{"id":16340,"date":"2019-03-30T18:18:11","date_gmt":"2019-03-30T17:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16340"},"modified":"2019-04-01T15:31:55","modified_gmt":"2019-04-01T13:31:55","slug":"16340","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16340","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Psalm 27,1-4: &#8222;&#8230;zu schauen die sch\u00f6nen Gottesdienste des Herrn&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich f\u00fcrchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Wenn die \u00dcbelt\u00e4ter an mich wollen, mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, m\u00fcssen sie selber straucheln und fallen. Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so f\u00fcrchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. Eines bitte ich vom HERRN, das h\u00e4tte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben k\u00f6nne mein Leben lang, zu schauen die sch\u00f6nen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten. (Psalm 27, 1-4:)<\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde, dreiteilig ist diese Predigt aufgebaut:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Liturgie lebt aus Gottes Licht und Liebe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist \u00fcberhaupt Gottesdienst und Liturgie? Das griechische Wort \u201eLeitourgia\u201c hat Martin Luther \u00fcbersetzt als \u201aGottes Dienst\u2018. Dabei ist ganz wichtig zu erfassen, dass Gottesdienst zuerst und vor allem \u201eGottes\u201c Dienen an seiner Gemeinde und den Menschen ist. Und erst darauf, quasi als Antwort, ist es ein Dienst des Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">David singt: \u201eDer HErr ist mein Licht und mein Heil<strong>\u201c <\/strong>(Ps. 27, 1).<br \/>\nJesus spricht: \u201eIch bin das Licht der Welt\u201c (Joh 8, 12).<br \/>\nDer Apostel Paulus schreibt (Kol 1, 12): \u201eSagt Dank dem Vater, der euch t\u00fcchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und in 1. Joh. 4 hei\u00dft es: \u201eGott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. \u2026Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottesdienst ist Handeln Gottes. Gott dient uns und ist aktiv. In seinem Licht und seiner Liebe begegnet er uns. Er rettet, ver\u00e4ndert und erf\u00fcllt unser Leben. Er erf\u00fcllt es mit seinem Heil und mit Glauben. Das ist zu 100 Prozent Handeln und Geschenk Gottes, wie in Eph 2, 8f geschrieben steht: \u201eDenn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand r\u00fchme.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist allein Gnade Gottes, sein Geschenk an dich, da ist kein Platz f\u00fcr irgendein Zutun des Menschen. Alle Werkgerechtigkeit und Menschenwerk sind ausgeschlossen. Das ist biblisch-reformatorische Rechtfertigungslehre. Wer das verstanden hat, der wei\u00df, dass solcher Dienst Gottes geradezu heilsnotwendig ist. Wer davon erf\u00fcllt ist, will keinen Sonntag ohne Gottesdienst haben, weil Gott selbst mit seiner Gnade an dir handelt. Mein Lehrer in praktischer Theologie, Prof. M\u00f6ller, dr\u00fcckt das so aus: \u201eEs kommt darauf an, sich von Gott dienen zu lassen und seinen Dienst zu empfangen, und zwar so hingebungsvoll, dass ich dann gar nicht mehr anders kann, als mich von IHM der Gemeinde als dem Leib Christi einf\u00fcgen zu lassen und hier ein t\u00e4tiges Glied an seinem Leib zu werden.\u201c (Christian M\u00f6ller, Examensreader 1990, S. 79)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solcher Gottesdienst schlie\u00dft r\u00f6misch-katholischen Messopferdienst des Menschen aus. Ebenso ausgeschlossen sind andere menschliche Darbietungen und sogenannte Eventgottesdienste, wie dies verst\u00e4rkt in evangelischen Landes- und Freikirchen praktiziert wird. Solches wird u.a. daran erkennbar, dass beim Gottesdienst Menschen von vorne andere Menschen als G\u00e4ste begr\u00fc\u00dfen, dass der Gottesdienst moderiert wird und ein wechselndes Programm hat. Mitunter nutzt man eine B\u00fchne f\u00fcr die Darbietungen wie in einem Theater. Es stellt sich die Frage, wer ist hier Hausherr &#8211; Gott oder der Mensch? Wer ist hier der Handelnde &#8211; Gott oder der Mensch? Ist Gottesdienst die Versammlung der Heiligen oder gibt es G\u00e4ste und Publikum? Geschieht alles zum Lob Gottes oder wird Menschen Beifall geklatscht? Ist Gottesdienst Gottes Dienst an Menschen oder des Menschen Dienst f\u00fcr Gott?