch, wer die Kosten des Eingriffs (Sch\u00e4tzungen liegen bei 50.000 Euro aufw\u00e4rts) tragen soll und ob Krankenkassen &#8211; und damit die Solidargemeinschaft &#8211; verpflichtet werden k\u00f6nnen, f\u00fcr diese Kosten aufzukommen, zumal keine Krankheit mit Dringlichkeitswert vorliegt. Das erste Kind, das nach einer Geb\u00e4rmuttertransplantation in Schweden geboren wurde, ist inzwischen f\u00fcnf Jahre alt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden deutschen Kinder kamen im M\u00e4rz und Mai 2019 in T\u00fcbingen per Kaiserschnitt zur Welt. Beide M\u00fctter (25 bzw. 26 Jahre alt) waren aufgrund des sog. Mayer-Rokitansky-K\u00fcster-Hauser-Syndroms ohne Geb\u00e4rmutter geboren worden. Die Spender-Gro\u00dfm\u00fctter hatten bereits die Wechseljahre \u00fcberschritten. An den Geb\u00e4rmutter-Transplantationen an der Universit\u00e4tsfrauenklinik T\u00fcbingen waren auch \u00c4rzte aus G\u00f6teborg um Mats Br\u00e4nnstr\u00f6m beteiligt; sie hatten 2012 den ersten menschlichen Uterus verpflanzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen sind weltweit 17 Kinder nach Uterus-Transplantationen geboren worden. Zuletzt machte die Geburt eines Kindes in Brasilien Schlagzeilen, dessen Mutter die Geb\u00e4rmutter von einer hirntoten Spenderin erhalten hatte. Die britische Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) hat bereits zugesichert, dass es keine gesetzlichen H\u00fcrden g\u00e4be, um auch Transfrauen &#8211; also biologischen M\u00e4nnern, die sich als Frauen f\u00fchlen &#8211; eine Geb\u00e4rmuttertransplantation und k\u00fcnstliche Befruchtung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Institut f\u00fcr medizinische Anthropologie und Bioethik, Juni 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstmals kamen in Deutschland zwei Kinder zur Welt, deren M\u00fctter eine Geb\u00e4rmutter transplantiert bekommen hatten. Die jeweiligen Gro\u00dfm\u00fctter waren die Spenderinnen. Umstritten ist, ob ein unerf\u00fcllter Kinderwunsch derart schwere Eingriffe rechtfertigt. 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