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sind keine nebens\u00e4chlichen oder kleinkarierten Fragestellungen, sondern hierbei geht es um das Eigentliche. Hier geht es um das Sein oder Nicht-Sein von Gottesdienst. Und deshalb ist der Beginn des Gottesdienstes mit dem Votum auch so unverzichtbar wichtig. Gottesdienst beginnt und geschieht \u201eIm Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c &#8211; oder es ist nicht Gottesdienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch dieses Votum wird deutlich gemacht, dass nicht menschliche Begabungen oder gleiche Interessen die Versammlung zusammengebracht haben, sondern der Dreieinige Gott selbst seine Heiligen zusammenruft. Das ist die Bedeutung von Ecclesia, der Kirche Jesu Christi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dieses Votum ist keine Bitte, sondern die Verhei\u00dfung und Zusage des lebendigen Gottes selbst. Der dreieinige Gott ist gegenw\u00e4rtig mitten in seiner Gemeinde, er wirkt durch seinen Heiligen Geist. Das k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir Menschen nicht erst machen und erbitten, sondern darauf hin glauben und feiern wir. Deshalb m\u00fcssen auch Kirchen oder Gottesdienstorte vorher nicht von b\u00f6sen D\u00e4monen freigebetet werden. Man braucht auch keine W\u00fcnschelruteng\u00e4nger, um spirituell st\u00f6rende Wasseradern aufzusp\u00fcren. Es m\u00fcssen auch keine \u00d6le vergraben werden, um negative Energien und Ger\u00fcche aus Kirchen hinauszutreiben. Alles schon erlebt! All dieser esoterische Spiritismus zeugt nur davon, dass die Beziehung und das Vertrauen zum lebendigen Gott verloren gegangen ist. Zur\u00fcck bleiben W\u00fcste und Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIm Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c steht gegen alle menschlichen Programme und Konzepte und sonstige Werkerei, die mit daf\u00fcr verantwortlich sind, dass viele Gemeinden so m\u00fcde und resigniert sind und ihre Kirchenb\u00e4nke so leer. Es steht aber auch gegen alle Show-Elemente und Darbietungen, um Menschen anzulocken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIm Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c hat eine ganze andere Blickrichtung. Es schaut nicht auf die leeren oder vollen Kirchenb\u00e4nke, sondern es ist ein Schauen auf den Reichtum Seiner Gnade. \u201eDas Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.\u201c (Joh 1, 14)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Gegenwart und im Namen des Dreieinigen Gottes feiert IHR als Zugeh\u00f6rige des Leibes Christi Gottesdienst. Ihr seid die Gemeinschaft der Heiligen, und der HErr mitten unter Euch. Und Ihr seid zusammen, \u201ezu schauen die sch\u00f6nen Gottesdienste des Herrn\u201c (Ps 27, 4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Liturgie <\/strong><strong>spiegelt<\/strong><strong> Gottes <\/strong><strong>Herrlichkeit<\/strong><strong> und Ordnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn nun klar ist, dass Gottesdienst in erster Linie und vor allem Gottes Dienen ist, dann geht es dabei um IHN, um seinen Glanz und seine Herrlichkeit. Und es geht um sein Handeln und all das, was er f\u00fcr uns getan hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir haben ja keinen Chaos-Gott, der je nach Tageslaune regiert und Gebote aufstellt oder abschafft. Nein, wir haben einen Sch\u00f6pfergott, der von Anfang an alles wohl geordnet und aufeinander zu geschaffen hat. Das gilt f\u00fcr das Weltall ebenso wie f\u00fcr die Lebenwesen. Wenn die einzelnen Bestandteile und Beziehungen nicht genau aufeinander abgestimmt w\u00e4ren, w\u00fcrde das im Super-Gau enden, und Leben w\u00e4re \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich. Und weil dies alles so wunderbar geordnet ist, deshalb schreibt auch der Apostel Paulus im Bezug auf den Gottesdienst und die Gemeindeversammlung: \u201eLasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen\u201c (1. Kor. 14, 40).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das ist ja so etwas von entlastend, wenn die Gemeinde den Gottesdienst in einer himmlischen Ordnung feiern darf. Das bewahrt die Gemeinde vom eigenen Tun und Werkeln, damit der Gottesdienst besser und attraktiver w\u00fcrde. Das w\u00fcrde er aber dadurch nicht, im Gegenteil. Das erzeugt nur Stress, weil eine Gemeinde dann, wenn sie ein gewisses Level erreicht hat, ja k\u00fcnftig noch mehr tun muss, um nicht am eigenen Ma\u00dfstab zu scheitern. Und erschwerend kommt dann noch das Vergleichen mit anderen Gemeinden hinzu. Man will ja schlie\u00dflich mithalten k\u00f6nnen. Das w\u00e4re dann nicht anders als bei TV-Shows, die um Einschaltquoten k\u00e4mpfen. Aber mal ehrlich, wohin soll das f\u00fchren? Du wirst immer eine Gemeinde finden, die noch mehr macht, die noch perfekter ihren \u201eGottesdienst\u201c stylt, die noch mehr Geld hat, die sich noch mehr in der \u00d6ffentlichkeit in einem strahlenden Glanz darzustellen vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber kann man in gestressten Gemeinden, die immer mehr wollen oder mit anderen in einem Wettkampf liegen, kann man in solchen Gemeinden zur Ruhe kommen? Kann man in solchen Gemeinden aufatmen? Hat nicht der Alltag schon genug Rennerei, Zeitnot, Druck und Stress? Und hat uns Gott diesen einen Tag in der Woche nicht als Ruhetag gegeben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel befreiender ist es hingegen, wenn der Gottesdienst eine klare und feste Ordnung hat. Eine Ordnung, die man kennt, in der man zur Ruhe kommen kann, in der Gott einem dienen kann, in der man beheimatet ist. Und eine Ordnung, die nicht in jeder Gemeinde oder Konfession komplett anders aussieht, so dass ich auch an anderen Gottesdienstorten einen Wiedererkennungseffekt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leitourgia ist also Ordnung. Aber nicht als formalgesetzliche Erf\u00fcllung kultischer Vorschriften. Denn Gottesdienste ohne rechten Glauben an den einen, wahren, lebendigen Gott, die sind Gott ein Gr\u00e4uel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liturgie als Gottes Dienst ist daher auch kein Herunterleiern alter Texte, sondern lebt aus der Vertrauensbeziehung zu Gott und wird von ihm her immer wieder neu mit Leben erf\u00fcllt. Wir sind Empfangende und Beschenkte. So lebt die Liturgie aus einer reichen biblischen Tradition heraus. In der ersten Zeit nach Pfingsten haben die Apostel und die junge Gemeinde noch selbstverst\u00e4ndlich den Synagogengottesdienst mitgefeiert und sich zus\u00e4tzlich in den H\u00e4usern getroffen, um miteinander zu beten und das Mahl zu feiern. Erst nach dem Bruch mit der j\u00fcdischen Gemeinde hat sich der christliche Gemeindegottesdienst entwickelt. Dabei hat man Grundelemente des j\u00fcdischen Synagogen-Gottesdienstes \u00fcbernommen. Und so wie die Apostel und Evangelisten nach der Auferstehung Jesu das Alte Testament von Jesus Christus her und auf Jesus Christus hin gelesen haben, ebenso haben sie allen Gottesdienstelementen einen christusgem\u00e4\u00dfen Sinn gegeben. Jesus selbst hat das ja vorgegeben, indem er im Rahmen des j\u00fcdischen Passahmahles das Heilige Abendmahl eingesetzt hat. Nur in Christus wird das Heilshandeln Gottes vom alten Bund zum neuen Bund verst\u00e4ndlich. Der tief ergreifende Sinn des Abendmahles ist ohne das Passahfest nicht zu erfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So finden sich bereits im Neuen Testament selbst die entscheidenen Bestandteile des christlichen Gottesdienstes: Mahlfeier, Wort, Gesang, Gebete mit Vaterunser, Bekenntnisformeln, Doxologien, Segen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00e4lteste, vollst\u00e4ndige, uns bekannte Liturgie ist die Jakobus-Liturgie. Sie stammt aus der Zeit zwischen Urgemeinde und 4. Jahrhundert. Ein solcher Gottesdienst dauerte etwa sechs Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehen wir in die Tiefe neutestamentlicher Liturgie zur\u00fcck, so erreichen wir die Wurzeln des christlichen Gottesdienstes. In der Liturgie begegnen wir dem Geheimis Gottes, welches er uns offenbart hat. Hier erleben wir Begegnung mit Gott selbst, seine Menschwerdung in Jesus Christus, f\u00fcr uns gestorben und auferstanden, das durch ihn erworbene Heil unseres Lebens. Von ihm kommt die Kraft der Erneuerung durch den Heiligen Geist. Das d\u00fcrfen wir erleben und feiern mitten in der Unordnung dieser heillosen Welt. All die \u00dcbelt\u00e4ter, Widersacher und Feinde m\u00fcssen scheitern an Gott und seinem Heil f\u00fcr uns, wie es Psalm 27 ausdr\u00fcckt. Liturgie ist daher ein Vorgeschmack auf die vollkommene Herrlichkeit in Gottes ewigem Reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Entscheidende der Liturgie ist also der Dienst Gottes und nicht irgendwelche menschlichen Darbietungen oder Vorf\u00fchrungen. Wer meint, den Gottesdienst durch Anpassungen an den aktuellen Zeitgeist oder die gerade hippen Lebensgewohnheiten der Menschen attraktiv zu machen, der wird schnell entt\u00e4uscht feststellen, wieviel hei\u00dfe Luft er erzeugt, die schnell wieder abk\u00fchlt. Trends verschwinden meist so schnell, wie sie gekommen sind. Wer beispielsweise alles stets am aktuellen Musikgeschmack ausrichtet, verliert sich in der Oberfl\u00e4chlichkeit. Tiefe Glaubensfundamente gehen ihm ebenso verloren, wie Nachhaltigkeit in Gemeindeaufbau und Mission. Und Fast-Food-Gottesdienste tragen ebenso wenig zur Heilung bei, wie McDonalds zur Gesundheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten 50 Jahren sind vermutlich mehr Gottesdienstkonzepte, verschiedene Stile und Programme ausprobiert worden als in fast 2000 Jahren zuvor. So leer sind aber auch die Kirchenb\u00e4nke geworden oder so voll manche Veranstaltungsr\u00e4ume. Den wunderbaren Schatz der Liturgie als Geschenk Gottes hat man verachtet, stattdessen sollte der Gottesdienst \u201emenschlich\u201c werden. Mit Dialogpredigten, Kurzpredigten, B\u00fcttenreden, Tanzshows, Filmvorf\u00fchrungen und vielem anderen mehr, wollte man eine Ungezwungenheit hineinbringen. Dadurch hat man aber nur einen Veranstaltungs- und Eventcharakter der \u201eGottesdienste\u201c erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das passt zwar vielleicht zum modernen Menschen, der einerseits gerne ein aktiver Macher ist, andererseits gerne dasitzt und anderen zuschaut. Beides aber passt nicht zum Gottesdienst. Das Geheimnis Gottes ging dadurch verloren. Dieses Geheimnis kann ich n\u00e4mlich nicht machen, sondern nur empfangen. Und dieses Geheimnis kann ich auch nicht als Zuschauer erleben, sondern nur, wenn ich von Gottes Geist ergriffen bin und mitfeiere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dazu ist Ruhe und Stille hilfreich, eine Atmosph\u00e4re der Sammlung und Konzentration, des intensiven Betens. Ein solches Schweigen ist eben kein sinnloses Verstummen, sondern ein sich \u00d6ffnen f\u00fcr Gottes Reden und Handeln, es ist Hingabe an Gott. Ein solches Schweigen ist Ehrfurcht vor dem lebendigen und allm\u00e4chtigen Gott. Nur aus einer solchen Stille finden wir zur wahren Anbetung und zum Lobpreis des ewigen Vaters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leitourgia ist daher voller reichen geistlichen Lebens. Dazu geh\u00f6rt auch das Kirchenjahr mit seinen wechselnden Bu\u00dfzeiten und Freudenzeiten: Advent \u2013 Weihnachten \u2013 Passion \u2013 Ostern \u2013 Himmelfahrt \u2013 Pfingsten \u2013 die Trinitatiszeit \u2013 Erntedank \u2013 Ewigkeitssonntag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat in seine Sch\u00f6pfung einen Reichtum von Farben, D\u00fcften und Formen hineingelegt, alles das d\u00fcrfen wir auch in der Liturgie erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und damit das geht, hat uns der Sch\u00f6pfer f\u00fcnf Sinne gegeben. Den Evangelischen wird manchmal zu Recht vorgeworfen, sie seien zu kopflastig und zu wortlastig. Aber \u201edas Wort ward Fleisch \u2026 und wir sahen seine Herrlichkeit\u201c. Martin Luther ging es bei der Reformation nicht um die Abschaffung der sch\u00f6nen, sinnenhaften und festlichen Gottesdienste, sondern um die Wiedergewinnung der evangelischen Predigt von der Gnade Gottes f\u00fcr den bu\u00dffertigen S\u00fcnder. Auch deswegen ist es angemessen, dass die Pastoren die Albe mit Stola tragen, n\u00e4mlich das wei\u00dfe Taufkleid und das Joch Christi. Liturgie ist ein Geschehen mit allen Sinnen, deshalb sind auch Gesten und Symbole so wichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer solchen reichhaltigen Liturgie geschieht Gottes Dienst. Durch seine Gnade darf ich Gottes Kind sein und als sein geliebtes Kind leben und feiern. Gott hat aber keine Einzelkinder, wir sind Br\u00fcder und Schwestern im HErrn. Daher k\u00f6nnen wir nur in der Gemeinschaft Gottesdienst feiern. Der moderne Individualismus und Egoismus gef\u00e4hrdet die Liturgie. Nur wer bereit ist, sich auf andere einzulassen, kann Teil des Leibes Christi sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Bleiben im Hause des Herrn<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist das gro\u00dfe Sehnsuchtsziel von K\u00f6nig David: \u201eBleiben im Hause des HERRN. Zu schauen die sch\u00f6nen Gottesdienste des HERRN. Seinen Tempel zu betrachten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal versuchen wir einen sch\u00f6nen Lebensmoment auf einem Foto festzuhalten. F\u00fcr ein Kind Gottes ist es das Sch\u00f6nste, an Jesus Christus festzuhalten, an ihm zu bleiben. So hat Jesus zu seinen J\u00fcngern gesagt: \u201eIch bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun.\u201c (Joh 15, 5)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und deshalb ist Glaube keine verstaubte Erinnerung an alte Zeiten, sondern ein Bleiben und Leben mit Christus im Hier und Jetzt. Glaube ist kein Betrachten eines alten Fotoalbums, sondern Jesus ist unter uns heute ebenso real anwesend, wie damals bei den J\u00fcngern. Bereits die Israeliten feiern das Passafest j\u00e4hrlich bis heute so, als seien sie selbst beim Auszug aus \u00c4gypten dabei gewesen (2. Mose 13, 8). Gottesdienst ist daher viel mehr als ein Erinnern an fr\u00fchere Taten Gottes. Gottesdienst ist ein Geschehen, ein Feiern und Erleben des lebendigen HErrn, der mitten unter uns ist. \u201eLiturgie ist keine Erinnerung an vergangene Ereignisse, sondern die Vergegenw\u00e4rtigung unsichtbarer Wirklichkeiten, die im Leben eines Jeden wirken.\u201c So hat es Papst Leo der Gro\u00dfe im 5. Jahrhundert einmal ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dieses Sein und Bleiben in Jesus Christus reicht noch viel weiter. Es gilt \u00fcber unseren Tod hinaus. Deshalb ist jeder Gottesdienst auch Vorfreude auf die Ewigkeit, auf ein himmlisches Leben voll strahlender Herrlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erl\u00f6ste Kinder Gottes leben wir jeden Augenblick unseres Lebens aus Gottes Wort und auf seine Verhei\u00dfung hin. Das ist Liturgie, Gottes Dienst an uns. Weil Gottesdienst Gottes Dienst an uns ist, erfahren wir im Gottesdienst Heil und Leben. Die orthodoxe Kirche hat dies in besonderer Weise bewahrt und feiert Gottesdienst als Vergegenw\u00e4rtigung des Heilsgeschehens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem wunderbaren Lobpreislied hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gott ist gegenw\u00e4rtig. Lasset uns anbeten<br \/>\nund in Ehrfurcht vor ihn treten.<br \/>\nGott ist in der Mitte. Alles in uns schweige<br \/>\nund sich innigst vor ihm beuge.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Begegnung mit dem lebendigen Gott braucht unsere \u00e4u\u00dferliche und innerliche Vorbereitung. Das f\u00e4ngt schon zuhause an, indem ich mich auf den Gottesdienst freue und mir bewusst die Zeit daf\u00fcr nehme. Ich bin zur Feier des lebendigen Gottes geladen, dementsprechend kleide ich mich auch. &#8211; Auf der Einhaltung des Ruhetages als eines besonderen Tages f\u00fcr Gott liegt sein Segen f\u00fcr Geist, Leib und Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur der Pfarrer, Kirchendiener, Organist sollten fr\u00fchzeitig im Gotteshaus sein, sondern auch die Presbyter der Gemeinde sollen sich fr\u00fchzeitig in der Sakristei versammeln, um f\u00fcr die Gottesbegegnung und die Gemeinde zu beten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Glocken fangen eine Stunde vorher an, zum Gottesdienst zu rufen. Beim dritten Gel\u00e4ut, die letzten 10 Minuten vor dem Gottesdienst, ist es wohltuend f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen, wenn sie bereits in der Kirche sind, in Ehrfurcht vor Gott treten, bevor man sich setzt, ein Gebet sprechen. Alles in uns schweige \u2026 So bereiten wir uns auf den Gottesdienst vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Orgel f\u00e4ngt an zu spielen, Presbyter und Pfarrer ziehen gemeinsam in die Kirche ein, die Gemeinde steht dazu auf. Aber nicht zur Ehre der Menschen, sondern weil das Wort Gottes \u2013 die Altarbibel \u2013 hereingetragen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Eingangslied folgt das Votum \u201eIm Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.\u201c Es gilt seine Verhei\u00dfung, dass er mitten unter uns gegenw\u00e4rtig ist. Wie bereits erl\u00e4utert, l\u00e4dt ER ein zum Gottesdienst und ER ist der Hausherr. Deshalb ist das Votum wie ein Heroldsruf, es braucht keine Ausschm\u00fcckungen und keine Verschlimmbesserungen und schon gar nicht die Einleitung \u201eWir feiern \u2026\u201c, sondern schlicht und klar \u201eIm Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.\u201c Das Zeichen des Kreuzes verst\u00e4rkt sinnhaft das gesprochene Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Begr\u00fc\u00dfungen zum Gottesdienst sind daher \u00fcberfl\u00fcssig und weisen in die falsche Richtung. Die Gemeinde spricht laut auf das Votum das best\u00e4tigende Amen. Die Gottesdienstfeier setzt sich fort, und eine geistlich reife Gemeinde kennt die Liturgie. Nichts ist der Sch\u00f6nheit und Dynamik der Liturgie abtr\u00e4glicher als ein Moderator, der der Gemeinde sagen muss, was sie zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und noch ein Wort zur Gemeinde. Wir haben vorhin bereits geh\u00f6rt, dass Gott keine Einzelkinder hat, wir sind Br\u00fcder und Schwestern im HErrn. Bilden wir das ab mit unserem Sitzen? Welchen Eindruck h\u00e4tte ein Au\u00dfenstehender, wenn er hier hereinkommt? Ist die Gemeinschaft der Heiligen auch mit den Augen zu erkennen oder leben wir eher die Vereinzelung und den Individualismus? Seid ihr mitten drin oder nur dabei?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir merken, wir haben auch noch manches zu lernen und einzu\u00fcben. Und wir haben noch ein St\u00fcck weit den Nachteil, dass wir nur eine Netzwerkgemeinde sind, wir kommen aus unterschiedlichen Richtungen, noch ohne feste Struktur. Aber wir versammeln uns unter dem einen HERRN als seine Gemeinde. Wir sind versammelt, um mit K\u00f6nig David einzustimmen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEines bitte ich vom HERRN, das h\u00e4tte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben k\u00f6nne mein Leben lang, zu schauen die sch\u00f6nen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus (2, 19ff) und auch an uns:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSo seid ihr nun nicht mehr G\u00e4ste und Fremdlinge, sondern Mitb\u00fcrger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergef\u00fcgt w\u00e4chst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Ulrich J. Hauck, NbC\/GHB-Gottesdienst Landau-M\u00f6rzheim, 24.03.2019<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Diese Predigt steht am Beginn einer Predigtreihe mit dem Thema \u201e<\/em><em>7 Predigten in Liebe zur Liturgie<\/em><em> &#8211; <\/em><em>gegen die Banalisierung des Gottesdienstes<\/em><em>\u201c. <\/em><em>In der ersten Predigt geht es um Grunds\u00e4tzliches zur Liturgie und dem Anfang des Gottesdienstes, es folgen sp\u00e4ter Anrufung und Lobpreis, S\u00fcndenbekenntnis und Gnadenzusage, Verk\u00fcndigung und Bekenntnis, Heiliges Abendmahl und Segen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich f\u00fcrchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Wenn die \u00dcbelt\u00e4ter an mich wollen, mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, m\u00fcssen sie selber straucheln und fallen. Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":480,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,12,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16340"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/480"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16340"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16340\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16345,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16340\/revisions\/16345"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}